Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12

Part 17

Chapter 173,245 wordsPublic domain

Die Zerstörung von Eigenthum, welche binnen wenigen Wochen stattfand, wäre unglaublich, würde sie nicht durch einander fern stehende und ganz verschiedenen Interessen ergebene Zeugen bestätigt. Die Schilderungen von Protestanten, welche während jener Schreckensherrschaft mit Lebensgefahr nach England entkamen, und die von Gesandten, Commissarien und Heerführern Ludwig's stimmen genau, mitunter sogar wörtlich überein. Alle erklärten einstimmig, daß es vieler Jahre bedürfen werde, um die Verwüstungen wieder gut zu machen, welche das bewaffnete Landvolk in einigen Wochen angerichtet habe.[40] Mehrere von der sächsischen Aristokratie besaßen glänzend möblirte Schlösser mit Schränken, die von Silbergeschirr strotzten. All' dieser Reichthum verschwand. In einem Hause, welches für dreitausend Pfund Sterling Silberzeug enthalten hatte, blieb nicht ein einziger Löffel.[41] Der Hauptreichthum Irland's aber bestand in Vieh. Zahllose Schaf- und Rinderheerden bedeckten diesen ungeheuren, durch die Feuchtigkeit des Atlantischen Oceans befruchteten Wiesenteppich. Mehr als ein Gentleman besaß zwanzigtausend Stück Schafe und viertausend Rinder. Die Freibeuter, welche jetzt das Land überzogen, gehörten einer Klasse an, welche gewohnt war, von Kartoffeln und saurer Milch zu leben, und die das Fleisch jederzeit als einen nur den Reichen zu Gebote stehenden Luxus betrachtet hatten. Diese Leute schwelgten anfangs im Genusse von Rind- und Hammelfleisch, wie die rohen Horden, die sich vor Alters aus den Wäldern des Nordens über Italien ergossen, im Genusse der kostbarsten Weine schwelgten. Die Protestanten schilderten mit Abscheu und Ekel die unglaubliche Gefräßigkeit ihrer befreiten Sklaven. Die geschlachteten Thiere wurden halb roh und halb zu Kohle verbrannt, bald noch blutend, bald schon im Zustande der Verwesung, in Stücke zerrissen und ohne Salz, Brot oder Gemüse verschlungen. Diejenigen, welche gekochtes Fleisch vorzogen, machten, da es ihnen oft an Kesseln fehlte, mit gutem Erfolge den Versuch, einen ganzen Ochsen in seiner eignen Haut zu kochen. Es existirt noch eine alberne Tragikomödie, welche in diesem und dem darauffolgenden Jahre auf einem kleinen Theater zum Ergötzen des englischen Pöbels aufgeführt wurde. Ein Haufen halbnackter Wilder erschien, ein celtisches Lied brüllend und um einen Ochsen herumtanzend, auf der Bühne. Hierauf begannen sie von dem lebenden Thiere Stücke loszuschneiden und das blutende Fleisch auf die Kohlen zu werfen. Die Barbarei und Scheußlichkeit der Freßgelage der »Rapparees« war in der That so arg, daß die Dramatiker in Grub Street sie kaum zu karrikiren vermochten. Mit dem Eintritt der Fastenzeit hörten die Plünderer im Allgemeinen auf zu schwelgen, aber sie fuhren fort zu zerstören. Ein Bauer war im Stande eine Kuh zu tödten, bloß um ein Paar Schuhe zu bekommen. Oft wurde eine ganze Heerde Schafe oder fünfzig bis sechzig Stück Rinder geschlachtet, die Thiere abgezogen, die Vließe und Häute mitgenommen und die Cadaver liegen gelassen, um die Luft zu verpesten. Der französische Gesandte berichtete seinem Gebieter, daß in Zeit von sechs Wochen funfzigtausend Stück Hornvieh auf diese Art getödtet worden seien und nun im ganzen Lande unter freiem Himmel verfaulten. Die Zahl der in dem nämlichen Zeitraum geschlachteten Schafe soll sich auf drei- bis viermalhunderttausend Stück belaufen haben.[42]

