Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zweiter Band

Part 20

Chapter 203,208 wordsPublic domain

Als Jakob die Regierung antrat, war er in Ungewißheit, ob das Königreich sich gutwillig seiner Gewalt fügen werde. Die Ausschließungsmänner, welche vor kurzer Zeit noch so große Macht besaßen, konnten die Waffen gegen ihn ergreifen, er konnte französisches Geld und französische Truppen sehr nothwendig brauchen müssen, und so ließ er sich bestimmen, einige Tage lang die Rolle eines Schmeichlers und Bettlers zu spielen. Er bat demüthig um Verzeihung, daß er sich erlaubt habe, sein Parlament ohne Genehmigung der französischen Regierung zusammen zu berufen. Er bat dringend um französische Subsidiengelder, vergoß Freudenthränen über die französischen Wechsel und schickte eine außerordentliche Gesandtschaft nach Versailles, welche die Versicherung seiner Dankbarkeit, Ergebenheit und Unterwerfung überbringen sollte. Die Gesandtschaft war jedoch kaum abgegangen, als auch schon seine Gesinnungen sich änderten. Man hatte ihn aller Orten ohne einen einzigen Aufstand, ohne jede aufrührerische Kundgebung zum König ausgerufen, aus jedem Winkel der Insel kamen Nachrichten, daß das Volk ruhig und gehorsam sei, und sein Muth nahm überhand. Das unwürdige Verhältniß, in welchem er zu einer fremden Macht stand, schien ihm jetzt unerträglich, er wurde anmaßend, rechthaberisch, großprahlerisch und streitsüchtig. Er sprach in einem so hohen Tone über die Würde seiner Krone und das Gleichgewicht der Macht, daß sein ganzer Hof nichts Geringeres vermuthete, als eine vollständige Revolution in der auswärtigen Politik des Königreichs. Er gab Churchhill Befehl, eine genaue Darstellung des Ceremoniells in Versailles einzusenden, damit der französische Gesandte zu Whitehall nur dieselben Ehren empfangen möchte, welche der englischen Gesandtschaft am französischen Hofe zu Theil geworden waren. Die Kunde von dieser Sinnesänderung wurde zu Madrid, Wien und im Haag mit großer Freude aufgenommen.[41] Anfänglich fand Ludwig die Sache nur spaßhaft. »Mein guter Bundesgenosse spricht stolz«, sagte er, »aber er hat eben so große Liebe zu meinen Pistolen, wie sein Bruder sie jemals hatte.« Bald jedoch erregte das veränderte Betragen Jakob's, und die Erwartungen, welche daraus für die beiden Zweige des Hauses Österreich hervorgingen, ernstere Aufmerksamkeit. Ein interessanter Brief des französischen Königs ist auf unsre Zeiten gekommen, worin derselbe den starken Verdacht ausspricht, daß er betrogen sei, und daß die Summen, welche er nach Westminster gesandt, gegen ihn benutzt werden könnten.[42]

Zu dieser Zeit hatte sich England von der Bestürzung und den Befürchtungen erholt, welche durch den Tod des gutmüthigen Karl hervorgerufen worden waren. Die Tories bekannten offen ihre Anhänglichkeit an den neuen Herrscher und die Whigs wagten nicht, ihren Haß zu zeigen. Die große Masse, welche nicht bleibend einer Partei angehört, sondern heute dem Whiggismus, morgen dem Toryismus huldigt, stand noch immer auf Seiten der Tories. Die Reaction, welche nach der Auflösung des Oxfordparlaments eintrat, hatte ihre Kraft noch nicht erschöpft.

[Anmerkung 41: Berathungen des spanischen Staatsraths am 2.(12.) und 16.(26.) April 1685, in den Archiven von Simancas.]

