Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 22

Chapter 223,401 wordsPublic domain

[_Zahlungseinstellung der Schatzkammer._] Die finanziellen Verlegenheiten waren sehr ernster Natur. Ein Krieg mit Holland mußte ungeheure Kosten erfordern, und die gewöhnlichen Einkünfte reichten eben nur hin, um die Bedürfnisse der Regierung im Frieden zu bestreiten. Die achthunderttausend Pfund, welche man den Gemeinen abgeschwindelt hatte, waren nicht genügend, die Kosten der Flotte und des Heeres auch nur auf ein einziges Kriegsjahr zu decken, und nach der traurigen Lehre, die das Lange Parlament gegeben, wagte es selbst die Cabale nicht, wieder ein Boden- oder Schiffsgeld einzuführen. In dieser Verlegenheit empfahlen Ashley und Clifford einen niederträchtigen Verrath an dem öffentlichen Vertrauen. Die Goldschmiede Londons trieben damals nicht blos Handel mit edlen Metallen, sondern auch Geldwechsel, und waren daran gewöhnt, der Staatskasse große Summen vorzustrecken, für welche Darlehen sie Anweisungen auf das Einkommen erhielten, welche nach der Steuererhebung mit den Zinsen bezahlt wurden. In dieser Art waren eine Million und dreihunderttausend Pfund der Ehre des Staates anvertraut worden. Da erschien plötzlich die Bekanntmachung, daß es nicht möglich sei, das Capital zu zahlen, und daß die Creditoren sich mit den Zinsen begnügen müßten. In Folge dessen konnten dieselben ihren eigenen Verpflichtungen nicht nachkommen, die Börse gerieth in Aufruhr, mehrere große Handelshäuser machten Bankerott, Schreck und Jammer kamen über die ganze Gesellschaft. Inzwischen ging man rasch dem Despotismus entgegen. Proklamationen, welche von Parlamentsakten dispensirten oder Vorschriften machten, die nur dem Parlamente zustanden, erschienen in rascher Aufeinanderfolge. Das bedeutendste dieser Edicte war die Indulgenzerklärung. In diesem Aktenstücke wurden die Strafgesetze gegen die Katholiken durch königlichen Machtspruch noch einmal beseitigt, und um die wahre Absicht der Maßregel zu verschleiern, hob man gleichzeitig auch die Gesetze gegen die protestantischen Nichtconformisten auf.

[_Krieg mit den Vereinigten Provinzen und große Gefahr derselben._] Wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Indulgenzerklärung wurde den Vereinigten Provinzen der Krieg erklärt. Zur See fochten die Holländer mit Ehren, zu Lande aber wurden sie anfänglich durch unwiderstehliche Gewalt bezwungen. Ein großes französisches Heer ging über den Rhein, eine Festung nach der andern ergab sich. Die Sieger besetzten drei von den sieben Provinzen des Bundes. Man sah die Lagerfeuer des Feindes von dem Dache des Rathhauses zu Amsterdam. Zu gleicher Zeit wurde die von außen so hart bedrängte Republick auch von inneren Zwistigkeiten heimgesucht. Die Regierung befand sich in den Händen einer geschlossenen Oligarchie mächtiger Bürger. Es gab eine große Menge selbstgewählter Stadträthe, welche innerhalb ihrer Bezirke viele Souverainetätsrechte ausübten; diese Räthe schickten Abgeordnete an die Provinzialstaaten, und die Provinzialstaaten wieder Beauftragte an die Generalstaaten. Eine erbliche, höchste Obrigkeit war kein wesentlicher Theil dieser Staatseinrichtung. Doch hatte eine, an berühmten Männern auffallend fruchtbare Familie allmälig eine bedeutende und zugleich ziemlich unbestimmte Gewalt erlangt. Wilhelm, dieses Namens der Erste, Prinz von Nassau-Oranien und Statthalter von Holland, hatte an der Spitze des denkwürdigen Aufstandes gegen Spanien gestanden, sein Sohn Moritz war Generalkapitain und oberster Minister der Staaten gewesen, hatte sich durch ausgezeichnete Befähigung und vortreffliche Dienste, sowie durch einige verrätherische und unmenschliche Handlungen zu königlicher Macht emporgeschwungen, und diese Macht zum Theil seiner Familie hinterlassen. Der Einfluß der Statthalter war ein Gegenstand höchster Eifersucht für die städtische Oligarchie, aber die Armee, sowie die große Menge von Bürgern, denen jede Theilnahme an der Regierung entzogen war, betrachteten die Bürgermeister und Deputirten mit einer Abneigung, ähnlich der, welche die Legionen und der große Haufe in Rom gegen den Senat fühlten, und zollten dem Hause Oranien eine so treue Ergebenheit wie die Legionen und die Massen dem Hause Cäsars. Der Statthalter stand an der Spitze des Heeres der Republik, verfügte über alle militärischen Commandos, hatte bedeutenden Einfluß auf die Civilgewalt, und umgab sich mit einem fast königlichen Glanze.

