Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe
Chapter 16
[_Seine Pläne in Betreff der inneren Verwaltung._] Es hatte in der That den Anschein, als ob es nicht leicht sein würde, mehr zu verlangen, als die Gemeinen zu bewilligen geneigt waren. Sie hatten schon genugsam bewiesen, daß sie seine Prärogative ungeschmälert aufrecht zu erhalten wünschten und daß sie es mit seinen Eingriffen in die Rechte des Volks nicht so genau nehmen würden. Elf Zwölftel der Mitglieder waren entweder vom Hofe abhängig oder eifrige Kavaliere vom Lande. Es gab nur Weniges, was eine solche Versammlung dem Souverain beharrlich verweigern konnte, und zum Glück für die Nation war dieses Wenige gerade das, auf was Jakob sich capricirte.
[_Die Habeas-Corpus-Acte._] Einer seiner Hauptzwecke war die Aufhebung der Habeas-Corpus-Acte, die er haßte, wie ein Tyrann naturgemäß den stärksten Zügel hassen mußte, den je eine Gesetzgebung der Tyrannei anlegte. Dieser Gedanke beschäftigte seinen Geist bis zum letzten Augenblicke und ist auch in den Instructionen ausgesprochen, die er in der Verbannung für seinen Sohn niederschrieb[2]. Aber obgleich die Habeas-Corpus-Acte während der Herrschaft der Whigs erlassen war, so war sie doch den Tories nicht weniger theuer als jenen. Es ist auch in der That nicht zu verwundern, daß dieses große englische Gesetz von allen Engländern ohne Unterschied der Partei hoch geschätzt wird, denn es ist ein Gesetz, das nicht auf Umwegen, sondern unmittelbar die Sicherheit und das Glück jedes Bewohners des Königreichs erhöht[3].
[Anmerkung 2: Instructionen mit der Überschrift: »Für meinen Sohn, den Prinzen von Wales, 1692« in den Stuart-Papieren.]
[Anmerkung 3: »Die Habeas-Corpus-Acte,« sagte Johnson, der eingefleischteste Tory, zu Boswell, »ist der einzige Vorzug, den unsre Verfassung vor den Verfassungen anderer Staaten hat.«]
[_Das stehende Heer._] Jakob hatte noch einen andren Plan, welcher der Partei, die ihn auf den Thron erhoben und auf demselben erhalten hatte, verhaßt war: die Bildung eines großen stehenden Heeres. Er hatte den letzten Aufstand benutzt, um die ihm von seinem Bruder hinterlassene Streitmacht bedeutend zu verstärken. Die Truppentheile, welche jetzt als die sechs ersten Regimenter Gardedragoner bezeichnet werden, so wie das dritte und vierte Dragonerregiment und die neun Linieninfanterieregimenter, vom siebenten bis fünfzehnten einschließlich, waren eben erst errichtet worden[4]. Durch diese Vermehrungen, verbunden mit der Zurückberufung der Garnison von Tanger, war die Stärke der regulären Truppen Englands binnen wenigen Monaten von sechstausend auf nahe an zwanzigtausend Mann gestiegen. Noch kein englischer König hatte in Friedenszeiten über eine solche Heeresmacht zu verfügen gehabt, dennoch aber war Jakob noch nicht damit zufrieden. Er äußerte sehr oft, daß man sich auf die Treue der Milizen nicht verlassen könne, daß sie mit allen Leidenschaften des Standes, dem sie angehörten, sympathisirten, daß bei Sedgemoor in dem Rebellenheere sich mehr Miliz als im königlichen Lager befunden hätte und daß, wenn der Thron nur durch das Aufgebot der Grafschaften vertheidigt worden wäre, Monmouth im Triumph von Lyme nach London marschirt sein würde.
