Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Achter Band: enthaltend Kapitel 15 und 16.

Part 5

Chapter 53,296 wordsPublic domain

[_Ursprung und Fortschreiten der parlamentarischen Bestechung in England._] Die Geschichte des Ursprungs, der Zunahme und Abnahme der parlamentarischen Bestechung in England ist noch von Niemandem geschrieben worden. Kein Gegenstand hat eine größere Menge beredtsamen Tadels und beißender Sarkasmen veranlaßt. Drei Generationen ernster und humoristischer Schriftsteller haben über die Feilheit des Senats geweint und gelacht. Diese Feilheit wurde auf der Wahlbühne getadelt, auf der Kanzel mit dem Bannfluche belegt und auf der Bühne verspottet, von Pope in glänzenden Versen und von Bolingbroke in eleganter Prosa, von Swift mit wildem Hasse und von Gay mit launiger Bosheit angegriffen. Die Stimmen von Tories und Whigs, von Johnson und Akenside, von Smollett und Fielding verstärkten das Geschrei. Aber keiner der Scheltenden oder Scherzenden nahm sich die Mühe die Erscheinung zu erklären, oder sie auf ihre wirklichen Ursachen zurückzuführen.

Zuweilen wurde das Uebel der Verderbtheit eines einzelnen Ministers zugeschrieben; wenn er aber vom Ruder verdrängt war und wenn Diejenigen, die ihn laut beschuldigt, an seiner Statt regierten, ergab es sich, daß der Wechsel der Personen keine Veränderung des Systems herbeigeführt hatte. Anderemale wurde das Uebel der Ausartung des Nationalcharacters zugeschrieben. Verschwendungssucht und Habgier, sagte man, hätten in unsrem Vaterlande die nämliche Wirkung erzeugt, die sie vor Alters in der römischen Republik erzeugten. Der moderne Engländer verhalte sich zu dem Engländer des 16. Jahrhunderts wie Verres und Curio zu Dentatus und Fabricius. Diejenigen welche diese Sprache führten, waren so unwissend und oberflächlich wie Leute, welche die Vergangenheit auf Kosten der Gegenwart herausstreichen, es in der Regel sind. Ein einsichtsvoller Mann würde bemerkt haben, daß, wenn die Engländer aus der Zeit Georg's II. wirklich schmutziger und ehrloser gewesen wären als ihre Vorfahren, die Verschlechterung sich nicht an einer Stelle allein gezeigt haben würde. Die Feilheit der Justiz und die Feilheit der Beamten würde mit der Feilheit des Parlaments gleichen Schritt gehalten haben. Allein es ist nichts gewisser als daß die Gerichtshöfe und die öffentlichen Behörden immer reiner und reiner wurden, während die Feilheit der Legislatur zunahm. Die Vertreter des Volks waren zu den Zeiten Hardwicke's und Pelham's unzweifelhaft käuflicher als zu den Zeiten der Tudors. Aber die Kanzler der Tudors machten sich kein Gewissen daraus von Rechtsuchenden Silbergeschirr und Juwelen anzunehmen, und Hardwicke würde jeden Rechtsuchenden, der es gewagt hätte, ihm ein Geschenk zu bringen, haben verhaften lassen. Die Schatzmeister der Tudors erwarben sich durch den Verkauf von Stellen, Titeln und Begnadigungen fürstliches Vermögen, und Pelham würde Jedem, der ihm für eine Pairie oder ein Zollcommissariat Geld geboten hatte, durch seine Dienerschaft aus dem Hause haben werfen lassen. Es liegt somit auf der Hand, daß das Vorherrschen der Bestechlichkeit im Parlament nicht einer allgemeinen Sittenverderbniß zugeschrieben werden darf. Die Krankheit war eine örtliche, wir müssen uns daher nach einer örtlichen Ursache umsehen, und eine solche wird nicht schwer zu finden sein.