Jede Schätzung, die man jetzt von dem Werthe des Eigenthums machen kann, das während jenes furchtbaren Racenkampfes zerstört wurde, muß nothwendig sehr ungenau sein. Indessen fehlt es uns nicht gänzlich an Material zu einer solchen Schätzung. Die Quäker waren weder eine sehr zahlreiche noch eine sehr wohlhabende Klasse. Wir dürfen schwerlich annehmen, daß sie mehr als ein Fünfzigstel der protestantischen Bevölkerung Irland's bildeten oder daß sie mehr als ein Fünfzigstel des protestantischen Vermögens in Irland besaßen. Überdies wurden sie unzweifelhaft schonender behandelt als irgend eine andre protestantische Secte. Jakob war stets für sie eingenommen gewesen, sie gestehen selbst, daß Tyrconnel sein Möglichstes that, um sie zu schützen, und sie scheinen selbst vor den Augen der Rapparees Gnade gefunden zu haben.[43] Und doch schlugen die Quäker ihre pekuniären Verluste auf hunderttausend Pfund Sterling an.[44]

[Anmerkung 37: Im französischen Kriegsministerium befindet sich ein Bericht über den Zustand Irland's im Februar 1689. In diesem Bericht heißt es, daß die Zahl der als Soldaten eingereihten Irländer fünfundvierzigtausend betrage, daß sie aber auf hunderttausend gestiegen sein würde, wenn Alle die sich freiwillig stellten, angenommen worden wären. Siehe auch: +The Sad and Lamentable Condition of the Protestants in Ireland, 1689+; +Hamilton's True Relation, 1690+; +The State of Papist and Protestant Properties in the Kingdom of Ireland, 1689+; +A true Representation to the King and People of England how Matters were carried on all along in Ireland, licensed Aug. 16. 1689+; +Letter from Dublin, 1689+; +Ireland's Lamentation, 1689+; +Compleat History of the Life and Military Actions of Richard, Earl of Tyrconnel, Generalissimo of all the Irish forces now in arms, 1689.+]

[Anmerkung 38: Siehe die Verhandlungen in den +State Trials+.]

[Anmerkung 39: +King, III. 10.+]

[Anmerkung 40: Zehn Jahre, sagt der französische Gesandte; zwanzig Jahre, sagt ein protestantischer Flüchtling.]

[Anmerkung 41: +Animadversions an the proposal for sending back the nobility and gentry of Ireland, 1689/90.+]

[Anmerkung 42: +King, III. 10+; +The Sad Estate and Condition of Ireland, as represented in a Letter from a Worthy Person who was in Dublin on Friday last, March 4. 1689+; +Short View by a Clergyman, 1689+; +Lamentation of Ireland, 1689+; +Compleat History of the Life and Actions of Richard, Earl of Tyrconnel, 1689+; +The Royal Voyage+, aufgeführt 1689 und 1690. Dieses Stück, das, wenn ich nicht irre, in der Bartholomäusmesse gegeben wurde, ist eines der interessantesten von einer interessanten Gattung von Compositionen, welche zwar jedes literarischen Werthes ermangeln, aber deshalb von Bedeutung sind, weil sie zeigen, was damals die erfolgreichste Lockspeise für ein aus gemeinem Volke bestehendes Publikum war. »Der Zweck dieses Schauspiels,« sagt der Verfasser in seiner Vorrede, »ist namentlich der, den perfiden, gemeinen, feigen und blutdürstigen Character der Irländer vor Augen zu führen.« Was die flüchtigen Protestanten von der muthwilligen Vernichtung des Viehes erzählen, wird von Avaux in einem vom 13.(23.) April 1689 datirten Briefe an Ludwig, und von Desgrigny in einem vom 17.(27.) Mai 1690 datirten Schreiben an Louvois bestätigt. Die meisten Depeschen, welche Avaux während seines Aufenthalts in Irland schrieb, sind in einem Werke enthalten, das vor einigen Jahren im englischen auswärtigen Amte in wenigen Exemplaren gedruckt wurde. Viele habe ich auch im französischen Ministerium des Auswärtigen abgeschrieben. Die Briefe von Desgrigny, der im Commissariat angestellt war, fand ich in der Bibliothek des französischen Kriegsministeriums. Ich kann die Bereitwilligkeit und Zuvorkommenheit, mit der mir die reichen und vortrefflich geordneten Schätze interessanter Belehrung in Paris geöffnet wurden, nicht genug rühmen.]