Prinz Wilhelm II. hatte bei der oligarchischen Partei auf heftigen Widerstand gestoßen, er starb 1650, während großer bürgerlicher Unruhen, ohne Kinder zu hinterlassen. Die Mitglieder seiner Familie befanden sich einige Zeit ohne Haupt, und die von ihm ausgeübte Gewalt wurde unter die Stadträthe, Provinzialstaaten und Generalstaaten vertheilt.

Wenige Tage nach Wilhelms Tode gebar seine Witwe, Marie, Tochter Karls I. von England, einen Sohn, welcher bestimmt war, den Ruhm und die Macht des Hauses Nassau auf den höchsten Gipfel zu treiben, die Vereinigten Provinzen vor Unterdrückung zu bewahren, die Macht Frankreichs zu brechen und der englischen Verfassung eine solide Grundlage zu geben.

[_Wilhelm Prinz von Oranien._] Dieser Prinz mit dem Namen Wilhelm Heinrich, war von seiner Geburt an ein Gegenstand ernster Sorge für die zur Zeit in Holland herrschende Partei, und loyaler Ergebenheit für die Anhänger seines Hauses. Als der Besitzer eines großen Vermögens, als das Haupt eines der erlauchtesten Häuser Europa's, als ein souverainer Fürst des deutschen Reiches, als ein Prinz von königlichem Geblüte Englands, vor Allem aber als ein Sprößling der Schöpfer der batavischen Freiheit, genoß er der höchsten Achtung. Aber das mächtige Amt, welches seine Familie einst als erblich betrachtete, wurde nicht wieder besetzt, und nach dem Willen der aristokratischen Partei sollte nie wieder ein Statthalter gewählt werden. Die Stelle der ersten Magistratsperson vertrat zum großen Theile der Großpensionair der Provinz Holland, Johann de Witt, dessen Klugheit, Festigkeit und Redlichkeit ihn zu einem hohen Ansehen im Rathe der municipalen Oligarchie erhoben hatten.

