Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Neunter Band: enthaltend Kapitel 17 und 18.

Part 22

Chapter 223,446 wordsPublic domain

[_Jakob glaubt, daß die englische Flotte freundschaftlich gegen ihn gesinnt sei._] Jakob hatte sich sogar eingeredet, daß, selbst wenn er der englischen Flotte begegnen sollte, sie sich ihm nicht widersetzen würde. Er bildete sich ein, daß er der Liebling der Seeleute jeden Grades sei. Seine Emissäre waren sehr thätig unter den Flottenoffizieren gewesen und hatten einige gefunden, die sich seiner freundlich erinnerten, andere, die mit den jetzt am Ruder befindlichen Männern nicht zufrieden waren. All’ das ungereimte Geschwätz einer Klasse, die sich eben nicht durch Schweigsamkeit oder Discretion auszeichnete, wurde ihm mit Uebertreibungen hinterbracht, bis er zu dem Glauben verleitet war, daß er auf den Schiffen, welche unsere Küsten bewachten, mehr Freunde als Feinde habe. Er hätte jedoch wissen können, daß ein rauher Seemann, der sich von der Admiralität übel behandelt glaubte, wenn er durch gewandte Gesellschafter bearbeitet wurde, nach der dritten Flasche die guten alten Zeiten zuruckwünschen, die neue Regierung und sich selbst verfluchen konnte, weil er ein solcher Narr sei, für diese Regierung zu kämpfen, daß er aber deshalb noch keineswegs bereit war, am Tage der Schlacht zu den Franzosen überzugehen. Von den unzufriedenen Offizieren, die nach Jakob’s Meinung es nicht erwarten konnten zu desertiren, hatte die große Mehrzahl wahrscheinlich keinen andren Beweis von Zuneigung zu ihm gegeben, als ein in der Trunkenheit herausgestoßenes müßiges Wort, das sie vergessen hatten, sobald sie wieder nüchtern waren. Einer von Denjenigen, deren Beistand sie erwarteten, der Contreadmiral Carter, hatte in der That Alles was die jakobitischen Agenten sagten, gehört und vollkommen begriffen, hatte ihnen schöne Worte erwiedert und dann die ganze Geschichte der Königin und ihren Ministern hinterbracht.[107]

