Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Zweiter Band
Part 14
Wie in jeder großen Bewegung des menschlichen Geistes, lag allerdings auch in dieser etwas, das wohl ein Lächeln entlocken konnte. Es ist eine allgemeine Regel, daß jede Lehre, jedes Studium, wenn es zur Modesache wird, einen Theil der Würde verliert, die es besaß, während es noch auf einen kleinen aber ernsten Kreis beschränkt war und nur um seiner selbst willen geliebt wurde. Es ist wahr, die Thorheiten mancher Leute, die ohne wirkliches Geschick für die Wissenschaft eine leidenschaftliche Liebe zu derselben zur Schau trugen, lieferten einigen boshaften Satirikern, die noch der vorhergehenden Generation angehörten und welche das, was sie in der Jugend gelernt, nicht gern vergessen wollten, Stoff zu verächtlichem Spott.[162] Nicht minder wahr aber ist es, daß das große Werk der Erforschung der Natur von den Engländern jener Zeit in einer Weise gefördert wurde, wie nie zuvor zu irgend einer Zeit und von irgend einer Nation. Der Geist Franz Bacon's, dieser Geist, in welchem Kühnheit und Besonnenheit zu einem wundervollen Ganzen verbunden waren, schwebte über dem Volke. Man war fest überzeugt, daß die ganze Welt voll von Geheimnissen von hoher Wichtigkeit für das Wohl des Menschen sei und daß der Schöpfer ihm den Schlüssel in die Hand gelegt, der bei richtigem Gebrauch ihm die Kenntniß derselben verschaffen konnte. Zu gleicher Zeit aber war man auch überzeugt, daß man in den Naturwissenschaften nur durch genaue Beobachtung einzelner Erscheinungen zur Kenntniß der allgemeinen Gesetze gelangen konnte. Tief durchdrungen von diesen großen Wahrheiten widmeten sich die Jünger der neuen Philosophie ihrer Aufgabe, und noch vor Ablauf eines Vierteljahrhunderts hatten sie schon einen großen Theil von den Schätzen zu Tage gefördert, welche später vervollständigt worden sind. Schon hatte eine Reform des Landbaus begonnen, neue Pflanzen wurden angebaut, neue landwirthschaftliche Geräthe und neue Düngemittel wurden angewendet.[163] Evelyn hatte mit ausdrücklicher Genehmigung der Königlichen Societät seinen Landsleuten Unterricht im Anpflanzen gegeben. Temple hatte in seinen Mußestunden allerhand Versuche im Gartenbau angestellt und den Beweis geliefert, daß viele köstliche Früchte, die Erzeugnisse begünstigterer Himmelsstriche, mit Hülfe der Kunst in englischem Boden gezogen werden konnten. Die Arzneiwissenschaft, die sich in Frankreich noch in trauriger Abhängigkeit befand und Molière unerschöpflichen Stoff zu gerechtem Spott lieferte, war in England eine Experimentalwissenschaft geworden, welche trotz Hippokrates und Galen mit jedem Tage einen neuen Fortschritt machte. Zum ersten Male richtete sich die Aufmerksamkeit denkender Männer auf die so wichtige Gesundheitspolizei. Die große Pest von 1665 gab ihnen Veranlassung, die Mängel der Bauart, der Abzugskanäle und der Lüftung der Hauptstadt sorgfältig zu untersuchen, und der große Brand im darauffolgenden Jahre bot Gelegenheit zur Einführung ausgedehnter Verbesserungen. Die Königliche Societät prüfte die Sache mit größter Thätigkeit, und den Anregungen von Seiten dieser Gesellschaft sind zum Theil die Veränderungen zuzuschreiben, welche allerdings noch weit hinter dem zurückblieben, was die öffentliche Wohlfahrt erheischte, aber doch einen großen Unterschied zwischen dem alten und dem neuen London hervortreten ließen und den Verheerungen der Pest in unsrem Vaterlande wahrscheinlich ein Ziel setzten.