Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Part 23
Diese Absichten wurden durch die Ankunft Albuquerque’s vor Ormuz, am 26. März, vereitelt. Der alte Fürst sah sich noch nicht in der Lage, der Forderung des Generalcapitäns, ihm die Citadelle zu übergeben, lange zu widerstehen. Das Wasserthor der Festung wurde schon am dritten Tage den Portugiesen geöffnet, und ohne Blutvergießen zogen dieselben ein. Das Thor gegen die Stadt wurde geschlossen und die Mauern mit Kanonen bepflanzt, um die Burg vor einem Ueberfalle zu sichern. Dann wurden die Festungswerke weiter ausgebaut und Pero d’Albuquerque als Commandant eingesetzt. Nun galt es, um den Frieden vollständig zu befestigen, den ehrgeizigen Rais Ahmed mit seinem Anhange zu beseitigen. Bei einer Zusammenkunft Albuquerque’s mit dem bejahrten Fürsten wagte Ahmed es, seinen Oheim von einer persönlichen Begrüßung zurückzuhalten und sich sogar an der Person des portugiesischen Befehlshabers zu vergreifen. Er rechnete nämlich auf fünfzig Leute seines Gefolges, die mit verborgenen Waffen vor dem Hause standen. Albuquerque war darauf vorbereitet und befahl seinen Hauptleuten, den Anführer der Verrätherei niederzumachen. Den alten Fürsten führte man aus dem Getümmel fort und das Gefolge des gefallenen Ahmed wurde von portugiesischen Soldaten zurückgetrieben. Vom Dache des Hauses mußte sich der alte Rais Nordin seinem Volke zeigen und dasselbe über seine Person beruhigen. Dem aufgeregten Anhange und den Verwandten Ahmeds, welche den Palast des Fürsten plündern wollten, ließ Albuquerque erklären, wenn sie sich nicht sofort beeilten, bis Sonnenuntergang die Stadt zu verlassen und auf persischen Boden zurückzukehren, so solle keiner von ihnen mit dem Leben davon kommen; denn die Portugiesen beherrschten mit der Flotte die See und von der Citadelle aus die Stadt und die Insel. So wanderten denn die 25 Familien der persischen Partei aus und Rais Nordin konnte unter dem Schutze und Geleite Albuquerque’s wieder als Herrscher in seinen Palast zurückkehren. Die Stadt war über den Zwischenfall bald beruhigt, und durch eine Gesandtschaft nach Persien, unter der Führung Fernão’s Gomez de Lemos, wurde auch das gute Einvernehmen mit Schah Ismail wieder hergestellt. Dieser leicht gewonnene Friede erklärte sich besonders aus dem religiösen Zwiespalt zwischen den schiitischen Persern und den sunnitischen Arabern.
Albuquerque schickte einen Theil der Flotte unter seinem Neffen Garcia de Noronha nach Kotschin und blieb selbst noch einige Monate in Ormuz, um die Angelegenheiten vollständig zu ordnen, ehe er die Weiterführung der Geschäfte dem Commandanten der Citadelle überlassen konnte. Vielleicht wollte er auch noch Vorbereitungen zu einem zweiten Angriff auf Aden treffen. Doch dieser Wunsch sollte unerfüllt bleiben. Schon seit Anfang August litt er an der Ruhr, und da das Uebel sich verschlimmerte, mußte er endlich dem Anrathen seiner Aerzte nachgeben, vorläufig nach Indien zurückzukehren. Er begab sich an Bord des Schiffes, welches Diogo Fernandez da Beja befehligte und übergab sein eigenes Schiff seinem Neffen Vicente d’Albuquerque. Im Anfang November segelte er von Ormuz ab; bei Kalhât an der Küste von Oman traf man mit einem arabischen Schiffe zusammen, welches von Diu kam und die Nachricht mitbrachte, Lopo Soarez sei zum Nachfolger im Generalcapitanate ernannt worden.
