Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Part 25
Ueberblicken wir noch einmal die politische Machtstellung der Portugiesen in Indien zur Zeit, als Nuno da Cunha starb, so lag der Mittelpunkt ihres Besitzes auf der Westküste jener asiatischen Halbinsel. Es wäre aber eine durchaus falsche Vorstellung, ihre Herrschaft sich über weite Ländereien auf dem Boden Indiens ausgedehnt zu denken. Der ursprüngliche Plan, den Weg zu den Gewürzländern zu finden und den Gewürzhandel ganz und allein in die Hand zu bekommen, blieb stets maßgebend und die einzige Richtschnur. Mit den einheimischen Fürsten wünschte man stets in Frieden zu leben; aber die Anhänger Mohammeds, diese Erzfeinde des christlichen Glaubens, und in den indischen Gewässern fast die alleinigen Zwischenhändler des Handels mit Europa, sei es über den persischen Golf oder durch den arabischen Meerbusen, mußten mit Waffengewalt verdrängt werden; ihre Kauffahrer sollten aus dem indischen Ocean verschwinden. Zu dem Zwecke mußten wachehaltende Kriegsschiffe auf dem Meere kreuzen, um die unter mohammedanischer Führung gehenden Gewürzfrachten abzufangen und ihnen alle Wege zu sperren, dazu dienten aber auch in den wichtigsten Handelsplätzen Indiens feste Citadellen zur Ueberwachung des Verkehrs.
Verstanden sich die indischen Fürsten dazu, daß in ihrem Gebiet eine von Portugiesen besetzte steinerne Festung errichtet wurde, dann traten sie in das Verhältniß der Bundesgenossenschaft, andernfalls waren sie beständigen Belästigungen und Angriffen von der Seeseite ausgesetzt.
Sonach besaßen zwar die Portugiesen eine größere Anzahl von Steinburgen in oder neben den Städten, aber die einheimischen Fürsten regierten im Lande. Nur an drei Punkten wurden den Portugiesen durch Verträge oder Eroberung Küstenstädte nebst dem umgebenden Lande abgetreten: Diu, Bassein mit Salsette und Goa. Und diese lagen sämmtlich an der Küste auf kleinen Inseln, welche von den Eroberern besser vertheidigt werden konnten. Hier waren die Portugiesen die alleinigen Herren und wußten im Laufe der Zeit sich, nach dem Vorgange Albuquerque’s in Goa, diese Positionen um so mehr zu sichern, als Europäer sich dort niederließen und die Städte ihren rein indischen Charakter verloren. Daher kommt es auch, daß noch jetzt die allerdings längst bedeutungslos gewordenen Städte Goa und Diu in portugiesischen Händen geblieben sind.
Außerhalb Indiens gehörte ihnen noch das mit bewaffneter Hand genommene Malaka, das aber nur mühsam bis ins nächste Jahrhundert behauptet wurde. Auch in Ormuz waren sie, obwohl die einheimische Herrschaft in der Stadt belassen wurde, doch die gebietende Macht, während eine Reihe von arabischen Küstenplätzen und ost-afrikanischen Häfen tributpflichtig gemacht wurde.
Die Verhältnisse auf den Molukken sollen im Folgenden noch eingehend betrachtet werden.
Die historischen Ereignisse in Vorder-Indien werden wir nicht weiter verfolgen, sondern richten unsere Blicke auf die östlichen Länder und Inseln Asiens, um zu sehen, wie sie allmählich entschleiert wurden, bis die neugewonnene Kenntniß einerseits bis nach Japan, andererseits bis hart an den Continent Australien reichte.