[Anmerkung 42: Ludwig an Barillon vom 22. Mai (1. Juni) 1685; +Burnet, I. 623.+]

[_Öffentliche Ausübung des katholischen Ritus in Jakob's Palaste._] Der König unterwarf die Loyalität seiner protestantischen Freunde sehr bald einer Prüfung. So lange er noch Unterthan war, hatte er die Gewohnheit, die Messe bei verschlossenen Thüren in einer kleinen Kapelle zu hören, welche für seine Gemahlin hergestellt worden; jetzt gab er Befehl, die Thüren zu öffnen, damit Alle, welche in der Absicht ihm ihre Ehrfurcht zu bezeigen nach Hofe kamen, die Ceremonie mit ansehen möchten. Bei der Erhebung der Hostie entstand im Vorzimmer eine heillose Verwirrung. Die Katholiken sanken auf die Knie, die Protestanten verließen das Zimmer. Es wurde bald darauf im Palaste eine neue Kanzel hergestellt, und während der Fastenzeit eine Reihe von Predigten durch katholische Geistliche vorgetragen, zur größten Entrüstung der eifrigen Anhänger der Landeskirche.[43]

Eine Neuerung ernsterer Art folgte. Die Charwoche kam heran, und der König faßte den Entschluß, die Messe mit derselben Pracht zu hören, welche seine Vorgänger zur Schau gestellt hatten, wenn sie sich in die Gotteshäuser der Landeskirche verfügten. Er theilte seine Absicht den drei Mitgliedern des inneren Kabinets mit und beanspruchte ihre Begleitung. Sunderland, bei welchem alle Religionen gleiche Geltung hatten, willigte ohne Weiteres ein; Godolphin als Kammerherr der Königin war daran gewöhnt, derselben den Arm zu bieten wenn sie nach der Kapelle ging, und deshalb trug er kein Bedenken von Amtswegen sich in dem Hause Rimmon's zu demüthigen. Aber Rochester war in großer Verlegenheit. Sein Einfluß im Lande gründete sich auf die vom Klerus und der Partei der Tories gefaßte Meinung, daß er ein eifriger unbeugsamer Anhänger der Landeskirche sei, und seine Rechtgläubigkeit galt als ein vollkommener Ersatz für Fehler, welche ihn außerdem zum mißliebigsten Manne im Reiche gemacht hätten: für grenzenlosen Hochmuth, übertriebene Heftigkeit und Brutalität.[44] Er hegte die Besorgniß, daß durch Fügsamkeit in das königliche Verlangen er die Achtung seiner Partei verlieren würde. Nach einigen Debatten bekam er die Erlaubniß, die Festtage außerhalb der Hauptstadt zu verleben; alle übrigen hohen Staatsbeamten erhielten die Aufforderung, am Ostersonntag auf ihrem Posten zu sein. Die Gebräuche der römischen Kirche wurden wiederum nach einem Zeitraum von einhundert und siebenundzwanzig Jahren zu Westminster mit königlicher Pracht ausgeübt. Die Garden standen in Parade, die Ritter des Hosenbandes trugen die großen Bänder. Der Herzog von Somerset, unter den weltlichen Großen des Reiches im Range der zweite, hielt das Staatsschwert. Ein langer Zug hoher Lords geleitete den König nach seinem Sitze, doch bemerkte man, daß Ormond und Halifax im Vorzimmer zurückblieben. Noch vor wenigen Jahren hatten sie die Sache Jakob's muthig gegen einige von Denen beschützt, welche sich jetzt an ihnen vorüberdrängten. Ormond hatte sich bei den Hinopferungen der Katholiken nicht betheiligt, Halifax hatte den Muth gehabt, Stafford für unschuldig zu erklären. Während Diejenigen, welche den Mantel nach dem Winde hingen, einst vorgaben, schon bei dem Gedanken an einen katholischen König sich zu entsetzen, und unbarmherzig das unschuldige Blut eines katholischen Peers vergossen, stießen sie jetzt einander zur Seite, um sich dem katholischen Altar zu nähern. Wohl hatte der vollkommene Trimmer einiges Recht, sich mit geheimem Stolze seines unpopulären Spottnamens zu freuen.[45]

[Anmerkung 43: +Clarke's Life of James de Second, II. 5.+; Barillon, 19. Febr. (1. März) 1685; +Evelyn's Diary, March 5. 1684--85.+]

[Anmerkung 44:

Und wird von ihm etwas begehrt So schimpft und flucht er unerhört, Als wärs ein Löffeldieb, der bei ihm eingekehrt.

+Lamentable Lory, a Ballad, 1684.+]

[Anmerkung 45: Barillon, April 20.(30.) 1685.]

