Geschichte Von England Seit Der Thronbesteigung Jakob S Des Zwe

Chapter 10

Chapter 103,051 wordsPublic domain

[_Ein Parlament wird berufen und aufgelös't._] Bei der Aussicht auf Wiederherstellung einer verfassungsmäßigen Regierung und auf Abhilfe der Beschwerden war die Stimmung der Nation eine bessere geworden. Das neue Haus der Gemeinen zeigte sich gemäßigter und ehrerbietiger gegen den Thron, als alle, die sich seit dem Tode Elisabeths versammelt hatten. Die ausgezeichnetsten Royalisten haben die Mäßigung dieser Versammlung hoch gepriesen, aber den Häuptern der Opposition scheint sie nicht wenig Sorge und eine große Enttäuschung bereitet zu haben. Karl blieb indeß seiner eben so unpolitischen als unedeln Gewohnheit treu, den Wünschen seines Volks so lange sich abhold zu zeigen, bis diese Wünsche drohend ausgesprochen wurden. Kaum legten die Gemeinen die Neigung an den Tag, die Beschwerden, unter denen das Land elf Jahre lang gelitten, in Betracht zu ziehen, als der König das Parlament mit allen Zeichen des Mißfallens auflös'te.

Zwischen der Auflösung dieser auf so kurze Zeit einberufenen Versammlung und der Constituirung jenes ewig merkwürdigen Körpers, der unter dem Namen des Langen Parlaments bekannt ist, lagen wenig Monate, in denen das Joch der Nation sich herber als je gestaltete, der Volksgeist aber sich zorniger als je dagegen erhob. Der Geheime Rath ließ Mitglieder des Hauses der Gemeinen wegen ihres parlamentarischen Verhaltens zur Rechenschaft ziehen, und als sie sich weigerten Rede zu stehen, in's Gefängniß werfen. Das Schiffsgeld ward mit größerer Strenge eingetrieben; man bedrohte den Lord Mayor und die Sheriffs von London mit Gefängniß, weil sie nicht streng genug die Gelder eingezogen hatten; es fanden gewaltsame Aushebungen von Soldaten statt, deren Unterhalt ihre Grafschaften bestreiten mußten. Die stets ungesetzlich gewesene Folter, und erst kürzlich noch von den servilsten Richtern jener Zeit für ungesetzlich erklärt, ward in England im Monat Mai 1640 zum letzten Male angewendet.

Von dem Ausgange der Kriegsoperationen des Königs gegen die Schotten hing nun Alles ab. Jener Geist, der den eigentlichen Soldaten von dem Volke trennt und ihn an seine Führer bindet, zeigte sich äußerst spärlich in seinen Truppen. Das Heer, größtentheils aus Rekruten zusammengesetzt, die sich nach dem Pfluge zurücksehnten, von dem man sie gewaltsam fortgerissen, und die im ganzen Lande vorherrschenden religiösen und politischen Ansichten theilend, war dem Könige gefährlicher als dem Feinde. Die von den Führern der englischen Opposition ermuthigten Schotten fanden bei den englischen Truppen nur schwachen Widerstand, sie gingen über den Tweed und den Tyne, und lagerten sich an den Grenzen von Yorkshire. Und nun artete das Murren der Unzufriedenheit in einen Tumult aus, der alle Gemüther, eines ausgenommen, mit Schrecken erfüllte. Strafford beharrte noch immer bei dem »Durch«, und selbst in diesem verhängnißvollen Augenblicke zeigte er sich so grausam und despotisch, daß nicht viel fehlte, und seine eigenen Lanzknechte hätten ihn in Stücke zerrissen.

