Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Part 52
Die Bewaffnung aller fünf Figuren ist lediglich die Lanze, an den Schäften mit großen kreuzförmigen Aufsätzen versehen, welche vielleicht als streitkolbenartige schwere Keulen zu betrachten sind. Als Schutzwaffen tragen die Krieger hohe, spitze, unter dem Kinn mit Bändern befestigte Helme mit einem halbmondförmigen aufgesetzten Zierrath und einem über den Nacken herabhängenden Tuche. Einen Schild führt nur die äußerste Figur rechts. Mit Ausnahme des mittleren tragen die Krieger alle große Taschen. Die Körperbekleidung besteht aus einem bis fast auf die Knie herabfallenden Untergewand mit verziertem Rande und darüber eine bis zur Hüfte reichende Jacke aus verschiedenartig ornamentirtem Gewebe. Die Gewänder sind ganz in der Form des Ponchos der heutigen Südamerikaner gearbeitet und lassen die Arme unbekleidet. Auch die Beine sind nackt, auf unserem Vasenbilde aber, wie auch die Gesichter und Hände, bemalt. Die mittlere Figur trägt einen Nasenring, die beiden neben ihr ansehnliche Pflöcke in den Ohren. Vier von den Kriegern haben auf der linken Schulter eine Schleife, der fünfte trägt den Kopf eines phantastischen Thieres als Helmschmuck. Die Gesichter sind von dem charakteristischen Indianer-Typus. -- Die Form des Gefäßes ist durchaus ungewöhnlich und deshalb auf der Tafel „Altperuanische Geräthschaften“ mit abgebildet (s. d.). Das Gefäß befindet sich in Privatbesitz zu Lima und soll aus der Gegend von Trujillo stammen.]
Nach einem Marsche von sieben Tagen langte Pizarro in dem wohlangebauten Thale von Cajamarca an, welches sich bei einer Höhenlage von 2860 Meter eines angenehmen, kühlen Klimas erfreut. Fruchtbare Ackerfelder und blühende Gärten zogen sich das Thal entlang. In der Ferne sah man die Dampfsäulen der warmen Bäder von Pultamarca, Schwefelquellen von 55° R., aufsteigen, welche noch heute den Namen der Inkabäder führen und wo Atahuallpa zu baden pflegte. Am Bergabhange davor breitete sich die Zeltstadt des peruanischen Lagers, welches 40,000 Mann zählte, aus. Pizarro zog in die kleine, menschenleere Stadt ein, welche mit einer festen und hohen Mauer umschlossen war, und besetzte am 15. November den Marktplatz. Dann untersuchte er die Verhältnisse der Stadt, um eine feste Stellung für sein Lager zu ermitteln, damit er nicht unerwartet überfallen werden könnte. Soto, welcher schon vorher einen kühnen Kundschafterritt ausgeführt hatte, ritt darauf mit 20 andern Reitern als Gesandtschaft in das Lager des Inka hinüber und jagte die letzte Strecke bis an den Bach, welcher sie noch vom Lagerplatze trennte, im Galopp vor, um seine Reiterkünste zu zeigen und die Indianer durch die Erscheinung der schnaubenden Rosse zu erschrecken. Der Inka befand sich im Hofe des Palastes, von seinem Gefolge umgeben. Von einem Thronsessel aus sah er hinter einem zarten durchsichtigen Schleier, den zwei Frauen vor ihm hielten, damit er nach Landessitte nicht von jedem unberufenen Auge beobachtet werde, die Spanier sich nähern. Als Soto heransprengte, befahl Atahuallpa den Schleier zu senken.[441] Dann trat Hernando Pizarro vor und hielt durch den Mund des Dolmetschers eine Ansprache an den König, worin er sich als Abgesandten eines mächtigen Monarchen bezeichnete und sich erbot, die Peruaner im wahren Glauben zu unterrichten.