[_Jakob's Krönung._] Eine Woche nach dieser Ceremonie brachte Jakob seinen eigenen religiösen Vorurtheilen ein bedeutenderes Opfer, als er jemals von einem seiner protestantischen Unterthanen beansprucht hatte. Er wurde am 23. April, dem Tage des heiligen Schutzpatrons des Reiches gekrönt. Die Abtei und die Halle waren prachtvoll geschmückt, und die Anwesenheit der Königin, umgeben von den Damen der Peers, gab der Festlichkeit einen Glanz, welcher bei der prachtvollen Inauguration des vorigen Königs gefehlt hatte. Diejenigen aber, die sich derselben noch erinnerten, meinten doch, daß der jetzigen Feierlichkeit etwas äußerst Erhebliches mangle. Es war eine alte Sitte, daß der Souverain vor seiner Krönung umgeben von den Herolden, Richtern, Geheimen Räthen, Lords und Großwürdenträgern im glänzenden Zuge vom Tower nach Westminster ritt. Die letzte und prachtvollste dieser Cavalcaden war die, welche sich durch die Hauptstadt bewegte, als die durch die Restauration hervorgerufenen Empfindungen noch in voller Kraft waren. Triumphbögen überragten die Straßen, ganz Cornhill, Cheapside, der St. Paulskirchhof, Fleet Street und der Strand waren mit Schaugerüsten umgeben, und die ganze City eingeladen, das Königthum in der prachtvollsten und feierlichsten Gestalt zu bewundern, in der es sich zeigen kann. Jakob ließ die Kosten berechnen, welche eine solche Procession erfordern würde, und da sich herausstellte, daß dieselben ungefähr die Hälfte der Summe betragen würde, welche er zur Anschaffung von Schmuck für seine Gemahlin bestimmt hatte, so faßte er den Entschluß, da verschwenderisch zu sein, wo Sparsamkeit an ihrem Orte, und geizig, wo Verschwendung zu entschuldigen gewesen wäre. Der Putz der Königin wurde mit hunderttausend Pfund bezahlt, und der Festzug vom Tower unterblieb. Die Thorheit dieses Verfahrens ist einleuchtend. Wenn Prunk im Staatsleben von Vortheil ist, so kann er es nur als Mittel sein, um auf die Phantasie der Menge einzuwirken. Es verräth einen hohen Grad von Beschränktheit, das gemeine Volk von einem glänzenden Schauspiel zurückzuweisen, dessen Zweck eben darin besteht, einen Eindruck auf den großen Haufen zu machen. Jakob hätte eine weit vernünftigere Freigebigkeit und weisere Sparsamkeit gezeigt, wenn er London mit der gewohnten Pracht von Ost nach West durchzogen und die Staatskleider seiner Gemahlin etwas weniger reich mit Perlen und Diamanten hätte besetzen lassen. Seine Nachfolger ahmten übrigens sein Beispiel noch lange Zeit nach, und Geldsummen, welche vernünftig angewendet einem großen Theile des Volkes einen außerordentlichen Genuß verursacht haben würden, verschwendete man zu Schaustellungen, welchen nur drei- bis viertausend bevorzugte Personen beiwohnen durften. Schließlich trat der altehrwürdige Gebrauch wieder ins Leben. An dem Tage, wo die Königin Victoria gekrönt wurde, fand ein Festzug statt, bei welchem zwar nicht wenig Mängel zu bemerken waren, der aber mit theilnehmender Freude von einer halben Million ihrer Unterthanen betrachtet ward, und ohne Zweifel weit größeres Vergnügen machte und höhere Begeisterung hervorrief, als das kostbarere Schauspiel, dessen Zeuge ein auserwählter Kreis im Innern der Abtei war.

Jakob hatte Sancroft den Auftrag ertheilt, das Ritual abzukürzen. Öffentlich führte man als Ursache an, daß der Tag zur Durchführung alles dessen, was zu thun sei, zu kurz wäre, aber wer die Abänderungen, welche getroffen wurden, genauer prüft, wird finden, daß man die Beseitigung einiger, die religiösen Gefühle eines Katholiken verletzenden Dinge beabsichtigte. Der Dienst beim Abendmahl wurde nicht verlesen, die Ceremonie, dem Souverain ein prachtvoll gebundenes Exemplar der englischen Bibel zu überreichen, und ihn zu ermahnen, höher als alle Reichthümer der Erde ein Buch zu schätzen, welches er, als von falschen Lehren entstellt betrachten gelernt hatte -- kam in Wegfall. Was aber alle diese Abkürzungen noch übrig ließen, hätte wohl in dem Herzen eines Mannes, welcher überzeugt war, daß die englische Kirche eine ketzerische Genossenschaft sei, in deren Schooße man auf keine Seligkeit zu hoffen habe, Bedenklichkeiten erregen können. Der König legte ein Opfer auf dem Altar nieder, schien in die Bitten der Litanei einzustimmen, welche die Bischöfe absangen, erhielt von den falschen Propheten die eine göttliche Ausgießung darstellende Salbung und sank mit dem Ausdruck der Demuth auf die Knie, während sie den heiligen Geist auf ihn herabriefen, dessen böse und hartnäckige Feinde sie nach seiner Meinung waren. So groß zeigen sich die Widersprüche in der menschlichen Natur, daß dieser Mann, der aus fanatischem Eifer für seinen Glauben drei Königreiche von sich warf, lieber eine Handlung beging, die einer Apostasie sehr ähnlich sah, als daß er das kindische Vergnügen entbehrte, mit dem symbolischen Tand der königlichen Gewalt geschmückt zu werden.[46]

