Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Part 57
Eine große That trägt immer den Keim zu andern Thaten in sich. Die für praktische Ziele unternommene Weltumsegelung erwies sich als äußerst fruchtbringend, sowohl für wissenschaftliche Anschauungen als auch für materiellen Gewinn. Wenn auf der einen Seite durch ein augenfälliges Beispiel der Beweis von der Kugelgestalt der Erde erbracht war und der Blick zum erstenmale auf einer bestimmt gegebenen Linie das ganze Erdenrund umschweifen konnte, wenn gelehrte und gebildete Männer wie Transilvanus, durch die Weite des neugewonnenen Forschungsfeldes ermuthigt, sich von den Theorien und Phantasien des Alterthums loszulösen und die überlieferten kosmographischen und geographischen Lehren auf Grund der neuen Anschauungen mit kritischen Augen zu betrachten wagten, oder sich sogar ein Herz faßten, die länger als ein Jahrtausend durch alle Lehrbücher urtheilslos weiter geschleppten Erzählungen von den menschlichen Ungeheuern, den Schattenfüßlern, Langohren, Einäugigen, Pygmäen u. a. einfach unter die Ammenmärchen zu verweisen, weil weder Spanier noch Portugiesen irgend wo auf dem Erdenball auch nur annähernd Aehnliches gefunden hatten; so gewann auf der andern Seite auch der Staatsmann, der Politiker einen bedeutend erweiterten Gesichtskreis für seine Combinationen. Die Interessen des Verkehrs verließen die engen Schranken des alten Europa, kühne Pläne einer rivalisirenden Colonialpolitik flogen über die weiten Meere und scheuten nicht zurück vor einem diametral auf der anderen Seite des Erdballes auszufechtenden Streite. Denn da nun nach entgegengesetzten Richtungen zwei Wege zu dem Lande der Gewürze gefunden waren -- und diese gesegneten Regionen waren ja das alleinige Ziel aller Seefahrten seit mehr als einem Menschenalter gewesen --, so mußte nothwendig auch die Frage entstehen, wem eigentlich nach der durch päpstliche Sanction erfolgten Theilung der Erde die Molukken gehören sollten, den Portugiesen oder den Spaniern. Aber diese letzteren beschäftigte nicht blos die Frage nach dem Besitz, sondern auch die Aufsuchung eines bequemeren Weges, als der, welchen Magalhães durch die Felsenengen am Feuerlande aufgefunden hatte. Man richtete dabei selbstverständlich den Blick auf die lockere Gliederung der mittelamerikanischen Gelände. Kaum ein Jahr nach der Heimkehr Sebastian del Cano’s ließ Karl V. schon, nach dem Gutachten seines Kosmographen den Eroberer Mexiko’s auffordern, seine Versuche, eine mittelamerikanische Durchfahrt zu entdecken, eifrig fortzusetzen, weil dadurch der Weg zu den Gewürzländern erheblich abgekürzt werden könne. Auch gestattete er, allen Kaufleuten und Unternehmungslustigen in Spanien, sich an Expeditionen nach den Molukken zu betheiligen. Um den Streit mit Portugal, wenn irgend möglich, auf friedlichem Wege zu schlichten, entschlossen sich beide Nachbarstaaten, einem aus Vertretern beider Mächte gebildeten Congresse die Entscheidung der schwierigen Frage zu übertragen. Diese „Junta“, welche beiderseits aus drei Juristen, drei Astronomen und drei Piloten zusammengesetzt war, kam zum erstenmal auf der Brücke, welche zwischen den Städten Badajoz und Elvas über den kleinen Grenzfluß Caya führt, am 11. April 1524 zusammen und setzte dann ihre Verhandlungen abwechselnd in den beiden Städten bis zum 31. Mai fort; aber resultatlos. Da nicht einmal der Ausgangspunkt jener oft erwähnten Demarcationslinie (die westlichste der Capverden) sicher festgesetzt war, von hier aus 370 spanische Meilen westwärts die Theilungslinie gezogen werden sollte und ihre Verlängerung über die andere Erdhälfte berechnet werden mußte, so hätte vor allem die Möglichkeit gegeben sein müssen, die Länge eines Meridiangrades genau zu bestimmen. Ja noch mehr, es stand nicht einmal die Größe des Erdumfanges fest. Man hatte als Unterlagen aus dem Alterthum eine Berechnung (zuerst von Eratosthenes) und eine davon etwas abweichende Messung der arabischen Astronomen aus dem 9. Jahrhundert. Wie unzuverlässig neuere Messungsversuche und Schätzungen ausfielen, lehren die Angaben von Columbus und von S. Martin, dem Astronomen der Magalhães’schen Expedition. Während jener aus einer Mondfinsterniß einen Abstand von Jamaica und Spanien berechnete, der einen Fehler von 34 Meridianen enthielt, nahm dieser nach der Schätzung des Schiffscourses den westlichen Abstand der Magalhães’schen Enge von Sevilla um 51½ Grad zu gering an.
