Part 23
Da man nicht einmal vorgab, daß die Schuld der so Geächteten untersucht worden sei, da nicht ein Einziger unter ihnen zu seiner Vertheidigung angehört worden war, und da es ausgemacht war, daß es Vielen physisch unmöglich sein würde, rechtzeitig zu erscheinen, so lag es auf der Hand, daß nur eine umfassende Ausübung des königlichen Begnadigungsrechts die Verübung von so haarsträubenden Ungerechtigkeiten verhüten konnte, die selbst in der traurigen Geschichte der irländischen Wirren ohne Beispiel dastehen. Daher beschlossen die Gemeinen, daß das königliche Begnadigungsrecht beschränkt werden solle. Es wurden verschiedene Formalitäten ersonnen, welche die Erlangung von Begnadigungen erschweren und kostspielig machen sollten, und schließlich wurde verordnet, daß jede Begnadigung, die Se. Majestät nach dem letzten November 1689 irgend einer der vielen Hundert ohne Prozeß zum Tode verurtheilten Personen zu Theil werden ließe, durchaus ungültig und wirkungslos sein sollte. Sir Richard Nagle erschien im Ornate vor den Lords und überreichte die Bill mit einer der Gelegenheit würdigen Rede. »Viele von den hier Proscribirten,« sagte er, »sind durch uns genügende Beweise als Verräther überführt. In Betreff der Anderen haben wir den allgemeinen Ruf, in dem sie stehen, für maßgebend erachtet.«[119] Die Liste war mit so rücksichtsloser Barbarei zusammengestellt, daß selbst fanatische Royalisten, die zu der nämlichen Zeit ihr Vermögen, ihre Freiheit und ihr Leben für Jakob auf's Spiel setzten, nicht sicher vor der Proscription waren. Der gelehrteste Mann, dessen die jakobitische Partei sich rühmen konnte, war Heinrich Dodwell, Camdenianischer Professor an der Universität Oxford. In der Vertheidigung der erblichen Monarchie scheute er kein Opfer und keine Gefahr. Mit Bezug auf ihn sprach Wilhelm die denkwürdigen Worte aus: »Er hat sich vorgenommen ein Märtyrer zu werden, und ich habe mir vorgenommen, sein Vorhaben zu vereiteln.« Aber Jakob war gegen Freunde grausamer als Wilhelm gegen Feinde. Dodwell war Protestant und besaß etwas Grundeigenthum in Connaught; diese Verbrechen waren hinreichend, um ihn in die lange Liste Derer aufzunehmen, welche zum Galgen und zum Viertheilen verurtheilt waren.[120]
Daß Jakob seine Zustimmung zu einer Bill geben werde, die ihm das Begnadigungsrecht entzog, hielten viele Leute für unmöglich. Er war vier Jahre früher lieber mit dem loyalsten Parlamente zerfallen, als daß er eine Prärogative aufgegeben hätte, die ihm nicht einmal gehörte. Es ließ sich daher wohl erwarten, daß er jetzt Alles daran setzen würde, um eine Prärogative zu behalten, die seine Vorgänger seit dem Bestehen der Monarchie zu allen Zeiten besessen hatten und die von den Whigs niemals bestritten worden war. Die strenge Miene und die erhobene Stimme, womit er die Torygentlemen zurechtgewiesen, die ihn in der Sprache der tiefsten Ehrerbietung und der innigsten Zuneigung beschworen, sich der Beobachtung der Gesetze nicht zu entziehen, würden jetzt an ihrem Platze gewesen sein. Er hätte wohl sehen können, daß der rechte Weg der weiseste war. Hätte er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit den Muth gehabt, zu erklären, daß er unschuldiges Blut nicht vergießen und selbst bezüglich der Schuldigen sich des Rechts nicht entäußern wolle, die Verurtheilungen durch Gnade zu mildern, so würde er in England mehr Herzen gewonnen haben, als er in Irland verloren hätte. Aber sein Unstern wollte jederzeit, daß er widerstand, wo er hätte nachgeben sollen, und daß er nachgab, wo er hätte widerstehen sollen. Das abscheulichste aller Gesetze erhielt seine Sanction, und seine Schuld wird nur sehr wenig dadurch gemildert, daß er diese Sanction mit einigem Widerstreben gab.
