Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 18

Chapter 183,183 wordsPublic domain

Am nächsten Morgen begann der Kampf von neuem. Die Sprache der Vaterlandspartei war auffallend kühner und schärfer als am vorigen Tage. Der die Geldbewilligung betreffende Paragraph in der Thronrede des Königs ging dem auf den Test bezüglichen voraus. Aus diesem Grunde schlug Middleton vor, den auf die Geldbewilligung bezüglichen zuerst im Comité zu berathen. Die Opposition verlangte die umgekehrte Reihenfolge; sie behauptete, das vernünftige, und verfassungsmäßige Verfahren sei, erst dann Geld zu bewilligen, wenn den Beschwerden abgeholfen worden, diesem Gebrauche aber würde man untreu, wenn man sich sklavisch an die Reihenfolge binde, in der der König die Gegenstände in der Thronrede erwähnt habe.

Es wurde nun über die Frage abgestimmt, ob Middleton's Antrag angenommen werden solle. Der Präsident ersuchte die mit »Nein« Stimmenden, sich in das Vorzimmer zu begeben. Dies verdroß sie heftig und sie beschwerten sich laut über seine Servilität und Parteilichkeit, da sie wußten, daß sie nach der damals geltenden verwickelten und subtilen Regel, welche in unsrer Zeit durch einen verständigeren und zweckmäßigeren Gebrauch ersetzt worden ist, berechtigt waren, auf ihren Plätzen zu bleiben. Auch waren überhaupt alte parlamentarischen Taktiker jener Zeit der Ansicht, daß die im Saale zurückbleibende Partei einen Vortheil gegen die sich entfernende voraus hatte, denn die Einrichtung mit den Bänken war damals noch so mangelhaft, daß Niemand, der so glücklich gewesen war, einen guten Platz zu erlangen, ihn gern einbüßte. Trotzdem sah man zum großen Ärger der Minister viele Mitglieder, auf deren Stimme der Hof zuversichtlich gerechnet hatte, auf die Thür zu gehen. Unter ihnen befand sich der Kriegszahlmeister Karl Fox, Sohn des Sekretärs beim Hofmarschallgericht, Sir Stephan Fox. Der Zahlmeister hatte sich durch seine Freunde überreden lassen, während eines Theils der Debatte hinauszugehen; aber es quälte ihn eine unerträgliche Angst. Er kehrte daher in das Präsidentenzimmer zurück, hörte einen Theil der Debatte mit an, entfernte sich dann wieder, und nachdem er eine oder zwei Stunden zwischen seinem Gewissen und seinem Jahrgehalt von fünftausend Pfund geschwankt hatte, faßte er einen mannhaften Entschluß und eilte gerade noch zur rechten Zeit, um seine Stimme abzugeben, in den Saal zurück. Zwei Offiziere von der Armee, der Oberst Johann Darey, Sohn des Lord Conyers, und der Hauptmann Jakob Kendall, begaben sich ebenfalls ins Vorzimmer. Middleton ging an die Schranke hinab und setzte sie heftig zur Rede, wobei er sich vorzugsweise an Kendall wendete, einen unbemittelten Anhänger des Hofes, der auf Befehl des Königs von einem bestochenen Wahlkörper in Cornwall ins Parlament geschickt worden war und kürzlich hundert zur Deportation verurtheilte Rebellen zum Geschenk erhalten hatte. »Sir«, fragte Middleton, »commandiren Sie nicht eine Abtheilung Reiterei in Seiner Majestät Diensten?« -- »Allerdings, Mylord«, antwortete Kendall, »aber mein älterer Bruder ist eben gestorben und hat mir siebenhundert Pfund jährlich hinterlassen.«

[Anmerkung 20: +Commons' Journals, Nov. 12. 1685+; Leeuwen, 13.(23.) Nov.; Barillon, 16.(26.) Nov.; +Sir John Bramston's Memoirs+. Der beste Bericht über die Verhandlungen des Hauses der Gemeinen vom Nov. 1685 hat eine ziemlich merkwürdige Geschichte. Es befinden sich zwei geschriebene Copien davon im Britischen Museum (Harl. 7187 & Lansd. 253). In diesen Copien sind die Namen der Sprecher ausgeschrieben. Der Verfasser der 1702 erschienenen Lebensbeschreibung Jakob's, nahm diesen Bericht auf, gab aber nur die Anfangsbuchstaben der Redner an. Die Herausgeber von +Chandler's Debates+ und der +Parliamentary History+ riethen von diesen Anfangsbuchstaben auf die Namen und riethen zuweilen falsch. So schreiben sie eine ausgezeichnete Rede, welche später erwähnt werden wird, Waller zu, während sie von Windham, dem Abgeordneten von Salisbury, gehalten wurde. Zu meinem Bedauern sah ich mich gezwungen, die Meinung aufzugeben, daß die letzten öffentlich gesprochenen Worte Wallers so ehrenvoll für ihn waren.]

