Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Part 51

Chapter 513,170 wordsPublic domain

21. Gefäß aus röthlichem Thone. Die Oberfläche ist mit einer dünnen Lage gelblichen Thones überzogen und darauf die Verzierungen in violetter Farbe aufgetragen; 25½ ~cm~ hoch.

22. Gesichtsurne. Fast kugelrundes Gefäß, auf welches als Hals ein menschlicher Kopf aufgesetzt ist, dessen Gesicht einen lachenden Ausdruck hat und von roh gearbeiteten, als Henkel dienenden Armen gestützt wird; 18 ~cm~ Durchmesser.

23. Thongefäß mit Abbildungen altperuanischer Krieger (+nicht+ aus Ancon, sondern aus der Gegend von Trujillo); in Besitz des ~Dr.~ Macedo in Lima. Eine der vollkommensten Leistungen altperuanischer Keramik. Höhe vom Becken bis zum Helmschmuck der Deckelfigur 28 ~cm~.

In keinem Lande der neuen Welt haben die spanischen Eroberer die alte Kultur in so rücksichtsloser Weise von dem Erdboden vertilgt, wie in Peru. Fast nur dasjenige, was die Altperuaner zu ihren Todten unter die Erde gebettet haben, ist uns erhalten, um uns von den gewerblichen Leistungen und dem Kulturgrade derselben Zeugniß zu geben. Aber das Kostbarste ist auch hier schon längst durch die habgierigen Hände der nach Schätzen suchenden und grabenden Conquistadoren vernichtet. Die Mumien der Könige, welche im Sonnentempel zu Cuzco auf goldenen Stühlen saßen, sind ihres Schmucks beraubt und zerstört, die steinernen Erbbegräbnisse der Vornehmen, deren Leichen ebenfalls balsamirt waren, sind erbrochen und ausgeplündert. Um so willkommner ist die in vierteljähriger Arbeit durchgeführte Aufdeckung des Todtenfeldes von Ancon durch Reiß und Stübel, welche uns am besten das bürgerliche Leben in alter Zeit vergegenwärtigt. Wenn der spanische Historiker Gomara uns berichtet, daß schon in dem ersten Decennium nach der Eroberung gegen anderthalb Millionen Indianer ums Leben gekommen seien, dann darf man wohl mit Recht auf eine früher viel dichtere Bevölkerung des Landes schließen. Darauf weist auch die ausgedehnte Nekropole von Ancon hin, welche ein Quadratkilometer Flächenraum an dem völlig öden Strande besetzt und trotz dieser Ausdehnung -- sie war mit einer Steinmauer abgeschlossen -- auch außerhalb dieser Umfriedigung stundenweit noch von Grabreihen umgeben war. In den bis zu sechs Meter tiefen Grabstätten waren bisweilen mehrere Todte in eine gemeinschaftliche Gruft gebettet. Der Leichnam wurde in hockender oder kauernder Lage eng zusammengeschnürt und in einen Sack von grobem Webstoff fest eingenäht, die Vornehmen waren in farbenprächtige Gewandstücke oder Tücher und Decken eingehüllt, welche von der Kunst und dem Geschmack der Bewohner zeugen und ihre Leistungen weit über den Begriff einfacher Naturvölker erheben. Allerlei Hausrath, wie er täglich in Gebrauch kam, wurde den Todten mitgegeben, seien es Waffen, Hals- und Arm-Schmuck, verzierte und bemalte Thongefäße, oder seien es die verschiedensten zum Spinnen und Weben erforderlichen Geräthschaften und Stoffe, wie buntfarbige Spindeln und gesponnene Wolle oder Baumwolle oder endlich allerlei Kinderspielzeuge; alles dieses läßt uns die Anschauung und Begabung des alten Inkavolkes erkennen; und um so tiefer ist es zu beklagen, daß diese vielversprechenden Keime einer höheren Gesittung in schonungsloser Weise zertreten wurden.