Damit nichts fehlen möchte, um dieses große Verbrechen vollkommen zu machen, war man sorgfältig darauf bedacht zu verhüten, daß die verurtheilten Personen ihre Verurtheilung früher als nach Ablauf der in der Acte festgesetzten Gnadenfrist erfuhren. Die Liste der Namen wurde nicht veröffentlicht, sondern in Fitton's Cabinet sorgfältig verschlossen gehalten. Einige Protestanten, die es noch mit Jakob hielten, aber gern wissen wollten, ob einer ihrer Freunde oder Verwandten proscribirt war, gaben sich alle mögliche Mühe, um Einsicht in die Liste zu erlangen; aber Bitten, Vorstellungen und selbst Bestechungen waren erfolglos. Nicht ein einziges Exemplar kam ins Publikum, bis es für die Tausende, welche ohne Prozeß verurtheilt waren, zu spät war, Begnadigung zu erlangen.[121]
[Anmerkung 117: +King III. 12.+]
[Anmerkung 118: +An Act for the Attainder of divers Rebels and for preserving the Interest of loyal Subjects, London 1690.+]
[Anmerkung 119: +King III. 13.+]
[Anmerkung 120: Sein Name steht in der ersten Columne auf Seite 30 derjenigen Ausgabe der Liste, welche am 26. März 1690 die Druckerlaubniß erhielt. Ich hatte geglaubt, der Proscribirte müsse ein andrer Heinrich Dodwell gewesen sein. Aber Bischof Kennet's zweiter Brief an den Bischof von Carlisle vom Jahre 1716 hebt jeden Zweifel über diesen Gegenstand.]
[Anmerkung 121: +A list of most of the Names of the Nobility, Gentry and Commonalty of England and Ireland (amongst whom are several Women and Children) who are all, by an Act of a Pretended Parliament assembled in Dublin, attainted of High Treason, 1699+; +An Account of the Transactions of the late King James in Ireland, 1690+; +King, III. 13+; +Memoirs of Ireland 1716+.]
[_Jakob prorogirt sein Parlament._] Gegen Ende des Monats Juli prorogirte Jakob die beiden Häuser. Sie waren aber zehn Wochen versammelt gewesen, und während dieses Zeitraums hatten sie auf das Vollständigste bewiesen, daß, so groß auch die Übel gewesen sind, welche das Übergewicht der Protestanten in Irland hervorgerufen, die durch das Übergewicht der Papisten erzeugten Übel noch größer gewesen sein würden. Daß die Colonisten, als sie den Sieg errungen hatten, ihn gröblich mißbrauchten und daß ihre Gesetzgebung viele Jahre lang ungerecht und tyrannisch war, ist sehr wahr. Aber nicht minder wahr ist es, daß sie das entsetzliche Beispiel, das ihr besiegter Feind während des kurzen Zeitraums gab, wo er im Besitz der Macht war, nie ganz erreichten.
