Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zweiter Band
Part 4
[_Große Einkünfte der Minister und Höflinge._] Diese Sparsamkeit war jedoch keineswegs lobenswerth. Karl war wie immer knauserig am unrechten Orte und freigebig am unrechten Orte. Die Staatsdiener ließ er darben, um Höflinge zu mästen. Die Ausgaben für die Flotte, für das Geschützwesen, für Pensionirung bedürftiger alter Offiziere und für die auswärtigen Gesandtschaften müssen der jetzigen Generation sehr gering erscheinen. Dagegen wurden die persönlichen Günstlinge des Königs, seine Minister und die Kreaturen dieser Minister mit dem Gelde des Landes förmlich überschüttet. Ihre Gehalte und Pensionen waren im Vergleich zu den Einkünften des hohen Adels, der Gentry und der Handels- und Gewerbsleute jener Zeit ungeheuer. Die größten Vermögen im Königreiche überstiegen damals wenig mehr als zwanzigtausend Pfund Renten. Der Herzog von Ormond hatte jährlich zweiundzwanzigtausend Pfund,[27] der Herzog von Buckingham, bevor sein großes Vermögen sich durch Verschwendung vermindert, neunzehntausendsechshundert Pfund zu verzehren.[28] Georg Monk, Herzog von Albemarle, der zum Lohn für seine ausgezeichneten Dienste mit unermeßlichen Kronländereien beschenkt worden und wegen seiner Geldgier wie wegen seines Geizes gleich bekannt war, hinterließ fünfzehntausend Pfund jährlicher Einkünfte von Grundstücken und sechzigtausend Pfund zinsbar angelegte Kapitalien, welche höchst wahrscheinlich sieben Prozent trugen.[29] Diese drei Herzöge galten allgemein für drei der reichsten englischen Unterthanen. Der Erzbischof von Canterbury kann kaum fünftausend Pfund jährlich gehabt haben.[30] Das durchschnittliche Einkommen eines weltlichen Peers wurde von den Bestunterrichteten auf dreitausend Pfund, das eines Baronets auf neunhundert, das eines Mitglieds des Unterhauses auf weniger als achthundert Pfund geschätzt.[31] Tausend Pfund jährlich galt als ein hohes Einkommen für einen Rechtsanwalt. Auf zweitausend Pfund brachte man es kaum beim Gerichtshofe der Kings-Bench, die Kronanwälte ausgenommen.[32] Aus dem allen ergiebt es sich, daß ein öffentlicher Beamter gut bezahlt gewesen wäre, wenn er den vierten oder fünften Theil von dem bekommen hätte, was gegenwärtig als ein angemessener Gehalt betrachtet wird. Trotzdem aber standen sich die höheren Staatsbeamten thatsächlich eben so gut als jetzt, ja nicht selten noch besser. Der Lord Schatzmeister hatte zum Beispiel achttausend Pfund jährlich, und wenn der Staatsschatz durch eine Commission verwaltet wurde, so hatten die derselben angehörenden jüngeren Lords sechzehnhundert Pfund. Der Zahlmeister des Heeres bekam von allem Gelde, das durch seine Hände ging, eine Provision, die sich auf ungefähr fünftausend Pfund im Jahre belief. Der Oberkammerherr hatte fünftausend Pfund, die Zollcommissäre jeder zwölfhundert, die Kammerherrn jeder tausend Pfund jährlich.[33] Allein der feste Gehalt war damals der geringste Theil des Einkommens eines öffentlichen Beamten. Von den Edelleuten an, welche den weißen Stab und das große Siegel führten, bis herab zu dem untersten Zollbeamten und Aichmeister wurde ungescheut und ungestraft ausgeübt, was man jetzt grobe Bestechlichkeit nennen würde. Titel, Stellen, Ämter und Begnadigungen wurden von den hohen Würdenträgern des Reichs täglich auf offenem Markte verkauft, und jeder Schreiber in irgend welchem Staatsbureau ahmte das böse Beispiel nach so gut er konnte.
