Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12

Part 3

Chapter 33,051 wordsPublic domain

[_Die Admiralität._] Die Leitung der Marineangelegenheiten und der Finanzen wurde Collegien übertragen. Herbert ward erster Commissar der Admiralität. Er hatte unter der vorigen Regierung Reichthum und Würden aufgegeben, als er sah, daß er sie mit Ehren und mit gutem Gewissen nicht behalten konnte; er hatte die denkwürdige Einladung nach dem Haag überbracht und die holländische Flotte auf der Fahrt von Helvoetsluys nach Torbay befehligt. In Bezug auf Muth und Berufstüchtigkeit genoß er eines hohen Rufes. Wohl wußte man, daß er auch seine Thorheiten und Fehler begangen, aber sein neuerliches Benehmen in einer Zeit schwerer Prüfung hatte Alles wieder gut gemacht und berechtigte zu der Hoffnung, daß seine fernere Laufbahn eine ruhmvolle sein werde. Ihm zur Seite im Admiralitätscollegium standen zwei ausgezeichnete Mitglieder des Hauses der Gemeinen: Wilhelm Sacheverell, ein Whigveteran, der sich bei seiner Partei eines großen Ansehens erfreute, und Sir Johann Lowther, ein rechtschaffener und äußerst gemäßigter Tory, der in Bezug auf Vermögen und parlamentarische Bedeutung unter der englischen Gentry eine der ersten Stellen einnahm.[20]

[Anmerkung 20: +London Gazette, March 11. 1688/89.+]

[_Das Schatzamt._] An die Spitze der Finanzen wurde Mordaunt, einer der heftigsten Whigs, gestellt, warum, ist schwer zu sagen. Sein romanhafter Muth, sein ruheloser Geist, seine excentrischen Einfälle, sein Hang zu verzweifelten Wagnissen und staunenerregenden Effecten waren eben keine Eigenschaften, die ihm bei finanziellen Operationen und Unterhandlungen von besonderem Nutzen sein konnten. Der zweite Schatzcommissar und zugleich Kanzler der Schatzkammer war Delamere, ein womöglich noch heftigerer Whig als Mordaunt. Außerdem saßen zwei whiggistische Mitglieder des Hauses der Gemeinen in dem Collegium: Sir Heinrich Capel, Bruder jenes Earls von Essex, der sich im Tower entleibte, und Richard Hampden, der Sohn des großen Führers des Langen Parlaments. Der Commissar aber, auf dem die Hauptlast der Geschäfte ruhte, war Godolphin. Dieser schweigsame, einsichtsvolle, fleißige und harmlose, für keine Regierung schwärmende, aber jeder Regierung nützliche Mann war nach und nach ein fast unentbehrlicher Theil der Staatsmaschiene geworden. Obgleich ein Anhänger der Landeskirche, hatte er sich doch an einem von Jesuiten geleiteten Hofe emporgeschwungen. Obwohl er für eine Regentschaft gestimmt hatte, war er doch das wirkliche Oberhaupt eines mit Whigs angefüllten Schatzamtes. Seine Fähigkeiten und Kenntnisse, welche unter der vorigen Regierung die Mängel Bellasyse's und Dower's ausgeglichen hatten, waren auch jetzt nöthig, um die Mängel Mordaunt's und Delamere's zu übertragen.[21]

[Anmerkung 21: +London Gazette, March 11. 1688/89.+]