[_Verfolgung der Protestanten in Irland._] In der That, während Jakob sich laut rühmte, ein Gesetz erlassen zu haben, das allen Religionsgesellschaften völlige Gewissensfreiheit gewährte, wüthete in allen Provinzen, die seine Autorität anerkannten, eine eben so grausame Verfolgung wie die im Languedoc. Diejenigen, welche eine Entschuldigung für ihn zu finden wünschten, sagten, daß fast alle Protestanten, die sich noch in Munster, Connaught und Leinster aufhielten, seine Feinde seien und daß er sie nicht als Schismatiker, sondern als Rebellen von Gesinnung, denen es nur an einer Gelegenheit fehlte, Rebellen der That zu werden, der Unterdrückung und Beraubung preis gebe, und dieser Entschuldigung hätte man einiges Gewicht zugestehen können, wenn er sich ernstlich bemüht hätte, die wenigen Colonisten zu beschützen, welche zwar dem reformirten Glauben treu anhingen, aber doch noch immer an den Lehren vom Nichtwiderstande und von dem unveräußerlichen Erbrechte festhielten. Aber selbst diese ergebenen Royalisten sollten erfahren, daß ihre Ketzerei in seinen Augen ein Verbrechen war, das durch keine Dienste und durch keine Opfer gesühnt werden konnte. Einige Cavaliere, Mitglieder der anglikanischen Kirche, die ihn in Irland willkommen geheißen und in seinem Parlamente gesessen hatten, stellten ihm vor, daß, wenn die Verordnung, welche jedem Protestanten den Besitz irgend einer Waffe verbot, streng durchgeführt werden sollte, ihre Landhäuser den Rapparees preisgegeben sein würden, und erlangten von ihm die Erlaubniß, soviel Waffen behalten zu dürften, als sie für einige Diener brauchten. Allein Avaux machte Gegenvorstellungen. Die Erlaubniß, sagte er, werde gröblich gemißbraucht, man dürfe diesen protestantischen Lords nicht trauen, sie verwandelten ihre Häuser in Festungen, und Se. Majestät werde bald Ursache haben, seine Güte zu bereuen. Diese Vorstellungen gewannen die Oberhand und es wurden katholische Truppen in den verdächtigen Wohnungen einquartiert.[122]
Noch härter war das Loos derjenigen protestantischen Geistlichen, welche mit verzweifelter Treue der Sache des Gesalbten des Herrn anhingen. Von allen anglikanischen Geistlichen scheint Cartwright derjenige gewesen zu sein, der sich der Gewogenheit Jakob's im bedeutendsten Maße erfreute. Ob Cartwright lange hätte ein Günstling bleiben können, ohne Apostat zu werden, steht zu bezweifeln. Er starb wenige Wochen nach seiner Ankunft in Irland, und von diesem Augenblicke an besaß seine Kirche keinen Verfechter ihrer Sache mehr. Indessen fuhren einige von ihren Prälaten und Priestern noch fort diejenigen Lehren zu predigen, die sie in den Tagen der Ausschließungsbill gepredigt hatten. Aber sie verrichteten ihre Functionen mit Gefahr ihres Lebens oder ihrer Glieder. Jeder, der einen Priesterrock trug, war eine Zielscheibe für die Beleidigungen und Gewaltthätigkeiten der Soldaten und Rapparees. In der Provinz wurde sein Haus geplündert, und er konnte von Glück sagen, wenn es ihm nicht über dem Kopfe angezündet wurde. In den Straßen von Dublin wurde er mit dem Rufe verfolgt: »Da geht so ein Teufel von Ketzer!« Bald wurde er zu Boden geschlagen, bald mit Stockprügeln regalirt.