Man war noch nicht einmal darüber einig, wie viel spanische Meilen (Leguas) auf einen Aequatorialgrad zu rechnen seien, denn die Ansichten der Junta gingen auseinander: die Spanier nahmen 14⅙, die Portugiesen 17½ Leguas an. Nach der letzten Bestimmung mußten die Molukken den Portugiesen zufallen. Die Spanier behaupteten, die Gewürzinseln seien von den Capverden 183 Grade entfernt, die andern dagegen nahmen nur 137 Grade an. Die unausgleichbare Differenz betrug demnach 46 Meridiane (etwa die Entfernung von Berlin bis zum Uralgebirge). Dabei gaben die Spanier den Abstand um 30½ Grade zu groß, die Portugiesen um 15½ Grad zu klein an.[490]
Der Pilotencongreß mußte ohne Resultat verlaufen, da keine der streitenden Parteien die Mittel dazu besaß, der andern ihre Fehler beweisen zu können, und löste sich am 31. Mai 1524 auf.
Beide Nebenbuhler rüsteten sich, wetteifernd auf den Molukken Boden zu gewinnen und waren entschlossen, sich auf den einmal besetzten Inseln Tidor und Ternate mit Gewalt zu behaupten.
Spanien entsandte ein Geschwader von sieben Schiffen mit 450 Mann unter dem Befehl des +Garcia Jofre de Loaysa+, während del Cano als Oberpilot mitging[491]. Am 24. Juli 1525 lief dasselbe von Coruña aus, denn nach diesem tiefen und sicheren Hafen in Galicien hatte man das indische Haus von Sevilla verlegt, einerseits um für die zu den Weltreisen erforderlichen größeren Schiffe einen ihrem größern Tiefgange entsprechenden Hafen zu besitzen, andererseits um für die Gewürze, welche, wie man hoffte, nun bald in vollen Frachten auf dem Westwege einlaufen würden, einen Stapelplatz zu schaffen, welcher den großen Märkten von Nordwest-Europa, namentlich den flandrischen und englischen Häfen näher liege als Lissabon. Coruña sollte zu einer Rivalin der portugiesischen Hauptstadt gemacht werden. +Loaysa’s+ Flotte wurde beständig von Misgeschick heimgesucht. In der Region der Calmen an der Küste von Guinea monatelang aufgehalten, gelangten die Schiffe erst am 22. November in die Nähe des Cap S. Augustin, am 5. December nach Cap Frio und am 14. Januar 1526 zum Julianshafen. Am nächsten Tage zerschellte das Schiff del Cano’s in einem Sturm, welcher auch die anderen Schiffe arg mitnahm, an der Küste; die Mannschaft rettete sich. Wieder verging ein Monat, ehe man den Eingang der berühmten Straße wiederfand. Der Sommer ging zur Neige, die Stürme wurden immer heftiger und jagten am 12. Februar die Flotte vollständig auseinander.