König Manuel hatte also endlich doch den feindlichen Einflüsterungen nachgegeben. Nach diesen Verläumdungen sollte Albuquerque bald wahnsinnig verwegen, bald von maßlosem Ehrgeize erfüllt sein. Man ersann sogar das Märchen: er strebe danach, sich zum unabhängigen Herrscher von ganz Indien zu machen. Dazu stütze er sich nur auf seine Verwandten und begünstige sie bei allen wichtigen Stellungen. -- Wenn dies als Vorwurf gelten kann (denn die Thatsache ist richtig, daß er die Vertheidigung von Ormuz und Malaka, unzweifelhaft die wichtigsten Positionen außerhalb Indiens, seinen Neffen übertrug), so darf doch nicht unberücksichtigt bleiben, daß er dadurch diese beiden Plätze am sichersten bewahrt glaubte, da er sich auf die Befehlshaber verlassen konnte. -- Selbst daß er mit den Fürsten in Indien Frieden schloß, galt als Zeichen des Verraths, denn diese neue Freundschaft, hieß es, sei nur ein weiterer Schritt zur Unabhängigkeit, nach der er strebe.[116]
Albuquerque war gewarnt, er kannte solche Verdächtigungen, aber er hatte, gestützt auf seine Verdienste und die Makellosigkeit seines politischen Charakters, es für unnöthig gehalten, ihnen entgegen zu treten. Er antwortete nur durch seine Thaten. Aber er hatte in Portugal wenig Fürsprecher mehr; alle Edelleute, welche er wegen Vergehen und Ungehorsamkeit zurückschickte und dem König zur Bestrafung überwies, vermehrten die Zahl seiner Widersacher, und so glaubte Manuel endlich, indem er, statt eine Untersuchung über die wiederholt vorgebrachten Beschwerden anzuordnen und nach deren Ausfall zu entscheiden, sich mit einer halben Maßregel begnügte, den Generalcapitän wenigstens zurückrufen zu müssen. Und das war es eben, was diesen so tief kränkte. Als er vernahm, daß Lopo Soarez ihn ersetzen solle und daß andere Befehlshaber für die wichtigsten Positionen ernannt seien, rief er wehmüthig aus: „Lopo Soarez Generalcapitän?! Konnte es nicht ein anderer sein! Und solche Männer, wie Diogo Mendez und Diogo Pereira,[117] die ich wegen ihrer Vergehen als Gefangene nach Portugal heimgesandt, schickt mir der König als Capitäne und Secretäre wieder zu?! Um des Königs willen habe ich es mit diesen Leuten verdorben, und falle um der Leute willen bei dem Könige in Ungnade.“[118]
Sein Lebensmuth und seine Lebenskraft waren gebrochen. Er wünschte nur noch Goa zu erreichen, denn hier hoffte er Briefe zu finden, welche ihm den plötzlichen Umschlag erklärten und ihn wenigstens durch Anerkennung seiner Verdienste trösten könnten.
Auf Zureden seiner Freunde schrieb er mit zitternder Hand einen letzten Brief an den König: „Sire, dies sind die letzten Worte, welche ich an Ew. Majestät richte, schwergebeugt, nachdem ich so viele Berichte mit heiterem Lebensmuthe geschrieben. Ich hinterlasse hier einen Sohn,[119] Bras Albuquerque; ihm bitte meine Verdienste anrechnen zu wollen. Die Angelegenheiten in Indien werden für sich selbst und für mich sprechen.“ Im Angesicht des Hafens von Goa starb er am Bord des Schiffes, am 16. December 1515, 63 Jahre alt. Angethan mit dem weißen Gewande des St. Jago-Ordens, dessen Commandeur er war, und geschmückt mit den Ordenszeichen, um die Schultern den Sammetmantel gelegt und über dem Goldnetz, welches das Haar umschloß, mit einem Sammtbarett: so wurde seine Leiche auf einem mit Goldbrokat bedeckten Sessel ans Land getragen. Die Augen waren halb geöffnet, aber ohne die Häßlichkeit des Todes. Der lange, weiße Bart wallte bis auf die Brust herab, so daß er auch im Tode noch dieselbe Achtung und Ehrfurcht gebot, die man ihm im Leben zollte. Am Ufer wurde er von dem Commandanten und allen Edelleuten empfangen und in der Capelle beigesetzt, welche er selbst vor den Thoren der Stadt hatte erbauen lassen.
Er hatte die Tugenden und Fehler eines Imperators. Er übte strenges Recht, aber den Treubruch bestrafte er hart. Er war zäh im Ausharren und Ertragen von Mühen. Er ging bei allen Kämpfen nicht mit Worten, sondern mit dem besten, eigenen Beispiel voran. Schmeichler und Ohrenbläser ließ er hart an und hielt sie von sich fern. Den gefaßten Plänen folgte schnellste Ausführung. Persönliche Beleidigungen ertrug er großmüthig, aber er litt es nicht, daß man seine Befehle überschritt oder seine Pläne durchkreuzte; dann schreckte er auch vor Gewaltmaßregeln nicht zurück. In seinen Todesurtheilen ist er mehrmals zu rasch gewesen, denn er war eine leicht erregbare Natur, die schwer zu befriedigen war; aber eine übereilte Handlung hat er alsbald bereut.
