Part 26
[_Die Namen Whig und Tory._] Diese Bezeichnungen kamen bald aus der Mode, aber zu jener Zeit entstanden zwei Spottnamen, welche zwar anfänglich zur Verhöhnung benutzt, bald aber mit Stolz angenommen wurden, noch jetzt täglich in Anwendung sind, soweit die englische Zunge verbreitet ist, und die so lange unvertilgbar bleiben werden, als die englische Literatur besteht. Es ist ein bemerkenswerther Umstand, daß einer dieser Spottnamen schottischen, der andere irländischen Ursprungs ist. In Schottland wie in Irland hatten sich in Folge der schlechten Regierung Banden von verzweifelten Menschen gebildet, deren Wildheit noch durch Fanatismus erhöht wurde. Einige der verfolgten Anhänger des Covenants, durch den härtesten Druck zur Verzweiflung getrieben, mordeten den Primas von Schottland, ergriffen gegen die Regierung die Waffen und fochten mit einigem Erfolg gegen die Truppen des Königs. Sie wurden erst besiegt, nachdem Monmouth mit einigen englischen Streitkräften sie an der Bothwellbrücke auseinander gesprengt hatte. Diese Zeloten bestanden zum größten Theile aus Landleuten des westlichen Unterlands, welche gewöhnlich Whigs hießen. So verband sich die Benennung Whig mit dem Begriffe eines presbyterianischen Eiferers in Schottland, und wurde auf diejenigen englischen Politiker übertragen, welche geneigt waren, dem Hofe zu opponiren, und protestantische Nichtconformisten mit Rücksicht zu behandeln. Die Moorgegenden Irlands boten zu gleicher Zeit papistischen Flüchtlingen, welche Ähnlichkeit mit denen hatten, welche man später Weißburschen (+white-boys+) nannte, einen Zufluchtsort. Diese Leute hießen damals Tories. Mit dem Namen Tory bezeichnete man daher diejenigen Engländer, welche sich sträubten zur Ausschließung eines katholischen Prinzen vom Throne beizutragen.
Die Wuth der feindlichen Parteien würde schon stark genug gewesen sein, wenn man dieselbe sich selbst überlassen hätte, so aber wurde sie von dem gemeinschaftlichen Feinde beider absichtlich noch mehr aufgestachelt. Ludwig unterließ noch immer nicht, sowohl den Hof wie die Opposition zu bestechen, und beiden zu schmeicheln. Er rieth Karl, fest zu bleiben, Jakob, eine Revolution in Schottland zu erregen, und ermuthigte die Whigs, nicht zu wanken, sondern mit Zuverlässigkeit auf Frankreichs Schutz zu rechnen.
Bei allem diesen bewegten Treiben konnte es einem scharfblickenden Auge nicht verborgen bleiben, daß die öffentliche Meinung allmälig sich einer Umwandlung näherte. Die Verfolgung der Katholiken hatte noch nicht aufgehört, aber die Verurtheilungen verstanden sich nicht mehr -- wie früher -- von selbst. Eine neue Rotte falscher Zeugen, unter ihnen ein Schuft Namens Dangerfield, der sich am meisten hervorthat, peinigte die Gerichtshöfe; aber obgleich die Lügen dieser Menschen besseren Klang hatten als die des Oates, so fanden sie doch weniger Glauben. Die Geschwornen waren nicht mehr so befangen, wie zur Zeit des allgemeinen Entsetzens, welches der Ermordung Godfrey's folgte, und die Richter, während der Wahnsinnsperiode gefügige Werkzeuge des Volkes, hatten jetzt den Muth, zum Theil das auszusprechen, was sie von Anfang für wahr gehalten.