Zwei Schiffe, die +Anunciada+ unter Pedro de Vera und der +Gabriel+ unter Rodrigo de Acuña trafen weit nördlich von der Magalhãesenge zusammen. Keiner der Capitäne zeigte eine Neigung, die gefährliche Fahrt in der beabsichtigten Richtung fortzusetzen; aber über den Weg, den sie selber einschlagen wollten, konnten sie sich nicht einigen. Während die Anunciada ohne Steuermann (derselbe war bereits gestorben) tollkühn ums Cap der guten Hoffnung nach den Molukken ging und auf dem Ocean verschollen ist, steuerte der Gabriel nach Brasilien, nahm in der Allerheiligen-Bai eine Ladung Brasilholz ein, bestand eine feindliche Begegnung mit drei französischen Freibeutern, in folge deren der Capitän und ein Theil der Mannschaft am Lande zurückbleiben mußte, und erreichte am 28. Mai 1527 den Hafen Bayona in Galicien, südwestlich von Vigo. Rodrigo de Acuña konnte erst im nächsten Jahre auf einem portugiesischen Schiffe heimkehren.
Derselbe Sturm vom 12. Februar trieb aber auch den Capitän +Francisco de Hóces+ mit seinem Schiff +S. Lesmes+ bis zum 55° s. Br., sodaß er das Ende des Landes sah, vermuthlich die südöstliche Spitze des Feuerlandes an der Le Maire-Straße. Auf den Werth dieser Entdeckung, durch welche das zeitraubende und gefährliche Einlaufen in den Feuerlandssund hätte umgangen werden können, achtete man damals zu wenig, und dem Entdecker Hóces war bald auch die Möglichkeit geraubt, in späterer Zeit seinen Fund, welcher eine bequemere Einfahrt in den großen Ocean in sichere Aussicht stellte, weiter auszubeuten, denn wenn er sich auch zum Geschwader Loaysa’s zurückfand und mit diesem durch die Magalhãesstraße zog, so wurde er doch wieder am 1. Juni 1526 durch Sturm von den übriggebliebenen Schiffen getrennt, suchte allein seinen Weg nach den Molukken und ist wahrscheinlich an der Paumotu-Insel Anäa gescheitert und untergegangen.[492] Loaysa konnte mit den vier Schiffen, welche ihm geblieben waren, erst am 6. April in die Magalhãesstraße einsegeln und erreichte am 25. Mai den großen Ocean. Am 1. Juni brach wieder ein wüthender Sturm los und riß das bereits aus vier Schiffe zusammengeschmolzene Geschwader vollends auseinander, sodaß von da an jedes Schiff sich seinen Weg allein suchen mußte.
Das kleinste Fahrzeug, der +St. Jago+, ein Schiff von nur 50 Tonnen, sah sich unter seinem Capitän +Guevara+ außer Stande, den andern über den großen Ocean zu folgen, denn es fehlte ihm an Proviant, von welchem sich der größte Theil an Bord des Flaggschiffes befand. Guevara suchte die nächsten Ansiedelungen der Spanier zu erreichen und schlug daher den Weg nach Norden ein, in der Hoffnung, das jüngst von Cortes eroberte Mexiko zu finden. Die Westküsten Südamerika’s waren damals vom Feuerlande bis zum Aequator noch völlig unbekannt. Doch da Magalhães bereits nach seinem Eintritt in den stillen Ocean einen nördlichen Cours eingeschlagen und dabei gefunden hatte, daß die Küsten der neuen Welt sich nordwärts erstreckten, so beschloß Guevara in dieser Richtung weiter zu segeln. So gelang es ihm ohne Unfall, vielmehr durch die nordwärts ziehende antarktische, sog. Humboldtströmung begünstigt, am 25. Juli 1526 den Hafen von Tehuantepec zu gewinnen und dabei die höchst wichtige Entdeckung über die westliche Begrenzung des südamerikanischen Continents zu machen, eine Entdeckung, welche auf die bald darauf ausgeführten Expeditionen von Pizarro und Almagro nicht ohne Einfluß blieb.