9. Die Portugiesen auf den Molukken.
Im Südosten von Hinter-Indien breitet sich die große malayische Inselflur aus, welche aus der Sundawelt nebst Molukken und Philippinen besteht. Der Flächenraum, welchen die an tropischen Erzeugnissen überaus reich gesegneten und in malerischer Schönheit prangenden Inseln bedecken, ist so groß wie ganz Europa. Die Summe der Landmassen dieses Gebietes, welches in seiner ganzen Breite auf einer Strecke von 35 Meridianen oder 525 Meilen vom Aequator durchschnitten wird, beträgt etwa 36,000 Quadratmeilen; die Bevölkerung wird jetzt auf 35 Millionen Menschen geschätzt, ist also größer als die Einwohnerschaft von ganz Südamerika. Die Sundainseln gehören zu den größten Inseln der Erde: Bórneo nimmt einen größern Flächenraum ein als das deutsche Reich sammt den angrenzenden Staaten Schweiz, Belgien, Niederlande und Dänemark; Sumátra ist so groß wie Preußen und Bayern zusammen, Celebes läßt sich mit Großbritannien vergleichen, und Java steht dem Staatencomplex von Süddeutschland nicht nach. Man macht sich von der Größe des ganzen Gebiets und der Ausdehnung dieser Inseln gewöhnlich eine zu geringe Vorstellung. „Der Reisende,“ sagt Wallace,[126] „segelt Tage, selbst Wochen längs den Ufern +einer+ dieser Inseln, die oft so groß sind, daß deren Bewohner sie für ein ausgedehntes Festland halten. Er erfährt, daß man Touren zwischen diesen Inseln meist nur nach Wochen und Monaten berechnet und daß ihre verschiedenen Einwohner oft so wenig unter einander bekannt sind, wie die Eingebornen des nördlichen Festlandes von Amerika denen des südlichen. Bald gelangt er dahin, diese Region als eine von der ganzen übrigen Welt gesonderte anzusehen, mit ihren eignen Menschenrassen und ihren eignen Ansichten der Natur, mit ihren eignen Ideen, Empfindungen, Sitten und Sprachweisen, mit einem Klima, einer Vegetation, einer Thierwelt, alles von durchaus ihr eigenthümlichem Charakter.“
Nahe dem Ostrande dieses großen Gebietes, genau in einem Abstande von 25 Meridianen, von der Stadt Malaka aus gerechnet, liegen die eigentlichen Molukken oder Gewürzinseln an der Westküste der vielgegliederten Insel Halmahera oder Dschilolo zwischen dem ersten und zweiten Grade nördl. Br. Die wichtigsten darunter sind Ternate und Tidor. Zwei andere Gruppen von Eilanden, welche ebenfalls an Gewürz reich sind, liegen 60 bezüglich 80 Meilen südlich und südöstlich von der zuerst genannten Gruppe. Beide liegen im Süden der langgestreckten Insel Ceram, und zwar die Amboinen und Banda.
Hier ist die Heimat der Gewürznelken und der Muskatnuß. Im Gegensatz zu der namhaften Ausdehnung der Sundainseln gehören die Molukken zu den kleinsten Eilanden, so daß die kostbarsten Güter der Pflanzenwelt nur auf einem sehr beschränkten Raum gedeihen. Tidor umfaßt kaum 1½, Ternate etwas mehr als 1 Quadratmeile, und die Bandagruppe ist auch nicht größer. Dagegen nehmen die Amboinen einen Flächenraum von 17 Quadratmeilen ein. Gegenwärtig beträgt die Bevölkerung nicht ganz 100,000 Seelen, sie entspricht also annähernd der mittleren Dichtigkeit der Bevölkerung im deutschen Reiche.