[_Das große Siegel._] Die Verleihung des großen Siegels hatte einige Schwierigkeiten. Der König wünschte es zuerst Nottingham anzuvertrauen, dessen Vater es mehrere Jahre mit großer Auszeichnung geführt hatte.[22] Nottingham aber lehnte es ab, und es wurde deshalb Halifax angetragen, der es ebenfalls ablehnte. Beide Lords fühlten ohne Zweifel, daß dies ein Amt sei, das sie nicht mit Ehren für sich selbst und mit Nutzen für den Staat verwalten konnten. In alten Zeiten war das Staatssiegel zwar größtentheils in den Händen von Nichtjuristen gewesen. Selbst noch im siebzehnten Jahrhundert hatten es zwei ausgezeichnete Männer geführt, welche in keinem Rechtscollegium studirt hatten. Dechant Williams war Lordsiegelbewahrer Jakob's I., Shaftesbury Lordkanzler Karls II. gewesen; aber solche Ernennungen konnten nicht länger ohne ernste Nachtheile stattfinden. Die Billigkeit hatte sich allmälig zu einer verwickelten Wissenschaft ausgebildet, welche kein menschlicher Verstand ohne lange und angestrengte Studien ausüben konnte, selbst Shaftesbury hatte bei all' seinem scharfen Verstande seinen Mangel an technischen Kenntnissen schmerzlich gefühlt,[23] und während der fünfzehn Jahre, welche verstrichen waren, seitdem er das Siegel niedergelegt, waren diese technischen Kenntnisse seinen Nachfolgern immer nothwendiger geworden. Daher wagte es weder Nottingham, obwohl er einen Schatz juristischer Kenntnisse besaß, wie man ihn selten bei einem Manne findet, der die Rechtswissenschaft nicht studirt hat, noch Halifax, obgleich er bei den Gerichtssitzungen des Hauses der Lords oft die Versammlung durch sein treffendes Urtheil und durch seine scharfe Logik in Erstaunen gesetzt, das höchste Amt, das ein englischer Laie bekleiden kann, anzunehmen. Nach langem Zaudern wurde das Siegel einer Commission von ausgezeichneten Juristen, mit Maynard an der Spitze, übertragen.[24]

[Anmerkung 22: Ich habe mich an die mir am wahrscheinlichsten dünkende Erzählung der Sache gehalten. Man ist aber in Zweifel gewesen, ob Nottingham aufgefordert wurde, Kanzler, oder nur erster Commissar des großen Siegels zu werden. Vergleiche Burnet, II. 3, und Boyer's +History of William, 1702+. Narcissus Luttrell spricht zu wiederholten Malen, sogar noch am Schlusse des Jahres 1692, von Nottingham als muthmaßlichem Kanzler.]

[Anmerkung 23: Roger North erzählt einen ergötzlichen Fall von Shaftesbury's Verlegenheit.]

[Anmerkung 24: +London Gazette, March 4. 1688/89.+]

[_Die Richter._] Die Wahl der Richter machte der neuen Regierung Ehre. Jedes Mitglied des Geheimraths wurde aufgefordert eine Liste einzureichen. Diese Listen wurden miteinander verglichen und zwölf Männer von hervorragendem Talent und Verdienst ausgewählt.[25] Pollexfen hatte in Folge seiner juristischen Kenntnisse und seiner whiggistischen Grundsätze Anspruch auf den höchsten Platz. Aber man erinnerte sich, daß er in den westlichen Grafschaften bei den Assisen, welche auf die Schlacht von Sedgemoor folgten, als Commissar der Krone fungirt hatte. Es geht zwar aus den Berichten über die Untersuchungen hervor, daß er, wenn er überhaupt von der Krone bevollmächtigt war, so wenig that als er konnte und daß er es den Richtern überließ, Zeugen und Gefangene einzuschüchtern. Dessenungeachtet aber war sein Name in der öffentlichen Meinung mit den blutigen Assisen untrennbar verbunden. Er konnte daher nicht füglich an die Spitze des höchsten Criminalgerichtshofes gestellt werden.[26] Nachdem er einige Wochen als Generalfiskal fungirt, ward er zum Oberrichter der Common Pleas ernannt. Sir John Holt, ein noch junger Mann, aber ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit, Rechtschaffenheit und Muth, wurde Oberrichter der King's Bench, Sir Robert Atkyns, ein ausgezeichneter Jurist, der einige Jahre in ländlicher Zurückgezogenheit zugebracht, der aber in Westminster Hall noch immer eines großen Rufes genoß, wurde zum ersten Baron[27] ernannt. Powell, der wegen seiner ehrenwerthen Erklärung zu Gunsten der Bischöfe abgesetzt worden war, nahm seinen Sitz unter den Richtern wieder ein. Treby wurde Pollexfen's Nachfolger als Generalfiskal, und Somers wurde zum Prokurator ernannt.[28]

[Anmerkung 25: +Burnet II. 5.+]

[Anmerkung 26: +The Protestant Mask taken off from the Jesuited Englishman, 1692+.]