[_Niederlage der Regierung._] Als die Stimmenzähler ihr Geschäft beendet hatten, ergaben sich hundertzweiundachtzig bejahende und hundertdreiundachtzig verneinende Stimmen. Also in einem Unterhause, welches durch gewissenlose Anwendung von Ränken, Bestechungen und Gewaltmaßregeln zusammengebracht war und von dem Jakob gesagt hatte, daß elf Zwölftel der Mitglieder so seien, wie er sie selbst gewählt haben würde, in einem solchen Unterhause erfuhr der Hof in einer Lebensfrage eine Niederlage[21].

In Folge dieser Abstimmung wurden die Ausdrücke, deren sich der König rücksichtlich des Testes bedient hatte, am 13. November in Erwägung gezogen. Nach einer langen Discussion wurde beschlossen, ihm eine Adresse zu überreichen, worin er erinnert werden sollte, daß er dem Gesetze nach hinfüro keine Beamten mehr anstellen dürfe, welche den Zulässigkeitseid verweigerten und durch die er zugleich aufgefordert werden sollte, Verfügungen zu treffen, welche geeignet wären, die Besorgnisse und das Mißtrauen seines Volks zu zerstreuen[22].

Dann wurde der Antrag gestellt, daß die Lords ersucht werden sollten, sich der Adresse anzuschließen. Ob dieser Antrag ehrlicherweise von der Opposition gestellt wurde, in der Hoffnung, daß der Anschluß der Peers der Gegenvorstellung mehr Gewicht geben werde, oder ob er arglistigerweise von der Hofpartei ausging, welche hofften, dadurch einen Bruch zwischen den beiden Häusern herbeizuführen, läßt sich nicht mehr ermitteln. Der Antrag wurde indessen verworfen.[23]

Das Haus constituirte sich hierauf zu einem Comité, um über den Betrag des zu bewilligenden Credits zu berathen. Der König brauchte vierzehnhunderttausend Pfund, aber die Minister sahen wohl ein, daß sie eine so große Summe vergebens fordern würden. Der Kanzler der Schatzkammer sprach von zwölfhunderttausend Pfund. Die Häupter der Opposition erwiederten, daß sie durch Bewilligung eine solchen Summe die beständige Dauer des gegenwärtigen Militairetats votiren würden; sie seien nicht geneigt, mehr zu geben, als hinreiche, um die regulären Truppen so lange auf dem Kriegsfuße zu erhalten, bis die Miliz neu organisirt werden könne, und schlügen deshalb vierhunderttausend Pfund vor. Die Höflinge waren entrüstet über diesen Vorschlag, den sie als unwürdig des Hauses und respectwidrig gegen den König bezeichneten; aber sie stießen auf nachdrücklichen Widerstand. Einer der Abgeordneten aus dem Westen, Johann Windham, der Salisbury vertrat, zeichnete sich besonders aus. Er sagte, er habe die stehenden Heere von jeher mit Besorgniß und Widerwillen betrachtet, und neuerdings gemachte Erfahrungen hätten ihn in dieser Ansicht bestärkt. Dann wagte er es, ein Thema zu berühren, das bis jetzt geflissentlich umgangen worden war. Er schilderte die traurige Lage der westlichen Grafschaften. Das Volk, sagte er, sei müde der Bedrückungen durch die Truppen, müde der freien Einquartierungen, der Räubereien und der noch ruchloseren Vergehen, welche das Gesetz Felonien nenne, gegen die man aber, wenn sie von dieser Klasse von Verbrechern begangen würden, keine Abhülfe erlangen könne. Die Diener des Königs hätten zwar dem Hause gesagt, daß vortreffliche Verordnungen in Betreff des Benehmens der Armee erlassen worden seien, allein Niemand könne behaupten, daß diese Verordnungen auch befolgt würden. Was müsse man nothwendig daraus schließen? Beweise nicht der Widerspruch zwischen den väterlichen Verordnungen des Thrones und der unerträglichen Tyrannei der Soldaten, daß die Armee schon jetzt für den Fürsten sowohl als für das Volk zu stark sei? Die Gemeinen könnten also sicherlich, ohne sich selbst zu wiedersprechen, ihr volles Vertrauen in die guten Absichten Seiner Majestät ausdrücken und dennoch jede Vermehrung einer Armee verweigern, die Seine Majestät offenbar nicht zu zügeln vermöchte.

