Part 11
[_Der irische Aufstand._] Noch beharrten beide Parteien in einer feindseligen Vorsicht, noch hatten sie ihre Kraft nicht gemessen, als eine Kunde anlangte, welche Beider Leidenschaften entflammte und Beide in ihren Ansichten bestärkte. Es hatten nämlich die großen Häuptlinge von Ulster, die sich bei Jakobs Regierungsantritte der königlichen Autorität nach langem Kampfe gebeugt, der erniedrigenden Abhängigkeit müde, sich gegen die englische Regierung verschworen, und waren des Hochverraths für schuldig erklärt worden. Ihre unermeßlichen Besitzungen fielen nun der Krone anheim und wurden bald von Tausenden englischer und schottischer Auswanderer bevölkert. Die neuen Ansiedler überragten an Civilisation und geistiger Bildung die Eingeborenen, und mißbrauchten nicht selten diese Überlegenheit. Der Haß, den die Verschiedenheit des Stammes erzeugt, ward durch die Verschiedenheit der Religion noch vermehrt. Unter Wentworth's eiserner Herrschaft hatte sich zwar kaum ein leises Murren vernehmen lassen; als aber dieser starke Druck aufgehoben, als Schottland das Beispiel eines erfolgreichen Widerstandes geliefert, und als England mit eigenen Zwistigkeiten zu thun hatte, da brach die verhaltene Wuth der Iren in schrecklichen Gewaltthätigkeiten aus. Die Eingeborenen erhoben sich gegen die Colonisten. Ein Krieg, dem nationaler und religiöser Haß einen besonders furchtbaren Charakter verliehen, verwüstete Ulster und breitete sich über die benachbarten Provinzen aus. Das Schloß von Dublin hielt man kaum noch für sicher. Jede Post brachte Gräuelberichte nach London, die, wenn sie auch nicht übertrieben gewesen wären, dennoch Mitleid und Schrecken erregen mußten. Diese bösen Botschaften nun entzündeten bis zum höchsten Grade den Eifer der beiden großen Parteien, die in Westminster zum Kampfe gerüstet einander gegenüber standen. Die Anhänger des Königs behaupteten, es sei die Pflicht eines jeden guten Engländers und Protestanten, in einer solchen Krise die Macht des Souveräns zu stärken; die Opposition dagegen war der Ansicht, es lägen jetzt mehr als je triftige Gründe vor, ihm Hindernisse und Schranken entgegenzusetzen. Die Gefahr des Gemeinwesens war allerdings Grund genug, einem des Vertrauens würdigen Oberhaupte ausgedehnte Gewalt zu verleihen; aber der Umstand, daß dieses Oberhaupt dem Lande feindlich gesinnt war, gab einen eben so triftigen Grund dafür, ihm die Macht zu entziehen. Eine große Armee aufzustellen, war von jeher des Königs Hauptbestreben gewesen, und jetzt mußte ein solches Heer gesammelt werden. War man nun nicht auf neue Bürgschaften bedacht, so stand zu befürchten, daß die zur Bezwingung Irlands aufgestellten Streitkräfte gegen die Freiheit Englands verwendet werden würden. Aber auch dies war noch nicht Alles. Es hatte sich ein gräßlicher Verdacht, wenn auch ungerecht, doch nicht ganz unnatürlich, vieler Gemüther bemächtigt. Die Königin nämlich war eine erklärte Anhängerin der römisch-katholischen Kirche; den König hielten die Puritaner, weil er sie stets schonungslos verfolgt hatte, nicht für einen aufrichtigen Protestanten, und seine Zweideutigkeit war so allgemein bekannt, daß es keine Verrätherei mehr gab, deren seine Unterthanen, nur bei einigem Anscheine von Grund, ihn nicht für fähig gehalten hätten. Leise tauchte das Gerücht auf, der Aufstand der Römisch-Katholischen von Ulster sei nichts als ein Theil eines großen Werkes der Finsterniß, daß man in Whitehall vorbereitet habe.