So groß auch die Einkünfte im Vergleich mit denen früherer Könige waren, so reichten sie doch kaum hin, um diesen neuen Mehraufwand zu bestreiten. Ein großer Theil des Ertrags der neuen Abgaben wurde durch den Bedarf der Flotte absorbirt. Am Ende der vorigen Regierung hatte der Gesammtaufwand für die Armee, mit Einschluß der in Tanger stehenden Regimenter, nicht ganz dreihunderttausend Pfund betragen; jetzt wollten dazu sechshunderttausend noch nicht ausreichen[5]. Sollte eine weitere Vermehrung erfolgen, so mußte man einen neuen Credit vom Parlament verlangen, und es war nicht wahrscheinlich, daß dieses sich dazu geneigt zeigte. Schon der Ausdruck »stehendes Heer« war der ganzen Nation verhaßt, und Niemandem mehr als den Kavalieren, welche das Unterhaus füllten. Nach ihren Begriffen war das stehende Heer gleichbedeutend mit Rumpfparlament, mit Protector, mit Beraubung der Kirche, Säuberung der Universitäten, Abschaffung der Pairie und der Ermordung des Königs, mit dem unheimlichen Regimente der Heiligen, mit Frömmelei und Ascetik, mit Geldstrafen und Sequestrationen, mit den Insulten, die sich Generalmajore, welche aus der Hefe des Volks hervorgegangen waren, gegen die ältesten und vornehmsten Familien des Reichs erlaubt hatten. Überdies gab es kaum einen Baronet oder Squire im Parlamente, der nicht einen Theil des Ansehens, das er in seiner Grafschaft genoß, seiner Stellung in der Miliz verdankt hätte. Wenn diese Nationalstreitmacht beseitigt wurde, so mußte die englische Gentry nothwendig viel von ihrem Ansehen und ihrem Einflusse verlieren. Es war daher wahrscheinlich, daß es dem Könige schwerer werden würde, die Mittel zum Unterhalt seiner Armee, als die Aufhebung der Habeas-Corpus-Acte zu erlangen.
[Anmerkung 4: Siehe die +Historical Records of Regiments+, herausgegeben unter der Oberleitung des Generaladjutanten.]
[Anmerkung 5: Barillon, 3.(13.) Dec. 1685. Er hatte den Gegenstand gründlich studirt. +»C'est un detail,«+ schreibt er, +»dont j'ai connoissance.«+ Aus den Rechnungsbüchern des Schatzamts ergiebt sich, daß der Aufwand für die Armee auf das Jahr 1687 am 1. Januar auf 623,104 L. 9 s. 11 d. angeschlagen war.]
[_Pläne zu Gunsten der römisch-katholischen Religion._] Die beiden erwähnten Pläne waren jedoch einem andren untergeordnet, an dem der König mit ganzer Seele hing, der aber sowohl den Torygentlemen, welche bereit waren, für seine Rechte mit ihrem Blute einzustehen, als auch der Kirche, welche seit drei unter bürgerlichen Unruhen verflossenen Menschenaltern in der treuen Anhänglichkeit an sein Haus nie gewankt hatte, und selbst der Armee verhaßt war, auf die er im äußersten Nothfalle rechnen mußte.
Seine Religion war noch immer geächtet, manch' strenges Gesetz gegen die römischen Katholiken stand im Gesetzbuche und war vor nicht gar langer Zeit mit rücksichtsloser Härte angewendet worden. Die Testacte schloß alle der anglikanischen Kirche nicht Angehörenden von jedem bürgerlichen und militairischen Amte aus, und eine spätere Verordnung, welche erlassen worden war, als die Erdichtungen des Oates die Nation wüthend gemacht hatten, bestimmte, daß in keinem der beiden Parlamentshäuser Jemand sitzen dürfe, der nicht die Lehre von der Transsubstantiation feierlich abgeschworen hatte. Es war natürlich und recht, daß der König für die Kirche, der er angehörte, vollständige Duldung wünschte, und man hat keinen Grund daran zu zweifeln, daß er mit ein wenig Geduld, Klugheit und Billigkeit diese Duldung auch erlangt haben würde.
