Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Achter Band: enthaltend Kapitel 15 und 16.

Part 2

Chapter 23,364 wordsPublic domain

[_Edmund Ludlow._] Um die nämliche Zeit brachte eine andre merkwürdige und interessante Episode, welche, wie die erstere, aus den Ereignissen des irischen Kriegs entsprang, eine kleine Diversion in den parlamentarischen Geschäftsgang. Im vergangenen Frühjahr, als jeder Bote aus Irland schlimme Nachrichten brachte und als Jakob's Autorität in allen Theilen des Königreichs anerkannt war, ausgenommen hinter den Wällen von Londonderry und an den Ufern des Ernesee's, war es natürlich, daß die Engländer sich erinnerten, mit welcher furchtbaren Energie die großen puritanischen Krieger der vorigen Generation den Aufstand des celtischen Stammes niedergeworfen hatten. Die Namen Cromwell's, Ireton's und der anderen Heerführer der siegreichen Armee waren in aller Munde. Einer von diesen Heerführern, Edmund Ludlow, war noch am Leben. Mit zweiundzwanzig Jahren war er als Freiwilliger in die Parlamentsarmee eingetreten und in seinem dreißigsten Lebensjahre war er zum Generalleutnant befördert worden. Jetzt war er alt, seine geistige Kraft aber war noch ungeschwächt. Sein Muth war vom besten Schlage, sein Verstand scharf, aber beschränkt. Was er sah, das sah er klar, aber er sah nicht viel auf einen Blick. Zu einer Zeit der Treulosigkeit und Unbeständigkeit hatte er trotz mannichfacher Versuchungen und Gefahren fest an den Grundsätzen seiner Jugend gehalten. Selbst seine Feinde konnten nicht in Abrede stellen, daß sein Leben consequent gewesen und daß er mit dem nämlichen Muthe, mit dem er gegen die Stuarts aufgetreten, auch gegen die Cromwells aufgetreten war. Nur ein Flecken haftete auf seinem Ruhme, und dieser Flecken war in den Augen der großen Mehrheit seiner Landsleute einer von denen, welche kein Verdienst aufwiegen und keine Zeit verwischen konnte. Sein Name und sein Siegel standen unter dem Todesurtheile Karl's I.

Nach der Restauration fand Ludlow ein Asyl an den Ufern des Genfer Sees, wohin ihn ein andres Mitglied des hohen Gerichtshofes, Johann Lisle, der Gatte jener Alice Lisle, deren Tod einen unauslöschlichen Schandfleck auf das Gedächtniß Jakob's II. geworfen, begleitete. Doch selbst in der Schweiz waren die beiden Königsmörder nicht sicher. Es wurde ein hoher Preis auf ihre Köpfe gesetzt, und eine Reihe irischer Abenteurer, durch nationalen und religiösen Haß entflammt, versuchte es, den Blutpreis zu verdienen. Lisle fiel von der Hand eines dieser Mörder, Ludlow aber entrann glücklich allen Machinationen seiner Feinde. Ein kleines Häuflein heftiger und entschlossener Whigs zollte ihm eine Verehrung, die sich mit den Jahren steigerte, und ließ ihn als den fast einzigen, sicherlich als den berühmtesten Ueberlebenden eines mächtigen Stammes von Männern, den Siegern in einem furchtbaren Bürgerkriege, den Richtern eines Königs und Gründern einer Republik, zurück. Mehr als einmal war er von den Feinden des Hauses Stuart eingeladen worden, sein Asyl zu verlassen, ihr Feldherr zu werden und das Signal zum Aufstande zu geben, er aber hatte es weislich abgelehnt, sich an den verzweifelten Unternehmungen zu betheiligen, über welche die Wildman und Ferguson unablässig brüteten.[16]