Diese Inseln sind Glieder des großen vulkanischen Ringes, welcher von den Philippinen her gegen Süden über Banda hinaus und weiter gegen Westen und Nordwesten über Sumatra hin die größte aller in diesem Gebiete liegende Insel Borneo umfaßt. Sie sind sämmtlich vulkanisch und bestehen eigentlich nur aus 4- bis 5000 Fuß hohen Bergkegeln, in denen die eruptischen Gewalten des Erdinnern noch wach sind, und die theils durch verheerende Ausbrüche, theils durch heftige Erderschütterungen die Bewohner erschrecken. Aber die vulkanischen Aschen und die verwitterten Laven haben, von tropischem Regen getränkt, eine erstaunliche Fruchtbarkeit und eine üppige Baumvegetation erzeugt, welche die Gehänge der Vulkane vollständig umhüllt. Auf den eigentlichen Molukken hat Tidor den größten und vollkommen konisch gestalteten Berg, der Berg auf Ternate ist fast ebenso hoch aber mit einer gerundeten und unregelmäßigen Spitze. Hier erhebt sich unmittelbar hinter der Stadt der riesige Berg, anfangs langsam ansteigend und mit dichten Hainen von Fruchtbäumen bedeckt, bald aber steiler werdend und von tiefen Furchen durchzogen. Fast bis zum Gipfel, dessen Oeffnung stets schwache Rauchwolken entsteigen, ist er mit Pflanzenwuchs bekleidet und sieht so ruhig und schön aus, obgleich er ein Feuer birgt, das gelegentlich in Lavaströmen ausbricht, aber sich häufiger durch Erdbeben bemerkbar macht, welche oftmals die Stadt verwüstet haben.[127]
Ueber den Fruchtbäumen erstreckt sich ein Gürtel von Lichtungen und bebautem Boden, welcher sich den Berg hinauf bis zu einer Höhe von zwei- bis dreitausend Fuß zieht, worauf Urwald folgt, der fast bis zum Gipfel reicht.
Die Küsten dieser kleinen Inseln haben steile, schwarze Gestade aus vulkanischem Sande oder sind mit zerrissenen Massen von Lava und Basalt belegt.[128] Nur hier auf den beiden genannten Inselbergen und den südlich darauf folgenden Inseln, welche ähnlich gestaltet sind, auf Motir und Makkian, sowie auf der südlichsten und größten, Batjan, gedieh die geschätzte Gewürznelke. Der spanische Seefahrer Urdaneta, welcher von 1526 bis 1535 dort weilte, schätzte zu seiner Zeit den jährlichen Ertrag in guten Jahren auf 11,600 Centner (Quintal), in schlechten Jahren auf 5- bis 6000 Centner. Als Urdaneta auf die Inseln kam, kostete ein Bahar (d. h. mehr als 4 Centner) 2 Dukaten, und zur Zeit, als er das Gebiet verließ, bezahlte man in Indien für dasselbe Maß bereits 10 bis 14 Dukaten.[129]
Die zweitwichtigste Gruppe bilden die drei kleinen Bandainseln. Barros[130] nennt sie einen Garten von Muskatbäumen, welche mit zahlreichen Pflanzen und Kräutern zu gleicher Zeit blühen und so die Luft mit einem unvergleichlichen Gemisch von Wohlgerüchen erfüllen. Wallace schildert sie mit gleichem Entzücken, als bedeckt mit einer ungewöhnlich dichten und brillianten grünen Vegetation. Banda ist ein lieblicher kleiner Fleck Erde; die drei Inseln schließen einen sichern Hafen ein, von dem kein Ausgang sichtbar ist, und der so durchsichtiges Wasser besitzt, daß lebende Korallen und selbst die kleinsten Gegenstände deutlich auf dem vulkanischen Sand und in einer Tiefe von 7 bis 8 Faden zu sehen sind. Der immer rauchende Vulkan thürmt seine nackte Spitze an einer Seite auf, während die zwei größeren Inseln mit Pflanzenwuchs bis an den Gipfel der Hügel bedeckt sind. Ungeachtet der Verluste, welche durch Erderschütterungen entstehen, und ungeachtet des geringen Umfanges und der