Part 14
Drei Generationen gingen vorüber, und noch ließ nichts vermuthen, daß die Ostindische Compagnie jemals ein großer asiatischer Potentat werden würde. Obgleich das mongolische Reich durch innere Ursachen des Verfalls unterminirt war und seinem Sturze entgegenwankte, bot es entfernten Nationen noch immer den Anschein unverminderten Gedeihens und ungeschwächter Kraft dar. Aurengzeb, der sich in dem nämlichen Monate, in welchem Oliver Cromwell starb, den stolzen Titel Eroberer der Welt beilegte, fuhr fort zu regieren, bis Anna schon längst auf dem englischen Throne saß. Er beherrschte ein größeres Gebiet, als irgend einem seiner Vorgänger unterthan gewesen war. Sein Name stand selbst in den fernsten Gegenden des Westens in hohem Ansehen. Bei uns in England hatte Dryden ihn zum Helden eines Trauerspiels gemacht, das allein schon hinreichen würde zu beweisen, wie wenig die Engländer jener Zeit von dem großen Reiche wußten, das ihre Enkel erobern und regieren sollten. Die muselmännischen Prinzen des Dichters erklären ihre Liebe im Style Amadis’, predigen über Sokrates’ Tod und schmücken ihre Reden mit Anspielungen auf die mythologischen Geschichten Ovid’s aus. Die Braminische Seelenwanderung wird als ein Artikel des muselmännischen Glaubens dargestellt, und die muselmännischen Sultaninnen verbrennen sich mit ihren Gatten nach braminischer Sitte. Dieses Drama, dem einst gedrängt volle Häuser rauschenden Beifall zollten und das elegante Herren und Damen auswendig konnten, ist jetzt vergessen. Nur eine Stelle lebt noch und wird von Tausenden wiederholt, die nicht wissen, woher sie rührt.[12]
Obgleich noch nichts die hohe politische Bestimmung der Ostindischen Compagnie andeutete, genoß sie doch schon eines großen Ansehens in der City von London. Die Comptoirs, welche nur einen sehr kleinen Theil des Raumes einnahmen, den die gegenwärtigen Lokalitäten bedecken, waren den Verheerungen des Feuers entgangen. Das damalige India House war ein mit dem kunstvollen Schnitz- und Gitterwerk des Zeitalters der Königin Elisabeth reich verziertes Gebäude von Holz und Mörtel. Ueber den Fenstern war ein Gemälde angebracht, welches eine sich auf den Wogen schaukelnde Flotte von Kauffahrern darstellte. Ueber das ganze Gebäude ragte ein colossaler hölzerner Seemann empor, der zwischen zwei Delphinen auf das Menschengewühl von Leadenhall Street herabsah.[13] In diesem Hause, zwar eng und bescheiden im Vergleich zu dem weiten Labyrinth von Gängen und Zimmern, das jetzt denselben Namen trägt, erfreute sich die Gesellschaft während des größeren Theils der Regierung Karl’s II. eines Gedeihens, für welches die Geschichte des Handels kaum eine Parallele darbietet und das die Bewunderung, die Habsucht und den neidischen Haß der ganzen Hauptstadt erregte. Wohlstand und Luxus waren damals im raschen Wachsthum begriffen. Die Gewürze, Gewebe und Juwelen des Orients kamen mit jedem Tage mehr und mehr in Aufnahme. Der Thee, der zu der Zeit als Monk die schottische Armee nach London brachte, als eine große Rarität aus China angestaunt und nur mit den Lippen berührt wurde, war acht Jahre später ein regelmäßiger Einfuhrartikel und wurde bald in solchen Massen consumirt, daß die Finanzmänner ihn als einen zur Besteuerung geeigneten Gegenstand betrachteten. Die Fortschritte in der Kriegskunst hatten eine beispiellose Nachfrage nach den Ingredienzen erzeugt, aus denen das Schießpulver bereitet wird. Man berechnete, daß ganz Europa in einem Jahre kaum soviel Salpeter erzeugen würde, als die Belagerung einer nach Vauban’s Grundsätzen erbauten Festung erforderte.[14] Ohne die Einfuhr aus Ostindien, sagte man, würde die englische Regierung nicht im Stande sein, eine Flotte auszurüsten, wenn sie nicht die Keller London’s aufgraben wollte, um die Salpetertheilchen von den Wänden zu sammeln.[15] Vor der Restauration hatte kaum ein Schiff aus der Themse je das Delta des Ganges besucht. Während der ersten dreiundzwanzig Jahre nach der Restauration stieg der Werth der Einfuhr aus diesem reichen und dichtbevölkerten Landstriche von achttausend auf dreimalhunderttausend Pfund.
