Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zweiter Band
Part 17
[Anmerkung 12: Siehe die London Gazette vom 21. Nov. 1678. Barillon und Burnet versichern, daß Huddleston von allen Parlamentsacten, welche gegen Priester erschienen, ausgenommen gewesen sei, doch ist das ein Irrthum.]
[Anmerkung 13: +Clarke's Life of James the Second, I. 746. Orig. Mem.+; +Barillon's Despatch of Febr. 8.(18.) 1685+; +Citters's Despatches of Febr. 3.(13.) and Febr. 6.(16.)+; +Huddleston's Narrative+; +Letters of Philip, second Earl of Chesterfield, 277+; +Sir H. Ellis's Original Letters, First Series, III. 333+; +Second Series IV. 74+; +Chaillot M.S.+; +Burnet, I, 606+; +Evelyn's Diary Feb. 4. 1684(5)+; +Welwood's Memoirs, 140+; +North's Life of Guildford, 252+; +Examen, 648+; +Hawkins's Life of Ken+; +Dryden's Threnodia Augustalis+; +Sir H. Halford's Essay on Deaths of Eminent Persons+. Man sehe auch das Bruchstück eines Briefes, welchen Lord Bruce geraume Zeit nach seiner Ernennung zum Earl von Ailesbury schrieb und welcher im +European Magazine+ vom April 1795 abgedruckt ist. Ailesbury nennt Burnet einen Betrüger, allein seine eigene Darstellung und die Burnet's werden einem unbefangenen und umsichtigen Leser keinen Widerspruch erkennen lassen. Im Britischen Museum, sowie in der Bibliothek des königlichen Instituts ist mir ein merkwürdiger Foliobogen zu Gesicht gekommen, auf welchem sich ein Bericht über den Tod Karl's befindet. Der Verfasser desselben war offenbar ein Katholik, und es müssen ihm vorzügliche Quellen zu Gebote gestanden haben. Ich vermuthe, daß er zu Jacob selbst in mittelbaren oder unmittelbaren Beziehungen gestanden haben mag. Kein Name ist ausgeschrieben, aber die Anfangsbuchstaben sind völlig verständlich, bis auf eine Stelle, Es heißt hier: Der D. von Y. sei an die Pflicht, welche er seinem Bruder schuldig, durch P. M. A. C. F. gemahnt worden. Ich muß gestehen, daß ich diese fünf letzten Buchstaben nicht zu entziffern vermag.
Man sollte meinen, es könnten uns keine Vorgänge in der Geschichte klarer sein, als diejenigen, welche sich am Sterbelager Karl's ereigneten. Es existiren verschiedene Berichte, von Personen niedergeschrieben, welche in der That an seinem Krankenbett standen, und ebenso Berichte von Anderen, die zwar nicht Augenzeugen waren, aber vorzügliche Gelegenheit hatten, von solchen Kunde zu erhalten. Wer aber auch immer versuchen wollte, diese große Menge von Stoff zu einer Erzählung zu bearbeiten, würde bald einsehen, daß er sich eine mühsame Aufgabe gestellt hat. Selbst Jakob und dessen Gemahlin, als sie die Geschichte den Nonnen von Chaillot erzählten, konnten über einige Punkte nicht ins Klare kommen. Die Königin versicherte, nachdem Karl die letzten Sakramente empfangen, hätten die protestantischen Bischöfe ihre Ermahnungen von Neuem begonnen; der König hingegen erwiderte, es sei nicht der Fall gewesen. »Gewiß«, rief die Königin, »Sie selbst haben es mir ja erzählt!« -- »Es ist nicht möglich, daß ich es Ihnen gesagt haben sollte«, entgegnete der König, »denn es ist etwas Derartiges gar nicht vorgekommen.«
Es ist zu bedauern, daß Sir Heinrich Halford sich so wenig Mühe gegeben, über die Thatsachen etwas Bestimmtes zu erfahren, die er seinem Urtheile unterwarf. Er scheint von der Existenz der Erzählungen von Jakob, Barillon und Huddleston gar nichts gewußt zu haben.