[Anmerkung 27: Die Richter der Schatzkammer werden Barons genannt. Der Übersetzer.]

[Anmerkung 28: Diese Ernennungen wurden erst am 6. Mai in der Gazette bekannt gemacht, einige derselben aber waren schon früher erfolgt.]

[_Der Hofstaat._] Zwei der höchsten Ämter im königlichen Hofstaate wurden mit zwei englischen Cavalieren besetzt, welche ganz geeignet waren, die Zierde eines Hofes zu werden. Der hochherzige und kenntnißreiche Devonshire ward zum Obersthofmeister ernannt. Niemand hatte in der entscheidenden Crisis für England mehr gethan und gewagt. Indem er England's Freiheiten wiederhergestellt, hatte er auch das Vermögen seines eigenen Hauses wiedererlangt. Seine Schuldverschreibung über dreißigtausend Pfund wurde unter den Papieren gefunden, welche Jakob in Whitehall zurückgelassen, und von Wilhelm vernichtet.[29]

Dorset wurde Lordkammerherr und verwendete den Einfluß und das Patronat seiner Stellung, wie schon seit langer Zeit seine Privatmittel, zur Aufmunterung des Genies und zur Linderung des Mißgeschicks. Eine der ersten Maßregeln, die er zu ergreifen gezwungen war, muß einem Mann von so edlem Charakter und so warmer Theilnahme für alles Ausgezeichnete in Künsten und Wissenschaften, sehr schmerzlich gewesen sein. Dryden konnte nicht länger Hofdichter bleiben. Das Publikum würde es nicht geduldet haben, unter den Dienern Sr. Majestät einen Papisten zu sehen, und Dryden war nicht nur ein Papist, sondern ein Apostat. Außerdem hatte er die Schuld seines Glaubensabfalls noch dadurch erschwert, daß er die Kirche, die er verlassen, verleumdet und verspottet hatte. Er hatte sie, wie man scherzweise sagte, behandelt, wie die heidnischen Verfolger des Alterthums ihre Kinder behandelten. Er hatte sie in die Haut eines wilden Thieres gekleidet und sie dann zur öffentlichen Belustigung gehetzt.[30] Er wurde entlassen, erhielt aber von der Privatgüte des freigebigen Kammerherrn eine seinem zurückgezogenen Gehalt gleichkommende Pension. Dessenungeachtet fuhr der abgesetzte +poeta laureatus+, der eben so arm an Edelsinn wie reich an Geistesgaben war, Jahr aus Jahr ein fort, den nicht erlittenen Verlust zu beklagen, bis endlich sein Gejammer Äußerungen wohlverdienter Verachtung von Seiten ehrenwerther Jakobiten hervorrief, welche ihren Grundsätzen Alles aufgeopfert hatten, ohne deshalb ein bittendes oder klagendes Wort laut werden zu lassen.[31]

Im königlichen Hofstaat wurden auch einige von den holländischen Edelleuten angestellt, die sich der besonderen Gunst des Königs erfreuten. Bentinck bekam das hohe Amt des ersten Kammerherrn mit einem jährlichen Gehalt von fünftausend Pfund; Zulestein erhielt die Oberaufsicht über die königliche Garderobe, und Oberstallmeister ward Auverquerque, ein tapferer Soldat, der das Blut der Nassau und das Blut der Horn in sich vereinigte und der mit gerechtem Stolze ein kostbares Schwert trug, welches ihm die Generalstaaten in Anerkennung des Muthes verliehen hatten, mit dem er an dem blutigen Tage von Saint-Denis Wilhelm das Leben gerettet.