Der Gewinn der Gesellschaft, die sich im ausschließlichen Besitz dieses rasch emporblühenden Handels befand, war fast unglaublich. Das wirklich eingezahlte Kapital überstieg nicht dreihundertsiebzigtausend Pfund; aber die Compagnie erhielt ohne Schwierigkeit Geld zu sechs Procent geliehen und dieses geliehene Geld trug, im Handel angelegt, angeblich dreißig Procent. Der Gewinn war so groß, daß im Jahre 1676 jeder Actieninhaber als Dividende eine gleiche Anzahl Actien erhielt als er bereits besaß. Das so verdoppelte Kapital warf in den nächsten fünf Jahren eine jährliche Dividende von durchschnittlich zwanzig Procent ab. Es hatte eine Zeit gegeben, wo man hundert Pfund des Actienkapitals für sechzig Pfund kaufen konnte, und noch im Jahre 1664 war der Marktpreis nur siebzig Pfund. Aber schon im Jahre 1677 war der Cours auf zweihundertfünfundvierzig gestiegen, im Jahre 1681 betrug er dreihundert; später stieg er auf dreihundertsechzig und es sollen Verkäufe zu fünfhundert abgeschlossen worden sein.[16]
Der enorme Ertrag des ostindischen Handels würde vielleicht wenig Murren erregt haben, wenn er sich auf zahlreiche Actionäre vertheilt hätte. Aber während der Werth der Actien fortdauernd stieg, verminderte sich die Zahl der Actieninhaber. Zu der Zeit, wo die Compagnie in der höchsten Blüthe stand, war die Leitung derselben gänzlich in den Händen einiger weniger Kaufleute von enormem Reichthum. Ein Actionär hatte damals für jede fünfhundert Pfund Actien, die auf seinen Namen lauteten, eine Stimme. In damaligen Flugschriften wird behauptet, daß fünf Personen ein Sechstel und vierzehn Personen ein Drittel der Stimmen besaßen.[17] Von mehr als einem glücklichen Spekulanten sagte man, daß er ein jährliches Einkommen von zehntausend Pfund aus dem Monopol beziehe, und einen reichen Mann kannte man an der Börse, der sich durch umsichtige oder glückliche Actienkäufe in nicht langer Zeit ein Vermögen von zwanzigtausend Pfund jährlicher Einkünfte erworben haben sollte. Dieser Handelsfürst, der es in Reichthum und in dem Einflusse, den der Reichthum giebt, mit den reichsten Edelleuten seiner Zeit aufnahm, war Sir Josias Child. Es gab Leute, die ihn als Lehrling gekannt hatten, wie er ein Comptoir der City fegte. Aber seine Talente hatten ihn aus einer bescheidenen Stellung bald zu Wohlstand, Macht und Ruhm emporgehoben. Zur Zeit der Restauration genoß er in der Handelswelt eines hohen Ansehens. Bald nach diesem Ereignisse veröffentlichte er seine Ideen über die Philosophie des Handels. Seine Ansichten waren nicht immer richtig, aber sie waren die eines scharfsinnigen und denkenden Mannes. In welche Irrthümer er aber als Theoretiker auch hier und da verfallen sein mag, soviel ist gewiß, daß er als praktischer Geschäftsmann wenige seines Gleichen hatte. Fast unmittelbar nachdem er Mitglied des Comites geworden war, das die Angelegenheiten der Compagnie leitete, machte sich sein Einfluß fühlbar. Bald waren viele der wichtigsten Posten in Leadenhall Street wie in den Factoreien von Bombay und Bengalen mit seinen Verwandten und Creaturen besetzt. Sein Reichthum vermehrte sich fort und fort, obgleich er ihn mit prunkender Verschwendung ausgab. Er erhielt den Baronetstitel, kaufte sich einen prächtigen Landsitz in Wanstead und verwendete dort ungeheure Summen auf die Anlage von Fischteichen und auf die Bepflanzung ganzer Quadratmeilen unbebauten Landes mit Wallnußbäumen. Er verheirathete seine Tochter an den ältesten Sohn des Herzogs von Beaufort und gab ihr funfzigtausend Pfund als Mitgift.[18]
