Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Part 46

Chapter 462,775 wordsPublic domain

An Stelle der beiden ersten auf der Werft von Zacatula verbrannten Caravelen wurden neue Schiffe gebaut und in den Jahren 1523 und 1524 von beiden Gestaden Mexiko’s aus die Untersuchungen nach einer Passage fortgesetzt, aber umsonst. Und der Plan, die Schiffe an der Westseite bis zur Magalhãesstraße auszusenden, unterblieb, seitdem er selbst sich durch seinen (im nächsten Capitel zu schildernden) Feldzug von Honduras überzeugt hatte, daß bis dorthin keine Verbindung zwischen den beiden Meeren vorhanden sei. Dazu waren die weiter südlich gelegenen Striche in der Statthalterschaft von Darien bereits genauer bekannt, und kurz darauf nahmen die von Pizarro begonnenen Unternehmungen gegen Peru ihm nach dieser Seite die Arbeit ab. Um so lebhafter wurden die Forschungen in den nordwestlichen Gewässern, aber erst zehn Jahre später aufgenommen. Ehe er dazu vorschreiten konnte, mußte das weite Gebiet Neuspaniens am großen Ocean erst völlig unter die Verwaltung der neuen Herren gebracht und die Communication nach den Küstenplätzen geregelt sein.

Zunächst war Cortes noch mit der Organisation des eigentlichen, engeren Gebiets von Mexiko beschäftigt. Ueber die Zahl der Städte, Dörfer und Bewohner wurden statistische Erhebungen veranstaltet. Der Landbau wurde durch Einfuhr von neuen Kulturgewächsen: Wein, Oliven, Orangen, Mandeln, Pfirsichen und Zuckerrohr bereichert, und für die Auffindung von Kupfer, welches zur Herstellung von Waffen von großer Wichtigkeit war, wurden Prämien ausgesetzt. So wurden im Lande selbst kupferne Feldschlangen gegossen, und da sich Salpeter und Schwefel in reichlicher Menge vorfand, auch das für den Kriegsbedarf erforderliche Pulver fabricirt.

Dann wurden nacheinander zwei größere Expeditionen gegen Südosten ausgeschickt. Die eine unter Alvarado wendete sich zu Lande nach der Küste der Südsee und drang durch den heutigen Staat Guatemala bis in das Gebiet von S. Salvador vor, die andere unter +Olid+ nahm den Weg zur See nach Honduras.

+Alvarado+ brach zuerst auf, angeregt durch das Gerücht von einem Kulturvolke, welches in den Landstrichen südlich von Tabasco wohnen sollte. Da der Fürst von Tehuantepec sich bereits den neuen Herrn von Mexiko unterworfen hatte, und dem Alvarado bei seinem Erscheinen auch Soconusco huldigte, so waren damit die Thore des Hochlandes von Guatemala, wo jenes gesuchte Kulturvolk seinen Sitz hatte, geöffnet. Ansteckende Krankheiten hatten dort kurz vorher die Hälfte der Bewohner hinweggerafft und ihre Widerstandsfähigkeit gebrochen; daher wurden die Abgesandten Alvarado’s freundlich aufgenommen und reich beschenkt entlassen. Diese Geschenke reizten aber den spanischen Heerführer nur noch mehr, das Land zu unterwerfen. Den Grundstock der Bevölkerung bildeten Mayastämme: die Quiché, die Kakchiquel, zur Zeit der Eroberung der mächtigste Stamm, und die Zutugil. Seit 1500 war Guatemala dem Aztekenreiche einverleibt gewesen; aber mit dem Fall von Mexiko hatte sich der Verband gelockert. Aztekische Ortsnamen reichten durch Guatemala bis nach Honduras; doch verdankte das alte Quichéreich den Tolteken seine Kultur. Unter der Anregung und Leitung dieser altamerikanischen Baumeister waren auch hier prächtige Steinbauten, Terrassentempel und mit reichen, buntbemalten Stuckaturen versehene Paläste entstanden, deren dicht überwachsene Ruinen nur theilweise erst wieder ans Licht gezogen und bekannt geworden sind.[392] Ihre Waffen bestanden in Schwertern mit Steinschneiden, Bogen, Pfeilen, zum Theil vergiftet, Lanzen und Schleudern; die Krieger trugen dicke, bis auf die Füße reichende und daher schwerfällige Baumwollpanzer. Der religiöse Cultus war ähnlich, wie in Mexiko.