[Anmerkung 21: +Common's Journals, Nov. 13. 1685+; +Bramston's Memoirs+; +Reresby's Memoirs+; Barillon, 16.(26.) Nov.; Leeuwen, 13.(23.) Nov.; +Memoirs of Sir Stephen Fox, 1717+; +The Case of the Church of England fairly stated+; +Burnet I. 666+, und Präsident Onslow's Note.]

[Anmerkung 22: +Commons' Journals, Nov. 1685+; +Harl. MS. 7187+; +Lansd. MS. 253.+]

[Anmerkung 23: Der Widerspruch zwischen den Zeugnissen über diesen Gegenstand ist auffallend und nach reiflicher Erwägung muß ich gestehen, daß sie einander die Wage zu halten scheinen. In Jakob's Lebensbeschreibung (1702) wird der Antrag als vom Hofe ausgegangen dargestellt, und diese Ansicht wird durch eine bemerkenswerthe Stelle in den Stuart-Papieren bestätigt, welche von dem Prätendenten selbst corrigirt wurde. (+Clarke's Life of James the Second, II. 55.+) Dagegen stellen Reresby, der anwesend war, und Barillon, der gut unterrichtet sein konnte, den Antrag als von der Opposition ausgegangen dar. Die Harley- und Lansdowne-Manuscripte differiren gerade in dem einzigen Worte, auf das Alles ankommt. Bramston war leider an jenem Tage nicht in der Sitzung. Jakob Van Leeuwen erwähnt zwar des Antrags und der Abstimmung, setzt aber kein Wort hinzu, das auf den Stand der Parteien das mindeste Licht werfen könnte. Auch muß ich gestehen, daß ich nicht im Stande bin, aus den Namen der Stimmenzähler, Sir Joseph Williamson und Sir Franz Russell für die Majorität, Lord Ancram und Sir Heinrich Goodricke für die Minorität, einen irgend zuverlässigen Schluß zu ziehen. Ich möchte es für wahrscheinlich halten, daß Lord Ancram mit dem Hofe und Sir Heinrich Goodricke mit der Opposition gegangen sind.]

[_Zweite Niederlage der Regierung._] Der Antrag, daß die zu bewilligende Summe vierhunderttausend Pfund nicht übersteigen solle, fiel mit zwölf Stimmen durch. Dieser Sieg der Minister war jedoch nicht viel besser als eine Niederlage. Die Häupter der Vaterlandspartei, durchaus nicht entmuthigt, zogen sich ein wenig zurück, hielten dann wieder Stand und schlugen siebenhunderttausend Pfund vor. Das Comité schritt zur Abstimmung und die Hofpartei wurde mit zweihundertzwölf Stimmen gegen hundertsiebzig geschlagen[24].

[Anmerkung 24: +Commons' Journals, Novbr. 16, 1685+; +Harl. MS. 7187+; +Lansd. MS. 235.+]

[_Der König giebt den Gemeinen einen Verweis._] Am folgenden Tage begaben sich die Gemeinen mit ihrer Adresse in Bezug auf den Test in Prozession nach Whitehall. Der König empfing sie auf dem Throne. Die Adresse war in ehrerbietiger und herzlicher Sprache abgefaßt, denn die große Mehrheit Derer, die dafür gestimmt hatten, war eifrig und sogar abergläubisch loyal und hatte schon zur Einflechtung einiger schmeichelhaften Redensarten und zur Vermeidung jedes von den Höflingen für anstößig gehaltenen Wortes bereitwilligst ihre Zustimmung gegeben. Jakob's Antwort war ein kalter und mürrischer Verweis. Er sprach sein entschiedenes Mißfallen und Erstaunen aus, daß die Gemeinen die Ermahnungen, die er ihnen gegeben, so wenig berücksichtigt hätten. »Doch was Sie auch thun mögen,« setzte er hinzu, »ich werde alle Ihnen gegebenen Versprechungen unverbrüchlich halten.«[25]

Mißvergnügt, aber auch ein wenig eingeschüchtert, versammelten sich die Gemeinen wieder in ihrer Kammer. Für die meisten von ihnen war der König noch immer ein Gegenstand kindlicher Verehrung. Drei weitere Jahre voll Ungerechtigkeiten und voll Beleidigungen, welche noch kränkender waren als Ungerechtigkeiten, reichten kaum hin, das Band zu zerreißen, welches die Kavaliergentry an den Thron fesselte.