[164] Zu gleicher Zeit schuf einer von den Gründern der Gesellschaft, Sir Wilhelm Petty, die Wissenschaft der politischen Arithmetik, die bescheidene, aber unentbehrliche Gehülfin der Staatsweisheit. Kein Naturreich blieb unerforscht. Jener Zeit gehören die Entdeckungen Boyle's im Gebiete der Chemie und Sloane's erste botanische Forschungen an. Damals stellte Ray eine neue Classification der Vögel und Fische auf und Woodward begann seine Aufmerksamkeit den Fossilien und Muscheln zuzuwenden. Die Phantome, die während langer Jahrhunderte der Finsterniß die Welt bethört hatten, flohen eines nach dem andren vor dem Lichte. Die Astrologie und Alchymie wurden Gegenstände des Spotts. Bald gab es kaum noch eine Grafschaft, wo nicht Einige auf der Richterbank verächtlich gelächelt hätten, wenn eine alte Frau vor sie geführt wurde, weil sie auf Besenstielen geritten sei oder es dem Viehe angethan habe. Die wichtigsten Triumphe aber errang der englische Genius der damaligen Zeit in den edelsten und schwierigsten Zweigen der Wissenschaft, in denen Induction und mathematischer Beweis zur Entdeckung der Wahrheit zusammenwirken. John Wallis gab dem ganzen System der Statik eine neue Grundlage. Edmund Halley untersuchte die Eigenschaften der Atmosphäre, die Ebbe und Fluth des Meeres, die Gesetze des Magnetismus und den Lauf der Kometen; weder Mühen, noch Gefahren, noch die Verbannung konnten ihm die Pflege der Wissenschaft verleiden. Während er auf dem Felsen von St. Helena eine Karte von den Sternbildern der südlichen Hemisphäre entwarf, ward unsre Nationalsternwarte in Greenwich erbaut, und John Flamsteed, der erste königliche Astronom, begann die lange Reihe von Beobachtungen, welche auf keinem Punkte der ganzen Erde ohne Achtung und Dankbarkeit erwähnt werden. Doch wie groß auch der Ruhm dieser Männer ist, er wird durch den Alles überstrahlenden Glanz eines unsterblichen Namens in den Schatten gestellt. In Isaak Newton vereinigten sich wie in keinem Andren vor ihm oder nach ihm zwei Arten von geistiger Kraft, welche wenig mit einander gemein haben und nicht oft in einem hohen Grade der Vollendung beisammen gefunden werden, die aber nichtsdestoweniger bei Erforschung der höchsten Gebiete der Naturwissenschaft gleich nothwendig sind. Es mag Geister gegeben haben, welche für den Anbau der reinen mathematischen Wissenschaft eben so glücklich constituirt waren als der seinige; es mag Geister gegeben haben, welche in der Pflege der reinen Experimentalwissenschaft dem seinigen nicht nachstanden: in keinem andren Geiste aber haben sich das demonstrative und das inductive Talent in solch höchster Vollendung und in so unvergleichlicher Harmonie vereinigt. In einem Zeitalter von Scotisten und Thomisten würde vielleicht auch sein Geist verkümmert sein, wie mancher andre, der nur dem seinigen nachstand. Glücklicherweise aber gab der Geist des Zeitalters, das ihm zugefallen war, seinem Geiste die rechte Richtung, und sein Genie wirkte wieder mit zehnfacher Kraft auf den Geist seiner Zeit zurück. Im Jahre 1685 war sein Ruhm, obwohl schon glänzend, doch erst im Entstehen, sein Genie aber hatte den Zenith erreicht. Sein großes Werk, das Werk, das auf den wichtigsten Gebieten der Naturwissenschaft eine Revolution herbeiführte, war vollendet, aber noch nicht im Druck erschienen, und sollte eben der Beurtheilung der Königlichen Societät unterbreitet werden.
[Anmerkung 154: +Galaxy+, Milchstraße, im bildlichen Sinne eine glänzende Versammlung. D. Übers.]