Dieses wunderbare Glück blieb jedoch nicht ungestört. Gegen das Ende der Regierung Karl’s II. begann die Compagnie von außen heftig angegriffen und gleichzeitig durch innere Spaltungen zerrissen zu werden. Der Gewinn des Handels mit Ostindien war so verführerisch, daß Privatspekulanten schon öfters, dem königlichen Monopole trotzend, Schiffe für die östlichen Meere ausgerüstet hatten. Doch erst im Jahre 1680 wurde die Concurrenz dieser Unberufenen wirklich gefährlich. Die Nation war damals durch den Streit über die Ausschließungsbill heftig aufgeregt. Aengstliche Gemüther sahen einen neuen Bürgerkrieg im Anzuge. Die beiden großen Parteien, seit kurzem Whigs und Tories genannt, bekämpften sich heftig in jeder englischen Stadt und Grafschaft, und die Fehde verbreitete sich bald in jeden Winkel der civilisirten Welt, wo Engländer zu finden waren.
Die Compagnie galt allgemein für eine whiggistische Körperschaft. Unter den Mitgliedern des Directorialausschusses befanden sich einige der heftigsten Exclusionisten der City. Zwei davon, Sir Samuel Barnardistone und Thomas Papillon, zogen sich sogar durch ihren Eifer gegen Papismus und Willkürherrschaft eine strenge gerichtliche Verfolgung zu.[19] Child war ursprünglich durch diese beiden Männer in das Directorium gebracht worden, er hatte lange im Einklange mit ihnen gehandelt und man glaubte, daß er ihre politischen Ansichten theile. Seit vielen Jahren stand er bei den Oberhäuptern der politischen Opposition in hoher Achtung und hatte besonders dem Herzoge von York geschadet.[20] Die ostindischen Schleichhändler beschlossen daher, den Character loyaler Unterthanen zu affectiren, die sich vorgenommen, dem Throne gegen die übermüthigen Tribunen der City beizustehen. Sie verbreiteten in allen Factoreien des Orients das Gerücht, daß in England große Verwirrung herrsche, daß es zum Kampfe gekommen sei oder ehestens dazu kommen werde und daß die Compagnie mit dem Beispiele der Auflehnung gegen die Krone vorangehe. Diese im Grunde nicht unwahrscheinlichen Gerüchte fanden leicht Glauben bei Leuten, welche durch eine damals noch zwölfmonatliche Reise von London getrennt waren. Einige Diener der Compagnie, die mit ihren Vorgesetzten nicht zufrieden waren, und andere, welche eifrige Royalisten waren, schlossen sich den Privathändlern an. In Bombay erklärten die Besatzung und die große Masse der englischen Einwohner, daß sie fernerhin Niemandem gehorchen würden, der nicht dem Könige gehorchte, sie warfen den Gouverneur ins Gefängniß und kündigten an, daß sie die Insel im Namen der Krone behaupteten. In St. Helena gab es einen Aufstand. Die Insurgenten nannten sich die Leute des Königs und entfalteten das königliche Banner. Sie wurden nicht ohne Mühe niedergeworfen und einige von ihnen kriegsrechtlich hingerichtet.[21]
Wäre die Compagnie noch eine whiggistische Gesellschaft gewesen, als die Nachricht von diesen Unruhen in England ankam, so würde die Regierung das Verfahren der Empörer wahrscheinlich gebilligt und der Freibrief, von welchem das Monopol abhing, das Schicksal gehabt haben, das um dieselbe Zeit so viele Freibriefe traf. Aber während die Privatkaufleute in einer Entfernung von mehreren tausend Meilen im Namen des Königs die Compagnie bekriegten, hatte sich die Compagnie mit dem Könige ausgesöhnt. Als das Oxforder Parlament aufgelöst worden war, als viele Zeichen andeuteten, daß eine starke Reaction zu Gunsten der Prärogative bevorstehe, als alle Corporationen, die sich das Mißfallen des Königs zugezogen, für ihre Gerechtsame zu zittern begannen, fand im Ostindischen Hause eine vollständige Umwälzung statt. Child, der damals Gouverneur oder nach der neueren Ausdrucksweise Vorsitzender war, trennte sich von seinen alten Freunden, entfernte sie aus dem Directorium und schloß einen Friedens- und innigen Allianzvertrag mit dem Hofe.