Das Amt des Vicekammerherrn der Königin wurde einem Manne zu Theil, der sich eben erst im öffentlichen Leben bemerkbar gemacht hatte und dessen Name in der Geschichte dieser Regierung häufig vorkommen wird. Johann Howe, oder, wie er gewöhnlich genannt wurde, Jack Howe, war von dem Burgflecken Cirencester zur Convention gesandt worden. Seine äußere Erscheinung war die eines Mannes, dessen Körper durch die unablässige Thätigkeit eines ruhelosen und reizbaren Geistes aufgerieben worden. Er war lang, hager und bleich, und sein unruhiges, stechendes Auge hatte einen Ausdruck von Wildheit und Verschlagenheit. Er war seit mehreren Jahren als kleiner Dichter bekannt, und einige der zügellosesten Spottlieder, welche in den Kaffeehäusern circulirten, wurden ihm zugeschrieben. Im Hause der Gemeinen aber entfalteten sich seine Talente wie sein giftiges Wesen am auffallendsten. Er war noch keine drei Wochen Mitglied desselben, als er sich schon durch seine Sprachgewandtheit, seine beißende Schärfe und seine Hartnäckigkeit bemerkbar gemacht hatte. Scharfsinn, Energie und Kühnheit erhoben ihn bald zu dem Range eines bevorzugten Menschen. Seine Feinde -- und er hatte viele Feinde -- sagten jedoch, daß er seine persönliche Sicherheit selbst in der heftigsten Aufregung nicht aus den Augen lasse und die Soldaten mit einer Rücksicht behandle, die er gegen Damen oder Bischöfe niemals zeige. Aber Niemand besaß in größerem Maße den gefährlichen Muth, der dem Widerwillen und dem Hasse trotzt und sogar darum buhlt. Keine Schicklichkeitsgründe vermochten ihn in Schranken zu halten, sein Haß war unversöhnlich, und er besaß eine merkwürdige Geschicklichkeit darin, die schwachen Seiten starker Geister herauszufinden. Alle seine großen Zeitgenossen fühlten gelegentlich seinen Stachel. Einmal schlug dieser Stachel eine Wunde, die sogar Wilhelm aus seiner ruhigen Fassung brachte und ihm die Äußerung entlockte, daß er wohl wünschte ein Privatmann zu sein, damit er Mr. Howe zu einer kurzen Unterredung hinter Montague House einladen könne. Gegenwärtig jedoch gehörte Howe zu den eifrigsten Stützen der neuen Regierung und richtete alle seine Sarkasmen und Ausfälle gegen die Mißvergnügten.[32]

[Anmerkung 29: Kennet's +Funeral Sermon on the first Duke of Devonshire+, und +Memoirs of the Family of Cavendish, 1708+.]

[Anmerkung 30: Siehe ein Gedicht betitelt: +A Votive Tablet to the King and Queen+.]

[Anmerkung 31: Siehe Prior's Widmung seiner Gedichte an Dorset's Sohn und Nachfolger, und Dryden's +Essay on Satire+ als Einleitung zu den Übersetzungen aus Juvenal. In Collier's +Short View of the Stage+ wird Dryden's weibische Klagsucht bitter verhöhnt. In Blackmore's +Prince Arthur+, ein Gedicht, das bei aller seiner Werthlosigkeit einige interessante Anspielungen auf zeitgenössische Personen und Dinge enthält, kommen folgende Strophen vor:

Der Dichter Chor an seiner Thüre stand Und harrt' der milden Spende seiner Hand. Auch Laurus zeigt sich in dem magren Schwarm, Der alte Barde voller Groll und Harm; Verlangt Gehör und drängt und stößt mit Fuß und Arm. Das Haus Sakil's, der Musen Schloß, erklang Von endlosem Geschrei und lautem Sang. Dem guten Sakil selbst Laurus gern seinen Segen schenkt, Doch Sakil's Fürst und Gott er stets mit Flüchen nur bedenkt, Sakil ohn' Unterschied sein Brot vertheilt, Den Schmeichler hasset er, des Dichters Noth er heilt.

Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß Sakil Sackville und daß Laurus eine Umschreibung des bekannten Spottnamens Bayes ist.]

[Anmerkung 32: Kaum ein andrer Mann der damaligen Zeit wird in Flugschriften und Satiren häufiger erwähnt als Howe. In der berüchtigten +Petition of Legion+ wird er »das schamlose Ärgerniß der Parlamente« genannt. Merkwürdig ist auch was Mackay über ihn sagt. In einem 1690 geschriebenen Gedicht, daß ich nur als Manuscript gesehen habe, kommt folgende Stelle vor.