Nur zwei Schiffe Loaysa’s scheinen den großen Ocean vollständig durchsegelt zu haben, das Hauptschiff, die Sa. Maria de la Victoria und die +Sa. Maria del Parral+ unter Jorge Manrique de Najera. Daß die letztere bis zum Gestade von Sangir, südlich von Mindanao, gelangt sei, erfuhr man erst, als das Hauptschiff die Molukken erreicht hatte, aus dem Munde der wenigen Schiffbrüchigen, welche dem Untergange entronnen waren.[493]
Aber auch das Flaggschiff wurde von schweren Schlägen betroffen. Loaysa starb in folge der Aufregungen über den Verlust seiner Flotte am 30. Juli 1526 während der Fahrt über das stille Weltmeer. Sein Nachfolger Sebastian del Cano erlag gleichfalls am 4. August; denn der Tod hielt unter der durch Hunger und Arbeit erschöpften Mannschaft täglich seine Ernte. Toribio Alonso +de Salazar+, den man nun zum Capitän wählte, brachte das Schiff zwar bis zu den Ladronen, wo man sich 11 Tage Ruhe und Erholung gönnte, aber auch er starb bald nach der Abfahrt am 13. September. Ihm folgte im Commando der Baske Martin Irriguiez de Carquisano und brachte das Schiff endlich auf dem Wege über die Philippinen und die Talaut-Insel nach Halmahera (Djilolo) auf dessen Ostseite man in den Hafen von Samafo vor Anker ging. Das Schiff hatte fast die Hälfte seiner Mannschaft eingebüßt, von 105 Personen waren 40 gestorben.
Auf Tidor, wohin man erst am 1. Januar 1527 kam, wurden die Spanier als Befreier von dem portugiesischen Uebermuth mit offnen Armen empfangen und fingen sofort an, sich zu befestigen. Einen Versuch der Portugiesen, sie zu überrumpeln, schlugen sie glücklich ab; aber das Schiff war nicht mehr seetüchtig, und an eine Heimkehr war nicht zu denken. Nachdem auch Irriguiez gestorben, wurde Fernando de la Torre zum Capitän gewählt. Unter ihm behaupteten sich die Spanier, bis Saavedra ihnen zu Hilfe kam. +Alvaro de Saavedra+[494] war gegen Ende des Jahres 1527 von Cortes mit drei Schiffen und 110 Mann von Mexiko über den großen Ocean entsendet, um eine Verbindung zwischen Neuspanien und den Gewürzinseln herzustellen, aber er verlor auf der Ueberfahrt (er kam in zwei Monaten bis zu den Ladronen) zwei Schiffe, befreite auf den Philippinen noch mehrere von den ehemaligen Begleitern Magalhães’ und Loaysa’s (von dem Schiffe Sa. Maria del Parral) aus der Gefangenschaft und kam am 30. März 1528 nach Tidor. Leider war seine Mannschaft schon auf 30 Köpfe zusammengeschmolzen, sodaß er seinen bedrängten Landsleuten keine wesentliche Verstärkung bringen konnte; es schien daher gerathener, noch einmal nach Mexiko zurückzukehren, und in Anbetracht der großen Wichtigkeit, welche die Behauptung von Tidor für Spanien hatte, von Cortes Hilfe zu verlangen. Daher ging Saavedra am 3. Juni 1528 wieder unter Segel, berührte mehrere von Papuas bewohnte Inseln, vermuthlich auch die Nordküste von Neu-Guinea, streifte in nordöstlichem Cours unter 7° n. Br. die Gruppe der Carolinen,[495] konnte aber in folge der beständigen Gegenwinde nicht über die Ladronen hinaus in den