Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Part 58
Trotz dieser Miserfolge wurde der Plan, die Philippinen zu colonisiren noch nicht aufgegeben, aber die Ausführung wurde während der letzten Jahre der Regierung Karls V. noch hinausgeschoben. Sein Nachfolger Philipp II. faßte sie bald bestimmter ins Auge. Um die Rechtsansprüche der Portugiesen kümmerte man sich weniger, da man wußte, daß der kleine Nachbarstaat bei zunehmender Erschöpfung seiner Kräfte nicht daran denken konnte, von den Molukken seine Macht noch weiter auszudehnen. Außerdem ließ sich das Gewissen auch leicht durch den Gedanken beschwichtigen, daß man bei einer Colonisirung der Philippinen doch vor allem das Seelenheil der dortigen Bewohner im Auge habe. So erhielt schon 1559 der Vicekönig von Mexiko Luis de Velasco den Auftrag, eine Flotte auszurüsten. Die Regierung rechnete dabei in erster Linie auf die Unterstützung Urdaneta’s, welcher die Expedition Loaysa’s mitgemacht hatte und aus langjähriger Erfahrung die Sundawelt kannte, dazu aber auch als erfahrener Seemann in gutem Andenken stand. Zwar hatte derselbe 1552 das Ordenskleid der Augustiner genommen und lebte zurückgezogen in einem Kloster in Mexiko. Als nun der Ruf zur Theilnahme an ihn erging, war er alsbald bereit, zumal er bei dieser Gelegenheit einen Lieblingsgedanken, das große unbekannte Südland zu entdecken, hoffte verwirklichen zu können. Zur Verkündigung des Christenthums wurden außer ihm noch vier andere Mönche seines Ordens gewonnen. Die Vorbereitungen währten mehrere Jahre, erst im November 1564 waren vier Schiffe segelfertig und steuerten von Navidad aus über das stille Weltmeer. Zum Leiter war +Miguel Lopez de Legaspi+, ein ruhiger, besonnener und tüchtiger Mann erkoren. Derselbe hatte den bestimmten Befehl erhalten, sich genau an die von Villalobos eingeschlagene Route zu halten; es war also entschieden nicht auf zeitraubende Versuche, neue Länder im Ocean zu entdecken abgesehen, vielmehr so schnell als möglich die Philippinen zu erreichen. Trotzdem hatte Legaspi das Unglück, unterwegs eines von den kleinen Schiffen einzubüßen. Dasselbe trennte sich in folge verschiedener Segelgeschwindigkeit von den übrigen, fuhr allein über den Ocean, berührte auch die Philippinen und kehrte dann, durch Stürme weit nach Norden geführt, jenseit des 40. Grades nördl. Br. über den Ocean nach Mexiko zurück. Es fand also zufällig den Weg, den Loaysa, de la Torre und Retes vergebens gesucht hatten.
Legaspi langte am 3. Februar 1561 bei dem Archipel der Philippinen an, fand aber überall kühlen oder selbst feindseligen Empfang, bis es ihm auf Bohol gelang, durch Vermittelung eines Malaien für seine Mannschaft hinreichende Lebensmittel einzutauschen. Nach einer Recognoscirung der nächsten Inseln beschloß er, Ende April, sich mit Gewalt auf Zebu festzusetzen. Man sah diese Insel als spanisches Eigenthum an, seit die Häuptlinge bei Anwesenheit Magalhães’ der spanischen Krone gehuldigt hatten. Durch geschickte Unterhandlung erreichte Legaspi sein Ziel; die Bewohner von Zebu huldigten von neuem und begaben sich unter seinen Schutz, wofür er sie gegen ihre Feinde zu vertheidigen versprach.
