Part 14
Des Protektors auswärtige Politik zwang zugleich auch diejenigen, die ihn am meisten haßten, gegen ihren Willen ihm Anerkennung zu zollen. Die Cavaliere konnten kaum den Wunsch unterdrücken, daß der, der soviel zur Vermehrung des Nationalruhmes gethan, ein legitimer König gewesen sei, und die Republikaner waren zu dem Eingeständnisse gezwungen, daß der Tyrann nur für sich allein das Recht usurpire, mitunter dem Vaterlande Unrecht zu thun, und daß er ihm für die geraubte Freiheit Ruhm zurückgegeben habe. Nach einem halben Jahrhundert, während dessen England kaum ein bedeutenderes Gewicht in der Politik Europa's gehabt, als Venedig und Sachsen, erhob es sich plötzlich zu der gefürchtetsten Macht der Welt, schrieb den Vereinigten Niederlanden Friedensbedingungen vor, rächte an den Seeräubern der Berberei die der ganzen Christenheit zugefügte Schmach, besiegte Spanien zu Land und zu Meer, bemächtigte sich einer der schönsten westindischen Inseln und gewann an der flämischen Küste einen festen Platz, der den Nationalstolz für den Verlust von Calais tröstete. Es war die erste Macht auf dem Weltmeere; es stand an der Spitze des protestantischen Interesses; Cromwell ward von allen in katholischen Königreichen zerstreuten reformirten Kirchen als Schirmherr anerkannt; die Hugenotten von Languedoc, die Hirten, die sich in ihren Alpendörfchen zu einem ältern Protestantismus als den von Augsburg bekannten, wurden durch den Schrecken allein vor Verfolgung gesichert, den sein großer Name verbreitete. Selbst der Papst mußte papistischen Fürsten Menschlichkeit und Mäßigung einschärfen, denn eine Stimme, die selten vergebens drohte, hatte erklärt, daß die englischen Kanonen in der Engelsburg gehört werden sollten, wenn man dem Volke Gottes nicht Duldung angedeihen lasse. Es gab in der That Nichts, was Cromwell wegen seiner und seiner Familie hätte mehr wünschen können, als einen allgemeinen europäischen Religionskrieg, denn in diesem Falle wäre er der Führer der protestantischen Armeen, und das Herz Englands wäre mit ihm gewesen; man hätte seine Siege mit einer allgemeinen Begeisterung begrüßt, wie sie das Land seit der Vernichtung der Armada nicht geäußert, und der Flecken, den eine durch die Stimme der ganzen Nation verdammte Handlung auf seinem strahlenden Ruhme zurückgelassen, würde durch sie verlöscht worden sein. Zu seinem Unglücke bot sich ihm keine Gelegenheit, außer gegen die britischen Inseln, sein bewundernswürdiges Feldherrntalent zu entwickeln.
Seine Gewalt, den Unterthanen ein Gegenstand der Abneigung, der Bewunderung und der Furcht zugleich, stand, so lange er lebte, fest. Seine Regierung war nur bei Wenigen beliebt, aber die, denen sie am meisten verhaßt war, haßten sie nicht so sehr, als sie sie fürchteten. Wäre die Regierung eine schlechtere gewesen, ihre Stärke hätte sie wahrlich nicht vor dem Sturze sichern können. Aber sie enthielt Mäßigung genug, um Bedrückungen zu vermeiden, welche die Menschen zur Wuth treiben, und besaß eine Kraft und Energie, die zu bekämpfen nur Menschen wagen konnten, welche die Unterdrückung bereits zum Wahnsinn getrieben.
[_Richard, Cromwells Nachfolger._] Man hat oft behauptet, und anscheinend nur aus wenigen Gründen, daß Cromwell zu einer seinem Ruhme günstigen Zeit gestorben sei, und daß er, bei längerer Lebenszeit, wahrscheinlich minder ehrenvoll und glücklich geendet haben würde. Soviel steht fest, daß ihn seine Soldaten bis zu dem letzten Momente ehrten, daß ihm die ganze Bevölkerung der britischen Inseln gehorchte, daß ihn alle auswärtigen Mächte fürchteten, daß er mit einem Gepränge, wie London es zuvor nie gesehen, neben den alten Souverainen Englands zur Gruft bestattet wurde, und daß ihm sein Sohn Richard so ruhig in der Regierung folgte, wie je ein Prinz von Wales einem Könige gefolgt ist.