[123] Die Vorsteher der Universität zu Dublin, welche in der anglikanischen Lehre vom passiven Gehorsam erzogen waren, hatten Jakob bei seiner ersten Ankunft im Schlosse begrüßt und von ihm die Zusicherung erhalten, daß er sie im Genusse ihres Eigenthums und ihrer Vorrechte schützen werde. Sie wurden jetzt, ohne Prozeß, ohne Anklage, aus ihrem Hause geworfen. Die Communiongeräthe der Kapelle, die Bücher der Bibliothek, ja selbst die Stühle und Betten der Collegiaten wurden weggenommen. Ein Theil des Gebäudes wurde in ein Magazin, ein andrer in eine Kaserne, ein dritter in ein Gefängniß verwandelt. Simon Luttrell, welcher Gouverneur der Hauptstadt war, wurde mit großer Mühe und nur durch mächtige Fürsprache bewogen, die vertriebenen Fellows und Studenten ungehindert abziehen zu lassen. Er gestattete ihnen endlich in Freiheit zu bleiben unter der Bedingung, daß bei Todesstrafe nicht drei von ihnen sich versammelten.[124] Kein protestantischer Geistlicher wurde härter betroffen als Doctor Wilhelm King, Dechant zu St. Patrick. Er hatte sich seit langer Zeit durch die glühende Begeisterung ausgezeichnet, mit der er die Pflicht des passiven Gehorsams selbst gegen die schlechtesten Regenten eingeschärft. Zu einer späteren Zeit, als er eine Vertheidigung der Revolution geschrieben und von der neuen Regierung eine Mitra angenommen hatte, erinnerte man ihn daran, daß er die göttliche Rache auf die Usurpatoren herabgerufen und erklärt hatte, lieber hundert Mal den Tod erleiden zu wollen, ehe er der Sache des erblichen Rechts untreu würde. Er hatte gesagt, daß die wahre Religion wohl oft durch Verfolgung gekräftigt worden sei, aber nie durch Rebellion gekräftigt werden könne, daß der Tag, an welchem ein ganzer Karren voll von Geistlichen der Kirche von England für die Lehre vom Nichtwiderstande zum Galgen ginge, ein glorreicher Tag für diese Kirche sein würde, und daß es sein höchster Ehrgeiz sei, zu einer solchen Gesellschaft zu gehören.[125] Es ist nicht unwahrscheinlich, daß er, als er dies sagte, auch dachte wie er sprach. Aber wenn auch seine Grundsätze vielleicht gegen die Strenge und die Versprechungen Wilhelm's Stand gehalten haben würden, gegen Jakob's Undankbarkeit waren sie nicht probefest. Die menschliche Natur machte endlich ihre Rechte geltend. Nachdem King von der Regierung, deren fester Anhänger er war, zu wiederholten Malen ins Gefängniß geworfen, nachdem er in seiner eignen Kirche von den Soldaten insultirt und bedroht, nachdem ihm untersagt worden, auf seinem Kirchhofe zu begraben und auf seiner Kanzel zu predigen, nachdem er einem auf der Straße gegen ihn abgefeuerten Flintenschusse kaum mit dem Leben entronnen war, fing er an, die whiggistische Regierungstheorie für weniger unvernünftig und unchristlich zu halten, als sie ihm früher vorgekommen war, und er überredete sich, daß die unterdrückte Kirche mit Fug und Recht die Befreiung annehmen dürfe, wenn es Gott gefiele, ihr solche, gleichviel durch welche Mittel, zu senden.
[Anmerkung 122: Avaux, 27. Juli (6. August) 1689.]
[Anmerkung 123: +King's State of the Protestants in Ireland, III. 19.+]
[Anmerkung 124: +King's State of the Protestants in Ireland, III. 15.+]
[Anmerkung 125: +Leslie's Answer to King.+]
[_Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England._] Es zeigte sich bald, daß Jakob wohlgethan haben würde, wenn er auf diejenigen Rathgeber gehört hätte, die ihm gesagt hatten, die Maßregeln, durch welche er sich in einem seiner drei Königreiche beliebt zu machen versuchte, würden ihn in den anderen verhaßt machen. Es war in mancher Hinsicht ein Glück für England, daß er, nachdem er aufgehört hatte, daselbst zu regieren, noch über ein Jahr in Irland regierte. Auf die Revolution war ein Umschwung der öffentlichen Meinung zu seinen Gunsten gefolgt. Hätte diese Reaction ihren ungestörten Fortgang genommen, so würde sie vielleicht angehalten haben, bis er wieder König war; aber sie