Der heftige Widerwille und die Furcht, womit das englische Volk den Glauben des Königs betrachtete, durfte nicht ausschließlich und nicht hauptsächlich theologischer Erbitterung zugeschrieben werden. Daß man auch in der römischen Kirche selig werden könne, ja daß einzelne Mitglieder dieser Kirche zu den ausgezeichnetsten Vorbildern christlicher Tugend gehörten, wurde von allen Theologen der anglikanischen Kirche wie von den angesehensten Nonconformisten zugegeben. Dagegen ist es notorisch, daß die Strafgesetze gegen den Papismus von Vielen, welche Arianismus, Quäkerthum und Judenthum vom geistlichen Gesichtspunkte betrachtet für gefährlicher hielten als den Papismus, deshalb aber doch nicht geneigt waren, ähnliche Gesetze gegen Arianismus, Quäkerthum und Judenthum zu erlassen, energisch vertheidigt wurden.
Es läßt sich leicht erklären, warum der römische Katholik mit weniger Nachsicht behandelt wurde als Leute, die von der Lehre der nicäischen Väter nichts wissen wollten, ja selbst als solche Leute, welche nicht einmal durch die Taufe in den christlichen Bund aufgenommen waren. Es herrschte unter den Engländern die feste Überzeugung, daß der römische Katholik, sobald die Interessen seiner Religion im Spiele waren, sich aller gewöhnlichen Regeln der Moral entbunden glaube, ja daß er es sogar für verdienstlich halte, diese Regeln zu verletzen, wenn er dadurch eine Benachtheiligung oder eine Schmach von der Kirche, deren Mitglied er war, abwenden könnte. Diese Ansicht hatte auch wirklich einen Schein von Begründung. Man konnte es unmöglich leugnen, daß ausgezeichnete römisch-katholische Casuisten zur Verteidigung der Doppelsinnigkeit, des stillschweigenden Vorbehalts, des Meineides und selbst des Mordes geschrieben hatten. Auch waren, wie man sagte, die Theorien dieser abscheulichen Sophistenschule nicht ohne praktische Resultate geblieben. Das Blutbad der Bartholomäusnacht, die Ermordung des ersten Wilhelm von Oranien, die Ermordung Heinrich's III. von Frankreich, die zahlreichen Verschwörungen gegen das Leben der Königin Elisabeth und ganz besonders die Pulververschwörung wurden beständig als Beweise für die enge Beziehung zwischen verderblicher Theorie und verderblicher Praxis angeführt. Man behauptete, daß jedes dieser Verbrechen von römisch-katholischen Priestern angestiftet oder doch gebilligt worden sei. Die Briefe, welche Eberhard Digby im Tower mit Citronensaft an seine Gattin geschrieben, waren unlängst veröffentlicht worden und wurden häufig angeführt. Er war ein Gelehrter und ein Gentleman, im gewöhnlichen Leben durchaus rechtschaffen und von dem Gefühle der Pflichten gegen Gott durchdrungen. Dennoch, war er tief in den Anschlag verwickelt, den König, die Lords und die Gemeinen in die Luft zu sprengen, und hatte am Rande der Ewigkeit erklärt, daß es ihm unbegreiflich sei, wie ein römischer Katholik einen solchen Plan für sündhaft halten könne. Aus allen diesen Dingen zog das Volk den Schluß, daß der allgemeine Character eines Papisten noch so tadellos sein könne, er doch jeder Arglist und Grausamkeit fähig sei, wenn das Wohl und die Ehre seiner Kirche in's Spiel komme.
