Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12

Part 19

Chapter 193,335 wordsPublic domain

Die Gesinnungen des irischen Jakobiten waren ganz andrer, und man muß es offen gestehen, edlerer Art. Die gestürzte Dynastie galt ihm nichts. Es war ihm nicht, wie dem Cavalier von Cheshire oder Shropshire, von der Wiege an gelehrt worden, treue Anhänglichkeit an jene Dynastie als die erste Pflicht eines Christen und eines Edelmannes zu betrachten. Alle seine Familientraditionen, alle Lehren, die er von seiner Amme und von seinen Priestern empfangen, hatten eine ganz andre Tendenz gehabt. Er war dazu angehalten worden, die fremden Beherrscher seines Vaterlandes mit dem Gefühle zu betrachten, mit dem der Jude Caesar, der Schotte Eduard I., der Castilianer Joseph Bonaparte, der Pole den russischen Autokraten betrachtet. Der hochadelige Milesier bildete sich etwas darauf ein, daß vom 12. bis zum 17. Jahrhundert jede Generation seiner Familie gegen die englische Krone unter Waffen gestanden hatte. Seine ältesten Ahnen hatten gegen Fitzstephen und De Burgh gekämpft, sein Urgroßvater hatte die Soldaten Elisabeth's in der Schlacht am Blackwater geschlagen. Sein Großvater hatte mit O'Donnel gegen Jakob I. conspirirt. Sein Vater hatte unter Phelim O'Neil gegen Karl I. gefochten. Die Confiscation des Familiengutes war durch eine Acte Karl's II. bestätigt worden. Kein Puritaner, der von Laud vor die Hohe Commission citirt worden war, der unter Cromwell bei Naseby gekämpft, der kraft der Conventikelacte verfolgt worden war und der sich wegen seiner Betheiligung an dem Ryehousecomplot hatte verbergen müssen, war dem Hause Stuart weniger zugethan als die O'Hara und die Macmahon, von deren Unterstützung das Schicksal dieses Hauses jetzt abzuhängen schien.

Der feststehende Vorsatz dieser Männer war, das fremde Joch abzuschütteln, die sächsische Ansiedelung zu vertilgen, die protestantische Kirche zu zerstören und den Boden seinen früheren Eigenthümern zurückzugeben. Um diese Zwecke zu erreichen, würden sie sich ohne das mindeste Bedenken gegen Jakob erhoben haben, und um diese Zwecke zu erreichen, erhoben sie sich für ihn. Die irischen Jakobiten wünschten daher keineswegs, daß er wieder in Whitehall regieren möchte, denn sie mußten nothwendig einsehen, daß ein Beherrscher von Irland, der zugleich Beherrscher von England war, die Verwaltung des kleinen und ärmeren Königreichs nicht lange würde in directem Widerspruch mit der Gesinnung des größeren und reicheren leiten wollen, und, wenn er auch gewollt hätte, nicht würde leiten können. Ihr eigentlicher Wunsch war, daß beide Kronen völlig getrennt werden und daß ihre Insel, ob unter Jakob oder ohne Jakob kümmerte sie wenig, einen abgesonderten Staat unter dem mächtigen Schutze Frankreich's bilden möchte.