Die Revolution eröffnete ihm eine neue Aussicht. Das Recht des Volks, sich der Tyrannei zu widersetzen, ein Recht, das viele Jahre hindurch Niemand geltend machen konnte, ohne sich kirchlichen Anathemen und bürgerlichen Strafen auszusetzen, war von den Ständen des Reichs feierlich anerkannt und durch Herolde auf der nämlichen Stelle proklamirt worden, wo man vierzig Jahre früher das denkwürdige Schaffot errichtet. Jakob war zwar nicht, wie Karl, den Tod des Verräthers gestorben, doch schien die Strafe des Sohnes sich mehr dem Grade als dem Prinzipe nach von der des Vaters zu unterscheiden. Die, welche kürzlich Krieg gegen einen Tyrannen geführt, ihn aus seinem Palaste vertrieben, ihn aus seinem Lande verstoßen, ihn seiner Krone beraubt hatten, meinten wahrscheinlich, daß das Verbrechen, noch einen Schritt weiter gegangen zu sein, durch eine dreißigjährige Verbannung hinlänglich gesühnt sei. Ludlow's Verehrer, von denen einige sehr hohe öffentliche Stellungen bekleideten, versicherten ihm, daß er es getrost wagen könne, über den Kanal zu kommen, daß er sogar erwarten dürfe, mit einem hohen Commando nach Irland geschickt zu werden, wo sein Name bei seinen Soldaten und deren Kindern noch immer in liebevollem Andenken stehe.[17] Er kam, und zu Anfang Septembers erfuhr man, daß er in London war.[18] Allein es zeigte sich bald, daß er und seine Freunde sich in der Stimmung des englischen Volks geirrt hatten. Alle, mit Ausnahme einer kleinen extremen Section der Whigpartei, betrachteten den Act, in welchem er eine unvergeßliche Rolle gespielt hatte, nicht nur mit der einer groben Verletzung des Gesetzes und der Gerechtigkeit gebührenden Mißbilligung, sondern mit einem Abscheu, wie ihn selbst die Pulververschwörung nicht erregt hatte. Das alberne und fast gottlose Gebet, das noch heute am 30. Januar in unseren Kirchen verlesen wird, hatte in den Gemüthern des großen Haufens eine wunderliche Ideenverbindung hervorgerufen. Die Leiden Karl's wurden den Leiden des Erlösers der Menschheit gleichgestellt, und jeder Königsmörder war ein Judas, ein Kaiphas oder ein Herodes. Allerdings war Ludlow, als er in dem Tribunal zu Westminster Hall saß, ein heißblütiger Enthusiast von achtundzwanzig Jahren, und jetzt kehrte er als ein siebzigjähriger Greis aus dem Exil zurück. Hätte er sich demnach damit begnügt, in strenger Zurückgezogenheit zu leben und die Oeffentlichkeit zu meiden, so würden vielleicht selbst eifrige Royalisten dem alten Republikaner ein Grab in seinem heimathlichen Boden nicht mißgönnt haben. Allein er dachte gar nicht daran, sich zu verbergen. Man erzählte sich bald, daß einer von den Mördern, welche auf England eine Schuld gebracht hätten, wegen der es alljährlich im Bußgewande Gott bitte, daß er darüber nicht mit ihm richten möge, in den Straßen seiner Hauptstadt einherstolzire und sich rühme, daß er über kurz oder lang seine Armee commandiren werde, seine Wohnung sollte angeblich das Hauptquartier der angesehensten Feinde der Monarchie und des Episkopats sein.[19] Die Sache kam vor das Haus der Gemeinen. Die toryistischen Mitglieder forderten laut, daß an dem Verräther Gerechtigkeit geübt werde, und keiner der Whigs wagte es, ein Wort zu seiner Vertheidigung zu sagen. Einige wenige äußerten zwar schüchtern Zweifel, ob die Thatsache seiner Zurückkunft durch solche Zeugen bewiesen sei, die ein parlamentarisches Verfahren rechtfertigen; aber der Einwand wurde nicht beachtet und ohne Abstimmung beschlossen, daß der König ersucht werden solle, einen Fahndungsbefehl gegen Ludlow zu erlassen. Seymour überreichte die Adresse und der König versprach, dem Verlangen zu willfahren. Es vergingen jedoch einige Tage, ehe die Bekanntmachung erschien.[20] Ludlow hatte Zeit, zu entkommen und er verbarg sich wieder in seinem Alpenschlupfwinkel, um nie wieder hervorzukommen. Englische Reisende besuchen noch heute sein dicht am See gelegenes Haus und sein Grab in einer Kirche zwischen den Weingärten, welche die kleine Stadt Vevay umgeben. An dem Hause war früher eine Inschrift zu lesen, welche besagte, daß Demjenigen, der Gott zum Vater habe, jedes Land ein Vaterland sei,[21] und das Epitaph auf dem Grabe bezeugt noch die Gefühle, mit denen der strenge alte Puritaner das irische Volk und das Haus Stuart betrachtete.