Unter unseren früheren Regenten hatte das Haus der Gemeinen mit der ausübenden Verwaltung wenig zu thun; der Sprecher war beauftragt es nicht zu dulden, daß die Mitglieder sich in Staatsangelegenheiten mischten. War einer der Herren gar nicht zur Ruhe zu bringen, so wurde er vor den Geheimen Rath gefordert und zur Rede gesetzt, erhielt einen Verweis und wurde in den Tower geschickt, um dort über sein pflichtwidriges Benehmen nachzudenken. Die Gemeinen suchten sich zwar nach Möglichkeit zu schützen, indem sie ihre Berathungen geheim hielten, Fremden keinen Zutritt gestatteten und die Wiedererzählung dessen was hinter den Thüren geschah, zu einem Verbrechen stempelten. Aber diese Vorsichtsmaßregeln halfen nicht viel. In einer so zahlreichen Versammlung gab es immer Ohrenbläser, weiche bereit waren, ihre Collegen im Palaste anzuschwärzen. Dem Hofe zu opponiren war daher ein gefährliches Ding. Von Kaufen der Stimmen war damals natürlich noch wenig oder gar nicht die Rede. Ein ehrlicher Mann ließ sich nicht erkaufen, und ein Schurke war wohlfeiler einzuschüchtern oder zu zwingen, als zu erkaufen.

Aus einem ganz andren Grunde hat in neuerer Zeit, so weit die Erinnerung der gegenwärtigen Generation zurückreicht, kein directes Kaufen von Stimmen stattgefunden. Das Haus der Gemeinen ist jetzt die höchste Behörde im Staate; aber es ist der Nation verantwortlich. Selbst diejenigen Mitglieder, welche nicht durch große Wahlkörper gewählt sind, werden durch die öffentliche Meinung in Schranken gehalten. Alles wird gedruckt. Alles wird diskutirt, jedes im Laufe der Debatte gesprochene Wort wird am nächsten Morgen von einer Million Menschen gelesen. Wenige Stunden nach einer wichtigen Abstimmung werden die Listen der Majorität und der Minorität in jeder Stadt, von Plymouth bis Inverneß, kritisirt und analysirt. Findet man einen Namen da, wo er nicht sein sollte, so kann der Apostat gewiß sein, daß er sehr nachdrücklich an die Versprechungen und Versicherungen, denen er untreu geworden, erinnert werden wird. Heutzutage kann sich daher eine Regierung die Majorität des repräsentativen Körpers am besten dadurch sichern, daß sie das Vertrauen der Nation gewinnt.

Zwischen der Zeit aber, wo unsere Parlamente aufhörten, durch die königliche Prärogative gezügelt zu werden, und der Zeit, wo sie andauernd und wirksam durch die öffentliche Meinung gezügelt zu werden begannen, lag ein langer Zwischenraum. Nach der Restauration wagte keine Regierung wieder zu den Mitteln zu greifen, durch welche vor dem Bürgerkriege die Redefreiheit beschränkt worden war. Kein Mitglied konnte mehr wegen seiner Reden oder seiner Vota zur Rechenschaft gezogen werden. Er konnte die Annahme von Bewillungsbills hintertreiben, er konnte die ganze auswärtige Politik des Landes angreifen; er konnte Anklageschriften gegen sämmtliche erste Minister auf den Tisch des Hauses niederlegen, und er lief nicht die mindeste Gefahr, so behandelt zu werden, wie Morrice von Elisabeth, oder Eliot von Karl I. behandelt worden war. Der Senator fürchtete den Hof nicht mehr. Dessenungeachtet wurden alle Schutzwehren, hinter denen sich die schwachen Parlamente des 16. Jahrhunderts gegen die Angriffe der Prärogative verschanzt hatten, nicht nur aufrecht erhalten sondern noch erweitert und verstärkt. Kein Politiker scheint erkannt zu haben, daß diese Schutzwehren ihrem ursprünglichen Zwecke nicht mehr dienten und angefangen hatten, einem ganz andren Zwecke zu dienen. Die Regeln, welche ursprünglich dazu bestimmt gewesen waren, treue Volksvertreter gegen das Mißfallen des Souverains zu schützen, dienten jetzt dazu, treulose Volksvertreter gegen das Mißvergnügen der Nation zu schützen und erwiesen sich zu dem letzteren Zwecke als viel wirksamer als sie es zu dem ersteren gewesen waren. Daß in einem gesetzgebenden Körper, der von den Beschränkungen des 16. Jahrhunderts befreit, aber noch nicht den Beschränkungen des 19. Jahrhunderts unterworfen war, in einem gesetzgebenden Körper, der weder den König noch das Volk fürchtete, Bestechlichkeit herrschte, war natürlich, ja unvermeidlich.