Franz Turner, Bischof von Ely, hielt die Predigt. Er gehörte zu jenen Schriftstellern, welche noch immer den veralteten Styl des Erzbischofs Williams und des Bischofs Andrews nachahmten. Die Predigt bestand aus gezierten Künsteleien, wie sie siebzig Jahre früher Bewunderung hervorgerufen haben würden, die aber den Spott einer Generation erregten, welche an die reinere Beredtsamkeit eines Sprat, South und Tillotson gewöhnt war. König Salomo war König Jakob, Adonia war Monmouth. Joab war ein Roggenhaus-Verschwörer, Simei ein whiggistischer Pasquillant, Ab Jathar ein redlicher, aber der Verführung erlegener Kavalier. Eine Stelle in den Büchern der Chronik wurde dergestalt interpretirt, daß der König über dem Parlament stehe, und eine andre als Beweis citirt, daß blos der König das Recht habe, die Miliz zu commandiren. Am Ende des Vortrags deutete der Prediger äußerst schüchtern auf die neue und schwierige Situation hin, in der sich die Kirche hinsichtlich des Souverains befand, und erinnerte seine Zuhörer, daß Kaiser Constantius Chlorus, obgleich kein Christ, doch diejenigen Christen hoch geachtet, welche ihrer Religion treu blieben, diejenigen aber mit Verachtung behandelt habe, welche sein Wohlwollen durch Abfall zu erwerben suchten. Nach dem Gottesdienste fand ein großes Banket in der Halle statt, dem Banket folgte ein Feuerwerk, und dem Feuerwerke eine Menge schlechte poetische Ergüsse.[47]

[Anmerkung 46: Aus Adda's Depesche vom 22. Jan. (1. Febr.) 1686 und aus den Worten des Paters d'Orleans (+Histoire des Revolutions d'Angleterre liv. XI+) geht hervor, daß die strengen Katholiken das Verfahren des Königs für unverantwortlich hielten.]

[Anmerkung 47: +London Gazette+; +Gazette de France+; +Clarke's Life of James the Second, II. 10+; +History of the Coronation of King James the Second and Queen Mary by Francis Sandford, Lancaster Herald, fol. 1687+; +Evelyn's Diary, May 21. 1685.+ Depesche der holländischen Gesandten vom 10.(20.) April 1685; +Burnet, I. 628+; +Eachard, III. 734+; +A Sermon, preached before their Majesties King James the Second and Queen Mary at their Coronation in Westminster Abbey, April 23. 1685 by Francis, Lord Bishop of Ely and Lord Almoner.+ Ich habe einen italienischen Bericht in der Hand gehabt, welcher in Modena veröffentlicht und besonders wegen der Geschicklichkeit merkwürdig ist, womit der Verfasser die Thatsache umgeht, daß die Gebete und Psalmen englisch und die Bischöfe Ketzer waren.]