[_Zusammentritt des Parlaments, und Durchgang der Ausschließungsbill im Hause der Gemeinen._] Endlich, im Oktober des Jahres 1680, trat das Parlament zusammen. Die Whigs bildeten bei den Gemeinen eine so große Majorität, daß die Ausschließungsbill alle ihre Stadien ohne Beschwerde durchlief. Der König wußte kaum, auf welche Mitglieder seines eigenen Kabinets er zählen dürfe; Hyde hatte seine Toryansichten treulich festgehalten, und im Interesse der erblichen Monarchie eine beharrliche Thätigkeit entwickelt; Godolphin jedoch, in dem ängstlichen Bestreben nach Ruhe, und der Ansicht, daß diese nur durch Zugeständnisse herbeizuführen sei, wünschte, daß die Bill durchgehen möchte. Sunderland, stets falsch und verblendet, unfähig die Symptome der nahenden Reaction zu erkennen und voller Eifer die Partei, welche nach seiner Meinung unwiderstehlich war, zu versöhnen, beschloß gegen den Hof zu stimmen. Die Herzogin von Portsmouth beschwor ihren königlichen Geliebten, sich nicht mit Gewalt dem Verderben preiszugeben. Wenn es wirklich einen Punkt gab, bei welchem derselbe Regungen des Gewissens oder der Ehre in sich fühlte, so war es die Successionsfrage; es schien jedoch einige Tage, als ob er nachgeben würde. Er schwankte, fragte nach der Höhe der Summe, welche ihm die Gemeinen für seine Einwilligung zahlen würden, und gestattete, daß eine Unterhandlung mit den leitenden Whigs begann. Ein schweres gegenseitiges Mißtrauen aber, Jahre lang im Wachsthum begriffen, und durch die Kunstgriffe Frankreichs sorgfältig unterhalten, ließ keinen Vergleich zu Stande kommen, auf beiden Seiten fehlte das gegenseitige Vertrauen. Das ganze Volk blickte jetzt voll banger Erwartung auf das Haus der Lords. Die Pairs waren zahlreich versammelt, der König selbst anwesend, die Debatte lang, ernsthaft und bisweilen stürmisch. Mehrere erfaßten den Griff des Degens auf eine Art, welche an die aufgeregten Parlamente Heinrichs III. und Richards II. erinnerte.
[_Die Lords verwerfen die Ausschließungsbill._] Der falsche Sunderland schloß sich an Shaftesbury und Essex an; der geistreiche Halifax aber warf alle Opposition darnieder. Verlassen von seinen wichtigsten Collegen und einer Menge gewandter Gegner preisgegeben, führte er die Sache des Herzogs von York in einer Folge von Reden, welche noch nach vielen Jahren als Meisterwerke der Logik, Genialität und Beredtsamkeit galten. Es ist ein seltener Fall, daß die Macht der Rede einen Umschwung in der Abstimmung hervorbringt, aber das Zeugniß der Zeitgenossen beweist zur Evidenz, daß bei dieser Gelegenheit durch die außerordentliche Redekunst des Halifax die Stimmen geändert wurden. Die Bischöfe, treu ihrer Lehre, unterstützten das Prinzip des Erblichkeitsrechts, und die Bill wurde mit großer Majorität verworfen.[5]
[Anmerkung 5: Ein anwesender Pair hat den Erfolg von Halifax' Redekunst in Worten beschrieben, welche ich mittheilen will, weil sie, obgleich schon längst gedruckt, vermuthlich nur wenigen selbst der aufmerksamsten und wißbegierigsten Leser der Geschichte bekannt sind:
»Von außerordentlicher Beredtsamkeit und großen Mitteln waren die Feinde des Herzogs, welche die Bill vertheidigten, aber ein edler Lord trat auf, der an diesem Tage mit aller Macht der Rede in Beweisführung, in Gründen aus dem öffentlichen wie aus dem Privatinteresse der Menschen, in Ehre, Gewissen und Anstand sich selbst und jeden Andern übertraf. Zuletzt siegte er durch sein Verfahren und seine Talente, und wurden durch ihn Witz und Bosheit der anderen Partei zu nichte gemacht.«
Diese Stelle ist einer Denkschrift Heinrichs, Earls von Peterborough entlehnt, die sich in einem Buche unter dem Titel: +»Succinct Genealogies, by Robert Halstead« Fol. 1685+, findet. Der Name Halstead ist fingirt. Die wahren Verfasser sind der Earl von Peterborough selbst und sein Kaplan. Das Buch ist höchst selten, da bloß vierundzwanzig Exemplare davon gedruckt wurden, von denen zwei das britische Museum besitzt. Von diesen beiden gehörte eines Georg IV. und das andere Mr. Grenville.]