Am Ende des Jahres 1523 hatte Alvarado ein Heer von 120 Reitern und 300 Mann spanischen Fußvolks, sowie 20,000 einheimische Krieger um sich versammelt und brach damit im Februar 1524 von der Südküste her, von Soconusco, in Guatemala ein. Unter großen Schwierigkeiten stieg er durch die Bergschluchten ins Hochland hinauf, wo sich ihm ein Heer von 60,000 Mann entgegenstellte. Aber diese Scharen wurden in mehreren Gefechten besiegt und die schwerfällig gepanzerten Krieger von den spanischen Reitern niedergeritten. Alvarado gründete die Stadt Quetzaltenango, welche nach dem prächtigen Vogel Quejal oder Quetzal (Trogon) benannt wurde, dessen lange, glänzend grüne Federn ein schmückendes Abzeichen des Adels waren. Oestlich von der Stadt wurde der Kampf erneuert. Der König Tecum Umam griff selbst die Spanier an, brachte das Pferd Alvarado’s zu Fall, wurde aber von der Lanze seines Gegners durchbohrt. Utatlan, die alte Hauptstadt der Quiché, stand in der Nähe des heutigen Sa. Cruz del Quiché. Der königliche Palast galt als eines der schönsten Gebäude in ganz Mittelamerika. Hieher lud der neue König, indem er sich scheinbar den Siegern unterwarf, die Spanier zu einem Besuche ein. Allein schon beim Einrücken in die Stadt wurde ihr Verdacht rege. Die Einwohner waren sämmtlich in Waffen, die Gassen der Stadt zeigten sich so schmal, daß die Rosse sich kaum bewegen konnten. In den Wohnungen waren Holz und Reißig in Menge aufgehäuft. Die indianischen Verbündeten Alvarado’s brachten bald bestimmtere Nachrichten von dem Plane des Feindes, die ganze Stadt sammt den Spaniern zu verbrennen, nachdem man die zu dem Orte führenden Brücken abgebrochen. Alvarado ritt scheinbar unbefangen in die Versammlung des Adels der Quiché und zog sich dann, unter dem Vorwande, erst für die Unterkunft der Pferde Sorge tragen zu wollen, zurück. Als dann der König mit seinen Edlen den Besuch im Lager der Spanier erwiderte, wurde er mit seinem Gefolge gefangen genommen. Man machte ihm zwar Hoffnung auf Befreiung, wenn er ein hohes Lösegeld an Gold zahle; aber ohne dieses abzuwarten, wurde sein Gefolge theils gehängt, theils lebendig verbrannt; dem Könige erwies man die Gnade der christlichen Taufe, ehe er ebenfalls mit dem Strange gerichtet wurde.[393] Die Burg der Quiché wurde zerstört und das Land unterworfen. Im April 1524 rückte Alvarado weiter nach Patinamit (Guatemala), der Hauptstadt der Kakchiquel. Der alte König kam den Spaniern in feierlichem Zuge friedlich entgegen und ersparte seinem Lande, indem er sich unterwarf, die Gräuel des Kriegs und der Verwüstung.

Dann wurde auch der Fürst von Amatitlan aufgefordert, sich unter die Botmäßigkeit der Spanier zu begeben, aber trotzig ließ dieser die Abgesandten der Eroberer tödten und zwang Alvarado ihn zu züchtigen. Die Hauptburg des Landes lag im See von +Atitlan+, einem gegen 1000 Meter hoch gelegenen Gebirgssee, der in malerischer Landschaft von drei Vulkanen überragt wird. Ein mehrfach durch Holzbrücken unterbrochener Damm führte zu dem Inselfelsen. Nach einem siegreichen Kampfe am Gestade des Sees drangen die Spanier zugleich mit den flüchtigen Indianern über die Brücken und bemeisterten die Burg. Mit ihrem Fall war der Widerstand des Volkes gebrochen.