isolirten Lage dieser kleinen Inseln sind sie noch der Haupt-Muskatnußgarten der Erde. Fast die ganze Oberfläche ist mit Muskatnüssen bepflanzt, welche unter dem Schatten der hohen Kanarienbäume (~Kanarium commune~) wachsen. Der vulkanische Boden, der Schatten und die außerordentliche Feuchtigkeit dieser Inseln, wo es mehr oder weniger jeden Monat im Jahre regnet, scheinen dem Muskatnußbaume gerade zuzusagen, welcher keinen Dünger und kaum der Pflege bedarf. Das ganze Jahr hindurch findet man Blumen und reife Früchte, und dazu sind wenige cultivirte Pflanzen schöner als Muskatnußbäume. Sie sind hübsch geformt und glattblättrig, 20 bis 30 Fuß hoch und tragen kleine gelbliche Blumen. Die reife dunkelbraune Nuß ist von der carmoisinrothen Muskatblüthe oder Macis als Samenhülle umgeben und bietet so einen reizvollen Anblick dar.[131]
Urdaneta schätzte zu seiner Zeit den Ertrag auf durchschnittlich 7000 Centner Nüsse und 1000 Centner Macis (~macía~). Ein Bahar (hier gleich 5 Centner) Nüsse kostete 5 Dukaten, Macis immer siebenmal soviel. Von beiden Gewürzen gelangten damals nur etwa 500 Centner Gewürznelken, 100 Centner Macis und 200 Centner Muskatnüsse nach Portugal.[132]
Die dritte und größte Gruppe endlich bilden die Amboinen südlich von Ceram, gegenwärtig dem Hauptpunkte der Molukken. Die Hauptinsel Amboina besteht aus zwei Halbinseln, die durch Seebuchten fast gänzlich von einander getrennt sind. Thätige Vulkane gibt es nicht mehr auf der Insel; früher kamen häufiger heftige Erdbeben vor. Seit 1824 ist der Vulkan auf der westlichen Seite der Insel still geworden. Der Seegrund, welcher die Insel umgibt, ist von einer wunderbaren Klarheit und von bezaubernder Schönheit der farbenprächtigen Korallenwelt, welche von zahlreichen blau, roth und gelb gefärbten Fischen und der Oberfläche näher von orangenen und rosigen, durchsichtigen Medusen belebt ist. Ueppiger Wald, von Kletterpflanzen durchwuchert, bedeckt das ganze Land, so weit es nicht für den Anbau gelichtet ist.[133]
Schon im sechzehnten Jahrhundert gediehen hier die Gewürznelken, wenn auch nicht in demselben Maße wie auf den Molukken, aber die Insel war damals bekannt wegen der Seetüchtigkeit der Bewohner. Die Malayen, welche diese Inselwelt größtentheils bewohnen, sind recht eigentlich ein Seevolk, und durch die Zersplitterung des heimischen Grundes in zahllose Berginseln, deren Gipfel weit über See aus blauer Ferne einladend winken, zum Seeleben erzogen. Die nur in ihrem Gebiete vorkommenden Gewürze steigerten den Verkehr und die Neigung zu weiten Wasserfahrten. Vom Süd- und Ostgestade des benachbarten asiatischen Festlandes kamen die arabischen, indischen, chinesischen Fahrzeuge zu ihnen, um die Gewürze zu holen. Da diese nun allein am äußersten Ende des Gebiets gediehen, mußten alle Meere innerhalb der Inselzone durchstreift werden und kundige Piloten sich an allen wichtigeren Sammelplätzen bilden. Aber über den scharfbegrenzten Südrand, über die von Java und den kleinen Sundainseln gezogenen Barrieren ging die Schifffahrt ins offene indische Weltmeer nicht hinaus, ebensowenig aber auch weiter gegen Osten und Südosten, sodaß die Bewohner keine Kunde hatten von dem nahegelegenen australischen Festlande. Der Gewürzhandel führte nicht in jene ungastlichen Gewässer, und so sind auch die Portugiesen nach dieser Richtung nicht weiter vorgedrungen, als ihr einziges Ziel, die Gewürzinseln zu erreichen, sie führen konnte.