Der Sprecher wiederholte den wesentlichen Inhalt der königlichen Antwort. Es trat eine feierliche Stille ein, dann wurde, wie gewöhnlich, die Tagesordnung verlesen und das Haus bildete sich zum Comité behufs der Berathung der Bill wegen Reorganisation der Miliz.

[Anmerkung 25: +Commons' Journals, Nov. 17, 18. 1685.+]

[_Coke wird wegen Verletzung der dem Könige schuldigen Achtung von den Gemeinen mit Gefängnißstrafe belegt._] In wenigen Stunden aber lebte der Oppositionsgeist wieder auf. Als gegen das Ende der Sitzung der Sprecher seinen Stuhl wieder eingenommen hatte, stellte Wharton, der kühnste und thätigste der Whigs, den Antrag, daß ein Tag bestimmt werden solle, um die Antwort Seiner Majestät in Erwägung zu ziehen. Johann Coke, Abgeordneter für Derby, unterstützte Wharton, obgleich er ein bekannter Tory war. »Ich hoffe,« sagte er, »daß wir alle Engländer sind und uns durch einige hohe Worte nicht von unsrer Pflicht zurückschrecken lassen werden.«

Das war männlich, aber nicht klug gesprochen. Das ganze Haus gerieth in stürmische Aufregung. »Schreibt seine Worte nieder!« »Vor die Barre!« »In den Tower!« erscholl es von allen Seiten. Die Nachsichtigsten schlugen vor, dem Beleidiger einen Verweis zu geben; die Minister aber bestanden mit Heftigkeit darauf, daß er in Haft geschickt werden solle. Das Haus, sagte er, möge Beleidigungen gegen sich selbst verzeihen, habe aber nicht das Recht, eine Beleidigung der Krone zu vergeben. Coke wurde in den Tower geschickt. Die Übereilung eines Einzelnen zerstörte das ganze von den Häuptern der Opposition so geschickt entworfene Operationssystem. Umsonst versuchte es in diesem Augenblicke Eduard Seymour, seine Anhänger wieder zu sammeln, forderte sie auf, einen Tag zur Berathung über die königliche Antwort zu bestimmen und sprach die zuversichtliche Erwartung aus, die Discussion werde mit derjenigen Achtung geführt werden, welche Unterthanen ihrem Herrscher schuldig seien. Die Mitglieder waren durch das Mißfallen des Königs so sehr eingeschüchtert und über Coke's Rücksichtslosigkeit so aufgebracht, daß eine Abstimmung nicht rathsam gewesen wäre[26].

Das Haus vertagte sich und die Minister schmeichelten sich mit der Hoffnung, daß der Geist der Opposition bezwungen sei. Aber am nächstfolgenden Tage, dem 19. November, zeigten sich neue beunruhigende Symptome. Die Zeit war gekommen, um die aus allen Theilen Englands eingegangenen Petitionen gegen die letzten Wahlen in Erwägung zu ziehen. Als Seymour sich in der ersten Zusammenkunft des Parlaments über die Gewalt und Hinterlist beschwert, wodurch die Regierung die Wahlkörper in dem freien Ausdrucke ihrer Meinung behindert habe, hatte er keine Unterstützung gefunden. Viele aber, welche damals von seiner Seite gewichen waren, hatten sich später ein Herz gefaßt und hatten mit Johann Lowther, dem Abgeordneten von Cumberland, an der Spitze, vor dem Auseinandergehen auf Untersuchung der Mißbräuche angetragen, welche das Volk so heftig aufgeregt hätten. Jetzt war das Haus in einer viel mißmuthigeren Stimmung und es erhoben sich zahlreiche Stimmen mit kühnen Drohungen und Anklagen. Man sagte den Ministern, die Nation erwarte kräftige Abhülfe und werde sie erlangen. Inzwischen wurde geschickt darauf hingedeutet, daß die beste Genugthuung, welche ein durch ordnungswidrige Mittel ins Parlament gewählter Gentleman dem Publikum geben könne, darin bestehe, daß er seine übel erworbene Macht zur Verteidigung der Religion und der Freiheiten seines Vaterlandes anwende. Kein Mitglied, das in dieser Krisis seine Pflicht thue, habe etwas zu fürchten. Es könne sein, daß man ihm seinen Sitz im Hause vorenthalten müsse, aber der ganze Einfluß der Opposition werde dann aufgeboten werden, um seine Wiedererwählung durchzusetzen.[27]