Die Verwaltung Richard Cromwells hatte fünf Monate lang einen so friedlichen und regelmäßigen Gang, daß ganz Europa der Meinung war, seine Stellung am Staatsruder sei eine durchaus feste. Seine Lage war wirklich in manchen Beziehungen vortheilhafter, als die seines Vaters; er war noch zu jung, um Feinde zu haben, und an seinen Händen klebte noch kein Bürgerblut. Die Cavaliere selbst gestanden ein, daß er ein braver, gutmüthiger Gentleman sei. Die presbyterianische Partei, gleich mächtig an Zahl wie an Reichthum, hatte mit dem nun verstorbenen Protektor in tödtlicher Feindschaft gestanden, dem gegenwärtigen aber zeigte sie eine geneigte Stimmung. Diese Partei hatte stets den Wunsch genährt, es möge die alte Reichsverfassung mit einigen genauern Bestimmungen und einigen stärkern Bürgschaften für die öffentliche Freiheit wieder hergestellt werden, aber sie hatte mancherlei Gründe, die Wiedereinsetzung der alten Herrscherfamilie zu fürchten. Für diese Politiker war Richard der rechte Mann, denn seine Humanität, seine Freimüthigkeit und Bescheidenheit, die Mittelmäßigkeit seiner Talente und die Fügsamkeit, mit der er sich der Leitung klügerer Leute, als er, überließ, machten ihn ganz vorzüglich geeignet, das Oberhaupt einer beschränkten Monarchie zu sein.
Es schien wirklich eine Zeit lang, als ob er unter der Leitung fähiger Rathgeber das durchführen werde, was sein Vater umsonst begonnen hatte. Es ward ein Parlament berufen und die Ausschreiben dazu erließ man in der alten Form. Den kleinen Flecken gab man das ihnen vor Kurzem entzogene Wahlrecht zurück; Manchester, Leeds und Halifax schickten ferner nicht mehr Mitglieder ab, und die Grafschaft York ward wiederum auf zwei Abgeordnete beschränkt. Es muß einer Generation, welche durch die Fragen über Reform des Parlaments fast bis zum Wahnsinn aufgeregt ward, außergewöhnlich erscheinen, daß große Städte und Grafschaften sich dieser Änderung nicht nur geduldig, sondern auch gern fügten; aber wenn auch damals schon denkende Männer die Fehler des alten Repräsentativ-Systems und die daraus früher oder später entspringenden ernsten praktischen Übel erkannten, so waren doch diese praktischen Übel noch nicht empfindlich fühlbar gewesen. Hatte Oliver Cromwell sein Repräsentativ-System auch nach den richtigsten Grundsätzen gebildet, so war es doch nicht volksthümlich; sowohl die Begebenheiten, aus denen es hervorgegangen, als die Folgen, die es bewirkt, konnten die öffentliche Meinung nicht für dasselbe gewinnen. Es war der Militairgewalt entsprungen, und hatte nur Streit erregt. Der Regierung durch das Schwert überdrüssig, sehnte sich die ganze Nation nach der Regierung durch das Gesetz. Deshalb gewährte die Wiederherstellung selbst der Anomalien und Mißbräuche, die mit den Gesetzen streng übereinstimmten und durch das Schwert vernichtet gewesen waren, allgemeine Befriedigung.
Im Hause der Gemeinen gab es eine starke, theils aus offenen Republikanern, theils aus geheimen Royalisten bestehende Opposition; aber eine große, fest entschlossene Majorität schien dem Plane geneigt, die alte Verfassung unter einer neuen Dynastie wieder herzustellen. Richard ward feierlich als die erste obrigkeitliche Person im Staate anerkannt. Die Gemeinen erklärten sich nicht nur bereit, mit den von Oliver Cromwell ernannten Lords gemeinschaftlich die Staatsgeschäfte zu verhandeln, sondern nahmen auch den Beschluß an, daß diejenigen Adeligen, die zur Zeit der Unruhen der Sache der öffentlichen Freiheit angehangen, ohne neue Ernennung im Oberhause des Parlaments zu sitzen das Recht haben sollten.