Da diese Gelegenheit die erste ist, wo ich den Briefwechsel der holländischen Gesandten am englischen Hofe erwähne, so kann ich hier nicht unbemerkt lassen, daß eine Anzahl ihrer Depeschen von der Thronbesteigung Jakob's II. an bis zu seiner Flucht einen sehr werthvollen Theil der Macintosh-Sammlung bilden. Die darauf folgenden Depeschen bis zur Festsetzung der Regierung im Februar 1689 verschaffte ich mir vom Haag. Man hat die holländischen Archive noch nicht genug durchsucht. Sie enthalten eine Menge von Nachrichten, welche für jeden Engländer vom höchsten Interesse sind. Dabei sind sie vortrefflich geordnet und werden von Männern verwahrt, deren Höflichkeit, Liberalität und Eifer für die Interessen der Literatur nicht genug gerühmt werden können. Ich spreche in der aufrichtigsten Weise meine dankbaren Verpflichtungen gegen die Herren de Jonge und Van Zwanne aus.]
[_Verdacht der Vergiftung._] In jener Zeit pflegte das gemeine Volk in ganz Europa, namentlich aber in England, den Tod fürstlicher Personen, zumal wenn der Verstorbene beim Volke beliebt war und der Tod rasch eintrat, dem abscheulichsten und schändlichsten Meuchelmorde Schuld zu geben. Man hatte Jakob I. in Verdacht, den Prinzen Heinrich vergiftet zu haben, und ebenso, behauptete man, hätte Karl I. Jakob I. ums Leben gebracht. Als während der Republik die Prinzessin Elisabeth zu Carisbrook starb, wurde laut versichert, Cromwell wäre feig und ruchlos genug gewesen, schädliche Stoffe unter die Speisen eines jungen Mädchens zu mischen, der etwas Böses zuzufügen kein einziger vernünftiger Grund vorhanden war.[14] Nach wenigen Jahren wurde die rasche Verwesung von Cromwell's eigenem Körper von Vielen einem tödtlichen Mittel schuldgegeben, welches ihm in der Arznei beigebracht worden wäre. Es ist nur zu natürlich, daß auch bei dem Tode Karl's II. ähnliche Gerüchte umgingen. Das Publikum hatte schon verschiedene Male Geschichten von papistischen Anschlägen auf des Königs Leben gehört, so daß viele Gemüther bereits von Vorurtheilen eingenommen waren, und einige unglückliche Zufälligkeiten schienen diese befangenen Gemüther darauf hinzuweisen, daß in der That ein Verbrechen verübt worden sei. Die vierzehn Ärzte, welche über den Krankheitsfall des Königs disputirten, widersprachen einander, so wie sich selbst. Einige von ihnen erklärten den Anfall für epileptischer Natur, dem man seinen ungestörten Verlauf lassen müsse; die Mehrzahl aber erklärte ihn für apoplectisch und peinigte den Kranken mehrere Stunden lang wie einen Indianer am Marterpfahl. Hierauf einigte man sich, die Krankheit ein Fieber zu nennen und ihm Quantitäten von Chinarinde einzugeben. Ein Arzt protestirte aber gegen diese Behandlung und versicherte der Königin, daß bei solchem Verfahren der König unter den Händen seiner Kollegen sterben werde. Von einer so großen Anzahl von Rathgebern ließ sich natürlich nichts