Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Part 54

Chapter 543,505 wordsPublic domain

Orellana’s Pläne waren aber auf eine Besiedlung des entdeckten Gebietes gerichtet; darum kehrte er im nächsten Jahre nach Spanien zurück und schloß mit der Regierung eine Capitulation, wonach er zur Eroberung des Landes autorisirt wurde. Sehr treffend erhielt es den Namen Neu-Andalusien. Denn wie das spanische Andalusien von dem wasserreichsten „großen Strome“, d. i. dem Guadalquibir, dem größten der ganzen Halbinsel, bespült wird, so Neu-Andalusien von dem mächtigsten Wasser der neuen Welt. Es gelang Orellana für sein Project Theilnahme und Unterstützung zu finden, und so segelte er am 11. Mai 1544 mit vier Schiffen und 400 Mann von San Lucar de Barrameda ab; aber diese Expedition hatte beständig mit Misgeschick zu kämpfen. Drei Monate wurde das kleine Geschwader bei Teneriffa, zwei Monate am grünen Vorgebirge aufgehalten und verlor durch den Tod 98 Personen, während 50 andere davonliefen. Bei der Ueberfahrt über den Ocean jagte der Sturm die Schiffe auseinander, zwei derselben, auf deren einem sich Orellana befand, wurden bis zur Ostspitze Brasiliens getrieben. Von hier gingen sie dann an der Küste des Festlandes nach Nordwesten bis zum ~mar dolce~ und fanden endlich die Mündung des großen Stromes wieder, welchem Orellana seinen Namen beilegte. Aber dort wurde der größte Theil der Mannschaft an der ungesunden Küste bald von Fiebern hinweggerafft; und als auch Orellana ins Grab sank, löste sich die Unternehmung auf, und die Ueberlebenden wandten sich nach San Domingo.

Alle Eroberungszüge der Spanier in der neuen Welt, so weit sie durch die Entdeckungsfahrten des Columbus angeregt waren, bewegten sich fast ausschließlich in den Grenzen des heißen Erdgürtels und nahmen von der Inselflur Westindiens als der natürlichen Eingangspforte zu diesen Regionen ihren Ausgang. Der Reiz der Neuheit der sie umgebenden Naturprodukte, die Romantik der wunderbarsten Abenteuer, welche das Leben zu einem Roman gestalteten, die Befriedigung, welche die Einen in der Aufspürung und Erbeutung edler Metalle und die Andern in der Bekehrung unzähliger Menschenstämme zum Christenthum fanden, rief unter den Spaniern ein wahres Auswanderungsfieber und einen unglaublichen Entdeckungs-Schwindel hervor, welcher das Mutterland zu entvölkern drohte. Fand doch der venetianische Gesandte Andrea Navagiero, welcher 1525 Spanien bereiste, in Sevilla, dem Sitze des indischen Amtes, so wenig Männer vor, daß er meinte, die Stadt sei fast ganz den Weibern überlassen.

Die großartige Erweiterung des Horizontes und der Umschwung der ganzen Weltanschauung, welche Europa’s Kultur dadurch gewann, wurde leider durch den Untergang origineller Bildungselemente in der neuen Welt und durch die Vernichtung unzähliger Menschenleben erkauft, welche unter der harten Hand der Eroberer trotz aller Bemühungen der Geistlichkeit und aller Gesetze der Regierung zu Grunde gingen.

Drittes Capitel.

Die südwestliche Bahn nach Indien und die erste Erdumsegelung Magalhães’.