[_Hinrichtung Staffords._] Die im Hause der Gemeinen vorherrschende Partei erlitt durch diese Niederlage eine bittere Kränkung, doch fand sie darin einigen Trost, daß Blut von Katholiken fließen mußte. William Howard, Viscount Stafford, einer der Unglücklichen, welche bei dem Complot betheiligt sein sollten, wurde vor die Schranken seiner Pairs gestellt, auf die Beschuldigung Oates' und zweier andern falschen Zeugen Dugdale und Turberville wegen Hochverraths verurtheilt und hingerichtet. Aber die näheren Umstände seines Prozesses und seiner Hinrichtung konnten den Führern der Whigpartei zu einer warnenden Lehre dienen. Eine große und ehrenwerthe Minorität des Hauses der Lords erklärte den Gefangenen für unschuldig. Die Volksmasse, welche noch vor wenigen Monaten die letzten, vor der Hinrichtung gegebenen Versicherungen der Opfer des Oates mit Spott und Hohngeschrei aufgenommen hatte, sprach nun laut seine Überzeugung aus, daß an Stafford ein Mord begangen worden sei. Als er in den letzten Augenblicken seine Unschuld betheuerte, rief man ihm zu: »Gott segne Euch, Mylord. Wir glauben Euch, Mylord!« Ein scharfsichtiger Beobachter konnte leicht voraussehen, daß für das damals vergossene Blut bald anderes nachfließen werde.
[_Allgemeine Wahlen von 1681._] Der König wollte das Mittel einer Auflösung nochmals versuchen. Er berief ein Parlament für den März des Jahres 1681 nach Oxford. Seit den Zeiten der Plantagenets waren die Häuser stets zu Westminster versammelt gewesen, außer wenn Seuchen in London herrschten, aber so ungewöhnliche Zeitumstände erheischten auch außerordentliche Vorsichtsmaßregeln. Wurde das Parlament an seinem gewöhnlichen Versammlungsorte gehalten, so konnte das Haus der Gemeinen sich für permanent erklären und Londons Magistrat und Bürgerschaft zu Hilfe rufen. Die Miliz konnte zum Schutze Shaftesbury's herbeieilen, wie sie vor vierzig Jahren zur Vertheidigung Pyms und Hampdens aufgestanden war, die Wachen konnten entwaffnet, der Palast erobert und der König von den Rebellen zum Gefangenen gemacht werden; solche Gefahren waren in Oxford nicht möglich. Die Universität hielt es mit der Krone und der Adel der Umgegend gehörte fast durchgängig den Tories an, die Opposition hatte demnach hier mehr zu fürchten, als der König.
Der Wahlkampf war heftig. Im Hause der Gemeinen bildeten die Whigs noch immer eine Majorität, es war aber nicht zu verkennen, daß der Tory-Geist allenthalben im Lande rasch um sich griff. Man sollte glauben, der scharfblickende, gewandte Shaftesbury hätte den eintretenden Wechsel bemerken und zu dem, vom Hofe gebotenen Vergleiche seine Einwilligung geben müssen, aber er schien seine frühere Taktik nicht mehr verfolgen zu wollen. Anstatt Vorsichtsmaßregeln zu treffen, um bei schlimmem Erfolge sich den Rückzug zu sichern, nahm er eine Position, in welcher er siegen oder seinen Untergang finden mußte. Vielleicht war ihm der Kopf, so vortrefflich er auch war, durch die Gunst des Volkes, durch das Glück und durch die Aufregung des Kampfes schwindelnd geworden, vielleicht hatte er auch seine Partei so aufgestachelt, daß er sie nicht mehr beherrschen konnte und in wildem Laufe von denen mit fortgerissen wurde, die er zu leiten glaubte.
[_Das Parlament zu Oxford gehalten und aufgelöst._] So kam der ereignißvolle Tag heran. Die Versammlung zu Oxford hatte mehr Ähnlichkeit mit einem polnischen Reichstage als einem englischen Parlament. Die Mitglieder der Whigpartei kamen in Begleitung einer großen Anzahl wohl bewaffneter und berittener Pächter und Dienstleute, welche trotzige Blicke mit den königlichen Garden wechselten. Die kleinste Veranlagung konnte bei dieser Gährung eine Revolution hervorrufen, nur wagte es keine Partei, den ersten Schlag zu führen. Noch einmal versprach der König, mit Ausnahmen der Ausschließungsbill in Alles zu willigen, die Gemeinen aber wollten nichts annehmen als eben die Ausschließungsbill. Nach Verlauf von wenigen Tagen war das Parlament wieder aufgelöst.
