Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 21

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[_Verbindung zwischen Karl II. und Frankreich._] Da der König die Absicht hatte, sich von der Aufsicht des Parlaments zu befreien, und er zu diesem Unternehmen keine angemessene Hilfe im Innern zu finden hoffen konnte, so war es natürlich, daß er den Blick zu diesem Behufe nach dem Auslande richtete. Die Macht und der Reichthum des französischen Königs konnten der schwierigen Aufgabe gewachsen sein, die unbeschränkte Monarchie in England einzuführen. Ein solcher Bundesgenosse verlangte aber jedenfalls starke Beweise der Dankbarkeit für einen derartigen Dienst, Karl hätte zu der Bedeutung eines großen Vasallen herabsteigen, und Krieg und Frieden nach Vorschrift der Regierung beschließen müssen, welche ihm ihren Schutz gewährte. Seine Stellung zu Ludwig würde große Ähnlichkeit mit der gehabt haben, in der sich jetzt der Rajah von Nagpore und der König von Oude zur britischen Regierung befinden. Diese Fürsten sind verpflichtet, die Ostindische Kompagnie in allen Angriffs- und Vertheidigungskriegen zu unterstützen, und nur solche diplomatische Verbindungen zu unterhalten, welche die Ostindische Kompagnie erlaubt. Dafür sichert sie die Kompagnie gegen Empörung. So lange sie ihren Verpflichtungen gegen die überlegene Macht treulich nachkommen, läßt man sie über große Einkünfte verfügen, erlaubt ihnen, ihre Paläste mit schönen Frauen anzufüllen, sich in der Gesellschaft ihrer Lieblinge dumm zu schwelgen, und jeden Unterthanen, der ihnen mißfällt, ungestraft zu unterdrücken. Ein solches Leben mußte einem Manne von Hochherzigkeit und gewaltigem Geiste unerträglich sein; aber für den üppigen, trägen, abgespannten, jeder Vaterlandsliebe und alles Bewußtseins persönlicher Würde ermangelnden Karl hatte eine solche Aussicht durchaus nichts Mißfälliges. Daß der Herzog von York zu dem Plane, die Würde der Krone, welche er vermutlich einst selbst tragen würde, zu erniedrigen, die Hand geboten haben sollte, mag auffallend erscheinen, denn seine Gemüthsart war hochfahrend und herrschsüchtig, und er zeigte in der That ohne Unterbrechung durch Aufwallungen und gelegentliche Weigerungen seinen Haß gegen das französische Joch; er war jedoch durch Aberglauben fast ebenso verdorben, wie sein Bruder durch Nichtsthun und Üppigkeit. Jacob war damals schon Katholik. Frömmelei war die vorherrschende Richtung seines beschränkten halsstarrigen Geistes geworden und so mit seiner Herrschsucht verwachsen, daß diese beiden Leidenschaften kaum mehr zu unterscheiden waren. Es war sehr unwahrscheinlich, daß er ohne fremde Hilfe im Stande sein würde, das Übergewicht, oder auch nur Duldung für seinen Glauben zu erlangen, und bei seiner Gemüthsverfassung sah er in keinem Schritte etwas Erniedrigendes, wenn dadurch das Wohl der wahren Kirche befördert werden konnte.

Die Unterhandlung, welche eröffnet wurde, dauerte mehrere Monate. Die Hauptagentin zwischen den Höfen von England und Frankreich war die schöne, anmuthige und geistreiche Henriette, Herzogin von Orleans, Karls Schwester, Ludwigs Schwägerin, und der Liebling Beider. Der König von England erbot sich, den katholischen Glauben anzunehmen, die Tripleallianz aufzulösen und sich mit Frankreich gegen Holland zu verbinden, wenn Frankreich sich verpflichten wolle, ihm die nöthige militärische und pekuniäre Hilfe zu leisten, welche nöthig sei, um sich vom Parlamente unabhängig zu machen. Ludwig bemühte sich anfangs, diese Vorschläge mit scheinbarer Kälte anzuhören, und ging endlich in einer Weise darauf ein, als ob er eine große Gunst gewährte; der Weg aber, den er einzuschlagen gesonnen war, konnte ihm nur Gewinn bringen.