[_Die Remonstration._] Am 22. November 1641 fand nach einem Vorspiele von einigen Wochen der erste große parlamentarische Kampf zwischen den Parteien statt, die seitdem stets um die Regierung der Nation gestritten haben und noch darum streiten. Die Opposition stellte den Antrag, das Haus der Gemeinen möge dem Könige eine Vorstellung übergeben, in der die Fehler, die er seit seiner Thronbesteigung in der Verwaltung begangen, aufgezählt würden, und die zugleich das Mißtrauen ausdrücke, mit dem das Volk seine Politik betrachte. Dieselbe Versammlung, die noch vor wenig Monaten einstimmig die Abschaffung der Mißbräuche gefordert hatte, war jetzt in zwei heftig erbitterte Parteien von fast gleicher Stärke getheilt. Nach einer mehrstündigen heißen Debatte ward die beantragte Remonstration mit nur elf Stimmen angenommen.
Der conservativen Partei war das Ergebniß dieses Kampfes ungemein günstig. Daß sie binnen kurzer Zeit das Übergewicht im Unterhause erlangen würde, war unzweifelhaft, wenn nicht eine große Unbesonnenheit es verhinderte. Des Oberhauses hatte sie sich schon bemächtigt; es fehlte nichts zur völligen Sicherung ihres Erfolgs, als daß der König in seinem ganzen Verhalten Achtung vor den Gesetzen und gewissenhafte Treue gegen seine Unterthanen an den Tag legte.
Seine ersten Maßregeln versprachen Gutes. Wie es schien, hatte er die Nothwendigkeit eines vollständigen Wechsels des Systems erkannt und sich klüglich dem zugewendet, was nicht länger vermieden werden konnte. Offen erklärte er seinen Entschluß, daß er in Übereinstimmung mit den Gemeinen regieren und deshalb nur Männer zu seinen Räthen wählen wolle, in deren Fähigkeiten und Charakter sie volles Vertrauen setzten. Und diese Wahl fiel auch wirklich nicht übel aus. Falkland, Hyde und Colepepper, drei Männer, die sich durch den Eifer für Abstellung von Mißbräuchen und Bestrafung schlechter Minister hervorgethan, wurden eingeladen, die Stellung als vertraute Räthe der Krone einzunehmen, und sie erhielten auch von Karl die feierliche Versicherung, daß er ohne ihr Mitwissen keinen Schritt unternehmen wolle, der in irgend einer Weise das Unterhaus verletze.
Hätte er dieses Versprechen gehalten, so würde ohne allen Zweifel die Reaktion, die bereits im Fortschreiten begriffen, bald so stark geworden sein, als es die besten Royalisten nur immer wünschen konnten. Die heftigen Mitglieder der Opposition begannen schon an dem glücklichen Erfolge ihrer Partei zu verzweifeln, für ihre eigene Sicherheit zu fürchten und von dem Verkaufen ihrer Güter und der Übersiedelung nach Amerika zu sprechen. Daß die helle Aussicht, die sich dem Könige bereits eröffnet, sich plötzlich verdunkelte, daß sein Leben durch Widerwärtigkeit getrübt und endlich gewaltsam verkürzt wurde, ist nur seiner eigenen Treulosigkeit und Verhöhnung der Gesetze beizumessen.