Noch gab es indessen ein Auskunftsmittel, das dem Könige, wie er sich schmeichelte, die Schmach ersparen könnte, einem andern Hause der Gemeinen gegenüberzutreten. Dem Hause der Lords war er weniger abgeneigt. Die Bischöfe hingen an ihm und die weltlichen Lords, wenn auch im Allgemeinen mit seiner Verwaltung nicht einverstanden, mußten sich doch als Stand so sehr bei der Aufrechterhaltung der Ordnung und dem Verbleiben der alten Einrichtungen interessiren, daß ein Drängen nach ausgedehnten Reformen ihrerseits nicht zu fürchten war. Wider die Gewohnheit, die seit Jahrhunderten ununterbrochen bestanden, rief er nur die Lords zu einem großen Rathe zusammen; die Lords aber waren zu klug, als daß sie die verfassungswidrigen Funktionen übernahmen, die er ihnen zugedacht hatte. Ohne Geld, ohne Credit und ohne Autorität, selbst in seinem eigenen Lager, fügte er sich dem Drange der Nothwendigkeit. Die Häuser wurden zusammenberufen und die Wahlen bewiesen, daß Mißtrauen und Haß gegen die Regierung seit dem Frühjahre gefährliche Fortschritte gemacht hatten.

[_Das lange Parlament._] Im November 1640 trat jenes berühmte Parlament zusammen, das, ungeachtet mancher Irrthümer und Mißgeschicke, gerechten Anspruch auf die Hochachtung und Dankbarkeit aller derer hat, die in irgend einem Theile der Welt sich der Segnungen einer constitutionellen Regierung erfreuen.

Im Laufe des folgenden Jahres stellte sich in den Häusern keine Meinungsverschiedenheit von großer Wichtigkeit heraus. Die bürgerliche und geistliche Verwaltung war zwölf Jahre hindurch so bedrückend und so verfassungswidrig ausgeübt worden, daß selbst diejenigen Klassen, die gewöhnlich auf Ordnung und Autorität halten, mit großem Eifer volksthümliche Reformen zu fördern und die Werkzeuge der Tyrannei vor Gericht zu stellen bemüht waren. Eine Verordnung ward erlassen, wonach zwischen einem und dem nächsten Parlamente nicht mehr als drei Jahre liegen durften und erfolgte das Ausschreiben unter dem großen Siegel nicht zur gehörigen Zeit, so waren die Wahlbeamten befugt, auch ohne ein solches Ausschreiben die Wahlkörper behufs Wahl der Vertreter einzuberufen. Die Sternkammer, die Hohe Kommission und der Rath von York wurden aufgehoben. Männer, die grausam verstümmelt in tiefen Kerkern schmachteten, wurden freigelassen. An den ersten Dienern der Krone nahm das Volk schonungslose Rache; der Lord Siegelbewahrer, der Primas, der Lord Statthalter wurden in Anklagestand versetzt; Finch rettete sich durch die Flucht, Laud ward in den Tower geworfen und Strafford ward vor Gericht gestellt und laut eines Parlamentsbeschlusses zum Tode verurtheilt. An demselben Tage, an dem dieser Beschluß durchging, stimmte der König einem Gesetze bei, durch das er sich verpflichtete, das bestehende Parlament weder zu vertagen, noch zu prorogiren oder aufzulösen, wenn es nicht selbst seine Zustimmung dazu gäbe.

Im September 1641, nach einer zehnmonatlichen angestrengten Arbeit, vertagten sich die Häuser auf kurze Zeit und der König besuchte Schottland, das er nur mit Mühe durch die Verzichtleistung auf alle seine kirchlichen Reformpläne und durch die mit großer Überwindung ertheilte Bestätigung einer Akte, die das Episcopat in Widerspruch mit Gottes Wort erklärte, beruhigte.