[22] Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die nahe Verwandtschaft, in die er so eben mit dem vornehmen toryistischen Hause Beaufort getreten, einigen Antheil an diesem Wechsel seiner politischen Gesinnung hatte. Papillon, Barnardistone und ihre Anhänger verkauften ihre Actien; ihre Stellen im Ausschusse wurden mit ergebenen Freunden Child’s besetzt, und er war von nun an der Autokrat der Compagnie. Er verfügte unumschränkt über die Gelder der Compagnie und die wichtigsten Papiere wurden nicht im Archive des Comptoirs in Leadenhall Street, sondern in seinem Pulte in Wanstead aufbewahrt. Die unbegrenzte Gewalt, die er im Ostindischen Hause ausübte, setzte ihn in den Stand, ein Günstling in Whitehall zu werden, und die Gunst, die er in Whitehall genoß, befestigte seine Macht im Ostindischen Hause. Ein Geschenk von zehntausend Guineen geruhte Karl huldreichst von ihm anzunehmen. Weitere zehntausend Pfund wurden von Jakob angenommen, der sich bereitwillig herbeiließ, Actieninhaber zu werden. Alle die bei Hofe nützen oder schaden konnten, Minister, Maitressen und Priester, wurden durch Geschenke von Shawls und Seidenstoffen, Vogelnestern und Rosenöl, Beuteln voll Diamanten und Säcken voll Guineen bei guter Stimmung erhalten.[23] Ueber die Ausgaben des Dictators verlangten seine Collegen keine Rechenschaft und er scheint das Vertrauen, das sie in ihn setzten, wirklich verdient zu haben. Seine mit wohlangebrachter Freigebigkeit gespendeten Geschenke trugen bald reiche Früchte. Gerade als der Hof allmächtig im Staate wurde, wurde er allmächtig am Hofe. Jeffreys fällte ein Erkenntniß zu Gunsten des Monopols und der stärksten Acte, welche zum Schutze des Monopols erlassen worden waren. Jakob ließ sein Siegel unter einen neuen Freibrief drücken, der alle der Compagnie von seinen Vorgängern ertheilten Privilegien bestätigte und erweiterte. Alle Kapitaine von Ostindienfahrern erhielten Patente von der Krone und bekamen Erlaubniß, die königliche Flagge aufzuziehen.[24] Johann Child, Sir Josias’ Bruder und Gouverneur von Bombay, wurde unter dem Namen Sir John Child of Surat zum Baronet ernannt, zum Oberbefehlshaber aller englischen Streitkräfte im Orient erklärt und ermächtigt, den Titel Excellenz zu führen. Die Compagnie auf der andren Seite zeichnete sich unter vielen servilen Corporationen durch willfährige Ergebenheit gegen den Thron aus und ging allen Kaufleuten des Königreichs mit dem Beispiele der bereitwilligen und selbst freudigen Bezahlung der Zölle voran, welche Jakob zu Anfang seiner Regierung ohne Erlaubniß des Parlaments auflegte.[25]
Es schien, daß der ostindische Privathandel jetzt gänzlich unterdrückt und daß das durch die ganze Stärke der königlichen Prärogative beschützte Monopol gewinnbringender als je sein würde. Unglücklicherweise aber entspann sich gerade in diesem Augenblicke ein Streit zwischen den Agenten der Compagnie in Indien und der Regierung des Großmoguls. Die Frage, auf welcher Seite die Schuld sei, wurde damals heftig diskutirt und ist jetzt unmöglich noch zu entscheiden. Die Privatkaufleute schoben alle Schuld auf die Compagnie. Der Gouverneur von Bombay, versicherten sie, sei zwar stets habgierig und gewaltthätig gewesen, aber sein Baronetstitel und sein militärischer Rang hätten ihm vollends den Kopf verrückt. Selbst die in der Factorei angestellten Eingebornen hätten die Veränderung bemerkt und in ihrem gebrochenen Englisch gemurmelt, daß ein seltsamer Fluch an dem Worte Excellenz kleben müsse, denn seitdem das