Ocean vordringen und kam im October wieder nach Tidor zurück. Im Mai des folgenden Jahres wiederholte Saavedra seinen Versuch, gelangte zwar bis zu den Marshalls-Inseln und steuerte nordöstlich bis zum 27° n. Br.; aber hier starb er. Sein Schiff versuchte noch eine Zeitlang die eingeschlagene Route zu verfolgen, mußte aber unter 30° n. Br. ebenfalls vor den ungünstigen Winden umdrehen, erreichte nur mühsam im December 1529 (oder Ende October) die Nordküste von Halmahera und fiel hier den Portugiesen in die Hände, welche die Mannschaft nach Malaka brachten. Aus Tidor wurden die Spanier vertrieben und wichen nach Halmahera zurück. Aber ihre glücklichen Nebenbuhler kamen damit nicht blos ~de facto~ in den Besitz der Molukken, sondern sie erwarben dieselben auch durch Vertrag. Karl V. trat nämlich am 22. April 1529 seine Ansprüche für 350,000 Ducaten an die Krone von Portugal ab und war damit einverstanden, daß man die Theilungslinie 17 Grade östlich von den Molukken verlegte. Auch diese bedeutende Abfindungssumme, welche an Spanien bezahlt wurde, ist unter die Erfolge der ersten Erdumsegelung zu rechnen. Und wenn dem Vertrage auch die Clausel angehängt war, daß die ganze Summe zurückzuzahlen sei, falls es sich herausstelle, daß Portugal schon durch die erste Bestimmung der Demarcationslinie rechtmäßigen Anspruch auf die Gewürzinseln besitze, so wurde doch dieser Zusatz nie zur Ausführung gebracht.
Endlich wurde noch zu Gunsten der Spanier festgesetzt, daß, wenn ihre Schiffe bei Fahrten über den großen Ocean, welcher unbestritten innerhalb der spanischen Erdhälfte lag, sich in die molukkischen Gewässer aus Unkenntniß verlören, diese Schiffe von Seiten der Portugiesen nicht feindlich behandelt werden sollten. Denn es ist bemerkenswerth, daß die spanischen Fahrten von Mexiko nach den Philippinen fortgesetzt wurden, obwohl diese Inselgruppe nordwestlich von den Molukken liegt und nach dem Vertrag von 1529 in den Machtbereich der Portugiesen gezogen war.
Die letzten Spanier unter de la Torre, 16 Mann, welche sich in jenem Gebiet behauptet hatten, konnten erst 1534 nach Europa den Rückweg antreten, aber kaum die Hälfte erreichte 1536 den heimatlichen Boden. Unter ihnen Torre und der berühmte Pilot Andres Urdaneta, welcher nach seiner Rückkehr einen wichtigen Beitrag zur Kenntniß der Gewürzländer gab und seinen Bericht im Februar 1537 dem Könige in Valladolid überreichte.[496]
Von nun an blieb Portugal im unbestrittenen Besitz des Gewürzhandels, bis die Niederländer im Anfange des 17. Jahrhunderts sie verdrängten.[497]
5. Die spanischen Entdeckungsfahrten im großen Ocean.
Wenn durch den Vertrag von Saragossa 1529 die Fahrten nach den Molukken für die Spanier aufhören mußten, so blieb ihnen doch unbenommen die weite Wasserfläche des stillen Oceans, über welche bisher nur einige wenige Recognoscirungslinien gezogen waren, weiter zu erforschen; denn der Glaube an das Vorhandensein reicher Inseln beherrschte noch die Vorstellung und trieb zu neuen Streifzügen.