[_Erstes Auftreten der beiden großen englischen Parteien._] Die Ferien des englischen Parlamentes dauerten sechs Wochen. Der Tag des Wiederzusammentritts der Häuser bildet eine der merkwürdigsten Epochen unserer Geschichte. Von diesen Tage an existiren die beiden großen corporativen Parteien, die seitdem stets das Land abwechselnd regiert haben, obgleich der Unterschied, der damals augenscheinlich hervortrat, in einem gewissen Sinne immer bestanden hat und auch immer bestehen muß, denn er entspringt den Verschiedenheiten des Temperaments, der Intelligenz und des Interesses, die man in allen Gesellschaften findet und so lange finden wird, bis der menschliche Geist aufhört, sich durch den Reiz der Gewohnheit und Neuheit in entgegengesetzte Richtungen leiten zu lassen. Wir finden diesen Unterschied nicht nur in der Politik, sondern auch in der Literatur, in Kunst und Wissenschaft, in Chirurgie, Mechanik, dem Seewesen, der Landwirthschaft, und selbst in der Mathematik. Überall begegnen wir einer Menschenklasse, die mit Vorliebe an allem Alten hängt, und selbst dann noch mit banger Besorgniß und bösen Ahnungen in die Neuerung willigt, wenn überwiegende Gründe für deren Wohlthätigkeit vorliegen. Ebenso finden wir überall eine zweite Menschenklasse, die sanguinischer Hoffnung und kühner Pläne voll die Unvollkommenheiten des Bestehenden rasch erfaßt, über die Gefahren und Widerwärtigkeiten der Neuerungen leicht hinweggeht, und nur zu geneigt ist, jede Veränderung für eine Verbesserung zu halten. In den Neigungen beider Klassen liegt etwas, das man billigen muß; aber die Höhepunkte Beider findet man in der Nähe der gemeinschaftlichen Grenze, der extreme Theil der einen besteht aus abergläubischen, einfältigen Narren; der extreme Theil der andern aus seichten und unbesonnenen Empirikern.

Daß sich schon in unsern ersten Parlamenten ängstlich auf Erhaltung des Bestehenden bedachte Mitglieder von andern, eifrig nach Reformen strebenden unterscheiden ließen, ist nicht zu bezweifeln; so lange aber die Sitzungen des gesetzgebenden Körpers nur von kurzer Dauer waren, konnten diese Gruppen keine bestimmte und bleibende Form annehmen, sich anerkannten Führern nicht unterordnen, und sich weder durch Namen und Zeichen noch durch Losungsworte unterscheiden. Der Unwille über die seit vielen Jahren erlittene widergesetzliche Unterdrückung war während der ersten Monate des langen Parlaments so groß und allgemein, daß das Haus der Gemeinen wie ein Mann handelte. Ohne Streit verschwand Mißbrauch auf Mißbrauch. Eine geringe Minorität des repräsentativen Körpers wünschte die Sternkammer und die Hohe Commission beizubehalten; aber eingeschüchtert durch die Begeisterung und das numerische Übergewicht der Reformer begnügte sie sich, im Stillen den Verlust von Institutionen zu beklagen, die mit irgend einer Aussicht auf Erfolg sich offen nicht vertheidigen ließen. Die Royalisten fanden es in einer spätern Zeit für zweckmäßig, den Ursprung der zwischen ihnen und ihren Gegnern eingetretenen Spaltung weiter hinauszuverlegen, und die Akte, die dem Könige das Auflösen oder Vertagen des Parlamentes verbietet, die Akte über die dreijährige Frist zwischen zwei Parlamenten, sowie die Anklage der Minister und den Antrag auf Straffords Verurtheilung, jener Faktion beizumessen, die später gegen den König Krieg führte. Ein unredlicherer Kunstgriff läßt sich nicht denken. Die eifrigste Förderung dieser strengen Maßregel war von Männern ausgegangen, die später unter den Cavalieren in erster Reihe standen. Kein Republikaner hätte härter über Karls so lange schlecht verwaltete Regierung gesprochen, als Colepepper, und die merkwürdigste Rede zu Gunsten der Dreijährigkeits-Akte hatte Digby gehalten. Die Anklage des Lord Siegelbewahrers hatte Falkland beantragt, und die Forderung, den Lord Statthalter in engem Gewahrsam zu halten, war an den Schranken des Lords von Hyde gestellt. Erst dann, als das Gesetz in Betreff der Verurtheilung Strafford's vorgeschlagen wurde, ließen sich die Zeichen einer ernsten Uneinigkeit erkennen und selbst gegen dieses Gesetz, das nichts als die äußerste Nothwendigkeit rechtfertigen konnte, stimmten etwa sechzig Mitglieder des Hauses der Gemeinen. Es ist gewiß, daß Hyde nicht bei der Minorität war, und daß Falkland nicht nur mit der Majorität stimmte, sondern auch kräftig zu Gunsten der Bill sprach. Selbst die kleine Anzahl, die Zweifel darüber hegte, ob eine die Todesstrafe aussprechende Verfügung rückwirkend sein könne, hielten es für nöthig gegen Straffords Charakter und Verwaltung den größten Abscheu auszudrücken.