Während des letzten Jahrhunderts ist kein auch noch so mächtiger Premierminister im Amte reich geworden, mehrere setzten sogar ihr Privatvermögen zu, um ihre hohe Stelle auch äußerlich würdig auszufüllen. Im siebzehnten Jahrhundert dagegen konnte ein Staatsmann, der an der Spitze der Verwaltung stand, in nicht zu langer Zeit, ohne Ärgerniß zu geben, ein Vermögen sammeln, das mehr als hinreichend war, um ein fürstliches Haus zu führen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß das Einkommen eines Premierministers während seiner Amtsführung das jedes anderen Unterthanen weit überstieg. Die Stelle des Lord Lieutenants von Irland wurde auf vierzigtausend Pfund jährlich geschätzt.[34] Die Einkünfte des Kanzlers Clarendon, Arlingtons, Lauderdale's und Danby's waren kolossal. Der prachtvolle Palast, den das gemeine Volk von London Dunkirk-House nannte, die stattlichen Pavillons, die Fischteiche, der Thiergarten und die Orangerie von Euston, der mehr als italienische Luxus von Ham mit seinen Statuen, Springbrunnen und Vogelhäusern waren einige von den vielen Zeichen, welche den kürzesten Weg zu unermeßlichen Reichthümern andeuteten. Dies ist auch die wahre Ursache der rücksichtslosen Heftigkeit, mit welcher die Staatsmänner der damaligen Zeit nach hohen Ämtern rangen, der Zähigkeit, mit der sie, aller Mühseligkeiten, Demüthigungen und Gefahren ungeachtet, daran hingen, und der schmachvollen Erniedrigungen, zu denen sie sich herabließen, um dieselben zu behaupten. Selbst in unsrer Zeit würde, so groß auch die Macht der öffentlichen Meinung und so streng der Maßstab der Rechtschaffenheit gegenwärtig ist, eine beklagenswerthe Veränderung in dem Character unserer Staatsmänner ernstlich zu befürchten sein, wenn der Posten des ersten Lords des Schatzes oder des Staatssekretärs hunderttausend Pfund jährlich eintrüge. Zum Glück für unser Land sind die Einkünfte der höchsten Beamtenklasse nicht nur keineswegs im Verhältniß zu der allgemeinen Vermehrung unsres Wohlstandes gestiegen, sondern sie haben sich sogar positiv vermindert.
[Anmerkung 27: +Carte's Life of Ormond.+]
[Anmerkung 28: +Pepys's Diary+ vom 14. Februar 1688--89.]
[Anmerkung 29: Siehe den Bericht über den Prozeß Bath-Montague, der im December 1693 durch den Lord Siegelbewahrer Somers entschieden ward.]
[Anmerkung 30: Dreiviertel Jahr lang, von Weihnachten 1689 an wurden die Einkünfte des Erzbisthums Canterbury durch einen von der Krone dazu angestellten Beamten erhoben. Die Rechnungsablage dieses Beamten befindet sich gegenwärtig im Britischen Museum (+Lansdown Mscrpts. 885+). Die Bruttoeinnahme während dieser drei Quartale betrug nicht ganz viertausend Pfund, und der Unterschied zwischen dem Brutto- und dem Nettoeinkommen war jedenfalls nicht unbedeutend.]
[Anmerkung 31: +King's Natural and Political Conclusions. Davenant, On the Balance of Trade.+ Sir W. Temple sagt: »Die Einkünfte eines Hauses der Gemeinen haben selten viermalhunderttausend Pfund überstiegen.« Dessen Memoiren. 3. Theil.]
[Anmerkung 32: +Langton's Conversations with Chief Justice Hale, 1672.+]
[Anmerkung 33: +Commons' Journals+ vom 27. April 1689; +Chamberlayne's State of England, 1684+.]
[Anmerkung 34: Siehe die Reisen des Großherzogs Cosmus.]