[_Heftigkeit der Whigs._] Tories und Whigs hatten dazu beigetragen, Walker zu ehren und Ludlow ein Brandmal aufzudrücken, oder sie hatten wenigstens so gethan. Aber die Fehde zwischen den beiden Parteien war heftiger als je. Der König hatte die Hoffnung genährt, daß die Animositäten, welche in der vorhergehenden Session die Annahme einer Indemnitätsacte verhindert hatten, während der Ferien sich einigermaßen gelegt haben würden. An dem Tage, an welchem die beiden Häuser wieder zusammentraten, hatte er sie dringend aufgefordert, der Angst und Uneinigkeit ein Ende zu machen, welche nothwendig fortbestehen mußten, so lange eine große Anzahl Leute ihres Eigenthums und ihrer Freiheit, nicht wenige selbst ihres Lebens nicht sicher seien. Seine Ermahnung blieb jedoch fruchtlos. October, November und December vergingen, und noch war nichts gethan. Es war zwar eine Indemnitätsbill eingebracht und einmal verlesen worden; seitdem aber hatte sie beständig vernachlässigt auf dem Tische des Hauses gelegen.[22] So erbittert die Stimmung gewesen war, in der die Whigs Westminster verlassen hatten, die Stimmung, in der sie zurückkehrten, war noch erbitterter. Den Schmerz früherer Leiden noch fühlend, von neuerem Glücke berauscht, von unversöhnlichem Rachedurst erfüllt und auf ihre unwiderstehliche Kraft bauend, waren sie nicht weniger heftig und starrsinnig als in den Tagen der Ausschließungsbill. Das Jahr 1680 war noch einmal wiedergekehrt. Abermals wurde jede Verständigung zurückgewiesen. Abermals wurden die Stimmen der einsichtsvolleren und rechtschaffeneren Freunde der Freiheit durch das Geschrei der hitzköpfigen und hinterlistigen Agitatoren übertäubt. Abermals wurde Mäßigung als Feigheit verachtet oder als Verrath verabscheut. Alle Lehren, die eine schmerzliche Erfahrung gegeben, waren vergessen. Die nämlichen Männer, welche durch Jahre der Demüthigung, der Einsperrung, der Entbehrung und der Verbannung die Thorheit gebüßt hatten, mit der sie der ihnen durch die papistische Verschwörung in die Hand gegebenen Vortheil gemißbraucht hatten, mißbrauchten jetzt mit gleicher Thorheit den ihnen durch die Revolution gegebenen Vortheil. Die zweite Thorheit würde aller Wahrscheinlichkeit nach, wie die erste, mit ihrer Proscription, Vertreibung und Decimirung geendet haben, hätte nicht die Weisheit und Hochherzigkeit des großen Fürsten, der nur auf die Erfüllung seiner Mission bedacht und gegen Schmeicheleien wie gegen Beleidigungen gleich unempfindlich war, sie kalt und unbeugsam wider ihren Willen gerettet.

[_Anklagen._] Es schien als ob nur Blut sie zufriedenstellen könnte. Das Aussehen und die Stimmung des Hauses der Gemeinen erinnerte an die Zeit des Einflusses Oates', und um die Aehnlichkeit vollkommen zu machen, war Oates selbst anwesend. Als Zeuge konnte er zwar jetzt nicht dienen, aber er hatte Blut gerochen und war gekommen, um das Gemetzel, an dem er nicht mehr thätigen Antheil nehmen konnte, wenigstens mit anzusehen. Man sah wieder täglich sein widerliches Gesicht, und täglich hörte man in den Vorzimmern und auf der Galerie sein wohlbekanntes +»Ah Laard, ah Laard!«+ (O Herr, o Herr!)[23] Das Haus fiel zuerst über die Renegaten der vorigen Regierung her. Unter diesen Renegaten standen die Earls von Peterborough und Salisbury im Range am höchsten, hinsichtlich des Verstandes aber am tiefsten, denn Salisbury war von jeher ein Schwachkopf gewesen und Peterborough war schon längst ein kindischer Greis. Gleichwohl erklärten die Gemeinen, daß Beide durch ihren Anschluß an die römische Kirche sich des Hochverraths schuldig gemacht hätten und daß sie deshalb in Anklagestand versetzt werden sollten.[24] Zu dem Ende wurde den Lords eine Benachrichtigung zugesandt. Der alte Peterborough ward alsbald verhaftet und an einer Krücke wankend und in wollene Kleider eingehüllt in den Tower geschickt. Am folgenden Tage wurde Salisbury vor die Schranken seiner Peers gestellt. Er stammelte einige Worte von seiner Jugend und seiner ausländischen Erziehung hervor und wurde dann abgeführt, um Peterborough Gesellschaft zu leisten.[25] Die Gemeinen waren mittlerweile zu Verbrechern bescheideneren Standes und höherer Geistesbildung übergegangen. Sir Eduard Hales wurde vor sie gebracht. Er hatte allerdings, indem er der Testacte zum Trotz ein Amt bekleidete, schwere Geldstrafe verwirkt. Aber diese Geldstrafen genügten dem rachsüchtigen Character der siegreichen Partei bei weitem nicht und er wurde daher als Verräther eingezogen.[26] Nach ihm wurde Obadja Walker eingeführt. Er benahm sich mit einer Kleinmüthigkeit und Falschheit, die ihm jeden Anspruch auf Achtung oder Mitleid entzogen. Er betheuerte, daß er nie seine Religion gewechselt habe, daß seine Glaubensansichten stets die einiger hochachtbaren Geistlichen der Kirche von England gewesen seien und daß er in mehreren Punkten von den Papisten abweiche. Trotz dieses Wortschwalls wurde er des Hochverraths schuldig erklärt und ins Gefängniß geschickt.[27] Nach ihm wurde Castlemaine vor die Schranke gefordert, verhört und kraft eines Verhaftsbefehls, der ihn des Kapitalverbrechens beschuldigte, eine Aussöhnung des Königreichs mit der römischen Kirche versucht zu haben, in Gewahrsam gebracht.[28]