Oberhaupt der Fremden Excellenz genannt werde, sei jederzeit Alles zurückgegangen. Inzwischen, sagte man, habe der Bruder in England alle ungerechten und unklugen Schritte des Bruders in Indien gutgeheißen, bis endlich die der englischen Nation und der christlichen Religion zur Schande gereichende Insolenz und Raubsucht den gerechten Unwillen der einheimischen Behörden erregt hätten. Die Compagnie erhob heftige Gegenanklagen. Im Ostindischen Hause wurde erzählt, daß der Streit einzig und allein das Werk der Privatkaufleute sei, die jetzt nicht nur Schleichhändler, sondern Verräther genannt wurden. Es wurde behauptet, sie hätten durch Schmeichelei, durch Geschenke und durch falsche Anklagen die Vicekönige des Moguls bewogen, die Gesellschaft, welche in Asien die englische Krone repräsentire, zu unterdrücken und zu verfolgen. Und diese Beschuldigung scheint in der That nicht ganz ungegründet gewesen zu sein. Es ist gewiß, daß einer der unversöhnlichsten Feinde der beiden Child sich an den Hof Aurengzeb’s begab, sich am Palastthore aufstellte, den großen König anredete, als er eben zu Pferde steigen wollte, und indem er eine Petition hoch emporhielt, im Namen des gemeinschaftlichen Gottes der Christen und Muselmänner Gerechtigkeit verlangte.[26] Ob Aurengzeb den Beschuldigungen, welche ungläubige Franken gegen einander erhoben, besondere Beachtung schenkte, steht zu bezweifeln. Soviel aber ist gewiß, daß ein vollständiger Bruch zwischen seinen Vicekönigen und den Dienern der Compagnie eintrat. Auf der See wurden die Schiffe seiner Unterthanen von den Engländern aufgebracht. Am Lande wurden die englischen Niederlassungen genommen und geplündert. Der Handel stockte, und die hohen Dividenden, welche trotzdem in London noch immer ausgezahlt wurden, flossen nicht mehr aus dem jährlichen Gewinn.
Gerade in dieser Krisis, während jeder in die Themse einlaufende Ostindienfahrer unwillkommene Nachrichten aus dem Orient mitbrachte, wurde die ganze Politik Sir Josias’ durch die Revolution völlig über den Haufen geworfen. Er hatte sich geschmeichelt, daß er die Gesellschaft, deren Oberhaupt er war, gegen die Machinationen der Schleichhändler gesichert habe, indem er sie innig mit der stärksten Regierung verband, die es, soweit er zurückdenken konnte, je gegeben hatte. Und diese Regierung war gestürzt und Alles was sich an das zertrümmerte Gebäude lehnte, begann zu wanken. Die Bestechungen waren unnütz weggeworfen; die Verbindungen, welche die Stärke und der Stolz der Gesellschaft gewesen, waren jetzt ihre Schwäche und ihre Schande; der König, welcher Mitglied derselben gewesen, war ein Verbannter; der Richter, der alle ihre exorbitantesten Ansprüche für rechtmäßig erklärt hatte, saß im Gefängniß. Alle alten Feinde der Compagnie, verstärkt durch die großen whiggistischen Kaufleute, welche Child aus dem Directorium entfernt hatte, verlangten Gerechtigkeit und Rache von dem whiggistischen Hause der Gemeinen, das so eben Wilhelm und Marien auf den Thron gesetzt. Keine Stimme war lauter im Anklagen als die Stimme Papillon’s, der einige Jahre vorher eifriger als irgend Jemand in London für das Monopol gewesen war.[27] Die Gemeinen tadelten in harten Ausdrücken Diejenigen, welche auf St. Helena kriegsrechtliche Todesurtheile gefällt hatten, und erklärten sogar, daß einige dieser Uebelthäter von der Indemnitätsacte ausgeschlossen werden sollten.[28] Die wichtige Frage, wie der Handel mit dem Orient in Zukunft betrieben werden sollte, wurde einem Ausschusse überwiesen. Der Bericht sollte am 27. Januar 1690 erstattet werden; aber gerade an diesem Tage hörte das Parlament auf zu existiren.
