Part 14
Seite Zustand Irland's zur Zeit der Revolution 5 Die Civilgewalt in den Händen der Katholiken 5 Die Militärgewalt in den Händen der Katholiken 7 Gegenseitige Feindschaft zwischen den Engländern und Iren 7 Panischer Schrecken unter den Engländern 8 Geschichte der Stadt Kenmare 9 Enniskillen 12 Londonderry 13 Schließung der Thore von Londonderry 14 Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificiren 16 Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel 17 Die Temple werden zu Rathe gezogen 19 Richard Hamilton wird auf Temple's Wort nach Irland gesandt 19 Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich 20 Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen 21 Verwüstung des Landes 22 Die Protestanten im Süden unfähig Widerstand zu leisten 26 Enniskillen und Londonderry halten sich 27 Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster 27 Jakob entschließt sich nach Irland zu gehen 28 Unterstützung, welche Jakob von Ludwig gewährt wird 29 Wahl eines französischen Gesandten zum Begleiter Jakob's 30 Der Graf von Avaux 31 Jakob landet in Kinsale 32 Jakob's Einzug in Cork 33 Reise Jakob's von Cork nach Dublin 34 Unzufriedenheit in England 36 Parteispaltungen im Dubliner Schlosse 36 Jakob beschließt nach Ulster zu gehen 40 Jakob's Reise nach Ulster 41 Der Fall Londonderry's erwartet 43 Es kommt Succurs aus England 44 Verrätherei Lundy's 45 Die Bewohner von Londonderry beschließen sich zu vertheidigen 45 Ihr Character 46 Londonderry belagert 50 Die Belagerung in eine Blokade verwandelt 52 Seegefecht in der Bantry-Bai 52 Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt in Dublin 53 Es wird eine Toleranzacte erlassen 57 Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten 57 Prägung schlechten Geldes 61 Die große Verurtheilungsacte 62 Jakob prorogirt sein Parlament 65 Verfolgung der Protestanten in Irland 65 Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England 67 Thaten der Enniskillener 69 Noth in Londonderry 70 Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke im Foylesee 70 Grausamkeit Rosen's 71 Die Hungersnoth in Londonderry steigt aufs Höchste 73 Angriff auf den Sperrbaum 74 Die Belagerung von Londonderry aufgehoben 76 Operationen gegen die Enniskillener 79 Schlacht bei Newton-Butler 80 Bestürzung der Irländer 81
[_Zustand Irland's zur Zeit der Revolution._] Wilhelm hatte zu gleicher Zeit mit dem Titel eines Königs von England auch den eines Königs von Irland angenommen. Denn alle unsere Juristen betrachteten damals Irland als eine bloße Colonie, zwar wichtiger als Massachusetts, Virginien oder Jamaika, aber, wie diese, abhängig vom Mutterlande und verpflichtet, den Souverain anzuerkennen, den das Mutterland auf den Thron berufen hatte.[1]
[Anmerkung 1: Die allgemeine Ansicht der Engländer über diesen Gegenstand spricht sich deutlich in einer kleinen Schrift aus, betitelt: +»Aphorisms relating to the Kingdom of Ireland«+, welche während der Erledigung des Thrones erschien.]