1. Die Vorläufer Magalhães’.

Nachdem Amerigo +Vespucci+ im Jahre 1501 auf seiner Entdeckungsfahrt an den Küsten Brasiliens bis zum 25° s. Br. vorgedrungen war (s. oben S. 332), faßte er 1503 bereits den Plan auf südwestlichem Wege bis zu den Gewürzländern zu segeln (s. oben S. 335), aber das Ungeschick des Capitäns Coelho vereitelte die Ausführung. Er kam nicht so weit nach Süden als zwei Jahre früher. Sicher war aber Vespucci der erste, welcher auf diesen neuen Weg hinwies. Als er im Jahre 1505 ganz nach Spanien übersiedelte, suchte er auch hier seinem Plane Geltung zu verschaffen. Schon im nächsten Jahre hören wir von der Absicht der spanischen Regierung, Schiffe nach den Gewürzländern zu schicken (~para descobir la especeria~), wobei das Gutachten der beiden erfahrensten Männer, Vicente Yañez Pinzon und Amerigo Vespucci, eingeholt werden solle.[455] Doch scheint die Absendung sich verzögert zu haben, wenigstens ist über eine Fahrt in der angegebenen Richtung und in dem genannten Jahre nichts bekannt. Erst 1508 liefen am 29. Juni zwei Schiffe unter +Pinzon+ und +Juan Dias de Solis+ von San Lucar aus, gingen über die Capverden nach dem Cap Augustin hinüber und kamen bis etwa zum 40° s. Br. Aber die Eifersucht und Uneinigkeit zwischen den beiden Leitern der Expedition vereitelte den Erfolg, die Schiffe kamen Ende October 1509 wieder nach Spanien zurück.

Wenn nun auch dieser erste Versuch resultatlos verlief, so traten doch bald in dem Fortschritt der mittelamerikanischen Entdeckungen so wichtige Momente hervor, daß dadurch ein erneuerter Anstoß gegeben wurde, das Project eines südwestlichen Weges wieder aufzunehmen. Dies war die Entdeckung der Südsee durch Balboa im Jahre 1513 (s. oben S. 347). Nun erkannte man, daß sich im Rücken der neuen Welt ein unermeßliches Meer ausdehnte, welches das westliche Indien von dem östlichen Asien trennte. Mit der Entdeckung dieser „Südsee“ trat zugleich der sehnliche Wunsch hervor, einen Wasserweg vom atlantischen Ocean in das neu gefundene Weltmeer aufzuspüren. Da nun die Küste Südamerika’s bis zum 40. Grade nach Südwesten lief, so stand zu erwarten, daß man in dieser Richtung entweder die Continentalmasse in ähnlicher Weise, wie es den Portugiesen um Süd-Afrika herum gelungen war, werde umsegeln können, oder daß man eine Straße finden werde, welche beide Oceane mit einander verbinde.

Der Glaube an das Vorhandensein einer Meerenge fand um so leichter Annahme, als schon Columbus auf seiner vierten Fahrt zwischen den Inseltheilen Westindiens eine offene Wasserbahn nach Westen gesucht hatte. Die Vorstellung fand weitere Nahrung in Schifferberichten, welche wenigstens schon seit 1508 einliefen und sogar bestimmt von der erfolgten Auffindung der Straße erzählten, welche genau in derselben Richtung von O. nach W. laufe und die Landmassen theile, wie die Meerenge von Gibraltar Europa von Afrika scheidet.[456] Möglicherweise datiren derartige Gerüchte noch um mehrere Jahre zurück. Es wird nämlich von glaubhafter Seite versichert, Magalhães habe bei seiner berühmten Fahrt sich auf eine von Martin Behaim (Martin de Boemia) gezeichnete Karte, im Besitz des Königs von Portugal, berufen, auf welcher etwa unter 40° s. Br. eine Straße, wenn auch sehr versteckt (~multo occulto~) angegeben sei.[457] Da nun Behaim schon 1506 oder 1507 starb, müßte die Straße bereits vor diesen Jahren aufgefunden sein. Daß seine Zeichnung, welche +vor+ der Entdeckung der Südsee durch Balboa entworfen war, anders ausfallen mußte, als ein Jahrzehent später, liegt auf der Hand. Weder in Spanien noch in Portugal hat sich aus dieser Zeit eine Karte mit einer südlichen Meerenge erhalten, wohl aber sind uns derartige Entwürfe aus Italien und Deutschland überliefert, deren Entstehung annähernd gleichzeitig, nämlich in das Jahr 1515 bezüglich 1516 zu setzen ist. Beide Bilder geben die Umrisse der südamerikanischen Insel in fast gleicher Gestalt. Die italienische stammt von der Hand des berühmten Lionardo da Vinci,[458] die deutsche von Johannes Schöner.[459] Die Zeitung aus Presillg Landt war, wie bereits erwähnt ist, von Italien nach Deutschland gekommen, die beiden Darstellungen von Südamerika passen auffällig zu der dort berichteten Fahrt. Es wäre also möglich, daß mit dem Bericht über die dunkle Reise auch eine flüchtige Skizze aus Portugal zuerst nach Italien gelangt und dann ihren Weg nach Deutschland gefunden hätte, denn da Vinci’s Zeichnung bietet nur rasch hingeworfene allgemeine Umrisse, gleichsam um die neuerworbenen Vorstellungen von der Ländervertheilung zu fixiren. Daß aber beide Zeichnungen beeinflußt sind durch den Bericht der „newen Zeytung“, geht mit Gewißheit daraus hervor, daß Joh. Schöner seinem Globus eine kleine geographische Abhandlung beigab, in welcher er mehrere Stellen aus der „Zeitung“ wörtlich aufnahm.