29. Pizarro versucht bis zum Lande der Inkas vorzudringen.

+Francisco Pizarro+, welcher wie (S. 424) erwähnt ist, die Pläne Andagoya’s aufnahm, suchte, da es ihm selbst an Mitteln fehlte, Genossen, welche ihn einerseits durch Geldmittel, andererseits durch ihren kräftigen Arm unterstützten. Erstere fand er durch Vermittlung eines klugen und gewandten Geistlichen, +Fernando de Luque+ in Panama, welcher ihm auch die Bewilligung des Statthalters für seine Pläne erwirkte, letzteren bot ihm +Diego de Almagro+, ein Mann von dunkler Herkunft, der als Kind an einer Kirchenthür ausgesetzt gefunden worden sein soll.[437] In der Heimat hatte er nichts zu erwarten, in der neuen Welt hoffte er sich eine Stellung zu erringen. Er war ein vortrefflicher Soldat und ein so ausgezeichneter Fußgänger, daß er im dichtesten Bergwalde die Spur eines Indianers verfolgen und denselben einholen konnte, wenn derselbe auch eine Meile Vorsprung hatte.[438] Tapfer und graden Herzens war er ein Feind aller Schleichwege und Intriguen, doch wußte er seine Leidenschaftlichkeit nicht immer zu beherrschen. Pizarro rüstete zwei Schiffe zu 40 und 70 Tonnen Gehalt nebst einer kleinen Brigantine aus, und Almagro warb als Mannschaft 112 Spanier. Es war die Verabredung getroffen, daß Pizarro vorausgehen und Almagro ihm folgen solle, während de Luque durch sein Amt an der Kirche (~clerigo presbitero, vicario de la santa iglesia~) in Panama zurückgehalten wurde und von hier aus die Unternehmung zu fördern hatte.

Altperuanische Mumien, aus dem Todtenfelde zu Ancon.

1. =Mit einem reichen Prachtgewande bekleidete Mumie.= Allem Anscheine nach ist dies die Mumie eines in hohem Range Verstorbenen, denn sie zeichnet sich durch die Bestattung selbst, wie auch durch die reiche Bekleidung des Mumienballens aus. Der letztere enthält nämlich nicht, wie sonst, den vollständigen Körper, sondern nur die zu einem Bündelchen zusammengeschnürten Knochen desselben. Der Mumienballen, dessen +Vorder+ansicht unsere Abbildung zeigt, ist mit grobem Baumwollenzeug überspannt und seine Form ist so, daß sie dem darüber gezogenen Prachtgewand völlig entspricht. Dasselbe ist von seinem Wollenstoff und in zwei Stücken gewebt; die Farbe der beiden breiten helleren Streifen ist goldgelb, das übrige purpurroth. Die Streifen sind mit vielen Figuren, die ein farbenprächtiges Muster bilden, reich verziert. Der Kopf ist imitirt und mit einem blau-, roth- und goldfarbigen Tuche umwunden. Unter letzterem befindet sich eine Tendema (s. Abbildung dieser Kopfbedeckung auf der Tafel „Altperuanische Geräthschaften“). Unter derselben dringen die langen, in viele Zöpfe geflochtenen Haare einer dem falschen Kopfe aufgesetzten Perrücke hervor. Diese Mumie befand sich in einem Grabe mit noch zwei anderen, aber ärmlich ausgestatteten und umgeben von mancherlei Geräthen, von denen ein Arbeitskörbchen auf unserer Abbildung sichtbar ist. Die größte Breite dieser Mumie ist 1 Meter; ihre größte Höhe 76 Centimeter.

2. =Seitenansicht einer Mumie in gewöhnlicher Ausstattung.= Die mehrfache Umhüllung birgt die Leiche eines Erwachsenen in hockender Stellung und auf deren Kopfe ein kleines mit Tüchern umwickeltes Kind. Der hier als Kopf sichtbare Aufsatz umschließt nicht den wirklichen Kopf, sondern ist ein Gebilde aus Kissen, einer Perrücke und einer rohen roth bemalten Gesichtsform. Der Mumienballen ist mit Stricken fest umwunden: die vier starken aus Riedgras geflochtenen Seile haben zum vorsichtigen Versenken der Mumie gedient. Größte Höhe 142 Centimeter; Schulterbreite 1 Meter, Umfang 280 Centimeter.

3. =Durchschnitt einer einfachen Mumie.= Diese Abbildung zeigt, wie der im Innersten des Mumienballens sitzende Todte mit den verschiedenen Hüllen umgeben worden ist.

In den meisten der Mumien finden sich Armspangen, Halsbänder, Fingerringe und schöner Kopfputz, mit welchen der Todte geschmückt worden ist.