wurde durch ihn selbst gewaltsam unterbrochen. Er wollte sein Volk nichts vergessen und nichts hoffen lassen; während es sich bemühte, Entschuldigungen für seine vergangenen Fehler aufzufinden, und sich einzureden suchte, daß er nicht wieder in diese Fehler verfallen werde, zwang er den Leuten gegen ihren Willen die Überzeugung auf, daß er unverbesserlich sei, daß die härtesten Strafen des Mißgeschicks ihn nichts gelehrt, und daß, wenn sie schwach genug sein sollten, ihn zurückzurufen, sie ihn bald wieder würden absetzen müssen. Umsonst schrieben die Jakobiten Pamphlets über die Grausamkeit, mit der er von seinen nächsten Blutsverwandten behandelt worden sei, über den herrschsüchtigen Character und die schroffen Manieren Wilhelm's, über die den Holländern zu Theil gewordenen Begünstigungen, über die drückenden Abgaben, über die Suspension der Habeas-Corpusacte und über die Gefahren, welche der Kirche von Seiten der Feindschaft der Puritaner und der Latitudinarier drohten. Jakob widerlegte diese Pamphlete viel wirksamer als die gewandtesten und beredtesten whiggistischen Schriftsteller zusammengenommen es vermocht haben würden. Jede Woche kam die Nachricht, daß er eine neue Acte zur Beraubung oder Ermordung der Protestanten erlassen hatte. Jeder Colonist, dem es gelang, von Leinster über das Meer nach Holyhead oder Bristol zu entkommen, brachte entsetzliche Berichte mit von der Tyrannei, unter der seine Glaubensbrüder seufzten. Welchen Eindruck diese Berichte auf die Protestanten unsrer Insel machten, kann man leicht aus der Thatsache schließen, daß sie den Unwillen Ronquillo's, eines Spaniers und bigotten Mitgliedes der römischen Kirche, erregten. Er schrieb seinem Hofe, daß, obwohl die englischen Gesetze gegen den Papismus streng erscheinen möchten, sie doch durch die Besonnenheit und Humanität der Regierung so sehr gemildert würden, daß sie ruhigen Leuten nicht lästig fielen, und er versicherte dem heiligen Stuhle, daß die Leiden eines Katholiken in London nichts seien im Vergleich zu den Leiden eines Protestanten in Irland.[126]
Die englischen Flüchtlinge fanden in England herzliche Theilnahme und freigebige Unterstützung. Viele wurden in den Häusern von Freunden oder Verwandten aufgenommen; viele Andere aber verdankten die Mittel zu ihrem Unterhalt der Freigebigkeit von Fremden. Unter Denen, die sich an diesem Werke der Barmherzigkeit betheiligten, trug Niemand in reicherem Maße und mit weniger Ostentation dazu bei als die Königin. Das Haus der Gemeinen stellte dem Könige funfzehntausend Pfund zur Unterstützung derjenigen Flüchtlinge zur Verfügung, die derselben am dringendsten bedurften, und ersuchte ihn, den zum Militärdienste Befähigten Offizierspatente in der Armee zu geben.[127] Auch wurde eine Acte erlassen, welche bepfründete Geistliche, die aus Irland entflohen waren, zur Anstellung in England befähigt erklärte.[128] Doch die Theilnahme, welche die Nation diesen unglücklichen Gästen schenkte, war lau im Vergleich zu der Theilnahme, welche derjenige Theil der sächsischen Colonie erweckte, der in Ulster noch immer einen verzweifelten Kampf gegen eine erdrückende Übermacht unterhielt. Über diesen Gegenstand ließ sich auf unsrer Insel kaum eine einzige abweichende Stimme vernehmen. Whigs und Tories, ja selbst diejenigen Jakobiten, in denen der Jakobitismus noch nicht alles patriotische Gefühl erstickt hatte, priesen den Ruhm von Enniskillen und Londonderry. Das ganze Haus der Gemeinen war eines Sinnes. »Es ist jetzt nicht Zeit, die Kosten zu berechnen,« sagte der wackere Birch, der sich noch sehr wohl der Art der Kriegführung Olivers gegen die Irländer erinnerte. »Sollen wir diese braven Leute in Londonderry im Stich lassen? Wird nicht die ganze Welt Schimpf und Schande über uns rufen, wenn wir sie dem Untergange preis geben? Man hat die Einfahrt in den Fluß versperrt! Warum haben wir den Sperrbaum nicht längst zertrümmert? Sollen unsere Brüder fast angesichts England's, wenige Stunden Wegs von unseren Küsten umkommen?