[Anmerkung 43: »Eine eigenthümliche Erscheinung, welche nie vergessen werden darf, war, daß Diejenigen, welche damals (zu Ende des Jahres 1688) an der Spitze der Regierung standen, uns zu begünstigen und sich unsre Freundschaft bewahren zu wollen schienen.« +History of the Rise and Progress of the People called Quakers in Ireland, by Wight and Rutty, Dublin 1751.+ King wirft in der That (III. 17.) den Quäkern vor, daß sie Verbündete und Werkzeuge der Papisten gewesen seien.]

[Anmerkung 44: Wight and Rutty.]

[_Die Protestanten in Süden unfähig Widerstand zu leisten._] In Leinster, Munster und Connaught war es den englischen Ansiedlern ihrer geringen und zersplitterten Anzahl wegen rein unmöglich, dem furchtbaren Andrange der eingebornen Bevölkerung einen erfolgreichen Widerstand entgegenzusetzen. Charleville, Mallow und Sligo fielen in die Gewalt der Eingebornen. Bandon, wo die Protestanten eine ansehnlichere Streitmacht zusammengezogen hatten, wurde durch den Generalleutnant Macarthy, einen Officier, der aus einer der vornehmsten celtischen Familien abstammte und unter einem angenommenen Namen lange in der französischen Armee gedient hatte, zur Übergabe gezwungen.[45] Die Bewohner von Kenmare hielten sich in ihrer kleinen Festung, bis sie von dreitausend regulären Soldaten angegriffen wurden und bis sie erfuhren, daß mehrere Kanonen herbeigeschafft würden, um den Erdwall zu zerstören, der das Haus des Agenten umgab. Da endlich wurde eine Capitulation abgeschlossen, und den Colonisten gestattet, sich auf einem mit Lebensmitteln und Wasser spärlich versehenen kleinen Fahrzeuge einzuschiffen. Sie hatten keinen erfahrenen Schiffer an Bord; doch nach einer vierzehntägigen Seereise, während der sie wie die Neger auf einem Sklavenschiffe zusammengepfercht waren und vor Hunger und Durst fast umkamen, erreichten sie wohlbehalten den Hafen von Bristol.[46] Wenn solcher Art das Schicksal der Städte war, so lag es auf der Hand, daß die Landsitze, welche die protestantischen Gutsbesitzer unlängst in den drei südlichen Provinzen befestigt hatten, sich nicht länger zu halten vermochten. Viele Familien unterwarfen sich, lieferten ihre Waffen ab und schätzten sich glücklich, daß sie mit dem Leben davon kamen. Viele beherzte und tapfere Gentlemen und Freisassen aber waren entschlossen lieber umzukommen, als sich zu ergeben. Sie packten das leicht transportable werthvolle Eigenthum zusammen, verbrannten das was sie nicht mitnehmen konnten und brachen wohl bewaffnet und beritten nach den Orten in Ulster auf, welche die Besten ihres Stammes und ihres Glaubens waren. Die Elite der protestantischen Bevölkerung von Munster und Connaught fand in Enniskillen ein Asyl. Die Tapferen und Entschlossenen von Leinster schlugen den Weg nach Londonderry ein.[47]

[Anmerkung 45: +Life of James, II. 327. Orig. Mem.+ Macarthy und sein fingirter Name werden mehrere Male von Dongeau erwähnt.]

[Anmerkung 46: +Exact Relation of the Persecutions, Robberies and Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland, 1689+.]

[Anmerkung 47: +A true Representation to the King and People of England how Matters were carried on all along in Ireland by the late King James, licensed Aug. 16. 1689+; +A True Account of the Present State of Ireland by a Person that with Great Difficulty left Dublin, licensed June 8. 1689.+]

[_Enniskillen und Londonderry halten sich._] Der Muth Enniskillen's und Londonderry's stieg angesichts der Gefahr immer höher und höher. An beiden Orten wurden die Nachrichten von dem was die Convention zu Westminster gethan, mit unbeschreiblicher Freude aufgenommen. Wilhelm und Marie wurden in Enniskillen mit einmüthigem Enthusiasmus und mit demjenigen Pomp proklamirt, den die kleine Stadt erschwingen konnte.[48] Lundy, der in Londonderry commandirte, durfte es nicht wagen, der allgemeinen Gesinnung der Bürger und seiner eigenen Soldaten entgegenzutreten. Er kündigte daher seinen Beitritt zu der neuen Regierung an und unterschrieb eine Erklärung, durch die er sich verpflichtete, treu zu dieser Regierung zu stehen, widrigenfalls er als ein Feigling und Verräther betrachtet sein wollte. Ein Schiff aus England brachte bald ein Patent von Wilhelm und Marien, das ihn in seinem Posten bestätigte.[49]

