Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Erster Band enthaltend Kapitel 1 und 2

Part 17

Chapter 173,182 wordsPublic domain

Das Haus der Gemeinen war in einer Zeit gewählt worden, als noch die Presbyterianer herrschten, und so vertrat es in keiner Art die allgemeine Stimmung des Volks, zeigte aber eine starke Neigung, der unduldsamen Loyalität der Edelleute ernsthaft entgegen zu treten. Als ein Mitglied öffentlich erklärte, daß Alle, welche gegen Karl I. die Waffen ergriffen, eben solche Verrätherei begangen wie diejenigen, welche ihn hingerichtet, wurde dasselbe zur Ordnung gerufen, und erhielt von dem Sprecher einen Verweis. Ohne Zweifel war es der allgemeine aufrichtige Wunsch des Hauses, die kirchlichen Streitigkeiten so zu ordnen, daß die gemäßigten Puritaner dadurch zufriedengestellt würden; eine solche Erledigung wünschte aber weder der Hof noch das Volk.

[Anmerkung 1: Wie wenig das Mitleid dabei im Spiele war, erkennt man zur Genüge aus einer Schrift, betitelt: +A perfect Diurnal of some Passages of Parliament, and from other Parts of the Kingdom, from Monday July 24th, to Monday July 31st, 1643+. »Als die Königin aus Holland zurückkehrte, brachte sie außer einem Haufen von schlechtem Gesindel, welches das Aussehen von Menschenfressern hatte, eine Anzahl wilder Bären mit. Ihr werdet aus dem Weiteren ersehen, zu welchem Zwecke. Man ließ diese Bären bei Newark zurück, um sie Sonntags in die Landstädte zu bringen und dort zu hetzen. Solcher Art ist die Religion, welche die, von denen hier die Rede ist, unter uns einführen wollen. Wagte es Jemand, ihre schändlichen Entheiligungen zu hindern oder sich nur Bemerkungen darüber zu erlauben, so wurde er unverzüglich als Rundkopf oder Puritaner bezeichnet und war in Gefahr geplündert zu werden. Einige von Oberst Cromwells Soldaten, welche zufällig am Sonntag nach der Stadt Uppingham in Rutland kamen, sahen die eben stattfindende Bärenhetze, und veranlaßten, daß das Spiel sofort unterbrochen und die Bären an einen Baum gebunden und erschossen wurden.« Dieses war durchaus kein vereinzeltes Beispiel. Der Sheriff von Surrey, Oberst Pride, befahl, daß die Bären im Garten von Southwark getödtet werden sollten. Ein loyaler Satyriker läßt ihn diesen Befehl folgendermaßen vertheidigen: »Am meisten liegt mir die Tödtung dieser Bären am Herzen, wodurch ich mir den Haß des Volkes zugezogen, das mich mit allen Benennungen des Regenbogens beehrt. Aber erschlug nicht David einen Bären? Tödtete nicht der Lord Statthalter Ireton einen Bären? Tödtete nicht ein anderer Lord von den Unsrigen fünf Bären?« +Last Speech and dying Words of Thomas Pride.+]

[Anmerkung 2: Man sehe Penns +New Witnesses proved Old Heretics+ und Muggletons Werke an mehreren Stellen.]