Daß er beide Parteien, in die das Haus der Gemeinen sich theilte, haßte, ist wahrscheinlich, und man kann sich darüber nicht wundern, denn in beiden Parteien waren Freiheits- und Ordnungsliebe, wenn auch in verschiedenen Verhältnissen, stets gemischt vorhanden. Die Rathgeber, die zu berufen ihn die Nothwendigkeit gezwungen, waren durchaus nicht Männer nach seinem Herzen; sie hatten an der Verurtheilung seiner Tyrannei, an der Schmälerung seiner Macht und der Bestrafung seiner Werkzeuge Theil genommen. Nun waren sie allerdings bereit, durch streng gesetzliche Mittel seine streng gesetzlichen Rechte zu vertheidigen, aber sie würden vor dem Gedanken zurückgeschaudert sein, Wentworths Pläne des »Durch« wieder in Angriff zu nehmen. Aus diesem Grunde hielt sie der König für Verräther, die sich nur durch den Grad ihrer aufrührerischen Bosheit von Pym und Hampden unterschieden.
[_Anklage der fünf Mitglieder._] Einige Tage nach dem den Häuptern der constitutionellen Royalisten geleisteten Versprechen, daß kein wichtiger Schritt ohne ihr Mitwissen gethan werden solle, faßte er die verhängnißvollste Entschließung seines ganzen Lebens, verbarg sie ihnen sorgfältig und brachte sie in einer Weise zur Ausführung, die sie mit Scham und Schrecken erfüllte. Er gab dem Kronanwalt Auftrag, Pym, Hollis, Hampden und andere Mitglieder des Hauses der Gemeinen vor den Schranken des Hauses der Lords als Hochverräther anzuklagen. Noch nicht zufrieden mit dieser schweren Verletzung der Magna Charta und des ununterbrochenen Gebrauchs von Jahrhunderten, erschien er in Person, unter Begleitung von Bewaffneten, um in den Mauern des Parlamentsgebäudes selbst die Führer der Opposition zu verhaften.
Der Versuch mißlang, denn die angeklagten Mitglieder hatten kurz vor Karls Erscheinen das Haus verlassen. Sowohl im Parlamente als im Lande folgte nun ein plötzlicher und heftiger Umschwung der Stimmung. Die gelindeste Ansicht, welche die parteilichsten Verfechter des Königs über sein Verhalten bei dieser Gelegenheit je gehegt haben, ist die, daß er schwach genug gewesen sei, sich von den schlechten Rathschlägen seiner Frau und seiner Höflinge zu einer unerhörten Unbesonnenheit hinreißen zu lassen. Die allgemeine Stimme aber klagte ihn laut eines weit schwerern Vergehens an. In demselben Augenblicke, in dem seine Unterthanen, lange durch seine schlechte Verwaltung ihm entfremdet, mit Gefühlen des Vertrauens und der Liebe zu ihm zurückkehren wollten, führte er einen tödtlichen Streich auf ihre theuersten Rechte, auf die Vorrechte des Parlaments, überhaupt auf das ganze Prinzip der Geschwornengerichte, und zeigte, daß er eine Opposition gegen seine Willkürpläne für eine nur durch Blut zu sühnende Schuld betrachte. Er war nicht nur seinem großen Rathe und seinem Volke, sondern auch seinen eigenen Anhängern untreu geworden, und hatte einen Schritt zu thun gewagt, der wahrscheinlich einen blutigen Kampf an dem Stuhle des Sprechers hervorgerufen haben würde, wenn ihn ein unvorhergesehener Zufall nicht verhindert hätte. Es fühlten jetzt die einflußreichsten Männer im Unterhause, daß nicht nur ihre Macht und Popularität, sondern auch ihre Güter und Köpfe von dem Ausgange des Kampfes, in den sie verwickelt waren, abhingen. Der gesunkene Eifer der dem Hofe entgegenstehenden Partei erhob sich plötzlich wieder zu neuem Leben. Die ganze Nacht, die auf den Frevel folgte, stand die City von London unter Waffen. Die der Hauptstadt zuführenden Straßen waren nach wenig Stunden schon mit Schaaren von Freisassen bedeckt, welche mit den Zeichen der Parlamentssache an den Hüten nach Westminster eilten. Die Opposition im Hause der Gemeinen wurde plötzlich unwiderstehlich und setzte, bei einem Stimmenverhältnisse von mehr als zwei gegen eine, Beschlüsse von beispielloser Heftigkeit durch. Die Wache in Westminsterhall wurde von starken Abtheilungen der Landmiliz besetzt und regelmäßig abgelös't. Eine wüthende Menge belagerte täglich die Thüren des königlichen Palastes, ihre Schmähungen und Flüche drangen bis in das Audienzgemach, und die Hofdiener konnten den Andrang kaum von den königlichen Zimmern abhalten. Wäre Karl noch länger in der stürmisch aufgeregten Hauptstadt geblieben, die Gemeinen würden wahrscheinlich einen neuen Vorwand gefunden haben, um ihn, unter Beobachtung äußerer Formen der Ehrerbietung, zum Staatsgefangenen zu machen.