Der außerordentliche Erfolg der Fabeln des Oates ist namentlich dem Vorherrschen dieser Ansicht zuzuschreiben. Umsonst berief sich der angeklagte römische Katholik auf die Rechtschaffenheit, Menschenfreundlichkeit und Loyalität, die er während seines ganzen Lebens bewiesen habe; umsonst berief er sich auf zahlreiche achtbare Zeugen seines Glaubens, um die abenteuerlichen Romane zu widerlegen, welche der ehrloseste aller Menschen erdichtet; umsonst rief er noch mit dem Stricke um den Hals die ganze Rache des Gottes, vor dem er in wenigen Augenblicken erscheinen sollte, auf sich herab, wenn er irgend etwas Böses gegen seinen Fürsten oder seine protestantischen Landsleute beabsichtigt hätte. Die Zeugen, die er zu seiner Entlastung aufrief, bewiesen nur, wie wenig ein Papisteneid werth war; gerade seine Tugenden erweckten den Verdacht seiner Schuld, und der Umstand, daß er den Tod und das jüngste Gericht vor Augen sah, machte es nur um so wahrscheinlicher, daß er leugnen werde, was er nicht gestehen konnte, ohne der heiligsten Sache zu schaden. Unter den Unglücklichen, die wegen der Ermordung Godfrey's verurtheilt wurden, befand sich auch ein Protestant von nicht sehr achtungswerthem Character, Namens Heinrich Berry. Es ist ein bedeutungsvoller und authentisch erwiesener Umstand, daß Berry's letzte Worte mehr dazu beitrugen, den Glauben an das Complot zu erschüttern, als die Erklärungen, welche die frommen und ehrenwerthen römischen Katholiken, die das nämliche Loos traf, in der Todesstunde abgaben[6].
Und nicht allein von dem unwissenden Pöbel, nicht allein von den Eiferern, in denen der Fanatismus alle Vernunft und Menschenliebe erstickt hatte, wurde der Katholik als ein Mensch betrachtet, den gerade die Zartheit seines Gewissens zum falschen Zeugen, zum Brandstifter und zum Mörder machen konnte, als ein Mensch, der vor keiner Schandthat zurückbebte und sich durch keinen Eid gebunden glaubte, sobald seine Kirche im Spiele war. Wenn es damals zwei Männer gab, die ihr Verstand wie ihr Gemüth zur Duldsamkeit geneigt machte, so waren es gewiß Tillotson und Locke. Dennoch sagte Tillotson, den seine Nachsicht gegen verschiedene Klassen von Schismatikern und Ketzern den Vorwurf der Heterodoxie zugezogen hatte, dem Hause der Gemeinen auf der Kanzel, daß es ihre Pflicht sei, wirksame Maßregeln gegen die Verbreitung einer Religion zu treffen, welche verderblicher sei als völlige Irreligiosität, einer Religion, die von ihren Bekennern Dienste fordere, welche den ersten Grundsätzen der Moral zuwiderliefen, sein Herz, versicherte er aus aufrichtiger Überzeugung, sei zur Milde geneigt, aber seine Pflicht gegen die Gesammtheit zwinge ihn, in diesem einen Punkte streng zu sein. Er erklärte, daß seiner Ansicht nach Heiden, welche den Namen Christi nie gehört hätten und nur durch das Licht der Natur geleitet würden, vertrauenswürdigere Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft seien, als Menschen, die in der Schule der papistischen Casuisten gebildet wären[7]. Locke behauptete in der berühmten Schrift, durch die er zu beweisen versuchte, daß selbst die rohesten Formen des Götzendienstes nicht durch Strafbestimmungen verboten werden dürften, daß eine Kirche, welche die Menschen lehre, Ketzern gegenüber ihr Wort nicht zu halten, keinen Anspruch auf Duldung habe[8].
