Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Neunter Band: enthaltend Kapitel 17 und 18.

Part 8

Chapter 83,116 wordsPublic domain

[_Belagerung und Fall von Athlone._] Athlone war, vom militärischen Gesichtspunkte, vielleicht der wichtigste Platz auf der Insel. Rosen, der den Krieg gut verstand, hatte stets behauptet, daß sich dort die Irländer mit dem meisten Vortheile gegen die Engländer würden halten können.[90] Die von Erdwällen umgebene Stadt lag zum Theil in Leinster und zum Theil in Connaught. Der in Leinster liegende englische Stadttheil hatte einst aus neuen und hübschen Häusern bestanden, war aber vor einigen Monaten von den Irländern in Brand gesteckt worden und lag jetzt in Trümmern. Der in Connaught liegende irische Stadttheil war alt und schlecht gebaut.[91] Der Shannon, der die Grenze zwischen beiden Provinzen bildet, wälzte sich als ein tiefer und reißender Strom durch Athlone und setzte zwei große Mühlen in Bewegung, welche auf den Bögen einer steinernen Brücke standen. Oberhalb der Brücke, auf der Connaughter Seite, erhob sich ein angeblich vom König Johann erbautes Schloß von siebzig Fuß Höhe, das sich zweihundert Fuß am Flusse hin erstreckte. Funfzig bis sechzig Schritt unterhalb der Brücke war eine schmale Furth.[92]

In der Nacht des 19. fuhren die Engländer ihre Geschütze auf. Am Morgen des 20. begann das Bombardement und um fünf Uhr Nachmittags wurde ein Sturm unternommen. Ein tapfrer französischer Refugié war der Erste, der mit einer Granate in der Hand die Bresche erklomm und fiel, mit seinem letzten Athemzuge seine Landsleute zum Sturm anfeuernd. Solcher Art waren die tapfren Männer, welche Ludwig’s Bigotterie abgesandt hatte, um in der Zeit seiner äußersten Noth die Armeen seiner bittersten Feinde zu verstärken. Das Beispiel war nicht fruchtlos. Es hagelte Granaten und die Stürmenden erstiegen zu Hunderten die Wälle. Die Irländer wichen und liefen nach der Brücke. Hier wurde das Gedränge so arg, daß einige von den Fliehenden in der engen Passage todtgedrückt und andere über die Brustlehnen in die Fluthen gedrängt wurden, welche unten zwischen den Mühlrädern schäumten. Binnen wenigen Stunden war Ginkell Herr des englischen Stadttheils von Athlone, und dieser Erfolg hatte ihm nicht mehr als zwanzig Todte und vierzig Verwundete gekostet.[93]

Doch sein Werk hatte erst begonnen. Zwischen ihm und der irischen Stadt tobte der reißende Shannon. Die Brücke war so schmal, daß einige entschlossene Männer sie gegen eine Armee vertheidigen konnten. Die auf derselben stehenden Mühlen waren stark besetzt, und sie wurde von den Kanonen des Schlosses beherrscht. Die Stelle des Connaughter Ufers, wo der Fluß zu passiren war, wurde durch Befestigungen vertheidigt, welche der Vicekönig, trotz des Murrens einer mächtigen Partei, Saint-Ruth gezwungen hatte, Maxwell anzuvertrauen. Maxwell war als ein unpopulärerer Mann aus Frankreich zurückgekommen, als er bei seiner Abreise dahin gewesen war. Man munkelte, er habe in Versailles schmähend von der irischen Nation gesprochen, und er war deshalb nur wenige Tage zuvor von Sarsfield öffentlich beschimpft worden.[94] Am 21. Juni waren die Engländer damit beschäftigt, längs des Leinsterschen Ufers Batterien zu errichten, und am 22. bald nach Tagesanbruch begann die Kanonade. Das Feuer dauerte den ganzen Tag und die ganze darauffolgende Nacht. Als der Morgen wieder anbrach, war eine ganze Seite des Schlosses zusammengeschossen, die mit Stroh gedeckten Häuser der celtischen Stadt lagen in Asche und eine der Mühlen war mit sechzig Soldaten, die sie vertheidigten, verbrannt.[95]