[Anmerkung 26: +Commons' Journals, Nov. 18. 1685+; +Harl. MS. 7187+; +Lansd. MS. 253+; +Burnet I. 667.+]

[Anmerkung 27: +Lonsdale's Memoirs.+ Burnet sagt uns (I. 667), daß nach Coke's Verhaftung im Hause der Gemeinen eine heftige Debatte über die Wahlen stattgefunden habe. Dies muß also am 19. November gewesen sein, denn Coke wurde am Abend des 18. in den Tower geschickt und am 20. wurde das Parlament prorogirt. Burnet's Angabe wird auch durch die Protokolle bestätigt, aus denen hervorgeht, daß am 19. über mehrere Wahlen debattirt wurde.]

[_Opposition gegen die Regierung im Hause der Lords. Der Earl von Devonshire._] An dem nämlichen Tage zeigte es sich auch klar, daß der Oppositionsgeist sich von den Gemeinen in das Haus der Lords und selbst bis auf die Bank der Bischöfe verbreitet hatte. Wilhelm Cavendish, Earl von Devonshire, stellte sich im Oberhause an die Spitze, und er war ganz dazu geeignet. In Reichthum und Einfluß stand er keinem andren englischen Edelmanne nach, und er galt allgemein für den feinsten Gentleman seiner Zeit. Seine Prachtliebe, sein ausgezeichneter Geschmack, seine Talente, seine klassische Bildung, seine Hochherzigkeit und sein liebenswürdiges, herablassendes Benehmen wurden selbst von seinen Feinden anerkannt; leider aber konnten seine Lobredner nicht behaupten, daß seine Sittlichkeit von der damals so weit verbreiteten Ansteckung frei geblieben sei. Obwohl ein Feind des Papismus und der willkürlichen Gewalt, hegte er doch eine entschiedene Abneigung gegen jede Überstürzung, war, als die Ausschließungsbill fiel, zu einem Vergleiche bereit gewesen und hatte sich nie an den gesetzwidrigen und übereilten Plänen betheiligt, welche die Whigpartei in einen so üblen Geruch gebracht hatten. Aber wenn er auch das Verfahren seiner Freunde zum Theil mißbilligte, so erfüllte er deshalb doch mit gewissenhaftem Eifer die schwierigsten und gefährlichsten Pflichten der Freundschaft. Er hatte neben Russell an den Schranken gestanden, hatte an dem schauerlichen Morgen der Hinrichtung mit innigen Umarmungen und unter heißen Thränen von ihm Abschied genommen und sich sogar erboten, ihm mit Gefahr seines eignen Lebens zur Flucht zu verhelfen.[28] Dieser große Edelmann trug jetzt darauf an, daß ein Tag zur Berathung über die Thronrede festgesetzt werden sollte. Auf der andren Seite wurde behauptet, die Lords hätten sich durch ihr Dankvotum für die Thronrede bereits jede Möglichkeit, Beschwerden dagegen zu erheben, abgeschnitten. Aber dieser Einwand wurde von Halifax mit Verachtung zurückgewiesen. »Solche Dankesbezeigungen«, sagte er mit dem sarkastischen Scherze, durch den er sich auszeichnete, »schließen keine Billigung in sich. Wir sind unsrem gnädigen Herrn und Gebieter stets dankbar, wenn er mit uns zu sprechen geruht, und ganz besonders dankbar sind wir ihm, wenn er, wie im vorliegenden Falle, gerade heraus spricht und uns offen sagt, was wir zu gewärtigen haben«.[29]

[Anmerkung 28: +Burnet, I. 560+; +Funeral Sermon of the Duke of Devonshire, preached by Kennet, 1708+; +Travels of Cosmo III. in England.+]

[Anmerkung 29: +Bramston's Memoirs+. Burnet irrt sich sowohl in der Zeit, wo diese Bemerkung gemacht wurde, als auch in der Person, von der sie herrührt. In Halifax' Brief an einen Dissenter findet sich eine interessante Anspielung auf diese Discussion.]