«[129] Howe, der Heftigste der einen Partei, erklärte, daß die Herzen des Volks für Irland schlügen. Seymour, das Haupt der andren Partei, erklärte, daß, obwohl er an der Einsetzung der neuen Regierung nicht Theil genommen, er sie von Herzen gern in Allem, was zur Erhaltung Irland's für nöthig erachtet werden möchte, unterstützen werde.[130] Die Gemeinen ernannten einen Ausschuß, der die Ursache der Verzögerungen und Fehlgriffe untersuchen sollte, welche den englischen Bewohnern von Ulster fast zum Verderben gereicht hätten. Die Offiziere, deren Verrätherei oder Feigheit das Publikum die Calamitäten Londonderry's zuschrieb, wurden gefänglich eingezogen. Lundy wurde in den Tower, Cunningham in das Gate House geschickt. Die öffentliche Aufregung wurde einigermaßen beschwichtigt durch die Ankündigung, daß noch vor Ablauf des Sommers eine Armee von hinreichender Stärke, um das englische Übergewicht wiederherzustellen, über den St. Georgskanal geschickt und daß Schomberg das Commando erhalten sollte. Vor der Hand wurde ein Armeecorps, das man zum Entsatz von Londonderry für genügend hielt, unter Kirke's Commando von Liverpool abgesandt. Die finstre Hartnäckigkeit, mit der dieser Mann, trotz königlicher Bitten, an seinem Glauben festgehalten, und der Antheil, den er an der Revolution genommen, hatten ihm vielleicht Anspruch auf eine Amnestie für frühere Verbrechen verschafft. Aber es ist schwer zu begreifen, warum die Regierung zu einem Posten von höchster Wichtigkeit einen Offizier wählte, der allgemein und mit Recht verhaßt war, der nie ein eminentes Feldherrntalent gezeigt und der, in Afrika sowohl wie in England, unter seinen Soldaten erwiesenermaßen eine nicht nur die Humanität empörende, sondern auch mit der Disciplin unverträgliche Zügellosigkeit geduldet hatte.
[Anmerkung 126: +»En comparazion de lo que se hace in Irlanda con los Protestantes, es nada.«+ 29. April (9. Mai) 1689. -- +»Para que vea Su Santitad que aqui estan los Catolicos mas benignamente tratados que les Protestantes in Irlanda.«+ 19.(29.) Juni.]
[Anmerkung 127: +Commons' Journals, June 15. 1689.+]
[Anmerkung 128: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 29.+]
[Anmerkung 129: +Grey's Debates, June 19. 1689.+]
[Anmerkung 130: +Ibid. June 22. 1689.+]
[_Thaten der Enniskillener._] Am 16. Mai wurden Kirke's Truppen eingeschifft, und am 20. gingen sie unter Segel; aber widrige Winde verzögerten die Überfahrt und zwangen das Geschwader, lange vor der Insel Man liegen zu bleiben. Unterdessen vertheidigten sich die Protestanten von Ulster mit unerschütterlichem Muthe gegen eine große Übermacht. Die Enniskillener hatten nicht aufgehört, einen energischen Parteikrieg gegen die eingeborne Bevölkerung zu führen. Anfangs Mai marschirten sie einem starken Truppencorps aus Connaught entgegen, das in Donegal eingefallen war. Die Irländer wurden bald geschlagen und flohen mit einem Verlust von hundertzwanzig Todten und sechzig Gefangenen nach Sligo. Zwei kleine Geschütze und mehrere Pferde fielen den Siegern in die Hände. Durch diesen Sieg ermuthigt, fielen die Enniskillener bald