Bis hierher waren die Staatsmänner, deren Rath Richard befolgte, glücklich gewesen. Fast alle Theile der Staatsverwaltung hatte man eben so eingerichtet, wie sie bei dem Beginne des Bürgerkrieges gewesen. Hätten der Protektor und das Parlament ungestört fortschreiten dürfen, so läßt sich kaum bezweifeln, daß unter dem Hause Cromwell schon eine ähnliche Ordnung der Dinge erstanden wäre, wie sie später unter dem Hause Hannover begründet ward. Aber es gab im Staate eine andere Macht, vollkommen fähig, gegen Protektor und Parlament aufzutreten. Richard besaß nämlich über die Armee keine andere Autorität als die, welche er aus dem großen ererbten Namen herleitete. Er hatte sie nie zum Siege geführt, hatte selbst nie die Waffen getragen, alle seine Neigungen und Gewohnheiten waren friedlicher Art, und seine religiösen Ansichten und Gesinnungen erfreuten sich des Beifalls der militairischen Heiligen nicht. Daß er ein guter Mensch war, hat er durch Demuth und Leutseligkeit, während er auf dem Gipfel menschlicher Größe stand, und durch freudige Ergebung bei Leiden und Unglücksfällen treffender dargethan, als durch tiefe Seufzer und lange Reden; aber das damals in jeder Wachtstube übliche fromme Geschwätz war ihm dergestalt zum Ekel, daß er seine Abneigung dagegen nicht immer verbergen konnte. Die Offiziere, welche den größten Einfluß auf die in der Nähe stationirten Truppen ausübten, gehörten nicht zu seinen Freunden; sie waren durch Muth und Tapferkeit auf dem Schlachtfelde ausgezeichnete Männer, aber es fehlte ihnen jene Klugheit, jener bürgerliche Muth, die Eigenschaften, die ihrem verstorbenen Führer in so hohem Grade eigen waren. Einige von ihnen waren achtungswerthe, aber fanatische Independenten und Republikaner. Das Haupt dieser Klasse war Fleetwood. Andere wieder strebten danach, das zu werden, was Oliver Cromwell gewesen; sein rasches Emporkommen, sein Glück und sein Ruhm, seine feierliche Inauguration in den Hallen von Westminster, und seine prachtvolle Bestattung in der Abtei hatten die Phantasie derselben entflammt; sie waren von eben so guter Herkunft, eben so gut erzogen, als er, und begriffen nun nicht, warum sie nicht eben so würdig wären, mit dem Purpur bekleidet zu werden und das Schwert des Staates zu tragen. Das Ziel ihres maßlosen Ehrgeizes verfolgten sie nicht, wie er, mit Geduld, Wachsamkeit, Scharfsinn und Entschlossenheit, sondern mit jener Ungeduld und Unentschiedenheit, welche die hochfliegende Mittelmäßigkeit charakterisiren. Unter diesen matten Copien eines großen Originals zeichnete sich Lambert am auffälligsten aus.
[_Sturz Richards, und Wiedereinsetzung des Langen Parlaments._] Denselben Tag, an dem Richard den Thron bestiegen, traten die Offiziere zu einer Verschwörung gegen ihren neuen Gebieter zusammen. Das gute Einvernehmen zwischen ihm und seinem Parlamente beschleunigte das Herannahen der Krisis. In dem Lager entstanden Unruhe und Erbitterung, sowohl die religiösen Gefühle als die des Standes der Armee waren tief verletzt, und es schien, als sollten sich die Independenten den Presbyterianern, und die Männer des Schwerts den Männern der Robe unterwerfen. Zwischen den Unzufriedenen in der Armee und der republikanischen Minorität in dem Hause der Gemeinen bildete sich eine Koalition. Selbst wenn Richard das scharfe Urtheil und den eisernen Muth seines Vaters ererbt hätte, so bleibt es dennoch zweifelhaft, ob er diese Koalition besiegt haben würde; es ist vielmehr gewiß, daß seine Einfachheit und Sanftmuth den Erfordernissen der Zeit nicht entsprachen. Er fiel ohne Widerstand und ohne Ruhm; die Armee benutzte ihn als Werkzeug zur Auflösung des Parlamentes und schob ihn dann verächtlich bei Seite. Um ihre republikanischen Verbündeten zufrieden zu stellen, erklärten die Offiziere die Vertreibung des Rumpfparlamentes für ungesetzlich und luden diese Versammlung ein, ihre Amtsgeschäfte wieder zu beginnen. Der alte Sprecher und eine beschlußfähige Anzahl Mitglieder traten wieder zusammen, und unter schlecht verhehltem Hohne und Verwünschungen Seitens der Nation wurden sie zur ersten Macht des Staates ausgerufen. Auch ward ausdrücklich erklärt, daß es weder einen ersten Beamten, noch ein Haus der Lords ferner geben solle.