[_Karls Abreise von London._] Er verließ London, um nicht eher dorthin zurückzukehren, bis der Tag einer furchtbaren und denkwürdigen Abrechnung gekommen war. Es begann eine Unterhandlung, die mehrere Monate dauerte. Anklagen und Gegenanklagen wechselten zwischen den streitenden Parteien; jede friedliche Schlichtung war unmöglich geworden. Auch den König ereilte endlich die sichere Strafe, die den steten Verrath treffen muß. Umsonst verpfändete er jetzt sein königliches Wort, umsonst rief er den Himmel zum Zeugen der Aufrichtigkeit seiner Versicherungen an; das Mißtrauen seiner Gegner war weder durch Schwüre noch durch Verträge zu verbannen, denn sie hegten die Überzeugung, daß ihre Sicherheit von seiner völligen Hilflosigkeit abhinge, und aus diesem Grunde bestanden sie darauf, er solle nicht nur auf die Vorrechte verzichten, die er sich durch die Verletzung alter Gesetze und seiner eigenen noch kürzlich geleisteten Versprechen angemaßt hatte, sondern auch auf andere, in deren Besitz die englischen Könige seit undenklichen Zeiten waren und noch bis auf den heutigen Tag sind. Es sollte ohne Zustimmung der Häuser kein Minister ernannt, kein Pair gewählt werden, und vor Allem sollte der Souverain sich der höchsten Militairgewalt entäußern, die seit einer Zeit, deren sich niemand mehr erinnert, der königlichen Würde angehört hatte.
Daß Karl auf solche Forderungen eingehen würde, so lange er noch irgend ein Widerstandsmittel besaß, ließ sich nicht erwarten; aber es würde auch schwer sein, den Nachweis zu liefern, daß die Häuser mit Sicherheit weniger hätten fordern können. Die große Mehrzahl der Nation hielt fest an der erblichen Monarchie; der republikanisch Gesinnten waren nur noch wenige, und diese wagten nicht, ihre Meinung laut auszusprechen. Die Abschaffung des Königthums war daher eine Unmöglichkeit; aber zugleich war es klar, daß man in den König kein Vertrauen setzen durfte. Es hätten Diejenigen, die sein Streben nach ihrer Vernichtung aus jüngster Erfahrung kannten, widersinnig gehandelt, wenn sie sich damit begnügt hätten, ihm eine andere Bitte um Recht einzureichen, und von ihm neue, denen ähnliche Versprechungen anzunehmen, die er wiederholt gegeben und nicht gehalten hatte. Nur der Mangel einer Armee hatte ihn verhindert, die alte Reichsverfassung völlig umzustürzen. Die Wiedereroberung Irlands hatte die Aufstellung einer großen regelmäßigen Armee nöthig gemacht, es wäre daher reiner Wahnsinn gewesen, hätte man die volle Militairgewalt, wie sie seine Vorfahren besaßen, in seinen Händen lassen wollen.