darauf in die Grafschaft Cavan ein, trieben funfzehnhundert Mann von Jakob's Truppen vor sich her, nahmen und zerstörten das Schloß Ballincarrig, das für das festeste in diesem Theile des Königreichs galt, und nahmen die Piken und Gewehre der Besatzung mit sich. Der nächste Einfall erfolgte in Meath. Hier wurden dreitausend Rinder und zweitausend Schafe mit fortgeführt und auf der kleinen Insel des Ernesees in Sicherheit gebracht. Diese kühnen Thaten verbreiteten Schrecken bis vor die Thore Dublin's. Der Oberst Hugo Sutherland erhielt Befehl, mit einem Regiment Dragonern und zwei Regimentern Infanterie gegen Enniskillen zu marschiren. Er nahm Waffen für das eingeborne Landvolk mit und Viele schlossen sich seiner Fahne an. Die Enniskillener marschirten ihm entgegen. Er nahm jedoch keine Schlacht an, sondern zog sich zurück und ließ seine Vorräthe unter der Obhut eines Detachements von dreihundert Soldaten in Belturbet. Die Protestanten griffen Belturbet kräftig an, besetzten ein hochgelegenes Haus, das die Stadt beherrschte, und eröffneten von hier aus ein so wirksames Feuer, daß nach Verlauf von zwei Stunden die Besatzung sich ergab. Siebenhundert Flinten, eine bedeutende Quantität Schießpulver, eine Menge Pferde, viele Säcke Zwieback und viele Fässer Mehl wurden erbeutet und nach Enniskillen geschickt. Die Böte, welche diese werthvolle Beute brachten, wurden freudig bewillkommnet. Die Besorgniß vor einer Hungersnoth war dadurch beseitigt. Während die eingeborne Bevölkerung in vielen Grafschaften, wahrscheinlich in der Erwartung, daß sich das Maraudiren als eine unerschöpfliche Hilfsquelle erweisen werde, die Bodencultur völlig vernachlässigte, hatten die Colonisten, treu dem vorsorgenden und betriebsamen Character ihres Stammes, mitten im Kriege nicht versäumt, den Boden in der Umgebung ihrer Besten sorgfältig zu bebauen. Die Ernte war jetzt nicht mehr fern und bis zur Ernte reichten die dem Feinde abgenommenen Lebensmittel vollkommen aus.[131]
[Anmerkung 131: +Hamilton's True Relation+; +Mac Cormick's Further Account+. Von der Insel im Allgemeinen sagt Avaux: +»On n'attend rien de cette recolte cy, les paysans ayant presque tous pris les armes.«+ -- Brief an Louvois vom 19.(29.) März 1689.]
[_Noth in Londonderry._] Doch inmitten des Sieges und des Überflusses wurden die Enniskillener von ängstlicher Besorgniß um Londonderry gequält. Sie waren mit den Vertheidigern dieser Stadt nicht allein durch religiöse und nationale Sympathie, sondern auch durch ein gemeinsames Interesse verbunden. Denn es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß, wenn Londonderry fiel, die ganze irische Armee augenblicklich mit unwiderstehlicher Macht gegen den Ernesee vorrücken würde. Doch was konnte man thun? Einige tapfere Männer waren dafür, einen verzweifelten Versuch zum Entsatz der belagerten Stadt zu machen; aber die Übermacht war zu groß. Es wurden indessen Detachements abgesandt, welche die Nachhut des Belagerungsheeres beunruhigten, die Zufuhren abschnitten und einmal die Pferde von drei ganzen Reitertrupps wegnahmen.[132] Die Postenkette aber, welche Londonderry auf der Landseite einschloß, war noch nicht durchbrochen, und auch der Fluß war noch immer versperrt und sorgfältig bewacht. In der Stadt war die Noth auf's höchste gestiegen. Schon am 8. Juni war fast kein andres Fleisch mehr zu haben als Pferdefleisch und selbst davon war der Vorrath nur gering. Dem Mangel mußte mit Talg abgeholfen werden, und auch dieser wurde mit karger Hand vertheilt.
[Anmerkung 132: +Hamilton's True Account.+]