[_Der Bischof von London._] Doctor Heinrich Compton, Bischof von London, sprach nachdrücklich zu Gunsten des Antrags. Obgleich dieser Mann nicht mit ausgezeichneten Fähigkeiten begabt, noch in seinen Berufswissenschaften gründlich bewandert war, so wurde er doch stets mit Ehrerbietung von dem Hause angehört, denn er war einer der wenigen Geistlichen jener Zeit, die sich adeligen Blutes rühmen konnten. Er selbst und seine ganze Familie hatten ausgezeichnete Beweise ihrer Loyalität gegeben. Sein Vater, der zweite Earl von Northumberland, hatte für König Karl I. tapfer gefochten und war, von Parlamentssoldaten umzingelt, mit dem Schwerte in der Hand gefallen, weil er sich weigerte, Pardon zu geben oder anzunehmen. Der Bischof selbst hatte vor seiner Ordination in der Garde gedient, und obgleich er sich im Allgemeinen nach Kräften bemühte, die einem Prälaten ziemende Würde und Ruhe zu bewahren, so zuckten doch gelegentlich einige Blitze seines militairischen Geistes hervor. Er hatte die religiöse Erziehung der beiden Prinzessinnen geleitet und diese wichtige Aufgabe in einer Weise gelöst, die alle guten Protestanten zufrieden stellte und ihm einen bedeutenden Einfluß auf die Gemüther seiner Zöglinge, namentlich der Prinzessin Anna sicherte. Jetzt erklärte er, er sei ermächtigt, die Gesinnung seiner Amtsbrüder auszusprechen und ihrer wie seiner eignen Ansicht nach sei die ganze bürgerliche und kirchliche Verfassung des Reiches in Gefahr.[30]

[Anmerkung 30: +Wood, Ath. Ox.+; +Gooch's Funeral Sermon on Bishop Compton.+]

[_Viscount Mordaunt._] Eine der merkwürdigsten Reden jenes Tages wurde von einem jungen Manne gehalten, dessen excentrische Laufbahn später ganz Europa in Erstaunen setzen sollte. Es war Karl Mordaunt, Viscount von Mordaunt, viele Jahre später weit und breit bekannt als Earl von Peterborough. Er hatte schon zahlreiche Beweise seines Muthes, seiner Befähigung und jener sonderbaren Verschrobenheit des Geistes gegeben, durch welche sein Muth und seine Fähigkeiten für sein Vaterland völlig nutzlos wurden. Schon hatte er sich als Schöngeist und Gelehrter, als Soldat und als Seemann ausgezeichnet, und er hatte sich sogar vorgenommen, mit Bourdaloue und Bossuet in die Schranken zu treten. Obgleich ein erklärter Freidenker, hatte er doch auf der See ganze Nächte durchwacht, um Predigten auszuarbeiten, und war nur mit großer Mühe daran gehindert worden, die Mannschaft eines Kriegsschiffes durch seine frommen Vorträge zu erbauen.[31] Er sprach jetzt zum ersten Male mit der ihm eigenen Beredsamkeit, Lebhaftigkeit und Keckheit zu den Lords. Er tadelte die Gemeinen, daß sie nicht kühner aufgetreten seien. »Sie haben nicht den Muth gehabt, mit der Sprache herauszugehen,« sagte er. »Sie haben von Besorgnissen und Mißtrauen gesprochen. Was haben Besorgniß und Mißtrauen hiermit zu thun? Besorgniß und Mißtrauen sind Gefühle, mit denen wir zukünftigen und noch ungewissen Übeln entgegensehen. Das Übel aber, mit dem wir es hier zu thun haben, ist weder ein zukünftiges, noch ein ungewisses. Ein stehendes Heer existirt, und es ist von Papisten befehligt. Wir haben keinen auswärtigen Feind, auch keinen Aufstand im Lande. Wozu wird also diese Streitmacht anders unterhalten als zu dem Zwecke, unsere Gesetze umzustoßen und jene Willkürherrschaft einzuführen, welche die Engländer mit Recht verabscheuen?«[32]