Während eine Partei im Staatsrathe zu Dublin Jakob als ein bloßes Werkzeug zur Durchführung der Befreiung Irland's betrachtete, betrachtete eine andre Partei Irland als ein bloßes Werkzeug zur Herbeiführung der Restauration Jakob's. In den Augen der englischen und schottischen Lords und Gentlemen, die ihn von Brest aus begleitet hatten, war die Insel, auf der sie gegenwärtig weilten, nichts als eine Brücke, auf der sie nach Großbritannien zu gelangen hofften. Sie waren noch ebensosehr Verbannte, als sie es in Saint-Germains gewesen, und sie hielten sogar Saint-Germains für einen viel angenehmeren Verbannungsort als das Dubliner Schloß. Sie sympathisirten nicht mit der eingebornen Bevölkerung der entlegenen und halb barbarischen Region, in die ein sonderbarer Zufall sie geführt. Ja sie waren sogar durch gemeinsame Abkunft wie durch gemeinsame Sprache mit der Colonie verbunden, deren Ausrottung der Hauptzweck der eingebornen Bevölkerung war. Sie hatten in der That, wie die große Masse ihrer Landsleute, die eingebornen Irländer mit höchst ungerechter Verachtung angesehen, weil sie sie als den anderen europäischen Nationen nicht nur an erworbenen Kenntnissen, sondern auch an natürlicher Intelligenz und natürlichem Muth nachstehend, kurz als geborne Gibeoniten betrachteten, gegen die man sich sehr liberal gezeigt, indem man ihnen erlaubt hatte, für ein klügeres und mächtigeres Volk Holz zu hauen und Wasser zu tragen. Diese Politiker meinten auch -- und darin hatten sie unzweifelhaft Recht -- daß, wenn es der Endzweck ihres Gebieters sei, den englischen Thron wieder zu erlangen, es Wahnsinn von ihm sein würde, sich der Führung der O und der Mac zu überlassen, welche England mit tödtlicher Feindschaft betrachteten. Ein Gesetz, das die irische Krone für unabhängig erklärte, ein Gesetz, das Mitren, Kirchengüter und Zehnten von der protestantischen auf die katholische Kirche übertrug, ein Gesetz, das zehn Millionen Acker Land von den Sachsen auf die Celten übertrug, würde, in Clare und Tipperary ohne Zweifel mit lautem Beifall aufgenommen werden. Aber welchen Eindruck würden diese Gesetze in Westminster, welchen in Oxford gemacht haben? Es wäre eine traurige Politik gewesen, sich Männer wie Clarendon und Beaufort, Ken und Sherlock zu entfremden, um den Beifall der Rapparees vom Allen-Moor zu erlangen.[68]

So lagen die englischen und irischen Factionen im Rathe zu Dublin in einem Streite, der keine gütliche Beilegung zuließ. Avaux betrachtete inzwischen diesen Streit aus einem ihm ganz eigenthümlichen Gesichtspunkte. Sein Ziel war weder die Emancipation Irland's, noch die Wiedereinsetzung Jakob's, sondern die Größe der französischen Monarchie. Auf welchem Wege dieses Ziel am besten erreicht werden konnte, war allerdings ein sehr schwieriges Problem. Ein französischer Staatsmann mußte unzweifelhaft eine Contrerevolution in England wünschen. Eine solche Contrerevolution mußte nothwendig zur Folge haben, daß die Macht, welche Frankreich's furchtbarster Feind war, sein treuester Bundesgenosse wurde, daß Wilhelm zur Bedeutungslosigkeit herabsank und daß die europäische Coalition, deren Haupt er war, sich auflöste. Aber welche Aussicht war auf eine solche Contrerevolution? Die englischen Verbannten hofften allerdings, wie alle Verbannten, zuversichtlich auf eine baldige Rückkehr in ihr Vaterland. Jakob rühmte sich laut, daß seine Unterthanen jenseit des Kanals, obgleich durch die verführerischen Worte Religion, Freiheit und Eigenthum auf einen Augenblick irre geleitet, ihm im Grunde aufrichtig zugethan seien und sich um ihn schaaren würden, sobald er in ihrer Mitte erschiene. Aber der kluge Gesandte bemühte sich vergebens, einen haltbaren Grund für diese Hoffnungen zu entdecken. Er wußte gewiß, daß sie sich nicht auf eine aus irgend welchem Theile Großbritanniens angelangte Nachricht stützten und er betrachtete sie lediglich als Träume eines schwachen Geistes. Er hielt es für unwahrscheinlich, daß der Usurpator, dessen Talent und Entschlossenheit er während eines zehnjährigen ununterbrochenen Kampfes würdigen gelernt hatte, sich den durch so gewaltige Anstrengungen und durch so gelehrte Combinationen errungenen großen Preis leicht wieder werde entreißen lassen. Es mußte daher erwogen werden, welches Arrangement für Frankreich am vortheilhaftesten sein würde, im Fall es sich als unmöglich herausstellte, Wilhelm aus England zu vertreiben. Und es lag auf der Hand, daß, wenn Wilhelm nicht aus England vertrieben werden konnte, das für Frankreich vortheilhafteste Arrangement das sein mußte, welches man anderthalb Jahre früher, als Jakob keine Aussicht auf einen männlichen Erben hatte, im Sinne gehabt. Irland mußte von der englischen Krone losgetrennt, von den englischen Colonisten gesäubert, wieder mit der römischen Kirche vereinigt, unter den Schutz des Hauses Bourbon gestellt und in allen Beziehungen, den Namen ausgenommen, zu einer französischen Provinz gemacht werden. Im Kriege standen dann seine Hülfsquellen seinem Schutzherrn zur unumschränkten Verfügung; es lieferte seinem Heere Rekruten, bot seiner Flotte schöne Häfen dar, welche alle großen westlichen Kanäle des englischen Handels beherrschten, und die starke nationale und religiöse Antipathie, mit der seine eingeborne Bevölkerung die Bewohner der Nachbarinsel betrachtete, war eine hinreichende Garantie für ihre Treue gegen die Regierung, welche allein sie gegen die Sachsen schützen konnte.