Von hier marschirte Alvarado ins Küstenland hinab nach Escuintla (Itzcuintlan); durch dichte, unwegsame Urwaldterrassen stieg er in drei Tagen ins Land hinunter, wo angebaute Felder und Sümpfe abwechselten. Nachdem die Hauptstadt überrumpelt und gestürmt war, unterwarf sich das Volk. Bei seinem weiteren Vorrücken gegen Südosten fand aber Alvarado das ganze Land unter Waffen, dazu wurden in der beginnenden Regenzeit die Wege immer schwieriger. Trotzdem drang er durch eine Reihe von Küstenstädten bis in das Gebiet des heutigen Staates S. Salvador. Vor der Küstenstadt Acayutla widersetzte sich ihm in fester Stellung ein großes Heer. Durch einen scheinbaren Rückzug wurde dasselbe aus seiner gut gewählten Position herausgelockt, und dann machten die Spanier Kehrt, die Reiter holten die Indianer, welche in ihren Panzern nicht entfliehen konnten, ein und ritten sie nieder. Alvarado, der durch mehrere empfangene Wunden über den Widerstand erbittert war, ließ es geschehen, daß die meisten am Boden liegenden Feinde abgeschlachtet wurden. Verheerend rückte er weiter bis Cuscatlan (S. Salvador). Dort aber zwang ihn der Regen zur Umkehr nach Guatemala. Mit neuen, von Mexiko kommenden Truppen wurden weitere Aufstände der Indianer unterdrückt, 1525 die Stadt S. Salvador gegründet und damit die Unterwerfung des Gebiets vollendet, in welchem eine ähnliche Besitzergreifung des Landes und Vertheilung der Bewohner an die Conquistadoren durchgeführt wurde, wie in Mexiko. Zwar wurden auch hier 1529 Gesetze zum Schutz der Indianer erlassen und suchten seit 1538 die Dominikaner sich der Unterworfenen anzunehmen, aber mit geringem Erfolg. Die alte Kultur wurde zertreten, das Volk geknechtet und decimirt und so das herrliche Land in die traurigste Lage gebracht, aus welcher es sich, auch nach Befreiung von der spanischen Herrschaft, nicht hat erheben können.

Bald nachdem Alvarado seinen Eroberungszug begonnen, ging auch +Cristoval d’Olid+, ein Edelmann aus Baeza oder Linares, auf Cortes’ Befehl, am 11. Januar 1524 von Vera Cruz unter Segel. Er sollte jenseits der Halbinsel Yukatan, an der Küste von Honduras eine Niederlassung gründen, um das Reich von Neuspanien möglichst weit gegen Südosten zu erweitern. Ein Geschwader von vier großen Schiffen und einer Brigantine, mit 400 Soldaten bemannt, sollte zunächst in Cuba anlaufen und sich dort mit Vorräthen versehen. Zu gleicher Zeit bekam (wie bereits oben S. 388 erwähnt ist) der Vetter des Cortes, Hurtado de Mendoza, den Auftrag, nach einer mittelamerikanischen Meerenge zu forschen, allein derselbe konnte wegen der eigenthümlichen Stellung, welche Olid bald einnahm, nicht ausgeführt werden. Cortes wirft nämlich seinem Unterfeldherrn vor, er habe sich von seinem alten Widersacher, Velasquez, dem Statthalter von Cuba, bei seiner Anwesenheit auf der Insel zum Abfall von seinem Oberfeldherrn verleiten lassen und, durch Velasquez beredet, den Plan gefaßt, seine Colonie von Neuspanien unabhängig zu gestalten. Wenn dieses Gerücht sich bestätigen sollte, schrieb Cortes bald darauf an den König, werde er mit Truppen nach Cuba gehen, den Velasquez gefangen nehmen und gefesselt nach Spanien dem Gericht überliefern. Olid sollte von Velasquez sogar die Zusage kräftiger Unterstützung bei seinen verrätherischen Plänen erhalten haben. Er ging von Cuba zunächst nach dem Golf von Higueras, wie man damals den inneren Theil des Golfs von Honduras nannte.[394] Vierzehn Meilen östlich vom Hafen Caballos[395] ging er am 3. Mai 1524 ans Land und nahm dasselbe zunächst noch im Namen des Cortes in Besitz. Die Stadt, welche er anlegte, erhielt nach dem Tage der Landung den Namen Triumfo de la Cruz. Das Land war weit und breit friedlich, die Indianer widersetzten sich den Fremden nirgends. Einzelne Spanier konnten ohne Belästigung die Gegend nach Gefallen durchstreifen.[396]