[_Die Civilgewalt in den Händen der Katholiken._] Thatsächlich aber hatte die Revolution Irland von der Oberherrschaft der englischen Colonie emancipirt gefunden. Schon im Jahre 1686 hatte Jakob beschlossen, diese Insel zu einem Waffenplatze, der Großbritannien Respect einflößen könnte, und zu einem Asyle zu machen, wo die Mitglieder seiner Kirche eine Zuflucht finden könnten, wenn in Großbritannien sich ein Unglück ereignete. Zu dem Ende hatte er Alles aufgeboten, um das Verhältniß zwischen den Eroberern und der eingebornen Bevölkerung umzukehren. Die Ausführung seines Planes hatte er, trotz der Gegenvorstellungen seiner englischen Rathgeber, dem Vicekönig Tyrconnel übertragen. Im Herbst des Jahres 1688 war der Prozeß vollendet. Die höchsten Ämter bei der Staatsverwaltung, der Armee und den Gerichtshöfen waren fast ohne Ausnahme mit Papisten besetzt. Ein Rabulist, Namens Alexander Fitton, der einer Fälschung überführt, wegen schlechter Aufführung vom Hause der Lords zu Westminster mit einer Geldstrafe belegt worden war und viele Jahre im Gefängniß zugebracht hatte, dem es eben so sehr an juristischen Kenntnissen fehlte wie an gesundem Verstande und Scharfsinn, welche den Mangel an juristischen Kenntnissen zuweilen ersetzt haben, war Lordkanzler. Sein einziges Verdienst bestand darin, daß er vom protestantischen Glauben abgefallen war, und dieses Verdienst wurde für hinreichend erachtet, um selbst den Flecken seiner sächsischen Abstammung zu verwischen. Er zeigte sich bald des Vertrauens seiner Gönner würdig. Er erklärte auf der Richterbank, daß es unter vierzigtausend Ketzern nicht einen gebe, der nicht ein Schurke sei. Oftmals, nachdem er einen Rechtsfall angehört, bei dem die Interessen seiner Kirche im Spiele waren, verschob er seinen Ausspruch, um, wie er selbst eingestand, seinen Seelsorger, einen spanischen Priester, der wahrscheinlich im Escobar wohl belesen war, zu Rathe zu ziehen.[2] Thomas Nugent, ein Katholik, der sich im Gerichtssaale durch nichts als durch seinen irischen Accent und durch seine Schnitzer ausgezeichnet hatte, war Oberrichter der King's Bench.[3] Stephan Rice, ein Katholik, dessen Talente und Gelehrsamkeit selbst von den Feinden seiner Nation und Religion nicht bestritten wurden, dessen wohlbekannte Hostilität gegen die Ansiedlungsacte aber im Herzen aller Derjenigen, welche kraft dieser Acte Grundeigenthum besaßen, die ernstesten Besorgnisse erweckte, war erster Baron der Schatzkammer.[4] Richard Nagle, ein scharfsinniger und wohlbelesener Jurist, der in einem Jesuitencollegium erzogen war und der die Vorurtheile besaß, die man von seiner Erziehung erwarten konnte, war Generalfiskal.[5]
Keating, ein höchst ehrenwerther Protestant war noch Oberrichter der Common Pleas; aber zwei römisch-katholische Richter standen ihm zur Seite. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der eine von diesen Richtern, Daly, ein verständiger, gemäßigter und rechtschaffner Mann war. Aber die Klagsachen, welche vor die Schranken der Common Pleas kamen, waren nicht von großem Belang. Selbst die King's Bench war damals fast verödet. Dagegen war das Schatzkammergericht mit Geschäften überhäuft, denn es war der einzige Gerichtshof in Dublin, von dem nicht nach England appellirt werden konnte, und folglich der einzige Gerichtshof, an welchem die Engländer ohne Hoffnung auf Abhülfe unterdrückt und ausgeplündert werden konnten. Rice sollte erklärt haben, daß sie von ihm genau das haben sollten, was das Gesetz nach strictester Auslegung ihnen gewähre, aber auch nicht mehr. Was aber seiner Ansicht nach das Gesetz nach strictester Auslegung ihnen gewährte, das konnten sie leicht aus einer Äußerung schließen, die er, bevor er Richter wurde, häufig im Munde führte. »Ich werde,« pflegte er zu sagen, »mit Sechsen durch die Ansiedlungsacte fahren.