Die Auffindung der Straße war angeblich durch Portugiesen erfolgt; wollten die Spanier nun durch dieselbe sich einen Zugang zur Westseite Amerika’s bahnen, mußten sie selbständig die Meerenge zu entdecken suchen. Es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß in demselben Jahre, als Schöner seinen Globus veröffentlichte, auch einer der ersten Seeleute Spaniens im Begriff stand, das erwähnte Problem zu lösen und praktisch zu verwerthen. +Juan Dias de Solis+ schloß nämlich im November 1514 mit der Krone einen Vertrag ab, wonach er sich verpflichtete, die nach der Südsee führende Straße zu entdecken und auf die Rückseite des Landes (~á las espaldas de la tierra~) zu gehen, um sich mit Pedrarias de Avila, dem Statthalter von Darien, in Verbindung zu setzen. Von hier aus wollte er dann noch 1700 spanische Meilen, von der Demarcationslinie an gerechnet, in der Richtung nach den Gewürzinseln vorzudringen suchen, ohne dabei, was bei Todesstrafe verboten wurde, portugiesisches Gebiet zu berühren.[460]

Solis stand wegen seiner Leistungen im Seewesen in hohem Ansehen, er bekleidete, nach dem Tode Vespucci’s, das Amt eines Reichspiloten. Er erhielt für seine Expedition drei Schiffe und lief am 8. October 1515 von dem Hafen von Huelva aus, erreichte bei Cap S. Roque die südamerikanische Küste, segelte von da nach Südwesten und drang jenseit des Cabo de Sa. Maria (34° 39′ s. Br.) in die weite Oeffnung des Laplatastromes hinein, welcher damals Rio de Solis genannt wurde, und wagte sich, unvorsichtig, mit einer Caravele, während die beiden andern Fahrzeuge zurückblieben, ans Land. Hier wurde er nebst acht andern Genossen bei der Landung durch versteckte indianische Bogenschützen getödtet und verzehrt.

Nach dem traurigen Fall des Führers brach sein Schwager Francisco de Torres die Entdeckungsfahrt ab und kehrte nach Spanien zurück.