Als Ferdinand Cortes im Jahre 1536 dem Pizarro in zwei Schiffen Hilfstruppen nach Peru schickte, gab er dem +Hernando Grijalva+ zugleich den Befehl, nach Erfüllung des genannten Auftrags von der Westküste Südamerika’s aus nach Asien hinüberzusteuern. Sie wählten die Route in der Nähe des Aequators, gingen weit ins Meer hinaus, ohne irgend ein Land zu entdecken, so daß Grijalva schon willens war, nach Mexiko zu steuern; allein daran wurde er durch die beständigen Gegenwinde gehindert. So wurde denn die Fahrt bis in die Nähe von Neu-Guinea fortgesetzt, wo an einer von Melanesiern bewohnten Insel die Schiffe zu Grunde gingen und die Mannschaft bis auf wenige Personen erschlagen wurde. Die letzten Ueberlebenden befreite der portugiesische Gouverneur auf den Molukken. Einige Jahre später ließ der Vicekönig von Mexiko, Antonio de Mendoza, eine größere Flotte von sechs Schiffen ausrüsten und sandte sie im November 1542 von Neuspanien nach dem Westen. +Ruy Lopez de Villalobos+ berührte zunächst die Revillagigedogruppe und stieß dann, an den Marshallsinseln vorbeisegelnd, auf die mittleren Carolinen, und zwar auf die Hallinseln und auf Namonuito, flache, dichtgrüne Eilande, von tiefem Meere umschlossen und von einer armen, rohen Bevölkerung bewohnt. Villalobos gab ihnen den Namen Coralleninseln und ~los Jardines~ (die Gärten).[498] Am 23. Januar 1543 stieß er auf Inseln, deren Bewohner schon früher Besuch von Spaniern erhalten hatten, denn sie riefen den neuen Ankömmlingen zu ihrer Verwunderung den spanischen Gruß: ~buenos dias matalotes!~ zu und machten das Zeichen des Kreuzes. Daher erhielten die Inseln den Namen Matalotes (Schiffer).[499] Fünfunddreißig Meilen weiter westlich tauchte eine größere, von Corallenriffen umgebene Insel auf, welcher man den treffenden Namen Riffinseln (~Islas de arrecifes~) gab; es war die Gruppe der Palauinseln. Von hier nach Westen steuernd kam das Geschwader am 29. Januar in Sicht der Philippinen. Vor ihnen lag die Insel Mindanao; hier landete Villalobos am 2. Februar und blieb einen Monat, in der Absicht, dort eine Niederlassung zu gründen. Zu Ehren des Kaisers nannte er das Land Cäsarea Caroli. Da aber sich das Klima ungesund erwies und die Einwohner sich weigerten, den Spaniern Lebensmittel zu liefern, so mußte er sich weiter nach Süden wenden, bemühte sich aber auch auf den kleinern Inseln zwischen Mindanao und Celebes vergebens um Proviant, weil ihm die Insulaner überall feindselig entgegentraten und jeden friedlichen Verkehr vermieden. Nachdem darüber Monate vergangen waren, beschloß Villalobos ein kleineres Schiff nach den Carolinen zurückzuschicken, um dort Lebensmittel einzutauschen, und sandte zugleich den Capitän +Bernardo de la Torre+ mit seinem Schiff San Juan am 26. August nach Mexiko, um dem Vicekönige Nachrichten über den Verlauf seiner Expedition zu überbringen. In dem officiellen Berichte, welchen la Torre mitnahm, wurden die großen Inseln zuerst unter dem Namen Felipinas (Philippinen, zu Ehren des spanischen Kronprinzen) aufgeführt. La Torre ging von der Insel Samar, nördlich von Mindanao, nach Nordosten, entdeckte unter dem 25. Grad n. Br. die vulkanischen Inselchen südlich von der Boningruppe, welche Volcanos genannt wurden, drang dann noch bis zum 30. Parallelkreise vor, mußte hier aber wegen Wassermangel umkehren, ging durch die Philippinen zurück, wo er erfuhr, daß Villalobos sich nach den Molukken gewendet, und traf hier mit seinem Befehlshaber wieder zusammen.
Inzwischen hatte der portugiesische Gouverneur in Ternate, Jorge de Castro, Kunde von der Anwesenheit eines spanischen Geschwaders erhalten. Er sandte zwei Böte ab, um Villalobos auf den Vertrag von 1529 hinzuweisen, wonach alle Inseln bis zu den Ladronen den Portugiesen zuerkannt waren. Wären die Spanier nicht in der Absicht Eroberungen zu machen in jene Regionen gerathen, dann werde er sie gern mit Lebensmitteln unterstützen. Sonst müsse er aber ihren Rückzug fordern.