[_Pläne Ludwigs in Bezug auf England._] Es scheint gewiß, daß es nie seine ernstliche Absicht war, mit bewaffneter Hand in England Despotismus und Papstthum einzuführen. Er mußte leicht einsehen, daß ein derartiges Unternehmen höchst schwierig und gewagt war, indem es auf Jahre hinaus alle Kräfte Frankreichs in Anspruch nehmen, und den vortheilhafteren Vergrößerungsplänen, die er im Sinne hatte, hinderlich sein würde. Zwar hätte er gern das Verdienst und den Ruhm erwerben mögen, gegen angemessene Bedingungen seiner Kirche einen bedeutenden Dienst zu leisten, er hatte aber keine Lust, seinen Vorfahren nachzuahmen, welche im zwölften und dreizehnten Jahrhundert den Kern des französischen Adels in Syrien und Egypten dem Tode entgegengeführt, und es war ihm wohlbekannt, daß ein Kreuzzug gegen den Protestantismus in England mit denselben Gefahren verbunden sein würde, wie die Unternehmungen, welche die Heere Ludwigs VII. und Ludwigs IX. verschlungen hatten. Es war für ihn keine Ursache vorhanden, den Stuarts Absolutismus zu wünschen, und die englische Verfassung betrachtete er durchaus nicht mit ähnlichen Gefühlen, durch welche späterhin Fürsten veranlaßt wurden, gegen die freien Institutionen benachbarter Völker Krieg zu führen. Dermalen hat jede große Partei, welche volksthümliche Regierung wünscht, ihre Verbindungen in jedem civilisirten Staate. Jeder wichtige Vortheil, den diese Partei erringt, giebt das Signal zu einer allgemeinen Bewegung. Es ist nicht auffällig, wenn Regierungen, denen eine gemeinschaftliche Gefahr droht, sich zu gegenseitiger Sicherung verbinden; aber im siebzehnten Jahrhundert gab es keine derartige Gefahr. Zwischen der öffentlichen Meinung in England und der von Frankreich lag eine große Kluft. Unsere Einrichtungen wie unsere Parteien verstand man in Paris ebenso wenig wie in Konstantinopel. Es ist zu bezweifeln, ob eins von den vierzig Mitgliedern der französischen Akademie ein englisches Werk in seiner Bibliothek hatte und Shakespeare, Johnson oder Butler auch nur dem Namen nach kannte. Einige Hugenotten, auf welche der Empörungsgeist ihrer Vorfahren übergegangen war, mochten vielleicht Sympathien für ihre Glaubensbrüder, die englischen Rundköpfe, hegen, aber die Hugenotten waren nicht mehr gefürchtet. Die Franzosen, der Mehrzahl nach Katholiken, und stolz auf die Erhabenheit ihres Monarchen wie auf ihre eigene Loyalität, betrachteten unsere Anstrengungen gegen Papstthum und Willkürherrschaft nicht blos ohne Bewunderung und Theilnahme, sondern mit entschiedener Mißbilligung und Abneigung. Man würde sich deshalb irren, wollte man das Verfahren Ludwigs Befürchtungen beimessen, welche nur entfernt denjenigen ähnelten, die in unserem Jahrhundert die heilige Allianz bestimmten, sich in die inneren Unruhen Spaniens und Neapels zu mischen.

Nichtsdestoweniger waren ihm die Vorschläge des Hofes von Whitehall äußerst willkommen. Er sann bereits auf großartige Pläne, welche Europa über vierzig Jahre lang in Gährung erhalten sollten. Es war sein Wunsch, die Vereinigten Provinzen zu demüthigen, und Belgien, die Franche Comté und Lothringen an Frankreich zu bringen. Dies war aber noch nicht Alles. Der König von Spanien, ein schwacher, kränklicher Knabe, starb aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Leibeserben. Seine älteste Schwester war die Königin von Frankreich. Somit lag die Vermuthung sehr nahe, daß die Zeit nicht mehr fern sei, wo das Haus der Bourbons seine Rechte an das große Reich erheben werde, in welchem die Sonne nie unterging. Der Vereinigung zweier so mächtigen Kronen auf einem Haupte würde sich ohne Zweifel eine kontinentale Koalition widersetzt haben; aber jeder solchen Koalition war Frankreich allein hinreichend gewachsen. England konnte den Stand der Dinge ändern, von der Stellung, welche es in einer solchen Krisis einnahm, hing das Schicksal der Welt ab, und es war zur Genüge bekannt, daß Parlament und Volk von England eifrig der Politik anhingen, deren Werk die Tripleallianz war. Es konnte daher für Ludwig nichts erfreulicher sein, als in Erfahrung zu bringen, daß die Fürsten des Hauses Stuart seine Hilfe wünschten und dieselbe durch unbegrenzte Ergebenheit zu erkaufen geneigt wären. Er entschloß sich, die günstige Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, und bildete sich selbst einen Plan, den er ohne Abweichung verfolgt hat, bis die Revolution von 1688 alle seine politischen Pläne über den Haufen warf. Er erklärte sich bereit, die Absichten des englischen Hofes zu befördern, und versprach kräftigen Beistand, spendete auch bisweilen so viel Unterstützung, als zur Aufrechterhaltung der Hoffnung nothwendig war, und er ohne Gefahr und Unbequemlichkeit missen konnte. Auf diese Art wurde es ihm möglich, mit viel geringeren Kosten als der Bau und die Einrichtung von Versailles oder Marly erforderten, England fast zwanzig Jahre hindurch zu einem eben so unbedeutenden Gliede des europäischen Staatenkörpers zu machen, wie die Republik San Marino. --