[_Zustand des Ackerbaues._] Die Thatsache, daß sich der Ertrag der Steuern in England während eines Zeitraums von etwa zwei langen Menschenleben um das Dreißigfache vermehrt hat, ist auffallend und mag auf den ersten Anblick fast etwas Erschreckendes haben. Aber wen die Vermehrung der öffentlichen Lasten beunruhigt, der wird sich vielleicht wieder beruhigen, wenn er dagegen die Zunahme der öffentlichen Hülfsquellen in Erwägung zieht. Im Jahre 1685 überstieg der Werth der Bodenerzeugnisse bei weitem den aller anderen Früchte des menschlichen Fleißes. Gleichwohl befand sich damals der Ackerbau in einem Zustande, den man heutzutage roh und unvollkommen nennen würde. Die besten Statistiker jener Zeit schätzten den Umfang des pflügbaren Ackerlandes und des Weidelandes auf nicht viel über die Hälfte des gesammten Flächeninhalts der Monarchie.[35] Das Übrige bestand angeblich aus Moor, Sumpf und Waldungen. Die Richtigkeit dieser Berechnungen wird durch die Reisebücher und Landkarten des siebzehnten Jahrhunderts vollkommen bestätigt. Aus diesen Büchern und Karten geht klar und deutlich hervor, daß viele Straßen, welche gegenwärtig durch endlose Obstpflanzungen, Wiesen und Bohnenfelder führen, damals über nichts als Haiden, Sümpfe und Jagdgehege gingen.[36] Auf den Zeichnungen englischer Landschaften, welche damals für den Großherzog Cosmus angefertigt wurden, sieht man kaum eine Baumhecke, und zahlreiche Strecken, welche jetzt vortrefflich angebaut sind, erscheinen kahl wie die Ebene von Salisbury.[37] Bei Enfield, wo man fast noch den Rauch der Hauptstadt sehen kann, war ein Gebiet von fünfundzwanzig Meilen im Umfange, das nicht mehr als drei Häuser und fast gar keine umfriedigten Felder enthielt. Das Rothwild tummelte sich dort zu Tausenden wie in einem amerikanischen Urwalde.[38] Ich muß hierbei bemerken, daß wilde Thiere von bedeutender Größe damals noch viel zahlreicher waren als jetzt. Zwar waren die letzten Wildschweine, welche zum Vergnügen des Königs gehegt wurden und die mit ihren Hauern das angebaute Land verwüsten durften, während des zügellosen Treibens zur Zeit der Bürgerkriege durch das erbitterte Landvolk vernichtet, und der letzte Wolf, der auf unsrer Insel gehaust, kurz vor dem Ende der Regierung Karl's II. in Schottland erlegt worden. Aber viele jetzt ganz ausgestorbene oder doch nur sehr selten vorkommende Arten von Säugethieren und Vögeln waren noch sehr gewöhnlich. Der Fuchs, dessen Leben gegenwärtig in vielen Grafschaften fast so heilig gehalten wird als das eines Menschen, wurde lediglich als eine Landplage betrachtet. Oliver St. John sagte dem Langen Parlamente, Stafford sei nicht als ein Hirsch oder Hase zu betrachten, auf den man noch einige Rücksicht nehmen könne, sondern als ein Fuchs, den man auf jede Weise verfolgen und ohne Mitleid todtschlagen müsse. Dieser Vergleich würde nichts weniger als glücklich gewählt sein, wenn man denselben gegen einen Landedelmann unserer Zeit aussprechen wollte; zu St. John's Zeiten aber wurden nicht selten große Vertilgungkriege gegen die Füchse veranstaltet, zu denen sich die Landleute mit allen Hunden, die sie auftreiben konnten, eifrig drängten. Es wurden Fallen gelegt und Netze gestellt und kein Pardon gegeben; die Erlegung eines trächtigen Weibchens wurde als eine That betrachtet, welche den Dank der ganzen Nachbarschaft verdiente. Das Hochwild war damals in Gloucestershire und Hampshire so gewöhnlich, wie jetzt in den Grampian-Gebirgen. Die Königin Anna erblickte einst auf einer Reise nach Portsmouth ein Rudel von nicht weniger als fünfhundert Stück. Den wilden Stier mit seiner weißen Mähne begegnete man noch zuweilen in einigen südlichen Wäldern. Der Dachs grub noch an jedem Hügelabhange, der