Unter dieser scheinbaren Einmüthigkeit verbarg sich indeß ein großes Schisma, und als im October 1641 das Parlament nach kurzen Ferien wieder zusammentrat, standen zwei Parteien einander feindlich gegenüber, dem Wesen nach dieselben, die unter verschiedenen Namen seitdem stets um die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten gestritten haben und noch streiten. Man bezeichnete sie einige Jahre hindurch mit den Namen: Cavaliere und Rundköpfe; später nannte man sie Tories und Whigs, und wie es scheint, werden diese letztern Namen sobald nicht veralten.

Auf jede dieser berühmten Faktionen eine Schmähschrift oder eine Lobrede zu verfassen, würde nicht schwer sein, denn Jeder, der noch einigermaßen urtheilsfähig und redlich ist, muß eingestehen, daß dem Rufe der Partei, der er angehört, nicht zu vertilgende Flecken ankleben und daß seine Gegenpartei sich vieler ausgezeichneten Namen, vieler heroischen Thaten und vieler großen, dem Staate geleisteten Dienste rühmen kann. Die Wahrheit ist, daß England beider Parteien, obgleich sie sich oft bedeutend geirrt, nicht hätte entbehren können. Wenn wir in den Institutionen desselben Freiheit und Ordnung mit den aus Neuerung und Verjährung entspringenden Vortheilen bis zu einem Umfange vereinigt finden, der andernorts unbekannt ist, so können wir diese glückliche Eigenthümlichkeit den heftigen Kämpfen und den abwechselnden Siegen zweier wetteifernden Verbindungen von Staatsmännern zuschreiben: der einen, die für Autorität und Alterthum, der andern, die für Freiheit und Fortschritt eiferte.

Man darf den Umstand nicht übersehen, daß der Unterschied zwischen den beiden Hauptabtheilungen englischer Politiker stets mehr ein Unterschied des Grades als des Grundsatzes gewesen ist. Gewisse Grenzen, zur Rechten wie zur Linken, wurden sehr selten überschritten. Eine kleine Anzahl Enthusiasten auf der einen Seite hätte bereitwillig alle unsere Rechte und Freiheiten dem Könige zu Füßen gelegt; auf der andern Seite gab es ebenfalls einzelne Enthusiasten, die gern ihr Lieblingsphantom, das einer Republik, durch endlose Bürgerkriege verfolgt hätten. Aber die große Mehrzahl der Anhänger der Krone war dem Despotismus nicht zugethan, und die große Mehrzahl der Kämpfer für die Volksrechte wollte die Anarchie nicht. Im Laufe des siebzehnten Jahrhunderts stellten beide Parteien zweimal den gegenseitigen Kampf ein, um ihre Kräfte zur Durchführung einer gemeinschaftlichen Sache zu vereinigen. Ihre erste Vereinigung stellte die erbliche Monarchie wieder her; ihre zweite rettete die verfassungsmäßige Freiheit.

Ferner muß bemerkt werden, daß diese Parteien nie die ganze Nation umfaßt, und daß selbst beide zusammen nie eine Mehrzahl von der Nation gebildet haben; stets befand sich zwischen ihnen eine große Masse, die nicht beständig einer oder der andern anhing, und bald in träger Neutralität verharrte, bald hin und her schwankte. Diese Masse ist in wenigen Jahren mehr als einmal von einem Extreme zu dem andern, und dann wieder zurück gegangen. Mitunter wechselte sie ihre Parteistellung nur deshalb, weil sie stets dieselben Männer zu unterstützen müde war; mitunter, weil sie vor ihrem eigenen Zuweitgehen erschrak, und nicht selten auch, weil sie Unmöglichkeiten erwartet hatte und sich getäuscht sah. Neigte sie sich aber mit ihrem ganzen Gewicht nach der einen oder andern Richtung hin, war ein Widerstand für diese Zeit unmöglich.