Im Ganzen genommen schien es daher Avaux, daß von den beiden Parteien, in welche der Dubliner Geheimrath gespalten war, die irische Partei diejenige sei, welche zu unterstützen im Interesse Frankreich's lag. In Folge dessen verband er sich innig mit den Häuptern dieser Partei, erlangte von ihnen die vollständigsten Aufschlüsse über Alles was sie beabsichtigten, und war bald im Stande seiner Regierung zu berichten, daß die Gentry sowohl als das gemeine Volk durchaus nicht abgeneigt seien, französisch zu werden.[69]

Die Ansichten Louvois', unstreitig des größten Staatsmannes, den Frankreich seit Richelieu hervorgebracht hatte, scheinen mit denen Avaux' völlig übereingestimmt zu haben. Das Beste, schrieb Louvois, was König Jakob thun könne, sei, zu vergessen, daß er in Großbritannien regiert habe, und nur daran zu denken, Irland in eine gute Verfassung zu bringen und sich darin festzusetzen. Ob dies das wirkliche Interesse des Hauses Stuart war, darf wohl bezweifelt werden; jedenfalls aber war es das wirkliche Interesse des Hauses Bourbon.[70]

Über die schottischen und englischen Verbannten, und besonders über Melfort, ließ sich Avaux beständig mit einer Schärfe aus, die man von einem so einsichtsvollen und erfahrenen Manne kaum hätte erwarten sollen. Melfort befand sich in einer eigenthümlich unglücklichen Lage. Er war ein Renegat, er war ein Todfeind der Freiheiten seines Vaterlandes, er besaß einen schlechten und tyrannischen Character, und doch war er in gewissem Sinne ein Patriot. Die Folge davon war, daß er allgemeiner verabscheut wurde als irgend einer seiner Zeitgenossen. Denn während sein Abfall und seine Willkürherrschaftsmaximen ihn zum Gegenstande des Abscheus für England und Schottland machten, wurde er wegen seiner ängstlichen Sorge für das Ansehen und die Integrität des Reichs auch von den Irländern und Franzosen verabscheut.

Die erste zu entscheidende Frage war, ob Jakob in Dublin bleiben, oder ob er sich an die Spitze seiner Armee in Ulster stellen sollte. Über diese Frage geriethen die irischen und die britischen Factionen hart aneinander. Auf beiden Seiten wurden Gründe von keinem besonderen Gewicht geltend gemacht, denn keine der beiden Parteien wagte es, sich unumwunden darüber auszusprechen. Der eigentliche streitige Punkt war, ob der König in irischen oder in britischen Händen sein sollte. Blieb er in Dublin, so war es ihm kaum möglich, irgend einer Bill, die ihm von dem Parlament, welches er dahin berufen, vorgelegt wurde, seine Zustimmung zu verweigern. Er war dann gezwungen, unschuldige protestantische Gentlemen und Geistliche zu Hunderten zu berauben, vielleicht gar zu verurtheilen, und dadurch mußte er seiner Sache jenseit des St. Georgkanals nicht wieder gut zu machenden Schaden thun. Begab er sich hingegen nach Ulster, so war er nur wenige Segelstunden von Großbritannien entfernt. Sobald Londonderry gefallen war, und man war allgemein der Ansicht, daß es sich nicht lange werde halten können, konnte er sich mit einem Theile seiner Truppen einschiffen und in Schottland landen, wo seine Freunde für zahlreich gehalten wurden. War er aber einmal auf britischem Boden und unter britischen Anhängern, so lag es nicht mehr in der Macht der Engländer, seine Zustimmung zu ihren Beraubungs- und Racheplänen zu erzwingen.