Seine Absicht war nicht etwa, unsere Verfassung umzustürzen, sondern nur die verschiedenen Elemente, aus denen sie bestand, in einem bleibenden Zustande von Aufregung zu erhalten, und zwischen den Börsenmännern und den Männern des Schwertes eine tödtliche Feindschaft hervorzurufen. Zu diesem Zwecke bestach und stachelte er beide Parteien abwechselnd, verlieh gleichzeitig den Ministern der Krone und den Häuptern der Opposition Pensionen, ermuthigte den Hof, den rebellischen Übergriffen des Parlaments entgegen zu treten, und verrieth dem Parlament die Willkürpläne des Hofes.

Einer von den Kunstgriffen, welche er anwandte, um sich Einfluß auf die englischen Rathbeschlüsse zu verschaffen, verdient besonders erwähnt zu werden. Obgleich Karl der Liebe, im höheren Sinne dieses Wortes, unfähig war, so beherrschte ihn doch jedes Weib, dessen Reize seine Begierden erregten, und dessen Manieren und Beredtsamkeit ihm die Zeit verkürzten. Man würde mit Recht einen Ehemann verspotten, der sich von einer Frau von Stand und gutem Rufe halb soviel gefallen ließe, als Englands König von den lockeren Dirnen ertrug, die, während sie seiner Freigebigkeit Alles verdankten, mit den Höflingen fast unter seinen Augen buhlten. Geduldig ließ er sich die Zanksüchtigkeit Barbara Palmers, und die naseweise Lustigkeit der Eleonore Gwynn gefallen. Ludwig war der höchst richtigen Meinung, der beste Gesandte, den er nach London schicken könne, sei eine schöne, lebenslustige und listige Französin, und eine solche war Louise von Querouaille, von unsern derben Vorfahren Madame Carwell genannt. Sie verdrängte bald alle Nebenbuhlerinnen, ward zur Herzogin von Portsmouth erhoben, mit Reichthümern überschüttet, und behauptete eine Herrschaft, die erst mit dem Tode Karls zu Ende ging.

[_Vertrag von Dover._] Die wichtigsten Bedingungen des Bündnisses zwischen den beiden Kronen waren in einem geheimen Vertrage enthalten, welcher im Mai 1670 zu Dover ratificirt wurde, zehn Jahre nach dem Tage, an welchem Karl in demselben Hafen unter dem Jubel und den Freudenthränen seines zu vertrauensvollen Volkes gelandet war.

In diesem Vertrage erklärte Karl, sich öffentlich zur katholischen Religion zu bekennen, seine Waffen mit denen Ludwigs zur Unterdrückung der Vereinigten Provinzen zu verbinden und die ganze Land- und Seemacht Englands aufbieten zu wollen, um die Rechte der Bourbons auf die große spanische Monarchie zu unterstützen. Ludwig dagegen verpflichtete sich, bedeutende Subsidien zu zahlen, und gab das Versprechen, bei etwaigem Ausbruch einer Empörung in England auf eigene Kosten eine Armee zum Beistande seines Bundesgenossen zu stellen.