Inzwischen hatten die Lords einen Ausschuß ernannt, welcher untersuchen sollte, wer für den Tod Russell's, Sidney's und einiger anderer angesehener Whigs verantwortlich sei. Präsident dieses Ausschusses, der allgemein der Mordausschuß genannt wurde, war der Earl von Stamford, ein Whig, der in die von seiner Partei gegen die Stuarts geschmiedeten Complots tief verwickelt gewesen war.[29] Die Bücher des Geheimraths wurden untersucht, die Schriftführer befragt und einige Thatsachen ermittelt, welche den Richtern, den Prokuratoren des Schatzes, den Kronzeugen und den Kerkermeistern der Staatsgefängnisse keine Ehre machten; für die Bestechung der Geschwornen aber fand man keine Beweise. Die Sheriffs bewahrten ihr Geheimniß. Sir Dudley North insbesondere bestand ein strenges Verhör mit characteristischer Besonnenheit und Festigkeit und behauptete standhaft, daß er sich niemals um die politischen Ansichten der Leute gekümmert, die er auf eine Geschwornenliste gesetzt, sondern sich nur danach erkundigt habe, ob sie wohlhabende Bürger seien. Er sprach allerdings nicht die Wahrheit und einige von den Whigpeers sagten ihm das in sehr verständlichen Worten und mit sehr lauter Stimme; aber obgleich sie moralisch von seiner Schuld überzeugt waren, konnten sie doch keine Beweise entdecken, auf die sie eine Criminalklage gegen ihn hätten basiren können. Der unauslöschliche Schandfleck bleibt jedoch auf einem Gedächtniß haften und wird immer noch schmerzlich beklagt von Denen, welche bei allem Abscheu vor seiner Ehrlosigkeit und Grausamkeit nicht vergessen können, daß er einer der originellsten, gründlichsten und accuratesten Denker seiner Zeit war.[30]

Halifax war glücklicher als Dudley North, denn er reinigte sich vollkommen von jeder nicht blos legalen, sondern auch moralischen Schuld. Er war die Hauptzielscheibe des Angriffs, und doch brachte die strenge Untersuchung nichts zu Tage, was ihm nicht zur Ehre gereicht hätte. Tillotson wurde als Zeuge aufgerufen. Er schwor, daß er das Verbindungsglied zwischen Halifax und Russell gewesen sei, als Russell Gefangener im Tower war. »Mylord Halifax,« sagte der Doctor, »zeigte ein sehr theilnehmendes Interesse für Mylord Russell, und Mylord Russell beauftragte mich, Mylord Halifax für seine Menschenfreundlichkeit und Güte zu danken.« Es wurde ferner bewiesen, daß der unglückliche Herzog von Monmouth ein ähnliches Zeugniß für Halifax' Gutherzigkeit abgegeben habe.