[Anmerkung 68: Ein interessanter Brief vom Bischof Maloney an den Bischof Tyrrel, den man im Anhange zu King's +State of the Protestants+ findet, bringt viel Licht in den Streit zwischen englischen und irischen Parteien in Jakob's Geheimen Rathe.]

[Anmerkung 69: Avaux, 25. März (4. April), 13.(23.) April 1689. Ich habe mir jedoch weniger aus einem einzelnen Briefe als aus der ganzen Tendenz und dem ganzen Geiste der Correspondenz Avaux' meine Ansicht über seine Pläne gebildet.]

[Anmerkung 70: +»Il faut donc, oubliant qu'il a esté Roy d'Angleterre et d'Ecosse, ne penser qu'à ce qui peut bonifier l'Irlande, et luy faciliter les moyens d'y subsister.«+ Louvois an Avaux. 3.(13.) Juni 1689.]

[_Jakob beschließt nach Ulster zu gehen._] Die Debatten im Staatsrathe waren lang und heiß. Tyrconnel, der eben zum Herzog erhoben worden war, rieth seinem Gebieter in Dublin zu bleiben. Melfort drang in Se. Majestät, daß er nach Ulster gehen solle. Avaux bot seinen ganzen Einfluß zur Unterstützung Tyrconnel's auf; aber Jakob, dessen persönliche Neigung natürlich für die britische Seite der Frage war, beschloß dem Rathe Melfort's zu folgen.[71] Avaux fühlte sich tief gekränkt. In seinen officiellen Schreiben drückte er mit großer Bitterkeit seine Verachtung des Characters und des Verstandes des Königs aus. Über Tyrconnel, welcher gesagt hatte, er verzweifle an dem Glückssterne Jakob's und die eigentliche Frage schwebe zwischen dem Könige von Frankreich und dem Prinzen von Oranien, sprach sich der Gesandte in Worten aus, die ein warmes Lob sein sollten, aber vielleicht mit mehr Recht ein Tadel genannt werden dürften. »Wenn er ein Franzose wäre, könnte er keinen größeren Eifer für die Interessen Frankreich's an den Tag legen.«[72] Dagegen wurde Melfort's Benehmen mit einem Tadel bedacht, der einem Lobspruche sehr ähnlich steht: »Er ist weder ein guter Irländer, noch ein guter Franzos. Alle seine Neigungen concentriren sich auf sein Vaterland.«[73]

[Anmerkung 71: Siehe die Depeschen Avaux' vom April 1689; +Light to the Blind.+]

[Anmerkung 72: Avaux, 6.(16.) April 1689.]

[Anmerkung 73: Avaux, 8.(18.) Mai 1689.]

[_Jakob's Reise nach Ulster._] Da der König nun einmal beschlossen hatte, nach dem Norden zu gehen, so hielt Avaux es nicht für gerathen zurückzubleiben. Die königliche Reisegesellschaft brach auf, Tyrconnel in Dublin zurücklassend, und kam am 13. April in Charlemont an. Es war eine sonderbare Reise. Längs des ganzen Weges war das Land von der betriebsamen Bevölkerung verlassen und durch Räuberbanden verwüstet. »Es ist als wenn man durch die Wüsten Arabiens reiste,« sagte einer der französischen Offiziere.[74] Was die Colonisten nur irgend hatten fortbringen können, befand sich in Londonderry oder Enniskillen. Das Übrige war gestohlen oder vernichtet. Avaux schrieb seinem Hofe, daß er mehrere Meilen weit nach Heu für seine Pferde habe schicken müssen. Kein Landmann wagte es, etwas zum Verkauf zu bringen, aus Furcht daß es ihm unterwegs von einem Herumstreicher abgenommen werden möchte. Einmal mußte der Gesandte die Nacht in einer elenden Schenkstube voll rauchender Soldaten, ein andermal in einem demolirten Hause ohne Fenster oder Läden zum Schutze gegen den Regen zubringen. In Charlemont erlangte man mit großer Mühe und nur durch besondere Gunst einen Sack Hafermehl für die französische Gesandtschaft. Weizenbrot gab es nur auf der Tafel des Königs, der ein wenig Mehl von Dublin mitgenommen und dem Avaux einen Diener geliehen hatte, welcher das Backen verstand. Wer die Ehre hatte, zur königlichen Tafel geladen zu werden, bekam Brot und Wein zugemessen. Jeder Andre, so vornehm er immer sein mochte, aß Haferbrot und trank Wasser oder ein abscheuliches Bier, das aus Hafer, anstatt aus Gerste gebraut und mit einem namenlosen Kraute an Stelle des Hopfens gewürzt war.[75] Und die Fama sagte, daß die Gegend zwischen Charlemont und Strabane noch verödeter sein sollte als die Gegend zwischen Dublin und Charlemont. Es war unmöglich, einen großen Vorrath von Proviant mit sich zu führen. Die Wege waren so schlecht und die Pferde so schwach, daß die Baggagewagen alle weit zurückgeblieben waren. Es fehlte daher den Oberoffizieren der Armee an dem Nothwendigsten, und die Mißstimmung, eine natürliche Folge dieser Entbehrungen, wurde noch vermehrt durch die Theilnahmlosigkeit Jakob's, der es gar nicht zu bemerken schien, daß es seinen Begleitern an dem nöthigen Comfort gebrach.[76]

Am 14. April reiste der König mit seinem Gefolge weiter nach Omagh. Es war regnerisch und windig, die Pferde vermochten kaum sich dem Sturme entgegen durch den Schmutz zu arbeiten, und der Weg war häufig von Gießbächen durchschnitten, welche fast Flüsse genannt werden konnten. Die Reisenden mußten mehrere Furthen passiren, wo das Wasser den Pferden bis an die Brust ging. Einige von der Gesellschaft waren ganz erschöpft von Hunger und Anstrengung. Das ganze Land ringsumher war eine grauenvolle Wildniß. Auf einer Strecke von vierzig Meilen zählte Avaux nur drei elende Hütten. Sonst war Alles Felsen, Sumpf und Moor. Als die Reisenden endlich Omagh erreichten, fanden sie es in Trümmern. Die Protestanten, welche die Mehrheit der Einwohner bildeten, waren geflohen und hatten kein Bund Stroh, kein Faß Branntwein zurückgelassen. Die Fenster waren zerbrochen, die Kamine zertrümmert, sogar die Schlösser und Riegel waren von den Thüren losgerissen.[77]

Avaux hatte nicht aufgehört, den König zur Rückkehr nach Dublin aufzufordern; aber seine Vorstellungen waren bisher erfolglos geblieben. Jakob's Starrsinn war jedoch ein solcher, der mit männlicher Entschlossenheit nichts gemein hatte und über den zwar Vernunftgründe nichts vermochten, der aber durch Launen leicht zu erschüttern war. In Omagh erhielt er am Morgen des 16. April Briefe, die ihn sehr besorgt machten. Er erfuhr, daß ein starkes Corps Protestanten in Strabane unter Waffen stand und daß unweit der Mündung des Foylesees englische Kriegsschiffe gesehen worden waren. Drei Boten wurden in einer Minute an Avaux abgeschickt, um ihn in das verfallene Gemach zu bescheiden, in welchem das königliche Bett aufgeschlagen worden. Hier kündigte Jakob, halb angekleidet und mit der Miene eines Mannes, den ein vernichtender Schlag getroffen, ihm seinen Entschluß an, auf der Stelle nach Dublin zurückzueilen. Avaux vernahm diese Mittheilung mit Erstaunen und billigte den Entschluß des Königs. Melfort schien in völliger Verzweiflung zu sein. Die Reisenden kehrten also um und kamen spät am Abend wieder in Charlemont an. Hier empfing der König Depeschen ganz andren Inhalts wie die, welche ihn vor einigen Stunden erschreckt hatten. Die Protestanten, die sich bei Strabane gesammelt hatten, waren von Hamilton angegriffen worden. Unter einem rechtschaffenen Anführer würden sie wahrscheinlich Stand gehalten haben. Aber Lundy, der sie befehligte, hatte ihnen gesagt, daß Alles verloren sei, hatte ihnen geheißen, auf ihre Rettung bedacht zu sein, und hatte ihnen selbst das Beispiel zur Flucht gegeben.[78] In Folge dessen hatten sie sich in Unordnung nach Londonderry zurückgezogen. Die Correspondenten des Königs erklärten es für eine Unmöglichkeit, daß Londonderry sich halten könne. Se. Majestät brauche nur vor den Thoren zu erscheinen und sie würden augenblicklich geöffnet werden. Dies brachte Jakob wieder auf andere Gedanken, er machte sich Vorwürfe, daß er sich zur Rückkehr nach dem Süden hatte überreden lassen, und er bestellte seine Pferde, obgleich es schon spät Abends war. Die Pferde waren fast gänzlich erschöpft und ausgehungert; trotzdem aber wurden sie gesattelt. Melfort geleitete seinen Gebieter triumphirend ins Lager. Avaux erklärte nach erfolglosen Gegenvorstellungen, daß er entschlossen sei, nach Dublin zurückzukehren. Man darf annehmen, daß die großen Unbequemlichkeiten, die er bisher zu ertragen gehabt, einigen Antheil an diesem Entschlusse hatten, denn Klagen über diese Unbequemlichkeiten füllen einen großen Theil seiner Briefe, und in der That war auch der langjährige Aufenthalt in den Palästen Italiens, in den sauberen Zimmern und Gärten Holland's und in den prächtigen Pavillons der pariser Vorstädte eine schlechte Vorbereitung auf die verfallenen Hütten von Ulster. Seinem Gebieter aber führte er für seine Weigerung, mit nach dem Norden zu gehen, einen gewichtigeren Grund an. Jakob's Reise war im Widerspruch mit der einstimmigen Meinung der Irländer unternommen worden und hatte ernste Besorgnisse unter ihnen erweckt, sie fürchteten, daß er sie verlassen wolle, um eine Landung in Schottland zu versuchen, und sie wußten, daß er, war er einmal in Großbritannien gelandet, weder den Willen noch die Macht haben würde das zu thun, was sie am meisten wünschten. Indem sich nun Avaux weigerte, Jakob weiter zu begleiten, gab er ihnen einen Beweis, daß, wer sie auch sonst verrathen möchte, Frankreich ihr steter Freund bleiben werde.[79]