[_Enthusiastische Adressen der Tories._] Diesen Moment kann man als denjenigen bezeichnen, wo die Begeisterung der Torypartei den Culminationspunkt erreicht hatte. Seit dem Antritte seiner Regierung war der neue König mit Adressen überschüttet worden, welche die tiefste Verehrung für seine Person und sein Amt und den stärksten Abscheu gegen die besiegten Whigs aussprachen. Die Magistratspersonen von Middlesex dankten Gott, daß er die Anschläge jener Königsmörder und Ausschließungsmänner zu Nichte gemacht, welche, nicht zufrieden, einen vortrefflichen Fürsten gemordet zu haben, auch mit der Absicht umgegangen seien, die Grundpfeiler der Monarchie umzustürzen. Die Stadt Gloucester verdammte die blutgierigen Bösewichter, welche den Versuch gewagt hätten, Se. Majestät um ihr Erbrecht zu bringen. Die Bürgerschaft von Wigan versprach ihrem Herrscher, daß sie ihn gegen alle verschwörungssüchtigen Ahitophels und rebellischen Absaloms vertheidigen wollte. Die große Jury von Suffolk sprach die Hoffnung aus, daß das Parlament alle Ausschließungsmänner in die Verbannung schicken werde. Verschiedene Körperschaften verpflichteten sich, niemals Jemand in das Parlament zu wählen, der seine Stimme für die Entziehung von Jakob's Geburtsrecht gegeben habe. Selbst die Hauptstadt zeigte sich höchst unterwürfig. Die Juristen und der Handelsstand wetteiferten zusammen in der Dienstbeflissenheit. Die Collegien der Gerichtshöfe des gemeinen Rechts und der Kanzlei übersandten bombastische Versicherungen der Anhänglichkeit und Devotion, und die großen Handelsgesellschaften, die Ostindische Compagnie, die Afrikanische, Türkische, Moskowitische, Hudsonsbai-Compagnie, die Marylandkaufleute, die Jamaikakaufleute, die abenteuernden Kaufleute, sie Alle erklärten, daß sie sich der königlichen Verordnung, welche von ihnen die fernere Bezahlung des Zolles beanspruchte, gern fügten. Bristol, die zweite Stadt Englands, war das Echo von London, nirgends aber zeigte sich der Geist der Loyalität bedeutender, als an den beiden Universitäten. Oxford versicherte, daß es nimmer die religiösen Grundsätze aufgeben werde, welche ihm die Verbindlichkeit auferlegten, dem König ohne jeden Vorbehalt und jede Beschränkung Gehorsam zu leisten; Cambridge mißbilligte in den heftigsten Ausdrücken die Eigenmächtigkeit und Verrätherei jener unruhigen Männer, welche den böswilligen Versuch gewagt hätten, den Gang der Thronfolge aus seiner alten Bahn zu drängen.[48]

[Anmerkung 48: Siehe die London Gazette in den Monaten Februar, März und April 1685.]

[_Die Wahlen._] Adressen, wie die angeführten, füllten lange Zeit die Nummern der Londoner Zeitung, doch bewiesen die Tories nicht nur durch Adressen ihren Eifer. Die Aufforderungen zur Wahl eines neuen Parlaments waren erlassen worden und das Land durch die geräuschvolle Thätigkeit der Wählenden in Aufregung versetzt. Noch nie hatte die Wahl unter Verhältnissen stattgefunden, welche dem Hofe so günstig waren wie die jetzigen. Hunderttausende, welche das papistische Complot zum Whiggismus getrieben, waren durch das Ryehousecomplot wieder zum Toryismus zurückgescheucht worden. In den Grafschaften konnte die Regierung auf eine überwiegende Majorität der Gentlemen mit dreihundert Pfund und mehr jährlichen Einkommens, so wie bei dem Klerus auf jedes Mitglied desselben zählen. Jenen Burgflecken, einst die Festungen des Whiggismus, hatte man kürzlich durch richterlichen Ausspruch ihre Freibriefe entzogen, oder sie waren dem Urtheil durch freiwilliges Aufgeben derselben zuvorgekommen. Sie waren jetzt in der Art umgestaltet, daß man überzeugt sein konnte, sie würden bei der Wahl nur auf Männer reflectiren, welche der Krone zugethan waren. Wo man den Stadtbewohnern kein Vertrauen schenken konnte, wurde das Wahlrecht auf die benachbarten Squires übertragen. In einigen kleinen Corporationen des Westens bestanden die Wahlkörper hauptsächlich aus Hauptleuten und Leutnants der Garde. Überall handelten die Wahlbeamten im Interesse des Hofes. Der Lordlieutenant und seine Abgeordneten bildeten in jeder Grafschaft einen mächtigen, thätigen und aufmerksamen Ausschuß, um die Freisassen zu gewinnen und einzuschüchtern. Von tausend Kanzeln ertönten feierliche Warnungen, für keinen Whigcandidaten zu stimmen, indem eine solche Handlung vor Demjenigen zu verantworten sein werde, der die Obrigkeit angeordnet und die Rebellion für eine eben so große Todsünde erklärt habe, wie die Zauberei. Alle diese Vortheile benutzte die herrschende Partei nicht nur aufs Äußerste, sondern trieb mit ihnen einen so schamlosen Mißbrauch, daß ruhige und besonnene Männer, welche der Monarchie in der Gefahr treu zur Seite gestanden und weder für Republikaner, noch für Schismatiker eingenommen waren, erschraken und aus solchem Beginnen das Herannahen schlimmer Zeiten weissagten.[49]