Es ist bereits oben (S. 174) kurz angedeutet, daß der große Albuquerque, nachdem er sich des Hafens von Malaka bemächtigt hatte, drei Schiffe unter dem Oberbefehl +Antonio’s d’Abreu+ absandte, um die Molukken aufzusuchen. Es war das äußerste und letzte Ziel der portugiesischen Handelspolitik. Mit d’Abreu gingen als Capitäne der beiden anderen Schiffe Francisco Serrão und Simão Affonso Bisigudo. Im December 1511 stachen sie von Malaka aus in See, richteten ihren Cours zunächst nach der Nordküste von Java und gelangten von da nach Amboina. Serrão’s Schiff ging in einem Sturm unter, aber die Mannschaft konnte sich auf eines der anderen beiden Fahrzeuge retten. Auf Banda bot sich Gelegenheit, eine Dschunke zu erwerben als Ersatz für das verlorene Schiff; auch konnte man hier bereits eine Gewürzfracht eintauschen. Nach den eigentlichen Molukken kam d’Abreu nicht. Die Gewürzinseln im weiteren Sinne hatte er gefunden. Er begnügte sich mit dem ersten Erfolg, zumal da seine Schiffe sich in schlechtem Zustande befanden, und kehrte bald darauf zunächst nach Malaka und später mit Fernão Peres d’Andrade nach Portugal zurück. Aber bereits bald nach seiner Abreise von Banda verlor er die eben erst gekaufte Dschunke, denn Serrão hatte zum zweitenmale Unglück, indem sein Fahrzeug an den Korallenriffen von Nusa-Pinja (Luci-para), südlich von Amboina, strandete. Der portugiesische Capitän rettete sich nicht allein glücklich mit den Seinen ans Land, sondern wußte sogar mit List sich eines malayischen Raubschiffes zu bemächtigen, dessen Mannschaft ahnungsvoll ans Ufer gegangen war. Serrão hatte das Schiff ankommen sehen, lag mit seinen Leuten auf der Lauer im Versteck und bemeisterte sich ohne Mühe des fast unbewachten Fahrzeuges, einer sogen. Korra-korra. Wollten die Seeräuber nicht selbst gleichsam als Schiffbrüchige zurückbleiben, dann mußten sie sich bequemen, die Portugiesen wieder nach Amboina zu bringen. So gelangte Serrão zum zweiten Male dahin, und erfuhr hier, wo er freundliche Aufnahme fand, daß der Radscha oder Sultan von Ternate (denn die Gewürzinseln standen unter einzelnen Häuptlingen, unter denen der Herr auf Ternate der mächtigste war) bereits von dem unter d’Abreu nach seiner Insel beabsichtigten Zuge Kunde erhalten hatte und ihn zu sich einlud, um ihn mit seinen Leuten womöglich in seinen Dienst zu nehmen. Da sich auf diese Weise die sicherste Gelegenheit bot, die eigentlichen Gewürzinseln zu erreichen, so ging Serrão darauf ein, kam nach Ternate und wurde mit dem Sultan befreundet. Durch ein mit Gewürzfracht von dort abgehendes malayisches Schiff, welches nach Malaka bestimmt war, aber auf Java strandete, gelangte im Frühjahr 1513 die Nachricht von dem Schicksal Serrão’s nach jener hinter-indischen Hafenstadt. Um die so fern verschlagenen Landsleute abzuholen, wurde nun Antonio de Miranda d’Azevedo mit einem Geschwader nach den Molukken gesandt. Die Sultane von Ternate und dem benachbarten Tidor, eifersüchtig aufeinander, bewarben sich beide um die Freundschaft der zur See so mächtigen Fremdlinge, von deren Thaten in Indien man auch auf den Molukken natürlich längst gehört hatte, und erboten sich beide, den Portugiesen einen Platz zu ihrer Niederlassung anzuweisen, denn sie hofften beide, mit Hilfe dieser neuen Freunde den Rivalen überwältigen zu können. Vorläufig aber nahm Miranda seinem Auftrage gemäß nur die Mannschaft Serrão’s mit sich zurück, während dieser selbst auf Ternate blieb. Indeß gab Serrão dem abfahrenden Schiffe einige Briefe an seine Freunde in Indien mit, darunter einen an Fernão Magalhães, worin er ruhmredig die Entfernung der Gewürzinseln von Malaka noch übertrieb und von seinen Thaten in einer Weise berichtete, als ob er die Leistungen eines Vasco da Gama damit verdunkelt hätte. Dieser Brief ist deshalb von weittragender Bedeutung geworden, weil Magalhães, seinem Freunde trauend, aus den angegebenen Entfernungen den Schluß zog, die Molukken lägen nicht mehr auf der den Portugiesen zugewiesenen Erdhälfte, und weil er dann weiterhin daraus den Plan baute, auf westlichem Wege von Spanien aus die Gewürzinseln aufzusuchen, um sie für Kaiser Karl V. in Besitz zu nehmen.