Befindet sich ein Land in der Lage, in der sich damals England befand, wird das königliche Amt mit Liebe und Verehrung, aber die dasselbe verwaltende Person mit Haß und Mißtrauen betrachtet, so sollte man meinen, daß der einzuschlagende Ausweg nicht fern läge: die Würde des Amtes aufrecht zu halten, und die Person zu beseitigen. Diesen Weg wählten unsere Vorfahren 1399 und 1689. Hätte im Jahre 1642 ein Mann gelebt, der eine Stellung wie Heinrich von Lancaster zur Zeit der Entthronung Richards II., oder wie der Prinz von Oranien zur Zeit der Thronentsetzung Jakobs II. einnahm, so ließe sich annehmen, daß die Häuser die Dynastie gewechselt, aber keine förmliche Veränderung der Verfassung ausgeführt haben würden, und der neue König, durch ihre Wahl zu dem Throne berufen und abhängig von ihrer Unterstützung, hätte nothwendig in Übereinstimmung mit ihren Wünschen und Ansichten regieren müssen. Aber die Partei des Parlaments zählte keinen Prinzen von königlichem Geblüte zu ihren Anhängern, und wenn sie auch Männer von hohem Range und ausgezeichneten Fähigkeiten besaß, so war doch keiner unter ihnen, der die übrigen dergestalt überragte, daß man ihn als Throncandidaten aufstellen konnte. Da es einen König geben mußte, und ein neuer nicht zu finden war, so stellte sich die Nothwendigkeit heraus, Karl den königlichen Titel zu belassen, und es blieb nur der eine Ausweg übrig, den Titel von den Hoheitsrechten zu trennen.
Schien auch die Änderung, welche die Häuser an unsern Institutionen vorzunehmen beschlossen, eine weitumfassende, als man sie genau in Vertragsartikel geordnet hatte; so ging sie doch in der That um nicht viel weiter als jene Änderung, welche in der nächsten Generation die Revolution hervorbrachte. Der Souverain ward in der Revolution allerdings nicht durch ein Gesetz der Macht beraubt, seine Minister zu wählen; aber es steht auch fest, daß es seit der Revolution keinem Minister möglich war, länger als sechs Monate im Amte zu bleiben, wenn das Haus der Gemeinen widersprach. Der Souverain hat zwar noch immer die Gewalt Pairs zu ernennen, und die noch viel wichtigere des Schwertes; aber er ist seit der Revolution bei Ausübung dieser Gewalten stets von Räthen umgeben gewesen, die das Vertrauen der Volksvertreter besaßen. Die Führer der Rundköpfe vom Jahre 1642 und die Staatsmänner, die vielleicht ein halbes Jahrhundert später die Revolution hervorriefen, verfolgten in der That genau dasselbe Ziel, und dieses Ziel war, den Streit zwischen der Krone und dem Parlamente dadurch zu Ende zu bringen, daß man dem Letztern die Oberaufsicht über die executive Verwaltung zuertheilte. Die Staatsmänner der Revolution bewirkten dies indirekt durch einen Dynastie-Wechsel. Die Rundköpfe von 1642 mußten einen direkten Weg zum Ziele einschlagen, da sie den Dynastie-Wechsel nicht bewirken konnten.
Es darf uns jedoch nicht befremden, wenn die Forderungen der Opposition, die eine vollständige und förmliche Übertragung aller der Krone bisher angehörigen Befugnisse auf das Parlament umfaßten, jene große Partei abschreckten, deren charakteristische Merkmale Achtung vor gesetzlicher Autorität und Furcht vor gewaltsamen Neuerungen waren. Diese Partei hatte noch kürzlich die Hoffnung gehegt, die Erlangung des Übergewichts in dem Hause der Gemeinen durch friedliche Mittel zu bewirken; in dieser Hoffnung aber war sie getäuscht. Karl hatte durch seine Treulosigkeit die alten Feinde unversöhnlich gemacht, eine Anzahl gemäßigter und im Übertritte zu ihm begriffener Männer in die Reihen der Mißvergnügten zurückgetrieben, und seine besten Freunde so tief gekränkt, daß sie sich eine Zeit lang beschämt und entrüstet zurückzogen. Jetzt aber mußten die constitutionellen Royalisten unter zwei Gefahren wählen, und sie hielten es für Pflicht, eher zu einem Fürsten zu stehen, dessen bisheriges Verfahren sie verabscheuten und dessen Worten sie wenig Vertrauen schenkten, als eine Entwürdigung des königlichen Amtes und eine völlige Umgestaltung der Reichsverfassung zu dulden. Mit diesen Gefühlen traten viele Männer, deren Tugenden und Fähigkeiten einer jeden Sache zur Ehre gereicht haben würden, auf die Seite des Königs.