Unter solchen Umständen konnte ein englischer Katholik seinen Glaubensgenossen gewiß keinen größeren Dienst erzeigen, als wenn er das Publikum überzeugte, daß seine Kirche, was auch einige heftige Männer in Zeiten stürmischer Aufregung geschrieben oder gethan haben mochten, keineswegs der Ansicht huldige, daß irgend ein Zweck mit der Sittlichkeit unvereinbare Mittel heiligen könne. Und es stand in Jakob's Macht, diesen großen Dienst zu leisten. Er war König und mächtiger als irgend ein englischer König, dessen sich die ältesten Leute erinnern konnten, gewesen war. Von ihm hing es ab, ob der Vorwurf, der auf seiner Religion haftete, beseitigt oder verewigt werden sollte.
Hätte er sich den Gesetzen gefügt, hätte er seine Versprechungen erfüllt, hätte er sich der Anwendung jedes unrechtmäßigen Mittels zur Verbreitung seiner eigenen religiösen Glaubenssätze enthalten, hätte er die Wirkung der Strafbestimmungen durch einen ausgedehnten Gebrauch seines unbestreitbaren Begnadigungsrechtes aufgehoben, zu gleicher Zeit aber sich sorgfältig vor jeder Verletzung der bürgerlichen oder kirchlichen Verfassung des Reiches gehütet, so würde in den Gesinnungen seines Volkes bald ein Umschwung eingetreten sein. Ein so sprechender Beweis gewissenhafter Redlichkeit von Seiten papistischer Fürsten, gegenüber einer protestantischen Nation, würde die allgemeinen Befürchtungen bald beschwichtigt haben. Wenn das Volk gesehen hätte, daß man einem Katholiken ohne alle Gefahr die Leitung der ganzen ausübenden Verwaltung, den Oberbefehl über Armee und Flotte, die Einberufung und Auflösung der gesetzgebenden Versammlung, die Ernennung der Bischöfe und Dechanten der englischen Kirche anheim geben konnte, so würde es bald von der Befürchtung zurückgekommen sein, daß Unheil daraus entstehen könne, wenn ein Katholik als Hauptmann einer Compagnie oder als Alderman eines Stadtbezirks fungirte. Es ist sehr wahrscheinlich, daß binnen wenigen Jahren die von der Nation so lange verabscheute Secte mit allgemeinem Beifall zu Staatsämtern wie in's Parlament zugelassen worden wäre.
Versuchte es dagegen Jakob, das Interesse seiner Kirche durch Verletzung der Grundgesetze seines Reiches und der feierlichen Versprechungen, die er wiederholt im Angesicht der ganzen Welt gegeben, zu fördern, so stand kaum zu bezweifeln, daß die Beschuldigungen, welche gegen die römisch-katholische Religion an der Tagesordnung waren, von allen Protestanten für vollkommen begründet gehalten werden würden. Denn wenn je ein römischer Katholik Ursache hatte, Ketzern sein Wort zu halten, so hatte Jakob Ursache, der anglikanischen Geistlichkeit sein Wort zu halten. Ihr verdankte er seine Krone, ohne ihre beharrliche Opposition gegen die Ausschließungsbill würde er ein Verbannter gewesen sein. Er hatte wiederholt und feierlich seine Verpflichtungen gegen sie anerkannt und gelobt, daß er sie in allen ihren gesetzlichen Rechten schützen werde. Wenn er sich durch solche Verpflichtungen nicht gebunden erachtete, so war es klar, daß keine Pflicht der Dankbarkeit oder der Ehre ihn binden konnte, wenn sein Aberglaube in's Spiel kam. Es war dann unmöglich, daß sein Volk ihm traute, und wenn es ihm nicht trauen konnte, welchem Mitgliede seiner Kirche sollte es dann trauen? Man hielt ihn nicht für heimtückisch von Natur oder aus Gewohnheit. Seinem gedankenlosen Wesen und seiner Rücksichtslosigkeit gegen die Gefühle Anderer verdankte er einen viel höheren Ruf von Aufrichtigkeit, als er ihn irgendwie verdiente. Seine Lobhudler pflegten ihn gern Jakob den Gerechten zu nennen. Wenn es sich nun aber zeigte, daß er, indem er Katholik wurde, zu gleicher Zeit auch ein Heuchler und Wortbrüchiger geworden war, welche Folgerungen mußte dann wohl aus dem Allen eine Nation ziehen, die ohnehin schon zu dem Glauben geneigt war, daß der Papismus einen verderblichen Einfluß auf den sittlichen Character ausübe?