Nachdem so die Anfänge der Besiedelung geglückt, kehrte Urdaneta nach Mexiko zurück, um über die Resultate der Fahrt zu berichten. Er schloß mit Recht, daß man ähnlich wie im atlantischen Ocean, in höheren Breiten, außerhalb des tropischen Gürtels mit seinen constanten Passatwinden werde auf westliche Winde rechnen können, welche eine Fahrt von Asien nach Amerika über den Ocean ermöglichten. So ging er mit seinem Schiffe getrost von den Philippinen nach Nordosten bis zum 43° n. Br. und landete nach einer Fahrt von vier Monaten am 30. October 1565 wohlbehalten in Acapulco. Diese nicht aufs Gerathewohl unternommene, sondern auf wissenschaftlichen Erwägungen beruhende Segelrichtung zeigte für alle folgende Zeit den Spaniern die Bahn, auf welcher man von den Philippinen den Rückweg nach Mexiko einzuschlagen habe. Die Verbindung der Philippinen mit der neuen Welt war von da an nicht mehr dem Zufall preisgegeben, sie wurde eine durchaus geregelte und knüpfte naturgemäß diese asiatische Inselgruppe an die Verwaltung Neuspaniens. Urdaneta ging von Mexiko mit seinen Berichten nach Spanien, kehrte dann wieder in sein Kloster zurück und starb daselbst am 3. Juni 1568.
Legaspi erhielt unterdessen schon im August 1567 auf zwei Schiffen neue Truppen von Mexiko und wurde dadurch in Stand gesetzt, gegenüber dem Ansinnen der Portugiesen, von den Philippinen zu weichen, sich behaupten zu können. Gonzalo Pereira, der Statthalter auf den Molukken, suchte die spanische Niederlassung mit Heeresmacht zu überrumpeln, konnte aber seinem wachsamen Gegner nichts anhaben und mußte unverrichteter Sache wieder abziehen. Legaspi ersah eben daraus, daß seine Niederlassung auf Zebu doch in zu gefährlicher Nähe der Molukken läge und daß es gerathener sei, einen entfernteren Platz zum Ausgangspunkt seiner Colonisation zu wählen, wo er sich vor unerwarteten feindlichen Besuchen sicherer fühlen könne.
Im Jahre 1570 wurde der erste Angriff auf die Insel Luçon gemacht und dabei das Dorf Manila erobert. Im nächsten Jahre erschien Legaspi mit einer größeren Flotte an der Bai von Manila, -- denn er hatte wiederum von Mexiko neue Schiffe und Mannschaften erhalten und war vom König Philipp II. in Anerkennung seiner Leistungen zum Adelantado ernannt -- und brachte nach einem glücklichen Gefecht gegen die feindliche mohammedanische Partei eine Anzahl von Häuptlingen zur Anerkennung der spanischen Oberhoheit. An der Mündung des Pasigflusses, an welchem jetzt sich die bedeutendste Stadt der Inselgruppe, Manila, erhebt, baute er eine Festung und legte damit den Grund zur Hauptstadt der Philippinen. Legaspi starb im August 1572, aber seine Nachfolger wußten sich zu behaupten, so daß die Colonie dauernd im Besitze Spaniens verblieb. --
Alle Fahrten über den großen Ocean boten bis auf Legaspi und die ihm in den nächsten Jahren zur Hilfe nachgesandten Schiffe für die Bereicherung der Erdkunde durch Entdeckungen wenig Gewinn, da der vorgeschriebene Cours durch den an Inseln ärmsten Theil des Meeres führte. Das wichtigste war, abgesehen von der Erforschung und Besitzergreifung der Philippinen, die Entdeckung der Nordküste von Neu-Guinea durch Retes. Durch diese Entdeckung wurde aber der Glaube an ein großes unbekanntes Südland, dessen Vorstellung aus dem Alterthum herübergenommen und weiter ausgebildet wurde, neu belebt. Man setzte die nach Südosten verlaufende Küstenlinie des Landes der Papuas mit dem Feuerlande in Verbindung und erwartete von der Auffindung und Ausbeutung dieses großen Landes unberechenbaren Gewinn.