« Jetzt brachte er seine Drohung tagtäglich zur Ausführung. Alle Protestanten klagten, daß es gleichgültig sei, was für Beweise sie ihm vorlegten, daß die schamlosesten Lügen, die ehrlosesten Zeugenaussagen seines Schutzes gewiß sein könnten, wenn er sonst ihren Ansprüchen nicht gerecht werden wolle. Zu seinem Gerichtshofe drängten sich seine Landsleute in Masse mit Gesuchen um Vertreibung und Eigenthumsverletzung. Vor seinem Gerichtshofe griff die Regierung mit einem Male die Freibriefe alter irischen Städte und Landgemeinden an, und er fand ohne Mühe Vorwände, um alle diese Freibriefe für verwirkt zu erklären. Die Municipalcorporationen, etwa hundert an Zahl, waren als Bollwerke des reformirten Glaubens und des englischen Interesses eingeführt worden, und sie wurden daher von den irischen Katholiken mit einem Widerwillen betrachtet, den man nicht für unnatürlich oder unvernünftig halten kann. Wären diese Corporationen auf eine verständige und unparteiische Weise umgestaltet worden, so hätte die Unregelmäßigkeit des Verfahrens, durch welches ein so wünschenwerthes Resultat erzielt worden war, verziehen werden können. Aber es zeigte sich bald, daß ein exclusives System nur beseitigt worden war, um einem andren Platz zu machen. Die Burgflecken wurden der unumschränkten Autorität der Krone unterstellt. Städte, in denen fast jeder Hausvater ein englischer Protestant war, erhielten katholische Obrigkeiten. Viele von den neuen Aldermen hatten die Städte, zu deren Behörden sie ernannt werden, noch nie gesehen. Zu gleicher Zeit wurden die Sheriffs, denen die Vollziehung der richterlichen Befehle und die Ernennung der Juries zukam, fast immer aus der Kaste gewählt, welche bis vor ganz Kurzem von jedem öffentlichen Amte ausgeschlossen gewesen war. Man versicherte, daß einige von diesen wichtigen Beamten wegen Diebstahls in der Hand gebrandmarkt gewesen seien. Andere hatten im Dienste von Protestanten gestanden, und die Protestanten setzten mit bitterer Geringschätzung hinzu, daß die Grafschaft, der solche Beamte zu Theil würden, von Glück sagen könne, denn ein Diener, der das Geschirr eines englischen Gentleman gereinigt und sein Pferd geputzt habe, könne im Vergleich zu Vielen von der eingebornen Aristokratie, die ihr Leben mit Aufliegen und Marodiren hingebracht, für ein civilisirtes Geschöpf gelten. Solchen Sheriffs würde kein Colonist, selbst wenn er das unerhörte Glück gehabt hätte, einen ihm günstigen Ausspruch zu erlangen, eine Execution anzuvertrauen gewagt haben.[6]
[Anmerkung 2: +King's State of the Protestants of Ireland, II. 6+, und +III. 3+.]
[Anmerkung 3: +King III. 3+. Clarendon nennt Nugent in einem Briefe an Rochester (vom 1. Juni 1686) »einen höchst lästigen, impertinenten Menschen.«]
[Anmerkung 4: +King, III. 3+.]
[Anmerkung 5: +King, II. 6+, und +III. 3+. Clarendon spricht in einem Briefe an Ormond (vom 28. Sept. 1686) mit rühmender Anerkennung von Nagle's Kenntnissen und Fähigkeiten; in seinem Tagebuche aber (31. Jan. 1686/87) nennt er ihn »einen habsüchtigen, ehrgeizigen Mann.«]
[Anmerkung 6: +King II. 5. 1.+; +III. 3. 5+. +A Short View of the Methods made use of in Ireland for the Subversion and Destruction of the Protestant Religion and Interests, by a Clergyman lately escaped from thence, licensed Oct. 17, 1689+.]