Andres als Zwist und Unentschlossenheit erwarten, aber viele Leute glaubten natürlicher Weise, bei der außerordentlichen Verlegenheit dieser großen Heilkünstler, daß die Krankheit ganz ungewöhnlicher Art sein müsse. Es ist Ursache da, zu glauben, daß Short, der trotz seiner ärztlichen Geschicklichkeit doch ein reizbarer, grilliger Mann gewesen zu sein scheint und der sich vermuthlich durch die Besorgniß vor gehässigen Beschuldigungen, denen er als Katholik besonders ausgesetzt war, in nicht ganz ungestörtem Genusse seiner Urtheilskraft befand, von einem furchtbaren Verdachte ergriffen worden sei. Es kann daher nicht überraschen, wenn von dem gemeinen Volke eine Menge toller Geschichten nacherzählt und geglaubt wurden. Die Zunge Sr. Majestät war bis zur Größe einer Rindszunge angeschwollen, in seinem Gehirn hatte man eine verhärtete Masse von giftigem Pulver gefunden, auch auf seiner Brust blaue Flecken und auf seiner Schulter schwarze Flecken wahrgenommen. Es war ihm irgend Etwas in die Schnupftabaksdose gethan worden, oder auch in seine Suppe; vielleicht hatte man ihm auch in seinem Lieblingsgericht, Eier mit grauem Ambra, etwas beigebracht. Die Herzogin von Portsmouth hatte ihn mit einer Tasse Chokolade, die Königin mit einer Schale gebackener Birnen vergiftet. Solche Erzählungen verdienen aufbewahrt zu werden, denn sie geben uns einen Begriff von der Einsicht und Moralität einer Generation, welche sie begierig in sich aufnahm. Daß in unserer Zeit dergleichen Gerüchte keinen Boden mehr finden, selbst wenn Menschenleben, von denen wichtige Interessen abhängen, durch raschentwickelte Krankheitsanfälle beendigt wurden, ist eines Theils dem Fortschritte der medizinischen und chemischen Wissenschaft, so wie andren Theils, wie wir annehmen dürfen, den Fortschritten zu danken, welche das Volk in Bezug auf vernünftiges Urtheil, Gerechtigkeit und Menschlichkeit gemacht hat.[15]
[Anmerkung 14: Clarendon spricht von dieser Verleumdung mit geziemender Verachtung. Nach der freundlichen Gesinnung jener Zeit gegen Cromwell suchten viele die Ursache dieses Todesfalls in einer Vergiftung, wofür jedoch eben so wenig ein äußeres Anzeichen sprach, als jemals später ein Beweis dafür aufzufinden gewesen ist.]
[Anmerkung 15: +Welwood. 139+; +Burnet I. 609+; +Sheffield's Character of Charles the Second+; +North's Life of Guildford, 252+; +Examen, 648+; +Revolution Politics+; +Higgons on Burnet.+ Was North von der Rathlosigkeit und dem Schwanken der Ärzte sagt, bestätigen die Depeschen Citters'. Ich war sehr im Unklaren über die auffallende Geschichte hinsichtlich des Short'schen Verdachts. Einmal war ich entschlossen, die Erklärung North's anzunehmen, aber obgleich ich auf die Autorität Welwood's und Burnet's in solchem Falle wenig Gewicht lege, kann ich doch das Zeugniß eines so wohl unterrichteten und unparteiischen Mannes wie Sheffield nicht verwerfen.]