[_Zweite Vertreibung des Langen Parlaments._] Ein solcher Zustand der Dinge konnte nicht von langer Dauer sein. An demselben Tage, an dem das Lange Parlament wieder in's Leben trat, lebten auch die alten Zwistigkeiten mit der Armee wieder auf. Es vergaß der Rumpf abermals, daß er sein Dasein dem Belieben der Soldaten verdankte, und begann wieder, sie als Untergebene zu behandeln. Wiederum schloß man die Thüren des Hauses der Gemeinen durch militairische Gewalt, und eine von den Offizieren ernannte provisorische Regierung übernahm die Leitung der Staatsgeschäfte.
Das Drückende dieser Lage und die Befürchtung, es könne noch schlimmer werden, bewirkte indeß eine Verbindung zwischen den Cavalieren und den Presbyterianern. Einige Presbyterianer hatten zwar schon vor dem Tode Karls I. zu einer ähnlichen Vereinbarung sich geneigt gezeigt, aber erst nach dem Falle Richard Cromwells eiferte die ganze Partei für die Wiederherstellung des Königshauses. Für die Wiederherstellung der alten Verfassung unter einer Dynastie gab es keine begründete Hoffnung mehr; man mußte daher zwischen den Stuarts und der Armee wählen. Die vertriebene Königsfamilie hatte sich großer Vergehen schuldig gemacht, aber sie hatte diese Vergehen hart gebüßt, und man durfte hoffen, daß sie in der Schule des Unglücks heilsame Lehren erhalten habe; es ließ sich annehmen, daß das Schicksal Karls I. für Karl II. ein warnendes Beispiel sein würde. Aber es waren auch, ohne Rücksicht hierauf, die dem Lande drohenden Gefahren der Art, daß man zu ihrer Abwendung wohl einige Ansichten aufgeben und sich einigen Wagnissen aussetzen konnte. England schien der gehässigsten und erniedrigendsten aller Regierungsformen anheim zu fallen bestimmt zu sein, einer Form, die alle Übel des Despotismus mit allen Schrecken der Anarchie vereinigte. Alles Andere war dem Joche vorzuziehen, das eine Reihenfolge unfähiger und unrühmlicher Tyrannen auferlegte, welche nach Art der Dey's der Berberei durch unausgesetzte Militairrevolutionen endlich zur Regierung gelangten. Lambert konnte der erste dieser Despoten werden, aber nach Verlauf eines Jahres hätte er wahrscheinlich Desborough, und später Desborough dem Harrison weichen müssen. So oft der Kommandostab aus einer schwachen Hand in die andere übergegangen wäre, so oft würde die Nation den Erpressungen ausgesetzt gewesen sein, welche die Geschenke für die Truppen nöthig machten. Wenn die Presbyterianer hartnäckig auf ihrer Trennung von den Royalisten bestanden, wäre der Staat verloren gewesen, und ob es den vereinigten Anstrengungen Beider gelungen wäre, ihn zu retten, war sehr zweifelhaft, denn die Furcht vor der unbesiegbaren Armee hatte sich aller Bewohner der Insel bemächtigt, und die Cavaliere, durch hundert verlorene Schlachten belehrt, wie wenig die numerische Überlegenheit gegen die Disziplin vermag, waren selbst noch mehr eingeschüchtert, als die Rundköpfe.