Dieser Vertrag ward unter düsteren Auspicien abgeschlossen. Sechs Wochen nach seiner Unterzeichnung und Besiegelung war die liebenswürdige Prinzessin nicht mehr, deren Einfluß auf Bruder und Schwager so verderblich für ihr Vaterland gewesen. Durch ihren Tod entstand ein entsetzlicher Argwohn, welcher die neugestiftete Freundschaft zwischen den Stuarts und den Bourbons zu lösen drohte; nach kurzer Zeit aber wiederholten die Verbündeten ihre Versicherungen unverminderter Willfährigkeit.

Der Herzog von York, zu bornirt, um die Gefahr zu erkennen, oder zu fanatisch, sich deshalb Sorgen zu machen, verlangte mit Ungestüm, daß der Artikel, welcher die katholische Religion betraf, unverzüglich in Ausführung gebracht werde, aber Ludwig war scharfsinnig genug, einzusehen, daß diese Handlung eine Explosion in England verursachen werde, stark genug, um diejenigen Theile seines Planes zu zerstören, welche ihn am meisten interessirten. Es wurde daher der Beschluß gefaßt, daß Karl noch ferner für einen Protestanten gelten, und an hohen Festen das Abendmahl nach dem Ritual der englischen Kirche empfangen solle; sein gewissenhafterer Bruder besuchte seitdem die königliche Kapelle nicht mehr.

Um diese Zeit verschied die Herzogin von York, die Tochter des verbannten Earl von Clarendon. Sie war vor einigen Jahren im Geheimen zur katholischen Kirche übergetreten, und hinterließ zwei Töchter, Maria und Anna, welche später nach einander Königinnen von England geworden sind. Dieselben wurden auf besonderen Befehl des Königs protestantisch erzogen, denn der König erkannte sehr wohl, daß es eine vergebliche Mühe sein würde, sich für ein Mitglied der anglikanischen Kirche auszugeben, wenn Kinder, die aller Wahrscheinlichkeit nach Erben des Thrones werden mußten, mit seiner Bewilligung eine katholische Erziehung genossen.

Die vornehmsten Beamten der Krone waren damals Männer, deren Namen mit Recht eine nicht beneidenswerthe Berühmtheit erlangt haben; jedoch müssen wir auch vorsichtig sein, und ihr Andenken nicht mit einer Schmach beladen, die mit Recht ihrem Gebieter gebührt. Der Vertrag von Dover war hauptsächlich ein Werk des Königs. Er conferirte darüber mit französischen Geschäftsträgern, schrieb in Betreff desselben viele eigenhändige Briefe, brachte selbst die entehrendsten Punkte, welche er enthielt, in Vorschlag, und verheimlichte sorgfältig mehrere dieser Artikel der Mehrzahl seiner Cabinetsräthe.

[_Natur des englischen Cabinets._] Wenige Vorfälle in der Geschichte Englands sind merkwürdiger, als der Ursprung und das Wachsthum der Macht, welche das Cabinet jetzt besitzt. Seit frühester Zeit unterstützte die Beherrscher Englands ein Geheimer Rath, welchem das Gesetz viele bedeutende Befugnisse und Pflichten übertrug. Jahrhunderte hindurch berathschlagte dieses Collegium über die bedeutungsvollsten und kitzlichsten Staatsangelegenheiten; doch änderte sich allmälig sein Charakter. Es wurde zu ausgedehnt für rasche That und Geheimhaltung. Die Stellung eines Geheimen Rathes wurde oft als ehrende Auszeichnung an Leute vergeben, denen man nichts anvertraute, und um deren Meinung man sich nicht kümmerte. Der Souverain beschränkte sich bei wichtigen Angelegenheiten auf den Rath eines kleinen Kreises leitender Minister. Die Vortheile und Nachtheile dieses Verfahrens sind von Bacon schon frühzeitig mit seiner bekannten, treffenden und scharfsinnigen Urtheilsgabe geschildert worden, aber erst nach Beendigung der Restauration zog der innere Rath die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Politiker der alten Schule betrachteten das Cabinet als eine nicht verfassungsmäßige und gefährliche Behörde. Gleichwohl gewann es an Bedeutung, zog endlich die höchste ausübende Gewalt an sich, und wird jetzt seit mehreren Menschenaltern für einen wesentlichen Bestandtheil unserer Staatsverfassung angesehen. Seltsamer Weise ist das Cabinet dem Gesetze aber noch immer unbekannt, die Namen der Personen des hohen und niedern Adels, aus denen es besteht, werden dem Publikum nie amtlich bekannt gemacht, es führt keine Protokolle über seine Versammlungen und Beschlüsse, und keine Parlamentsakte hat seine Existenz anerkannt.