2. Fernão de Magalhães.

Die bisherigen Versuche eines Vespucci, Pinzon und Solis, auf südwestlicher Bahn die Molukken zu erreichen, waren fehlgeschlagen, sie hatten gezeigt, daß selbst die Begabung dieser Seefahrer nicht ausreichte, eine so wichtige Aufgabe zu lösen. Es lag, wenn auch nicht direct ausgesprochen, ja vielleicht nicht einmal klar erkannt, in dieser Aufgabe das höchste nautische Problem: die +Umschiffung des Erdballs+, und ein solches Problem verlangte auch den größten Mann seiner Zeit, welcher mit der Tüchtigkeit des Seemanns Besonnenheit und Willensstärke verband und seinen Befehlen unbedingte Geltung zu verschaffen wußte; denn Rivalität und Zwiespalt über die Führung des Geschwaders hatten mehrere Expeditionen seiner Vorgänger vereitelt. Wir rechnen den kühnen Bahnbrecher in der Umkreisung des Erdballs, den Portugiesen +Ferdinand Magalhães+[461], unter die hervorragendsten Seefahrer aller Zeiten, wenn er nicht der bedeutendste von allen ist.

Magalhães stammte aus vornehmer Familie. Daß er nicht in Oporto, sondern in Saborosa, im District von Villa real der Provinz Tras os Montes geboren ist, geht aus seinem Testamente hervor, welches er wenige Monate, bevor er zum erstenmale nach Indien ging, aufsetzte.[462] Um 1480 mag er geboren sein.

Mit Francisco d’Almeida ging er 1505 nach den indischen Gewässern, focht in Quiloa, kehrte 1508 auf kurze Zeit in die Heimat zurück, betheiligte sich aber im nächsten Jahre schon an der bekannten Expedition nach Malaka, rettete 1510 zwei Schiffe, welche bei den Malediven gestrandet waren, und zeichnete sich derart aus, daß er in demselben Jahre zu dem Kriegsrathe mit herangezogen wurde, welchen Albuquerque berief, um ihn für seinen Plan, Goa anzugreifen, zu gewinnen. Magalhães sprach bei dieser Gelegenheit offen gegen den Plan des Generalcapitäns und verlor dadurch die Gunst desselben, so daß er sich von selbständiger Leitung wichtiger Unternehmungen in Indien ausgeschlossen sah (s. oben S. 165). Während sein Freund Francisco Serrão bis nach den Molukken seine Entdeckungsfahrt ausdehnte, kehrte Magalhães in die Heimat zurück und versuchte sich einen seinen Fähigkeiten angemessenen Platz in Afrika zu erringen. Er nahm daher an den Feldzügen gegen Marokko theil, erhielt aber 1514 eine schwere Verwundung am Bein, in folge deren er zeitlebens hinkte. Da man ihn vollends beschuldigte, sich mit dem Feinde ins Vernehmen gesetzt zu haben, so ging er, ohne von seinem Vorgesetzten Pedro de Sousa Urlaub zu nehmen, nach Lissabon, um sich beim Könige zu beschweren. Dieser aber weigerte sich ihn zu empfangen und befahl ihm, zum Heere nach Azamor zurückzukehren und sich dort zu rechtfertigen. In der nun angestellten Untersuchung erwies sich zwar seine Schuldlosigkeit und wurde er freigesprochen; allein der weitere Kriegsdienst