[Anmerkung 155: Siehe besonders +Harrington's Oceana.+]
[Anmerkung 156: Siehe +Sprat's History of the Royal Society.+]
[Anmerkung 157: +Cowley's Ode to the Royal Society.+]
[Anmerkung 158:
»Dann geh'n wir an des Erdballs fernsten Rand, Wo Meer und Himmel in einander fließen. Um unsere Nachbarn in dem Sternenland, Die ganze Mondwelt freundlich zu begrüßen.«
+Annus Mirabilis, 164.+]
[Anmerkung 159: +North's Life of Guildford.+]
[Anmerkung 160: Die Glasthränen oder Glastropfen heißen im Englischen +Rupert's+ drops. D. Übers.]
[Anmerkung 161: +Pepys's Diary, May 30. 1667.+]
[Anmerkung 162: Butler war meines Wissens in der Zeit zwischen der Restauration und der Revolution der einzige wirklich geistreiche Mann, der gegen die neue Philosophie, wie sie damals genannt wurde, eine heftige Feindschaft an den Tag legte. Siehe seine Satire auf die Königliche Societät und »der Elephant im Monde«.]
[Anmerkung 163: Der Eifer, mit dem die Landwirthe der damaligen Zeit Versuche anstellten und Verbesserungen einführten, wird von Aubrey in seiner +Natural History of Wiltshire, 1685+, treffend geschildert.]
[Anmerkung 164: +Sprat's History of the Royal Society.+]
[_Zustand der schönen Künste._] Es ist nicht ganz leicht zu erklären, warum die Nation, die in den Wissenschaften ihren Nachbarn so weit voraus war, in der Kunst ihnen allen weit nachstand. Dennoch war es so. In der Baukunst, einer Kunst, die eine halbe Wissenschaft ist, einer Kunst, in der sich nur ein Geometer auszeichnen kann, eine Kunst, welche nur einen mittelbar oder unmittelbar vom Nutzen abhängigen Maßstab der Schönheit hat und deren Schöpfungen wenigstens einen Theil ihrer Majestät von der bloßen körperlichen Masse herleiten, konnte sich unser Vaterland allerdings in Christoph Wren eines wahrhaft großen Mannes rühmen, und das Feuer, welches London in Asche legte, hatte ihm eine in der neueren Geschichte noch nicht dagewesene Gelegenheit gegeben, sein Talent zu entfalten. Die ernste Schönheit der atheniensischen Säulenhalle und die düstre Großartigkeit des gothischen Spitzbogens war er, gleich allen seinen Zeitgenossen, unfähig zu erreichen, aber kein diesseits der Alpen Geborener hat die Pracht der palastähnlichen Kirchen Italiens mit so glücklichem Erfolge nachgeahmt. Selbst der prachtliebende Ludwig hat der Nachwelt kein Werk hinterlassen, das mit der Paulskirche einen Vergleich aushalten könnte. Aber zu Ende der Regierung Karl's II. gab es nicht einen einzigen englischen Maler oder Bildhauer, dessen Name noch jetzt genannt würde. Diese Unfruchtbarkeit hat etwas Räthselhaftes, denn Maler und Bildhauer waren durchaus keine verachtete oder kärglich bezahlte Klasse von Künstlern, sie nahmen damals eine fast eben so hohe Stellung in der Gesellschaft ein als jetzt, ja ihr Verdienst war im Verhältniß zu dem Nationalreichthum und dem Lohne, welcher anderen Arten geistiger Arbeit gewährt wurde, sogar größer als gegenwärtig. In der That zog die freigebige Gönnerschaft, welche den Künstlern zu Theil ward, sie schaarenweise an unsere Küsten. Lely, der uns die üppigen Locken, die vollen Lippen und die schmachtenden Augen der von Hamilton gefeierten ätherischen Schönheiten hinterlassen hat, war ein Westfale. Er starb 1680, nachdem er lange glänzend gelebt, die Ritterwürde empfangen und sich von den Früchten seiner Kunst ein ansehnliches Vermögen erspart hatte. Seine schöne Sammlung von Zeichnungen und Gemälden wurde nach seinem Tode mit Erlaubniß des Königs im Bankethause von Whitehall ausgestellt und dann für die fast unglaubliche Summe von sechsundzwanzigtausend Pfund Sterling versteigert, eine Summe, welche zu dem Vermögen der damaligen Reichen in einem größeren Verhältnisse stand, als hunderttausend Pfund zu dem Vermögen eines Reichen unserer Tage.[165] Auf Lely folgte sein Landsmann Gottfried Kneller, der nacheinander zum Ritter und zum Baronet erhoben wurde und der, obgleich er ein großes Haus geführt und in unglücklichen Spekulationen viel Geld verloren hatte, seiner Familie doch noch ein sehr bedeutendes Vermögen hinterlassen konnte. Die beiden Vandevelde, geborene Holländer, waren durch die englische Freigebigkeit bewogen worden, zu uns überzusiedeln, und malten für den König und den hohen Adel einige der schönsten Seestücke, die es giebt. Ein andrer Holländer, Simon Varelst, malte herrliche Sonnenblumen und Tulpen zu Preisen, wie sie bis dahin noch nie bezahlt worden waren. Verrio, ein Neapolitaner, schmückte Decken und Treppenhäuser mit Gorgonen und Musen, mit Nymphen und Satyrn, mit Tugenden und Lastern, mit nektarschlürfenden Göttern und lorbeerbekränzten, im Triumph einherziehenden Fürsten. Das Einkommen, das ihm seine Arbeiten verschafften, setzte ihn in den Stand, eine der üppigsten Tafeln in England zu führen. Für seine Malereien in Windsor allein erhielt er siebentausend Pfund, eine Summe, welche damals hinreichte, einem Gentleman von bescheidenen Ansprüchen für seine Lebenszeit ein anständiges Auskommen zu sichern, eine Summe, welche Dryden während einer vierzigjährigen literarischen Laufbahn von den Buchhändlern noch bei weitem nicht erhalten hatte.[166] Verrio's erster Gehülfe und Nachfolger, Ludwig Laguerre, stammte aus Frankreich. Auch die zwei berühmtesten Bildhauer jener Zeit waren Ausländer. Cibber, dessen ergreifende Statuen der Raserei und der Melancholie noch jetzt eine Zierde von Bedlam sind, war ein Däne. Gibbons, dessen anmuthiger Phantasie und zartem Pinsel viele unserer Paläste, Collegien und Kirchen ihre schönsten inneren Ausschmückungen verdanken, war ein Holländer. Selbst die Zeichnungen für die Münze wurden von französischen Künstlern gefertigt. Erst unter der Regierung Georg's II. konnte sich unser Vaterland eines großen Malers rühmen, und Georg III. saß auf dem Throne, bevor es Ursache hatte, auf einen seiner Bildhauer stolz zu sein.
Es ist Zeit, daß ich mit der Betreibung des England, das Karl II. regierte, zum Schluß eile. Ein Gegenstand von hoher Wichtigkeit ist jedoch noch nicht berührt worden. Ich habe noch nichts von der großen Masse des Volks gesagt, von Denen, die hinter dem Pfluge gingen, welche die Ochsen pflegten, an den Webstühlen von Norwich arbeiteten und die Portlandsteine für die St. Paulskirche herrichteten. Viel kann von ihnen auch nicht gesagt werden. Gerade über die zahlreichste Klasse haben wir die dürftigsten Nachrichten. Damals betrachteten es die Philantropen noch nicht für eine heilige Pflicht und die Demagogen erkannten es noch nicht als ein einträgliches Geschäft, sich über die Noth des Arbeiters ausführlich zu verbreiten. Die Geschichte war zu sehr von Höfen und Lagern in Anspruch genommen, als daß sie eine Zeile für die Hütte des Landmanns oder für die Dachstube des Handwerkers hätte erübrigen können. Die Presse liefert jetzt oft in einem Tage eine größere Menge von Erörterungen und Schilderungen der Lage des Arbeiters, als in den achtundzwanzig Jahren zwischen der Restauration und der Revolution veröffentlicht wurden. Man würde jedoch sehr irren, wollte man aus der Vermehrung der Klagen über diesen Gegenstand auf eine Zunahme des Elends schließen.
[Anmerkung 165: +Walpole's Anecdotes of Painting+; +London Gazette, Mai 31. 1683+; +North's Life of Guildford.+]
[Anmerkung 166: Die hohen Preise, welche Varelst und Verrio bezahlt wurden, sind in Walpole's +Anecdotes of Painting+ erwähnt.]
[_Lage des niederen Volks._] Der wichtigste Maßstab für die Lage des gemeinen Volks ist die Höhe der Arbeitslöhne, und da im siebzehnten Jahrhundert vier Fünftel des gemeinen Volks beim Landbau beschäftigt war, so ist die Feststellung der Löhne bei der landwirthschaftlichen Industrie von ganz besonderer Wichtigkeit. Es stehen uns die Mittel zu Gebote, um in Bezug auf diesen Gegenstand zu Ergebnissen zu gelangen, die für unsren Zweck hinreichend genau sind.
[_Löhne der Feldarbeiter._] Sir Wilhelm Petty, dessen bloße Aussage schon großes Gewicht hat, versichert uns, daß ein Feldarbeiter, der mit Kost vier Pence und ohne Kost acht Pence Tagelohn erhielt, sich noch nicht am schlechtesten stand. Vier Schillinge, war daher nach Petty's Berechnung beim Landbau ein sehr guter Wochenlohn.[167]
Wir haben mehr als hinlängliche Beweise dafür, daß diese Berechnung nicht weit von der Wirklichkeit abweicht. Zu Anfang des Jahres 1685 setzten die Richter von Warwickshire kraft einer ihnen durch einen Erlaß der Königin Elisabeth ertheilten Vollmacht in ihrer Quartalsitzung eine Lohntaxe für die Grafschaft fest und bestimmten, daß jeder Arbeitgeber, der mehr als die festgesetzten Löhne bewilligte, sowie jeder Arbeiter, der mehr annähme, bestraft werden solle. Der Lohn des gemeinen Feldarbeiters wurde vom März bis zum September genau auf den von Petty angegebenen Betrag festgesetzt, nämlich auf vier Schillinge wöchentlich, ohne Kost. Vom September bis zum März sollte der Lohn nur drei Schillinge 6 Pence betragen.[168]
Die Löhne des Landmanns waren jedoch damals, wie auch jetzt, in den verschiedenen Theilen des Landes sehr verschieden. In Warwickshire betrugen sie wahrscheinlich ungefähr die Durchschnittssumme, in den Grafschaften zunächst der schottischen Grenze waren sie noch niedriger; allein es gab auch begünstigtere Districte. In dem nämlichen Jahre -- 1685 -- ließ ein Gentleman von Devonshire, Namens Richard Dunning, ein kleines Schriftchen erscheinen, in welchem er die Lage der Armen dieser Grafschaft beschrieb. Es kann nicht bezweifelt werden, daß er von seinem Gegenstande die genaueste Kenntniß hatte, denn schon nach wenigen Monaten erlebte die Schrift eine neue Auflage und wurde von den zur Quartalsitzung in Exeter versammelten Magistratsbeamten der Beachtung aller Gemeindevorstände dringend empfohlen. Nach ihm betrug der Wochenlohn des Feldarbeiters in Devonshire ungefähr fünf Schillinge ohne Kost.[169]
Noch besser standen sich die Arbeiter in der Umgegend von Bury St. Edmund's. Die Magistratsbeamten von Suffolk versammelten sich dort im Frühjahr 1682, um eine Lohntaxe festzustellen, und sie beschlossen, daß der Arbeiter, wenn er nicht beköstigt würde, im Winter fünf und im Sommer sechs Schillinge wöchentlich erhalten sollte.[170]
Im Jahre 1661 hatten die Richter von Chelmsford den Wochenlohn des Arbeiters in Essex, wenn er nicht beköstigt wurde, auf sechs Schillinge im Winter und sieben im Sommer festgesetzt. Dies scheint der höchste Lohn zu sein, der zwischen der Restauration und der Revolution für Feldarbeit im Königreiche bewilligt wurde, und es ist hierbei noch zu bemerken, daß in dem Jahre, wo diese Bestimmungen getroffen wurden, die Lebensmittel unmäßig theuer waren. Der Quarter Weizen kostete siebenzig Schillinge, ein Preis, bei dem man selbst heutzutage von Hungersnoth sprechen würde.[171]
Diese Thatsachen stehen im vollkommensten Einklange mit einem anderen Factum, das Beachtung verdient. Es liegt auf der Hand, daß in einem Lande, wo Niemand zum Militairdienst gezwungen werden kann, die Reihen einer Armee sich nicht füllen werden, wenn die Regierung einen erheblich geringeren Sold bietet, als der Lohn eines gewöhnlichen Landarbeiters beträgt. Gegenwärtig beträgt die Löhnung eines Gemeinen, einschließlich des Biergeldes, bei der Linie sieben Schillinge und sieben Pence die Woche. Dieser Sold, verbunden mit der Aussicht auf eine Pension, zieht jedoch die englische Jugend nicht in hinreichender Zahl an, und man sieht sich genöthigt, den Ausfall durch ausgedehnte Werbungen unter der ärmeren Bevölkerung von Munster und Connaught zu decken. Im Jahre 1685 betrug die Löhnung des gemeinen Infanteristen nur vier Schillinge acht Pence die Woche, und dennoch ist es erwiesen, daß es der Regierung in jenem Jahre nicht schwer wurde, binnen sehr kurzer Zeit viele Tausend englische Rekruten zu erhalten. In der Armee der Republik hatte die Löhnung des gemeinen Fußsoldaten sieben Schillinge betragen, das heißt so viel, als unter Karl II. ein Korporal bekam,[172] und dieser Sold erwies sich als hinreichend, um die Reihen des Heeres mit Männern zu füllen, welche entschieden über der großen Masse des Volks standen. Im Ganzen scheint man daher mit gutem Grunde annehmen zu können, daß unter der Regierung Karl's II. der gewöhnliche Lohn des Bauern nicht über vier Schillinge die Woche betrug, daß aber in einigen Gegenden des Landes fünf Schillinge, sechs Schillinge, und während der Sommermonate selbst sieben Schillinge bezahlt wurden. Gegenwärtig würde der Zustand eines Districts, in welchem der Arbeitsmann nur sieben Schillinge wöchentlich verdiente, für höchst traurig gelten. Der durchschnittliche Lohn ist bedeutend höher, und in wohlhabenden Grafschaften steigt der Wochenlohn des ländlichen Arbeiters auf zwölf, vierzehn und sogar sechzehn Schillinge.
[Anmerkung 167: +Petty's Political Arithmetic.+]
[Anmerkung 168: +Stat. 5. Eliz. c. 4. Archaeologia vol. XI.+]
[Anmerkung 169: +Plain and easy Method showing how the Office of Overseer of the Poor may be managed, by Richard Dunning; 1st edition, 1685, 2d edition, 1686.+]
[Anmerkung 170: +Cullum's History of Hawsted.+]
[Anmerkung 171: +Ruggles on The Poor.+]
[Anmerkung 172: Siehe in +Thurloe's State Papers+ das Memorandum der holländischen Deputirten, vom 2.(12.) August 1653.]