[Anmerkung 6: +Burnet I. 447.+]
[Anmerkung 7: Tillotson's Predigt vor dem Hause der Gemeinen am 5. Nov 1678.]
[Anmerkung 8: +Locke, First Letter on Toleration.+]
[_Verletzung der Testacte._] Aus diesen Gründen waren viele der vornehmsten Katholiken jener Zeit, unter ihnen der Papst selbst, der Meinung, daß das Interesse ihrer Kirche auf unsrer Insel durch eine gemäßigte und der Verfassung entsprechende Politik am wirksamsten gefördert werden würde. Aber solche Argumente machten keinen Eindruck auf den beschränkten Verstand und den herrschsüchtigen Character des Königs. In seinem Eifer, die gesetzlichen Ausschließungen aufzuheben, unter denen die Bekenner seiner Religion litten, schlug er ein Verfahren ein, welches die aufgeklärtesten und tolerantesten Protestanten seiner Zeit überzeugte, daß solche Ausschließungen für das Wohl des Staates nothwendig waren. Die englischen Katholiken verdankten seiner Politik drei Jahre eines rechtswidrigen und übermütigen Triumphes, und hundertvierzig Jahre der Unterjochung und Erniedrigung.
Viele Mitglieder seiner Kirche bekleideten Offiziersstellen in den neu errichteten Regimentern. Diese Verletzung des Gesetzes ließ man eine Zeit lang ungerügt hingehen, weil man nicht Lust hatte, jede Regelwidrigkeit von Seiten eines Königs zu moniren, der sich plötzlich genöthigt sah, seine Krone und sein Leben gegen Rebellen zu vertheidigen. Jetzt aber war die Gefahr vorüber, die Aufrührer waren besiegt und bestraft, ihr mißlungener Versuch hatte die Regierung, die sie zu stürzen hofften, nur noch mehr gekräftigt. Dennoch vergab Jakob noch immer Stellen an unbefähigte Personen, und bald ging die Rede, daß er beschlossen habe, sich nicht mehr an die Testacte zu binden, daß er hoffe, das Parlament zur Aufhebung dieses Gesetzes zu bewegen, daß er aber, wenn das Parlament sich widerspenstig zeigen sollte, dennoch seinen Willen durchsetzen werde.
[_Halifax fällt in Ungnade._] Sobald dies bekannt wurde, mahnte ihn ein dumpfes Murren, der Vorläufer eines Gewittersturmes, daß der Geist, dem sein Großvater, sein Vater und sein Bruder hatten weichen müssen, nur schlummere, aber noch nicht erloschen sei. Der Widerstand zeigte sich zuerst im Kabinet. Halifax versuchte es gar nicht, seinen Unmuth und seine Besorgniß zu verhehlen; im geheimen Rathe sprach er furchtlos die Gefühle aus, von denen, wie es sich sehr bald zeigte, die ganze Nation durchdrungen war. Da keiner seiner Collegen ihn unterstützte, ließ man den Gegenstand fallen. Nach der Sitzung aber wurde er in's königliche Kabinet berufen und er hatte zwei lange Conferenzen mit seinem Gebieter. Jakob versuchte die Wirkung von Schmeicheleien und Complimenten, aber vergebens, Halifax weigerte sich auf das Bestimmteste zu versprechen, daß er im Hause der Lords für die Abschaffung der Testacte oder der Habeas-Corpus-Acte stimmen werde.