war ihm dadurch so verleidet, daß er seinen Abschied nahm und sich wieder nach Portugal begab. Er erhielt wie alle, welche dem Könige gedient hatten, eine kleine Pension. Das Ansehen seiner gesellschaftlichen Stellung richtete sich nun nach der Höhe des Gnadengehalts. Magalhães glaubte Anspruch auf eine Erhöhung der Pension zu haben und bat um eine monatliche Zulage von einem halben Ducaten; aber auch dieses Gesuch schlug der König ihm ab. So an der Ehre verletzt, in dem Range zurückgesetzt und nach allen Richtungen in seinem Verlangen, sich auszuzeichnen, gehemmt, zog sich Magalhães verstimmt und erbittert vom Hofe zurück und beschäftigte sich mit Kosmographie und Nautik, wozu ihn besonders ein Brief Serrão’s über seine abenteuerliche Fahrt nach den Molukken (s. oben S. 204) anregte; denn es stieg dabei in ihm der Gedanke auf, ob nicht die Gewürzinseln bereits auf der spanischen Erdhälfte lägen, da er die Entfernung derselben von Malaka weit größer angegeben fand, als sie in der That war. In seinem Verkehr mit dem Astronomen Ruy Faleiro reifte so allmählich der Plan, um Südamerika herum den Seeweg nach den Molukken aufzusuchen. In Portugal konnte der Gedanke aber nicht zur Ausführung gelangen, denn der Weg führte über die Demarcationslinie auf die spanische Seite und war ohne die Genehmigung von Seiten Spaniens nicht möglich. Aber Don Manuel war nicht blos dem Plane, sondern auch dem Träger desselben persönlich abgeneigt. Das stolze Bewußtsein seines eignen Werthes und das bittere Gefühl, minder fähigen Männern nachgesetzt zu werden, dazu die Erkenntniß, in seiner Heimat seine Ideen nicht verwirklichen zu können, trieben den nach Thaten dürstenden Mann endlich zu dem Entschluß, sein Vaterland zu verlassen und offen auf seine Nationalität zu verzichten. Er war kein gemeiner Ueberläufer, wie ihn sogar Peter Martyr bezeichnet,[463] sondern trat in aller Form, wie es seinem Stande entsprach, aus dem portugiesischen Unterthanenverbande aus[464] und begab sich mit Ruy Faleiro, der sich in Portugal ebenfalls vergeblich um eine Anstellung beworben hatte, und mit Christoval de Haro nach Spanien. Am 20. October 1517 langte er in Sevilla, dem Mittelpunkte der indischen Unternehmungen und dem Sitze des indischen Amtes an. Dort fand er in dem Hause seines Landsmannes Diogo Barbosa, welcher 1501 unter João da Nova eine Fahrt nach Indien mitgemacht hatte und damals ein hohes Amt in der Stadt (~alcaide del alcaçar de Sevilla~) bekleidete, die freundlichste Aufnahme und wesentliche Förderung seines Planes, namentlich seitdem er die Tochter Barbosa’s, Beatriz, geheirathet hatte. Auch der einflußreiche Factor des indischen Amtes, Juan de Aranda, war bald für die Idee gewonnen und erfaßte den Gedanken, die Molukken zu erreichen und für Spanien zu reclamiren, mit Begeisterung.

Im Anfang des Jahres 1518 begab sich Magalhães mit Faleiro und Aranda an den spanischen Hof nach Valladolid, und wenn auch noch Bedenken tellurischer Art gegen das Unternehmen laut wurden, indem man die berechtigte Frage aufwarf, ob die Natur nicht selbst den Osten und Westen der Erde derart von einander getrennt hätte, daß man zu Wasser nicht aus dem einen Gebiet ins andere kommen könne, so erkannte man doch zu gleicher Zeit die große Bedeutung, welche nach Ueberwindung aller Schwierigkeiten eine erfolgreiche Fahrt für Spanien und seine weiteren Ansprüche haben müsse.[465]

So kam schon am 22. März 1518 ein Vertrag zwischen der Krone Spaniens und Magalhães nebst Faleiro zustande, wonach die Unternehmer sich verpflichteten, sich innerhalb der spanischen Hemisphäre (~dentro de nuestros limites é demarcacion~) zu bewegen, wogegen ihnen das Privilegium ertheilt wurde, innerhalb der nächsten zehn Jahre allein diesen Weg zu befahren, ausgenommen wenn der König selbst Personen auf den Südwest-Weg aussendet. Weiter wurde festgesetzt: Magalhães wird die Route dahin durch eine Meeresstraße im Süden von Amerika suchen und erhält von den Einkünften aus den neuen Inseln ein Zwanzigstel des Reingewinnes. Er erhält für sich und seine Söhne den Titel und Rang eines Adelantado und Gobernador und kann sich bei jeder nach den neuen Regionen entsendeten Expedition mit 1000 Ducaten in Waaren betheiligen. Wenn mehr als sechs Inseln entdeckt werden, bekommt er von zweien derselben, welche er auswählen kann, ein Fünfzehntel des Ertrags. Von dem Reingewinn der ersten Reise wird ihm ein Fünftel überwiesen werden. Fünf Schiffe wird die Regierung ihm zur Verfügung stellen, darunter zwei von je 130 Tonnen, zwei von je 90 Tonnen und eins von 60 Tonnen Gehalt. Dieselben sind auf zwei Jahre mit Proviant versehen für 234 Personen. Magalhães erhält ferner das Recht, auf den Schiffen die höchste Gewalt, auch über Leben und Tod, zu üben, den Capitänen und Mannschaften wird vom König ausdrücklich die Verpflichtung auferlegt, dem Generalcapitän unbedingt zu gehorchen. Als Hauptziel und Hauptaufgabe wird die Erreichung der Gewürzinseln bezeichnet.[466] Ein Fünftel der Kosten der Ausrüstung, nämlich 4000 Ducaten, gab Haro.

Sobald der Inhalt des Vertrags bekannt wurde, suchte man portugiesischer Seits das Unternehmen zu hintertreiben, weil, wenn Magalhães sein Ziel wirklich erreichte, die Frage nach dem berechtigten Eigenthümer der Molukken erhoben werden konnte und ein schwer zu lösender Streit um die werthvollen Inseln daraus entstehen mußte. Vergebens suchte der portugiesische Gesandte Alvaro de Costa auf den König Karl persönlich einzuwirken; in gleicher Weise verhandelte der Factor König Manuels in Sevilla Sebastian Alvarez direct mit Magalhães und machte ihm glänzende Anerbietungen, wenn er in den Dienst seines Vaterlandes zurückkehre. Aber Magalhães beharrte bei seinem Plan und erklärte die Unternehmung, nachdem er sie so weit eingeleitet, für eine Ehrensache. Dann suchte man die ganze Angelegenheit zu verdächtigen und den Mannschaften die Theilnahme zu verleiden, indem man aussprengte, die Schiffe seien so alt und morsch, daß sie kaum bis zu den Canarien kommen würden, man beschuldigte den Leiter sogar des Verraths, denn er habe die Absicht, das ganze Geschwader den Portugiesen in die Hände zu liefern und habe zu dem Zweck viele Matrosen fremder Nation angeworben.[467] Alvarez bemühte sich auch um Ruy Faleiro, meinte dann aber, als er auch bei diesem kein Gehör fand, wenn man nur Magalhães gewönne, würde der Astronom schon folgen. Aber alle diese Bemühungen scheiterten an der Festigkeit des Leiters und der spanischen Regierung, welcher man das Recht einer solchen Expedition auf ihrem Gebiete nicht absprechen konnte. Man erreichte nur, daß die Ausrüstung und Abfertigung des Geschwaders etwas verzögert wurde. Ruy Faleiro trat zurück, da er fühlte, daß ihm nur eine untergeordnete Stelle in der ganzen Unternehmung angewiesen werden könne, dafür schlossen sich Duarte Barbosa, eine Neffe Diogo’s, und der Ritter Antonio Pigafetta aus Vicenza der Expedition an. Den definitiven Befehl, alles zur Abreise vorzubereiten, ertheilte Karl von Barcelona aus am 19. April 1519, aber die Abfahrt selbst erfolgte erst fünf Monate später. Das Geschwader bestand aus folgenden fünf Schiffen:

Trinidad, Commodor Magalhães San Antonio, Capitän Juan de Cartagena Concepcion, „ Gaspar de Quesada Victoria, „ Luis de Mendoza Santiago, „ Juan Serrano.