»Zuerst Jack Howe mit seinem furchtbaren Talent; Glücklich das Weib, das seinem Spottlied entgeht; Gegen die Damen sein Muth keine Grenzen kennt; Vor dem Dragoner er mit gezogenem Hute steht.«]

[_Untergeordnete Ernennungen._] Die niederen Stellen bei allen öffentlichen Ämtern wurden unter beide Parteien vertheilt; der größere Antheil aber kam auf die Whigs. Einige Personen, die dem Namen Whig wenig Ehre machten, wurden in der That glänzend für Dienste belohnt, die kein braver Mann geleistet haben würde. Wildman wurde zum Generalpostmeister ernannt, und Ferguson erhielt eine einträgliche Sinekure bei der Steuererhebung. Das Amt des Schatz-Prokurators war eben so wichtig als verhaßt. Dieser Beamte hatte politische Prozesse zu führen, die Beweise zu sammeln, den Anwalt der Krone zu instruiren, dafür zu sorgen, daß die Gefangenen nicht gegen ungenügende Bürgschaft in Freiheit gesetzt wurden, und darauf zu sehen, daß die Juries nicht aus regierungsfeindlichen Personen zusammengesetzt wurden. Zu den Zeiten Karl's und Jakob's waren die Schatz-Prokuratoren mit nur zu gutem Grunde beschuldigt worden, daß sie gegen dem Hofe mißliebige Personen die empörendsten Chikanen anwendeten. Die neue Regierung hätte hier eine Wahl treffen sollen, die über jeden Verdacht erhaben war. Leider entschieden sich Mordaunt und Delamere für Aaron Smith, einen hämischen und characterlosen Politiker, der in den Tagen der papistischen Verschwörung der Rechtsbeistand des Titus Oates und in das Ryehousecomplot tief verwickelt gewesen war. Richard Hampden, ein Mann von entschiedenen Ansichten, aber von gemäßigter Gesinnung, erhob Einwendungen gegen diese Ernennung. Aber seine Einwürfe wurden nicht beachtet. Die Jakobiten, welche Smith haßten und auch Ursache dazu hatten, behaupteten er habe seine Stelle dadurch erlangt, daß er den Lords des Schatzes die Hölle heiß gemacht, und besonders ihnen gedroht habe, es würde Hampden das Leben kosten, wenn sie seine (Smith's) gerechten Ansprüche nicht befriedigten.[33]

[Anmerkung 33: +Sprat's True Account+; +Letter to Chief Justice Holt, 1694+; +Letter to Secretary Trenchard, 1694.+]

[_Die Convention in ein Parlament verwandelt._] Es vergingen einige Wochen, ehe die vorerwähnten Ernennungen öffentlich bekannt gemacht wurden, und währenddem hatte sich viel Wichtiges ereignet. Sobald der neue Geheimrath vereidigt war, mußte demselben eine ernste und dringliche Frage vorgelegt werden. Konnte die gegenwärtig tagende Convention in ein Parlament verwandelt werden? Die Whigs, welche eine überwiegende Majorität im Unterhause hatten, waren sämmtlich für die Bejahung dieser Frage. Die Tories dagegen, welche wußten, daß die öffentliche Stimmung sich während des letzten Monats bedeutend verändert hatte, und von einer allgemeinen Wahl eine ansehnliche Verstärkung hofften, waren für die Verneinung. Sie behaupteten, daß zum Bestehen eines Parlaments königliche Ausschreiben unerläßlich seien. Die Convention sei nicht durch solche Ausschreiben einberufen worden und dieser ursprüngliche Mangel könne jetzt nicht nachgeholt werden; daher seien die beiden Häuser bloße Privatklubbs und müßten sofort auseinandergehen.