Die Lösung dieser Aufgabe fiel naturgemäß dem Vicekönig von Peru zu, während Mexiko seine Thätigkeit auf die Kräftigung der Colonisation der Philippinen zu richten hatte. Als ein Vorläufer der ersten größeren Expedition kann die kühne Fahrt des +Juan Fernandez+ bezeichnet werden, von welcher wir leider nur sehr verschwommene Nachrichten besitzen. Fernandez fand nämlich, indem er der an der Westseite Südamerika’s nordwärts gehenden Küstenströmung auswich und, um von Peru nach Chile zu gelangen, einen weiteren Bogen durch den Ocean machte, die westlich von Valparaiso gelegenen Felseninseln, welche noch seinen Namen tragen und im Anfange des 18. Jahrhunderts der Schauplatz und unfreiwillige Aufenthalt eines englischen Matrosen Alexander Selkirk wurden, aus dessen Erlebnissen Daniel Defoe seinen weltberühmten „Robinson“ schuf. Juan Fernandez sah aber, wahrscheinlich auf einer andern Fahrt, weiter gegen Südwesten die Küsten eines hohen Berglandes, vermuthlich Neuseeland, welches in der folgenden Zeit aber wieder zu einem Theil des gesuchten Südlandes gestempelt wurde.
Pedro Sarmiento erbot sich zuerst, 1567, durch einen Streifzug in den Ocean über die Lage des Südlandes Klarheit zu schaffen; aber wenn er auch die Idee angeregt hatte, so übergab doch nicht ihm, sondern dem General +Alvaro de Mendaña+ der Vicekönig von Peru das Commando über die beiden zu der Expedition bestimmten Schiffe. Sarmiento ging indes auch als Capitän des Hauptschiffes mit[501] und unter ihm Hernan Gallego als Pilotmayor. Wie sicher man das große unbekannte Land zu finden hoffte, erhellt daraus, daß zur Verkündigung des Christenthums vier Geistliche an der Fahrt theilnahmen. Mendaña segelte am 20. November 1567 von Callao, dem Hafen Lima’s, gegen Südwesten; nach Zurücklegung von 170 Leguas verlor, wie es scheint, der General den Muth, noch weiter südwärts vorzudringen. Mit seiner Genehmigung steuerte Gallego trotz der Proteste Sarmiento’s, welcher sich auf ihre Instruction berief, wieder nach Norden. Acht Tage später, als man sich schon unter der geringen Breite von 14° s. Br. befand, forderte Sarmiento noch einmal, den südwestlichen Cours wieder aufzunehmen. Mendaña lehnte es ab und segelte in der Richtung nach den Philippinen weiter. Erst als man unter 5° s. Br. noch auf kein Land gestoßen war, -- man folgte offenbar dem Pfade Magalhães’ -- gab der General in sofern dem wiederholten Drängen Sarmiento’s nach, daß er West ¼ zu Süd steuern ließ. So wurde am 15. Januar 1568 eine kleine bewohnte, mit Palmen bedeckte Coralleninsel gefunden, welche den Namen Jesus erhielt. Dieselbe hatte auf der Nordseite ein Riff, welches eine Viertelmeile in die See hinausging, auch die Südseite war mit einem kleineren Riff besetzt und nur im Osten zeigten sich in demselben Lücken, durch welche man an den Strand gelangen konnte.