[_Rede Jakob's II. an den Geheimen Rath._] Als Alles vorüber war, zog sich Jakob von dem Sterbelager nach seinem Zimmer zurück, wo er eine Viertelstunde allein blieb. Indessen versammelten sich die im Palaste anwesenden Geheimen Räthe, der neue König erschien und nahm seinen Sitz am oberen Theile der Sessionstafel ein. Dem Herkommen gemäß eröffnete er seine Regierung mit einer Rede an den Geheimen Rath. Er sprach sein Bedauern aus, rücksichtlich des Verlustes, der ihn so eben betroffen, und versicherte, die hohe Milde nachahmen zu wollen, welche eine der vorzüglichsten Eigenschaften der letzten Regierung gewesen sei. Es sei ihm nicht unbekannt, sagte er, daß man ihn einer Vorliebe für Willkürherrschaft beschuldige, es sei das aber nicht die einzige Lüge, die sich über ihn im Umlaufe befinde. Er habe die Absicht, die bestehende Verfassung in Kirche und Staat aufrecht zu erhalten. Die Kirche von England sei ausgezeichnet loyal, daher werde er aufs Angelegentlichste bemüht sein, sie zu unterstützen und zu vertheidigen. Es sei ihm bekannt, daß Englands Gesetze genügten, ihn zu einem so großen Könige zu erheben, als er nur wünschen könne. Seine eigenen Rechte werde er streng aufrecht erhalten, aber auch die Rechte Anderer achten. Er habe vordem sein Leben bei der Vertheidigung des Vaterlandes preisgegeben und werde auch jetzt beim Schutz der gerechten Freiheiten so weit gehen wie irgend Einer. Diese Rede war nicht, wie es bei ähnlichen Gelegenheiten geschieht, von den Räthen des Souverains vorbereitet, sondern sie enthielt den augenblicklichen Ausdruck der Empfindungen des neuen Königs in einem Momente hoher Aufregung. Die Rathsmitglieder ergossen sich in lauten Äußerungen des Entzückens und der Dankbarkeit. Der Lord Präsident Rochester sprach im Namen des Kollegiums den Wunsch aus, daß Sr. Majestät glückverheißende Erklärung zur Öffentlichkeit gelangen möchte. Der Generalprokurator Heneage Finch, erbot sich, den Sekretär abzugeben. Er war ein eifriger Anhänger der Staatskirche, und als solcher wünschte er natürlich, daß die gnädige Zusage, welche so eben ausgesprochen worden, in einer unvergänglichen Urkunde wiedergegeben würde. Diese Versprechungen, rief er aus, haben einen so tiefen Eindruck auf mich gemacht, daß ich sie wörtlich wiederholen kann. Bald darauf legte er seinen Bericht vor, den Jakob durchlas, genehmigte, und darauf befahl, ihn zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. In späterer Zeit behauptete er diesen Schritt ohne die nöthige Überlegung gethan zu haben, seine vorher nicht überdachten Ausdrücke rücksichtlich der englischen Kirche seien zu stark gewesen, und Finch habe mit einer Gewandtheit, welche damals von ihm unbeachtet gelassen worden, sie noch stärker gemacht.[16]
[Anmerkung 16: +London Gazette, Feb. 9. 1684/5+; +Clarke's Life of James the second II. 3.+; +Barillon, Feb. 9.(19.)+; +Evelyn's Diary, Feb. 6.+]
[_Ausrufung Jakob's._] Der König fühlte sich durch langes Wachen und rasch auf einander folgende Gemüthsbewegungen erschöpft, und begab sich zur Ruhe. Nachdem ihn die Geheimen Räthe voll Ehrerbietung nach dem Schlafzimmer begleitet hatten, kehrten sie in den Sitzungssaal zurück, und erließen Verordnungen in Betreff der feierlichen Ausrufung. Die Garden standen unter den Waffen, die Herolde erschienen in ihren prachtvollen Wappenröcken und die Feierlichkeit ging ohne jede Störung vor sich. In den Straßen waren Weinfässer aufgestellt und die Vorübergehenden wurden aufgefordert, auf die Gesundheit des neuen Herrschers zu trinken. Obgleich aber hier und da ein Jubelruf ertönte, befand sich das Volk dennoch in keiner frohen Stimmung. Viele weinten, und man konnte wahrnehmen, daß in London kaum eine Magd war, die sich nicht mit einem Stückchen Trauerflor zu Ehren König Karl's geschmückt hätte.[17]