Der Inka schwieg auf diese Worte, nur einer seiner ersten Beamten erwiderte: „Es ist gut.“ Pizarro begann von neuem und bat den Fürsten, die Spanier in ihrem Lager zu besuchen. Atahuallpa sagte für den nächsten Tag, nach Beendigung der Fastenzeit, den Besuch zu. Inzwischen möchten die Spanier sich in den Staatsgebäuden von Cajamarca einrichten. Dann verabschiedete er die fremden Gäste.
Die glänzende Erscheinung des Inka mit seinem Hofstaat, die fast göttliche Verehrung, die seine Umgebung dem Herrscher zollte, der Eindruck der Machtfülle und unumschränkten Gewalt über bedeutende Heereskräfte, die den Spaniern bei dieser Audienz fühlbar wurden -- alles das ließ die Absichten derselben höchst gewagt erscheinen. Man konnte sich unmöglich auf einen vorbereiteten, regelrechten Kampf mit dem peruanischen Heere einlassen, welches die kleine Schar der verwegenen Abenteurer mühelos schien erdrücken zu können. Das einzige Mittel, sich der höchsten Gewalt zu bemächtigen und den Widerstand zu lähmen, schien sich in der unerwarteten Gefangennehmung des Inka zu bieten. Und zu diesem Handstreich erklärte sich auf Pizarro’s Vorschlag der zusammenberufene Rath seiner Officiere bereit. Am nächsten Abend erschien Atahuallpa, von Edelleuten auf einem Sessel getragen, mit großem Gefolge und 5000 Mann erlesener Truppen vor der Stadt, wo er sein Lager aufschlagen wollte. Auf die Einladung Pizarro’s, daß alles zu seinem Empfang bereit sei, rückte er arglos und auf seine Macht vertrauend bis auf den großen Platz von Cajamarca. Kein Spanier war zu sehen, man wollte den Muth der Indianer nicht durch den Anblick der kleinen Anzahl der Fremdlinge steigern. Aber im Geheimen war jeder auf den Schlag vorbereitet und in Waffen, die Pferde standen gesattelt in den Höfen; die beiden Feldgeschütze waren auf den Platz gerichtet. Zwanzig entschlossene Soldaten hatten den Auftrag, den Inka im Auge zu behalten und sich seiner Person zu bemächtigen.
Als der Inka auf dem Platze hielt, trat zuerst der Dominicaner Vincente de Valverde (später Bischof von Cuzco) mit Kreuz und Brevier hervor und trug in kurzen Worten dem Könige den Inhalt der christlichen Glaubenslehre vor, von der Schöpfung und dem Sündenfall bis auf Christus, welcher alle Macht auf Erden seinem Apostel Petrus und dessen Nachfolgern, den Päpsten übergeben habe. Der Papst in Rom habe alle Länder unter die christlichen Fürsten vertheilt und dem Könige Karl die neue Welt überwiesen, damit alle Völker zum christlichen Glauben bekehrt und getauft würden. Atahuallpa verstand, daß in diesen letzten Aeußerungen ein bestimmter Angriff auf seine Hoheitsrechte enthalten sei und erklärte ruhig: Er wisse von Christus und Sanct Peter nichts, die Sonne gelte als höchste Gottheit, und er habe sein Land von seinen Vätern ererbt. Als der Geistliche darauf erwiderte: alles, was er gesagt, sei in der Heiligen Schrift von Gott selbst verkündet, nahm der Inka das Buch, blätterte darin und warf es mit den Worten: „Das Buch sagt nichts“, verächtlich auf den Boden. Ob, durch diese Schändung des göttlichen Wortes empört, der Geistliche die Spanier mit dem Rufe: „Auf sie!“ zum Losbrechen ermuntert und ihnen für den Verrath sogar Absolution ertheilt habe, ist nicht sicher festzustellen, da die Augenzeugen und ältesten Geschichtsschreiber über den raschen Verlauf des Gesprächs verschieden berichten. Doch gab Pizarro, da der Ueberfall geplant war, unmittelbar darauf das Signal zum Angriff, welcher durch die verächtliche Behandlung des Priesters und der Heiligen Schrift am einfachsten sich entschuldigen ließ. So wie die Trompeten erklangen und die Geschütze von der Festung erdröhnten, brachen die Spanier, Fußvolk und Reiter, aus dem Versteck hervor und fielen über die Indianer her. Ein heftiger Kampf entbrannte um den Inka, welcher von seinem Sessel zu Boden gestürzt und gefangen genommen wurde. 2000 Peruaner wurden auf dem Platze niedergehauen, die übrigen flüchteten.