[502] Von hier aus ging die Fahrt etwa auf dem 6° s. Br. gegen Westen, und so entdeckte man am 7. Februar die mittlere der hohen Salomonsinseln, auf welcher sich die Berge bis 1200 Meter erheben. Man taufte sie +Santa Isabel de la Estrella+, weil man am Tage der heiligen Isabella von Peru abgefahren war und fügte „estrella“ hinzu, weil man bei der Landung am hellen Tage einen Stern zu sehen meinte. In der Sternbai (~bahia de la estrella~) gingen die Schiffe vor Anker. Die dunkelhäutigen Einwohner[503] sahen zu, wie die Spanier in üblicher Form von der Insel Besitz nahmen, es wurde sogar notariell bescheinigt, daß die Häuptlinge dem Könige von Spanien gehuldigt hätten. Das Land war reich an Lebensmitteln, es gab Schweine und Hühner; man fand vortreffliches Schiffbauholz und vermeinte auch alsbald geschätzte Gewürze und Droguen als Ingwer und Zimmt, Aloe und Sarsaparille entdeckt zu haben. Vor allem war man aber entzückt, sichere Anzeichen von Gold zu finden (~grande disposicion de oro~) und belegte daher später in dem kühnen Wahn, hier das langgesuchte, goldreiche Ophir des Königs Salomo gefunden zu haben, die ganze Gruppe mit dem Namen +Salomonsinseln+. Anfänglich hielt man das entdeckte Land für einen Theil des Südlandes, als aber Pedro de Ortega die ganze Insel umfahren hatte, mußte man sich von der Inselnatur überzeugen. Die Schiffe blieben bis zum 8. Mai im Sternhafen und wandten sich dann nach Südosten, um die von Ortega bereits gemachten Entdeckungen weiter zu verfolgen. So wurden dann auch die südlichern großen Inseln, welche zum Salomonsarchipel gehören, bis zu San Cristoval entdeckt; aber der Wunsch Sarmiento’s, noch weiter nach Süden vorzudringen, blieb unerfüllt. Man trat den Rückweg an, ging am 4. September über den Aequator und steuerte nach Neuspanien, wurde dort aber noch mehrere Monate durch Sturm umhergeworfen und verlor durch Hunger und Entbehrungen viele Leute, ehe man in dem mexikanischen Hafen von Santiago (19° n. Br.) am 22. Januar 1569 Zuflucht fand, nachdem das Schiff Mast und Böte verloren hatte. Erst im März konnte die Fahrt nach Peru fortgesetzt werden, wo am 22. Juli die höchst beschwerliche Reise beendigt wurde.[504]
Fast ein Menschenalter blieben die Entdeckungen liegen; erst unter dem Vicekönig Garcia Hurtado de Mendoza, Marques de Cañete wurden sie wieder aufgenommen. Mendaña erhielt zum zweitenmale die Leitung und unter ihm als Pilotmayor der Portugiese Pedro Fernandez +de Quiros+. Eine Flotte von vier Schiffen ging am 9. April 1595 von Callao, und nachdem sie in Paita ihre Ausrüstung vollendet hatte, von diesem Hafen am 16. Juni ab. Das Ziel bildeten die Salomonsinseln. Auf dem Wege dahin entdeckte man zuerst die südliche Gruppe der hohen Gebirgsinseln, welche nach dem Vicekönig den Namen Marquesas de Mendoza erhielten. Es wurden nacheinander die Inseln Magdalena, S. Pedro, S. Cristina und Dominica besucht. Die kriegerischen Polynesier trieben etwas Ackerbau und besaßen Hühner und Schweine. Die Spanier lernten hier den geschätzten Brotfruchtbaum kennen, nahmen von den Inseln in üblicher Weise Besitz und segelten am 5. August nach Westen. Weiterhin wurden San Bernardo (jetzt Pukapuka) und Solitaria (Olosenga) gefunden, zwei flache, grüne Coralleneilande. Die weiter südlich gelegenen Samoa- und Vitiinseln wurden nicht gesehen.