[_Johann Hampden's Böswilligkeit._] Doch auch ein feindlicher Zeuge trat auf: Johann Hampden, der durch kriechende Bitten und enorme Bestechungen seinen Hals vom Strange gerettet hatte. Er war jetzt ein mächtiger und angesehener Mann, gehörte zu den Häuptern der dominirenden Partei im Hause der Gemeinen und war bei alledem einer der unglücklichsten Menschen auf Gottes Erde. Die Erinnerung an die jämmerliche Figur, die er vor den Schranken der Old Bailey gespielt, verbitterte sein Gemüth und trieb ihn an, sich ohne Gnade an Denen zu rächen, welche direct oder indirect etwas zu seiner Demüthigung beigetragen hatten. Er war von allen Whigs der intoleranteste und allen Amnestieplänen am hartnäckigsten opponirende. Das Bewußtsein, sich eine Blöße gegeben zu haben, machte ihn eifersüchtig auf seine Würde und ungemein empfindlich. Er paradirte beständig mit seinen Diensten und seinen Leiden, als ob er durch diese prahlerische Darlegung den Schandfleck, den nichts vor seinen eigenen Augen verbergen konnte, wenigstens vor Andern zu verbergen gehofft hätte. Nachdem er schon seit mehreren Monaten im Hause der Gemeinen heftig gegen Halifax haranguirt hatte, trat er jetzt auf, um vor den Lords gegen ihn den Zeugeneid zu leisten. Die Scene war interessant. Der Zeuge sagte von sich selbst, er habe sein Vaterland gerettet, habe die erste Idee der Revolution gehabt und habe Ihre Majestäten auf den Thron gesetzt. Dann versuchte er zu beweisen, daß durch die Machinationen des Lord Geheimsiegelbewahrers sein Leben gefährdet worden sei, ein Versuch, der sein Ziel gänzlich verfehlte und auf Den zurückfiel, von dem er ausgegangen. Hampden mußte eingestehen, daß er seine Gattin zu dem Manne, gegen den er jetzt auftrat, geschickt hatte, um seine Fürsprache zu erbitten. »Ist es nicht sonderbar,« sagte Halifax, »daß Sie die Verwendung eines Mannes nachsuchten, dessen Machinationen Ihren Kopf in Gefahr gebracht hatten?« -- »Keineswegs,« erwiederte Hampden, »denn an wen anders hätte ich mich wenden sollen als an die Männer, welche am Ruder waren? Ich wendete mich an Lord Jeffreys, ich wendete mich an Pater Petre und zahlte ihnen sechstausend Pfund für ihre Dienste.« -- »Nahm Lord Halifax ebenfalls Geld?« -- »Nein, das kann ich nicht sagen.« -- »Und sandten Sie nicht Ihre Gemahlin zu ihm, Mr. Hampden, um ihm für seine Güte zu danken?« -- »Ja, ich glaube, dies that ich,« antwortete Hampden; »aber ich wüßte nicht daß diese Güte einen reellen Nutzen für mich gehabt hätte. Wäre dem nicht so, so würde ich Mylord verbunden sein, wenn er mir sagen wollte, worin dieser Nutzen bestanden hätte.« So schmählich das Auftreten dieses entarteten Erben eines berühmten Namens vor den Schranken der Old Bailey gewesen war, vor dem Mordausschusse spielte er eine noch schmählichere Figur.[31] Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß eine Person, die viel schwerere Unbill erfahren hatte, deren Character aber von dem seinigen weit verschieden war, die hochherzige Lady Russell, gegen die Ungerechtigkeit remonstrirte, mit der die extremen Whigs Halifax behandelten.[32]