[_Charakter Karls II._] Der neueingesetzte König besaß um diese Zeit die Liebe des Volkes in höherem Maaße, als jemals einer seiner Vorgänger. Das Unglück, welches sein Haus betroffen, der heldenmüthige Tod seines Vaters, die vielen Leiden und romantischen Abenteuer, welche er erlebt, machten ihn zum Gegenstande allgemeiner Theilnahme. Durch seine Rückkehr wurde England von einer drückenden Knechtschaft erlöst. Herbeigerufen durch die Stimmen der beiden streitenden Parteien, war er der geeignete Mann, um als Schiedsrichter zwischen sie zu treten, und in gewisser Beziehung war er wohl befähigt, diese Aufgabe zu lösen. Die Natur hatte ihn mit vorzüglichen Anlagen und einem glücklichen Temperament ausgestattet, und von seiner Erziehung ließ sich erwarten, daß sie seinen Verstand entwickelt und ihn zur Ausübung jeder Tugend des öffentlichen und Privatlebens befähigt habe. Der Wechsel des Glücks war ihm nicht unbekannt, und beide Seiten der menschlichen Natur hatte er beobachten lernen. In früher Jugend hatte ihn das Schicksal aus dem Königsschlosse hinausgeworfen in ein Leben der Verbannung, der Gefahren und Entbehrungen; in einem Alter der geistigen und körperlichen Kraftfülle, in dem das erste Aufbrausen der jugendlichen Leidenschaften sich bereits gelegt, ward er zurückgerufen von seinen unstäten Wanderungen, um Englands mächtige Krone zu tragen. Bittere Erfahrungen hatten ihm bewiesen, wie oft die zur Schau getragene Ergebenheit der Hofleute Bosheit, Verrätherei und Undank verbirgt; dagegen waren ihm in der Hütte der Armuth die überzeugendsten Beweise von wahrem Seelenadel gegeben worden. Als hohe Belohnung jedem versprochen ward, der ihn seinen Feinden verrathen würde, und man denjenigen, welcher ihm hilfreich beistehen wollte, mit dem Tode bedrohte, da hatten arme Landleute und die niedrigsten seiner Diener mit rührender Aufopferung dem unglücklichen Fürsten zur Seite gestanden, und ihn mit derselben tiefen Ehrerbietung behandelt, als ob die Krone seiner Väter noch in vollem Glanze auf seinem Haupte strahlte. Es stand zu erwarten, daß ein junger Mann, dem es weder an Fähigkeiten noch an liebenswürdigen Eigenschaften gebrach, durch die gemachten Erfahrungen zu einem großen und ausgezeichneten König herangebildet worden sei. Karl besaß, neben gefälligen Formen für die Gesellschaft, feine und einnehmende Manieren und nicht wenig Talent für lebendige Unterhaltung; aber dabei war er dem Sinnengenusse im höchsten Grade ergeben, sowie ein Freund des Müßiggangs und der Leichtfertigkeit, ohne Kraft sich zu beherrschen, ohne hohen Begriff von menschlicher Tugend und Zuneigung, ohne Drang nach Ruhm, und unempfindlich gegen jeden Tadel. Nach seiner Ansicht war jeder käuflich, nur daß er sich oft in höheren Preis stellte, als ein anderer, und wenn der Handel recht hartnäckig und geschickt betrieben ward, so gab es für denselben verschiedene und wohlklingende Namen. Die höchste Geschicklichkeit, mit welcher kluge Männer den Preis ihrer Fähigkeiten zu steigern wußten, ward Rechtschaffenheit, die raffinirteste Gewandtheit, mit der liebenswürdige Frauen den Preis ihrer Reize zu erhöhen verstanden, Sittsamkeit genannt. Vaterlandsliebe, Familienliebe, Freundesliebe, Liebe zu Gott, dies Alles waren leere Phrasen, zarte und schickliche Benennungen für die Selbstliebe. Bei einer solchen Ansicht von den Menschen war es Karl natürlich sehr gleichgültig, wie diese über ihn dachten. Ehre und Schande waren ihm dasselbe, was dem Blinden Licht und Dunkelheit sein mag. Man hat seine Verachtung der Schmeichelei hoch gerühmt, aber sie erscheint des Lobes nicht würdig, wenn man sie in Zusammenhang mit den übrigen Eigenschaften seines Charakters bringt. Man kann sowohl über der Schmeichelei stehen, wie unter ihr, wer dem Schmeichler nicht traut, wird auch keinem Andern trauen; wer keinen Begriff von _wahrem_ Ruhme hat, wird auch den _scheinbaren_ verachten.