Darauf wurde ihnen erwiedert, das königliche Ausschreiben sei eine bloße Formalität und es würde der unvernünftigste Irrwahn sein, wenn man um einer hohlen Form willen das Wesen unserer Gesetze und Freiheiten bedenklichen Zufällen aussetzen wollte. Wo immer man den Souverain, die geistlichen und weltlichen Peers und die von den Wahlkörpern des Reichs frei gewählten Volksvertreter versammelt sähe, habe man das Wesen eines Parlaments. Ein solches Parlament sei jetzt da, und könne es wohl etwas Thörichteres geben, als es zu einem Zeitpunkte aufzulösen, wo jede Stunde kostbar sei, wo zahlreiche wichtige Angelegenheiten sofortige gesetzmäßige Erledigung verlangten, und wo dem Staate Gefahren drohten, welche nur durch die vereinten Anstrengungen des Königs, der Lords und der Gemeinen abgewendet werden könnten? Ein Jakobit könne sich allerdings aus haltbaren Gründen weigern, diese Convention als ein Parlament anzuerkennen, denn er sei der Ansicht, daß sie von vornherein eine ungesetzliche Versammlung gewesen, daß alle ihre Beschlüsse ungültig und die Souveraine, die sie eingesetzt, Usurpatoren seien. Mit welcher Consequenz aber könne irgend einer von Denen, welche behaupteten, es müsse unverweilt durch Ausschreiben unter dem großen Siegel Wilhelm's und Marien's ein neues Parlament einberufen werden, die Autorität in Frage stellen, welche Wilhelm und Marien auf den Thron gesetzt habe? Wer Wilhelm als rechtmäßigen König ansähe, müsse nothwendig auch die Körperschaft von der dieser König sein Recht habe, als rechtmäßigen Großen Rath des Landes betrachten. Nach dem nämlichen Grundsatze könnten Diejenigen, welche ihn zwar nicht als einen rechtmäßigen König betrachteten, aber doch der Überzeugung seien, daß sie ihm als factischen Könige den Huldigungseid leisten dürften, sicherlich auch die Convention als ein factisch bestehendes Parlament anerkennen. Es liege auf der Hand, daß die Convention die Urquelle sei, aus der die Autorität aller zukünftigen Parlamente abgeleitet werden und daß von der Rechtsgültigkeit der Beschlüsse der Convention die Rechtsgültigkeit jedes zukünftigen Gesetzes abhängen müsse. Wie könne der Strom höher steigen als die Quelle? Sei es nicht eine Absurdität, wenn man behaupten wolle, die Convention sei die höchste Macht im Staate, und doch eine Null, sie sei eine Legislatur für den höchsten aller Zwecke, und doch keine Legislatur für die geringfügigsten Zwecke; sie sei befugt, den Thron für erledigt zu erklären, die Thronfolge abzuändern, die Grenzen der Verfassung zu bestimmen, und doch nicht befugt, die unbedeutendste Verordnung zur Ausbesserung eines Hafendammes oder zur Erbauung einer Pfarrkirche zu erlassen?

Diese Argumente würden selbst dann von großem Gewicht gewesen sein, wenn alle Präcedenzfälle für die entgegengesetzte Meinung gesprochen hätten. In der That aber bot unsre Geschichte nur einen Fall dar, welcher überhaupt hier angezogen werden konnte, und dieser Fall sprach entschieden zu Gunsten des Satzes, daß königliche Ausschreiben zum Bestehen eines Parlaments nicht unbedingt nöthig seien. Kein königliches Ausschreiben hatte die Convention einberufen, welche Karl II. zurückrief. Gleichwohl war jene Convention noch nach seiner Restauration beisammen geblieben, hatte Gesetze gegeben, das Budget aufgestellt, eine Amnestieacte erlassen und die Lehnsdienstleistungen abgeschafft. Diese Maßnahmen waren durch eine Autorität sanctionirt worden, von der keine Partei im Staate ohne Ehrerbietung sprechen konnte. Hale hatte wesentlichen Theil daran genommen und hatte stets behauptet, daß sie streng gesetzlich seien. Auch Clarendon, so wenig er geneigt war, irgend eine, die Rechte der Krone oder das Ansehen des Siegels, dessen Bewahrer er war, beeinträchtigende Doctrin zu begünstigen, hatte erklärt, daß, wenn Gott der Nation zu einem äußerst kritischen Zeitpunkte ein gutes Parlament gegeben habe, es die größte Thorheit sein würde, technische Mängel in dem Instrument zu suchen, durch welches ein solches Parlament zusammenberufen sei. Konnte irgend ein Tory behaupten, daß die Convention von 1660 ehrwürdigeren Ursprungs gewesen sei als die von 1689? War ein Schreiben, das der erste Prinz von Geblüt auf Ansuchen der gesammten Pairie und Hunderter von Gentlemen, welche Grafschaften und Städte vertraten, erlassen hatte, nicht eine mindestens eben so gute Vollmacht als ein Beschluß des Rumpfparlaments?