Während Avaux sich auf dem Rückwege nach Dublin befand, eilte Jakob nach Londonderry. Er fand seine Armee einige Meilen südlich von der Stadt concentrirt. In seinem Gefolge befanden sich die französischen Generäle, welche mit ihm von Brest abgesegelt waren, und zwei von ihnen, Rosen und Maumont, wurden über Richard Hamilton gestellt.[80] Rosen war ein geborner Liefländer, der in früher Jugend ein Glückssoldat geworden, der sich zur Auszeichnung emporgekämpft hatte und der, obgleich ihm die den Hof von Versailles characterisirenden körperlichen und geistigen Vorzüge gänzlich abgingen, dennoch daselbst in hoher Gunst stand. Er besaß ein heftiges Temperament und rohe Manieren, und seine Sprache war ein seltsames Gemisch verschiedenartiger französischer und deutscher Dialecte. Selbst Diejenigen, welche die beste Meinung von ihm hegten und behaupteten, seine rauhe Außenseite berge einige gute Eigenschaften, mußten zugestehen, daß sein Äußeres gegen ihn sprach und daß es ihnen nicht angenehm sein würde, wenn sie im Dunklen an einem Waldsaume einer solchen Gestalt begegneten.[81] Das Wenige, was man von Maumont weiß, gereicht ihm zur Ehre.

[Anmerkung 74: Pusignan an Avaux, 30. März (9. April) 1689.]

[Anmerkung 75: Dieser traurige Bericht über das irische Bier ist einer Depesche entlehnt, welche Desgrigny von Cork aus an Louvois schrieb und die sich in den Archiven des französischen Kriegsministeriums befindet.]

[Anmerkung 76: Avaux, 13.(23.), 20.(30.) April 1689.]

[Anmerkung 77: Avaux an Ludwig vom 15.(25.) April 1689, und an Louvois von dem nämlichen Datum.]

[Anmerkung 78: +Commons' Journals, Aug. 12. 1689+; +MacKenzie's Narrative.+]

[Anmerkung 79: Avaux, 17.(27.) April 1689. Die Geschichte dieses sonderbaren Planwechsels ist in +Life of James, II. 330--332. Orig Mem.+ ganz unrichtig erzählt.]

[Anmerkung 80: +Life of James, II. 334, 335. Orig. Mem.+]

[Anmerkung 81: Memoiren Saint-Simon's. Einige englische Schriftsteller sind der irrigen Meinung, Rosen sei damals schon Marschall von Frankreich gewesen. Dies wurde er erst 1703. Er war lange Maréchal de Camp gewesen, was etwas ganz Andres ist, und war kürzlich zum Generalleutnant befördert worden.]