Das Leichenbegängniß erfuhr vielfachen Tadel. Es wäre auch wirklich eines reichen, adeligen Unterthanen kaum würdig gewesen. Die Tories tadelten mit Schonung die Sparsamkeit des neuen Königs, die Whigs raisonnirten über den Mangel an verwandtschaftlicher Zuneigung, und die heftigen schottischen Covenanters verkündigten frohlockend, daß der seit Alters her über ruchlose Fürsten verhängte Fluch offenbar in Erfüllung gegangen, und der dahingegangene Tyrann wie ein Esel zu Grabe gebracht worden sei.[18] Doch trat Jakob seine Regierung bei einem ziemlichen Maße des öffentlichen Vertrauens an. Seine Rede an den Geheimen Rath erschien im Druck und der durch sie hervorgebrachte Eindruck war ein höchst günstiger. Das war also der Fürst, den eine Partei in das Exil getrieben und seines Geburtsrechts zu berauben gesucht hatte, aus der Ursache, weil man ihn für einen heftigen Widersacher der Religion und der Landesgesetze hielt. Er hatte gesiegt, er saß auf dem Throne, und seine erste That war die Versicherung, daß er die Kirche schützen und die Rechte seines Volkes streng in Ehren halten wolle. Die Ansicht, welche jede Partei über seinen Character sich gebildet hatte, veranlaßte eine Überschätzung jedes Wortes, das von ihm kam. Die Whigs erklärten ihn für hochmüthig, unversöhnlich, starrköpfig, rücksichtslos gegen die öffentliche Meinung; die Tories rühmten seine fürstlichen Tugenden, beklagten aber dabei, daß er die Künste vernachlässige, durch welche er sich die Liebe des Volkes erwerben könne. Selbst die Satire hatte ihn nie als einen Mann hingestellt, der die Absicht habe, die Gunst des Publikums dadurch zu gewinnen, daß er etwas vorgebe, was er nicht empfinde, und etwas verspreche, was er nicht zu erfüllen beabsichtige. An dem Sonntage, welcher dem Regierungsantritt folgte, wurde seine Rede auf vielen Kanzeln erwähnt. »Wir haben jetzt für unsre Kirche« -- rief ein loyaler Prediger -- »das Wort eines Königs, und zwar eines Königs, welcher niemals schlechter war als sein Wort!« Diese geistreiche Äußerung machte bald die Runde durch Stadt und Land und wurde das Losungswort der Torypartei.[19]
[Anmerkung 17: Man sehe die in der vorhergehenden Note angeführten Citate, außerdem +Examen 647+; +Burnet I. 620+; +Higgons on Burnet.+]
[Anmerkung 18: +London Gazette, Feb. 14. 1684/5+; +Evelyn's Diary+ von demselben Datum; +Burnet I. 610+; +the Hind let loose.+]
[Anmerkung 19: +Burnet I. 628+; +Lestrange, Observator, Feb. 11. 1684/5.+]
[_Stand des Ministeriums._] Durch die Erledigung des Thrones waren sämmtliche hohe Staatsämter freigeworden, und es wurde nöthig, daß Jakob ihre Wiederbesetzung vornahm. Wenige von den Mitgliedern des vorigen Kabinets hatten Ursache, auf seine Gunst zu rechnen. Sunderland, der Staatssekretär, und Godolphin, der erste Lord des Schatzes, hatten für die Ausschließungsbill gestimmt; und Halifax, der Geheimsiegelbewahrer, hatte sich zwar mit der Kraft der Beweisführung und Beredtsamkeit derselben widersetzt, aber er war ein Todfeind von Despotismus und Papstthum. Mit tiefer Besorgniß sah er den Fortschritt der französischen Waffen auf dem Festlande und die Wirkung des französischen Goldes auf die Rathschlüsse Englands. Hätte man seinen Rath befolgt, so wären die Gesetze streng beobachtet, die besiegten Whigs mit Güte behandelt, das Parlament zusammenberufen und ein Versuch gemacht worden, die inneren Parteien zu versöhnen; die Prinzipien der Triplealliance würden alsdann unsre auswärtige Politik wieder geleitet haben. Dadurch hatte er sich Jakob's bittere Feindschaft zugezogen. Von dem Lord Siegelbewahrer Guildford ließ sich kaum behaupten, daß er einer der Parteien angehöre, in welche der Hof zerfiel. Er war keineswegs ein Freund der Freiheit und besaß doch eine so hohe Achtung vor dem Buchstaben des Gesetzes, daß er als Werkzeug willkürlicher Herrschaft nicht zu verwenden war. Die heftigen Tories bezeichneten ihn daher als Trimmer und Jakob empfand gegen ihn einen stark mit Verachtung gemischten Widerwillen. Ormond, Lord Oberhofmeister und Vicekönig von Irland, befand sich damals in Dublin. Derselbe hatte gerechtere Anwartschaft auf die Dankbarkeit des Königs, als jeder andre Unterthan. Er hatte für Karl I. tapfer die Waffen geführt, war Karl II. in die Verbannung gefolgt und seiner Loyalität trotz mancher Versuchungen treugeblieben. Obgleich zur Zeit des Übergewichts der Cabale in Ungnade gefallen, hatte er doch niemals einer factiösen Opposition sich angeschlossen und in den Tagen des papistischen Complots und der Ausschließungsbill sich unter den ersten Vertheidigern des Thrones befunden. Jetzt war er alt, und kürzlich hatte ihn das Schicksal schwer betroffen, indem er einen Sohn zu Grabe geleitet, der nach dem gewöhnlichen Gange der Dinge seinem Sarge hätte folgen müssen: den tapferen Ossory. Die anerkennungswerthen Verdienste, das hohe Alter und das häusliche Mißgeschick Ormond's erregten für ihn die allgemeine Theilnahme des Volkes. Die Kavaliere sahen in ihm ihr Haupt nach dem Rechte des Alters wie des Verdienstes, und den Whigs war wohlbekannt, daß er zwar stets treulich auf Seite der Monarchie gestanden, dabei aber niemals weder dem Despotismus noch dem Katholicismus zugethan gewesen war. Obgleich er aber die allgemeine Achtung genoß, auf die Gunst seines neuen Gebieters durfte er wenig Hoffnung setzen. Jakob hatte, als er selbst noch Unterthan war, seinen Bruder aufgefordert, mit der irischen Verwaltung eine Umänderung vorzunehmen. Karl war darauf eingegangen, und man hatte bestimmt, daß nach einigen Monaten Rochester zum Lord Statthalter ernannt werden solle.[20]
[Anmerkung 20: Die Briefe, welche Rochester und Ormond in dieser Angelegenheit gewechselt, befinden sich in der Correspondenz Clarendon's.]
[_Neue Anordnungen._] Rochester war das einzige Mitglied des Kabinets, welches sich der hohen Gunst des Königs erfreute. Man glaubte allgemein, daß er unverzüglich mit der Leitung der Geschäfte beauftragt und daß mit allen übrigen hohen Staatsbeamten ein Wechsel vorgenommen werden würde, aber diese Annahme bewies sich nur zum Theil als begründet. Rochester wurde zum Lord Schatzmeister ernannt und war als solcher erster Minister; jedoch unterblieb die Wahl eines Lord Großadmirals, sowie eines Admiralitätsraths. Der neue König, welcher für die Einzelnheiten der Marineverwaltung eingenommen war und einen vortrefflichen Beamten auf den Werften von Chatham abgegeben haben würde, entschloß sich, sein eigner Marineminister zu werden. Unter ihm wurde die Leitung dieses wichtigen Verwaltungszweiges dem Samuel Pepys übergeben, dessen Bibliothek und Tagebuch seinen Namen bis auf unsre Zeit gebracht haben. Keinen der Räthe des verstorbenen Souverains traf öffentliche Ungnade. Sunderland entwickelte eine solche Schlauheit und Gewandtheit, wußte so viel Gönner in Thätigkeit zu setzen und war in so viele Geheimnisse eingeweiht, daß man ihn im Besitze seiner Siegel ließ. Godolphin's Gefügigkeit, Fleiß, Erfahrung und Verschwiegenheit ließen sich nicht wohl entbehren, und da er beim Schatzamte überflüssig geworden war, so wurde er zum Kammerherrn der Königin erwählt. Diese drei Lords fragte der König bei allen wichtigen Angelegenheiten um Rath; was aber Ormond, Halifax und Guildford betraf, so nahm er sich vor, sie noch nicht zu entlassen, sondern nur zu demüthigen und zu peinigen.