[_Die Militärgewalt in den Händen der Katholiken._] So war die Civilgewalt in Zeit von wenigen Monaten von der sächsischen auf die celtische Bevölkerung übertragen worden. Die Übertragung der Militärgewalt war nicht minder vollständig gewesen. Die Armee, welche unter Ormond's Befehlen das Hauptbollwerk des englischen Übergewichts gewesen war, existirte nicht mehr. Ganze Regimenter waren aufgelöst und neu organisirt worden. Sechstausend ihres Brodes beraubte protestantische Veteranen brüteten in ihrer Zurückgezogenheit über das ihnen zugefügte Unrecht, oder waren über den Kanal gegangen und hatten sich dem Banner Wilhelm's angeschlossen. Ihre Stellen wurden durch Männer besetzt, welche, nachdem sie lange unterdrückt worden, sich plötzlich aus Sklaven in Herren verwandelt sahen und es nun nicht erwarten konnten, die schwere Schuld der Unbilden und Kränkungen mit Wucherzinsen zurückzuzahlen. Man sagte, die neuen Soldaten seien nie an einem Engländer vorübergegangen, ohne ihn zu verwünschen und ihm ein Schimpfwort anzuhängen. Sie waren der Schrecken jedes protestantischen Gastwirths, denn von dem Augenblicke an wo sie unter sein Dach kamen, aßen und tranken sie Alles weg, ohne zu bezahlen, und verscheuchten durch ihr rohes Bramarbasiren anständigere Gäste von seiner Thür.[7]
[Anmerkung 7: +King, III. 2+. Ich kann nicht finden, daß Karl Leslie, ein eifriger Vertheidiger der andren Partei, in seiner Antwort an King, einer dieser Thatsachen widersprochen hätte. Er verwirft sogar selbst Tyrconnel's Verwaltung. »Ich wünsche einem Einwurfe zu begegnen, der sicherlich erhoben werden wird, daß ich nämlich Alles was Lord Tyrconnel und andere Minister Jakob's, besonders vor dieser Revolution, gethan haben und was mehr als irgend etwas Andres dieselbe hervorgerufen hat, völlig rechtfertigen wolle. Nein, davon bin ich weit entfernt. Ich bin überzeugt, daß ihr Verfahren in vielen Punkten den Feinden König Jakob's gegründetere Ursache zu klagen gab als alle anderen seiner Regierung zur Last gelegten Verwaltungsfehler.« +Leslie's Answer to King, 1692+.]
[_Gegenseitige Feindschaft zwischen den Engländern und Iren._] So war der Zustand Irland's, als der Prinz von Oranien bei Torbay landete. Von diesem Augenblicke an, brachte jedes in Dublin anlangende Packetboot Nachrichten mit, welche die gegenseitige Furcht und Abneigung der feindlichen Stämme nur vermehren konnten. Sowohl der Colonist, der, nachdem er lange die Macht besessen und gemißbraucht, jetzt für einen Augenblick die Bitterkeit der Knechtschaft gekostet hatte, als auch der Eingeborne, der, nachdem er den bitteren Kelch der Knechtschaft bis zur Hefe geleert, endlich auf einen Augenblick die Macht besessen und gemißbraucht hatte, erkannten Beide, daß eine wichtige Krisis, eine Krisis wie die von 1641, bevorstehe. Die Mehrheit erwartete mit Ungeduld, in Tyrconnel einen Phelim O'Neil wieder erstehen zu sehen; die Minderheit erblickte in Wilhelm einen zweiten Oliver.
Auf welcher Seite der erste Schlag erfolgte, dies war eine Frage, über welche Wilhelmiten und Jakobiten nachher mit viel Schärfe debattirten. Doch keine Frage konnte gleichgültiger sein. Die Geschichte muß beiden Parteien die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die keine von beiden der andren jemals zugestanden, und muß zugeben, daß beide triftige Beschwerden und heftige Provocationen zu ihrer Rechtfertigung anführen konnten. Beide waren durch ein Geschick, für welches keine von beiden verantwortlich war, in eine Lage versetzt worden, daß sie einander, da die menschliche Natur nun einmal so und nicht anders geschaffen ist, nothwendig als Feinde betrachten mußten. Drei Jahre lang hatte die Regierung, die sie hätte versöhnen können, systematisch Alles aufgeboten, ihre Feindschaft zu einer rasenden Wuth zu entflammen. Es war jetzt unmöglich, in Irland eine gerechte und wohlthätige Regierung herzustellen, eine Regierung, die keinen Racen- oder Sectenunterschied kannte, eine Regierung, welche die den neuen Grundeigenthümern durch das Gesetz gewährleisteten Rechte streng respectirte, zu gleicher Zeit aber durch eine vernünftige Liberalität das Mißgeschick der vorigen Gentry linderte. Eine solche Regierung hätte Jakob zur Zeit seiner Macht einsetzen können. Aber die günstige Gelegenheit war vorbei, ein gütlicher Vergleich war nicht mehr möglich, die beiden erbitterten Kasten waren gleichermaßen von der Nothwendigkeit überzeugt, daß sie entweder unterdrücken, oder unterdrückt werden müßten, und daß nur in Sieg, Rache und Herrschaft ihr Heil zu finden sei. Nur darin stimmten sie überein, daß sie jeden Vermittler, der es versuchen wollte, sie mit einander zu versöhnen, zurückwiesen.