Die französische Invasion brachte eine vollständige Umwandlung hervor. Das leidende, und von Schrecken erfüllte Volk wüthete furchtbar gegen die Regierung, und fiel in seiner Tollheit über die tapfersten Heerführer und die geschicktesten Staatsmänner der Regierung her. De Ruyter wurde von dem Pöbel insultirt, und de Witt vor dem Thore des Palastes der Generalstaaten im Haag in Stücke zerrissen. Der Prinz von Oranien war an dem Morde unschuldig, aber bei dieser Gelegenheit, sowie zwanzig Jahre später bei einer anderen beklagenswerthen Veranlassung, beurtheilte er die Verbrechen, welche in seinem Interesse verübt wurden, so nachsichtig, daß dadurch sein Ruhm befleckt wurde. Er trat ohne Nebenbuhler an die Spitze der Regierung. Wenn auch noch jung, hob sein feuriger unbeugsamer Geist, obgleich unter einer kalten, düsteren Außenseite verborgen, gar bald den Muth seiner zagenden Landsleute. Jeder Versuch seines Oheims, sowie des französischen Königs, ihn durch die glänzendsten Versprechungen der Sache der Republik abwendig zu machen, war vergeblich. Gegen die Generalstaaten führte er eine schwungreiche, begeisternde Sprache. Er wagte sogar ihnen einen Vorschlag zu machen, der einen Anstrich von antikem Heroismus hatte, und der, wenn er zur Ausführung gekommen wäre, der edelste Stoff für ein Epos sein würde, der im Bereiche der neueren Geschichte existirte. Er erklärte den Abgeordneten, daß, selbst wenn ihr Heimathsland und die Wunder, mit denen menschlicher Kunstfleiß es bedeckt, von dem Ocean verschlungen wären, noch nicht Alles verloren sei. Die Holländer könnten Holland überleben; Freiheit und reine Gottesverehrung, würden sie auch von Tyrannen und Fanatikern aus Europa verbannt, könnten in Asiens entferntesten Inseln eine Freistätte finden. Die Schiffe, welche in den Häfen der Republik ankerten, würden ausreichen, um zweihunderttausend Auswanderer nach dem indischen Archipel zu bringen, dort könne die holländische Republik ein neues, glorreiches Dasein beginnen, und unter dem Kreuze des Südens, umgeben von Zuckerrohr und Muscatbäumen, die Börse eines reicheren Amsterdam und den Lehrstuhl eines gelehrteren Leyden errichten. Der Nationalgeist erhob sich gewaltig. Die Bedingungen, welche die Verbündeten anboten, wurden kurz zurückgewiesen, die Dämme wurden durchstochen, und das ganze Land in einen ungeheuren See verwandelt, aus dem die Städte mit ihren Mauern und Thürmen wie Inseln hervorragten. Die Feinde retteten sich nur durch den eiligsten Rückzug vor Vernichtung; Ludwig aber, welcher es zuweilen für vortheilhaft hielt, sich an der Spitze des Heeres zu zeigen, jedoch einen Palast bequemer fand als ein Kriegslager, war bereits heimgekehrt, um in den neuangelegten Alleen von Versailles sich der Schmeicheleien der Dichter und des Lächelns seiner Damen zu erfreuen.

Bald folgte der Ebbe die Fluth. Der Erfolg des Seekrieges war zweifelhaft geblieben; zu Lande hatten die Vereinigten Provinzen Aufschub erlangt, und ein Aufschub, wenn auch noch so kurz, war von unübersehbarer Wichtigkeit. Beunruhigt durch die weitaussehenden Pläne Ludwigs, griffen beide Linien des mächtigen österreichischen Hauses zu den Waffen. Spanien und Holland vergaßen die alten gegenseitigen Beschwerden und Demüthigungen, und söhnten sich angesichts der gemeinschaftlichen Gefahr wieder aus. Aus allen Gegenden Deutschlands marschirten Truppen nach dem Rheine. Die Fonds der englischen Regierung, welche man durch Beraubung der Staatsgläubiger zusammen gebracht, waren erschöpft, von der City ließ sich kein Darlehn erwarten, und der Versuch durch königlichen Machtspruch Steuern zu erheben, würde unverzüglich eine Revolution hervorgerufen haben. Ludwig aber, der jetzt mit dem halben Europa in Krieg verwickelt war, befand sich nicht in der Verfassung, die Mittel zur Bezwingung des englischen Volkes herbeizuschaffen. So war es nothwendig, das Parlament einzuberufen.