[_Die Armee von Schottland rückt in England ein._] So lange die Soldaten unter sich einig blieben, waren alle Complote und Aufstände der Mißvergnügten ohne Wirkung. Aber wenig Tage nach der zweiten Vertreibung des Rumpf-Parlaments liefen Nachrichten ein, welche die Herzen Aller, die entweder der Monarchie oder der Freiheit anhingen, mit Freude erfüllten. Jene ungeheure Streitmacht, welche Jahre lang wie ein einziger Mann gehandelt und dadurch so unüberwindlich geworden war, hatte sich endlich in Zwiespalt aufgelöst. Die schottische Armee, welche der Republik große Dienste geleistet, befand sich in dem Zustande voller Kraft; mit einem dem ähnlichen Unwillen, den die an der Donau und am Euphrat stehenden römischen Legionen bei der Nachricht empfanden, daß die prätorianischen Garden das Reich zum Verkauf feilgeboten, hatte sie sich von der Revolution fern gehalten und sie beobachtet. Sie fand es unerträglich, daß einige Regimenter, weil sie in der Nähe von Westminster cantonnirten, und nur deshalb sich anmaßten, im Laufe eines halben Jahres mehrere Regierungen zu ernennen und wieder abzusetzen. Wäre die Regelung der Staatsangelegenheiten durch Soldaten am rechten Platze gewesen, so hätten diejenigen, welche im Norden des Tweed die englische Autorität aufrecht erhielten, dasselbe Recht abzustimmen gehabt, als die, welche den Tower von London besetzt hielten. Die in Schottland stehenden Truppen scheinen weniger vom Fanatismus ergriffen gewesen zu sein, als irgend ein anderer Theil der Armee, und Georg Monk selbst, ihr General, war der vollständige Gegensatz von einem Zeloten. Bei dem Beginne des Bürgerkriegs hatte er zu Gunsten des Königs die Waffen getragen, war von den Rundköpfen gefangen worden, hatte dann von dem Parlamente eine Offizierstelle angenommen und sich, ohne den geringsten Anspruch auf Heiligkeit, durch Muth und militairische Fähigkeiten zu hohen Kommandostellen emporgeschwungen. Beiden Protektoren hatte er nützliche Dienste geleistet, er war ruhig geblieben, als die Offiziere zu Westminster Richard stürzten und das Lange Parlament wieder einsetzten, und hätte ihm die provisorische Regierung nicht Grund zu Unwillen und Besorgniß gegeben, so würde er vielleicht eben so ruhig bei der zweiten Vertreibung des Langen Parlaments geblieben sein, denn er war von Natur vorsichtig, etwas langsam und durchaus nicht geneigt, sichere und mäßige Vortheile der Möglichkeit zu opfern, selbst einen glänzenden Erfolg zu bewirken. Die Furcht, durch die Unterwerfung unter die neuen Herrscher des Staats in seiner Sicherheit gefährdet zu werden, scheint ihn mehr zum Angriffe getrieben zu haben, als die Hoffnung, durch ihren Sturz zu einer Größe sich zu erheben. Was auch immerhin seine Gründe sein mochten -- er trat als der Verfechter der unterdrückten bürgerlichen Gewalt auf, verweigerte die Anerkennung der angemaßten Autorität der provisorischen Regierung und rückte an der Spitze von siebentausend alten Soldaten gegen England vor.
Dies war das Zeichen zu einem allgemeinen Ausbruche: überall weigerte sich das Volk, Steuern zu zahlen; zu Tausenden versammelten sich die Arbeiter der City und riefen laut nach einem freien Parlamente; die Flotte segelte in die Themse und erklärte sich gegen die Tyrannei der Soldaten; die Soldaten, frei von der Aufsicht eines überwiegenden Geistes, theilten sich in Parteien; aus Furcht allein zu stehen und so das Racheziel der unterdrückten Nation zu werden, beeilte sich jedes einzelne Regiment, einen Separatfrieden zu schließen. Lambert, der nach Norden der schottischen Armee entgegen geeilt war, gerieth, von seinen Truppen verlassen, in Gefangenschaft. Seit dreizehn Jahren hatte die bürgerliche Gewalt in jedem Streite der militairischen erliegen müssen; jetzt beugte sich die militairische vor der bürgerlichen Gewalt. Das allgemein gehaßte und verachtete Rumpfparlament, aber der einzige politische Körper im Lande, der noch einen Schein von gesetzlicher Autorität trug, kehrte in das Haus zurück, aus dem man es zweimal schimpflich vertrieben hatte.