[_Verhalten Russell’s._] Am meisten baute Jakob auf Russell. Dieser falsche, arrogante und launenhafte Staatsmann sollte die Kanalflotte befehligen. Er hatte nicht aufgehört den jakobitischen Emissären zu versichern, daß er gern eine Restauration herbeiführen wolle. Die Emissäre rechneten zuversichtlich wenn nicht auf seine unumwundene Mitwirkung, so doch auf seine Connivenz, und es unterlag keinem Zweifel, daß mit seiner Connivenz eine französische Flotte leicht eine Armee an unsere Küsten bringen konnte. Jakob schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß er sogleich nach seiner Landung Herr der Insel sein werde. In Wahrheit aber würden nach vollbrachter Ueberfahrt die Schwierigkeiten seines Unternehmens erst begonnen haben. Vor zwei Jahren erst hatte er eine Lection bekommen, aus der er hätte Nutzen ziehen sollen. Er hatte damals sich und Andere in den irrigen Glauben eingewiegt, daß die Engländer ihn zurückwünschten, daß sie sich nach ihm sehnten und daß sie es nicht erwarten könnten, sich zu Tausenden bewaffnet zu erheben, um ihn willkommen zu heißen. Wilhelm war damals wie jetzt nicht anwesend. Damals wie jetzt war die Verwaltung in den Händen einer Frau. Damals wie jetzt waren wenig reguläre Truppen in England. Torrington hatte damals ebensoviel zum Schaden der Regierung gethan, der er diente, als Russell jetzt thun konnte. Die französische Flotte hatte damals, nachdem sie mehrere Wochen lang siegreich und dominirend im Kanal umhergefahren war, einige Truppen auf der Südküste gelandet, und die unmittelbare Folge davon war gewesen, daß ganze Grafschaften, ohne Unterschied von Tory und Whig, Hochkirchlichem oder Dissenter, sich wie ein Mann erhoben hatten, um die Fremden hinauszuwerfen, und daß die Jakobitenpartei, welche noch vor wenigen Tagen anscheinend die Hälfte der Nation bildete, sich mit schweigender Bestürzung niedergeduckt und so klein gemacht hatte, daß sie eine Zeit lang unsichtbar gewesen war. Welchen Grund hatte man nun zu glauben, daß die Massen, welche im Jahre 1690 beim ersten Aufflammen der Lärmfeuer Gewehre, Piken und Sensen ergriffen hatten, um den heimathlichen Boden gegen die Franzosen zu vertheidigen, die Franzosen jetzt als Verbündete begrüßen würden? Und in der Armee, welche Jakob diesmal begleiten solle, bildeten die Franzosen noch den minder verhaßten Theil. Die große Hälfte dieser Armee sollte aus irischen Papisten bestehen und das gemischte Gefühl von Haß und Verachtung, mit dem die irischen Papisten von den englischen Protestanten seit langer Zeit betrachtet wurden, war durch neuere Vorgänge zu einer vorher nicht gekannten Heftigkeit gesteigert worden. Die erblichen Sklaven, sagte man, seien auf einen Augenblick frei gewesen, und dieser Augenblick habe genügt zu beweisen, daß sie ihre Freiheit weder zu gebrauchen noch zu vertheidigen wüßten. Während der kurzen Dauer ihres Uebergewichts hätten sie nichts gethan, als morden und sengen und plündern und zerstören und verurtheilen und confisciren. In drei Jahren hätten sie in ihrem Vaterlande eine Verwüstung angerichtet, welche dreißig Jahre englischer Intelligenz und Betriebsamkeit nicht wiedergutmachen würden. Sie würden ihre Unabhängigkeit gegen die ganze Welt behauptet haben, wenn sie es im Fechten so weit gebracht hätten wie im Stehlen. Aber sie hätten sich schimpflich von den Mauern Londonderry’s zurückgezogen und seien wie das Wild vor den Jägern von Enniskillen geflohen. Der Fürst, den sie jetzt mit Waffengewalt auf den englischen Thron setzen zu können wähnten, habe selbst am Morgen nach der Niederlage am Boyne ihnen ihre Feigheit vorgeworfen und ihnen gesagt, daß er sich nie wieder auf ihren Wehrstand verlassen werde. Ueber diesen Punkt waren die Engländer eines Sinnes. Die Tories, die Eidverweigerer und selbst die Katholiken schmähten das unglückliche Volk eben so laut als die Whigs. Es ist daher nicht schwer zu errathen, welchen Eindruck das Erscheinen von Feinden auf unsrem Boden gemacht haben würde, die wir auf ihrem eigenen Boden besiegt und mit Füßen getreten hatten.

Doch Jakob glaubte trotz der neuen und harten Lehre der Erfahrung Alles was seine Correspondenten in England ihm sagten, und sie sagten ihm, daß die ganze Nation ihn ungeduldig erwarte, daß der Westen wie der Norden bereit seien, sich zu erheben, daß er auf dem Wege vom Landungsplatze nach Whitehall eben so wenig Widerstand finden werde, als wenn er in früheren Zeiten von einer Reise zurückkehrte. Ferguson zeichnete sich durch die Zuversichtlichkeit aus, mit der er einen vollständigen und unblutigen Sieg prophezeite. Er und sein Buchdrucker, schrieb er albernerweise, würden die beiden ersten Männer im Reiche sein, die für Se. Majestät zu Pferde stiegen. Viele andere Agenten reisten während des Winters und der ersten Wochen des Frühjahrs geschäftig im Lande umher. In den Grafschaften südlich vom Trent scheinen sie mit geringem Erfolge gearbeitet zu haben. Im Norden aber, besonders in Lancashire, wo die Katholiken zahlreicher und mächtiger waren als in irgend einem andren Theile des Landes und wo sich selbst unter der protestantischen Gentry mehr als die gewöhnliche Anzahl bigotter Katholiken befanden, wurden einige Anstalten zu einer Insurrection getroffen. Waffen wurden im Geheimen gekauft, Offiziere wurden ernannt und Freisassen, kleine Farmer, Reitknechte und Jäger wurden überredet, sich einreihen zu lassen. Die, welche ihre Namen einzeichnen ließen, wurden in acht Cavallerie- und Dragonerregimenter eingetheilt und erhielten Befehl sich bereit zu halten, um auf das erste Signal aufzusitzen.[108]

