Part 22
[_Es wird eine Toleranzacte erlassen._] Jakob bestimmte sie zur Beschließung einer Acte, welche ihm und ihnen zur größten Ehre gereicht haben würde, hätte man nicht zahlreiche Beweise dafür, daß sie nur ein todter Buchstabe sein sollte. Es war dies eine Acte, welche allen christlichen Secten volle Gewissensfreiheit gewährte. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Proklamation erlassen, welche in hochtrabenden Worten dem englischen Volke ankündigte, daß sein rechtmäßiger König jetzt augenfällig die Verleumder widerlegt habe, welche ihn beschuldigt hätten, nur um eines einzelnen Zweckes willen Eifer für die Glaubensfreiheit erheuchelt zu haben. Wenn er im Herzen zur Verfolgung geneigt wäre, würde er dann nicht die irischen Protestanten verfolgt haben? Es fehle ihm weder an Macht noch an Herausforderungen dazu. Dennoch habe er sowohl in Dublin, wo die Mitglieder seiner Kirche in der Majorität seien, wie auch in Westminster, wo sie in der Minorität gewesen, fest an den Grundsätzen gehalten, die er in seiner viel geschmähten Indulgenzerklärung ausgesprochen habe.[108] Zu seinem Unglück brachte der nämliche Wind, der seine schönen Reden nach England trug, zu gleicher Zeit auch den Beweis hinüber, daß seine Erklärungen nicht aufrichtig waren. Ein einzelnes, eines Turgot oder Franklin würdiges Gesetz nahm sich gar zu lächerlich aus inmitten einer Menge von Gesetzen, die einem Gardiner oder Alva Schande gemacht haben würden.
[Anmerkung 108: +Life of James, II. 361--363.+ Es wird dort gesagt, die Proklamation sei ohne Vorwissen Jakob's erlassen worden, er habe sie aber nachher gebilligt. Siehe Melwood's +Answer to the Declaration, 1689.+]
[_Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten._] Ein nothwendiger Vorläufer zu dem großen Beraubungs- und Mordwerke, das die Gesetzgeber von Dublin beabsichtigten, war eine Acte, welche die Autorität annullirte, die das englische Parlament als höchste Legislatur wie als höchster Appellhof bisher über Irland ausgeübt hatte.[109] Diese Acte wurde rasch angenommen und ihr folgten in schneller Aufeinanderfolge Confiscationen und Proscriptionen in gigantischem Maßstabe. Das persönliche Vermögen der Abwesenden,[110] welche über siebzehn Jahr alt waren, wurde dem Könige zugeschrieben. Wenn man sich in solcher Weise an Laieneigenthum vergriff, so stand nicht zu erwarten, daß die Dotationen, welche im Widerspruch mit jedem gesunden Prinzip an die Kirche der Minorität verschwendet worden waren, geschont werden würden. Diese Dotationen ohne Nachtheil für bestehende Interessen zu verringern, würde eine Reform gewesen sein, die eines guten Fürsten und eines guten Parlaments würdig gewesen wäre. Aber eine solche Reform genügte den rachsüchtigen Bigotten nicht, welche in King's Inns saßen. Durch eine summarische Acte wurde der größte Theil der Zehnten von der protestantischen auf die katholische Geistlichkeit übertragen, und die bisherigen Inhaber ohne einen Farthing Entschädigung dem Hungertode preis gegeben.[111] Ferner wurde eine Bill, welche die Ansiedlungsacte aufhob und viele tausend Quadratmeilen Landes von sächsischen auf celtische Grundeigenthümer übertrug, eingebracht und durch Acclamation angenommen.[112]
Über eine solche Gesetzgebung kann man nicht streng genug urtheilen; aber für die Gesetzgeber lassen sich Entschuldigungen anführen, welche der Geschichtschreiber zu erwähnen verpflichtet ist. Sie handelten unbarmherzig, ungerecht und unklug; aber es wäre ungereimt, wollte man Erbarmen, Gerechtigkeit oder Weisheit von einer Klasse von Menschen erwarten, welche erst durch jahrelange Unterdrückung erniedrigt und dann durch die Freude über ihre plötzliche Erlösung der Besinnung beraubt und mit unwiderstehlicher Macht bewaffnet worden war. Die Vertreter der irischen Nation waren, mit wenigen Ausnahmen, roh und unwissend. Sie hatten in einem Zustande beständiger Gereiztheit gelebt, mit aristokratischen Gefühlen hatten sie eine knechtische Stellung eingenommen, mit dem höchsten Geburtsstolze waren sie tagtäglich Beleidigungen ausgesetzt gewesen, die den Zorn des geringsten Plebejers gereizt haben würden. Angesichts der Felder und Schlösser, die sie als ihr Eigenthum betrachteten, hatten sie froh sein müssen, wenn ein Bauer sie einlud, seine Milch- und Kartoffelmahlzeit zu theilen. Die heftigen Regungen von Haß und Habsucht, welche die Lage des eingebornen Gentleman fast nothwendig hervorrufen mußte, erschienen ihm in dem glänzenden Gewande des Patriotismus und der Frömmigkeit. Denn seine Feinde waren die Feinde seiner Nation, und die nämliche Tyrannei, welche ihn seines Erbes beraubt, hatte auch seine Kirche des großen Reichthums beraubt, den die Frömmigkeit einer früheren Zeit ihr gespendet. Welchen Gebrauch der Gewalt konnte man von einem ungebildeten und unerfahrenen Manne erwarten, der von heftigen Wünschen und Rachegelüsten erfüllt war, welche er irrig für heilige Pflichten ansah? Und was konnte man von einer Versammlung von einigen Hundert solcher Leute anders erwarten, als daß die Leidenschaften, welche jeder Einzelne so lange im Stillen genährt hatte, durch den Einfluß der Sympathie plötzlich zu einer furchtbaren Kraftäußerung heranreifen würden?
Jakob hatte mit seinem Parlamente wenig mehr gemein als den Haß gegen die protestantische Religion. Er war ein Engländer. Der Aberglaube hatte nicht alles Nationalgefühl in seinem Herzen völlig erstickt und das Übelwollen, womit seine celtischen Anhänger den Volksstamm betrachteten, dem er entsprossen war, mußte ihm nothwendig mißfallen. Der Gesichtskreis seines Verstandes war klein. Da er jedoch in England regiert hatte und fortwährend dem Tage entgegensah, wo er wieder in England regieren würde, war es unmöglich, daß er den Horizont seiner Politik nicht mehr erweiterte als Diejenigen, welche nichts Andres als nur Irland im Auge hatten. Die wenigen irischen Protestanten, die ihm noch anhingen, und die britischen Edelleute, protestantische sowohl als katholische, die ihn ins Exil begleitet hatten, baten ihn dringend, die Heftigkeit des raubgierigen und rachsüchtigen Parlaments zu zügeln, das er zusammenberufen hatte. Ganz besonders drangen sie in ihn, daß er die Aufhebung der Ansiedlungsacte nicht zugeben solle. Mit welcher Sicherheit, fragten sie, könne Jemand sein Geld anlegen oder seinen Kindern einen Vermögensantheil zuschreiben, wenn er sich nicht auf bestimmte Gesetze und auf einen jahrelangen ununterbrochenen Besitz verlassen könne? Die militärischen Abenteurer, unter welche Cromwell den Grund und Boden vertheilt, könnten vielleicht als Unrechthandelnde betrachtet werden. Aber ein wie großer Theil ihrer Güter sei durch rechtsgültigen Kauf in andere Hände übergegangen! Wieviel Geld hätten die Grundbesitzer auf Hypothek, auf gesetzmäßige, gerichtlich vidimirte Verschreibung geliehen! Wie viele Kapitalisten seien im Vertrauen auf gesetzliche Bestimmungen und königliche Versprechungen von England herübergekommen und hätten ohne die mindeste Besorgniß wegen des Rechtstitels in Ulster und Leinster Land gekauft! Welche Summen hätten diese Kapitalisten während eines Vierteljahrhunderts auf Bauten, Drainirungen, Einhegungen und Anpflanzungen verwendet! Die Bedingungen des von Karl II. sanctionirten Compromisses möchten allerdings wohl nicht in jeder Beziehung gerecht sein; aber sollte eine Ungerechtigkeit durch eine noch monströsere Ungerechtigkeit wieder gut gemacht werden? Und welchen Eindruck würde voraussichtlich in England der Wehschrei von Tausenden unschuldiger englischer Familien hervorrufen, die ein englischer König zu Grunde gerichtet? Die Klagen einer solchen Masse von Duldern könnten die Restauration, der jeder loyale Unterthan mit Sehnsucht entgegensehe, verzögern, ja ganz verhindern, und selbst wenn Se. Majestät trotz dieser Klagen glücklich wieder eingesetzt werden sollte, würde er doch bis ans Ende seines Lebens die nachtheiligen Folgen der Ungerechtigkeit verspüren, zu deren Ausübung ihn schlimme Rathgeber jetzt drängten. Er würde finden, daß er durch den Versuch eine Klasse von Unzufriedenen zu beschwichtigen, eine andre geschaffen habe. Wenn er in Dublin dem Geschrei nach Aufhebung der Ansiedlungsacte nachgäbe, würde er sicherlich von dem Augenblicke an, wo er nach Westminster zurückkehre, mit einem eben so lauten und beharrlichen Geschrei nach Widerrufung dieser Aufhebung bestürmt werden. Er müsse doch wohl einsehen, daß kein auch noch so loyales englisches Parlament solche Gesetze fortbestehen lassen könne, wie sie jetzt vom irischen Parlament erlassen würden. Sei er entschlossen, die Partei Irland's gegen die allgemeine Stimme England's zu ergreifen? Wenn dies wäre, so könnte er sich nur auf eine abermalige Verbannung und Entsetzung gefaßt machen. Oder wolle er, wenn er das größere Königreich wieder habe, die Geschenke zurücknehmen, durch die er sich in seiner Noth die Hilfe des kleineren erkauft habe? Die bloße Vermuthung, daß er den Gedanken an eine solche unfürstliche und unmännliche Perfidie hegen könne, müsse schon als eine Beleidigung gegen ihn erscheinen. Allein was würde ihm Andres übrig bleiben? Und sei es nicht besser für ihn, er verweigere jetzt unbillige Zugeständnisse, als daß er diese Zugeständnisse nachher in einer Weise widerrufe, die ihm Vorwürfe zuziehen würden, welche einem edlen Character unerträglich sein müßten? Seine Lage sei allerdings kritisch; aber in diesem, wie in anderen Fällen, werde es sich zeigen, daß der Pfad der Gerechtigkeit auch der Pfad der Weisheit sei.[113]
Obgleich sich Jakob in seiner Rede bei Eröffnung der Session gegen die Ansiedlungsacte erklärt hatte, sah er doch ein, daß diese Argumente unwiderleglich waren. Er hatte mehrere Conferenzen mit den leitenden Mitgliedern des Hauses der Gemeinen und empfahl dringend Mäßigung. Aber seine Vorstellungen stachelten die Leidenschaften, die er beschwichtigen wollte, nur noch mehr auf. Viele Mitglieder der eingebornen Gentry führten eine laute und heftige Sprache. Es sei unverschämt, sagten sie, von Rechten der Käufer zu sprechen. Wie könne Recht aus Unrecht hervorgehen? Leute, welche unrechtmäßig erworbenes Eigenthum kaufen könnten, müßten auch die Folgen ihrer Thorheit und Habsucht tragen. Es lag klar am Tage, daß das Unterhaus völlig unlenksam war. Vier Jahre früher hatte Jakob sich geweigert, dem dienstwilligsten Parlamente, das jemals in England getagt, das geringste Zugeständniß zu machen, und man hätte erwarten sollen, daß die Hartnäckigkeit, an der es ihm nie gefehlt, wenn sie ein Laster war, ihm auch jetzt nicht fehlen würde, wo sie eine Tugend gewesen wäre. Eine kurze Zeit lang schien er wirklich entschlossen, gerecht zu handeln. Er sprach sogar davon, das Parlament aufzulösen. Auf der andren Seite erklärten die Häupter der alten celtischen Familien ganz öffentlich, daß sie, wenn er ihnen ihr Erbe nicht zurückgebe, nicht für das seinige fechten würden. Seine eigenen Soldaten schmähten ihn in den Straßen von Dublin. Endlich beschloß er, sich, nicht mit Königsmantel und Krone, sondern in der Kleidung, in welcher er früher den Berathungen zu Westminster beizuwohnen pflegte, selbst ins Haus der Peers zu begeben und persönlich die Lords zu ersuchen, die Heftigkeit der Gemeinen zu zügeln. Aber als er eben zu diesem Zwecke in seinen Wagen steigen wollte, wurde er von Avaux zurückgehalten. Avaux nahm sich so eifrig wie nur irgend ein Irländer der Bills an, deren Einbringung die Gemeinen betrieben. Es war ihm genug, daß diese Bills Aussicht darauf eröffneten, die Feindschaft zwischen England und Irland unversöhnlich zu machen. Seine Vorstellungen bewogen Jakob, sich der offenen Opposition gegen die Aufhebung der Ansiedlungsacte zu enthalten. Indessen nährte der unglückliche Fürst doch noch immer eine schwache Hoffnung, daß das Gesetz, dessen Annahme die Gemeinen so eifrig wünschten, von den Peers verworfen oder wenigstens modificirt werden würde. Lord Granard, einer von den wenigen protestantischen Edelleuten, welche in diesem Parlamente saßen, verwendete sich energisch zu Gunsten des öffentlichen Vertrauens und der vernünftigen Politik. Der König ließ ihm seinen Dank dafür aussprechen. »Wir Protestanten,« sagte Granard zu Powis, der im Auftrage des Königs zu ihm kam, »sind gering an Zahl. Wir können wenig thun. Se. Majestät sollte seinen Einfluß bei den Katholiken aufbieten.« -- »Se. Majestät«, entgegnete Powis mit einem Schwure, »wagt nicht zu sagen was er denkt.« Wenige Tage darauf begegnete Jakob Lord Granard, als dieser eben nach dem Parlamentshause ritt. »Wohin wollen Sie, Mylord?« fragte der König. »Sire«, antwortete Granard, »ich will meinen Protest gegen die Aufhebung der Ansiedlungsacte einreichen.« -- »Sie haben Recht,« versetzte der König, »aber ich bin in die Hände von Leuten gefallen, die mir das und noch vieles Andre aufzwingen werden.«[114]
Jakob fügte sich dem Willen der Gemeinen; aber der ungünstige Eindruck, den sein kurzer und schwacher Widerstand auf sie gemacht, war durch seine Unterwerfung nicht zu verwischen. Sie betrachteten ihn mit großem Mißtrauen, sie waren überzeugt, daß er im Herzen ein Engländer sei und es verging kein Tag ohne ein Anzeichen von dieser Gesinnung. Sie beeilten sich nicht, ihm eine Geldunterstützung zu bewilligen. Eine Partei unter ihnen beabsichtigte eine Adresse, die ihn dringend auffordern sollte, Melfort als einen Feind ihrer Nation zu entlassen. Eine andre Partei entwarf eine Bill zur Absetzung aller protestantischen Bischöfe, selbst der vier, welche damals gerade im Parlamente saßen. Nicht ohne Mühe gelang es Avaux und Tyrconnel, deren Einfluß im Unterhause den des Königs bei weitem überwog, den Eifer der Majorität zu dämpfen.[115]
[Anmerkung 109: +Light to the Blind+; +An Act declaring that the Parliament of England cannot bind Ireland against Writs of Error and Appeals+, gedruckt in London, 1690.]
[Anmerkung 110: Das heißt derjenigen Irländer, welche nicht in ihrem Vaterlande wohnten. -- Der Übersetzer.]
[Anmerkung 111: +An Act concerning Appropriate Tythes and other Duties payable to Eclesiastical Dignitaries. London 1690.+]
[Anmerkung 112: +An Act for repealing the Acts of Settlement and Explanation, and all Grants, and Certificates pursuant to them or any of them. London 1690.+]
[Anmerkung 113: Siehe die Schrift, welche der Oberrichter Keating dem König Jakob überreichte, und die Rede des Bischofs von Meath. Beide befinden sich im Anhange zu King. +Life of James, II. 357--361.+]
[Anmerkung 114: +Leslie's Answer to King+; Avaux, 26. Mai (3. Juni) 1689; +Life of James, II. 358.+]
[Anmerkung 115: Avaux, 28. Mai (7. Juni) und 30. Juni (10. Juli). Der Verfasser von +Light to the Blind+ verwirft entschieden die den protestantischen Bischöfen, welche Jakob anhingen, bewiesene Nachsicht.]
[_Prägung schlechten Geldes._] Es ist bemerkenswerth, daß der König, während er das Vertrauen und die Zuneigung der irischen Gemeinen dadurch verlor, daß er auf der einen Seite die Institution des Eigenthums schwach gegen sie vertheidigte, auf einer andren Seite diese Institution mit einer Rücksichtslosigkeit angriff, welche womöglich noch stärker war als die ihrige. Er sah bald, daß kein Geld in seinen Schatz floß. Die Ursache war augenfällig genug. Mit dem Handel war es vorbei. Das bewegliche Kapital war in großen Massen aus der Insel weggezogen worden; von dem festen Kapital war viel zerstört, und das übrige lag todt da. Tausende von den Protestanten, welche den betriebsamsten und intelligentesten Theil der Bevölkerung bildeten, waren nach England ausgewandert. Tausend Andere hatten sich in die Städte geflüchtet, die sich noch für Wilhelm und Marien tapfer hielten. Von den in der Blüthe des Lebens stehenden katholischen Landleuten war die Mehrzahl in die Armee eingetreten oder hatte sich Plündererhorden angeschlossen. Die Armuth des Schatzes war die nothwendige Folge der Armuth des Landes; dem öffentlichen Wohlstande konnte nur durch Wiederherstellung des Privatwohlstandes aufgeholfen werden, und der Privatwohlstand konnte nur durch Jahre der Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt werden. Jakob war einfältig genug zu glauben, daß es ein rascheres und wirksameres Mittel gebe. Er glaubte sich ganz einfach dadurch mit einem Male aus seinen finanziellen Verlegenheiten reißen zu können, daß er einen Farthing einen Schilling nannte. Das Recht, Geld zu schlagen, war unstreitig eine Perle der Prärogative, und seiner Ansicht nach schloß das Recht, Geld zu schlagen, auch das Recht in sich, die Münzen zu verschlechtern. Töpfe, Pfannen, Thürhämmer, Kanonen, welche seit langer Zeit unbrauchbar waren, wurden in die Münze geschickt, und in Kurzem waren Massen geringhaltigen Geldes im Nominalwerthe von einer Million Pfund Sterling, die aber in Wirklichkeit nicht den sechsten Theil dieser Summe werth waren, in Circulation gesetzt. Ein königliches Edict erklärte diese Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel bei allen Vorkommnissen. Eine Hypothek von tausend Pfund wurde durch einen Sack voll Rechenpfennige, die aus alten Kesseln verfertigt waren, abgelöst. Den Gläubigern, die sich beim Kanzleigerichtshofe beschwerten, sagte Fitton, sie sollten ihr Geld nehmen und stillschweigen. Von allen Klassen aber hatten die Kleinhändler von Dublin, welche größtentheils Protestanten waren, die schwersten Verluste. Zuerst erhöhten sie natürlich ihre Preise; aber die Magistratsbehörde der Stadt begegnete dieser ketzerischen Machination durch Ausgabe eines die Preise regulirenden Tarifs. Jeder, der der jetzt dominirenden Kaste angehörte, konnte in einen Laden gehen, ein drei Pence werthes Geldstück auf den Ladentisch legen und dafür Waaren im Werthe von einer halben Guinee mitnehmen. Von gesetzlicher Abhilfe war keine Rede. Die Leidenden schätzten sich sogar glücklich, wenn sie durch Aufopferung ihres Geschäftsvermögens Sicherheit für ihre Glieder und ihr Leben erkaufen konnten. Es gab keinen Bäckerladen in der Stadt, der nicht beständig von zwanzig bis dreißig Soldaten belagert gewesen wäre. Einige Personen, die das schlechte Geld nicht nehmen wollten, wurden von Soldaten festgenommen und vor den Generalprofoß geführt, der sie mit Flüchen und Verwünschungen überhäufte, sie in dunkle Zellen einsperren ließ und durch die Drohung, sie an ihren eigenen Thüren aufhängen zu wollen, ihren Widerstand bald besiegte. Von allen Plagen der damaligen Zeit machte keine einen tieferen und nachhaltigeren Eindruck auf die Gemüther der Protestanten Dublin's als die Plage des Kupfergeldes.[116] Den Erinnerungen an die Bestürzung und Noth, welche Jakob's Münzen verursacht hatten, muß zum Theil der beharrliche Widerstand zugeschrieben werden, den fünfunddreißig Jahre später zahlreiche, dem Hause Hannover treuergebene Klassen in der Angelegenheit des Wood'schen Patents der Regierung Georg's I. entgegensetzten.
Es kann nicht bestritten werden, daß Jakob, indem er so aus eigner Machtvollkommenheit die Bedingungen aller Contracte im ganzen Königreiche umstürzte, sich eine Befugniß anmaßte, welche nur der gesammten Legislatur zukam. Dennoch remonstrirten die Gemeinen nicht dagegen. Es gab keine Befugniß, mochte sie auch noch so verfassungswidrig sein, die sie ihm nicht zuzugestehen bereit waren, so lange er sie zur Mißhandlung und Ausplünderung der englischen Bevölkerung anwendete. Dagegen respectirten sie keine auch noch so alte, noch so gesetzliche und noch so heilsame Prärogative, wenn sie besorgten, daß er sich derselben bedienen könnte, um die verabscheute Race zu beschützen. Sie ruhten nicht eher, als bis sie ihm die mit Widerstreben ertheilte Genehmigung eines empörenden Gesetzes, eines Gesetzes, das in der Geschichte der civilisirten Länder seines Gleichen nicht hat, der großen Verurtheilungsacte (+Bill of attainder+) erpreßt hatten.
[Anmerkung 116: +King, III. 11+; +Brief Memoirs by Haynes, Assay Master of the Mint+, unter den Lansdownmanuscripten im britischen Museum, Nr. 801. Ich habe mehrere solche Münzen gesehen. Die Ausführung ist, in Berücksichtigung aller Umstände, überraschend gut.]
[_Die große Verurtheilungsacte._] Es wurde eine Liste zusammengestellt, welche zwischen zwei- und dreitausend Namen enthielt. An der Spitze standen die Hälfte der Peers von Irland. Dann kamen Baronets, Ritter, Geistliche, Squires, Kaufleute, Landwirthe, Handwerker, Frauen und Kinder. Eine Untersuchung fand nicht statt. Jedes Mitglied, das sich eines Gläubigers, eines Nebenbuhlers, eines Privatfeindes entledigen wollte, gab dem Sekretär den Namen an, und er wurde in der Regel ohne Discussion in die Liste eingetragen. Die einzige Debatte, von der eine Nachricht auf uns gekommen ist, bezog sich auf den Earl von Strafford. Er hatte Freunde im Hause, die es wagten, etwas zu seinen Gunsten anzuführen. Doch wenige Worte aus dem Munde Simon Luttrell's entschieden die Sache. »Ich habe,« sagte er, »den König einige harte Äußerungen über diesen Lord thun hören.« Dies wurde für genügend erachtet, und der Name Strafford nimmt in der langen Liste der Proscribirten die fünfte Stelle ein.[117]
Es wurden bestimmte Tage festgesetzt, bis zu welchen Diejenigen, deren Namen auf der Liste standen, sich einer Justiz stellen mußten, wie sie damals gegen die englischen Protestanten in Dublin ausgeübt wurde. Befand sich die proscribirte Person in Irland, so mußte sie sich am 10. August stellen. War sie seit dem 5. November 1688 von Irland abwesend, so mußte sie sich am 1. September stellen. Hatte sie Irland vor dem 5. November 1688 verlassen, so mußte sie sich am 1. October stellen. Erschien sie an dem festgesetzten Tage nicht, so sollte sie ohne Prozeß aufgehängt, geschleift und geviertheilt und ihr Vermögen confiscirt werden. Es konnte einem Proscribirten physisch unmöglich sein, sich bis zu der durch die Acte festgesetzten Zeit zu stellen. Er konnte bettlägerig sein, er konnte sich in Westindien aufhalten oder er konnte im Gefängniß sitzen. Solche Fälle waren in der That notorisch vorhanden. Unter den verurtheilten Lords befand sich auch Mountjoy. Er war durch Tyrconnel's Niederträchtigkeit bewogen worden, vertrauensvoll nach Saint-Germains zu gehen, war in die Bastille geworfen worden, wo er noch saß, und das irische Parlament schämte sich nicht zu verfügen, daß, wenn er nicht binnen wenigen Wochen aus seiner Zelle entkommen und sich in Dublin stellen könne, er hingerichtet werden solle.[118]