Monk rückte indeß London näher. Überall, wohin er kam, eilte ihm die Gentry entgegen und bat ihn flehentlich, er möge seine Macht zur Wiederherstellung des Friedens und der Freiheit der zerrütteten Nation verwenden. Der General, kaltblütig, schweigsam und ohne Eifer für irgend eine politische oder religiöse Verfassung, beobachtete eine unerschütterliche Zurückhaltung. Was damals seine Pläne waren, und ob er überhaupt Pläne hatte, läßt sich nicht bestimmen; aber es war ersichtlich sein Hauptziel, sich so lange als möglich die freie Wahl zwischen zwei Verfahrungsarten zu erhalten, die gewöhnliche Politik von Männern, die sich mehr durch Klugheit, als durch Scharfsinn auszeichnen. Es ist wahrscheinlich, daß er seinen Entschluß erst nach einigen Tagen Aufenthaltes in der Hauptstadt festgestellt hat. Das ganze Volk rief nach einem freien Parlamente, und es ist nicht zu bezweifeln, daß ein solches die verbannte Königsfamilie sofort zurückgerufen hätte. Der Rumpf und die Soldaten waren dem Hause Stuart noch immer feindlich gesinnt, und der Rumpf wiederum ward allgemein verachtet und gehaßt. Man hatte zwar die Macht der Soldaten immer noch zu fürchten, aber die herrschende Zwietracht hatte diese Macht bedeutend geschwächt, und dabei war sie ohne Führer. In vielen Theilen des Landes hatten sich die Soldaten einander feindlich gegenüber gestanden, und noch Tags zuvor, ehe Monk London erreichte, hatte auf dem Strande ein Kampf zwischen Reiterei und Fußvolk stattgefunden. Eine einige Armee hatte lange Zeit eine durch Zwiespalt zerrüttete Nation niedergedrückt; jetzt war die Nation einig und die Armee durch Zwiespalt zerrüttet.
[_Monk erklärt sich für ein freies Parlament._] Die Verstellung oder Unschlüssigkeit Monks hielt eine Zeit lang alle Parteien in einer peinlichen Ungewißheit. Endlich brach er das Schweigen, indem er sich für ein freies Parlament erklärte.
Diese Erklärung versetzte die Nation in einen wahren Freudentaumel; überall wo er sich zeigte, drängte sich die jubelnde Menge um ihn und segnete seinen Namen; alle Glocken Englands stimmten in diesen Jubel mit ein; in den Straßen floß das Bier, und mehrere Nächte hindurch erhellten unzählige Freudenfeuer London und die Umgegend von fünf Meilen. Diejenigen presbyterianischen Mitglieder des Hauses der Gemeinen, die man mehrere Jahre zuvor durch Waffengewalt vertrieben hatte, kehrten zu ihren Sitzen zurück und es empfingen sie die lauten Begrüßungen der Menge, die Westminsterhall und den Schloßhof anfüllte. Die Häupter der Independenten wagten kaum noch sich in den Straßen zu zeigen, sie waren selbst in ihren Wohnungen nicht mehr sicher. Man ergriff nun Maßregeln zur Gründung einer zeitweiligen Regierung; es wurden Befehle zu einer allgemeinen Wahl erlassen und das denkwürdige Parlament, das durch zwanzig bewegte Jahre alle Wechsel des Glücks erfahren, seinen Souverain besiegt, von seinen Dienern geknechtet und zweimal vertrieben, und zweimal wieder eingesetzt worden, sprach endlich feierlich seine eigene Auflösung aus.
[_Allgemeine Wahl von 1660._] Das Ergebniß der Wahlen entsprach dem, was man von der Stimmung der Nation erwarten konnte. Das neue Haus der Gemeinen war, mit geringen Ausnahmen, aus Männern zusammengesetzt, die ergeben an der königlichen Familie hingen. Die Presbyterianer bildeten die Mehrheit.