Am nächsten Tage wurde das große Heer des Königs ohne Mühe zerstreut, da sie keinen Widerstand leisteten; viele Vornehme wurden zu Gefangenen gemacht und die Inkabäder geplündert. Dann schickte Pizarro Eilboten nach San Miguel, um Verstärkungen heranzuziehen, denn ohne dieselben wagte er doch nicht gegen die Hauptstadt aufzubrechen. Um seine Freiheit wieder zu erlangen und um zu verhindern, daß nicht Huascar von den Spaniern wieder auf den Thron gehoben würde, erbot sich Atahuallpa zu einem hohen Lösegelde. Er wollte das Zimmer, in welchem er gefangen gehalten wurde -- dasselbe war 22 Fuß lang und 17 Fuß breit -- mit Gold füllen lassen, so hoch ein Mann mit der Hand reichen könne. Pizarro nahm dieses Gebot begierig an, der weiße Strich wurde 9 Fuß hoch an der Wand ringsum gezogen. Der Inka verlangte zur Erfüllung seines Versprechens eine Frist von zwei Monaten.
Die Schätze der Sonnentempel von Cuzco, Huaylas (9° s. Br.), Huamachuco (östlich von Trujillo) und Pachacamac (südöstlich von Lima) wurden zu dem Zwecke herbeigetragen. Der Inka wurde indessen bewacht, aber nicht gefesselt, er war von seinem Gefolge umgeben und bedient und konnte mit dem Volke verkehren. Er erfuhr, daß sein Bruder Huascar sich ebenfalls an Pizarro gewendet, und daß dieser eine Zusammenkunft mit demselben beabsichtigte, um dessen Ansprüche kennen zu lernen und danach den Thronstreit zu entscheiden. Da gab Atahuallpa den Befehl, seinen Bruder zu beseitigen. Derselbe wurde entweder im Fluß von Andramarca ertränkt oder erst erdrosselt und der Leichnam dann ins Wasser geworfen. Wenn nun auch der gefangene Inka die Schuld an dem Brudermorde ableugnete, so wurde ihm derselbe doch zur Last gelegt und bildete ein wichtiges Motiv für seine spätere Hinrichtung.
Der Widerstand des Volks war vorläufig ganz gebrochen, so daß die Spanier ohne Schwierigkeit das Land bereisen konnten. So zog Hernando Pizarro mit Fußvolk und Reitern nach dem Tempel von Pachacamac. Der Marsch ging anfangs auf der Reichsstraße und dann von Pachicoto ab nach der Küste hinunter. Das Fußvolk setzte auf Balsas über die Flüsse, die Pferde schwammen hinüber. Die Indianer waren ihnen dabei behülflich. Dann marschirten sie weiter über die Stätte von Ancon und von dem später erbauten Lima, überall gastlich aufgenommen, bis sie im Februar 1533 nach Pachacamac[442] kamen, wo Pizarro mit Gewalt in den Tempel drang, das Götzenbild zerstörte und ein Kreuz an seine Stelle setzte. Dann ging Hernando Pizarro im Anfang März auf demselben Wege bis Huara zurück, wandte sich von hier ins Innere, erreichte in Cajatambo die große Straße und marschirte über Tarma nach Janja (östlich von Lima), wo damals Chalcuchima mit ansehnlicher Truppenmacht stand. Dem Beispiel seines Bruders folgend, faßte er den Plan, den peruanischen Feldherrn inmitten seines Heeres gefangen zu nehmen und gab dazu den beiden Hauptleuten Soto und Pedro del Barco den Befehl; aber der Peruaner ging freiwillig mit nach Cajamarca.