[_Versammlung des Parlaments._] Im Frühlinge des Jahres 1673 versammelten sich also die Häuser nach einer Unterbrechung von beinahe zwei Jahren. Clifford, jetzt Pair und Lord Schatzmeister, und Ashley, jetzt Lord Kanzler und Earl von Shaftesbury, waren die Männer, auf welche der König hinsichtlich der Leitung des Parlaments sich verließ. Die Vaterlandspartei zögerte nicht, sofort die Politik der Cabale anzugreifen, dieser Angriff geschah aber nicht stürmisch, sondern durch langsames und wohlberechnetes Vorrücken. Die Gemeinen gaben zuerst Hoffnung, daß sie die auswärtige Politik des Königs unterstützen wollten, verlangten aber, daß er diese Hilfe dadurch erkaufen sollte, daß er das ganze System seiner innern Politik fallen lasse. Vor Allem verlangten sie die Zurücknahme der Indulgenzerklärung.

[_Indulgenzerklärung._] Der unpopulärste Schritt, den die Regierung jemals gethan hatte, war unbedingt die Bekanntmachung dieser Erklärung. Die verschiedenartigsten Gefühle waren verletzt durch eine an sich zwar freisinnige, aber in höchst despotischer Weise ausgeführte Maßregel. Die Feinde religiöser, und die Freunde bürgerlicher Freiheit waren eng verbunden, und aus diesen beiden Klassen bestanden neunzehn Zwanzigtheile der Nation. Der eifrige Anhänger der Staatskirche beschwerte sich über die Bevorzugung, welche dem Papisten wie dem Puritaner zu Theil geworden sei. Der Puritaner freute sich zwar über das Aufhören der Verfolgung, die ihn gedrückt hatte, war aber eben nicht besonders dankbar für eine Duldung, welche er mit dem Antichrist theilen sollte. Alle Engländer jedoch, welche Freiheit und Gerechtigkeit achteten, erkannten mit Besorgniß den tiefen Eingriff, den die Prärogative in das Gebiet der Gesetzgebung gethan hatte.

Der Wahrheit die Ehre zu geben, darf nicht geleugnet werden, daß die constitutionelle Frage nicht ganz frei von Dunkelheit war. Unsere alten Könige besaßen das unbestrittene Recht, die Wirkung von Strafgesetzen zu suspendiren, die Gerichtshöfe hatten dieses Recht anerkannt und die Parlamente es nicht angefochten. Daß ein derartiges Recht der Krone zustehe, wagten, selbst von der Landpartei, in Betracht der Ereignisse und Autoritäten nur Wenige in Abrede zu stellen. Gleichwohl war es klar daß, wenn diese Prärogative keine Grenze hatte, die englische Regierung von reinem Despotismus fast gar nicht unterschieden werden konnte. Daß es eine Grenze gebe, gestand der König sammt seinen Ministern ein, die Frage war nur, ob die Indulgenzerklärung innerhalb oder außerhalb derselben liege, und keine Partei vermochte eine Grenzlinie zu bestimmen, welche die Prüfung bestand. Einige Gegner der Regierung beschwerten sich, daß durch die Erklärung nicht weniger als vierzig Gesetze suspendirt würden; warum aber nicht vierzig sogut wie eins? Ein Redner sprach unverhohlen aus, daß der König verfassungsmäßig zwar von schlechten Gesetzen dispensiren könne, nicht aber von guten. Das Ungereimte einer solchen Unterscheidung liegt auf der Hand. Die Ansicht, welche im Hause der Gemeinen angenommen schien, war wohl im Allgemeinen die, daß das Dispensationsrecht sich blos auf weltliche Punkte erstrecke, und nicht auf Gesetze, die man zur Sicherheit der Landeskirche erlassen. Da aber der König das Oberhaupt der Kirche war, so schien es, daß wenn er überhaupt die dispensirende Gewalt besitze, er sie wohl auch da haben konnte, wo die Kirche in's Spiel kam. Die Versuche der Hofleute, die Grenzen dieser Prärogative zu bezeichnen, mißlangen eben so vollständig wie früher die der Opposition.[3]