Die ersten beiden Sessionen des nächstfolgenden Parlaments waren so kurz und geschäftsreich, daß in beiden Häusern wenig über Indien gesprochen wurde. Außerhalb des Parlaments aber wurden alle Mittel der Polemik sowohl wie der Intrigue angewendet. Es erschienen über den ostindischen Handel fast eben so viele Flugschriften wie über die Eide. Der Despot von Leadenhall Street wurde mit Schmähschriften in Prosa und in Versen verfolgt und schlechte Wortspiele auf seinen Namen gemacht. Er wurde mit Cromwell, mit dem Könige von Frankreich, mit Goliath von Gath, mit dem Teufel verglichen, und es wurde mit Heftigkeit für nöthig erklärt, daß Sir Josias in jeder Acte, welche zur Regulirung unsres Handelsverkehrs mit den östlichen Meeren erlassen werden möchte, von aller Betheiligung ausdrücklich ausgeschlossen bleibe.[29]
Es herrschte jedoch große Meinungsverschiedenheit unter Denen, welche in dem Hasse gegen Child und gegen die Gesellschaft, deren Oberhaupt er war, übereinstimmten. Die Fabrikanten von Spitalfields, von Norwich, von Yorkshire und den westlichen Grafschaften betrachteten den Handel mit den östlichen Meeren eher als nachtheilig denn als nutzbringend für das Königreich. Die Einfuhr von indischen Spezereiwaaren wurden zwar als unschädlich, die Einfuhr von Salpeter sogar als nothwendig zugegeben, die Einfuhr von Seidenstoffen und Bengals aber, wie man die Shawls damals nannte, als ein Fluch für das Land erklärt. Die Folge des zunehmenden Geschmacks für solchen Flitterstaat sei, daß unser Gold und Silber außer Landes ginge und daß viele vortreffliche englische Stoffe in unseren Waarenmagazinen von den Motten gefressen würden. Das seien glückliche Tage für die Bewohner unserer Viehzuchtdistricte und unserer Fabrikstädte gewesen, wo jedes Kleid, jedes Behänge, jeder Bettüberzug aus Materialien verfertigt worden sei, die unsere eigenen Heerden, unsere eigenen Webstühle lieferten. Wo seien jetzt die guten alten Tapeten, welche zu den Zeiten Elisabeth’s die Wände herrschaftlicher Wohnhäuser schmückten? Sei es nicht eine Schande, einen Gentleman, dessen Vorfahren nur Stoffe getragen, welche englische Arbeiter aus englischer Wolle verfertigt, in einem Callicohemd und seidenen Strümpfen einherstolziren zu sehen? Aehnliche Beschwerden hatten einige Jahre früher dem Parlamente die Acte abgezwungen, welche vorschrieb, daß die Todten in wollene Gewänder eingehüllt werden sollten, und einige sanguinische Tuchmacher hofften, daß die Legislatur durch Ausschließung aller indischen Gewebe von unseren Häfen den Lebenden das Nämliche zur Pflicht machen werde.[30]
Diese Ansicht beschränkte sich jedoch auf eine Minorität. Das Publikum war in der That geneigt, die Vortheile, welche England aus dem ostindischen Handel erwachsen konnten, eher zu hoch als zu gering anzuschlagen. Die Frage, auf welche Weise diesem Handel am besten eine größere Ausdehnung zu geben sei, erregte allgemeines Interesse und wurde sehr verschieden beantwortet.