[_Panischer Schrecken unter den Engländern._] Seit einigen Wochen waren Excesse, Insulten, schlimme Gerüchte und panische Schrecken, die natürlichen Vorläufer des herannahenden furchtbaren Zusammenstoßes, an der Tagesordnung. Durch die ganze Insel verbreitete sich das Gerücht, daß am 9. December eine allgemeine Niedermetzelung der Engländer stattfinden solle. Tyrconnel ließ die vornehmsten Protestanten Dublin's in's Schloß kommen und rief in seiner gewohnten kräftigen Redeweise die ganze Rache des Himmels auf sich herab, wenn jenes Gerücht nicht eine verfluchte, niederträchtige Lüge wäre. Aus Wuth darüber, daß seine Flüche nicht die erwartete Wirkung hervorriefen, soll er seinen Hut und seine Perrücke vom Kopfe gerissen und ins Feuer geworfen haben.[8] Aber man kannte den lügenhaften Dick Talbot so genau, daß seine Verwünschungen und Gestikulationen die Besorgniß, die sie vermindern wollten, nur noch vermehrten. Seit Clarendon's Zurückberufung hatte fortwährend eine starke Auswanderung ängstlicher und friedliebender Leute aus den irischen Häfen nach England stattgefunden. Diese Auswanderung nahm jetzt zu. Es war nicht leicht, auf einem gutgebauten und bequemen Schiffe einen Platz zu erlangen. Aber viele Leute, deren Muth das Übermaß der Furcht bis zur Kühnheit steigerte, wollten sich lieber Wind und Wellen als den erbitterten Iren anvertrauen und setzten sich daher allen Gefahren einer Seereise über den St. Georgskanal und die Küste von Wales entlang in offenen Fahrzeugen und mitten im Winter aus. Die zurückbleibenden Engländer begannen sich in fast jeder Grafschaft eng aneinander anzuschließen. Jedes große Landhaus wurde eine Festung. Jeder, der nach Einbruch der Dunkelheit Einlaß begehrte, wurde durch ein Schießloch oder durch ein verrammeltes Fenster angerufen und wenn er ohne Parole und Erklärungen einzudringen versuchte, ward ihm eine Blunderbüchse vorgehalten. In der gefürchteten Nacht des 9. Decembers gab es von der Riesen-Chaussee bis zur Bantry-Bay kaum ein protestantisches Landhaus, in welchem vom frühen Untergang bis zum späten Aufgang der Sonne nicht bewaffnete Männer gewacht und Lichter gebrannt hätten.[9]
[Anmerkung 8: +A True and Impartial Account of the most material Passages in Ireland since December 1688, by a Gentleman who was an Eyewitness; licensed July 22, 1689.+]
[Anmerkung 9: +A True and Impartial Account etc. 1689+; +Leslie's Answer to King, 1692.+]
[_Geschichte der Stadt Kenmare._] Über die damaligen Vorgänge in einem Districte ist ein ausführlicher Bericht auf uns gekommen, nach dem man sich ein Bild von dem allgemeinen Zustande des Königreichs machen kann. Der südwestliche Theil von Kerry ist jetzt als die schönste Gegend der britischen Inseln bekannt. Die Berge, die Schluchten, die sich weit ins Meer hinaus erstreckenden Vorgebirge, die Felsen, auf denen Adler horsten, die Bäche, welche von den Gebirgspässen herniederrauschen, die Seen, von dichten Wäldern umsäumt, in denen das Hochwild Schutz findet, ziehen jeden Sommer Schaaren von Touristen herbei, welche des Treibens und der Vergnügungen der großen Städte überdrüssig sind. Die Schönheiten dieses Landes werden zwar nur zu häufig durch Nebel und Regen verschleiert, welche der Westwind von dem unermeßlichen Ocean herbeiführt. An den seltenen Tagen aber wo die Sonne in ihrem vollen Glanze strahlt, zeigt die Landschaft eine Frische und eine Wärme des Colorits, die man in unseren Breitengraden selten findet. Die Myrthe liebt den Boden, der Erdbeerbaum gedeiht hier besser als selbst an den sonnigen Gestaden Calabrien's.