Die Pestbeule begann in den Tagen der Cabale sichtbar und greifbar zu werden. Clifford, der Kühnste und Heftigste von den bösen Fünf, hatte das Verdienst, die Entdeckung zu machen, daß ein lärmender Patriot, der nicht mehr eingesperrt werden durfte, durch eine Goldschmiedsnote in einen Höfling verwandelt werden könne. Es wurde bald ein Sprüchwort, daß das Parlament einer Pumpe gleiche. Wenn eine Pumpe ausgetrocknet sei, sagten die Witzlinge, brauche man nur eine kleine Quantität Wasser hineinzuschütten, damit sie eine große Quantität Wasser von sich gebe; ebenso bedürfe es bei einem sich knauserig zeigenden Parlamente oft nur der zweckmäßigen Vertheilung von zehntausend Pfund, um eine Million bewilligt zu erhalten. Durch die Revolution, welche unser Land von so manchem andren Uebel befreit, wurde das Uebel nicht vermindert, sondern sogar verschlimmert. Das Haus der Gemeinen war jetzt der Krone gegenüber mächtiger als je und doch war es der Nation nicht strenger verantwortlich als früher. Die Regierung hatte einen neuen Beweggrund, die Mitglieder zu erkaufen, und die Mitglieder hatten keinen neuen Beweggrund, sich nicht erkaufen zu lassen. Wilhelm hatte zwar einen Widerwillen gegen die Bestechung; er beschloß, sich derselben zu enthalten, und während des ersten Jahres seiner Regierung führte er diesen Vorsatz auch durch. Leider aber ermuthigten die Ereignisse dieses Jahres ihn nicht, in seiner guten Absicht zu beharren. Sobald Caermarthen an die Spitze der inneren Verwaltung des Reichs gestellt war, trat eine vollständige Aenderung ein. Er war in der That kein Neuling in der Kunst des Stimmenkaufens. Vor sechzehn Jahren war er Clifford's Nachfolger im Schatzamte geworden, hatte Clifford's Taktiken geerbt, sie verbessert und sie in einer Ausdehnung angewendet, die den Erfinder in Erstaunen gesetzt haben würde. Von dem Tage, an welchem Caermarthen zum zweiten Male zur Oberleitung der Staatsangelegenheiten berufen wurde, ward die parlamentarische Bestechung fortwährend fast ohne Unterbrechung von einer langen Aufeinanderfolge von Staatsmännern bis zur Beendigung des amerikanischen Kriegs ausgeübt. Keine der beiden großen englischen Parteien kann der andren in diesem Punkte speciell die Schuld beimessen. Die Tories waren die Ersten, die das System einführten, und die Letzten, die daran festhielten, seinen größten Umfang aber erreichte es zur Zeit des Uebergewichts der Whigs. In welchem Umfange die Unterstützung des Parlaments mit Geld erkauft wurde, läßt sich nicht genau ermitteln. Doch ist es wahrscheinlich, daß die Anzahl der Söldlinge durch das Gerücht sehr übertrieben wurde und niemals groß, wenn auch oft beträchtlich genug war, um bei wichtigen Abstimmungen den Ausschlag zu geben. Ein gewissenloser Minister nahm die Dienste dieser Söldlinge mit eifriger Bereitwilligkeit an, und ein rechtschaffener Minister unterwarf sich im Interesse des Gemeinwohls einem Gebrauche, den er als eine schmachvolle Erpressung betrachtete. Aber viele Jahre hindurch verstand sich jeder Minister, mochte sein persönlicher Character sein welcher er wollte, wohl oder übel dazu das Parlament auf die einzige Manier zu behandeln, auf die es behandelt werden konnte. Es wurde endlich eben so notorisch, daß im Schatzamte ein Stimmenmarkt, wie daß in Smithfield ein Viehmarkt gehalten ward. Zahlreiche Demagogen die nicht im Amte waren, eiferten gegen diesen schmählichen Handel, jeder von diesen Demagogen aber sah sich, sobald er ans Ruder kam, durch eine Art von Fatalität getrieben, an dem Handel Theil zu nehmen, oder ihn wenigstens stillschweigend zu gestatten. Hin und wieder weigerte sich vielleicht ein Mann, der romanhafte Begriffe von Staatsdienertugend hatte, selbst der Zahlmeister der bestochenen Schaar zu sein und wendete den Blick ab, während seine minder skrupulösen Collegen thaten was er als unerläßlich kannte, obwohl er fühlte, daß es erniedrigend war. Doch waren Fälle solcher Prüderie nur selten. Das allgemein, selbst unter rechtschaffenen und ehrenwerthen Politikern angenommene Prinzip war, daß es schimpflich sei, Bestechungen zu nehmen, aber nothwendig, solche zu vertheilen. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache, daß das Uebel seinen Höhepunkt während der Verwaltung Heinrich Pelham's erreichte, eines Staatsmannes vom besten Willen, von makelloser Moralität in seinem Privatleben und von exemplarischer Uneigennützigkeit. Es ist nicht schwer zu errathen, durch welche Argumente er und andere wohlmeinende Männer, welche die Mode ihres Zeitalters mitmachten, ihr Gewissen beruhigten. Kein noch so strenger Casuist hat geleugnet, daß es eine Pflicht sein kann, etwas zu geben, was zu nehmen eine Sünde ist. Es war schändlich von Jeffreys, für das Leben der unglücklichen Gefangenen, die er in Dorchester und Taunton verurtheilte, Geld zu verlangen. Aber es war nicht schändlich, nein es war sogar lobenswerth von den Verwandten und Freunden eines Gefangenen, nach ihren Kräften beizusteuern, um für Jeffreys eine Börse zu füllen. Der Corsar von Sallee, der einen gefangenen Christen zu Tode zu prügeln drohte, wenn er kein Lösegeld herbeischaffte, war ein nichtswürdiger Schurke. Aber einen gefangenen Christen von einem Sallee Corsaren loskaufen, war nicht nur eine unschuldige, sondern eine höchst verdienstliche Handlung. In solchen Fällen würde die Anwendung des Wortes Bestechung ganz unpassend sein. Diejenigen, welche den schmutzigen Gewinn annehmen, sind schon verdorben; wer sie besticht, macht sie nicht erst schlecht, er findet sie bereits so, und er verhindert nur, daß ihre bösen Neigungen schlimme Wirkungen erzeugen. Konnte nicht dasselbe Argument zur Entschuldigung eines Ministers geltend gemacht werden, der, weil kein andres Mittel etwas nützte, habsüchtige und niedrigdenkende Männer bezahlte, damit sie ihr Vaterland nicht ruinirten?