Schon fing die Mannschaft an zu murren, daß man die Salomonsinseln nicht finden könne, und als das Geschwader am 8. September an dem steil aus der Meeresflut in Gestalt eines Zuckerhutes auftauchenden Kegel eines Vulkans, der den Namen Volcano erhielt, vorüberging, trennte sich das zweite Schiff, die Almirante, und verschwand für immer. Gleich darauf kam gegen SO. die hohe Insel +Sa. Cruz+ in Sicht und belebte den sinkenden Muth. Die dunkle Bevölkerung zeigte sich anfänglich für friedlichen Verkehr geneigt, allein bald sahen die Spanier sich bei der Landung von mehreren hundert Insulanern angegriffen. An der schönen Hafenbai im NW. der Insel, an der ~Bahia graciosa~, wollte Mendaña eine Niederlassung gründen, er hatte zu dem Zwecke 280 Soldaten mit an Bord; allein die Truppen revoltirten, wollten an dem ungastlichen Gestade sich nicht verbannen lassen, sondern sehnten sich nach Peru zurück. Zum Unglück starb während dieser Zeit Mendaña nebst zwei Geistlichen; sein Nachfolger Quiros hielt es für gerathen, den Plan einer Besiedelung aufzugeben und das Land zu verlassen. Am 18. November stach er wieder in See, um die Salomonsinseln zu suchen; da ihm aber die Lage nicht genau bekannt war, steuerte er statt nach W., nach NW. und bekam daher die vielversprechenden Inseln nicht zu Gesicht. Bei dem schlechten Zustande seiner Fahrzeuge und den traurigen Gesundheitsverhältnissen an Bord (er hatte in einem Monat 47 Leute verloren) sah sich Quiros nicht in der Lage, weitere Entdeckungen zu versuchen; er richtete vielmehr seinen Cours nach den Philippinen, wenn er auch keine Karten von jenen Inseln bei sich hatte, und erreichte glücklich Manila, nachdem auch noch ein zweites Schiff im Stich gelassen war, weil es wegen eines Leckes schlecht segelte.
Auf dem bekannten Wege trat er dann seine Rückreise über den Ocean nach Mexiko an, erreichte am 11. December 1597 Acapulco und im Mai 1598 Paita in Peru.
Als Grund, weshalb man die Salomonsinseln nicht wiedergefunden, giebt Quiros vor allem die falschen Berechnungen des Piloten Gallego auf der ersten Fahrt Mendana’s an, welcher die Entfernung zu kurz geschätzt habe.
Man findet nämlich in dieser Zeit statt der Längenbestimmungen nur nach der Fahrgeschwindigkeit gemachte Schätzungen der Entfernung der Inseln von der Westküste Peru’s angegeben. Gallego hatte den Abstand von Lima bis zu den Salomonsinseln zu 1450 spanischen Meilen (Leguas) angenommen, während Quiros behauptete, schon bis Sa. Cruz betrage die Entfernung 400 Meilen mehr. Wenn demnach (und die Berechnungen, welche Quiros anstellte, waren sicher richtiger als jene Gallego’s) die Salomonsinseln eher im Osten als im Westen von Sa. Cruz vermuthet wurden, so ahnte Quiros doch ganz richtig, beide Inselgruppen könnten nicht zu fern von einander liegen und dürften sich gegen Nordwesten an die Landmassen und Inseln anlehnen, welche bis Neu-Guinea und selbst bis zu den Philippinen reichten; denn dafür spreche außer der gleichartigen Erscheinung der Gebirgsinseln die nämliche dunkle Bevölkerung, welche wir jetzt als Melanesier bezeichnen, mit denselben Hausthieren (Hühnern und Schweinen), gleichen Waffen und manchen verwandten Formen der Sitte.[505]
Die Salomonsinseln blieben noch durch das ganze folgende Jahrhundert in Dunkel gehüllt, und erst Bougainville fand sie 1768 wieder. Quiros erbot sich zwar, sofort noch einen Versuch zu wagen; doch da der Vicekönig Bedenken trug, ohne besonderen Befehl des Königs die Mittel zur Ausrüstung einer neuen Flotte zu geben, so wandte er sich persönlich an den Papst Clemens VIII. und durch dessen Empfehlung an Philipp III. von Spanien und erlangte so, daß ihm endlich 1605 einige Schiffe für seine Unternehmung zur Verfügung gestellt wurden. Er hatte wissenschaftliche Probleme zu lösen in Aussicht gestellt: er behauptete nämlich eine leichtere und sicherere Bestimmung der geogr. Breite zu kennen, und wollte seine Reise um die ganze Erde ausdehnen, um überall die Abweichung der Magnetnadel zu beobachten. Sein Hauptaugenmerk war auf die australischen Länder von Sa. Cruz und die Salomonsinseln bis nach Neu-Guinea und Java gerichtet. Aber er verstand auch die Geistlichkeit durch seinen auffällig an den Tag gelegten Eifer für die Verbreitung des Glaubens zu gewinnen. Seit Columbus war kein Entdecker wieder so devot erschienen; aber bei Quiros scheint der Glaubenseifer nur Mittel zum Zweck gewesen zu sein. Der König Philipp III. bezeichnete es indes als ein gottwohlgefälliges Werk, das Australland entdecken und die Bewohner bekehren zu lassen.