Johann Hampden's Bosheit war indessen weder ermüdet noch beschämt. Wenige Tage später hielt er in einem Ausschusse des gesammten Hauses der Gemeinen zur Inbetrachtnahme der Lage der Nation eine hämische Rede, in der er alles Mißgeschick des Jahres dem Einflusse der Männer zuschrieb, welche in den Tagen der Ausschließungsbill vom Parlamente getadelt worden seien, der Männer, die zwischen Jakob und Wilhelm die Vermittler hätten spielen wollen. Der König, sagte er, müsse sämmtliche drei Cavaliere, welche nach Hungerford gesandt worden seien, um mit ihm zu unterhandeln, aus seinem Staatsrathe und aus seiner Nähe entfernen. Hierauf sprach er von der Gefahr, Männer von republikanischen Grundsätzen anzustellen. Dies sollte ohne Zweifel eine Anspielung auf den Hauptgegenstand seiner unversöhnlichen Bosheit sein, denn es war wohlbekannt, daß Halifax, obwohl von Natur gewaltsamen Veränderungen abgeneigt, in seinen politischen Ansichten ein Republikaner war und oft sehr geistreich und humoristisch gegen die erbliche Monarchie sprach. Die einzige Wirkung des gegen ihn gerichteten Ausfalls bestand jedoch darin, daß er ein höhnisches Gelächter hervorrief. Wie konnte ein Hampden, der Enkel des großen Führers des Langen Parlaments, ein Mann, der sich rühmte, mit Algernon Sidney gegen das königliche Haus conspirirt zu haben, das Wort Republikaner als einen Ausdruck des Vorwurfs gebrauchen! Als der Sturm des Gelächters sich gelegt hatte, standen mehrere Mitglieder auf, um den angeklagten Staatsmann zu rechtfertigen. Seymour erklärte, daß, so sehr er auch die Art und Weise, wie die Verwaltung in der letzten Zeit geführt worden sei, mißbillige, er dem vom Johann Hampden vorgeschlagenen Beschlusse doch nicht beitreten könne. »Blicken Sie wohin Sie wollen,« sagte er, »auf Irland, auf Schottland, auf die Flotte, auf die Armee, überall werden Sie reichliche Beweise von schlechter Verwaltung finden. Wenn der Krieg von den nämlichen Händen fortgeführt wird, so haben wir nichts Besseres als eine Wiederholung der nämlichen Unfälle zu erwarten. Aber ich bin nicht geneigt, Männer wegen der besten Handlung, die sie in ihrem Leben gethan, zu verdammen, Männer deshalb zu verdammen, weil sie versuchten, durch rechtzeitiges Vermitteln einer Revolution vorzubeugen.« Ein andrer Sprecher sagte ganz richtig, daß Halifax und Nottingham ins holländische Lager gesandt worden seien, weil sie das Vertrauen der Nation besessen und weil sie allgemein als Feinde der Dispensationsgewalt, der papistischen Religion und des französischen Einflusses bekannt gewesen seien. Es wurde endlich beschlossen, daß der König in allgemeinen Ausdrücken ersucht werden solle, die Urheber der neuerlichen Mißgriffe ausfindig zu machen und zu entfernen.[33] Es wurde ein Ausschuß zur Entwerfung der Adresse ernannt, und Johann Hampden, als Präsident desselben, setzte eine Vorstellung in so hämischen Ausdrücken auf, daß bei Verlesung derselben im Hause der Gemeinen sein eigner Vater sich mißbilligend darüber äußerte und ein Mitglied ausrief: »Das soll eine Adresse sein? Ein Libell ist es!« Nach einer heißen Debatte wurde die Adresse wieder an den Ausschuß verwiesen und nicht wieder erwähnt.[34]

Die Erbitterung, welche ein großer Teil des Hauses gegen Halifax empfunden, begann in der That nachzulassen. Es war bekannt, daß er bereits aufgehört hatte, ein vertrauter Rathgeber der Krone zu sein, obgleich er das Geheimsiegel noch nicht förmlich abgegeben. Die Macht, die er während der ersten Monate der Regierung Wilhelm's und Mariens besessen, war auf den kühneren, minder skrupulösen und praktischeren Caermarthen übergegangen, gegen dessen Einfluß Shrewsbury vergebens ankämpfte. Persönlich stand Shrewsbury sehr hoch in der königlichen Gunst; aber er war ein Oberhaupt der Whigs und wurde, wie alle Parteiführer, oft wider seinen Willen von Denen vorwärts getrieben, die ihm folgen zu wollen schienen. Er selbst war zu einer milden und gemäßigten Politik geneigt, aber er besaß nicht die nöthige Festigkeit, um der geräuschvollen Zudringlichkeit, mit der Politiker wie Johann Howe und Johann Hampden Rache an ihren Feinden verlangten, Widerstand zu leisten. Sein Rath hatte daher zu dieser Zeit wenig Gewicht bei seinem Gebieter, der die Tories zwar weder liebte noch ihnen traute, aber fest entschlossen war, sie nicht zu proscribiren.

Unterdessen beschlossen die Whigs, die sich bewußt waren, neuerdings in der Meinung des Königs sowohl wie der Nation gesunken zu sein, einen kühnen und schlauen Versuch zu machen, von Beiden unabhängig zu werden. Ein genauer Bericht über diesen Versuch kann aus dem spärlichen und weit verstreuten Material, das auf uns gekommen ist, nicht zusammengestellt werden. Doch ist die Geschichte auch so wie sie auf uns gekommen, immerhin interessant und lehrreich.