mit dichtem Gebüsch bewachsen war, seinen dunklen, gewundenen Bau. Wilde Katzen hörte man noch häufig des Nachts in der Nähe der Wildmeisterwohnungen heulen. Der gelbbrüstige Marder wurde noch in Cranbourne Chase seines Pelzes wegen gejagt, dem man nur das Zobelfell vorzog. Sumpfadler, welche von einer Flügelspitze bis zur andern über neun Fuß maßen, stellten den Fischen an der Küste von Norfolk nach. Auf allen Dünen vom Britischen Kanal bis nach Yorkshire schwärmten riesige Trappen in Schaaren von funfzig bis sechzig Stück umher und wurden oft mit Windhunden gehetzt. Die Moorgegenden von Cambridgeshire und Lincolnshire waren jedes Jahr einige Monate lang mit ungeheuren Schwärmen von Kranichen bedeckt. Durch die Fortschritte des Landbaues sind einige dieser Thiergattungen völlig ausgerottet; andere Arten haben sich so vermindert, daß das Volk ein Exemplar davon anstaunt, wie einen bengalischen Tiger oder einen Eisbär.[39]
Das Fortschreiten dieser großen Veränderung läßt sich nirgends leichter verfolgen als in der Gesetzsammlung. Die Anzahl der seit der Thronbesteigung König Georg's II. genehmigten Einhegungsakte beträgt über viertausend, und der kraft dieser Bewilligungen eingefriedigte Flächenraum übersteigt nach mäßiger Schätzung zehntausend Quadratmeilen. Wieviel Quadratmeilen früher gar nicht, oder doch schlecht angebauten Landes in der nämlichen Zeit von den Besitzern ohne specielle Genehmigung der Behörden eingefriedigt und sorgfältig cultivirt wurden, läßt sich bloß muthmaßen. Man kann jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, daß im Laufe von wenig mehr als einem Jahrhunderte der vierte Theil von England aus einer Wildniß in einen Garten verwandelt worden ist.
Selbst in denjenigen Theilen des Reichs, welche zu Ende der Regierung Karl's II. am besten angebaut waren, stand die Landwirthschaft ungeachtet der großen Fortschritte, die seit den Bürgerkriegen darin gemacht waren, doch noch nicht auf einer solchen Stufe, daß man heutzutage von ihr sagen würde, sie sei mit Geschick betrieben worden. Bis jetzt hat die Regierung leider noch keine wirksamen Maßregeln angeordnet, um genaue Aufstellungen über den Ertrag des englischen Grund und Bodens zu erhalten. Der Geschichtsschreiber muß sich daher mit einigem Mißtrauen an die Angaben derjenigen Statistiker halten, welche am meisten in dem Rufe der Sorgfalt und Zuverlässigkeit stehen. Der gegenwärtige Durchschnittsertrag an Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Hülsenfrüchten wird auf weit über dreißig Millionen Quarters geschätzt. Die Weizenernte, die zwölf Millionen Quarters nicht überstiege, würde als eine schlechte gelten. Nach einer Berechnung Gregor King's vom Jahre 1696 betrug damals die jährliche Gesammtproduction von Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Hülsenfrüchten etwas unter zehn Millionen Quarters. Den Ertrag des Weizens, welcher damals nur auf dem fettesten Lehmboden erbaut und nur von der wohlhabenderen Klasse consumirt wurde, schätzte er auf weniger als zwei Millionen Quarters. Karl Davenant, ein scharfsinniger und wohlunterrichteter, aber durchaus charakterloser und gehässiger Politiker, wich zwar in einigen Punkten der Berechnung von King ab, gelangte aber so ziemlich zu demselben allgemeinen Resultate.[40]