[_Jakob wird eine Tochter geboren._] Einer von den Umständen, welche Jakob damals mit eitlen Hoffnungen erfüllten, war der, daß seine Gemahlin schwanger und ihrer Entbindung nahe war. Er hoffte, daß selbst die Böswilligkeit sich schämen werde, ferner noch die Geschichte von der Wärmflasche zu erzählen und daß Viele, welche diese Geschichte getäuscht habe, ungesäumt zu ihrer Unterthanenpflicht zurückkehren würden. Er traf diesmal alle die Vorsichtsmaßregeln, die er vier Jahre früher thörichter- und verkehrterweise zu treffen unterlassen hatte. Er wußte Briefe nach England zu befördern, welche viele angesehene Protestantinnen einluden, der bevorstehenden Entbindung beizuwohnen, und er versprach im Namen seines geliebten Bruders, des Allerchristlichsten Königs, daß es ihnen frei stehen solle, in voller Sicherheit zu kommen und zu gehen. Wäre eine von diesen Zeuginnen am Morgen des 10. Juni 1688 in den St. Jamespalast beschieden worden, so würde das Haus Stuart vielleicht heute noch auf unsrer Insel regieren. Aber es ist leichter eine Krone zu behalten als eine wiederzuerlangen. Es konnte wahr sein, daß eine verleumderische Fabel viel dazu beigetragen hatte, die Revolution herbeizuführen. Aber daraus folgte noch keineswegs, daß die vollständigste Widerlegung dieser Fabel eine Restauration herbeiführen würde. Nicht eine einzige Dame fuhr auf Jakob’s Einladung über den Kanal. Seine Gemahlin wurde glücklich von einer Tochter entbunden; allein dieses Ereigniß machte keinen bemerkbaren Eindruck auf den Zustand der öffentlichen Meinung in England.[109]

[_Anstalten zur Zurückweisung der Invasion in England._] Unterdessen wurden die Vorbereitungen zu seiner Expedition betrieben. Er stand schon auf dem Punkte, nach dem Einschiffungsorte abzureisen, als die englische Regierung noch nicht die geringste Ahnung von der drohenden Gefahr hatte. Man wußte zwar längst, daß viele Tausend Irländer in der Normandie versammelt waren; aber man glaubte sie seien nur zu dem Zwecke versammelt, um gemustert und eingeübt zu werden, ehe sie nach Flandern, Piemont und Catalonien geschickt würden.[110] Jetzt aber gestatteten die von verschiedenen Seiten eintreffenden Nachrichten keinen Zweifel mehr, daß eine Invasion fast augenblicklich versucht werden würde. Es wurden kräftige Vertheidigungsmaßregeln getroffen. Die Ausrüstung und Bemannung der Schiffe wurde energisch betrieben. Die regulären Truppen wurden zwischen London und dem Meere zusammengezogen. Auf der Anhöhe, welche Portsmouth beherrscht, wurde ein großes Lager gebildet und die Milizen im ganzen Lande aufgeboten. Zwei Westminsterregimenter und sechs Cityregimenter, welche zusammen ein Armeecorps von dreizehntausend Streitern bildeten, wurden in Hydepark aufgestellt und passirten vor der Königin die Revue. Die Milizen von Kent, Sussex und Surrey marschirten nach der Küste. Bei allen Wartfeuern wurden Wächter postirt. Einige Eidverweigerer wurden gefänglich eingezogen, andere entwaffnet, noch andere angehalten Bürgschaft zu stellen. Bei dem Earl von Huntingdon, einem angesehenen Jakobiten, wurde Haussuchung gehalten. Er hatte noch Zeit gehabt, seine Papiere zu verbrennen und seine Waffen zu verbergen; aber seine Ställe hatten ein sehr verdächtiges Aussehen. Sie enthielten Pferde genug, um eine ganze Cavallerieschwadron beritten zu machen, und obgleich dieser Umstand juristisch nicht genügte, um eine Anklage auf Hochverrath zu begründen, so wurde er doch unter den obwaltenden Verhältnissen für ausreichend gehalten, um den Staatsrath zu berechtigen, den Earl in den Tower zu schicken.[111]