Die Wahrheit ist, daß die Dispensationsbefugniß eine große Anomalie in Staatssachen war. In der Theorie war sie mit den Grundsätzen gemischter Verfassung nicht zu vereinigen, aber sie war in einer Zeit entstanden, wo das Volk sich wenig um Theorien kümmerte. In der Praxis hatte man diese Befugniß niemals auf gröbliche Art gemißbraucht, sie war deshalb geduldet worden, und endlich allmälig zu einer Art Verjährung gekommen. Nach einem langen Zwischenraume wurde sie endlich in einem fortgeschrittenen Zeitalter bei einer wichtigen Veranlassung und zwar in früher nicht gekannter Ausdehnung, zu einem allgemein verabscheuten Zwecke in Anwendung gebracht. Sie wurde einer strengen Untersuchung unterworfen, und wenn man auch nicht gleich wagte sie geradezu für verfassungswidrig zu erklären, so kam man doch zu der Erkenntniß, daß sie in directem Widerspruche mit der Verfassung stehe, und wenn sie willkürlich blieb, die englische Regierung aus einer beschränkten Regierung in eine absolute verwandeln würde.

[Anmerkung 3: Das Vernünftigste was über diesen Gegenstand im Hause der Gemeinen gesprochen wurde, rührte von Sir William Coventry her. »Unsere Voreltern haben niemals eine Linie gezogen, um die Souverainetätsrechte und die Freiheit zu begrenzen.«]

[_Cassirung der Indulgenzakte. Annahme der Testakte._] Durch solche Befürchtungen veranlaßt, stellten die Gemeinen in Abrede, daß es ein Dispensationsrecht des Königs gebe, zwar nicht rücksichtlich aller Strafgesetze, sondern blos soweit diese die kirchlichen Angelegenheiten beträfen, und sie gaben dem König nicht undeutlich zu verstehen, daß sie nur bei Aufgabe dieses Rechtes ihm Bewilligungen für den holländischen Krieg machen würden. Für den Augenblick schien er geneigt, Alles zu wagen, bis ihm Ludwig dringend rieth, sich der Nothwendigkeit zu fügen und einen günstigeren Zeitpunkt abzuwarten, wo die französischen Heere, jetzt zu schwerem Kriege auf dem Festlande verwendet, benutzt werden könnten, um die Unzufriedenheit in England zu unterdrücken. In der Cabale selbst wurden Zeichen von Uneinigkeit und Verrätherei sichtbar. Shaftesbury erkannte mit seinem zum Sprichwort gewordenen Scharfblick, daß eine heftige Reaction bevorstehe, und Alles einer Krisis gleich der von 1640 zuschreite. Er beschloß, daß diese ihn nicht in Straffords Lage finden sollte, machte deshalb eine plötzliche Wendung und erkannte im Hause der Lords an, daß die Erklärung gesetzwidrig sei. Der König, von seinen Verbündeten sowie von seinem Kanzler verlassen, fügte sich, nahm die Indulgenzerklärung zurück und versprach feierlich, daß sie niemals in Anwendung gebracht werden solle.

Selbst diese Concession war ungenügend. Die Gemeinen waren noch nicht damit zufrieden, ihren Souverain zur Vernichtung der Indulgenz gezwungen zu haben, sie nöthigten ihm auch seine ungern ertheilte Zustimmung ab zu einem wichtigen Gesetze, welches bis zur Regierung Georgs IV. geltend geblieben ist. Dieses Gesetz unter der Benennung »Testakte« bekannt, bestimmte, daß alle mit militairischen oder bürgerlichen Ämtern bekleideten Personen den Suprematseid leisten, eine Erklärung gegen die Transsubstantiation unterschreiben und öffentlich das Abendmahl nach den Gesetzen der englischen Kirche empfangen sollten. Die Einleitung des Gesetzes spricht nur in feindseligen Ausdrücken gegen die Papisten, die folgenden Paragraphen aber waren den Papisten kaum weniger ungünstig als der strengsten Klasse von Puritanern. Diese jedoch, durch die offenbare Hinneigung des Hofes zum Papstthum erschreckt, und von einigen Anhängern der Hochkirche zu der Hoffnung beredet, daß nach der wirksamen Entwaffnung der Katholischen den protestantischen Nichtconformisten Hilfe werden solle, erhoben nur geringen Widerspruch, und auch der König, der sich in größter Geldverlegenheit befand, konnte nicht wagen seine Genehmigung vorzuenthalten. Die Akte wurde vollzogen und in Folge davon der Herzog von York genöthigt, den hohen Posten eines Lord Großadmirals aufzugeben.