Die sogenannte Wechselwirthschaft verstand man damals noch sehr unvollkommen. Man wußte zwar, daß einige seit Kurzem auf unserer Insel eingeführte Pflanzen, namentlich die weiße Rübe, ein vortreffliches Winterfutter für Schafe und Rinder gaben; allein es war noch nicht gebräuchlich, das Vieh damit zu füttern. Es war daher keineswegs leicht, die Thiere während der Jahreszeit, wo das Gras selten wird, zu erhalten. Beim Beginn der kalten Witterung wurden sie denn auch in großer Menge geschlachtet und eingesalzen und mehrere Monate hindurch aß selbst der Reiche fast gar kein frisches Fleisch, ausgenommen Wild und Flußfische, welche eben deshalb damals in der Haushaltung eine viel wichtigere Rolle spielten als gegenwärtig. Aus dem +Northumberland Household Book+ ersehen wir, daß unter der Regierung Heinrichs VII. selbst die Gentlemen im Gefolge eines großen Earl nur während der kurzen Zeit zwischen der Mitte des Sommers und Michaelis frisches Fleisch genossen. Im Laufe von zwei Jahrhunderten waren jedoch schon manche Verbesserungen in der Viehzucht eingetreten, und unter Karl II. legten die Familien ihren Wintervorrath von gesalzenem Fleische, das man damals Martinsfleisch nannte, nicht vor Anfang Novembers ein.[41]
Die Schafe und Rinder jener Zeit waren im Vergleich mit denen, welche heutzutage auf unsere Märkte getrieben werden, sehr klein.[42] Unsere einheimischen Pferde waren zwar brauchbar, aber nicht besonders geschätzt und ziemlich wohlfeil. Die zuverlässigsten Autoritäten in der Berechnung des Nationalreichthums schlugen sie im Durchschnitt auf nicht höher als funfzig Schilling das Stück an. Die Pferde ausländischer Zucht wurden allgemein vorgezogen, und für die schönsten galten die spanischen Zelter, welche für den Bedarf des Luxus und des Kriegs eingeführt wurden. Die Kutschen des hohen Adels wurden von grauen flamändischen Stuten gezogen, welche für die elegantesten Traber galten und besser als irgend ein einheimischer Schlag geeignet sein sollten, die damaligen plumpen Equipagen über das holperige Straßenpflaster von London zu schleppen. Weder das Zugpferd noch das Racepferd der Neuzeit waren damals bekannt. Erst zu einer viel späteren Periode wurden die Vorfahren der riesigen Vierfüßler, welche jetzt von allen Fremden zu den größten Merkwürdigkeiten der Weltstadt gerechnet werden, aus dem Moorlande von Walcheren, die Ahnen eines Childers und Eclipse[43] aus den Sandwüsten Arabiens zu uns gebracht. Indessen war schon damals unser Adel und unsre Gentry für die Vergnügungen der Rennbahn leidenschaftlich eingenommen. Man sah die Nothwendigkeit ein, unsere Gestüte durch Beimischung fremden Blutes zu veredeln, und zu diesem Zwecke war vor kurzem eine beträchtliche Anzahl von Pferden aus der Barbarei eingeführt worden. Zwei Männer, deren Autorität in solchen Dingen besonderes Gewicht hatte, der Herzog von Newcastle und Sir John Fenwick, erklärten, daß der geringste Klepper aus Tanger eine schönere Nachkommenschaft erzeugen werde, als man sie von dem besten Hengste unserer einheimischen Zucht erwarten könne. Sie ahneten damals schwerlich, daß eine Zeit kommen würde, wo die Fürsten und Edelleute der Nachbarstaaten eben so eifrig bemüht waren, Pferde aus England zu beziehen, als die Engländer damals nach der Einführung von Berberrossen trachteten.[44]
[Anmerkung 35: +King's Natural and Political Conclusions. Davenant, On the Balance of Trade.+]
[Anmerkung 36: Siehe das +Itinerarium Angliae, 1675+, von John Ogilby, königl. Kosmographen. Nach seiner Beschreibung befanden sich in einem großen Theile des Landes zu beiden Seiten der Straßen nichts als Wald, Sumpf und Haide. Auf einigen seiner Karten sind die durch eingehegtes Land gehenden Straßen mit Linien, und die durch uneingehegtes führenden mit Punkten bezeichnet. Der verhältnißmäßige Umfang des nicht eingehegten Landes, das, wenn es überhaupt angebaut war, doch sehr schlecht angebaut sein mußte, scheint sehr bedeutend gewesen zu sein. Zwischen Abingdon und Gloucester zum Beispiel, eine Strecke von vierzig bis funfzig Meilen, befand sich nicht eine einzige Einfriedigung, zwischen Biggleswade und Lincoln kaum eine solche.]