Bei Karls Gemüthsart ist es rühmlich zu erwähnen, daß er trotz der schlechten Meinung, welche er von den Menschen hatte, doch nie ein Menschenfeind wurde. Er fand in den Menschen wenig was ihm nicht hassenswerth dünkte, und doch haßte er sie nicht, er war sogar menschenfreundlich genug, daß es ihm Kummer verursachte, wenn er ihre Leiden sah, oder ihre Klagen hören mußte. Diese Art von Menschenfreundlichkeit aber, welche bei einem Privatmann recht schön und lobenswerth sein mag, indem dessen Macht, Nutzen oder Schaden zu bringen, auf einen engen Kreis beschränkt wird, ist bei Herrschern häufiger ein Laster gewesen als eine Tugend. Mehr als ein wohlgesinnter Fürst hat ganze Provinzen dem Raube und der Unterdrückung preisgegeben, blos weil es ihn unangenehm berührte, andere als glückliche Gesichter auf seinen Spaziergängen und an seiner Tafel zu sehen. Keiner ist geeignet, das Scepter eines großen Staats zu führen, welcher Bedenken trägt, zum Besten der Massen mit denen er niemals in Berührung kommt, die Wenigen, welche Zutritt bei ihm haben, zu kränken. Die leichtsinnige Schwäche, welche Karl besaß, war so groß, wie sie vielleicht noch nie bei einem Manne von seinem Verstande gefunden wurde; obgleich nichts weniger als ein Schwachkopf, war er doch ein Sklave. Nichtswürdige Männer und feile Frauen, deren Erbärmlichkeit er völlig durchschaute, von denen er wußte, daß er ebensowenig ihre Liebe wie sie sein Vertrauen besaßen, konnten mit Leichtigkeit ihm Alles abschmeicheln was sie wünschten: Titel, Ehrenstellen, Güter, Staatsgeheimnisse und Begnadigungen. Obgleich er viel austheilte, genoß er doch niemals das Vergnügen, welches die Freigebigkeit verursacht, und ebensowenig erntete er den Ruhm derselben. Er gab nie aus freiem Antriebe, aber es war ihm unangenehm das Erbetene zu versagen. Eine natürliche Folge davon war, daß im Allgemeinen nicht diejenigen, welche sie verdienten, oder die in seiner Gunst standen, Empfänger dieser Gnadenbeweise waren, sondern daß sie den unverschämtesten und zudringlichsten Bewerbern zu Theil wurden, denen es gelungen war, sich eine Audienz zu verschaffen.

Die Beweggründe, welche das politische Verhalten Carls II. leiteten, waren ganz anderer Natur als diejenigen, welche die Handlungen seines Vorgängers wie seines Nachfolgers auf dem Throne bestimmten. Er war nicht der Mann, den eine patriarchalische Regierungstheorie oder die Lehre vom göttlichen Recht anziehen konnte. Durchaus frei von Ehrgeiz, verabscheute er alle Geschäfte, und ehe er sich der Mühe unterzogen hätte, die Zügel der Regierung selbst in die Hand zu nehmen, würde er lieber auf die Krone Verzicht geleistet haben. Seine Arbeitsscheu sowie seine Unkenntniß der Staatsgeschäfte waren so groß, daß selbst die Schreiber, welche Gelegenheit hatten ihn im Geheimen Rathe zu beobachten, über seine kindische Ungeduld und seine läppischen Bemerkungen oft nur mit Mühe das Lachen unterdrücken konnten. Seine Schritte wurden weder von der Dankbarkeit noch von der Rache geleitet, denn auf sein Gemüth konnten empfangene Beleidigungen ebensowenig wie geleistete Dienste einen anderen als einen schwachen und rasch vorübergehenden Eindruck machen. Es war nur sein Wunsch, ein König zu sein wie es später Ludwig XV. von Frankreich war, ein Herrscher, der zur Befriedigung seiner Privatneigungen rücksichtslos den Staatsschatz benutzen und durch Ehrenstellen und Geld Personen an sich fesseln konnte, die geeignet waren seinen Müßiggang zu theilen, und welcher, wenn auch die schlechteste Verwaltung den Staat an den Rand des Verderbens gebracht, immer noch die mißliebige Wahrheit aus dem Bereiche seines Serails fern halten und nichts sehen und hören wollte, was ihn in seiner üppigen Trägheit hätte stören können. Zu diesen Zwecken, aber auch _nur_ zu diesen Zwecken, wünschte er eine willkürliche Gewalt, vorausgesetzt daß sie ohne Anstrengung und Gefahr erlangt werden konnte. Bei den religiösen Streitfragen, welche Zwiespalt unter den Protestanten hervorriefen, blieb sein Gewissen vollkommen unberührt, denn seine Ansichten schwankten fortwährend zwischen Unglauben und Pabstthum. Wenn aber auch sein Gewissen bei dem Kampfe der Episcopalen und Presbyterianer unberührt blieb, so war es doch anders mit seinen Neigungen. Gerade diejenigen Laster, gegen welche der Puritanismus die wenigste Nachsicht zeigte, übte er am fleißigsten, und als Mann von guter Erziehung, der mit großem Scharfblick die lächerlichen Seiten einer Sache erkannte, ließ er es nicht an verächtlichen Scherzen über die puritanischen Abgeschmacktheiten fehlen. Es ist indessen nicht zu leugnen, daß er einige Ursache hatte mit dieser Secte unzufrieden zu sein. In einem Alter wo die Leidenschaften am ungestümsten herrschen, und der Leichtsinn am ehesten zu entschuldigen ist, hatte Karl einige Monate in Schottland gelebt, dem Namen nach als König, in der That aber ein Staatsgefangener unter der Obhut der schroffen Presbyterianer. Nicht genug, daß sie ihm zumutheten ihren Gottesdienst zu üben und ihr Covenant zu unterschreiben, bewachten sie jeden seiner Schritte, und überhäuften ihn mit Strafpredigten, wenn er sich eine jugendliche Thorheit zu Schulden kommen ließ. Er wurde gezwungen endlose Gebete und Predigten anzuhören, und konnte sich noch glücklich schätzen, wenn er nicht von einem fanatischen Kanzelredner, auf seine eigenen Schwächen rücksichtslos sowie auf das tyrannische Regiment seines unglücklichen Vaters und den papistischen Götzendienst der Mutter aufmerksam gemacht wurde. Er hatte diese Zeit seines Lebens in so traurigen Verhältnissen zugebracht, daß das Unglück, welches ihn zu neuer Wanderung hinaustrieb, ihm eher eine Befreiung als ein Mißgeschick dünken mußte. Beherrscht von diesen Gefühlen, war es Karls eifrigster Wunsch, die Partei zu vernichten, welche seinem Vater so heftigen Widerstand entgegengestellt hatte.