Die Irländer vertheidigten jedoch noch immer entschlossen die Brücke. Mehrere Tage lang fand ein blutiges Handgemenge in der engen Passage statt. Die Angreifenden gewannen Boden, aber sie mußten ihn Zoll für Zoll erkämpfen. Der Muth der Besatzung wurde durch die Hoffnung auf baldigen Succurs aufrechterhalten. Saint-Ruth war endlich mit seinen Vorbereitungen fertig, und die Nachricht, daß Athlone in Gefahr sei, hatte ihn bewogen, an der Spitze einer Armee, die der Armee Ginkell’s numerisch überlegen war, ihr aber in wichtigeren Elementen der militärischen Stärke nachstand, eiligst ins Feld zu rücken. Der französische General scheint geglaubt zu haben, daß die Brücke und die Furth leicht vertheidigt werden könnten, bis die Herbstregen und die Krankheiten, welche dieselben gewöhnlich in ihrem Gefolge hatten, den Feind zum Rückzuge zwingen würden. Er begnügte sich daher, nach und nach Detachements zur Verstärkung der Besatzung abzusenden. Die unmittelbare Leitung der Vertheidigung übertrug er seinem Unterbefehlshaber D’Usson und schlug sein eigenes Hauptquartier einige Meilen von der Stadt auf. Er äußerte sein Erstaunen darüber, daß ein so erfahrener Commandeur wie Ginkell auf einem hoffnungslosen Unternehmen beharre. „Sein Gebieter sollte ihn aufhängen lassen, weil er Athlone zu nehmen versucht, und der meinige soll mich aufhängen lassen, wenn ich es verliere.”[96]

Saint-Ruth war jedoch keineswegs wohl zu Muthe. Er hatte sich zu seinem großen Verdruß überzeugt, daß er nicht die ganze Autorität besaß, welche die ihm in Saint-Germains gemachten Versprechungen ihn zu erwarten berechtigt hatten. Der Lord Lieutenant war im Lager. Seine körperliche und geistige Hinfälligkeit hatte in den letzten paar Wochen merklich zugenommen. Der langsame und unsichere Schritt, mit dem er, der einst wegen seiner Körperkraft und Behendigkeit berühmt gewesen war, jetzt von seinem Lehnstuhl zu seinem Lager schwankte, war kein unpassendes Bild der trägen und unsicheren Thätigkeit seines Geistes, der einst seine Zwecke mit einer Heftigkeit verfolgte, die weder durch Furcht noch durch Mitleid, weder durch das Gewissen noch durch die Scham gemäßigt wurde. Dennoch klammerte sich der alte Mann noch immer mit unverminderter physischer wie geistiger Kraft an die Gewalt. Wenn er privatim den Befehl erhalten hatte, sich in die Leitung des Kriegs nicht einzumischen, so beachtete er diesen Befehl nicht. Er maßte sich die ganze Autorität eines Souverains an, zeigte sich mit großem Gepränge den Truppen als obersten Anführer und behandelte Saint-Ruth geflissentlich als einen Unterbefehlshaber. Die Einmischung des Vicekönigs erregte bald den heftigen Unwillen der mächtigen Partei im Heere, die ihn schon längst haßte. Viele Offiziere unterzeichneten ein Instrument, durch welches sie erklärten, daß sie ihm nicht das Recht zugeständen, im Felde Gehorsam von ihnen zu verlangen. Einige von ihnen beleidigten ihn persönlich auf das Gröblichste. Man sagte ihm geradezu, daß, wenn er darauf beharre, zu bleiben, wo man ihn nicht brauche, die Leinen seines Zeltes durchschnitten werden würden. Er hingegen schickte seine Emissäre an alle Lagerfeuer und versuchte unter den gemeinen Soldaten eine Partei gegen den französischen General zu bilden.[97]