Einen weiteren Besuch stattete 1518 +Dom Tristão de Menezes+ den Molukken ab. Er kam nach Ternate, wo er Serrão fand und wo der Radschah sich sofort anheischig machte, den Portugiesen eine feste Factorei zu bauen. Darüber entstanden, durch Eifersucht erregt, Streitigkeiten mit den benachbarten Herren von Tidor und Batjan. Da nun Menezes fürchtete, in diesem Zwiste möchte ihm die Gelegenheit verloren gehen, eine volle Gewürzladung zu bekommen, so lehnte er die Einladung des Gebieters von Ternate zunächst ab und erklärte, der König habe ihn nur gesandt, um sich in den Productionsländern der Gewürze umsehen und eine Fracht einzukaufen. So gelang es ihm, außer seinem eigenen Schiffe auch noch vier Dschunken beladen zu können. Serrão und ein Abgesandter des Radschah begleiteten ihn, die Dschunken wurden von Serrão, Simão Correa und Duarte da Costa geführt, gingen aber, als sie bald nach der Abfahrt von Ternate in einem Sturme von dem Hauptschiffe getrennt wurden, nach den Molukken zurück, während Menezes sich nach Banda flüchtete. Von da kehrte dieser, weil er den Aufenthalt der verlorenen Schiffe richtig vermuthete, nach Batjan zurück, fand dort aber seine Landsleute in einen Streit mit den Eingeborenen verwickelt, in welchem alle Mannschaft von der Dschunke Correa’s bis auf einen Einzigen erschlagen wurde. Serrão war wieder nach Ternate gelangt. Menezes wandte sich, da er dem Correa nicht mehr helfen konnte, nach Amboina, vervollständigte dort seine Ladung und gelangte glücklich nach Malaka, starb aber bald darauf.
Als diese Ereignisse in Portugal bekannt wurden, beschloß man ein größeres Geschwader nach den Gewürzinseln zu entsenden und übergab dem +Antonio de Brito+ die Leitung. Derselbe ging 1521 mit mehreren Schiffen ab, wandte sich zunächst, als er Indien erreicht hatte, nach Malaka, denn das war der natürliche Ausgangspunkt für alle weiteren Unternehmungen im fernen Osten, wo auch alle Nachrichten zusammenliefen, und steuerte dann nach Java. Hier gesellte sich noch Garcia Henriquez mit einem Schiffe und drei Dschunken zu ihm. Auf der weiteren Fahrt traf er ein von den Molukken kommendes javanisches Schiff, welches einen in +spanischer Sprache+ ihm ausgestellten Paß von dort mitbrachte.
Da nun Brito wußte, daß Fernão de Magalhães in spanische Dienste gegangen war und von Kaiser Karl V. Schiffe bekommen hatte, um auf dem westlichen Wege um Südamerika herum die Molukken zu erreichen (vgl. weiter unten 3. Buch, 3. Capitel), so schloß Brito mit Recht, daß spanische Schiffe wirklich den Weg bis zu den Gewürzinseln gefunden hätten. Seine Flotte wurde zwar durch einen Sturm auseinander gejagt, fand sich aber auf Banda wieder zusammen (Februar 1522). Hier schloß er mit dem Fürsten einen Handelsvertrag ab, indeß erlaubte derselbe nicht, daß die Portugiesen auf seinem Gebiete einen Wappenstein errichteten. Im Mai setzte er die Fahrt nach den Molukken weiter fort, züchtigte die Bewohner von Batjan für die Ermordung der Portugiesen und traf, als er bei Tidor vorüberfuhr, einen spanischen Factor Juan de Campos, welcher in der Meinung, die Ankömmlinge seien Spanier, arglos zu ihm herangekommen war. Vom Geschwader Magalhães’ hatten zwei Schiffe die Molukken in der That erreicht und waren von dem Radscha auf Tidor freundlich aufgenommen, während der Fürst von Ternate zu den Portugiesen hielt.