[_Auflösung der Cabale._] Noch hatten die Gemeinen sich nicht gegen den holländischen Krieg erklärt. Nachdem aber der König aus Dankbarkeit für die ihn sehr vorsichtig gespendeten Summen den ganzen Plan seiner inneren Politik fallen gelassen, traten sie heftig gegen seine auswärtige Politik auf. Sie verlangten, daß Buckingham und Lauderdale für immer aus dem Rathe entfernt würden, und bildeten einen Ausschuß, welcher ermitteln sollte, ob es angemessen sei, Arlington unter Anklage zu stellen. Nach kurzer Zeit existirte die Cabale nicht mehr. Clifford, der Einzige von den Fünfen, der mit einigem Grund für einen rechtlichen Mann gelten konnte, verweigerte den neuen Religionseid, legte seinen weißen Stab nieder und zog sich auf seine Güter zurück. Arlington vertauschte den Posten eines Staatssecretairs mit einer ruhigen, ehrenvollen Anstellung im königlichen Hause. Shaftesbury und Buckingham versöhnten sich mit der Opposition und erschienen an der Spitze der stürmischen Demokratie der City. Lauderdale hingegen blieb Minister der schottischen Angelegenheiten, mit denen das englische Parlament nichts zu schaffen hatte.

Jetzt drängten die Gemeinen den König, mit Holland Frieden zu schließen und erklärten ohne Hehl, daß sie durchaus keine Mittel zu diesem Kriege bewilligen würden, wenn der Feind sich nicht hartnäckig weigere, auf annehmbare Bedingungen einzugehen. Karl begriff, daß er nun jeden Gedanken an die Ausführung des Vertrags von Dover bis auf einen geeigneteren Zeitpunkt fallen lassen müsse, und schmeichelte der Nation durch den Anschein, als wolle er zur Politik der Tripleallianz zurückkehren. Temple, welcher seit der Macht der Cabale in Zurückgezogenheit unter seinen Büchern und Blumen lebte, wurde aus der Einsamkeit hervorgeholt, und durch seine Vermittlung ein Separatfrieden mit den Vereinigten Provinzen geschlossen. Er wurde darauf Gesandter im Haag, und seine Anwesenheit galt dort als ein sicheres Pfand der Aufrichtigkeit seines Hofes.

Die oberste Leitung der Geschäfte war jetzt in den Händen Sir Thomas Osborns, eines Baronets aus Yorkshire, der im Hause der Gemeinen ein seltenes Talent für Geschäft und Debatte gezeigt hatte. Osborn wurde Lord Schatzmeister und bald darauf Earl von Danby. Er war kein Mann von achtungswerthem Charakter, insofern man ihn nach dem Maßstabe der Sittlichkeit beurtheilen wollte. Begierig nach Reichthümern und Auszeichnungen, war er, selbst verdorben, auch noch ein Verführer Anderer. Die Cabale hatte ihm die Kunst hinterlassen, Parlamente zu bestechen, eine damals noch unausgebildete Kunst, der man die hohe Vollendung noch nicht ansah, zu der sie sich in dem folgenden Jahrhundert emporschwang. Er verbesserte den Entwurf der ersten Erfinder bedeutend. Dieselben hatten blos Sprecher erkauft, Danby aber bezahlte Jeden, der eine Stimme hatte. Doch darf dieser neue Minister nicht mit den Unterhändlern von Dover in eine Reihe gestellt werden. Er besaß die Empfindungen eines Engländers und Protestanten, und niemals vergaß er über die eigenen Interessen ganz die seines Vaterlandes und seiner Religion. Er war allerdings eifrig bemüht, die königliche Prärogative zu erhöhen, doch benutzte er dazu Mittel, welche von denen sehr verschieden waren, die Arlington und Clifford im Sinne gehabt hatten. Nie dachte er daran, durch Hilfe fremder Truppen und Erniedrigung des Königreichs dasselbe zu dem Range eines abhängigen Fürstenthums herabsinken zu lassen. Sein Plan war, um die Monarchie wieder diejenigen Klassen zu schaaren, welche während der Unruhen des letzten Menschenalters ihre treuen Bundesgenossen gewesen, durch die neuerlichen Laster und Irrthümer des Hofes aber mit Unwillen zurückgetreten waren. Mit Hilfe des alten Cavalier-Interesses, des hohen und niedern Adels, des Klerus und der Universitäten konnte es nach seiner Meinung möglich sein, Karl zwar nicht zu einem unbeschränkten, aber doch zu einem kaum weniger mächtigen Souverain als Elisabeth war, zu machen.