[10] Die Wiesen haben eine saftigere Färbung als anderwärts, die Hügel erglühen in prächtigerem Purpur, die Blätter der Stechpalme und des Epheus zeigen einen höheren Glanz, und Beeren von feurigerem Roth schimmern durch Laub von schönerem Grün. Aber während der größeren Hälfte des 17. Jahrhunderts war dieses Paradies der civilisirten Welt noch so wenig bekannt wie Spitzbergen oder Grönland. Wenn es ja einmal erwähnt wurde, sprach man davon als von einer traurigen Wüste, einem Chaos von Sümpfen, Dickichten und Abgründen, wo die Wölfe noch hausten und wo einige halbnackte Wilde, die kein Wort Englisch sprachen, sich unterirdische Baue in den Schlamm gruben und von Wurzeln und saurer Milch lebten.[11]
Im Jahre 1670 endlich beschloß der menschenfreundliche und erleuchtete Sir Wilhelm Petty, in diesem wüsten Districte eine Niederlassung zu gründen. Er besaß dort eine große Herrschaft, die auf eine ihres Ahnherrn würdige Nachkommenschaft fortgeerbt ist. Man sagte damals, daß er auf die Verbesserung dieses Gutes nicht weniger als zehntausend Pfund Sterling verwendet habe. Die kleine Stadt, welche er gründete und die nach der Bucht von Kenmare benannt wurde, lag an der Spitze dieser Bucht am Fuße eines Bergrückens, auf dessen Gipfel der Reisende jetzt verweilt, um den lieblichsten der drei Seen von Killarney zu betrachten. Ein von einer Gesellschaft unternehmender Neuengländer, weit entfernt von den Wohnungen ihrer Landsleute in den Jagdgründen der rothen Indianer erbautes Dorf konnte kaum vollständiger außer dem Bereiche der Civilisation liegen als Kenmare. Von Petty's Ansiedelung bis nach dem nächsten englischen Wohnplatze hatte man zu Lande zwei Tage durch eine wilde und gefahrvolle Gegend zu reisen. Doch der Ort gedieh. Es wurden zweiundvierzig Häuser gebaut und die Bevölkerung belief sich auf hundertachtzig Seelen. Das Land um die Stadt herum war gut angebaut, der Viehstand war zahlreich und zwei kleine Bote vermittelten den Fischfang und Handel längs der Küste. Der Ertrag an Heringen, Pilchards, Makrelen und Lachsen war bedeutend und würde noch bedeutender gewesen sein, wäre nicht der Strand in der schönsten Jahreszeit mit Massen von Robben bedeckt gewesen, welche den Fischen der Bucht nachstellten. Die Robbe war jedoch kein unwillkommener Gast, denn ihre Haut war werthvoll und ihr Thran lieferte das Beleuchtungsmaterial für die langen Winterabende. Mit dem glücklichsten Erfolge wurde der Versuch gemacht, Eisenhütten anzulegen. Man bediente sich damals noch nicht der Steinkohlen zum Schmelzen und es wurde den Fabrikbesitzern von Kent und Sussex sehr schwer, sich Brennholz zu mäßigem Preise zu verschaffen. Die Umgebung von Kenmare war damals reich bewaldet, und Petty erkannte es als eine gewinnbringende Spekulation, Erz dahin zu transportiren. Die Freunde von Naturschönheiten bedauern noch heute den Verlust der Wälder von Eichen und Erdbeerbäumen, welche geschlagen wurden, um seine Hohöfen zu speisen. Außerdem war noch ein andrer Plan in seinem thätigen und intelligenten Kopfe entstanden. Einige von den benachbarten Inseln waren reich an buntem Marmor, roth und weißem und roth und grünem. Petty wußte wohl, mit welchen großen Kosten die alten Römer ihre Bäder und Tempel mit buntfarbigen Säulen schmückten, welche in den Marmorbrüchen Lakonien's und Afrika's gebrochen wurden, und er scheint die Hoffnung genährt zu haben, daß die Felsen seiner wilden Herrschaft in Kerry vielleicht Verzierungen für die Paläste von St. James-Square und für das Chor der St Paulskirche liefern könnten.[12]