[_Jakob begiebt sich zu seiner Armee bei La Hogue._] Inzwischen war Jakob zu seiner Armee abgegangen, welche um das Becken von La Hogue herum an der Nordküste der unter dem Namen des Cotentin bekannten Halbinsel lagerte. Vor seiner Abreise von Saint-Germains hielt er noch ein Kapitel des Hosenbandordens, um seinen Sohn in den Orden aufnehmen zu lassen. Zwei Edelleute wurden ebenfalls mit dieser Auszeichnung beehrt: Powis, der jetzt von seinen Mitverbannten Herzog genannt wurde, und Melfort, der aus Rom zurückgekehrt und wieder Jakob’s Premierminister war.[112] Selbst in diesem Augenblicke, wo es von der höchsten Wichtigkeit war, die Mitglieder der anglikanischen Kirche zu gewinnen, wurden nur Mitglieder der römischen Kirche eines Zeichens der königlichen Gunst für würdig erachtet. Powis war allerdings ein ausgezeichnetes Mitglied des englischen Adels und die Aversion seiner Landsleute gegen ihn war so gering wie sie gegen einen angesehenen Papisten nur sein konnte. Melfort aber war nicht einmal Engländer, er hatte nie ein Staatsamt in England bekleidet, hatte nie im englischen Parlament gesessen und hatte daher keinen Anspruch auf eine wesentlich englische Würde. Ueberdies wurde er von allen streitenden Parteien aller drei Königreiche gehaßt. Königliche Handschreiben, von ihm contrasignirt, waren an die Convention zu Westminster und an die Convention zu Edinburg gesandt worden, und in Westminster sowohl wie in Edinburg hatten beim Anblick seines verhaßten Namens und seiner verhaßten Handschrift selbst die eifrigsten Freunde des erblichen Rechts beschämt die Köpfe hängen lassen. Es muß selbst bei Jakob auffallend erscheinen, daß er es unter solchen Umständen für gut fand, der Welt zu verkünden, daß die Männer, die sein Volk am meisten verabscheute, diejenigen waren, die er am liebsten auszeichnete.