[_Charakterschilderung des Herzogs von York und des Earl von Clarendon._] Nach demselben Ziele strebte des Königs Bruder, Jacob, Herzog von York. Obgleich in hohem Grade der Sinnenlust ergeben, war Jacob fleißig, methodisch, und liebte Autorität und Beschäftigung. Sein Verstand war höchst einfach und beschränkt, sein Charakter starr, hartnäckig und unversöhnlich. Daß dieser Fürst kein Wohlgefallen an den freien Institutionen Englands und an der Partei finden konnte, welche für diese Institutionen die wärmste Theilnahme hegte, leuchtet ein. Obgleich ein Mitglied der anglikanischen Kirche hatte der Herzog doch schon gewisse Neigungen gezeigt, welche die guten Protestanten ernstlich beunruhigten.

Der Mann, dessen Schultern in jener Zeit den größten Theil der Regierungslast zu tragen hatten, war Eduard Hyde, Kanzler des Reichs, welcher bald zum Earl von Clarendon erhoben ward. Wenn auch Clarendon als Schriftsteller unsere Achtung mit Recht verdient, so müssen wir doch auch die großen Fehler erwähnen, welche er sich als Staatsmann zu Schulden kommen ließ. Diese Fehler werden allerdings zum Theil entschuldigt und erklärt durch die ungünstige Lage, in der er sich befand. Im ersten Jahre des Langen Parlaments zeichnete er sich höchst ehrenvoll unter den Senatoren aus, welche ernstlich bemüht waren, den Beschwerden der Nation abzuhelfen. Eine der schlimmsten von diesen Beschwerden, welche das Concil von York betraf, wurde hauptsächlich durch seine Bemühungen beseitigt. Beim Eintritt der großen Spaltung, als die Reformpartei und die Partei der Conservativen sich gegen einander schaarten, trat er mit vielen weisen und braven Männern auf die Seite der Conservativen. Von jetzt an theilte er die Schicksale des Hofs, genoß König Carls I. volles Vertrauen, soweit der zurückhaltende Charakter und die gewundene Politik dieses Monarchen solches einem Minister überhaupt gewähren konnten, und ging später mit Carl II. in die Verbannung, wo er dessen politisches Verhalten leitete.