Durch ein ähnliches Raisonnement wurden auch Wilhelm's Skrupel beschwichtigt. Der ehrliche Burnet nahm sich mit dem unhöfischen Muthe, der ihn auszeichnete, die Freiheit, dem Könige Vorstellungen deshalb zu machen. »Niemand,« antwortete Wilhelm, »haßt die Bestechung mehr als ich. Aber ich habe es mit einer Art Menschen zu thun, mit denen nur auf diesem unedlen Wege etwas anzufangen ist. Ich muß mich wohl oder übel dazu entschließen, oder das Land ist verloren.«[68]

[_Sir Johann Trevor._] Der Lordpräsident mußte im Hause der Gemeinen einen Agenten für das Erkaufen der Mitglieder haben, und Lowther war für ein solches Geschäft zu unbeholfen und zu gewissenhaft. Aber ein Mann, der Klugheit und Verworfenheit in hohem Grade in sich vereinigte, ward ohne Mühe gefunden. Es war der Staatsarchivar Sir Johann Trevor, der in dem einzigen Parlamente, welches Jakob gehalten, Sprecher gewesen war. So hoch Trevor sich in der Welt emporgeschwungen hatte, es gab Leute, die ihn gekannt hatten, als er noch ein wunderlich aussehender Advokatenschreiber im innern Temple gewesen war. In der That, wer ihn einmal gesehen hatte, konnte ihn so leicht nicht vergessen, denn seine grotesken Gesichtszüge und sein abscheuliches Schielen machten ihn zu einer lebenden Karrikatur. Seine nicht gewöhnlichen natürlichen Anlagen hatten ihn befähigt, es in der Kunst der Chikane schon frühzeitig zur Meisterschaft zu bringen. Spiel und Wetten waren sein Vergnügen und er wußte daraus viel praktischen Nutzen für seinen Beruf zu ziehen. Denn seine Ansicht über eine aus einer Wette oder einem Hazardspiele entsprungene Streitfrage hatte eben so viel Autorität als der Ausspruch irgend eines Gerichtshofes in Westminster Hall. Er erhob sich bald zu einem der heiteren Gesellschafter, welche Jeffreys am Abend bei der Flasche in fröhlicher Weinlaune umarmte und am andren Morgen im Gerichtssaale verwünschte und heruntermachte. Unter einem solchen Lehrmeister machte Trevor rasche Fortschritte in der eigenthümlichen Art von Rhetorik, die sich in den Prozessen Baxter's und der Alice Lisle entfaltet hatte. Man erzählte sich in der That von einigen Schimpfwettkämpfen zwischen dem Kanzler und seinem Freunde, in denen der Schüler keine geringere Zungenfertigkeit und Gemeinheit an den Tag gelegt hatte als der Meister. Diese Zänkereien fanden jedoch erst statt, als der jüngere Glücksritter sich soviel Reichthümer und Würden erworben hatte, daß er der Protection, die ihn emporgehoben, nicht mehr bedurfte.[69] Unter den Hochkirchlichen genoß Trevor trotz seines notorischen Mangels an Grundsätzen damals eine gewisse Popularität, die er hauptsächlich ihrer Ueberzeugung verdankt zu haben scheint, daß, wie falsch er im allgemeinen auch sein mochte, sein Haß gegen die Dissenters wenigstens wahr und aufrichtig sei. Es stand kaum zu bezweifeln, daß er in einem Hause der Gemeinen, in welchem die Tories das Uebergewicht hatten, mit Unterstützung des Hofes leicht zum Sprecher gewählt werden konnte. Er wünschte sehnlichst, seinen früheren Posten wieder zu erhalten, den er vortrefflich zu einem der einträglichsten im Königreiche zu machen verstand, und er übernahm daher bereitwillig das geheime und schmachvolle Amt, für welches Lowther ganz untauglich war.