[_Jakob’s Erklärung._] Noch nachtheiliger für seine Interessen war die Erklärung, in der er seinen Unterthanen seine Absichten kund that. Sie war unter allen von Jakob abgefaßten Staatsschriften diejenige, deren Unverstand am meisten in die Augen fiel. Nachdem sie alle guten Engländer jeder Farbe mit Ekel und Zorn erfüllt hatte, behaupteten die Papisten zu Saint-Germains, sie sei von einem starren Protestanten, Eduard Herbert, entworfen, der vor der Revolution Oberrichter der Common Pleas gewesen war und der jetzt den hohlen Titel eines Kanzlers führte.[113] Es ist jedoch gewiß, daß Herbert nie über etwas Wichtiges zu Rathe gezogen wurde und daß die Erklärung ganz und gar Melfort’s Werk war.[114] Die Eigenschaften des Kopfes und Herzens, welche Melfort zum Liebling seines Gebieters gemacht hatten, leuchteten auch in der That aus jedem Satze hervor. Nicht ein Wort war darin zu finden, welches angedeutet hätte, daß der König während einer dreijährigen Verbannung weiser geworden, daß er einen einzigen Fehler bereuete, daß er sich auch nur den kleinsten Theil der Schuld an der Revolution beimaß, die ihn vom Throne gestürzt, oder daß er sich vorgenommen hatte ein Verfahren einzuschlagen, das in irgend einer Beziehung von dem abwich, welches ihm schon verderblich geworden war. Alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen erklärte er für völlig grundlos. Schlechte Menschen hatten Verleumdungen verbreitet und schwache Menschen hätten diese Verleumdungen geglaubt. Er allein sei ohne Tadel gewesen. Er gab keine Hoffnung, daß er sich irgend eine Beschränkung der weitgehenden Dispensationsgewalt, die er früher beansprucht, gefallen lassen würde, daß er nicht wieder, den klarsten Gesetzen zum Trotz, den Geheimen Rath, die Richterbank, die öffentlichen Aemter, die Armee und die Flotte mit Papisten füllen, daß er nicht einen neuen Trupp Regulatoren ernennen würde, um alle Wahlkörper im Königreiche umzugestalten. Er geruhte zwar zu sagen, daß er die legalen Rechte der englischen Kirche aufrecht erhalten werde, aber dies hatte er früher auch schon gesagt, und Jedermann wußte, was diese Worte in seinem Munde bedeuteten. Anstatt seinem Volke Vergebung zuzusichern, drohte er ihm mit einer Proscription, furchtbarer als irgend eine, die unsre Insel je erlebt. Er veröffentlichte eine Liste von Personen, die keine Gnade zu erwarten hatten. Darunter waren Ormond, Caermarthen, Nottingham, Tillotson und Burnet. Nach dem Verzeichniß Derer, welche mit Namen zum Tode verurtheilt waren, kam eine Reihe von Kategorien. Obenan stand die ganze Masse der Landleute, welche Se. Majestät unsanft behandelt hatten, als er auf seiner Flucht in Sheerneß angehalten wurde. Diese armen unwissenden Leute, einige Hundert an der Zahl, wurden einer zweiten blutigen Assise aufgespart. Dann kamen alle Diejenigen, die an der Bestrafung eines jakobitischen Verschwörers irgend Theil genommen: Richter, Anwälte, Zeugen, Mitglieder der großen und der kleinen Juries, Sheriffs und Untersheriffs, Constabler und Kerkermeister, kurz alle Diener der Justiz, von Holt bis herab auf Ketch. Hierauf wurde allen Spionen und Angebern Rache geschworen, welche den Usurpatoren die Pläne des Hofes von Saint-Germains hinterbracht hatten. Alle Friedensrichter, die sich nicht in dem Augenblicke, wo sie von seiner Landung hörten, für ihren rechtmäßigen Souverain erklärten, alle Kerkermeister, welche die politischen Gefangenen nicht augenblicklich in Freiheit setzten, sollten der äußersten Strenge des Gesetzes anheimfallen. Keine Ausnahme war zu Gunsten eines Friedensrichters oder eines Kerkermeisters gemacht, der sich hundert Schritt von einem der Regimenter Wilhelm’s und hundert Meilen von dem nächsten Platze befand, wo es einen einzigen bewaffneten Jakobiten gab.

Man hätte erwarten sollen, daß Jakob, nachdem er in dieser Weise zahlreichen Klassen seiner Unterthanen Rache angedroht, wenigstens den übrigen eine allgemeine Amnestie versprechen würde. Allein er sagte kein Wort von einer allgemeinen Amnestie. Er versprach zwar, daß dem oder jenem Verbrecher, der nicht einer der Proscriptionskategorien angehörte und der sich durch irgend einen ausgezeichneten Dienst der Nachsicht würdig mache, specielle Begnadigung zu Theil werden solle. Aber mit dieser alleinigen Ausnahme wurde den Hunderttausenden von Verbrechern einfach angekündigt, daß das Parlament über ihr Schicksal entscheiden werde.