Nachdem die beiden spanischen Schiffe nach verschiedenen Richtungen hin die Gewürzinseln verlassen hatten, war Campos als Factor zurückgeblieben und nun aus Versehen in die Hände Brito’s gefallen, der ihn mit nach Ternate nahm. Serrão scheint damals nicht mehr am Leben gewesen zu sein. Auch der frühere Radscha war gestorben, und die Wittwe hatte für ihren minderjährigen Sohn, den Prinzen (Kaitjil) Taruwés (portugiesisch ~Cachil Daroës~), einen Verwandten, als Mitregenten angenommen.
Der früher erhaltenen Zusage gemäß baute Brito eine Festung nahe der Stadt und nannte sie nach dem Tage der Grundsteinlegung am Johannistage S. João Bautista. Dann wurde ein weiterer Vertrag abgeschlossen über die Preise der Gewürze, wonach die Portugiesen für ein Bahar Gewürznelken 800 Reis in Geld, oder 1000 Reis (ein Milreis) in Waaren zu zahlen hatten. Indes gab dieser Vertrag bald zu allerlei Mißbrauch und Mißhelligkeiten Veranlassung. Andere Unruhen entstanden dadurch, daß Prinz Taruwés nach der Krone strebte und die Fürstin-Mutter verdächtigte, so daß diese sich genöthigt sah, nach Tidor zu entfliehen, während man ihren Sohn gefangen zurückbehielt. Daraus entstanden kriegerische Verwickelungen mit Tidor.
Im nächsten Jahre 1523 sandte Brito seinen Neffen Simão d’Abreu nach Malaka zurück. Derselbe mußte einen neuen, bisher von den Europäern noch nicht betretenen Weg einschlagen und +nördlich+ um Borneo herumfahren, während die gewöhnliche Fahrbahn südlich an dieser Insel hinlief. Es sollte dadurch die Kenntniß in dem weiten Inselgebiet erweitert werden. d’Abreu stach im Juni in See und kam nach einer langen Fahrt von sechs Monaten glücklich nach Malaka.
In umgekehrter Richtung machte denselben Weg drei Jahre später Dom Jorge de Menezes auf Befehl des damaligen Gouverneurs von Malaka, Pero de Mascarenhas, weil, wie Barros ausdrücklich betonte, diese Route noch zu wenig bekannt war. Menezes ging am 22. August 1526 von Malaka ab, landete auf Borneo in einem Hafen etwa unter 5° nördl. Br., segelte dann zwischen Sulu und Mindanao hindurch und wurde hier vom Westmonsun weit über sein Ziel hinaus ostwärts bis an die Nordküste von Guinea verschlagen. So wurde er der Entdecker der Insel der Papuas, jener dunkelfarbigen Bewohner, welche wegen ihres dichten Wollhaares von ihren westlichen Nachbarn, den Malayen, den Spottnamen Papuas, d. h. Krausköpfe erhalten haben. Mehr als zwei Jahrhunderte galt Neu-Guinea als ein vorspringender Theil des großen unbekannten Südlandes. Von dort kam Menezes erst gegen Ende Mai 1527 an das Ziel seiner Bestimmung, nach Ternate; er hatte also zu seiner Fahrt volle acht Monate gebraucht. Man erkennt aber aus diesen Beispielen, wie zeitraubend die Verbindung zwischen Malaka und den Molukken war.
Im Jahre 1524 erhielt de Brito Verstärkungen, indem aus Indien die Schiffe des Martim Affonso de Mello Jusarte und des Martim Correa anlangten.