Am 21. December 1605 ging Quiros von Callao mit drei Schiffen ab, welche auf ein Jahr Lebensmittel an Bord hatten. Sechs Franziskaner und vier Johannisbrüder zur Krankenpflege begleiteten ihn. +Luis Vaez de Torres+ befehligte unter ihm das zweite Schiff. Kühn steuerte er gegen Südwesten bis über den 26° s. Breite; als aber dort stürmisches Wetter die Fahrt unbequem machte, wich er nach dem tropischen Gürtel zurück, streifte die südlichsten Inseln der Paumotu und betrat zuerst das reizende Tahiti, von ihm Sagitaria genannt, und kam am 7. April in die Nähe von Sa. Cruz zu der Insel Taumaco, deren Häuptling ihm die Namen von etwa 70 Inseln gab und ihre Lage und Größe andeutete. Dadurch geleitet wandte sich Quiros nach Süden und entdeckte so am 1. Mai die Hauptinsel der neuen Hebriden, welche er, in merkwürdiger Selbsttäuschung befangen, für das gesuchte continentale Australland ausgab und Espiritu Santo nannte. In pomphafter Weise nahm er im Namen der heiligen Dreieinigkeit, der katholischen Kirche, des heil. Franciskus und seines Ordens, des Juan de Dios und seines Ordens und im Namen des Königs von dem Lande Besitz, beschloß auf der fruchtbaren Insel eine Stadt „Neu-Jerusalem“ am Fluße „Jordan“ zu gründen, und behauptete, dieser kaum vier Meilen lange Bach sei so breit als der Guadalquivir bei Sevilla. Bei der feindseligen Haltung der Insulaner mußte er aber bald von seinen phantastischen Plänen abstehen. Tagelang dauernde Stürme nöthigten ihn aus der Bucht an dem heiligen Geistlande aufs offene Meer zu flüchten, wo er von den beiden andern Schiffen getrennt wurde und am 20. Juni seinen Rückweg allein fortsetzte. Am 3. Juli erreichte er den Aequator, steuerte bis zum 1. September in nordöstlicher Richtung bis zum 38° n. Br., wandte sich dann nach Osten und gelangte am 20. October in den mexikanischen Hafen von Navidad.
In arger Uebertreibung schilderte er in seinen Berichten das entdeckte Land, die ~Australia del espiritu santo~, als reich gesegnet mit allen tropischen Produkten und behauptete, das Land sei so groß als ganz Europa und Kleinasien bis ans kaspische Meer.[506] Unermüdlich suchte er in einer Reihe von Schriften, welche er an den König richtete, die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer Colonisation des schönen Landes darzuthun, aber ohne Erfolg. Und schon im Jahre 1613 bezeichnete Diego de Prado in einem Briefe an den König die ganze Erzählung als Täuschung und Lüge.[507]
Quiros beschloß die Reihe der spanischen Entdeckungszüge in dem südl. Theil des großen Oceans.
Einen größeren und namhafteren Erfolg als er selbst trug sein Capitän +Torres+ davon, welcher, als er sich von dem Hauptschiffe getrennt sah, mit seinem kleinen Fahrzeuge kühn den geraden Weg nach den Philippinen einschlug. Am Louisiadenarchipel glaubte er bereits die Küste von Neu-Guinea erreicht zu haben, bahnte sich dann innerhalb zweier Monate an der Südseite dieser größten Erdinsel durch zahllose Klippen, Riffe, Eilande und Corallenbarrieren einen Weg nach Westen und Nordwesten, bis er endlich die Molukken erreichte, von wo aus er sich nach Manila begab. So wurde er der Entdecker der später mit Recht nach ihm benannten „Torresstraße“, welche den australischen Continent von dem Lande der Papuas scheidet; aber seine Entdeckung blieb bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts ein in den spanischen Archiven von Manila begrabenes Geheimniß, und James Cook war erst 1770 der erste Nachfolger des Torres durch jene Straße. Torres berührte das Australland an der Nordspitze, aber die Enthüllung der Küsten des Continents fiel im 17. Jahrhundert den Holländern, im 18. den Engländern zu.