Am 20. September lichtete Magalhães in San Lucar de Barrameda die Anker. Vor der Abfahrt gab er strengsten Befehl, daß die Schiffe sich nicht trennen sollten. Er selbst werde stets voransegeln. Darum führte er Nachts eine Fackel von Spartgras oder ein Bündel brennenden Holzes, ein sogenanntes Farol am Hintertheil des Hauptschiffes, nach welchem sich die andern zu richten hatten. Wenn er wegen Wind und Wetter den Cours änderte oder langsamer fahren wollte, gab er ein Signal mit zwei Lichtern; mit drei oder vier Lichtern gab er bestimmte Zeichen über die Anzahl der beizusetzenden Segel. Verschiedene Feuer oder ein Kanonenschuß dienten als Warnungszeichen bei Untiefen.

Magalhães steuerte über Teneriffa nach den Capverden, um von hier aus nach der Küste Brasiliens hinüberzugehen. Daß er sich anfangs ganz in der Nähe der afrikanischen Küste hielt, veranlaßte bereits Differenzen mit seinen Capitänen, von denen besonders Cartagena als zweiter Befehlshaber (~veedor general de la armada~) den Anspruch erhob, bei der einzuschlagenden Coursrichtung um seine Meinung gefragt zu werden. Magalhães wies ihn gebührend zurück, indem er sich darauf berief, daß nach dem Willen des Königs er selbst allein den Oberbefehl führe und alle ohne Ausnahme ihm zu gehorchen hätten. In den Windstillen an der Küste von Guinea begrüßte ihn dann Cartagena mit dem einfachen Titel „Capitän“, wogegen Magalhães die Anrede „Generalcapitän“ verlangte. Cartagena gab darauf eine verletzende Antwort und grüßte die folgenden drei Tage gar nicht. Versteckte Angriffe auf seine Autorität duldete Magalhães nicht, er berief die Capitäne zusammen, ließ Cartagena verhaften und absetzen und ernannte an seiner Stelle den Antonio de Coca zum Befehlshaber des Schiffes.[468] Dann ging das Geschwader unter veränderlichen und widrigen Winden nach dem Cap Augustin hinüber und segelte an der brasilianischen Küste bis zur Bucht von Rio de Janeiro, wo es vom 13. bis 26. December blieb, um Lebensmittel einzutauschen und Wasser einzunehmen, zugleich aber auch um die innere Bucht genau zu untersuchen, ob nicht hier schon sich eine Straße nach dem westlichen Meere öffne. Als man sich überzeugt hatte, daß bei Rio kein Durchgang existire, steuerte man an der Küste weiter und erreichte am 10. Januar 1520 bei Cap Sa. Maria das Aestuar des Laplatastroms. Ein Hügel an der Küste, der die Gestalt eines Hutes hatte, erhielt den Namen Monte Vidi (Montevideo).[469] Daß Dias de Solis bis hieher vorgedrungen, war bekannt; aber die weite Bucht des Laplata gab wieder die Möglichkeit, eine Straße zu finden. Das Schiff Santiago wurde abgeschickt die Bai zu untersuchen, während die übrigen Fahrzeuge vor Anker gingen, kehrte aber nach 15 Tagen mit der Nachricht zurück, daß zwar mehrere große Ströme einmündeten, aber eine Straße nicht vorhanden sei. So brach denn die Flotille in den ersten Tagen des Februar nach dem noch völlig unbekannten Süden auf. Die niedrige patagonische Küstenterrasse bildet auf der Ostseite mehrere bedeutende Einbuchtungen, wie den Golf von S. Matias oder S. Antonio, und den Golf S. Jorge, hinter denen man einen Eingang in die gesuchte Straße vermuthen konnte. Es war also nöthig, mit steter Wachsamkeit den Verlauf des Gestades zu prüfen und allen Bewegungen der Küstenlinie nachzugehen, um die Passage, welche ganz versteckt liegen sollte, nicht zu übersehen. Dadurch verlor Magalhães noch die letzten Wochen des scheidenden antarktischen Sommers und sah sich schließlich genöthigt, an der südlichen patagonischen Küste zu überwintern.