[_Anfang des Bürgerkriegs._] Im August 1642 griff man endlich zum Schwerte, und fast in jeder Grafschaft des Königreichs standen zwei bewaffnete Parteien einander feindlich gegenüber. Welche von den streitenden Parteien anfangs die furchtbarste war, läßt sich schwer bestimmen. Die Häuser geboten über London und die umliegenden Grafschaften, über die Flotte, die Themseschifffahrt und die meisten großen Städte und Seehäfen; fast alle Kriegsvorräthe im Königreiche standen zu ihrer Verfügung, so daß sie Zölle sowohl von Waaren, aus fremden Ländern eingeführt, als auch von einigen wichtigen Erzeugnissen inländischer Industrie erheben konnten. Der König war mit Artillerie und Munition schlecht versehen. Die Steuern, welche er aus den von seinen Truppen besetzten Landbezirken zog, lieferten einen weit geringern Ertrag, als der, den das Parlament allein aus der City von London erhob. Zwar ist es nicht zu läugnen, daß die Freigebigkeit seiner reichen Anhänger ihn mit Geldmitteln unterstützte, daß viele von ihnen ihr Grundeigenthum mit Schulden belasteten, ihre Juwelen verpfändeten und ihre silbernen Geräthe und Taufbecken zu Gelde machten, um ihm zu helfen; allein die Erfahrung hat vollständig bewiesen, daß die freiwillige Aufopferung Einzelner, selbst in den Zeiten der größten Aufregung, gegen eine strenge regelmäßige Besteuerung, die willige und zähe Zahler zugleich drückt, nur eine dürftige finanzielle Hilfsquelle ist.
Karl besaß jedoch einen Vortheil, der nicht nur den Mangel an Vorräthen und Geld mehr als aufgewogen haben würde, wenn er ihn gut benützt hätte, sondern ihm auch, ungeachtet der schlechten Führung, einige Monate lang die Überlegenheit im Kriege gab. Seine Truppen kämpften anfangs viel besser, als die des Parlaments. Bestanden auch beide Armeen fast nur aus Leuten, die nie ein Schlachtfeld gesehen hatten, so war dennoch der Unterschied ein großer. In den Reihen der Parlamentstruppen standen eine Menge Miethlinge, die Mangel und Müßiggang bewogen hatten, sich anwerben zu lassen. Hampdens Regiment hielt man für eins der Besten; aber selbst dieses Regiment schildert Cromwell nur als eine zusammengelaufene Bande von unbeschäftigten Kellnern und Bedienten. Die Armee des Königs dagegen bestand größtentheils aus muthigen, begeisterten Gentlemen, gewohnt, den Tod der Schande vorzuziehen, im Fechten und im Gebrauche der Feuerwaffe geübt, als kecke Reiter vertraut mit der männlichen und gefahrvollen Lust der Jagd, die man passend ein Bild des Krieges genannt hat. Solche Männer, ihre Leibrosse unter sich und kleine Schaaren kommandirend, die aus ihren jüngern Brüdern, ihren Stallknechten, Wildhütern und Jägern zusammengestellt waren, zeigten sich schon am ersten Tage des Feldzugs befähigt, in einem Gefecht mit Ehren zu bestehen. Zwar brachten es diese tapfern Freiwilligen nie zu der Ausdauer, dem pünktlichen Gehorsam und der maschinenmäßigen Präzision in den Bewegungen, die den regulären Soldaten eigen sind; aber man stellte sie anfangs Feinden entgegen, die eben so undisziplinirt wie sie, und bei weitem nicht so unternehmend, stark und beherzt waren. Aus diesem Grunde fochten die Cavaliere eine Zeit lang fast immer mit Glück.