[_Toryreaction._] Der König hatte gesiegt, und die Reaction, welche einige Monate vor dem Zusammentreten der Häuser zu Oxford ihren Anfang nahm, machte rasche Fortschritte. Die Nation war dem Papstthum allerdings noch immer feindlich gesinnt, aber wenn die Leute auf die Complotgeschichte zurückblickten, so erkannten sie doch, daß ihr protestantischer Eifer sie zu Thorheiten und Verbrechen veranlaßt hatte, und es schien ihnen unbegreiflich, daß sie sich durch alberne Mährchen verleiten ließen, das Blut ihrer Mitbürger und Mitchristen zu verlangen. Freilich mußten die loyalsten Männer zugestehen, daß Karls Verwaltung oft heilloser Art gewesen sei, aber Leute, die von seinem Verkehr mit Frankreich nicht so genau unterrichtet waren, als wir es jetzt sind, und auf welche die Heftigkeit der Whigs einen widerwärtigen Eindruck machte, rechneten die großen Zugeständnisse her, welche in den letzten Jahren das Parlament von ihm erlangt, und die noch bedeutenderen Zugeständnisse, zu denen er sich bereit gezeigt. Er hatte die Gesetze sanktionirt, welche die Katholischen von dem Hause der Lords, dem Geheimen Rathe und jedem bürgerlichen und militairischen Amte ausgeschlossen, und ebenso die Habeas-Corpus-Akte genehmigt. Waren keine größeren Bürgschaften da gegen die Gefahren, welche der Verfassung und der Kirche von einem katholischen Souverän drohten, so trug nicht Karl die Schuld, denn er hatte das Parlament aufgefordert, dergleichen Bürgschaften in Vorschlag zu bringen, sondern jene Whigs, welche von keinem Ersatzmittel für die Ausschließungsbill hören wollten. -- Eins nur hatte der König seinem Volke abgeschlagen: er hatte sich geweigert, seinen Bruder des Geburtsrechtes zu berauben, aber ließ sich nicht annehmen, daß diese Weigerung aus ehrenwerthen Gründen stattgefunden? welche egoistischen Motive konnte selbst der Parteigeist dem Herzen des Königs zu Grunde legen? die Ausschließungsbill beeinträchtigte durch nichts die Hohheitsrechte des regierenden Königs und verminderte ebensowenig seine Revenüen, ja, er hätte sogar durch ihre Genehmigung eine bedeutende Vermehrung seines Einkommens erzielen können. Und konnte es ihm nicht gleichgültig sein, wer nach ihm die Krone trug? Ja, wenn bei ihm persönliche Vorliebe in's Spiel kam, so wußte man, daß dieselbe mehr für den Herzog von Monmouth als für den Herzog von York vorhanden war. Das Verfahren des Königs ließ sich daher auf das Natürlichste dadurch erklären, daß trotz seines unstäten Charakters und seiner leichtfertigen Moral, er doch in diesem Falle von Pflicht und Ehre sich habe leiten lassen. Und war es so, konnte ihn die Nation dann zu einer Handlung zwingen, die er für verbrecherisch und ehrlos hielt? Auf sein Gewissen einen Zwang auszuüben, geschähe es auch durch streng verfassungsmäßige Mittel, hielten eifrige Royalisten für unedel und pflichtwidrig, aber _solche_ Mittel waren nicht die einzigen, welche die Whigs anzuwenden gedachten. Bereits zeigten sich Vorboten eines herannahenden Bürgerkriegs, und Männer, welche zu den Zeiten der bürgerlichen Unruhen und der Republik sich allgemein verhaßt gemacht hatten, traten jetzt aus der Verborgenheit hervor, in die sie sich nach der Restauration vor dem allgemeinen Unwillen geflüchtet hatten, gingen überall mit zuversichtlichen und geschäftigen Mienen herum und schienen einen zweiten Sieg der Heiligen schon im Voraus zu feiern. Ein zweites Naseby, ein zweiter hoher Gerichtshof, eine zweite Republik, ein nochmaliger Usurpator auf dem Throne, ein abermaliges Hinauswerfen der Lords aus ihrem Saale, eine zweite Säuberung der Universitäten, eine wiederholte Beraubung und Verfolgung der Kirche, eine neue Herrschaft der Puritaner -- auf solche Resultate schien die verzweifelte Politik der Opposition hinzuarbeiten.