Villalobos erwiderte darauf, er habe den Auftrag erhalten, sich auf den Philippinen festzusetzen, denn diese lägen weit genug von den portugiesischen Molukken entfernt, um keinen Anlaß zu Zwistigkeiten zu bieten. Aber auch gegen diese Absichten legte de Castro im Namen seines Königs Protest ein.
Da nun aber die Noth auf den spanischen Schiffen wuchs und viele Matrosen starben, mußte Villalobos gegen seinen Willen die Molukken aufsuchen. Er vermied es, mit den Portugiesen in Streit zu gerathen, und machte noch einmal den Versuch, sich mit Mexiko in Verbindung zu setzen und von dort Hilfe zu erbitten. Zu dem Zwecke wurde im Mai 1545 der San Juan unter dem Capitän +Iñigo Ortiz de Retes+ ausgesandt; dieser schlug um Halmahera herum den Weg nach Südosten ein und traf so auf die Nordküste von Neu-Guinea, welche Menezes schon 1526 gefunden hatte (s. oben S. 206). Zwei Monate lang kämpfte er gegen das Unwetter an, welches ihn vom 15. Juni bis 16. August an den Gestaden der Papuainsel und der vorliegenden Inseln[500] festhielt. Retes landete an mehreren Punkten, um Wasser und Holz einzunehmen. An der Küste breiteten sich weite Ebenen aus, aber dahinter hoben sich im Innern mächtige Gebirge empor. Zu wiederholten Malen wurden die Spanier von den Kriegsböten der schwarzen Bewohner angegriffen. Diese Kähne hatten einen Aufbau, eine Art Kastell, welches dem Hintertheil der spanischen Schiffe an Höhe fast gleich kam. Oben standen die Krieger, unten befanden sich die Bänke für die Ruderer. Retes nahm trotzdem an einer günstigen Stelle, wo er länger verweilte, für Spanien von dem Lande Besitz und gab ihm den noch giltigen Namen +Neu-Guinea+. Gegen Osten drang er bis zu den Vulkan- und Dampierinseln (4° 40′ s. Br., 146° ö. v. Gr.) vor. Zwei Meridiane weiter wäre er auf den Neubritannischen Archipel gestoßen; aber er entschloß sich nach der langen, vergeblichen Arbeit, gegen den Willen der Piloten, einen nördlichen Cours einzuschlagen, mußte aber bald dem dringenden Verlangen der Mannschaft, welche den Anstrengungen zu erliegen drohte, nachgeben und den Befehl zur Umkehr ertheilen. Am 3. October traf er wieder in Tidor ein. Villalobos sah somit keine Möglichkeit, über den stillen Ocean sich Unterstützung zu verschaffen. Die vergeblichen Bemühungen eines tüchtigen Schiffes, welches zweimal nach verschiedenen Richtungen den Ocean zu kreuzen versucht hatte, bewiesen ihm, daß er mit seiner ganzen Flotille unrettbar den Portugiesen in die Hände fallen müsse, denn den Rückweg durch den indischen Ocean und um Afrika herum durfte er nach den Verträgen zwischen beiden Mächten nicht einschlagen.
Als nun kurz nach der Rückkehr des San Juan unter Retes im October 1544 ein neuer Statthalter auf den Molukken erschien, Fernão de Sousa, kündigte dieser den Spaniern die lange gewährte Gastfreundschaft und forderte dieselben ohne Umschweife auf, die Gewürzinseln zu verlassen. So mußte Villalobos seine Schiffe den Portugiesen überliefern, da er bei der Schwäche seiner Mannschaft es nicht auf eine Entscheidung durch Kampf konnte ankommen lassen. Er erreichte nur, daß seine Leute ihr Privateigenthum behielten und in kleinen Abtheilungen auf portugiesischen Frachtschiffen nach Europa zurücktransportirt wurden. Villalobos starb kurz vor Ostern 1546 auf Ambon, 144 Personen gelangten, die letzten allerdings erst 1548, nach Europa zurück.