Noch weiter nach Süden drangen die beiden Spanier Martin Bueno und Pedro Martin de Moguer, die mit Geleitsbriefen des Inka und unter der Führung eines peruanischen Edelmanns, von indianischen Trägern auf das bequemste befördert, nach Cuzco reisten. Nach ihrer Rückkehr, im Sommer 1533, berichteten sie von dem buchstäblich mit Goldplatten belegten Sonnentempel, einem quadratischen Gebäude, dessen Seiten je 350 Schritt lang waren. Siebenhundert Goldplatten, dazu Gefäße und Schmuck in den verschiedensten Formen nahmen die Spanier mit sich fort und erschienen, indem sie auch auf dem Rückweg die zum Lösegeld für den gefangenen Fürsten dienende Beute noch vermehrten, endlich mit 200 Ladungen Gold, 25 Ladungen Silber und 60 Ladungen geringeren Goldes in Cajamarca. Hier wurde der unermeßliche Schatz, wie er bisher in den neuen Ländern noch nicht gesehen war, getheilt, der königliche Antheil (ein Fünftel), darunter die kostbarsten Goldarbeiten, ausgesondert und durch Hernando Pizarro persönlich nach Spanien überbracht. Der königliche Quint betrug 262,259 Pesos in Gold und 10,121 Mark Silber. Jeder Reiter erhielt 8880 Pesos in Gold und 262 Mark Silber.[443] Etwa fünf Wochen nach der Gefangennahme Atahuallpa’s kamen Boten von San Miguel mit der erfreulichen Meldung an Pizarro, daß sechs Schiffe mit Mannschaften angelangt seien und zwar drei große Schiffe unter Almagro und Ruiz mit 120 Mann und drei kleine Caravelen von Nicaragua mit 30 Mann und dazu mit 84 Pferden. Am Abend vor Ostern, am 14. April 1533, rückten diese Truppen, welche die Macht Pizarro’s verdoppelten, unter der Führung Almagro’s in Cajamarca ein. Der Inka forderte nun, nachdem das Lösegeld gezahlt und angenommen war, seine Freiheit; aber Pizarro gab sie nicht, angeblich, weil allerlei dunkle Gerüchte von Erhebungen und Heeresansammlungen der peruanischen Partei einliefen. De Soto wurde auf Kundschaft ausgeschickt, fand aber das ganze Volk ruhig. Trotzdem sollte Atahuallpa als Verräther gerichtet werden. Umsonst protestirten Soto und zwölf andere Spanier gegen die Verurtheilung des Inka, nur der König von Spanien könne über einen Fürsten zu Gericht sitzen, alles Gerede von Aufständen der Indianer sei falsch und grundlos. Trotzdem setzte Pizarro das Bluturtheil durch. Am 29. August 1533 wurde Atahuallpa gefesselt auf den Marktplatz geführt, um als Thronräuber, Brudermörder, Gotteslästerer verbrannt zu werden. Da er sich vorher zur Annahme der Taufe bequemte, wurde er zum Erdrosseln begnadigt und dann auf dem Friedhofe der Stadt beerdigt. Dieser Schandfleck in der Geschichte der Eroberung Peru’s, der sich nur aus der unersättlichen Goldgier erklären läßt, bildete den Anfang des großen Räuberdramas, in welchem alle Hauptpersonen gewaltsam ums Leben kamen. Atahuallpa war ein schöner stattlicher Mann; aber aus seinen feurigen Augen leuchtete eine Wildheit, vor welcher die Seinen erbebten. Als der Häuptling von Guailas ihn in seiner Gefangenschaft besuchte, um ihm Geschenke darzubringen, zitterte derselbe, wie Pedro Pizarro berichtet, der dabei stand, am ganzen Leib so gewaltig, daß er sich kaum auf den Beinen halten konnte. Der Inka hob den Kopf ein wenig, lächelte und gab dem Häuptling ein Zeichen, daß er sich entfernen könne. „Ich habe in ganz Peru,“ schließt Pizarro seine Schilderung des Fürsten, „keinen Indianer gesehen, der dem Atahuallpa an Wildheit und Ansehen gleich käme.“[444]
Francisco Pizarro ernannte nun einen Nachfolger des Inka in der Person des Toparca (oder Tubalipa), eines Bruders des Huascar, um in dessen Namen bequemer die Indianer beherrschen zu können; aber derselbe starb schon nach einigen Monaten, vielleicht, wie von einem Historiker berichtet wird, von Chalcuchima vergiftet.