Er forderte volle Hingebung an den Beruf und das Amt und verlangte die Anspannung aller Kräfte. Darin that er selbst es allen zuvor. Im Frieden war er Tag und Nacht thätig. G. Correa erzählt,[120] daß er gewöhnlich des Morgens in aller Frühe die Messe hörte und dann zu Pferde stieg, um, von seiner Leibwache umgeben, die Bauten, Werften, Magazine zu besichtigen. Im Staatsdienst duldete er keine Verschwendung und konnte über unnütze Verschleuderung des königlichen Gutes leidenschaftlich aufbrausen. Seine Entscheidungen traf er rasch; man hat mehrfach gesehen, daß er unterwegs, auf der Straße, Befehle und Dokumente auf den Knien unterzeichnete. Er war leutselig gegen jedermann und verstand die Hindus und Mohammedaner nach ihrer Art zu behandeln. Für alle war er bedacht, die friedliche Entwicklung des Handels zur Verbesserung der Lage und Vermehrung des Wohlstandes zu fördern. Jedermann hatte Zutritt zu ihm. Seine Thür war nie verschlossen, nur nach dem Mittagsessen gönnte er sich eine kurze Ruhe und diese wurde an den Wochentagen noch auf das geringste Maß beschränkt. Am Tage fast immer draußen beschäftigt, verwendete er die Stunden der Nacht dazu mit seinen Secretären zu arbeiten, um dem Könige von allem Rechenschaft zu geben bis ins Kleinste. An den König, die Königin, die königlichen Räthe entwarf er die Briefe selbst.
Da er immer nur darauf bedacht war, die königliche Macht in Indien zu stärken, so lag es ihm ganz fern, für sich selbst Reichthümer zu erwerben. Alle Geschenke, welche ihm von den Fürsten und Herren in Indien verehrt wurden, übergab er dem König oder der Königin, oder vertheilte sie unter die Hauptleute und Ritter. Auch gegen die Armen erwies er sich hilfreich.
Im Kriege und in der Schlacht stellte er sich den Soldaten gleich und achtete auf sein Leben ebensowenig als auf das Leben der andern, wenn es ein großes Ziel galt. Bei dem ersten unglücklichen Kampfe um den Palast in Kalikut gerieth er selbst mehrfach in Lebensgefahr. Sein Fahnenträger und einer seiner Pagen fielen an seiner Seite und er hielt aus, bis ihn ein Steinwurf besinnungslos niederwarf. Ebenso begab er sich beim ersten Sturm auf Malaka in Lebensgefahr, wurde dabei von den Feinden umstürmt und mußte von João Lemos herausgehauen werden. Dann ging er aber sofort wieder zum Angriff über. Er war ein vorsichtiger Feldherr und nie tollkühn; aber wenn er Großes erreichen wollte, setzte er alles daran. Vor dem zweiten Sturm auf Malaka erklärte er seinen schwankenden Capitänen, daß er seine Mannschaft nur darum aufs Spiel setzte, weil er die Position von Malaka für außerordentlich wichtig halte. So griff er auch zweimal Goa an und ließ sich durch einen ersten Mißerfolg nicht abschrecken, die blutige Entscheidung noch einmal zu wagen. Darum hielt er bei der ersten Belagerung in Goa auch so zäh bis zum äußersten aus. Als hier dem feindlichen Feldherrn durch portugiesische Ueberläufer mitgetheilt war, daß auf seiner im Flusse abgesperrten Flotte Mangel und Hungersnoth herrsche, und jener Heerführer des Adil Schah den Portugiesen großmüthig mehrere Böte mit Erfrischungen anbot, ließ Albuquerque seine letzten Vorräthe, einige Faß Wein und Schiffszwieback auf Deck bringen, zeigte dieselben den Abgesandten und erklärte: andere Leckerbissen als diese Speisen kennten die Portugiesen nicht und bedürften sie nicht. Sollten ihnen diese ausgehen, dann würden seine Soldaten sich schon ungebeten an der Tafel des Adil Schah melden. Jetzt leide er noch keine Noth.