[Anmerkung 48: +Hamilton's Actions of the Inniskilling Men, 1689.+]

[Anmerkung 49: +Walker's Account, 1689.+]

[_Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster._] Die Protestanten von Ulster zur Unterwerfung zu zwingen, bevor Unterstützung aus England eintreffen konnte, war jetzt Tyrconnel's Hauptzweck. Eine starke Truppenmacht wurde unter dem Commando Richard Hamilton's nach dem Norden dirigirt. Dieser Mann hatte alle Verpflichtungen, welche einem Gentleman und Soldaten am heiligsten sind, mit Füßen getreten, war gegen seine Freunde, die Temple, meineidig geworden, hatte sein militärisches Ehrenwort gebrochen, und schämte sich jetzt nicht als General gegen eine Regierung ins Feld zu ziehen, der er sich als Gefangener zu stellen verpflichtet war. Sein Marsch hinterließ in dem Aussehen des Landes Spuren, welche auch dem sorglosesten Auge viele Jahre hindurch nicht unbemerkt bleiben konnten. Seine Armee war von einem Gesindel begleitet, das Keating sehr richtig mit den unsauberen Raubvögeln verglichen hatte, die sich jederzeit da sammeln, wo es stark nach Aas riecht. Der General erklärte, daß es sein aufrichtiger Wille sei, alle Protestanten, welche ruhig zu Hause blieben, vor Verderben und Gewaltthätigkeiten zu behüten, und gewährte ihnen mit größter Bereitwilligkeit von ihm eigenhändig unterschriebene Schutzbriefe. Aber diese Schutzbriefe erwiesen sich als nutzlos und er mußte eingestehen, daß er zwar seine Soldaten im Zaume halten könne, aber unter dem Pöbeltroß, der seiner Armee folgte, keine Ordnung zu halten vermöge. Das Land hinter ihm war eine Wüste, und bald war auch das Land vor ihm in gleichem Maße verödet. Denn bei der Nachricht von seiner Annäherung verbrannten die Colonisten ihre bewegliche Habe, rissen ihre Häuser nieder und zogen sich nach dem Norden zurück. Einige von ihnen versuchten es, bei Dromore Stand zu halten, aber sie wurden durchbrochen und auseinandergesprengt. Nun wurde die Flucht wild und tumultuarisch. Die Fliehenden brachen die Brücken ab und verbrannten die Fähren. Ganze Städte, die Sitze der protestantischen Bevölkerung, wurden zerstört, und kein einziger Bewohner blieb darin. Die Einwohner von Omagh zerstörten ihre Häuser so vollständig, daß kein Dach übrig blieb, das den Feind gegen Wind und Regen hätte schützen können. Die Bewohner von Cavan zogen sämmtlich nach Enniskillen. Es war ein regnerischer, stürmischer Tag und die Wege waren grundlos. Einen herzerschütternden Anblick gewährten die weinenden und ausgehungerten Frauen und Kinder, welche mitten unter den bewaffneten Männern bis an die Knie im Kothe waten mußten. Ganz Lisburn floh nach Antrim, und als der Feind heranrückte, strömte ganz Lisburn und Antrim zusammen nach Londonderry. Dreißigtausend Protestanten beider Geschlechter und jeden Alters waren hinter den Bollwerken der Zufluchtsstadt zusammengedrängt. Hier endlich, am Rande des Oceans, bis in das letzte Asyl gehetzt und zu einer Verzweiflung aufgestachelt, in der der Mensch sich umbringen läßt, sich aber so leicht nicht unterwirft, machte die herrschende Race Front, um dem andringenden Feinde die Spitze zu bieten.[50]

[Anmerkung 50: +Mackenzie's Narrative+; +Mac Cormick's Further Impartial Account+; +Story's Impartial History of the Affairs of Ireland, 1691+; +Apology for the Protestants of Ireland+; Brief von Dublin vom 25. Febr. 1689; Avaux an Ludwig von 15.(25.) April 1689.]