Dem Halifax wurde befohlen, das Geheimsiegel abzugeben und das Präsidium im Geheimen Rathe zu übernehmen. Er gehorchte mit größtem Widerwillen. Denn obgleich der Vorsitzende des Geheimen Rathes immer im Range über dem Lord Geheimsiegelbewahrer stand, so war doch die Stellung eines Geheimsiegelbewahrers zu damaliger Zeit eine viel wichtigere, als die eines Lord-Präsidenten. Rochester hatte den Witz, der vor einigen Monaten bei seinem Abgange vom Schatzamte gemacht worden, noch nicht vergessen, und genoß nun seines Theils das Vergnügen, seinen Nebenbuhler die Treppe hinaufzuwerfen. Das Geheimsiegel empfing Rochester's älterer Bruder, Heinrich Earl von Clarendon. Vor Barillon machte Jakob kein Hehl aus seinem heftigen Widerwillen gegen Halifax. »Ich kenne ihn wohl, es ist ihm nicht zu trauen, er soll bei den Staatsgeschäften nicht verwendet werden! Was die Stellung betrifft, die ich ihm angewiesen habe, so wird dieselbe dazu dienen, um zu zeigen, wie unbedeutend sein Einfluß ist.« Halifax gegenüber hielt man es freilich für gerathener, in ganz andrer Weise zu sprechen. »Alles Geschehene ist vergessen, sagte der König, mit Ausnahme des Dienstes, welchen Sie mir bei der Debatte über die Ausschließungsbill erzeigt haben.« Diese Bemerkung ist oft als Beweis angeführt worden, daß Jakob nicht so rachsüchtig gewesen sei, als seine Feinde behaupteten; sie scheint jedoch eher darzuthun, daß er durchaus des Lobes nicht würdig ist, welches seine Freunde seiner Offenherzigkeit ertheilten.[21]
Ormond wurde höflich in Kenntniß gesetzt, daß man seine Dienste in Irland nicht länger beanspruche, und aufgefordert, nach Whitehall zu gehen und das Amt eines Lord Oberhofmeisters zu übernehmen. Er fügte sich pflichtgemäß, machte aber kein Hehl daraus, daß die neue Anordnung seine Gefühle tief verletze. Am Abend vor seiner Abreise gab er den Offizieren der Dubliner Besatzung in dem damals eben beendigten Kilmainhamhospital ein glänzendes Mahl. Zu Ende der Tafel stand er auf, füllte einen Pokal bis zum Rande mit Wein und frug, ihn emporhaltend, ob er einen Tropfen verschüttet habe. »Nein, meine Herren, was auch die Hofleute reden mögen, noch bin ich nicht kindisch geworden, noch versagt mir meine Hand nicht den Dienst und meine Hand ist nicht fester als mein Herz. Auf das Wohl König Jakob's!« Es war Ormond's letztes Lebewohl an Irland. Er überließ die Verwaltung den Oberrichtern und ging nach London, wo man ihn mit den auffallendsten Zeichen öffentlicher Hochachtung empfing. Viele Personen von hohem Range kamen ihm entgegen. Eine lange Reihe von Wogen folgte ihm nach dem St. Jamesplatz, wo sein Haus stand, und der Platz war mit einer zahlreichen Volksmenge bedeckt, die ihn mit lautem Jubel empfing.[22]
[Anmerkung 21: Die Veränderungen im Ministerium sind angezeigt in der London Gazette vom +19. Febr. 1684/5. Burnet, I., 621+; +Barillon, Feb. 9.(19.) 16.(26.) & Feb. 19. (March 1.)+]
[Anmerkung 22: +Carte's Life of Ormond+; +Secret Consults of the Romish Party in Ireland, 1690+; +Memoirs of Ireland, 1716.+]