Bald aber trat Olid mit seinen Plänen hervor und fand bei den meisten seiner Leute Zustimmung. Als die erste Kunde davon nach Mexiko gelangte, und zwar über Cuba, entsandte Cortes seinen Schwager +Francisco de las Casas+ mit vier Schiffen und 150 Mann nach Honduras,[397] wo Olid ihm die Landung verwehren wollte. Casas nahm die beiden Schiffe Olid’s mit Gewalt, während die Mannschaft ans Ufer entfloh. Unter dem Vorwande, die Vorbereitungen zur Uebergabe der Colonie zu treffen, bat Olid um Waffenstillstand, benutzte aber die Zeit, um seinen im Innern befindlichen Hauptmann Pedro de Briones mit seiner Schar herbeizurufen. Dieser erhielt aber zu gleicher Zeit eine Warnung durch Las Casas und zog es vor, dem Befehl seines Vorgesetzten nicht zu folgen und ihn im Stich zu lassen. So zog sich eine Kette des Verraths von S. Domingo, der Hauptstadt Indiens, über Mexiko bis zu den Wildnissen Centroamerika’s: Velasquez empört sich gegen Diego Colon, Cortes gegen Velasquez, Olid gegen Cortes, Briones gegen Olid.[398] In der nächsten Nacht warf ein Sturm die ganze Flotille des Las Casas an den Strand, 40 Mann ertranken dabei und der Capitän selbst gerieth in Olid’s Gefangenschaft. Dann nahm dieser auch den von Süden hergekommenen Gil Gonzalez, der mit seiner zusammengeschmolzenen Mannschaft ziellos umherschweifte, gefangen, behandelte aber beide Gegner mit äußerster Milde, zog sie ins Haus und an seinen Tisch, als ob er sie dadurch gewinnen wollte, gab ihnen aber dadurch die bequemste Gelegenheit, sich zu verständigen, wie man sich am sichersten des Usurpators entledigen könne. Sie fielen eines Mittags über Olid her, welcher, da er unbewaffnet war und sich nicht vertheidigen konnte, flüchten mußte, um das Leben zu retten, und sich im nahen Walde verbarg. Sein Versteck wurde durch einen Geistlichen verrathen. Seine Leute hatten ebenso leicht seine Partei verlassen, wie früher ergriffen; den Verschworenen der königlichen Partei wurde es dadurch leicht gemacht, sich seiner Person zu bemächtigen und ihm den Proceß zu machen. Er büßte seinen Verrath mit dem Leben. Dann gründete Las Casas die Stadt Trujillo[399] und entließ sämmtliche Spanier, welche sich der neuen Niederlassung nicht anschließen wollten, nach Mexiko oder Spanien.

24. Cortes’ Feldzug nach Honduras.

Dem Statthalter von Neuspanien lag seine Colonie in Honduras sehr am Herzen; mit großer Sorge hatte er die Nachricht von dem Verrathe seines Waffengefährten Olid erhalten, mit Spannung erwartete er günstigere Kunde über den Verlauf der Sendung seines Schwagers. Da aber jede Botschaft ausblieb, weil derselbe seine Schiffe verloren und selbst in Gefangenschaft gerathen war, so fürchtete er schon, sein Rivale Velasquez möchte in Gemeinschaft mit Olid in Honduras festen Fuß gefaßt haben und könnte ihn von dieser Seite her bedrohen oder seinem Pflanzlande Schwierigkeiten bereiten. Ehe er also von dem für ihn glücklichen Ausgang der Sendung des Las Casas vernommen, beschloß er selbst zu Lande nach Honduras zu ziehen und seinen ungehorsamen Vasallen zu bändigen.

Nachdem er den Schatzmeister Alonso de Estrada zu seinem Stellvertreter in der Statthalterei ernannt hatte, verließ er mit seinen Truppen im October 1524 die Hauptstadt Mexiko. Um etwaigen Aufständen und Unruhen während seiner Abwesenheit vorzubeugen, veranlaßte er den letzten aztekischen Kaiser Guatemotzin und andere mexikanische Fürsten, ihn zu begleiten. Als Dolmetscherin folgte ihm wieder die bewährte Donna Marina. Wenn er den schwierigsten Weg zu Lande wählte, so wurde er dazu zum Theil durch den Besitz einer aztekischen Karte veranlaßt, welche ihm in der ersten Hälfte seines Marsches durch Angabe der hauptsächlichsten Oertlichkeiten wesentliche Dienste leistete; dann trieb ihn aber auch der Drang zu neuen Entdeckungen. Sollte zwischen Mexiko und Honduras eine Meerenge existiren, so mußte sie auf diese Weise sicher gefunden werden. Cortes sagt selbst, er sei mehrere Jahre bereits unthätig gewesen; der Abfall Olid’s bot ihm also die beste Gelegenheit, nicht nur diesen wieder zu unterwerfen, sondern auch sich zu neuen Thaten auszumachen und neue Länder zu entdecken. Niemand hat diesen Feuergeist treffender gezeichnet als sein Waffengefährte Bernal Diaz, wenn er schreibt: „Wie denn Cortes’ Gedanken immer sehr hoch gingen, so gedachte er in allen Dingen den König Alexander von Macedonien nachzuahmen.“[400]