[Anmerkung 37: Eine große Anzahl von diesen höchst interessanten Zeichnungen befinden sich in der Sammlung, welche Grenville dem Britischen Museum vermacht hat.]
[Anmerkung 38: +Evelyn's Diary+ vom 2. Juni 1675.]
[Anmerkung 39: Siehe +White's Selborne+; +Bell's History of British Quadrupeds+; +Gentleman's Recreation, 1686+; +Aubrey's Natural History of Wiltshire, 1685+; +Morton's History of Northamptonshire, 1712+; +Willoughby's Ornithology+, herausgegeben von Ray, 1678; +Latham's General Synopsis of Birds+ und +Sir Thomas Browne's Account of Birds found in Norfolk.+]
[Anmerkung 40: +King's Natural and Political Conclusions+; +Davenant, On the Balance of Trade.+]
[Anmerkung 41: Siehe die Almanachs von 1684 und 1685.]
[Anmerkung 42: Siehe +M'Culloch's Statistical Account of The British Empire III.+ Thl. 1. Kap. 6. Abschn.]
[Anmerkung 43: Namen berühmter Rennpferde der Neuzeit. Anm. d. Übers.]
[Anmerkung 44: King und Davenant wie oben; der Herzog von Newcastle über die Reitkunst; +Gentleman's Recreation, 1686+. Die scheckigen flandrischen Stuten waren zu Pope's Zeiten und auch noch später Zeichen von Vornehmheit. Das gemeine Sprichwort »die graue Stute ist das beste Pferd« hat, wie ich vermuthe, seinen Ursprung ebenfalls in dem Vorzuge, den man den grauen flandrischen Stuten vor den schönsten englischen Kutschpferden gab.]
[_Mineralreichthum des Landes._] So groß aber auch die Vermehrung der Erzeugnisse des Pflanzen- und Thierreichs war, so erscheint sie doch nur unbedeutend im Vergleich mit der Zunahme unseres Mineralreichthums. Im Jahre 1685 war das Zinn von Cornwall, welches vor mehr als zwei Jahrtausenden die tyrischen Schiffe bis über die Säulen des Herkules hinaus gelockt hatte, noch eines der werthvollsten unterirdischen Erzeugnisse der Insel. Die Quantität, welche davon alljährlich gewonnen wurde, belief sich einige Jahre später auf sechzehnhundert Tonnen, ungefähr ein Drittel des gegenwärtigen Ertrags.[45] Aber die in der nämlichen Gegend befindlichen Kupferadern wurden zur Zeit Karl's II. noch fast gar nicht beachtet, und kein Grundeigenthümer brachte sie mit in Anschlag, wenn er den Werth seines Besitzthums feststellte. Gegenwärtig liefern Cornwall und Wales zusammen jährlich nahe an 15,000 Tonnen Kupfer im Werthe von fast anderthalb Millionen Pfund Sterling, das heißt dem ungefähren doppelten Werthe der jährlichen Ausbeute aller englischen Bergwerke irgend welcher Art zusammengenommen im siebzehnten Jahrhunderte.[46] Das erste Steinsalzlager war nicht lange nach der Restauration in Cheshire entdeckt worden, scheint aber damals noch nicht ausgebeutet worden zu sein. Das Salz, welches durch ein rohes Verfahren aus Salzquellen gewonnen wurde, war nicht sehr geschätzt. Die Pfannen, in denen die Bereitung geschah, dünsteten einen Schwefelgeruch aus und nach vollendeter Verdampfung war die zurückgebliebene Substanz fast unbrauchbar. Die Ärzte schrieben die unter den Engländern verbreiteten Skorbut- und Lungenaffectionen diesem ungesunden Gewürz zu. Es wurde daher von den höheren und mittleren Ständen nur selten gebraucht und in Folge dessen fand eine regelmäßige und bedeutende Einfuhr aus Frankreich statt. Gegenwärtig decken unsere Quellen und Bergwerke nicht allein unseren eigenen großen Bedarf, sondern versenden jährlich noch ungefähr 700 Millionen Pfund vortrefflichen Salzes nach dem Auslande.[47]