Bei dem ersten Auftreten der rivalisirenden Parteien in bestimmter Gestalt schienen ihre Kräfte ziemlich gleich vertheilt zu sein. Auf der Seite der Regierung stand eine große Mehrzahl des Adels und jener reichen Gentlemen aus guter Familie, denen, um adelig zu sein, nichts fehlte als der Name; diese bildeten mit ihren Anhängern, über deren Beistand sie bestimmen konnten, eine nicht unbedeutende Macht im Staate. Auf derselben Seite standen der ganze Clerus, beide Universitäten und jene Laien alle, die fest der bischöflichen Regierung und dem anglikanischen Ritual anhingen. Diesen achtbaren Klassen hatten sich einige Bundesgenossen von minderer Bedeutung angeschlossen. Alle, die aus dem Vergnügen ein Geschäft machten, oder durch Galanterie, Kleiderprunk und Geschmack an den leichten Künsten sich hervorthun wollten, veranlaßte die puritanische Strenge, zu der Partei des Königs zu treten. Mit diesen gingen nun wiederum alle diejenigen, die davon lebten, Andern Zeitvertreib zu schaffen; der Maler, der komische Dichter, der Seiltänzer und der Possenreißer (lustige Andreas). Diese Künstler wußten recht gut, daß sie nur unter einem stolzen und üppigen Despotismus gedeihen konnten, unter der strengen Herrschaft der Rigoristen aber Hunger leiden mußten. Dasselbe Interesse leitete alle Katholiken. Die Königin, eine Tochter Frankreichs, bekannte sich zu ihrem Glauben; von dem Gemahle derselben wußte man, daß er seine Gattin eben so sehr liebte, als er sie fürchtete, und daß er, obgleich unbezweifelt Protestant aus Überzeugung, dennoch die Bekenner der alten Religion nicht mit Abneigung betrachtete, sondern ihnen gern eine größere Duldung gewährte, als er den Presbyterianern zu bewilligen bereit war. Wenn die Opposition den Sieg davon trug, so wären wahrscheinlich die unter der Regierung Elisabeths erlassenen Blutgesetze streng geübt worden; die Römisch-Katholischen hatten daher die triftigsten Gründe, sich der Sache des Hofes zuzuwenden. Verfuhren sie im Allgemeinen auch mit einer Vorsicht, durch die sie den Vorwurf der Feigheit und Lauheit auf sich zogen, so ist es dennoch wahrscheinlich, daß sie bei dieser großen Zurückhaltung nicht minder das Interesse des Königs als ihr eigenes im Auge hatten, und es wäre wahrlich nicht heilbringend für ihn gewesen, wenn sie sich unter seinen Freunden besonders bemerkbar gemacht hätten.

Die Opposition fand ihre Hauptstärke in den kleinen Freisassen auf dem Lande und den Krämern der Städte; aber diese wurden von einer zu fürchtenden Minorität der Aristokratie geleitet, zu der die reichen und mächtigen Grafen von Northumberland, Bedford, Warwick, Stamford und Essex gehörten. In denselben Reihen befanden sich sämmtliche protestantischen Nonconformisten und die mehrsten derjenigen Mitglieder der Staatskirche, die noch immer an den calvinistischen Meinungen hingen, welche die Prälaten und die niedere Geistlichkeit vor vierzig Jahren allgemein getheilt hatten. Auch die städtischen Corporationen standen, mit geringen Ausnahmen, auf Seite derselben Partei. In dem Hause der Gemeinen hatte die Opposition das Übergewicht, jedoch ein nicht entschiedenes.