Am 14. November 1524 segelte Pizarro mit zwei Schiffen ab und landete an der mit Sumpfwald bedeckten Küste am Flüßchen Biru. Von Sturm und Ungewitter wurden die Schiffe auf der See hart betroffen. Das eine Fahrzeug unter Montenegro ging nach Panama zurück, während Pizarro mit einem Theil der Mannschaft zurückblieb und allem Ungemach Trotz bot; denn er fühlte recht wohl, daß mit seiner erfolglosen Rückkehr das Unternehmen für immer begraben werde. Siebenundvierzig Tage harrte er in einem Hafen aus, welcher, da die Spanier in ihrer Noth sogar gegerbtes Leder kochen und verspeisen mußten, den Namen Hungerhafen erhielt. Mehrere Soldaten waren bereits gestorben, als man in der Nähe der Küste ein indianisches Dorf entdeckte, wo man etwas Mais und Cacao fand. Als dann das nach Panama entsendete Schiff neue Zufuhr brachte, ging Pizarro weiter nach Süden, überfiel dort eine auf einem Hügel gelegene und mit Pfahlwerk befestigte Stadt, fand dieselbe aber von ihren Einwohnern bereits verlassen. Bei einem weitern Streifzuge in der Umgebung wurde er von den Indianern überfallen, verlor fünf Leute im Gefecht und wurde selbst mehrfach verwundet. Da er sich zu schwach fühlte, den Kampf fortzusetzen, so kehrte er nun nach Panama zurück, um Almagro sich zur Hilfe zu holen. Dieser war indessen, ohne Pizarro anzutreffen oder Zeichen seiner Anwesenheit (Einschnitte an den Bäumen) zu finden, bis zum 4° n. Br. vorgedrungen, bis zum Rio de San Juan. Obwohl er in der Nähe des Orts, wo bereits Pizarro einen Kampf bestanden, gleichfalls von den Indianern angegriffen wurde und in folge einer im Gefecht erlittenen Kopfwunde ein Auge verloren hatte, ließ er sich doch nicht abhalten noch weiter zu steuern, bis er immer deutlichere Beweise von der Nähe eines großen und goldreichen Staates vor sich sah. Dann trat auch er den Rückweg an, weil er über das Schicksal seiner Genossen völlig in Ungewißheit war.

In Panama wurde nun am 10. März 1526 zwischen den drei Unternehmern Pizarro, Almagro und Luque ein förmlicher Vertrag über die Eroberung Peru’s aufgesetzt. De Luque schoß dazu wieder eine bedeutende Geldsumme (20,000 Pesos in Gold) vor, und erhielt dafür Anspruch auf ein Drittel des erbeuteten Goldes und eroberten Landes. Für Almagro und Pizarro, welche nicht einmal ihren Namen schreiben konnten, beglaubigten zwei spanische Ansiedler in Panama und ein Notar den Vertrag.

So konnte im Frühjahr 1526 auf zwei Schiffen unter der Führung des Piloten +Bartolomeo Ruiz+ aus Moguer bei Palos und mit 160 Mann ein zweiter Zug unternommen werden. In einem Indianerdorfe an der Mündung des San-Juanflusses wurde etwas Gold erbeutet. Um noch mehr Leute zu werben, mußte Almagro mit diesem Lockmittel noch einmal nach Panama zurückkehren, während Pizarro in der Nähe des Flusses blieb.