Seine Schar bestand aus 140 Arkebusieren und Armbrustschützen und aus 93 Reitern, dazu kamen noch 3000 Mann indianischer Hilfstruppen. So lang der Weg von dem Plateau von Anahuac nach der Landschaft Tabasco führte, fand er gebahnte Straßen und konnte sich auf der mitgenommenen Karte orientiren. Vom Isthmus von Tehuantepec bis an die Wurzel der Halbinsel Yukatan ist aber das Küstenland von einem Gewirre wasserreicher Flußadern durchzogen. Die Kulturen der Indianer bilden nur Oasen in dem Waldlande und zwischen den ausgedehnten Sümpfen. Der Verkehr der Eingeborenen ist fast ganz auf die zahlreichen Wasserwege angewiesen, und ein Marsch mit Truppen und Heerestroß wird ebenso häufig durch die von Wald umschlossenen Wasserläufe, welche meist erst überbrückt werden mußten, aufgehalten, als die Verpflegung einer größeren Menschenmenge in den Urwaldwildnissen immer mehr erschwert wird.

In Tabasco versanken die Pferde zwischen Chilapan und Tepetitan fast im Sumpfe[401]. Die indianischen Ortschaften waren beinahe alle niedergebrannt und verlassen, man fand nur noch wenig Getreide vor und mußte sich mit unreifen, von den Feldern gepflückten Maiskolben behelfen. Ehe man das ganze Heer der Gefahr aussetzte, in den Wüsteneien zu verhungern, mußte man einige Abtheilungen auf Kundschaft voraussenden. „In Tepetitan,“ berichtet Cortes, „fanden wir +einen+ Indianer. Der Mann kannte den Weg nach Iztapan, dem nächsten Ort auf meiner Karte, nicht. Es gäbe dahin keinen Landweg, doch unternahm er uns zu führen. Mit diesem Indianer sandte ich 30 Reiter und 30 Mann zu Fuß voraus mit dem Befehl Iztapan aufzusuchen und mir dann eine genaue Beschreibung ihres Weges zu machen, der ich folgen könnte. Ich beschloß so lange Rast zu machen, bis ich von ihnen eine Nachricht bekäme. Nach zwei Tagen, als weder ein Brief noch eine Meldung eintraf, beschloß ich, da die Truppen bereits Mangel litten, ihnen zu folgen, ohne Führer, ohne andere Anzeichen als die Spuren der Vorausgesandten in den Schlammsümpfen, welche das ganze Land bedeckten, und ich kann Ew. Majestät versichern, daß selbst auf den höheren Stellen unsere Pferde, die wir am Zügel führten, bis an den Gurt in den Morast sanken. So marschirten wir zwei Tage ohne irgend eine Nachricht zu erhalten, so daß ich fast rathlos wurde. Ich konnte nicht zurück, und vorwärts zu gehen ohne Gewißheit von der Richtung des einzuschlagenden Weges, war eben so gefährlich. In dieser Noth, als wir erschöpft und niedergeschlagen schon fürchteten verhungern zu müssen, kamen zwei Indianer mit Briefen von der vorausgeschickten Schar.“ Dieselbe hatte Iztapan erreicht. Der Ort lag, von Sümpfen umgeben, an einem großen Flusse und war voll Indianer, welche sich durch die Natur der Oertlichkeit sicher glaubten. Als sie aber sahen, daß die spanischen Reiter durch den Fluß schwammen, wollten sie das Dorf in Brand stecken. Hieran wurden sie zwar durch die Spanier gehindert; doch begann eine allgemeine Flucht auf Böten, oder schwimmend, wobei viele ertranken. In Iztapan fand man ausreichende Lebensmittel, und die Truppen konnten sich erholen, auch gelang es ihnen die Einwohner zu beruhigen und zur Rückkehr ins Dorf zu bewegen. Der Beschreibung nach lag dasselbe am Usumaçinta, dem größten Flusse Mittelamerika’s, dessen Gebiet den ganzen Norden der gegenwärtigen Republik Guatemala umfaßt, und der sich nach einem Lauf von über 100 Meilen in die Laguna de Terminos ergießt.