[_Jakob entschließt sich nach Irland zu gehen._] Inzwischen waren Mountjoy und Rice in Frankreich angelangt. Mountjoy wurde sogleich festgenommen und in die Bastille geworfen. Jakob beschloß, der von Rice überbrachten Einladung nachzukommen, und bat Ludwig um ein französisches Hülfsheer. Dieser aber, obwohl er in allen Dingen, welche die persönliche Würde und Bequemlichkeit seiner königlichen Gäste betrafen, eine fast romantische Aufmerksamkeit und eine an Verschwendung grenzende Freigebigkeit bewies, hatte keine Lust, ein starkes Truppencorps nach Irland zu schicken. Er sah, daß Frankreich auf dem Continent einen langwierigen Krieg gegen eine mächtige Coalition zu bestehen haben werde, der ungeheure Ausgaben verursachen mußte, und so groß auch die Hülfsquellen des Landes waren, sah er doch ein, wie wichtig es war, nichts zu vergeuden. Er betrachtete die unglücklichen Verbannten, denen er eine so fürstliche Aufnahme hatte zu Theil werden lassen, mit aufrichtigem Mitleid und gutem Willen; doch bei allem Mitleid und gutem Willen konnte es seinem Scharfblicke nicht lange verborgen bleiben, daß sein Bruder von England der einfältigste und verderbteste Mensch von der Welt war. Jakob's Thorheit, seine Unfähigkeit, die Charactere der Menschen und die Zeichen der Zeit zu erkennen, sein Starrsinn, der sich gerade in solchen Fällen, wo die Klugheit zum Nachgeben rieth, am unbeugsamsten zeigte, und sein Schwanken, das immer am kläglichsten bei solchen Gelegenheiten hervortrat, welche Festigkeit erheischten, hatten seine Vertreibung aus England zur Folge gehabt und konnten auch über Frankreich großes Unheil bringen, wenn man seine Rathschläge blindlings befolgte. Als ein von Rebellen vertriebener legitimer Souverain, als ein von Ketzern verfolgter Bekenner des wahren Glaubens und als ein naher Verwandter des Hauses Bourbon, der um einen Platz am Herde dieses Hauses gebeten, hatte er Anspruch auf Gastfreundschaft, liebevolle Behandlung und Achtung. Es gehörte sich, daß ihm ein stattlicher Palast und ein großer Forst angewiesen wurde, daß die Haustruppen ihm die höchsten militärischen Ehren bezeigten und daß alle Hunde des Großjägermeisters und alle Falken des Großfalconiers zu seiner Verfügung standen. Wenn aber ein Fürst, der, an der Spitze einer großen Flotte und eines großen Landheeres, ein Reich verloren hatte, ohne einen Schlag zu thun, Pläne zu See- und Landfeldzügen vorschlug, wenn ein Fürst, der durch seine völlige Unkenntniß des Characters seiner eigenen Landsleute, seiner eigenen Soldaten, seiner eigenen Diener und seiner eigenen Kinder zu Grunde gegangen war, sich beikommen ließ, für den Eifer und die Treue des irischen Volks stehen zu wollen, dessen Sprache er nicht verstand und dessen Land er noch nie betreten, so mußten seine Vorschläge nothwendig mit Vorsicht aufgenommen werden. Dies waren die Ansichten Ludwig's und er wurde darin durch seinen Kriegsminister Louvois bestärkt, der aus privaten wie aus öffentlichen Gründen nicht wünschte, daß Jakob von einer starken Truppenmacht begleitet werde. Louvois haßte Lauzun und Lauzun war ein Günstling in Saint-Germain. Er trug den Hosenbandorden, ein Ehrenzeichen, das sehr selten Fremden, welche nicht souveraine Fürsten waren, verliehen worden ist. Man glaubte sogar am französischen Hofe, daß er, um ihn vor den anderen Rittern des höchsten aller europäischen Orden auszuzeichnen, mit dem nämlichen Georg decorirt worden sei, den Karl I. auf dem Schaffot den Händen Juxon's übergeben hatte.[51] Es war ihm außerdem Hoffnung gemacht worden, daß er, wenn französische Truppen nach Irland geschickt wurden, dieselben commandiren solle, und diese ehrgeizige Hoffnung wollte Louvois vereiteln.[52]

[Anmerkung 51: +Mémoires de Madame de la Fayette+; Frau von Sévigné an Frau von Grignan vom 28. Febr. 1689.]