Ruiz kundschaftete indessen die weiter südlich gelegenen Küsten aus; berührte die Insel Gallo in der Bucht von Tumaco (2° n. Br.), die Bai von S. Mateo (1° 30′ n. Br.) und erreichte endlich den Aequator. Jenseit des Cap Passado (1° s. Br.) traf er mit einer peruanischen Balsa (einem Floß mit Segeln) aus der Stadt Tumbez (3½° s. Br.) zusammen. Sein Erstaunen wuchs, als er bei dieser Gelegenheit die schön gewebten Stoffe, die farbigen Muster prüfen konnte und genauere Nachrichten von dem Inkareiche erhielt. Mit dieser günstigen Kunde ging der Pilot zu Pizarro zurück, und als sich auch Almagro mit 80 neu angeworbenen Leuten einfand, rückte die ganze Schar bis zur Insel Gallo vor. Die Spuren zunehmender Kultur traten, je weiter gegen Süden, um so deutlicher hervor. An einer Stelle der Küste, wo man landen wollte, sammelte sich alsbald ein Heer von 10,000 Kriegern, mit denen man den Kampf nicht aufzunehmen wagte. Auf Gallo, wohin man zurückging, theilte sich die Expedition. Almagro segelte mit dem einen Schiffe nach Panama, das andere blieb vorläufig bei Pizarro zurück. Doch da dieser sah, daß sich unter seinen Gefährten noch mancher Zaghafte befand, welcher die Kühneren hätte entmuthigen und zum Abfall bestimmen können, so beschloß der verwegene Capitän, auch das letzte Schiff mit der unzuverlässigen Mannschaft nach der Landenge zurückzusenden, und blieb, auf bessere Tage hoffend und seinem Stern vertrauend, auf der kleinen Küsteninsel zurück.

Sobald der Statthalter von Panama von diesem verzweifelten Entschluß benachrichtigt worden war, sandte er zwei Schiffe ab unter Tafur, mit dem bestimmten Befehl an Pizarro, zurückzukehren, da das aussichtslose Unternehmen nur vergebliche Opfer an Menschenleben forderte. Pedrarias war zu diesem Befehl durch einen Brief bestimmt worden, welchen einer der bei Pizarro zurückgebliebenen Leute in einem auf das letzte Schiff verladenen Baumwollenballen versteckt hatte, und in welchem die traurige Lage der Abenteurer auf Gallo drastisch beleuchtet war.

Mit den Schiffen Tafur’s hatten aber Almagro und de Luque ermuthigende Briefe an Pizarro gesandt, welche diesen aufforderten, auszuharren, da sie ihm bald Hilfe senden würden. Pizarro und sein Pilot Ruiz weigerten sich daher, nach Panama zurückzukehren. Der Capitän rief, als Tafur den Befehl des Statthalters verkündigt hatte, seine Leute zusammen und zog mit dem Schwert eine Linie in den Sand von Osten nach Westen: „Hier,“ sprach er, nach Süden weisend, „liegt Peru mit seinen Schätzen, dort Panama mit seiner Armuth. Wählt! Ich gehe nach Süden.“ Und damit überschritt er die gezogene Linie. Außer dem treuen Piloten folgten ihm noch 12 andere entschlossene Männer. Ihre Namen haben die spanischen Geschichtsschreiber uns aufbewahrt; denn ihre Entscheidung bestimmte das Loos Pizarro’s und Peru’s. Nur bis zu der 15 Meilen nördlicheren und etwas größeren Insel Gorgona, welche in Wald und Wasser Nahrungsmittel bot, wich Pizarro vorläufig zurück und hielt sich dort sechs bis sieben Monate, bis Almagro ihm in einem kleinen Schiff wenig neue Mannschaft zuführen konnte. Somit fand Pizarro wieder Gelegenheit, noch einmal weiter nach Süden vorzugehen, bis sie am südlichen Gestade der Bai von Guayaquil die peruanische Stadt Tumbez erreichten. Die Natur der Küste änderte sich hier, statt der fieberschwangeren Sumpfwälder lag hier ein trockner, gesunder Sandstrand vor ihnen. Die Stadt, von drei Mauerringen umgeben, war der bedeutendste Ort im Norden des peruanischen Reiches. Der Tempel war mit goldenen und silbernen Platten belegt. Der Verkehr mit den Eingeborenen gestaltete sich friedlich. Der Spanier Molina und der griechische Ritter Pedro de Candia, in voller Rüstung, begaben sich ans Land auf Kundschaft, und letzterer zeigte den erschreckten Eingeborenen, indem er mit einer Hakenbüchse nach einem gesteckten Ziele schoß, die Wirkung europäischer Waffen. Dann wurde die Fahrt nach Süden weiter fortgesetzt, am Cap Blanco (4° 17′ s. Br.), welches nur wenige Meilen nördlich von dem äußersten, westlichen Vorsprunge von Südamerika, der 16 Meter hohen Punta Pariña, gelegen ist, begann die Küste höher zu werden; aber sie bot keinen Hafen bis Santa (9° s. Br.), wo der größte unter den Bergströmen Peru’s mündet. Bis hieher kam Pizarro. Er hatte genug von dem großen Reiche gesehen, um zu wissen, von welcher Bedeutung sein Besitz für Spanien werden könne, aber auch, um zu erkennen, daß die Eroberung nur ausführbar sei, wenn die Krone ihn zu derselben autorisire und ihn unterstütze.

Kaum war er darum nach Panama zurückgekehrt, als er sich schon auf den Weg machte nach Spanien, denn der Statthalter von Panama versagte ihm die erforderlichen Mittel. Er nahm die von Ruiz gezeichneten Karten, deren Inhalt sich auf der +Weltkarte Ribero’s+ vom Jahre 1529 zum erstenmale wiedergegeben findet, mit sich, um dem Könige die große Ausdehnung Peru’s zeigen zu können.

Bei seiner Landung in Sevilla wurde er zwar auf Antrag des Baccalaureus Enciso, welcher von der Ansiedlung an der Küste von Darien her noch Geldansprüche an ihn zu erheben hatte, gefangen gesetzt, allein auf Befehl der Regierung, welche bereits von dem Zweck seiner Botschaft wußte, in Freiheit gesetzt.

Pizarro traf den König Karl in Toledo, dort legte er ihm die Erzeugnisse des peruanischen Gewerbfleißes und goldenen Schmuck vor und erregte namentlich durch das mitgebrachte Lama Aufsehen.

Karl empfahl die Angelegenheit dem indischen Rathe, und so konnte Pizarro am 26. Juli 1529 mit der Krone (die Königin unterzeichnete im Namen des abwesenden Monarchen) zugleich im Namen Almagro’s und de Luque’s, einen Vertrag abschließen, wonach Pizarro selbst zum Adelantado von Peru, sein Waffengefährte zum Commandanten von Tumbez und der Pfarrer von Panama zum Bischof dieser nördlichsten Stadt Peru’s ernannt wurde. Ruiz wurde zum Oberpiloten der Südsee erhoben. Zugleich erhielten alle einen ihrem Range entsprechenden Gehalt aus den Einkünften von Peru angewiesen. Die zwölf treuen Genossen von der Insel Gorgona wurden zu Edelleuten (~hijosdalgo~) erklärt. Die materielle Unterstützung, welche die Regierung dem Unternehmen angedeihen ließ, bestand nur in Geschütz und anderem Kriegsbedarf, sowie in Pferden, welche von Jamaica entnommen werden sollten.

Im Januar 1530 ging Pizarro von San Lucar aus mit drei Schiffen und mit Truppen in See nach Nombre de Dios. Da seine Expedition nun unter die staatlich autorisirten zählte, fehlte es weder an Mitteln noch an Mannschaft. Seine drei Brüder, Hernando, Juan und Gonzalo begleiteten ihn.[439] Almagro fühlte sich zurückgesetzt, daß Pizarro in dem Vertrage mit der Regierung ihn nicht, wie verabredet worden, zu seinem Stellvertreter, sondern nur zum Befehlshaber in einer Stadt hatte ernennen lassen; aber Pizarro suchte ihn durch die Erklärung zu beruhigen, daß die Regierung so entschieden habe. Damit gab sich zwar Almagro zufrieden, allein es war doch in diesem bedeutenden Rangunterschiede der Keim der Eifersucht gepflanzt, welcher für beide Theile zu einem tragischen Ausgange führte.