[_Löhne der Fabrikarbeiter._] Der Lohn der in den Fabriken beschäftigten Arbeiter ist stets höher gewesen, als der der landwirthschaftlichen Arbeiter. Im Jahre 1680 bemerkte ein Mitglied des Hauses der Gemeinen, daß es wegen der hohen Arbeitslöhne, die in unsrem Lande bezahlt würden, unseren Geweben unmöglich sei, mit den Erzeugnissen der indischen Webstühle zu concurriren. Anstatt wie ein Eingeborner von Bengalen für eine Kupfermünze zu arbeiten, verlange ein englischer Fabrikarbeiter täglich einen Schilling.[173] Man hat noch andere Beweise dafür, daß der englische Fabrikarbeiter damals auf einen Tagelohn von einem Schilling Anspruch machen zu können glaubte, daß er aber oft gezwungen war, für einen geringeren Lohn zu arbeiten. Das gemeine Volk jener Zeit pflegte sich noch nicht zum Behuf öffentlicher Besprechungen zu versammeln, Reden zu halten oder beim Parlament zu petitioniren. Keine Zeitung vertrat seine Sache, nur in rohen Liedern sprach seine Liebe und sein Haß, seine Freude und sein Kummer sich aus. Einen großen Theil seiner Geschichte kann man nur aus seinen Balladen lernen. Eins der merkwürdigsten von den Volksliedern, welche zur Zeit Karl's II. in den Straßen von Norwich und Leeds gesungen wurden, kann man noch heute auf dem ursprünglichen Druckbogen lesen. Es ist ein heftiger und bitterer Wehschrei der Arbeit gegen das Kapital, es schildert die guten alten Zeiten, als noch jeder Arbeiter in den Wollenmanufacturen so gut lebte wie ein Pächter. Aber diese Zeiten waren vorbei. Sechs Pence den Tag waren jetzt das Höchste, was bei angestrengter Arbeit am Webstuhle verdient werden konnte. Wenn die Armen sich beklagten, daß sie von so kargem Lohne nicht leben könnten, antwortete man ihnen, daß es ihnen freistehe, denselben anzunehmen oder nicht. Für so jämmerlichen Lohn mußten die Erzeuger des Reichthums vom frühen Morgen bis zum späten Abend arbeiten, während der Meister Tuchmacher unter Essen, Schlafen und Müßiggehen durch ihre Anstrengungen reich wurde. Ein Schilling den Tag, erklärt der Dichter, sei der Lohn, der dem Weber von Rechtswegen zukomme.[174] Wir können daraus schließen, daß unter der der Revolution vorausgehenden Generation ein in der großen Hauptmanufactur Englands beschäftigter Arbeiter sich für gut bezahlt hielt, wenn er sechs Schillinge die Woche verdiente.
[Anmerkung 173: Der Redner war John Basset, Abgeordneter von Barnstaple. Siehe +Smith's Memoirs of Wool, chap. 68.+]
[Anmerkung 174: Diese Ballade befindet sich im Britischen Museum. Das Jahr ist nicht angegeben, aber das Imprimatur von Roger Lestrange bezeichnet das Datum hinreichend genau für meinen Zweck. Ich will einige Strophen hier anführen. Der Meister Tuchmacher wird folgendermaßen redend eingeführt:
In früheren Zeiten zahlten wir einen Lohn, Daß der Arbeiter lebte wie des Pächters Sohn, Doch mögen sie wissen, daß sich ändert die Zeit. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Hart soll er arbeiten für sechs Pence den Tag, Obwohl ihm ein Schilling zukommen mag. Und murrt er und sagt, der Lohn sei zu klein, So hat er die Wahl, ob ja oder nein. So werden wir reich und pflegen uns gut Von des Armen saurem Schweiß und Blut. Das Tuchgeschäft hoch! Es geht ja ganz brav! Doch wir denken nicht d'ran uns zu plagen wie 'n Sklav'. Unser Arbeiter schwitzt, wir freu'n uns der Welt Und gehen und kommen wie's uns gefällt.]