Richard Hampden wurde zum Kanzler der Schatzkammer ernannt. Diese Ernennung sollte wahrscheinlich ein Beweis von der Dankbarkeit des Königs für sein gemäßigtes Verhalten und für seine Bemühungen sein, die Heftigkeit seiner whiggistischen Freunde, und besonders seines Sohnes, zu brechen.

[_Godolphin tritt ab._] Godolphin verließ freiwillig das Schatzamt, warum, wissen wir nicht. Wir können kaum daran zweifeln, daß die Auflösung des Parlaments und das Ergebniß der allgemeinen Wahl ihm Freude gemacht haben mußten; denn seine politischen Ansichten neigten sich zum Toryismus hin und er hatte unter der vorigen Regierung Manches gethan, was zwar kein großes Verbrechen war, aber doch einer Amnestie sehr bedurfte. Er hielt es wahrscheinlich nicht für vereinbar mit seiner persönlichen Würde, im Staatsrathe unter Lowther zu sitzen, der ihm im Range nachstand.[70]

[_Veränderungen bei der Admiralität._] Es wurde eine neue Admiralitätscommission ernannt, und an die Spitze der Marineverwaltung wurde Thomas Herbert, Earl von Pembroke, gestellt, ein Mann von vornehmer Geburt und ausgezeichneter Bildung, der zur Torypartei gehört, für eine Regentschaft gestimmt und die Tochter Sawyers geheirathet hatte. Daß Pembroke's Toryismus jedoch nicht engherziger und illiberaler Art war, wird hinreichend durch den Umstand bewiesen, daß Johann Locke ihm unmittelbar nach der Revolution seinen +Essay on the Human Unterstanding+ widmete, zum Zeichen der Dankbarkeit für in schlimmen Zeiten geleistete freundliche Dienste.[71]

Es wurde nichts unterlassen, um Torrington über diese Veränderung zu trösten. Denn wenn er sich auch als ein unfähiges Verwaltungsmitglied erwiesen hatte, stand er doch als Seemann in der allgemeinen Achtung so hoch, daß die Regierung seine Dienste nicht verlieren wollte. Man versicherte ihm, daß er durchaus nicht habe zurückgesetzt werden sollen. Er könne dem Vaterlande nicht zu gleicher Zeit auf dem Meere und in Westminster dienen, und man habe es für minder schwer gehalten, ihn im Amte zu ersetzen, als auf dem Verdeck seines Flaggenschiffs. Er war anfangs höchlich entrüstet und reichte wirklich seine Entlassung ein; aber man machte seinem Stolze einige Zugeständnisse. Eine Pension von dreitausend Pfund und zehntausend Acres Kronland in der Ebene von Peterborough waren für seine Habgier unwiderstehliche Köder, und in einer für England bösen Stunde willigte er ein, an der Spitze der Seemacht zu bleiben, von der die Sicherheit unserer Küsten abhing.[72]