Zum Schluß müssen wir noch einer wichtigen Entdeckung auf dem südwestlichen Wege nach Indien gedenken, welche die beiden holländischen Capitäne +Le Maire+ und +Schouten+ 1616 machten. Sie fanden nämlich das Südende des Feuerlandes und gingen mit Vermeidung der gefürchteten Magalhãesstraße um das Cap Hoorn, welches Schouten nach seiner Vaterstadt am Zuyderzee benannte, direct aus dem atlantischen in den großen Ocean und wiesen damit allen ihren Nachfolgern einen bequemeren Eingang in das stille Meer.
Viertes Capitel.
Die Versuche, einen nordwestlichen Weg nach Indien zu finden.
1. Giovanni und Sebastiano Cabotto.
Der Gedanke, von den Küsten Europa’s auf nordwestlicher Fahrt einen Weg nach China und Indien aufzusuchen, fand zuerst in England, als in dem für eine solche Unternehmung am günstigsten gelegenen Lande, eine thatkräftige Förderung. Auch hier ging die Anregung von einem Italiener, und zwar von einem Landsmanne des Columbus aus. Wenn er auch seine ersten Versuche vielleicht noch vor der ersten Fahrt des Entdeckers der neuen Welt gemacht hat, so darf doch bezweifelt werden, ob ihm die Priorität des Planes gebührt, denn man weiß, wie lange sich Columbus mit der Idee beschäftigt hatte, ehe es ihm vergönnt war, mit seinem ersten kleinen Geschwader von Palos aus in See zu stechen.
Der Träger des Gedankens einer nordwestlichen Bahn nach Asien ist +Giovanni Cabotto+, oder wie ihn die Engländer nennen, John Cabot.[508] Seine Zeitgenossen bezeichnen ihn allgemein als einen Genuesen, dessen Wiege am ligurischen Strande in Castiglione oder Savona stand.[509] Im Jahre 1461 wandte er sich nach Venedig, wo er am 28. März 1476 das Bürgerrecht erhielt, nachdem er, wie es das Gesetz vorschrieb, 15 Jahre in der Stadt ansässig gewesen war. Er erhielt das Privilegium civilitatis nach innen und außen, d. h. er konnte nun seine bürgerlichen Rechte nicht blos in der Stadt ausüben, sondern er genoß alle Handelsvorrechte auch in der Fremde und durfte unter der Flagge des heiligen Markus segeln.
Wahrscheinlich um 1490 begab sich Cabotto mit seinen drei Söhnen Ludovico, Sebastiano und Sancto nach England, wo er sich in Bristol niederließ, um von hier seine Entdeckungsfahrten zu betreiben, denn Bristol stand als Handelsplatz damals London zunächst. Und es scheint, daß auf seine Anregung die Kaufleute der Stadt alljährlich seit 1491 bereits Schiffe aussandten, um die auf den alten Seekarten verzeichneten Inseln im westlichen Meere aufzusuchen. So schrieb der spanische Gesandte Pedro de Ayala am 25. Juli 1498 an den König Ferdinand: „Die Leute von Bristol haben seit sieben Jahren alljährlich zwei, drei und vier Caravelen ausgesendet, um die Insel Brasil und die sieben Städte zu suchen, nach den Angaben dieses Genuesen.“[510]
In wie weit diese Unternehmung von Erfolg gekrönt gewesen, ist nicht gesagt. Doch mag hierbei erwähnt werden, daß schon ums Jahr 1480 Thomas Llyde oder Lloyd ins westliche Meer hinaussteuerte, um die genannten Inseln zu suchen, aber vergebens.