Noch viel bedeutender sind die Fortschritte unsrer Eisenerzeugung. Schon lange existirten auf unsrer Insel Eisenwerke, aber sie wollten nicht gedeihen und wurden weder von der Regierung noch vom Publikum mit günstigen Augen angesehen. Es war damals noch nicht gebräuchlich, zum Schmelzen des Erzes Kohlen anzuwenden und der ungeheure Verbrauch von Holz machte die Staatsökonomen besorgt. Schon unter der Regierung Elisabeth's klagte man laut darüber, daß ganze Wälder geschlagen wurden, um die Schmelzöfen zu speisen und das Parlament war eingeschritten, indem es den Fabrikanten verbot, Bauholz zu brennen. In Folge dessen gerieth die Fabrikation ins Stocken. Zu Ende der Regierung Karl's II. wurde ein großer Theil des Eisenbedarfs für das Land von auswärts eingeführt und die Gesammtmasse des bei uns gewonnenen Eisens betrug nicht über zehntausend Tonnen. Gegenwärtig gilt dieser Fabrikationszweig für gedrückt, wenn weniger als eine Million Tonnen im Jahre producirt werden.[48]
Noch ist ein Mineral zu erwähnen, das vielleicht wichtiger ist als selbst das Eisen. Obwohl die Steinkohle in den Fabriken noch fast gar keine Verwendung fand, so war sie doch in einigen Gegenden, die so glücklich waren, große Lager davon zu besitzen, wie auch in der Hauptstadt, welche zu Wasser leicht damit versehen werden konnte, bereits das gewöhnliche Brennmaterial. Man kann mit Recht annehmen, daß damals mindestens die Hälfte der aus allen Gruben gewonnenen Menge in London verbraucht wurde. Die Consumtion Londons erschien den Schriftstellern jener Zeit ungeheuer und ward von ihnen oft als ein Beweis für die Größe der Hauptstadt erwähnt. Sie erwarteten kaum Glauben zu finden, wenn sie versicherten, daß in dem letzten Regierungsjahre Karls II. 280,000 Chaldrons, das heißt etwa 350,000 Tonnen zur Themse gebracht worden seien. Gegenwärtig braucht London jährlich nahe an 3½ Millionen Tonnen und die gesammte Jahresausbeute des Landes darf nach der mäßigsten Schätzung nicht unter 30 Millionen Tonnen angeschlagen werden.[49]
[Anmerkung 45: Siehe eine interessante Note von Tonkin in Lord de Dunstanville's Ausgabe von +Carew's Survey of Cornwall.+]
[Anmerkung 46: +Borlase's Natural History of Cornwall, 1758.+ Meine Angabe der gegenwärtig erzeugten Kupfermenge ist den statistischen Verzeichnissen des Parlaments entnommen. Davenant schätzte den jährlichen Ertrag aller Bergwerke Englands im Jahre 1700 auf sieben- bis achtmalhunderttausend Pfund Sterling.]
[Anmerkung 47: +Philosophical Transactions+ Nr. 53, Nov. 1669, Nr. 66, Dec. 1670, Nr. 103, Mai 1674, Nr. 156, Febr. 1683--1684.]