Im September brach Pizarro mit einem Heere von 500 Mann nach Cuzco auf. Die nach dem Tode Atahuallpa’s unruhig gewordenen Peruaner hatten die Dörfer an der Straße verbrannt, die Brücken zerstört und schienen entschlossen, den fremden Eindringlingen den Weg zu ihrer Hauptstadt versperren zu wollen. Soto ging wieder mit 60 Reitern voraus, wurde aber in einem Gebirgspasse in einen ungleichen Kampf verwickelt, aus welchem ihn der nacheilende Almagro befreien mußte. Der Feldherr Chalcuchima, den man des Einverständnisses mit den Feinden beschuldigte, wurde vor Cuzco verbrannt. Dann hielt Pizarro im November seinen Einzug in die Hauptstadt, welche damals 200,000 Einwohner zählte und viele herrliche Gebäude umfaßte. Indes wurden die alten Paläste und Tempel bald zerstört und aus ihren Trümmern neue Gebäude in europäischer Art aufgeführt. Auf den Grundmauern des Tempels der Sonnenjungfrauen steht jetzt das Kloster Santa Catalina. Was sich an Gold und Edelsteinen noch vorfand, wurde unter die Eroberer getheilt, selbst die Inkamumien wurden ihres Schmuckes und ihrer Juwelen beraubt.
Ein neuer Inka aus königlichem Stamme, Namens Manco, wurde gewählt und erhielt die königliche Kopfbinde aus der Hand Pizarro’s, er erkannte damit die Oberherrlichkeit Spaniens an. Manche der Gefährten Pizarro’s ließen sich in Cuzco nieder und wurden mit Häusern und Staatsländereien beschenkt.
Während Pizarro sich in Cuzco aufhielt, hatte sich im Norden ein Rivale eingefunden, +Pedro de Alvarado+, der Eroberer Guatemala’s, welcher, nachdem er von den Erfolgen Pizarro’s gehört, das Königreich Quito zu erobern beschloß in dem Glauben, dasselbe gehöre nicht zum peruanischen Staate, also auch nicht zu dem Pizarro überwiesenen Bereiche. Eine nach den Molukken bestimmte Flotte brachte ihn im März 1534 mit 500 Mann nach der Bucht von Caracas, westlich von Quito. Von der Küste marschirte er über die beschneiten Hochpässe, verlor aber dabei viel Mannschaft, ehe er Riobamba erreichte. Hier mußte er leider aus deutlich sichtbaren Pferdespuren schließen, daß ihm ein anderer Spanier in der Besetzung des Landes zuvorgekommen war. Es war +Benalcazar+, welchen Pizarro zum Commandanten von San Miguel eingesetzt hatte. Als man ihm von den vermeintlichen Schätzen Quito’s erzählte, brach er auf eigne Verantwortung mit 140 Mann dahin auf und erreichte, weil er bequemere Wege fand als Alvarado, auf der Straße über Riobamba eher das Ziel.
Unterdessen war aber die Kunde von dem Einbruche Alvarado’s auch nach Cuzco gedrungen, und Almagro machte sich sofort mit Truppen auf den Marsch, um den Eindringling zurückzuweisen. Nachdem er sich mit Benalcazar vereinigt hatte, stellte er sich bei Riobamba dem Statthalter von Guatemala entgegen, welcher sich, um dem unerwarteten Kampfe auszuweichen, zu einem Vertrage herbeiließ, für eine Summe von 100,000 Pesos Flotte und Heer sammt allen Vorräthen und Kriegsmaterial seinen Gegnern überließ und nach Guatemala zurückkehrte, während seine Truppen bereitwillig unter die Fahnen Almagro’s traten.