30. Die Eroberung Peru’s.

Mit drei Schiffen, 180 Mann und 37 Pferden stach Pizarro im Januar 1531 von Panama aus in See. Widrige Winde ließen ihn das beabsichtigte Ziel, Tumbez, nicht sofort erreichen. Das Geschwader lief in die Bai von San Mateo (nahe der Nordgrenze des heutigen Staats Ecuador) ein, ein Theil der Mannschaft ging ans Land und machte in der Stadt Coaque eine ansehnliche Beute an Gold, Silber und Smaragden. Ein Fünftel des Raubes wurde als Kronantheil zurückgelegt, das übrige nach Verhältniß des Ranges unter die Leute vertheilt. Auch schickte Pizarro eine namhafte Summe nach Panama, um noch mehr Mannschaft anzulocken.[440] Während sie sich noch in der Nähe des Golfes von Guayaquil befanden, stieß auch bereits Sebastian de Benalcazar mit 30 angeworbenen Soldaten zu dem Hauptcorps. Dann gings weiter nach der Insel Puna (damals S. Jago), wo man freundliche Aufnahme fand, die Regenzeit vorübergehen ließ und weiteren Nachschub an Truppen erwartete. Die Inselbewohner lebten in Feindschaft mit den Peruanern von Tumbez. Die Städter verdächtigten ihre Feinde bei dem spanischen Heerführer und theilten ihm mit, die Punenser hätten den verrätherischen Plan gefaßt, alle Fremden zu vernichten. Pizarro glaubte an die Verschwörung, ließ die Häuptlinge der Insel gefangen nehmen und hinrichten. Dem Volk, welches in folge dieser Grausamkeit zu den Waffen griff, brachte er eine Niederlage bei. Sein Heer wurde nochmals durch 100 Mann verstärkt, welche ihm +Hernando de Soto+, bestochen durch die Smaragden- und Goldsendungen, welche nach Panama geschickt waren, auf zwei Schiffen zuführte. Dann ging Pizarro nach Tumbez und erfuhr hier die für ihn sehr wichtige Nachricht, daß zwischen den Söhnen des letzten Inka Huayna-Capac ein blutiger Bürgerkrieg ausgebrochen sei. Atahuallpa und Huascar hatten von 1525-1530 friedlich neben einander regiert, jener in Quito, dieser in Cuzco, bis der ehrgeizige und kriegerisch gesinnte Atahuallpa, welcher sein Reich zu vergrößern strebte, auf das an der Bai von Guayaquil gelegene Gebiet von Tumibamba (jetzt Cuenza, 3° s. Br.) Anspruch erhob und dasselbe besetzte. Dann war er siegreich nach Süden gedrungen, hatte seinen Bruder in dem entscheidenden Kampfe bei Chontacaxas, nahe vor der Hauptstadt Cuzco, besiegt und gefangen genommen, worauf seine beiden tüchtigsten Feldherren Quizquiz und Chalcuchima sich der alten Residenz bemächtigten. Das war im Frühling 1532, kurz vor Ankunft Pizarro’s, geschehen. Die Familie des gefangenen Inka war auf Befehl des Quizquiz fast gänzlich ausgerottet, nur wenige waren dem Blutbade entronnen. Der Inka Atahuallpa stand mit seinem Heere bei Cajamarca, etwa 50 Meilen südlich von Tumbez. Diese Stadt hatte in dem Bürgerkriege sehr gelitten. Pizarro fand die Einwohner ängstlich und mistrauisch. Er zog daher, nachdem er seine Truppen ausgeschifft hatte, weiter gegen Süden, überall die Oberherrschaft des spanischen Königs proklamirend, was die Bewohner des Landes ohne Anstand geschehen ließen, weil sie den Sinn solcher Formalitäten nicht verstanden.

Im Thale von Tangarara (5° s. Br.) wurde die Niederlassung San Miguel gegründet; da sich aber der Ort bald als ungesund erwies, wurde die junge Stadt später nach Piura verlegt. Von San Miguel rückte Pizarro am 24. September 1532 weiter in der Richtung nach dem Lager Atahuallpa’s. Seine Schar bestand aus 110 Mann zu Fuß, 67 Reitern und einigen wenigen Büchsenschützen. Weil aber unter dieser Anzahl sich noch einige Misvergnügte und Feiglinge befanden, so schickte er noch fünf Fußgänger und vier Reiter nach San Miguel zurück und besaß, als er sich anschickte, ein Reich von 400 Meilen Länge zu erobern, im ganzen 168 Mann. Ein Abgesandter des Inka lud ihn zum Besuch nach Cajamarca ein. Zwei Indianer, welche bereits mit Pizarro in Spanien gewesen waren, Philipp und Martin, dienten als Dolmetscher. Der spanische Heerführer stieg mit seiner kleinen Schar kühn über die Cordilleren ins Hochland hinauf, wo er die große Reichsstraße fand, welche er gegen Süden verfolgte. Mehrfach kamen ihm noch Boten des peruanischen Oberherrn mit Geschenken entgegen, welche den geheimen Auftrag hatten, sich genau über Zahl, Waffen u. s. w. der Fremdlinge zu unterrichten.