So bewahrte er auch in schwerer Bedrängniß seinen Gleichmuth. Trotz seiner großen Erfolge sah man ihn nie übermüthig werden, auch warnte er seine Capitäne vor jeder Ueberhebung. Als einige von seinen Hauptleuten meinten, die Mauern der neuen Festung in Ormuz seien nicht stark genug, erwiderte er: „Wenn diejenigen, denen die Burg anvertraut ist, sich nicht als Tyrannen geberden, werden sie stark genug sein. Lassen sie sich aber zum Uebermuth hinreißen, so ist auch die stärkste Mauer zu schwach.“
Er suchte zwar die Rechte des Siegers voll und ganz zu vertreten, wünschte aber doch, aus politischen Rücksichten, eine Annäherung zwischen Portugiesen und Eingebornen. Darum begünstigte er die Heiraten der Portugiesen mit Hindumädchen. In Goa waren diese letzteren weniger schwierig als die Töchter der Brahminen und Nair weiter im Süden. Jedem neuvermählten Paare verehrte er 18 Milreis aus der königlichen Kasse und vertheilte unter die Ansiedler die Häuser und Aecker der vertriebenen Mohammedaner. Dadurch wollte er Goa zum Mittelpunkt der portugiesischen Herrschaft machen und seinen Besitz dauernd befestigen.
Die indischen Gegner fürchtete er dabei weniger als den Sultan Aegyptens. Von dort schien ihm auch in Zukunft allein ernste Gefahr zu drohen. -- Das ganze Zeitalter war so reich an überkühnen, himmelstürmenden Gedanken und Plänen, daß wir uns nicht wundern dürfen, auch Albuquerque in eine solche Schwäche verfallen zu sehen. Wie man von Michel Angelo erzählt, daß er den Marmorgipfel des Monte Altissimo in den Bergen von Carrara zu einer einzigen Statue habe umgestalten wollen, und damit ein ganzes Gebirgsprofil verändert hätte, so hatte auch Albuquerque, indem er der Oberfläche der Erde durch Verlegung eines Stroms ein anderes Ansehen geben wollte, nichts geringeres im Sinne, als den Nil in seinem Oberlaufe nach Habesch abzuleiten, um den alten Kulturboden von Aegypten des segenspendenden Wassers zu berauben; denn nur so hoffte er die mohammedanischen Herren für immer aus dem Lande der Pyramiden vertreiben zu können.
Verständiger klingt schon sein Vorschlag, einen großen Feldzug ins rothe Meer hinauf zu machen und nach Eroberung Medina’s die Gebeine Mohammeds zu entführen, um dafür das heilige Grab in Jerusalem von den Ungläubigen auszutauschen.
So genial wie in seinen Plänen, so reich war er an treffenden Aussprüchen. Die zeitgenössischen Geschichtsschreiber haben uns manche davon überliefert, die offenbar von Mund zu Mund gegangen waren. Dadurch wußte er auch die Gemüther wieder zu besänftigen, die er durch sein leidenschaftliches Temperament verletzt hatte. Ein witziger Einfall machte eine scheinbare Ungerechtigkeit, die er begangen, bald vergessen. Man sah, er wollte nur die Pflichtvergessenen treffen.
Als nach der Eroberung Malaka’s Albuquerque beim Bau der Citadelle auf einem Gedenkstein, der in der Mauer angebracht werden sollte, die Namen der Tapfersten hatte einmeißeln lassen, beschwerten seine Leute sich darüber, daß nur einige genannt seien, während sie doch alle ihre Schuldigkeit gethan hatten. Da befahl der Generalcapitän den Stein umzukehren, daß die +Schrift+ nach innen kam, und ließ ihn als Schlußstein über das Thor der Festung setzen mit der neuen Inschrift: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben. (Psalm 118. 22).[121]
Sicher war Albuquerque der bedeutendste unter den portugiesischen Heerführern in Indien. Er verdunkelte auch die Thaten seiner Nachfolger. Zu spät sah Manuel seinen Fehler ein, daß er durch seinen Undank dem Begründer seiner indischen Macht das Herz gebrochen. Dann wollte er ihn wieder an Stelle des Soarez einsetzen und ihm sogar den Rang eines Vicekönigs verleihen. Aber dieser reuige Beschluß kam zu spät, und der König selbst mußte es noch erleben, wie mühsam sich nach Albuquerque’s Tode die indischen Angelegenheiten in befriedigender Weise entwickelten.
8. Die Nachfolger Albuquerque’s.
+Lopo Soarez d’Albergaria+, welcher als nächster Nachfolger Albuquerque’s von 1515-1518 den Oberbefehl in Indien führte, war kein Neuling mehr im Orient; er hatte schon 1504 ein Commando gehabt. Nun war er am 7. April von Lissabon mit 13 Segeln abgegangen und erreichte am 8. September 1515 Goa. Als Capitäne der einzelnen Schiffe begleiteten ihn alle die Widersacher Albuquerque’s, wie Diogo Mendes de Vascogoncellos, Jorge de Brito u. a.