Im Januar 1535 gründete Pizarro die neue Hauptstadt Ciudad de los Reyes (heilige Dreikönigsstadt, nach dem Tage der Gründung) am Ufer des Rimac; aber sie wurde bald allgemein Lima (verstümmelt aus Rimac) genannt.
31. Almagro’s Zug nach Chile und sein Tod.
Nachdem das Hauptland von Peru bezwungen worden war, beschloß Almagro auch die südlichen Länder zu unterwerfen. Es war der schwerste und kühnste Heereszug, welcher je durch die Wüsteneien der südamerikanischen Hochgebirge ausgeführt wurde. Zwei indianische Edelleute, der Bruder des Inka, Paulo Topa, und der Oberpriester Vilehoma, wurden in Begleitung dreier Spanier vorausgesendet, um den Weg zu zeigen, die Indianer über die Absichten des Zuges zu beruhigen und Quartiere zu schaffen. Dann brach Almagro am 3. Juli 1535 von Cuzco auf[445] und zog durch das Gebiet der Conchas, nordwestlich vom Titicacasee, und am westlichen Ufer des Gebirgssees durch die Landschaft Collao, ging dann auf der Ostseite des Aullagassees südöstlich über das Hochland von Potosi nach Tupiza, an der Südgrenze Boliviens, wo er, nachdem er bereits einen Marsch von wenigstens 200 Meilen gemacht hatte, seinen Truppen zwei Monate Rast gönnte. Während des Aufenthaltes entfloh der Oberpriester Vilehoma sammt seinem Gefolge bei Nacht und kehrte nach dem Norden, nach der Landschaft Collao zurück.
Almagro stand hier an der Grenze des Inkareiches, weiter hinaus hatte er unabhängige Bergstämme vor sich, durch deren Gebiet er sich mit Gewalt den Weg bahnen mußte. Es standen ihm, um nach Chile zu gelangen, dessen Schätze ihn lockten, zwei in gleichem Maße schwierige Wege offen. Entweder mußte er von Tupiza aus sich westwärts über die unwirthlichen Einöden und den Hauptkamm der Anden übersteigend nach der Küste wenden und die wasserlose Atacamawüste durchschneiden, oder den mühsamen Gebirgsmarsch nach Süden fortsetzen und ausgedehnte Schneeregionen durchziehen, wo für die Mannschaften weder Vieh noch Getreide zu beschaffen war. Almagro wählte den letzteren Weg, weil er kürzer schien. Da von den Eingeborenen in Jujuy drei Spanier, welche vorausgeschickt waren, getödtet worden, so wurde der Capitän Salcedo mit 50 Reitern und Fußgängern ausgesandt, die Indianer zu züchtigen. Diese hatten sich in eine Festung zurückgezogen, welche Salcedo erst anzugreifen wagte, als ihm Francisco de Chaves Unterstützung brachte. Darauf flohen die Indianer ins Gebirge und ließen den Paß frei. Nun rückte das Heer weiter durch Jujuy in die Landschaft Chicoana, südlich von der modernen Stadt Salta. Das fruchtbare Thal war verödet, wilde Bergstämme waren von Norden her eingebrochen, hatten die Kulturen zerstört und die Ortschaften in Trümmerhaufen verwandelt. Doch gelang es Almagro noch, seine Truppen mit einigen Vorräthen von Vieh und Mais zu versorgen; allein beim Uebergang über einen reißenden Bergstrom ging ein großer Theil der Thiere verloren, ein empfindlicher Verlust, der nicht wieder ersetzt werden konnte, wenn auch hie und da in den Hochthälern noch einige wenige kleine Ortschaften angetroffen wurden. Von Chicoana (Salta) ging der Zug in südwestlicher Richtung über das Campo del Arenal westlich von der Sierra Aconquija durch das Thal von Arroyo nach dem Hauptrücken der nördlichen chilenischen Anden, um diese zu übersteigen. Hier stand den Truppen noch die schwerste Arbeit bevor. Als sie aus einer Gebirgsschlucht (Quebrada) heraustraten, sahen sie hohe, schneebedeckte Gebirge in unabsehlicher Ausdehnung vor sich. Nachdem sie eine Zeit lang daran hingezogen, sahen sie sich genöthigt, dieselben zu übersteigen, ohne ihre Breite zu kennen. Aber muthig wagten sie sich hinein, mit den Elementen und mit dem Hunger kämpfend, mit wenig Lebensmitteln, mit Waffen und allerlei Geräth, um Brücken oder Flöße zu bauen, beladen.