Das Einzige, worin Tyrconnel und Saint-Ruth übereinstimmten, war, daß sie Sarsfield fürchteten und haßten. Er war nicht nur bei der großen Masse ihrer Landsleute beliebt, sondern er war auch von einem Häuflein Anhänger umringt, deren Hingebung für ihn der Hingebung der ismaelitischen Mörder für den Alten vom Berge glich. Es war bekannt, daß einer dieser Fanatiker, ein Oberst, eine Sprache geführt, die in dem Munde eines Offiziers von so hohem Range wohl Besorgniß erwecken konnte. „Der König,” hatte dieser Mann gesagt, „ist in meinen Augen nichts. Ich gehorche Sarsfield. Wenn Sarsfield mir befiehlt, irgend einen Mann in der ganzen Armee, gleichviel welchen, zu tödten, so thue ich es.” Sarsfield war zwar ein zu ehrenhafter Gentleman, als daß er seine ungeheure Gewalt über die Gemüther seiner Verehrer hätte mißbrauchen sollen. Aber der Gedanke, daß seine Ehrenhaftigkeit die einzige Garantie gegen Meuterei und Meuchelmord war, mußte den Vicekönig und den Oberbefehlshaber nothwendig beunruhigen. Die Folge davon war, daß bei dem Wendepunkte des Schicksals Irland’s die Dienste des ausgezeichnetsten irischen Soldaten gar nicht oder doch nur mit eifersüchtiger Vorsicht benutzt wurden und daß sein Rath, wenn er einen zu geben wagte, mit geringschätzendem Lächeln oder mit Unmuth aufgenommen wurde.[98]

Ein großes und unerwartetes Unglück machte diesen Streitigkeiten ein Ende. Am 30. Juni berief Ginkell einen Kriegsrath zusammen. Die Fourage ging zur Neige und es war durchaus nothwendig, daß die Belagerer entweder den Uebergang über den Fluß forcirten oder sich zurückzogen. Die Schwierigkeiten, über die zertrümmerten Ueberreste der Brücke ans andre Ufer zu gelangen, waren fast unübersteiglich. Es wurde vorgeschlagen, die Furth zu versuchen. Der Herzog von Württemberg, Talmash und Ruvigny stimmten zu Gunsten dieses Planes und Ginkell gab mit einiger Besorgniß seine Einwilligung.[99]

Es wurde beschlossen, daß der Versuch noch denselben Nachmittag gemacht werden sollte. Die Irländer, welche glaubten, die Engländer schickten sich zum Rückzuge an, hielten nachlässig Wache. Ein Theil der Besatzung war müde, der andre schlief. D’Usson saß bei Tische. Saint-Ruth war in seinem Zelte und schrieb an seinen Gebieter einen Brief voll Beschuldigungen gegen Tyrconnel. Während dem wurden funfzehnhundert Grenadiere, von denen jeder einen grünen Zweig am Hute trug, auf dem Leinster’schen Ufer des Shannon aufgestellt. Viele von ihnen erinnerten sich gewiß, daß sie an demselben Tage vor einem Jahre auf Befehl König Wilhelm’s an den Ufern des Boyne grüne Zweige auf ihre Hüte gesteckt hatten. Guineen waren freigiebig unter diese auserlesenen Leute vertheilt worden; aber sie waren von einem so frohen Muthe beseelt, wie kein Gold ihn erkaufen kann. Sechs Bataillone standen bereit, um den Angriff zu unterstützen. Mackay commandirte. Er billigte den Plan nicht, aber er setzte ihn mit einem solchen Eifer und einer solchen Energie ins Werk, als wäre er selbst der Urheber desselben gewesen. Der Herzog von Württemberg, Talmash und mehrere andere tapfere Offiziere, denen keine Rolle bei der Unternehmung zu Theil geworden war, bestanden darauf, an diesem Tage als freiwillige Gemeine zu dienen, und ihr Erscheinen in den Gliedern entflammte die Soldaten zur feurigsten Begeisterung.

Es war sechs Uhr. Eine Glocke auf dem Thurme der Kirche gab das Signal. Prinz Georg von Hessen-Darmstadt und Gustav Hamilton, der tapfere Anführer der Enniskillener, gingen zuerst in den Shannon hinunter. Dann nahmen die Grenadiere den Herzog von Württemberg auf die Schultern und sprangen lautjubelnd zwanzig Mann hoch bis an die Halsbinden ins Wasser. Der Strom war tief und reißend, aber in wenigen Minuten hatte die Spitze der Colonne wieder trocknen Boden unter ihren Füßen. Talmash war der Fünfte, der das Connaughter Ufer erreichte. Die unvermuthet überfallenen Irländer feuerten eine unregelmäßige Salve ab und ergriffen die Flucht, ihren Commandeur Maxwell als Gefangenen zurücklassend. Die Sieger erklommen über die Reste der durch eine zehntägige Kanonade zertrümmerten Wälle das Ufer. Mackay hörte seine Leute fluchen und schwören, während sie über den Schutt stolperten. „Meine Jungen,” rief der muthige alte Puritaner inmitten des Getümmels, „Ihr seid brave Burschen, aber fluchet nicht. Wir haben mehr Ursache, Gott für die Güte zu danken, die er uns heute erwiesen hat, als seinen Namen zu mißbrauchen.” Der Sieg war vollständig. Ohne den geringsten Widerstand von Seiten der erschreckten Besatzung wurden Bretter über die zerbrochenen Brückenbogen gelegt und Pontons über den Fluß geschlagen. Mit einem Verlust von zwölf Todten und etwa dreißig Verwundeten hatten die Engländer binnen wenigen Minuten den Weg nach Connaught erzwungen.[100]

[_Rückzug der irischen Armee._] Auf den ersten Alarm eilte D’Usson nach dem Flusse; aber der Strom der Fliehenden kam ihm schon entgegen, riß ihn mit sich fort, rannte ihn zu Boden und tödtete ihn beinahe. Er wurde in einem solchen Zustande ins Lager gebracht, daß man ihm zur Ader lassen mußte. „Genommen!” rief Saint-Ruth außer sich. „Es kann nicht sein! Eine Stadt genommen, und ich mit einer Armee zu ihrem Entsatz dicht dabei!” Von Gram verzehrt, brach er unter dem Schutze der Dunkelheit seine Zelte ab und zog sich in der Richtung von Galway zurück. Bei Tagesanbruch sahen die Engländer von den Zinnen des zertrümmerten Schlosses König Johann’s die irische Armee in weiter Ferne sich durch die öde Gegend bewegen, welche den Shannon von dem Suck trennt. Noch vor Mittag war die Nachhut ihren Blicken entschwunden.[101]

Schon vor dem Verluste Athlone’s war das celtische Lager von Parteispaltungen zerrissen gewesen. Man kann daher leicht denken, daß nach einem so vernichtenden Schlage nichts zu hören war als Anklagen und Gegenanklagen. Die Feinde des Vicekönigs waren lauter als je. Er und seine Creaturen hätten das Königreich an den Rand des Verderbens gebracht. Er mische sich in Dinge, von denen er nichts verstehe. Er wolle es besser wissen als Männer, die wirkliche Soldaten seien. Er vertraue den wichtigsten aller Posten seinem Werkzeuge, seinem Spione, dem erbärmlichen Maxwell an, der kein geborner Irländer, kein aufrichtiger Katholik, im besten Falle ein Stümper und nur zu wahrscheinlich ein Verräther sei. Man behauptete, Maxwell habe seine Leute nicht mit Munition versehen. Als sie Pulver und Kugeln von ihm verlangt, habe er sie gefragt, ob sie Lerchen schießen wollten. Kurz vor dem Angriffe habe er ihnen befohlen, zu Abend zu essen und sich niederzulegen, da an diesem Tage nichts mehr vorgenommen werden würde. Als er sich gefangen gegeben, habe er einige Worte geäußert, die ein vorgängiges Einverständniß mit den Siegern verrathen hätten. Die wenigen Freunde des Lord Lieutenants erzählten eine ganz andre Geschichte. Nach ihnen hätten Tyrconnel und Maxwell zu Vorsichtsmaßregeln gerathen, die einen Ueberfall unmöglich gemacht haben würden. Aber der französische General, der keine Einmischung geduldet, habe es unterlassen, diese Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Man habe Maxwell rücksichtslos gesagt: wenn er sich fürchte, thue er besser, sein Commando niederzulegen. Er habe seine Pflicht wacker gethan, er habe Stand gehalten, während seine Leute geflohen seien, in Folge dessen sei er in die Hände des Feindes gefallen, und nun werde er in seiner Abwesenheit von Denen verleumdet, denen seine Gefangennehmung mit Recht zur Last falle.[102] Auf welcher Seite die Wahrheit ist, läßt sich nach so langer Zeit schwer ermitteln. Das Geschrei gegen Tyrconnel war im Augenblicke so laut, daß er das Feld räumte und sich verdrüßlich nach Limerick zurückzog. D’Usson, der von den Verletzungen, die ihm seine eigenen fliehenden Truppen zugefügt hatten, noch nicht genesen war, begab sich nach Galway.[103]

[_Saint-Ruth beschließt eine Schlacht zu wagen._] Saint-Ruth der jetzt im unbestrittenen Besitz des Oberbefehls war, hatte große Lust, das Glück einer Schlacht zu versuchen. Die Mehrzahl der irischen Offiziere, mit Sarsfield an der Spitze, war ganz andrer Meinung. Man dürfe sich nicht verhehlen, sagte er, daß Ginkell’s Armee der ihrigen bei weitem überlegen sei. Das Klügste sei daher augenscheinlich, den Krieg in solcher Weise fortzuführen, daß der Unterschied zwischen dem disciplinirten und dem undisciplinirten Soldaten so gering als möglich sei. Es sei allgemein bekannt, daß rohe Rekruten auf einem Streifzuge, in einem Straßenkampfe, oder bei der Vertheidigung eines Walles oftmals gute Dienste leisteten, daß sie aber im offenen Felde gegen Veteranen wenig Chancen hätten. „Man versammle den größten Theil unsrer Infanterie hinter den Wällen von Limerick und Galway. Die übrigen lasse man in Verbindung mit der Reiterei dem Feinde in den Rücken fallen und ihm seine Zufuhren abschneiden. Wenn er in Connaught eindringt, so fallen wir in Leinster ein. Macht er vor Galway Halt, das leicht zu vertheidigen ist, so machen wir einen Angriff auf Dublin, das gänzlich entblößt ist.”[104] Saint-Ruth würde diesen Rath vielleicht für gut gehalten haben, wenn sein Urtheil nicht durch seine Leidenschaften irregeleitet worden wäre. Aber er grämte sich noch über die erlittene demüthigende Niederlage. Angesichts seines Zeltes hatten die Engländer einen reißenden Strom passirt und eine befestigte Stadt erstürmt. Er mußte nothwendig fühlen, daß, wenn auch Andre zu tadeln waren, er selbst nicht vorwurfsfrei war. Er hatte, gelind gesagt, die Dinge zu leicht genommen. Ludwig, der seit vielen Jahren gewohnt war, Befehlshaber in seinem Dienste zu haben, welche nichts dem Zufalle zu überlassen pflegten, was durch Umsicht sicher erreicht werden konnte, ließ es schwerlich als eine genügende Entschuldigung gelten, daß sein General einen so kühnen und plötzlichen Angriff vom Feinde nicht erwartet habe. Der Lord Lieutenant stellte voraussichtlich das Geschehene im ungünstigsten Lichte dar, und Alles was der Lord Lieutenant sagte, fand bei Jakob Wiederhall. Es stand ein scharfer Verweis, vielleicht ein Abberufungsschreiben zu erwarten. Als ein Schuldbeladener nach Versailles zurückzukehren, sich in höchster Bestürzung dem großen Könige zu nahen, ihn die Achseln zucken, die Stirn runzeln und sich abwenden zu sehen, fortgeschickt zu werden, um sich weit von Höfen und Feldlagern auf einem einsamen Landsitze zu langweilen: das war zuviel, um es ertragen zu können, und doch stand es ernstlich zu befürchten. Es gab nur einen Ausweg: zu kämpfen, und zu siegen oder zu sterben.