Nachdem die Restauration durchgeführt war, gelangte Hyde zur Stellung eines Premierministers, und einige Monate nachher wurde allgemein bekannt, daß er zu dem regierenden Hause in ein engverwandtschaftliches Verhältniß getreten, indem durch eine bisher geheimgehaltene Vermählung seine Tochter Herzogin von York und deren Nachkommenschaft dadurch zur Thronfolge berechtigt worden sei. In Folge dieser hohen Verbindung gewann Hyde eine Bedeutung, welche ihn über die ältesten und angesehensten Geschlechter des Adels erhob, und in mancher Hinsicht war er auch dieser hervorragenden Stellung vollkommen gewachsen, indem nicht nur in Abfassung wichtiger Staatsschriften, sondern auch in Rath und Parlament er sehr anerkennungswerthe diplomatische Befähigung zeigte. Genau bekannt mit den allgemeinen Grundsätzen der Staatskunst, verstand es Niemand besser wie er, die Verschiedenheiten der Charaktere mit geübtem Auge zu erkennen, und dabei besaß er nicht nur ein starkes Gefühl für sittliche und religiöse Verpflichtungen, sondern auch eine tiefe Ehrfurcht gegen die Gesetze des Vaterlandes und aufrichtige Achtung für die Ehre und das Ansehen der Krone. Dabei war er stolz und anmaßend; jeder Widerstand reizte ihn. Es ist kaum möglich, daß ein Diplomat, den die bürgerlichen Wirren in die Verbannung getrieben, und der eine Reihe von Jahren in derselben zugebracht, in dem Augenblicke, wo ein Umschwung der politischen Verhältnisse ihn wieder an die Spitze der Regierung zurückruft, die Zügel derselben mit sicherer und gewandter Hand zu führen vermag. Auch mit Clarendon war dies der Fall. Als er, dem Zwange der Nothwendigkeit weichend, England verlassen hatte, erbittert durch den heftigen Kampf, welcher dem Sturze seiner Partei und seines Glücks voranging, betrachtete er Alles, was sich in dem Zeitraume von 1646 bis zum Jahre 1660 in seinem Vaterlande ereignete, vom fernen Continente aus in falschem Lichte. Seine Ansichten von dem Stande der Dinge regelte er nach den Mittheilungen aufgeregter Parteimänner, deren zerrüttete Vermögensverhältnisse ihren Geist mit Wuth und Verzweiflung erfüllten. Den günstigen Stand der Ereignisse beurtheilte er nicht nach dem Maaße, in welchem sie die Wohlfahrt und den Ruhm seines Volkes vermehrten, sondern nur nach der Aussicht, die sie ihm zur Rückkehr boten, und sein Wunsch, den er durchaus nicht verhehlte, war, daß niemals Ruhe und Friede in England einziehen möge, bis die alte Königsfamilie den Thron ihrer Väter wieder in Besitz genommen habe. Als er endlich zurückkehrte, wurde ihm, ohne daß er Zeit gehabt hatte, sich von dem Stande der Dinge durch eigne Anschauung zu unterrichten, und zu ermitteln welche Veränderungen vierzehn ereignißvolle Jahre in dem Charakter und den Gesinnungen des englischen Volks herbeigeführt, sofort die Leitung des Staates übergeben. In solchem Falle würde wohl selbst ein Minister von größter Umsicht und bei aller Geneigtheit gute Lehre anzunehmen, in ernste Irrthümer verfallen sein; Takt aber, und Gelehrigkeit lagen nicht in Clarendons Charakter. Er sah in England noch das England, wie es zur Zeit seiner Jugend war, und sein Antlitz verfinsterte sich bei Wahrnehmung aller der Veränderungen, welche die Ereignisse der letzten Jahre hervorgerufen. Obgleich er nicht daran dachte, gegen die alte, unbezweifelte Macht des Hauses der Gemeinen aufzutreten, so blickte er doch mit dem höchsten Mißfallen auf die zunehmende Gewalt desselben. Die königlichen Rechte, um die er so Manches erlitten, und durch welche er endlich zu Glück und hohen Ehren gekommen war, sie galten ihm heilig; gegen die Rundköpfe aber fühlte er eine sowohl persönliche wie politische Abneigung. Als treuer Anhänger der anglikanischen Kirche hatte er wiederholt in Fällen, wo die Interessen dieser Kirche es erheischten, sich von den besten Freunden getrennt, und sein Eifer für das Episcopat und das gemeinschaftliche Gebetbuch vereinigte sich mit einem racheglühenden Hasse gegen die Puritaner, der weder dem Staatsmanne noch dem Christen zur Ehre gereichte.