[_Die Cabale._] Einige Jahre hindurch gebrauchte man im Volke das Wort Cabal gleichbedeutend mit Cabinet. Durch ein sonderbares Zusammentreffen bestand nämlich das Cabinet im Jahre 1671 aus fünf Personen, von deren Namen die Anfangsbuchstaben das Wort Cabal bildeten, es waren Clifford, Arlington, Buckingham, Ashley und Lauderdale. Durch diese Anwendung erhielt das Wort eine so üble Bedeutung, daß es seitdem nur als ein Vorwurf gebraucht wird.

Sir Thomas Clifford war Schatzkommissarius, und hatte sich im Hause der Gemeinen sehr bemerkbar gemacht. Er war von den Mitgliedern der Cabale das Ehrenwertheste, denn bei einem lebhaften und herrschsüchtigen Charakter besaß er ein starkes, wenngleich auf beklagenswerthe Weise irregeleitetes Gefühl für Ehre und Pflicht.

Heinrich Bennet, Lord Arlington, zu jener Zeit Staatssekretair, hatte seit angetretenem Mannesalter auf dem Continent gelebt, und sich jene kosmopolitische Gleichgültigkeit gegen Verfassungen und Religionen zu eigen gemacht, welche man oft bei Leuten findet, deren Leben in unregelmäßiger diplomatischer Thätigkeit verflossen ist. Die Verfassungsform, welche ihm am meisten zusagte, war die französische; gab es eine Kirche, für welche er einige Vorliebe hegte, so war es die katholische. Bei einigem Unterhaltungstalente, sowie ziemlicher Befähigung zu den gewöhnlichen Geschäften seines Amtes, hatte Arlington im Laufe seines an Reisen und Unterhandlungen reichen Lebens die Kunst erlernt, seine Rede und sein Benehmen der Gesellschaft anzupassen, in der er sich eben bewegte. Seine Lebhaftigkeit im Unterhaltungszimmer amüsirte den König, seine Würde bei Verhandlungen und Zusammenkünften imponirte dem Publikum, und es war ihm geglückt, sowohl durch geleistete Dienste, wie auch durch erregte Hoffnungen, sich einen bedeutenden Anhang zu verschaffen.

Buckingham, Ashley und Lauderdale waren Männer, welche die Unsittlichkeit, die unter den Staatsmännern jener Zeit epidemisch war, in der schlimmsten Form, und durch große Verschiedenheit des Temperaments und der geistigen Anlagen modifizirt, besaßen. Buckingham war vom Vergnügen übersättigt, und hatte sich zum Zeitvertreib den Ehrgeiz erwählt. Wie er mit Architektur und Musik, mit Lustspielschreiben und mit Forschen nach dem Steine der Weisen sich zu unterhalten versucht hatte, so wollte er sich jetzt durch geheime Unterhandlungen und durch einen holländischen Krieg amüsiren. Er war bereits, mehr aus Unbeständigkeit und Lust zur Veränderung, als aus einem ernsteren Grunde, allen Parteien treulos geworden. Einmal stand er auf der Seite der Cavaliere, ein andermal war ein Verhaftsbefehl gegen ihn erlassen, weil er einen verrätherischen Verkehr mit dem Überreste der republikanischen Armee in der City unterhielt. Jetzt war er wieder Höfling, und bemüht, die Gnade des Königs durch Dienstleistungen zu erwerben, vor denen die Ausgezeichnetsten unter denen, welche für das königliche Haus gekämpft und gelitten hatten, sich mit tiefem Abscheu abgewandt haben würden.

Ashley, mit einem entschiedeneren Charakter und ungestümeren Ehrgeize, hatte gleiche Unzuverlässigkeit gezeigt, aber es war dieselbe nicht Folge des Leichtsinns, sondern der berechneten Selbstsucht. Er hatte einer Reihe von Regierungen gedient, und sie verrathen, aber für seine Verräthereien immer den glücklichen Zeitpunkt so gut gewählt, daß alle Revolutionen sein Glück beförderten. Das Volk, voller Bewunderung über ein Glück, welches, sonst in fortwährendem Wechsel begriffen, hier so dauernd anhielt, schrieb ihm eine fast wunderbare Sehergabe zu, und verglich ihn mit dem israelitischen Staatsmanne von dem wir lesen, daß sein Rath gewesen sei, als wenn ein Mann das Orakel Gottes befragt hätte.