In solcher Stimmung schlug Saint-Ruth sein Lager ungefähr dreißig Meilen von Athlone auf der Straße nach Galway unweit des zerstörten Schlosses Aghrim auf und beschloß, die Ankunft der englischen Armee zu erwarten.

Sein ganzes Benehmen war verändert. Er hatte bisher die irischen Soldaten mit geringschätzender Strenge behandelt. Jetzt aber, da er sich entschlossen hatte, Leben und Ruf auf den Muth des verachteten Volks zu setzen, wurde er ein andrer Mensch. Während der wenigen Tage, die ihm noch blieben, bemühte er sich, durch Nachsicht und Freundlichkeit die Herzen Aller zu gewinnen, die unter seinem Commando standen.[105] Zu gleicher Zeit wendete er auf seine Truppen die mächtigsten moralischen Stimulationsmittel an. Er war ein eifriger Katholik, und es ist wahrscheinlich, daß die Strenge, mit der er die Protestanten seines Vaterlandes behandelt hatte, zum Theil dem Hasse zugeschrieben werden muß, den er gegen ihre Glaubenslehren empfand. Er versuchte jetzt, dem Kriege den Character eines Kreuzzuges zu geben. Die Geistlichen waren die Werkzeuge, deren er sich bediente, um den Muth seiner Soldaten aufrecht zu erhalten. Das ganze Lager war in einer religiösen Aufregung. In jedem Regimente waren Priester fortwährend beschäftigt zu beten, zu predigen, zu absolviren und Hostie und Kelch emporzuhalten. Während die Soldaten auf das geweihte Brot schwuren, ihre Fahnen nicht zu verlassen, richtete der General einen Aufruf an die Offiziere, der auch die trägsten und verweichlichtsten Naturen zu heldenmüthiger Anstrengung angespornt haben würde. Sie kämpften, sagte er, für ihren Glauben, für ihre Freiheit und für ihre Ehre. Unglückliche Ereignisse, die nur zu weit und breit bekannt seien, hätten einen Schatten auf den Nationalcharacter geworfen. Das irische Militär würde überall nur mit einem Hohnlächeln erwähnt. Wenn ihnen darum zu thun sei, den guten Ruf ihres Vaterlandes wiederherzustellen, so sei jetzt die Zeit und der Ort dazu.[106]

Die Stelle, wo er das Schicksal Irland’s zur Entscheidung zu bringen beschlossen hatte, scheint mit großer Einsicht gewählt gewesen zu sein. Seine Armee war am Abhange eines Hügels aufgestellt, der fast ganz von röthlichem Sumpfboden umgeben war. Vor der Front, nahe am Rande des Moors, befanden sich einige Zäune, aus denen ohne Mühe eine Verschanzung errichtet wurde.

Am 11. Juli nahm Ginkell, nachdem er die Befestigungen von Athlone ausgebessert und daselbst eine Besatzung zurückgelassen hatte, sein Hauptquartier in Ballinasloe, etwa vier Meilen von Aghrim, und ritt vorwärts, um die irische Stellung in Augenschein zu nehmen. Bei seiner Zurückkunft gab er Befehl, daß Munition vertheilt, daß jedes Gewehr und jedes Bajonnet zum Gefecht bereit gemacht und am andren Morgen in aller Frühe jeder Mann ohne Appell unter den Waffen stehen solle. Zwei Regimenter sollten zum Schutze des Lagers zurückbleiben, und die übrigen sollten unbeschwert mit Gepäck gegen den Feind vorrücken.

[_Schlacht bei Aghrim._] Am folgenden Morgen bald nach sechs Uhr waren die Engländer auf dem Wege nach Aghrim. Ihr Marsch wurde jedoch zuerst durch einen dichten Nebel, der bis Mittag über dem feuchten Thale des Suck lagerte, und dann wieder durch die Nothwendigkeit, die Irländer aus einigen Vorposten zu vertreiben, etwas aufgehalten, und der Nachmittag war schon weit vorgerückt, als die beiden Armeen einander, nur durch den Sumpf und die Verschanzungen getrennt, endlich gegenüberstanden. Die Engländer und ihre Verbündeten waren unter zwanzigtausend, die Irländer über fünfundzwanzigtausend Mann stark.