[_Eindruck der Erklärung Jakob’s._] Die Agenten Jakob’s verbreiteten seine Erklärung schleunigst über alte Theile des Landes und erwiesen damit Wilhelm einen großen Dienst. Das allgemeine Urtheil darüber lautete, daß der verbannte Despot die Engländer doch wenigstens offen gewarnt habe und daß sie, wenn sie ihn nach einer solchen Warnung noch zurückriefen, sich nicht würden beklagen dürfen, wenn auch jede Grafschaftshauptstadt durch eine Assise besudelt werden sollte, ähnlich der, welche Jeffreys in Taunton gehalten hatte. Daß einige hundert Menschen -- die Jakobiten gaben die Zahl nur auf fünfhundert an -- ohne Gnade aufgehängt werden würden, sei gewiß, und Keiner, der bei der Revolution betheiligt gewesen, Keiner der für die neue Regierung zur See oder zu Lande gefochten, kein Soldat, der an der Unterwerfung Irland’s Theil genommen, kein Landmann aus Devonshire oder Bergmann aus Cornwall, der zu den Waffen gegriffen, um Weib und Kinder gegen Tourville zu vertheidigen, würde vor dem Galgen sicher sein. Wie verworfen, wie hämisch müsse der Character eines Mannes sein, der, im Begriff, die wichtigste Unternehmung durchzuführen, und nach dem edelsten aller Preise strebend, sich nicht enthalten könne zu proklamiren, daß er nach dem Blute einer Menge armer Fischer lechze, weil sie ihn vor länger als drei Jahren hin und her gestoßen und „Fratzengesicht” genannt hatten. Wenn er in dem Augenblicke, wo er die stärksten Gründe habe, sein Volk durch einen Anschein von Milde zu versöhnen zu suchen, es nicht über sich gewinnen könne, eine andre Sprache gegen dasselbe zu führen als die eines unversöhnlichen Feindes, was könne man von ihm erwarten, wenn er wieder sein Gebieter sein würde? Er habe einen so boshaften Character, daß er in einer Lage, in der andere Tyrannen zu liebreichen Worten und schönen Versprechungen griffen, nur Vorwürfe und Drohungen hervorbringen könne. Die einzigen Worte in seiner Erklärung, welche einen Anstrich von Freundlichkeit hätten, seien die, mit denen er verspreche, die fremden Truppen fortzuschicken sobald seine Autorität wiederhergestellt sein würde, und Viele meinten, daß man bei genauer Untersuchung selbst in diesen Worten einen unheimlichen Sinn entdecken müsse. Man dürfe von ihm nicht erwarten, daß er papistische Truppen fortschicken werde, die seine Unterthanen seien. Seine Absichten lägen auf der Hand. Die Franzosen gingen vielleicht, aber die Irländer würden bleiben. Das englische Volk solle durch diese dreimal unterjochten Barbaren niedergehalten werden. Ein Rapparee, der bei Newton Butler und am Boyne davongelaufen sei, werde ohne Zweifel Muth genug haben, die Schaffotte, auf denen seine Ueberwinder sterben sollten, zu bewachen und unser Land zu verwüsten, wie er sein eignes verwüstet habe.