Die Whigs aber, obgleich sie die gerechte Vergeltung ihrer Irrthümer erduldeten, obgleich sie besiegt, entmuthigt und zersprengt waren, wichen nicht ohne Kampf. Noch immer waren sie eine bedeutende Anzahl, namentlich aus den Handelsleuten und Handwerkern der Städte und den Freisassen und Landleuten des flachen Landes bestehend. In einigen Bezirken, wie in Dorsetshire und in Somersetshire bildeten sie die Mehrzahl der Bevölkerung. Zwar konnten sie in den neuconstituirten Burgflecken nichts ausrichten, aber in jeder Grafschaft, wo sich ihnen irgend eine Aussicht bot, kämpften sie wie Verzweifelte. In Bedfordshire, dessen letzter Vertreter der edle, tugendhafte Russel gewesen war, siegten sie beim Händeaufheben, unterlagen aber bei der Abstimmung.[50] In Essex hatten sie dreizehnhundert Stimmen gegen achtzehnhundert.[51] Bei der Wahl für Northampton war der Pöbel in seinem Hasse gegen den Candidaten des Hofes so heftig, daß Truppen auf dem Marktplatze der Hauptstadt der Grafschaft aufgestellt wurden und Befehl erhielten, scharf zu laden.[52] Die Geschichte des Wahlgefechts um Buckinghamshire ist noch merkwürdiger. Der Candidat der Whigs, Thomas Wharton, ältester Sohn von Lord Philipp Wharton, war ein durch Gewandtheit und Kühnheit ausgezeichneter Mann, und bestimmt, eine hervorragende, wenn auch nicht immer achtungswerthe Rolle in der Politik verschiedener Regierungen zu spielen. Er gehörte zu den Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, welche damals die Ausschließungsbill vor die Schranke des Hauses der Lords gebracht hatten. Der Hof bemühte sich daher, ihn durch redliche oder unredliche Mittel zu beseitigen. Der Lord Oberrichter Jeffreys verfügte sich selbst nach Buckinghamshire, um einem Gentleman, mit Namen Hacket, beizustehen, welcher zu den Hochtories gehörte. Es wurde eine Kriegslist ersonnen, von der man erwartete, daß sie nicht mißglücken könne. Man verbreitete das Gerücht, die Wahl solle zu Ailesbury vor sich gehen, und Wharton, der eine ungemeine Geschicklichkeit in der Anwendung von Wahlkünsten besaß, entwarf auf diese Voraussetzung hin seinen Plan; im letzten Augenblicke jedoch verlegte der Sheriff die Wahlhandlung nach Newport Pagnell. Wharton verfügte sich mit seinen Freunden schleunigst dorthin, fand aber, daß Hacket, dem das Geheimniß bekannt war, dort alle Gasthäuser und sonstigen Herbergen in Beschlag genommen hatte. Die whiggistischen Freisassen sahen sich gezwungen, ihre Pferde an die Hecken zu binden und auf den Wiesen, welche die kleine Stadt umgaben, zu übernachten. Es machte außerordentliche Mühe, in so kurzer Zeit für eine so große Anzahl von Menschen und Thieren die nothwendigen Nahrungsmittel herbeizuschaffen, obgleich Wharton, der im Interesse seines Ehrgeizes und Parteigeistes kein Geld schonte, an einem Tage fünfzehnhundert Pfund ausgab, in damaliger Zeit eine sehr bedeutende Summe. Diese Ungerechtigkeit mag übrigens auf den Muth der munteren Freisassen von Bucks, der Söhne der Wähler John Hampden's, günstig eingewirkt haben, denn Wharton erhielt nicht allein die meisten Stimmen, sondern er konnte auch seine übrigen Stimmen auf einen Mann von gemäßigteren Ansichten übertragen, wodurch der Candidat des Oberrichters durchfiel.[53]