Während der Zeit als das Haus der Gemeinen, welches die Königsfamilie zurückrief, versammelt war, war eine Wiederherstellung des alten kirchlichen Systems unausführbar. Nicht allein, daß der Hof seine Pläne völlig geheim hielt, der König hatte auch in feierlichster Weise Zusicherungen ertheilt, durch welche die Gemüther der gemäßigten Presbyterianer vollkommen beruhigt wurden. Er hatte vor seiner Wiedererhebung das Versprechen gegeben, allen Unterthanen völlige Gewissensfreiheit zu gestatten, und indem er dieses Versprechen jetzt erneute, fügte er die Versicherung hinzu, daß er mit allen Kräften dahin wirken würde, zwischen den streitenden Parteien eine Vereinigung herbeizuführen. Er erklärte, es sei sein Wunsch, daß Bischöfe und Synoden die geistliche Gerichtsbarkeit unter sich theilen, und daß eine Anzahl gelehrter Theologen, zur Hälfte aus Presbyterianern bestehend, eine Revision der Liturgie vornehmen sollten. Die Fragen in Betreff des Chorhemds, des Knieens beim Abendmahle, des Bekreuzigens bei der Taufe, sollte selbst für ängstliche Gewissen in befriedigender Weise gelöst werden. Auf diese Art hatte der König die Wachsamkeit derjenigen, welche er hauptsächlich fürchtete, eingeschläfert, und als dieses geschehen war, hob er das Parlament auf. Zu einer Acte, durch welche mit wenigen Ausnahmen alle Diejenigen, die in den letzten Unruhen politischer Vergehen schuldig geworden waren, begnadigt werden sollten, hatte er bereits seine Zustimmung gegeben. Von den Gemeinen war ihm eine lebenslängliche Bewilligung von Steuern zugesprochen worden, deren jährlicher Betrag auf eine Million zweimalhunderttausend Pfund geschätzt ward. Diese Summe, nebst den erblichen Einkünften der Krone, reichte damals vollkommen hin, um in Friedenszeiten die Bedürfnisse der Regierung zu bestreiten. Für ein stehendes Heer wurde nichts bewilligt, die Nation erschrak schon bei Erwähnung desselben, und die geringste Hinweisung darauf würde die Gemüther aller Parteien auf's heftigste erbittert und beunruhigt haben.

[_Allgemeine Wahl von 1661._] Zu Anfang des Jahres 1661 fand eine allgemeine Wahl statt. Das Volk war in hohem Grade von loyaler Begeisterung erfüllt, und die ganze Hauptstadt war in der lebendigsten Thätigkeit wegen der Vorbereitungen zur prachtvollsten Krönung, von der man jemals gehört. Das Resultat bestand darin, daß man Abgeordnete in's Parlament sandte, wie sie England bisher noch nie gesehen hatte. Ein großer Theil der glücklichen Bewerber waren Männer, welche für Krone und Kirche gekämpft, und die schweren Beschimpfungen und Demüthigungen noch nicht vergessen hatten, die ihnen die Rundköpfe angethan. Als die Mitglieder zusammenkamen, traten die Leidenschaften, unter deren Einflusse jeder Einzelne stand, heftiger hervor. Mehrere Jahre hindurch war das Haus der Gemeinen eifriger für das Königthum eingenommen als der König selbst, und günstiger gestimmt für das Episcopat als die Bischöfe. Carl und Clarendon waren über die Vollständigkeit ihres Erfolgs fast bestürzt, ihre Lage hatte Ähnlichkeit mit der Ludwigs XVIII. und des Herzogs von Richelieu, als im Jahre 1815 die Kammer versammelt war. Hätte der König auch wirklich die Absicht gehabt, die Versprechungen, welche er den Presbyterianern gemacht, zu erfüllen, es würde jetzt gar nicht mehr in seiner Macht gestanden haben. Nur seinen eifrigen Bemühungen ist es zuzuschreiben, daß der siegreiche Adel verhindert wurde, die Indemnitätsacte zu vernichten und erbarmungslose Rache auszuüben für die erduldeten Leiden.