Anstatt zu versuchen, Jakob’s Manifest zu unterdrücken, ließen die Königin und ihre Minister es wohlweislich selbst durch den Druck vervielfältigen und verbreiteten es, mit der Druckerlaubniß des Staatssekretärs und mit eingeschalteten Bemerkungen aus der Feder eines gewandten und scharfsinnigen Commentators versehen. Es wurde in vielen heftigen Pamphlets widerlegt, es wurde in Knittelverse gebracht und selbst die verwegensten und beißendsten Pasquillanten unter den Eidverweigerern wagten es nicht, es zu vertheidigen.[115]

Einige Eidverweigerer waren in der That so beunruhigt, als sie den durch das Manifest hervorgerufenen Eindruck bemerkten, daß sie es geflissentlich als untergeschoben behandelten und eine Schrift voll huldreicher Betheuerungen und Versprechungen als die ächte Erklärung ihres Gebieters veröffentlichten. Sie ließen ihn seinem ganzen Volke, mit Ausnahme von vier großen Verbrechern, vollständige Amnestie zusichern. Sie ließen ihn Hoffnungen auf bedeutende Steuerermäßigungen eröffnen. Sie ließen ihn sein Wort geben, daß er die ganze kirchliche Verwaltung eidverweigernden Bischöfen übertragen werde. Aber dieses Machwerk täuschte Niemanden und war nur deshalb von Wichtigkeit, weil es bewies, daß selbst die Jakobiten sich des Fürsten schämten, auf dessen Wiedereinsetzung sie hinarbeiteten.[116]

Niemand las die Erklärung mit größerem Erstaunen und Unwillen als Russell. Bei aller seiner Schlechtigkeit stand er unter dem Einflusse zweier Gefühle, die, wenn sie auch nicht tugendhaft genannt werden können, doch einige Verwandtschaft mit der Tugend haben und im Vergleich zu bloßer egoistischer Habsucht achtungswerth sind. Er besaß einen starken Berufsgeist und einen starken Parteigeist. Er konnte falsch gegen sein Vaterland sein, nicht aber gegen seine Flagge, und selbst nachdem er Jakobit geworden, hatte er nicht aufgehört ein Whig zu sein. Er war eigentlich nur deshalb ein Jakobit, weil er der intoleranteste und hämischeste Whig war. Er glaubte sich und seine Partei undankbarerweise von Seiten Wilhelm’s vernachlässigt und war einige Zeit durch seinen Groll zu sehr verblendet, um einzusehen, daß es von den ehemaligen Rundköpfen reiner Wahnsinn sein würde, Wilhelm dadurch zu bestrafen, daß sie Jakob zurückriefen. Die nahe Aussicht auf eine Invasion und die Erklärung, in der den Engländern klar und deutlich gesagt war, was sie zu erwarten hatten, wenn diese Invasion gelingen sollte, brachte, wie es scheint, eine plötzliche und vollständige Umwandlung in Russell’s Gesinnungen hervor, und diese Umwandlung gestand er in bestimmten Ausdrücken ein. „Ich wünsche dem König Jakob zu dienen,” sagte er zu Lloyd. „Die Sache würde sich auch thun lassen, wenn er nicht selbst schuld wäre. Aber er schlägt den verkehrten Weg mit uns ein. Vergißt er alles Geschehene, bewilligt er einen Generalpardon, dann will ich sehen was ich für ihn thun kann.” Lloyd spielte auf die Russell selbst zugedachten Ehren und Belohnungen an. Aber der Admiral fiel ihm mit einer Gesinnung, die eines besseren Mannes würdig gewesen wäre, ins Wort. „Ich will davon nichts hören. Meine Dienste sind dem Staate gewidmet. Und glauben Sie nicht, daß ich die Franzosen in unseren eigenen Meeren über uns triumphiren lassen werde. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß, wenn ich mit ihnen zusammentreffe, ich sie angreife, und wenn Se. Majestät selbst an Bord wäre.”

Diese Unterredung wurde Jakob gewissenhaft mitgetheilt; sie scheint ihn aber nicht beunruhigt zu haben. Er war in der That des festen Glaubens, daß Russell, selbst wenn er wollte, die Offiziere und Matrosen der englischen Flotte nicht würde bewegen können, gegen ihren alten König, der auch ihr alter Admiral war, zu kämpfen.