Einige Männer aus der Umgebung des Königs riethen ihm, am Vorabende der Einberufung des Parlaments nicht den beredtesten und vollendetsten Staatsmann des Jahrhunderts in das Lager der Opposition zu treiben. Sie stellten ihm vor, daß Halifax die Ehre und das Einkommen seines Amtes liebe, daß, so lange er Lordpräsident sei, er schwerlich mit seiner ganzen Kraft gegen die Regierung auftreten werde, daß aber die Entlassung von seinem hohen Posten so viel heiße, als ihn aller Rücksichten entbinden. Der König aber beharrte auf seinem Vorsatze, Halifax wurde benachrichtigt, daß man seiner Dienste nicht mehr bedürfe, und sein Name in dem Geheimrathsbuche gestrichen[9].
[Anmerkung 9: Geheimrathsbuch. Der Name wurde gestrichen am 21. Oct. 1685. Halifax an Chesterfield; Barillon, 19.(29.) Oct.]
[_Allgemeine Unzufriedenheit._] Seine Entlassung machte nicht allein im England, sondern in Paris, in Wien und im Haag großes Aufsehen, denn es war wohl bekannt, daß er stets darauf hingearbeitet hatte, den Einfluß des Hofes von Versailles auf die Angelegenheiten Englands zu neutralisiren. Ludwig freute sich über die Nachricht; die Gesandten der Vereinigten Provinzen und des Hauses Österreich dagegen priesen die Weisheit und die Tugenden des entlassenen Staatsmannes in einer Weise, welche in Whitehall großes Ärgerniß erregte. Ganz besonders aufgebracht war Jakob gegen den Sekretär der kaiserlichen Gesandtschaft, der sich nicht scheute zu sagen, daß die wichtigen Dienste, welche Halifax in der Debatte über die Ausschließungsbill geleistet habe, mit grobem Undanke vergolten würden[10].
Es zeigte sich bald, daß Halifax viele Nachfolger haben werde. Ein Theil der Tories, mit ihrem alten Führer Danby an der Spitze, begann eine whiggistische Sprache zu führen; selbst die Prälaten gaben nicht undeutlich zu verstehen, daß es einen Punkt gebe, wo die dem Fürsten schuldige Loyalität höheren Rücksichten weichen müsse. Die Unzufriedenheit der Generäle war noch größer und besorgnißerregender. Schon zeigten sich die ersten Symptome jener Stimmung, welche drei Jahre später so viele hohe Offiziere antrieb, die königliche Fahne zu verlassen. Männer, welche sich sonst aus nichts ein Gewissen machten, wurden jetzt mit einem Male auffallend bedenklich. Churchill äußerte schüchtern, daß der König doch etwas zu weit gehe. Kirke, der eben von seiner Schlächterei im Westen zurückgekehrt war, schwur, daß er am protestantischen Glauben festhalten werde, und selbst wenn er den Glauben, in welchem er erzogen worden, abschwören sollte, so werde er doch nie ein Papist werden. Er habe sich bereits vergeben; wenn er überhaupt seinem Glauben je entsage, so sei er durch ein dem Kaiser von Marokko gegebenes feierliches Versprechen verbunden, Muselmann zu werden[11].
[Anmerkung 10: Barillon, 26. Oct, (5. Nov.) 1685; Ludwig an Barillon 27. Oct, (6. Nov.) und 6/16. Nov.]
[Anmerkung 11: Ein interessanter Bericht über das erste Erscheinen der Symptome von Unzufriedenheit unter den Tories findet sich in einem Briefe von Halifax an Chesterfield, geschrieben im October 1635. +Burnet I. 684.+]
[_Verfolgung der französischen Hugenotten._] Während die schon in mannichfacher Beziehung aufgeregte Nation mit ängstlicher Spannung dem Wiederzusammentritt der Parlamentshäuser entgegensah, kamen Nachrichten aus Frankreich, welche die Aufregung noch vermehrten.