Von diesen Ansichten durchdrungen beschloß Danby der Partei der Cavaliere den ausschließlichen Besitz aller politischen Macht sowohl der executiven wie der gesetzgebenden, zu sichern. Es wurde daher im Jahre 1675 im Hause der Lords eine Bill vorgelegt, welche bestimmte, daß Niemand ein Amt versehen oder in einem Hause des Parlaments sitzen solle, der nicht vorher die eidliche Erklärung gegeben, daß er Widerstand gegen die königliche Macht unbedingt für strafbar halte, und nie den Versuch machen werde, sich an der Verfassung des Staates oder der Kirche zu vergreifen. Mehrere Wochen hindurch erhielten die durch diesen Antrag hervorgerufenen Verhandlungen, Abstimmungen und Proteste das Land in großer Aufregung. Die Opposition im Hause der Lords, an deren Spitze zwei Mitglieder der Cabale standen, welche Frieden mit dem Volke zu machten wünschten, Buckingham und Shaftesbury, war außerordentlich heftig und hartnäckig, und hatte guten Erfolg. Die Bill wurde nicht verworfen, aber verzögert, verstümmelt und endlich bei Seite gelegt.

Auf solche Willkür und Abgeschlossenheit gründete sich Danby's innere Politik; seine Ansichten über äußere Politik machten ihm mehr Ehre, sie waren das Gegentheil von denen der Cabale, und glichen fast ganz denen der Vaterlandspartei. Er klagte bitter über die Erniedrigung, in welche man England versetzt, und erklärte in größter Aufregung, daß es sein sehnlichster Wunsch sei, den Franzosen durch Prügel die nöthige Achtung einzuflößen. Er war so wenig Herr seiner Gefühle, daß er bei einem großen Gastmahle, wo die höchsten Würdenträger des Staats und der Kirche anwesend waren, sein Glas auf das Verderben Aller leerte, die nicht für einen Krieg gegen Frankreich gestimmt wären. Es wäre ihm sehr erwünscht gewesen, hätte sich sein Vaterland mit den Mächten vereinigt, welche sich damals gegen Ludwig verbunden hatten, und zu dem Zwecke war er geneigt, Temple, den Stifter der Tripleallianz, an die Spitze des Departements der auswärtigen Angelegenheiten zu stellen. Aber die Macht des Premierministers hatte ihre Grenzen. In seinen vertraulichsten Briefen beklagt er sich, daß die Verblendung seines Herrn England hindere den ihm gebührenden Platz unter den Nationen Europa's einzunehmen. Karl besaß eine unersättliche Gier nach französischem Golde, und hatte noch immer nicht die Hoffnung aufgegeben eines Tages mit Hilfe der französischen Waffen eine absolute Monarchie zu errichten -- diese beiden Gründe waren für ihn hinreichend, um ein gutes Vernehmen mit dem Hofe von Versailles zu unterhalten.