[_Veränderungen bei den Milizen._] Während diese Veränderungen in den Aemtern um Whitehall vorgingen, wurden auch die Statthalterschaftsposten im ganzen Königreiche revidirt. Die Tories beklagten sich seit einem Jahre, daß ihr Antheil an der Verwaltung der Districte, die sie bewohnten, in keinem Verhältniß zu ihrer Anzahl, zu ihrem Reichthum und zu dem Ansehen stehe, dessen sie in der Gesellschaft genössen. Zu ihrer großen Freude erlangten sie jetzt ihre frühere Stellung in ihren Grafschaften wieder. Die Whigs schrieen, der König sei schändlich hintergangen und durch schlechte Rathgeber bewogen worden, das Schwert Männern in die Hand zu geben, die es, sobald sich eine günstige Gelegenheit darböte, gegen ihn selbst kehren würden. In einem Dialoge, für dessen Autor man den neu creirten Earl von Warrington hielt und welcher damals sehr verbreitet war, der aber schon längst vergessen ist, sprach der redend eingeführte Lordlieutenant einer Grafschaft die Besorgniß aus, daß die Mehrzahl seiner Untergebenen im Herzen Verräther seien.[73] Nirgends aber war die durch die neue Vertheilung der Gewalt erregte Unzufriedenheit so groß als in der Hauptstadt. Durch eine unmittelbar nach der Revolution veröffentlichte Commission of Lieutenancy waren die Milizen der City unter das Commando entschiedener Whigs gestellt worden. Die mächtigen und reichen Bürger, welche übergangen waren, klagten, daß die Liste mit Aeltesten puritanischer Congregationen, mit Shaftesbury's Feuerköpfen, und mit Ryehouseverschwörern angefüllt sei und daß es kaum möglich sei, unter dieser Masse von Fanatikern und Gleichmachern (+Levellers+) einen einzigen der Monarchie und der Staatskirche aufrichtig ergebenen Mann zu finden. Jetzt erschien eine neue, von Caermarthen und Nottingham zusammengestellte Liste. Sie hatten Compton, den Bischof der Diöcese, zu Rathe gezogen, und Compton war eben kein sehr vorsichtiger Rathgeber. Er war ursprünglich ein Hochkirchlicher und ein Tory gewesen, die Härte, mit der man ihm unter der vorigen Regierung begegnet war, hatte ihn in einen Latitudinarier und Rebellen verwandelt, und jetzt war er aus Eifersucht auf Tillotson wieder Hochkirchlicher und Tory geworden. Die Whigs beklagten sich, daß sie undankbarerweise von einer Regierung, die ihnen ihre Existenz verdanke, proscribirt, daß einige von den besten Freunden König Wilhelm's mit Schimpf und Schande entlassen worden seien, um einigen seiner schlimmsten Feinde Platz zu machen, Männern, die des Vertrauens eben so unwürdig seien wie ein irischer Rapparee, Männern, welche den Freibrief und die uralten Privilegien der City einem Tyrannen überliefert hätten, Männern, die sich durch die Grausamkeit hervorgethan hätten, mit der sie die Strafgesetze gegen die protestantischen Dissenters zur Anwendung gebracht, Männern, welche Mitglieder der Juries gewesen seien, die Russell und Cornish schuldig befunden hatten.[74] Die Mißstimmung war so groß, daß sie eine kurze Zeit lang dem Staate Geldverlegenheit zu bereiten drohte. Die von dem vorigen Parlamente bewilligten Steuern gingen langsam ein, und die Bedürfnisse des öffentlichen Dienstes waren dringend. Unter solchen Umständen wendete sich die Regierung immer an die Bürger London's um Beistand, und Wilhelm's Regierung hatte sich bisher vorzugsweise an diejenigen Bürger gewendet, welche whiggistischen Ansichten huldigten. Jetzt sah es anders aus. Einige angesehene Whigs weigerten sich in ihrem ersten Unmuth kurz und mürrisch, Geld vorzustrecken; ja ein paar zogen sogar ganz unerwartet bedeutende Summen aus der Schatzkammer zurück.[75] Die finanziellen Verlegenheiten hätten leicht sehr ernsthaft werden können, hätten nicht einige reiche Tories, die, wenn Sacheverell's Klausel zum Gesetz erhoben worden wäre, von allen municipalen Ehrenstellen ausgeschlossen worden sein würden, dem Schatze hunderttausend Pfund vorgestreckt und versprochen, noch eine größere Summe herbeizuschaffen.[76]