Auch in der Wahl eines Generals war das Parlament unglücklich gewesen. Der Rang und Reichthum des Grafen Essex machten ihn zu einem der bedeutendsten Glieder der Parlamentspartei. Er hatte ruhmvoll auf dem Continente gefochten, und bei dem Beginne des Krieges ward er als Militair so hoch geachtet, wie nur irgend ein Mann im Lande; aber bald zeigte es sich, daß er dem Posten des Oberbefehlshabers nicht gewachsen war. Er hatte wenig Energie und durchaus keinen erfinderischen Geist, so daß ihn die im pfälzischen Kriege erlernte regelmäßige Taktik nicht vor dem Schimpfe bewahrte, sich von einem Anführer wie Ruprecht, der keinen höhern Ruhm als den eines kühnen Parteigängers beanspruchen konnte, überrumpeln und zersprengen zu lassen.
Ebenso wenig waren die Offiziere, denen man unter Essex die Hauptposten anvertraut hatte, geeignet, das zu ersetzen, was ihm fehlte. Das Parlament kann man dafür nicht verantwortlich machen. In einem Reiche, in dem seit Menschengedenken kein großer Landkrieg geführt war, suchte man vergebens nach Generalen von erprobter Kunst und Tapferkeit, mußte daher anfangs unerprobten Männern vertrauen und gab natürlich von diesen denen den Vorzug, die sich entweder durch ihre Stellung, oder durch ihre im Parlamente entwickelten Fähigkeiten hervorgethan hatten. Aber auch nicht eine einzige Wahl war eine glückliche zu nennen; weder die großen Herren noch die großen Redner zeigten sich als gute Soldaten. Der Graf von Stamford, einer der bedeutendsten Männer des hohen Adels, ward bei Stratton von den Royalisten geschlagen; Nathaniel Fiennes, der an Fähigkeiten in bürgerlichen Angelegenheiten keinem seiner Zeitgenossen nachstand, bedeckte sich durch die kleinmüthige Übergabe von Bristol mit Schmach. Von allen Staatsmännern, die in jener Zeit hohe Militairposten empfingen, scheint Hampden allein auch im Felde die Fähigkeit und Energie gezeigt zu haben, durch die er sich in der Politik auszeichnete.
[_Erfolge der Royalisten._] Nach Verlauf eines Jahres waren alle Kriegsvortheile entschieden auf Seiten der Royalisten. In den westlichen und nördlichen Grafschaften hatten sie gesiegt, sie hatten dem Parlamente Bristol, die zweite Stadt des Königreichs, entrissen, und mehrere Schlachten gewonnen, ohne eine einzige ernste oder schimpfliche Niederlage zu erleiden. Unter den Rundköpfen dagegen begann das Mißgeschick Uneinigkeit und Unzufriedenheit hervorzurufen; das Parlament ward bald durch Komplote, bald durch Tumulte in einer steten Aufregung erhalten, so daß man es für nöthig erachtete, London gegen die königliche Armee zu befestigen, und einige mißvergnügte Bürger an ihren eigenen Hausthüren aufzuhängen. Mehrere der bekanntesten Pairs, die bis dahin zu Westminster geblieben waren, flüchteten an den Hof, damals zu Oxford, und unbezweifelt würde Karl im Triumphe nach Whitehall marschirt sein, wenn zu dieser Zeit die Operationen der Cavaliere durch scharfsinnige und energische Köpfe geleitet worden wären.