Keiner der beiden Parteien fehlte es für die Maßregeln, die sie ergriffen zu sehen wünschten, an triftigen Gründen. Das Raisonnemenent der aufgeklärtesten Royalisten kann in Folgendem zusammengefaßt werden: »Es ist wahr, daß große Mißbräuche stattgefunden haben, aber sie sind beseitigt. Es ist wahr, daß theure Rechte verletzt worden sind, aber man hat ihnen wieder volle Geltung und neue Bürgschaften dafür gegeben. Man hat zwar die Versammlungen der Reichsstände gegen alle frühern Gebräuche und gegen den Geist der Verfassung elf Jahre lang ausgesetzt, jetzt aber steht fest, daß in Zukunft nie drei Jahre ohne ein Parlament verstreichen sollen. Die Sternkammer, die Hohe Commission und der Rath von York haben uns gedrückt und ausgeplündert; diese verhaßten Gerichtshöfe existiren nicht mehr. Der Lord Statthalter gedachte einen Militairdespotismus einzuführen; er hat diesen Verrath mit seinem Kopfe gebüßt. Der Primas befleckte unsern Gottesdienst mit papistischen Gebräuchen und strafte die Zweifel unsers Gewissens mit papistischer Grausamkeit; er erwartet im Tower das Urtheil seiner Pairs. Der Lord Siegelbewahrer bestätigte einen Plan, nach dem das Eigenthum aller Engländer der Gnade der Krone unterworfen werden sollte; er ist beschimpft, zu Grunde gerichtet und gezwungen worden, Zuflucht in einem fremden Lande zu suchen. Die Diener der Tyrannei haben ihre Verbrechen gebüßt -- die Opfer der Tyrannei haben für ihre Leiden Entschädigung erhalten. Es würde nicht weise sein, wollten wir unter diesen Umständen ferner noch auf einem Verfahren beharren, das damals gerechtfertigt und nothwendig war, als wir nach einem langen Zwischenraume wieder zusammentraten und die ganze Verwaltung nur aus Mißbräuchen bestehend vorfanden; jetzt müssen wir uns hüten, unsern Sieg über den Despotismus nicht so weit zu verfolgen, daß wir der Anarchie anheimfallen. Die schlechten Einrichtungen, unter denen das Vaterland noch vor Kurzem seufzte, ohne gewaltige, die Grundlagen der Regierung erschütternde Maßregeln zu beseitigen, stand nicht in unserer Macht; jetzt aber, da diese Einrichtungen gestürzt sind, dürfen wir nicht zögern, dasselbe Gebäude zu stützen, das zu zertrümmern noch vor kurzer Frist unsere Pflicht war. Unsere Weisheit muß künftig darin bestehen, daß wir mißtrauisch die Neuerungspläne in's Auge fassen und alle jene Hoheitsrechte, die das Gesetz im Interesse des allgemeinen Besten dem Souverain verliehen, vor Beeinträchtigung wahren.«

Dies waren die Ansichten der Männer, als deren Führer der vortreffliche Falkland zu betrachten ist. Auf der andern Seite behaupteten nicht geringer befähigte und redliche Männer mit nicht minder ernstem Nachdrucke, daß die Bürgschaften für die Freiheiten des englischen Volkes mehr scheinbare als wirkliche seien, und daß der Hof seine Willkürpläne sofort wieder aufnehmen würde, wenn die Wachsamkeit der Gemeinen nachließe. Es sei wahr, sagten Pym, Hollis und Hampden, daß viele gute Gesetze erlassen wären, aber hätten diese Gesetze genügt, den König zu beschränken, so würden seine Unterthanen nur wenig Ursache zu Klagen über seine Verwaltung gehabt haben, und die neuen Gesetze, meinten sie, hätten sicherlich keine geringere Autorität, als die Magna Charta und die Bitte um Recht; aber weder die Magna Charta, wenn auch durch die Verehrung geheiligt, die man ihr vier Jahrhunderte lang gezollt, noch die Bitte um Recht, die Karl selbst nach reiflicher Erwägung und aus wichtigen Gründen genehmigt, sei für den Schutz des Volkes wirksam genug befunden worden. Erschlaffte nur einmal der Zügel der Furcht, ließe man den Geist der Opposition nur einmal einschlummern, so würden sich alle Bürgschaften für die englischen Freiheiten in eine einzige auflösen, in das königliche Wort, und daß man diesem nicht viel trauen dürfe, sei durch eine lange und bittere Erfahrung bewiesen.