Solche Gefühle belebten die höheren und mittleren Klassen, welche sich in großer Zahl um den Thron schaarten. Der König befand sich in ähnlicher Lage wie sein Vater kurz nach dem Erlasse der großen Remonstration. Die Reaction von 1641 hatte man in ihrem Fortschritte gehemmt. Als sein ihm lange entfremdetes Volk mit versöhnlichen Herzen im Begriff war, zu ihm zurückzukehren, hatte Karl I. durch treulose Verletzung der Grundgesetze des Reiches das öffentliche Vertrauen auf immer verscherzt. Hätte Karl II. ebenso gehandelt, hätte er die Führer der Whigpartei gesetzwidrig verhaften und vor einem Tribunale, das keine legale Gerichtsbarkeit über sie besaß, des Hochverraths beschuldigen lassen, so würden sie ohne Zweifel das verlorne Übergewicht bald wieder erlangt haben. Es war ein Glück für ihn, daß er bei dieser Krisis sich rathen ließ, eine Politik zu verfolgen, die seinen Absichten ganz entsprechend war. Er entschloß sich, dem Gesetze Folge zu leisten, zugleich aber auch den kräftigsten und schonungslosesten Gebrauch von demselben gegen seine Widersacher zu machen. Er war nicht verpflichtet, vor Ablauf der nächsten drei Jahre ein Parlament einzuberufen, und befand sich eben in keiner Geldverlegenheit, denn der Betrag der Steuern, welche ihm auf Lebenszeit bewilligt waren, überstieg das angenommene Bedürfniß. Er lebte mit aller Welt in Frieden, konnte seine Ausgaben beschränken, indem er den kostspieligen und nutzlosen Posten zu Tanger aufgab, und wußte, daß er auf Geldhilfe von Seiten Frankreichs rechnen durfte. Es blieb ihm daher die nöthige Zeit, und fehlte ihm nicht an Mitteln, die Opposition in aller gesetzlichen Form systematisch zu bekämpfen. Die Richter konnte er willkürlich entlassen, die Geschwornen wurden von den Sheriffs ernannt, und in fast allen Districten Englands erwählte er die Sheriffs. Zeugen desselben Gelichters, welchem diejenigen angehört hatten, auf deren Aussagen die Katholiken das Schaffot besteigen mußten, waren bereit, auch die Whigs auf die Richtstätte zu liefern.
[_Verfolgung der Whigs._] Als erstes Opfer fiel College, ein lauter, wilder Demagog von niedrigem Herkommen und schlechter Erziehung. Er war seines Handwerks ein Tischler, und hatte den Ruhm, der Erfinder des protestantischen Dreschflegels zu sein.[6] Als das Parlament in Oxford gewesen, sollte er dort den Plan gehabt haben, einen Angriff auf die Garde des Königs zu machen. Gegen ihn zeugten Dugdale und Turberville, dieselben Schurken, welche wenige Monate früher falsches Zeugniß gegen Stafford abgelegt. Einer Jury von Landedelleuten gegenüber konnte kein Exclusionist auf Gnade rechnen; er wurde für schuldig erklärt. Der Ausspruch der Geschwornen wurde von den Massen, welche das Gerichtshaus von Oxford füllten, mit enthusiastischem Gebrüll begrüßt, so unmenschlich wie das, welches er mit seinen Genossen ausgestoßen, wenn man unschuldige Katholiken zum Henkerstode verurtheilte. Seine Hinrichtung gab das Zeichen zu einer neuen Justiz-Schlächterei, nicht weniger schändlich als die, an der er früher selbst betheiligt gewesen war.
Die Regierung war durch diesen ersten Triumph so kühn geworden, daß sie jetzt ihr Absehen auf einen Feind von ganz anderer Art richtete. Man beschloß Shaftesbury auf Leben und Tod anzuklagen, und es wurden Beweise gesammelt, um gegen ihn einen Prozeß auf Hochverrath einzuleiten. Aber die Thatsachen, welche es zu beweisen galt, mußten in London geschehen sein. Die Sheriffs von London, von den Bürgern gewählt, waren eifrige Whigs. Sie ernannten eine große, aus Whigs bestehende Jury, welche den Antrag auf Anklage zurückwies; allein diese Niederlage entmuthigte die Rathgeber des Königs keineswegs, sondern bestimmte sie vielmehr, auf einen neuen, kühnen Plan zu sinnen.
[Anmerkung 6: Dies erwähnt das interessante Werk, unter dem Titel: +»Ragguaglio della solenne Comparsa fatta in Roma gli otto di Gennaio, 1687, dall' illustrissimo et excellentissimo signor Conte di Castelmaine.«+]
[_Der Freibrief der City wird zurückgenommen._] Der Freibrief der Hauptstadt stand ihnen im Wege, und dieser Freibrief mußte vernichtet werden. Es wurde erklärt, daß die City von London durch einige Ungesetzlichkeiten ihre munizipalen Privilegien verwirkt habe und die ganze Corporation einer Untersuchung vor dem Gerichtshofe der Kings-Bench zu übergeben sei. Zugleich handhabte man die Gesetze, welche bald nach der Restauration gegen Nichtconformisten entstanden waren und während der Herrschaft der Whigs geruht hatten, mit außerordentlicher Strenge.