Almagro zog mit 20 Reitern vorauf, um Wege und Pässe ausfindig zu machen, und womöglich dem nachfolgenden Heere Lebensmittel zu schaffen. Sieben Tage lang ging’s über Salzboden und wieder über beschneite Pässe, wo die Augen von dem blendenden Schnee entzündet wurden. Sturm und Kälte erschwerte jeden Tritt. Am dritten Tage der schwersten Leiden öffnete sich gegen Osten das Thal von Copiapo, wo Almagro’s kleine Schar sich erholen und den nachfolgenden Truppen Lebensmittel entgegensenden konnte. Ohne diese Hilfe wäre das ganze Heer in den schrecklichen Wüsteneien umgekommen. Die indianischen Lastträger, welche den Zug mitmachen mußten, litten noch mehr als die Spanier.[446] Manche sanken vor Erschöpfung nieder; die Luft war so kalt, daß man kaum athmen konnte. Dazu nachts kein Feuer, um sich zu erwärmen, kein Schutz vor den rasenden Winden, keine ausreichende Nahrung, um den Körper widerstandsfähiger zu machen. Der Hunger war so arg, daß die lebenden Indianer das Fleisch ihrer gefallenen Kameraden verzehrten und die Spanier mit Begier das sonst verschmähte Fleisch gefallener Pferde unter sich theilten. Das Heer verlor bei diesem Uebergange 150 Mann und 30 Pferde. Erst im Thal von Copiapo konnten die Soldaten bei längerer Rast sich erholen und stärken. Rodrigo Orgoñez, welcher dem Almagro später von Cuzco her neue Truppen zuführte und denselben Weg über die Anden einschlug, hatte noch mehr Verluste als der Adelantado. Die Schneemassen begruben manchen Mann und manches Roß. Dann marschirte Almagro im chilenischen Küstenlande weiter nach Süden, nach Coquimbo. Hier traf er unerwartet einen Spanier, welcher, vor einer angedrohten Strafe flüchtig, aus Peru 600 Meilen weit nach Chile gelaufen war, ohne Schaden zu erleiden. (Oviedo, ~historia~ 47, 4). Von Coquimbo aus ließ Almagro dann das Land im Süden bis zum Rio Maule (35° s. Br.) erforschen und trat dann, da die erträumten Schätze sich nirgends zeigen wollten, enttäuscht den Rückweg an. Um das Heer nicht noch einmal den Gefahren des Hochgebirgs auszusetzen, wählte er diesmal den Küstenweg, welchen ihm die Indianer in Jujuy bereits empfohlen hatten. Zwar mußte er hier die Atacama passiren und verlor durch Mangel an Wasser und Futter mehr als 30 Pferde, aber keinen Mann. Sein Heer war in kleine Abtheilungen vertheilt, Almagro bildete mit seinem Gefolge den Schluß. So überwand er glücklich diese Wüste und stieg dann von Arequipa nach dem Hochland von Cuzco hinauf, wo er im Frühling 1537 wieder anlangte. Es war ein überaus verwegener, aber erfolgloser Entdeckungszug gewesen.