Lauderdale, laut und plump, in der Freude wie im Zorn, war unter dem Scheine von polternder Freimüthigkeit vielleicht der unehrlichste in der ganzen Cabal. In dem schottischen Aufruhr von 1638 war er ein hervorragender, eifriger Anhänger des Covenants gewesen. Man beschuldigte ihn, bei dem Verkaufe Karls I. an das englische Parlament schwer betheiligt gewesen zu sein, und er wurde daher von den guten Cavalieren für einen noch verächtlicheren Verräther gehalten als diejenigen, welche im hohen Gerichtshofe gesessen hatten. Oft sprach er mit lauter Heiterkeit von den Tagen, da er ein Sectirer und Rebell gewesen war. Der Hof benutzte ihn jetzt als Hauptwerkzeug bei dem Vorhaben, dem widerstrebenden Volke das Episkopat aufzudringen, und er schämte sich nicht, in dieser Angelegenheit Schwert, Strick und Folter mit schonungslosem Eifer anzuwenden. Wer ihn aber genauer kannte, wußte auch, daß die letzten dreißig Jahre seine Gesinnungen unverändert gelassen hatten, daß er noch jetzt das Andenken Karls I. verachtete und noch immer die presbyterianische Kirchenform jeder andern vorzog.

Bei aller Gewissenlosigkeit Buckinghams, Ashley's und Lauderdale's wagte man es doch nicht, ihnen das Vorhaben des Königs, zur katholischen Kirche überzutreten, anzuvertrauen. Man zeigte ihnen einen falschen Vertrag, in welchem der die Religion betreffende Artikel fehlte; im echten Vertrage befinden sich blos die Namen und Siegel von Clifford und Arlington. Diese beiden Staatsmänner nahmen Partei für die alte Kirche, welche Parteilichkeit der brave, heftige Clifford auch bald darauf ehrlich aussprach, die aber der überlegendere, weniger edle Arlington verhehlte, bis die Furcht vor dem nahen Tode ihm Offenheit abzwang. Die drei andern Cabinetsminister waren jedoch nicht leicht zu täuschen, und vermutheten wahrscheinlich mehr, als man ihnen mitgetheilt hatte. Übrigens waren sie bei allen politischen Übereinkünften mit Frankreich in's Geheimniß gezogen, und schämten sich nicht, kostbare Gnadengeschenke von Ludwig anzunehmen.

Karls nächste Absicht war jetzt von den Gemeinen Zugeständnisse zu erhalten, die zur Realisirung des geheimen Vertrags dienen sollten. Die Cabale, welche sich im Besitze der Gewalt befand, als die Regierung in einem Zustande des Übergangs war, vereinigte in sich zwei verschiedene Gattungen von Lastern, welche zwei verschiedenen Zeitaltern und zwei verschiedenen Systemen angehörten. Wie diese fünf bösen Räthe zu den letzten englischen Staatsmännern gehörten, welche die ernstliche Absicht hatten, das Parlament zu vernichten, so waren sie auch die ersten englischen Staatsmänner, welche dasselbe zu bestechen versuchten, und ihre Politik zeigt zugleich die letzte Spur von Straffords »Durch« und die erste Spur von jener systematischen Bestechung, welche nach der Zeit Walpole's ausgeübt wurde. Sehr bald erkannten sie aber, daß, obgleich das Haus der Gemeinen fast durchgängig aus Cavalieren bestand, und französisches Gold und Stellen an die Mitglieder verschwendet wurden, doch keine Aussicht war, auch nur die am wenigsten gehässigen Punkte des Vertrags von Dover durch die Majorität unterstützt zu sehen; man mußte also nothwendig zum Betrug greifen. Der König heuchelte daher großen Eifer für die Grundsätze der Tripleallianz und erklärte, daß um den französischen Ehrgeiz zu zügeln, eine Vermehrung der Flotte nöthig sei. Die Gemeinen ließen sich fangen, und bewilligten achthunderttausend Pfund. Sofort wurde das Parlament vertagt, und der jeder Controle entledigte Hof begann unverzüglich mit der Ausführung seines großen Planes.