[Anmerkung 52: +Burnet II. 17+; +Clarke's Life of James, II. 320--322.+]

[_Unterstützung, welche Jakob von Ludwig gewährt wird._] Eine Armee wurde daher vor der Hand verweigert, sonst aber Alles bewilligt. Die in Brest liegende Flotte erhielt Befehl sich zum Absegeln bereit zu machen, Waffen für zehntausend Mann und große Massen von Munition wurden an Bord geschafft. Etwa vierhundert Kapitäns, Leutnants, Cadetten und Kanoniere wurden für den wichtigen Dienst, die neuauszuhebenden irischen Truppen zu organisiren und einzuüben, ausgewählt. Den Oberbefehl erhielt ein alter Kriegsveteran, der Graf von Rosen. Unter ihm standen Maumont mit dem Range eines Generalleutnants, und ein Brigadier Namens Pusignan. Eine halbe Million Kronen in Gold, eine Summe die ungefähr hundertzwölftausend Pfund Sterling entsprach, wurde nach Brest gesandt.[53] Für Jakob's persönliche Bequemlichkeit war mit einer Ängstlichkeit gesorgt, welche der einer liebenden Mutter glich, die ihren Sohn zu seinem ersten Feldzuge ausstattet. Das Ameublement für die Kajüte, das Lagergeräth, die Zelte, die Betten und das Tafelgeschirr, Alles war luxuriös und kostbar. Nichts was dem Verbannten angenehm oder nützlich sein konnte, war zu kostspielig für die Freigebigkeit oder zu geringfügig für die Aufmerksamkeit seines artigen und splendiden Wirthes. Am 15. Februar machte Jakob seinen Abschiedsbesuch in Versailles. Er wurde mit allen Beweisen von Achtung und Zuvorkommenheit in den Gebäuden und Anlagen herumgeführt. Die Wasserwerke waren ihm zu Ehren im Gange. Es war gerade die Carnevalszeit, und nie hatten der große Palast und die prächtigen Gärten einen heiterern Anblick gewährt. Am Abend erschienen die beiden Könige nach einer langen und ernsten Privatconferenz in einem glänzenden Cirkel von Herren und Damen. »Ich hoffe,« sagte Ludwig in seiner edelsten und liebenswürdigsten Weise, »daß wir scheiden, um uns in diesem Leben nie wieder zu begegnen. Dies ist der beste Wunsch, den ich für Sie hegen kann. Sollte jedoch ein böses Geschick Sie zur Rückkehr zwingen, so sein Sie versichert, daß Sie mich bis zum letzten Augenblicke so finden werden, wie Sie mich bisher gefunden haben.« Am 17. stattete Ludwig in Saint-Germains seinen Gegenbesuch ab. Im Augenblicke der letzten Umarmung sagte er mit seinem freundlichsten Lächeln: »Wir haben noch etwas vergessen: einen Brustharnisch für Sie. Sie sollen den meinigen haben.« Der Brustharnisch wurde herbeigebracht und gab den Schöngeistern des Hofes Gelegenheit zu geistreichen Anspielungen auf die von Vulcan verfertigte Rüstung, welche einst Achilles seinem schwächeren Freunde lieh. Jakob reiste nach Brest ab und seine durch Krankheit und Kummer niedergedrückte Gemahlin schloß sich mit ihrem Kinde ein um zu weinen und zu beten.[54]

Mehrere von Jakob's eigenen Unterthanen begleiteten ihn oder folgten ihm schleunigst nach; die Vornehmsten darunter waren sein Sohn Berwick, Cartwright, Bischof von Chester, Powis, Dower und Melfort. Keiner von dem ganzen Gefolge war dem großbritannischen Volke so verhaßt als Melfort. Er war ein Apostat, Viele hielten ihn für einen nicht aufrichtigen Apostaten, und die anmaßende, willkürliche und drohende Sprache seiner Staatsschriften war selbst den Jakobiten zuwider. Daher war er ein Liebling seines Gebieters, denn in Jakob's Augen waren Unpopularität, Starrsinn und Unversöhnlichkeit die gewichtigsten Empfehlungen für einen Staatsmann.

[Anmerkung 53: Maumont's Instructionen.]

[Anmerkung 54: Dangeau vom 15.(25.) und 17.(27.) Febr. 1689; Frau von Sévigné vom 18.(28.) Febr. und 10. Febr. (2. März); +Mémoires de Madame de la Fayette.+]