Bei seiner Ankunft in Goa fand er allgemeine Niedergeschlagenheit über seine Ernennung und Betrübniß über die rücksichtslose Beseitigung seines verdienstvollen Vorgängers, der sich in der von ihm geschaffenen Stadt der ungetheiltesten Verehrung erfreute. Im October ging Soarez nach Kotschin und fand dort, wie überall, nur kühlen Empfang; selbst die indischen Fürsten außer dem von Kalikut theilten die allgemeine Stimmung. Um diese Zeit kehrte Albuquerque von Ormuz zurück und in Kotschin erfuhr Soarez durch Simão d’Andrade zuerst von dem Hinscheiden des bisherigen Generalgouverneurs. Nun hatte Soarez freie Hand, aber auch im folgenden Jahre geschah noch nichts Erhebliches, er rüstete zu einem großen Zuge nach dem rothen Meere und brachte eine stattliche Flotte von 37 Schiffen zusammen, mit welcher er im Februar aufbrach, um einem ägyptischen Geschwader entgegenzutreten, welches angeblich 27 Segel stark, wiederum nach den indischen Gewässern bestimmt sein sollte. Die feindliche Macht hatte in der That noch vor Aufbruch des Soarez sich auf den Weg gemacht, die wichtige Insel Kamaran befestigt, damit dieselbe nicht wieder, wie unter Albuquerque, zum Stützpunkt der portugiesischen Unternehmungen dienen könnte, war dann vor Aden erschienen und hatte diese Festung vergeblich berannt. Dann war sie nach Dschidda, dem Hafen von Mekka zurückgekehrt, wo man in gesicherter Lage die Schiffe an den Strand gezogen hatte.
Soarez erlitt zwar durch einen Sturm in der Babelmandeb-Enge einige Verluste, drang aber trotzdem bis nach Dschidda vor. Er kam also weiter als Albuquerque, allein damit hatten seine Erfolge ein Ende. Denn der Hafen von Dschidda ist, wie fast alle Häfen am rothen Meere, durch Korallenbänke gebildet und geschützt. Zwischen den Riffen wand sich das schmale Fahrwasser wohl eine Meile weit, ehe man den Landungsplatz erreichte, und diese gefährliche Straße war durch Batterien vertheidigt. Eine Ueberrumpelung des Platzes mit bewaffneten Böten mißlang, es konnten nur einige Schiffe in Brand gesteckt werden. Während Soarez den Hafen noch blokirte, erhielt er bestimmte Nachrichten über den Einbruch der Türken in Aegypten und die Niederlage des ägyptischen Sultans. Dadurch war vorläufig die Kriegslust desselben vernichtet, und da man vor der Hand von den Türken nichts für Indien zu befürchten hatte, so wollte auch Soarez seine Leute nicht unnützerweise in den ungesunden Gewässern opfern, sondern zog sich zurück. Die Insel Kamaran war bei ihrer Ankunft von der mohammedanischen Besatzung zwar verlassen; aber außer Trinkwasser bot die Insel nichts. Für Lebensmittel war auf der Flotte nicht hinreichend gesorgt; nur um solche zu gewinnen, wurde die Stadt Zeila, auf der afrikanischen Küste, erstürmt und geplündert. Viele Leute verschmachteten oder verhungerten, andere kamen in Krankheiten um, andere bei Schiffbrüchen. Barros schätzt die Zahl der also Hinweggerafften auf achthundert. Osorio[122] äußert sich in heftigem Unwillen über diese Mißerfolge: „Mit Verlust von Menschen und Schiffen, mit Schimpf und Schande ging Soarez nach Ormuz zurück. Weder besetzte er Aden, noch zerstörte er die Flotte des Sultans in Dschidda, ja er setzte nicht einmal den Gesandten des Königs Matthäus von Habesch, der sich an Bord befand, in seiner Heimat ans Land.“ Auf dem Rückwege wurde die Flotte durch Unwetter dermaßen auseinander gejagt, daß einige Schiffe sich bis nach Melinde und gar nach Mosambik verschlagen fanden. So kläglich endete dieses Unternehmen. Mehr Erfolg hatte Soarez 1513 mit seinem Zuge gegen +Ceylon+. Diese Insel war seit 1506 von Portugiesen besucht. