Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12

Part 4

Chapter 43,299 wordsPublic domain

Schwächere Gründe als diese würden den Whigs, welche die Majorität des Geheimen Raths bildeten, genügt haben. Der König begab sich demnach am fünften Tage nach seiner Proklamirung mit königlichem Gepränge in das Haus der Lords und nahm seinen Sitz auf dem Throne ein. Die Gemeinen wurden hereingerufen und er erinnerte nun seine Zuhörer mit vielen huldvollen Ausdrücken an die gefährliche Lage des Landes, und ermahnte sie, diejenigen Schritte zu thun, welche unnöthigen Verzögerungen im Gange der Staatsgeschäfte vorbeugen könnten. Seine Rede wurde von den zahlreich versammelten Gentlemen mit dem leisen Gemurmel aufgenommen, durch welches unsere Vorfahren ihren Beifall zu erkennen zu geben pflegten und das oft an geheiligteren Stätten als die Kammer der Peers war, gehört wurde.[34] Sobald er sich wieder entfernt hatte, wurde eine die Convention für ein Parlament erklärende Bill auf den Tisch der Lords gelegt und ohne weiteres von ihnen angenommen. Bei den Gemeinen dagegen gab es eine heiße Debatte. Das Haus erklärte sich zu einem Comité, und die Aufregung war so groß daß, nachdem die Autorität des Sprechers beseitigt war, die Ordnung kaum noch aufrecht erhalten werden konnte. Es wurden scharfe persönliche Ausfälle gewechselt. Der Ausruf »Hört ihn!« den man ursprünglich nur zur Dämpfung ordnungswidrigen Geräusches und um die Mitglieder daran zu erinnern, daß es ihre Pflicht sei, der Discussion aufmerksam zu folgen, gebraucht hatte, war nach und nach das geworden was er jetzt ist, nämlich ein Ausruf, welcher je nach der Betonung, die man ihm gab, Bewunderung, Zustimmung, Entrüstung oder Hohn ausdrückte. Bei dieser Gelegenheit riefen die Whigs so geräuschvoll Hört! Hört! daß die Tories sich über Unschicklichkeit beklagten. Seymour, der Führer der Minorität, erklärte, daß von Freiheit der Debatte nicht mehr die Rede sein könne, wenn solcher Lärm geduldet werde. Einige alte whiggistische Mitglieder fühlten sich dadurch veranlaßt, ihn zu erinnern, daß, wenn er den Vorsitz führte, zuweilen ein gleiches Geschrei gehört und nicht verboten worden sei. So gereizt und erbittert indeß beide Parteien auch waren, bekundeten doch die beiderseitigen Reden die hohe Achtung vor Gesetz und verjährtem Recht, welche seit langer Zeit ein characteristischer Zug der Engländer ist und die, wenn sie auch zuweilen in Pedanterie und Aberglauben ausartet, immerhin ihr Gutes hat. Selbst in dieser wichtigen Krisis, als die Nation sich noch in der Gährung einer Revolution befand, erörterten unsere Staatsmänner ausführlich und ernst alle Umstände, welche bei der Absetzung Eduard's II. und Richard's II. obgewaltet, und untersuchten mit ängstlicher Genauigkeit, ob die Versammlung, welche, mit dem Erzbischof Lanfranc an der Spitze, Robert von der Normandie vom Throne ausschloß und Wilhelm den Rothen darauf setzte, nachher noch fortfuhr, als gesetzgebender Körper des Landes zu wirken oder nicht. Es wurde viel über die Geschichte der Ausschreiben, viel über die Etymologie des Wortes Parlament gesagt. Bemerkenswerth ist es, daß der alte Maynard derjenige Redner war, der die Sache von dem staatsmännischsten Gesichtspunkte auffaßte. Er hatte während der bürgerlichen Zwistigkeiten von fünfzig ereignißvollen Jahren gelernt, daß Fragen, welche die höchsten Interessen des Staats berührten, nicht durch Wortklaubereien und durch Brocken von juristischem Französisch und juristischem Latein entschieden werden konnten, und da er anerkanntermaßen der scharfsinnigste und gelehrteste englische Jurist war, durfte er seine Gedanken und Gesinnungen unumwunden aussprechen, ohne Gefahr zu laufen, der Ignoranz oder Anmaßung beschuldigt zu werden. Er verwarf die ganze Büchergelehrsamkeit, welche einige in solchen Dingen weit weniger erfahrene Männer als er in die Discussion gezogen hatten, als kleinlich und übel angebracht. »Wir stehen,« sagte er, »in diesem Augenblicke nicht auf dem gebahnten Wege. Wenn wir daher entschlossen sind, nur auf diesem Wege fortzugehen, so werden wir gar nicht vorwärts kommen. Wer in einer Revolution sich vornimmt, nichts zu thun was nicht streng der herkömmlichen Form gemäß ist, gleicht einem Menschen, der sich in der Wildniß verirrt hat und beständig nur ruft: Wo ist die Landstraße? ich will nur auf der Landstraße gehen! -- In einer Wildniß muß man denjenigen Weg einschlagen, auf dem man nach Hause gelangt. In einer Revolution müssen wir das höchste Gesetz, das Wohl des Staates, zur Richtschnur nehmen.« Ein andrer Rundkopfveteran, der Oberst Birch, sprach in gleichem Sinne und argumentirte mit großer Gewandtheit und Schärfe aus dem Präcedenzfalle von 1660. Seymour und seine Anhänger wurden im Comité geschlagen und wagten es nicht, das Haus über den Bericht abstimmen zu lassen. Die Bill ging rasch durch und erhielt am zehnten Tage nach Wilhelm's und Mariens Thronbesteigung die königliche Zustimmung.[35]

[Anmerkung 34: Van Citters, 19. Febr. (1. März) 1688/89.]

[Anmerkung 35: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 1+. Siehe die Protokolle der beiden Häuser und +Grey's Debates+. Die Beweisführung zu Gunsten der Bill ist in der Pariser Gazette vom 5. und 12. März 1689 gut zusammengefaßt.]

[_Die Mitglieder der beiden Häuser werden aufgefordert die Eide zu leisten._] Das Gesetz, welches die Convention in ein Parlament verwandelte, enthielt einen Paragraphen, welcher bestimmte, daß nach dem 1. März in keinem der beiden Häuser Jemand Sitz und Stimme haben solle, der nicht dem neuen Königspaare den Huldigungseid geleistet habe. Diese Verordnung brachte die ganze Gesellschaft in große Aufregung. Die Anhänger der verbannten Dynastie hofften und sagten mit Bestimmtheit voraus, daß die Eidverweigerer zahlreich sein würden. Die Minorität in beiden Häusern, meinten sie, werde der Sache der erblichen Monarchie treu bleiben. Es werde vielleicht hier und da einen Verräther geben, die große Masse Derer aber, welche für eine Regentschaft gestimmt hatten, werde fest bleiben. Zwei Bischöfe höchstens würden die Usurpatoren anerkennen. Seymour werde sich eher aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, als seinen Grundsätzen untreu werden, Grafton habe sich schon vorgenommen, nach Frankreich zu entfliehen und seinem Oheim zu Füßen zu fallen. Solche Gerüchte machten während der letzten Hälfte des Februar durch alle Kaffeehäuser die Runde. Die Aufregung im Publikum war so groß, daß, wenn ein angesehener Mann zwei Tage hintereinander an seinen gewohnten Aufenthaltsorten vermißt wurde, man sich gleich zuraunte, er sei nach Saint-Germains entwichen.[36]

Der zweite März kam heran und das Resultat schlug die Befürchtungen der einen Partei nieder und zerstörte die Hoffnungen der andren. Der Primas hielt sich zwar mit einigen seiner Suffraganen beharrlich fern, aber drei Bischöfe und dreiundsiebzig weltliche Peers leisteten die Eide. Bei der nächsten Sitzung des Oberhauses fanden sich noch einige Prälaten mehr ein; kurz, binnen einer Woche hatten ungefähr hundert Lords die Bedingungen zur Einnahme ihrer Plätze erfüllt. Andere, welche durch Krankheit verhindert waren zu erscheinen, sandten Entschuldigungen und Versicherungen ihrer Anhänglichkeit an Ihre Majestäten. Grafton widerlegte alle über ihn in Umlauf gebrachten Märchen, indem er gleich am ersten Tage zur Eidesleistung erschien. Zwei Mitglieder der kirchlichen Commission, Mulgrave und Sprat, beeilten sich ihren Fehler dadurch gut zu machen, daß sie Wilhelm Treue und Gehorsam schworen. Beaufort, der lange als Typus eines Royalisten der alten Schule gegolten hatte, unterwarf sich nach kurzem Schwanken. Aylesbury und Dartmouth, obwohl zwei heftige Jakobiten, trugen eben so wenig Bedenken, den Huldigungseid zu leisten, als sie nachher Bedenken trugen, ihn zu brechen.[37] Die Hyde schlugen verschiedene Richtungen ein. Rochester fügte sich dem Gesetz; Clarendon aber zeigte sich widerspenstig. Viele fanden es sonderbar, daß der Bruder, der so lange zu Jakob gehalten, bis dieser flüchtete, sich weniger hartnäckig erwies, als der Bruder, der im holländischen Lager gewesen war. Die Erklärung ist vielleicht darin zu suchen, daß Rochester durch Verweigerung der Eide viel mehr verloren haben würde als Clarendon. Clarendon's Einkünfte hingen nicht vom Belieben der Regierung ab; Rochester aber hatte einen Jahrgehalt von viertausend Pfund, den er fortzubeziehen nicht hoffen durfte, wenn er sich weigerte, das neue Herrscherpaar anzuerkennen. Er hatte in der That so viele Feinde, daß es sogar einige Monate zweifelhaft schien, ob man ihm unter irgend welchen Bedingungen die glänzende Belohnung lassen werde, die er sich durch Verfolgung der Whigs und durch einen Sitz in der Hohen Commission erworben hatte. Vor diesem harten Schlage für seine Vermögensumstände wurde er durch die Verwendung Burnet's bewahrt, den er schwer beleidigt und der sich jetzt rächte wie es einem christlichen Priester ziemte.[38]

Im Unterhause wurden am zweiten März vierhundert Mitglieder vereidigt, darunter auch Seymour. Durch seinen Abfall ward der Muth der Jakobiten gebrochen, und die Minorität folgte mit sehr wenigen Ausnahmen seinem Beispiele.[39]

[Anmerkung 36: Van Citters sowohl als Ronquillo erwähnen die ängstliche Spannung, welche bis zum Bekanntwerden des Resultats in London herrschte.]

[Anmerkung 37: +Lords' Journals, March 1688/89+.]

[Anmerkung 38: Siehe die Briefe, welche Rochester und Lady Ranelagh bei dieser Gelegenheit an Burnet schrieben.]

[Anmerkung 39: +Commons' Journals, March 2. 1688, 89+. Ronquillo schrieb: +»Es de gran consideracion que Seimor haya tomado el juramento; porque es el arrengador y el director principal, en la casa de los Comunes, de los Anglicanos.«+ 8.(18.) März 1688/89.]

[_Fragen bezüglich des Einkommens._] Schon vor dem zur Eidesabnahme bestimmten Tage hatten die Gemeinen eine wichtige Frage zu berathen begonnen, welche keinen Aufschub gestattete. Während des Interregnums hatte Wilhelm als provisorisches Haupt der Verwaltung die Steuern erhoben und sie für den Staatsdienst verwendet, ein Verfahren, dessen Angemessenheit von Niemandem, der die Revolution billigte, bestritten werden konnte. Jetzt aber war die Revolution vorüber, der Thron war wieder besetzt, die Häuser waren versammelt, das Gesetz war in voller Kraft, und es wurde nöthig, ohne Verzug zu entscheiden, zu welchem Einkommen die Regierung berechtigt war.

Niemand leugnete, daß alle Ländereien und erblichen Besitzungen der Krone mit dieser auf die neuen Herrscher übergegangen waren. Eben so wenig leugnete Jemand, daß alle Einkünfte, welche der Krone auf eine bestimmte Anzahl Jahre bewilligt worden, verfassunggemäß bis zum Ablauf des Termins beansprucht werden durften. Allein das Parlament hatte Jakob große Revenüen auf Lebenszeit verwilligt und ob diese von Wilhelm und Marien in Anspruch genommen werden konnten, so lange Jakob noch lebte, das war eine Frage, über welche die Ansichten getheilt waren.

Holt, Treby, Pollexfen und überhaupt alle angesehenen Whigjuristen, mit Ausnahme Somers', meinten, diese Einkünfte seien dem vorigen Könige in seiner politischen Eigenschaft, aber auf seine natürliche Lebenszeit, bewilligt worden, und sie seien daher, so lange er in einem fremden Lande zubringe, an Wilhelm und Marien zu bezahlen. Aus einem sehr gedrängten und unzusammenhängenden Berichte über die Debatte geht hervor, daß Somers von dieser Ansicht abwich. Er war der Meinung, daß, wenn die Parlamentsacte, welche die in Rede stehenden Abgaben aufgebürdet, ihrem Geiste nach ausgelegt würde, das Wort Leben als gleichbedeutend mit dem Worte Regierung betrachtet werden müsse, und daß sonach die Frist, auf welche diese Abgaben der Krone bewilligt worden, erloschen sei. Dies war unzweifelhaft die richtige Meinung, denn es war geradezu widersinnig, Jakob's Interesse bei dieser Verwilligung als zu gleicher Zeit mit seiner Person und auch mit seinem Amte verknüpft zu betrachten, in einem Athem zu sagen, die Kaufleute von London und Bristol müßten Geld hergeben, weil er physisch noch lebe, und seine Nachfolger müßten dieses Geld bekommen, weil er politisch todt sei. Das Haus theilte entschieden die Ansicht Somers'. Die Mitglieder waren im Allgemeinen für die Vornahme einer großen Reform, denn man sah ein, daß ohne eine solche die Rechtserklärung nur eine unvollkommene Garantie für die öffentliche Freiheit sein würde. Während des Kampfes, den fünfzehn aufeinanderfolgende Parlamente gegen vier aufeinanderfolgende Könige geführt, war die Macht des Geldes die Hauptwaffe der Gemeinen gewesen, und wenn sich die Vertreter des Volks einmal verleiten ließen, diese Waffe aufzugeben, hatten sie jedesmal sehr bald Ursache gehabt, ihre allzu leichtgläubige Loyalität zu bereuen. In der Zeit der stürmischen Freude, welche auf die Restauration folgte, war Karl II. fast durch Acclamation ein großes Einkommen auf Lebenszeit bewilligt worden. Doch schon nach einigen Monaten gab es kaum einen ehrenwerthen Cavalier im Lande, der sich nicht gesagt hätte, daß die Zahlmeister der Nation weiser gehandelt haben würden, wenn sie die Mittel zur Abstellung der Mißbräuche, welche alle Zweige der Verwaltung schändeten, in ihrer Hand behalten hätten. Jakob II. hatte von seinem unterwürfigen Parlamente ohne eine opponirende Stimme ein Einkommen erlangt, welches hingereicht haben würde, die gewöhnlichen Staatsausgaben für seine ganze Lebenszeit zu bestreiten, und noch ehe er dieses Einkommen ein halbes Jahr genossen, machte sich die Mehrzahl Derer, welche so freigebig gegen ihn gewesen, bittere Vorwürfe wegen ihrer Liberalität. Wenn man der Erfahrung, einer langen und schmerzlichen Erfahrung, trauen durfte, so gab es keine wirksame Sicherheit gegen schlechte Verwaltung, sobald der Souverain nicht genöthigt war, sich öfters an seinen Großen Rath um Geldunterstützung zu wenden. Fast alle rechtschaffenen und einsichtsvollen Männer stimmten daher darin überein, daß wenigstens ein Theil der Zuschüsse nur auf kurze Termine verwilligt werden dürften. Und welcher Zeitpunkt war wohl geeigneter zur Einführung dieses neuen Modus als das Jahr 1689, der Anfang einer neuen Regierung, einer neuen Dynastie, einer neuen Ära in der constitutionellen Verwaltung? Die Meinung über diesen Gegenstand war so mächtig und allgemein, daß die abweichende Minorität nachgab. Es wurde zwar kein formeller Beschluß gefaßt, aber das Haus verfuhr nach der Annahme, daß die Jakob auf Lebenszeit bewilligten Einkünfte durch seine Abdankung aufgehoben seien.[40]

Es war unmöglich, ohne Untersuchung und Berathung eine neue Feststellung des Einkommens vorzunehmen. Die Schatzkammer wurde daher angewiesen, die nöthigen Vorlagen zu beschaffen, welche das Haus in den Stand setzten, die öffentlichen Ausgaben und Einnahmen abzuschätzen. Inzwischen wurde den augenblicklichen Bedürfnissen des Staats mit geziemender Liberalität genügt. Eine durch directe monatliche Besteurung zu erhebende außerordentliche Unterstützung wurde dem Könige gewährt. Es wurde eine Verordnung erlassen, welche alle Diejenigen, die seit seiner Landung in seinem Namen die Jakob zugesprochenen Abgaben erhoben, für schuldlos erklärte, und die erloschenen Abgaben wurden noch auf einige Monate verlängert.

[Anmerkung 40: +Grey's Debates, Febr. 25, 26, 27. 1688/89.+]

[_Abschaffung der Herdsteuer._] Auf seinem ganzen Marsche von Torbay bis London war Wilhelm von dem niederen Volke mit Bitten bestürmt worden, daß er es von der unerträglichen Last des Herdgeldes befreien möchte. Diese Abgabe scheint in der That alle die schlimmsten Übelstände in sich vereinigt zu haben, die man irgend einer Steuer zur Last legen kann. Sie war unverhältnißmäßig, und zwar in der verderblichsten Weise, denn sie lastete schwer auf dem Armen, und leicht auf dem Reichen. Ein Landmann, dessen ganzes Besitzthum keine zwanzig Pfund werth war, mußte zehn Schilling bezahlen, während der Herzog von Ormond oder der Herzog von Newcastle, deren Güter eine halbe Million werth waren, nur vier bis fünf Pfund bezahlten. Die Einsammler waren ermächtigt, das Innere jedes Hauses im Lande zu untersuchen, die Familien bei ihrer Mahlzeit zu stören, die Thüren der Schlafzimmer zu erbrechen, und, wenn die verlangte Summe nicht pünktlich bezahlt wurde, den Tisch, auf dem den armen Kindern ihr Gerstenbrot zugeschnitten wurde, oder das Kissen unter dem Haupte der Wöchnerin wegzunehmen und zu verkaufen. Eben so wenig vermochte das Schatzamt den Herdgeldmann wirksam daran zu hindern, daß er seine Vollmacht mit Härte ausübte, denn die Steuer war verpachtet und die Regierung war in Folge dessen genöthigt, die Gewaltthätigkeiten und Erpressungen, welche zu allen Zeiten den Namen Zöllner sprüchwörtlich zu dem verhaßtesten von der Welt gemacht haben, stillschweigend hingehen zu lassen.

Auf Wilhelm hatten die vernommenen Klagen und Beschwerden einen so erschütternden Eindruck gemacht, daß er den Gegenstand bei einer der ersten Sitzungen des Geheimen Raths zur Sprache brachte. Er forderte das Haus der Gemeinen durch eine Botschaft auf, zu erwägen, ob zweckmäßigere Einrichtungen den Mißbräuchen, welche so große Unzufriedenheit erregt hätten, wirksam abhelfen könnten, und setzte hinzu, daß er gern in die gänzliche Abschaffung der Steuer willigen würde, wenn es sich herausstellen sollte, daß die Mißbräuche von der Steuer unzertrennlich seien.[41] Diese Mittheilung ward mit lautem Beifall aufgenommen. Allerdings gab es einige Finanzmänner der alten Schule, welche murmelten, daß Mitleid mit den Armen wohl etwas Schönes sei, daß aber kein Theil der Staatseinkünfte so pünktlich auf den Tag einginge als das Herdgeld, daß die Goldschmiede nicht immer bewogen werden könnten, auf die Sicherheit des nächsten Quartals der Zölle oder der Accise zu leihen, daß es aber nicht schwer sei, auf eine Herdgeldverschreibung Vorschüsse zu erhalten. Im Hause der Gemeinen wagten die so Denkenden es nicht, ihre Stimmen gegen die allgemeine Ansicht zu erheben; im Hause der Lords aber entspann sich ein Kampf, dessen Ausgang eine Zeitlang zweifelhaft schien. Endlich aber erwirkte der kräftig angewendete Einfluß des Hofes eine Acte, kraft welcher die Kaminsteuer als ein Zeichen von Sklaverei erklärt und unter vielen Dankesversicherungen gegen den König für alle Seiten abgeschafft wurde.[42]

[Anmerkung 41: +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, March 1. 1688/89+.]

[Anmerkung 42: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 10.+; +Burnet II. 13.+]

[_Entschädigung der Vereinigten Provinzen._] Die Gemeinen bewilligten nach kurzer Debatte und ohne Abstimmung sechsmalhunderttausend Pfund zu dem Zwecke, die Kosten der Expedition, welche England befreit hatte, den Vereinigten Provinzen zurückzuerstatten. Die Leichtigkeit, mit der diese bedeutende Summe einem schlauen, thätigen und sparsamen Volke bewilligt ward, das in politischer Beziehung unser Bundesgenosse, in commercieller Hinsicht aber unser gefährlichster Nebenbuhler war, erregte außerhalb der Kammern einiges Murren und war mehrere Jahre lang ein Lieblingsthema für die Sarkasmen der toryistischen Tagesschriftsteller.[43] Die Freigebigkeit des Hauses war jedoch leicht zu erklären. An dem nämlichen Tage, an welchem dieser Gegenstand berathen wurde, trafen in Westminster beunruhigende Nachrichten ein und überzeugten Viele, die zu einer andren Zeit geneigt gewesen wären, jede von den Holländern eingeschickte Rechnung einer strengen Prüfung zu unterwerfen, daß unser Land die Dienste fremder Truppen noch nicht entbehren konnte.

[Anmerkung 43: +Commons' Journals, March 15. 1688/89.+ Noch im Jahre 1713 spielte Arbuthnot im fünften Theile des +John Bull+ mit viel Witz auf diesen Gegenstand an. »Was Euren +Venire Facias+ betrifft,« sagt John zu Nick Frog, »so habe ich Euch für einen schon bezahlt.«]

[_Meuterei in Ipswich._] Frankreich hatte den Generalstaaten den Krieg erklärt und die Generalstaaten hatten in Folge dessen vom Könige von England die Unterstützung verlangt, die er durch den Vertrag von Nimwegen zu leisten verpflichtet war.[44] Er hatte einige Bataillone nach Harwich verordert, um sich dort zur Überfahrt nach dem Festlande bereit zu halten. Die alten Soldaten Jakob's waren meist in einer sehr schlechten Stimmung, und dieser Befehl übte keine besänftigende Wirkung aus. Am größten war die Unzufriedenheit in dem Regimente, das gegenwärtig als das erste der Linie bezeichnet wird. Obgleich dieses Regiment der englischen Armee angehörte, hatte es doch seit der Zeit, da es zuerst unter dem großen Gustav kämpfte, fast ausschließlich aus Schotten bestanden, und die Schotten haben nie verfehlt, in jedem Lande, wohin ihr abenteuerlicher und ehrgeiziger Sinn sie führte, die geringste ihrem Heimathlande bewiesene Geringschätzung zu fühlen und zu ahnden. Offiziere wie Gemeine murmelten, daß der Beschluß einer ausländischen Versammlung in ihren Augen nichts gelte. Wenn sie überhaupt ihres Treuschwurs für König Jakob VII. entbunden werden könnten, so müsse dies durch die Stände von Edinburg, nicht durch die Convention von Westminster geschehen. Ihr Unmuth wuchs, als sie erfuhren, daß Schomberg zu ihrem Obersten ernannt war. Vielleicht hätten sie es sich zur Ehre schätzen sollen, den Namen des größten Soldaten Europa's zu führen, aber bei aller seiner Tapferkeit und militärischen Tüchtigkeit war er doch nicht ihr Landsmann, und während der sechsundfunfzig Jahre, welche verstrichen waren, seitdem sich ihr Regiment in Deutschland seine ersten Lorbeern verdiente, war es nie von einem Andren als einem Hopburn oder einem Douglas commandirt worden. In dieser gereizten Stimmung erhielten sie Befehl, zu den Streitkräften zu stoßen, die sich in Harwich sammelten. Es wurde viel gemurrt, doch kam es zu keinem Ausbruch, bis das Regiment in Ipswich anlangte. Hier gaben zwei Hauptleute, welche eifrige Anhänger des verbannten Königs waren, das Zeichen zur Empörung. Der Marktplatz füllte sich bald mit hin und her rennenden Pikenmännern und Musketiren. Schüsse wurden aufs Gerathewohl nach allen Richtungen hin abgefeuert. Diejenigen Offiziere, welche die Meuterer im Zaume zu halten versuchten, wurden überwältigt und entwaffnet. Endlich gelang es den Leitern des Aufstandes, einige Ordnung herzustellen und sie marschirten nun an der Spitze ihrer Anhänger aus Ipswich ab. Die kleine Armee bestand aus etwa achthundert Mann. Sie hatten vier Kanonen mitgenommen und sich der Kriegskasse bemächtigt, die eine bedeutende Summe Geldes enthielt. Eine halbe Meile von der Stadt wurde Halt gemacht, eine allgemeine Berathung gepflogen und beschlossen, daß die Meuterer in ihr Heimathsland zurückeilen und mit ihrem rechtmäßigen Könige leben und sterben wollten. Demgemäß brachen sie in Eilmärschen nach dem Norden auf.[45]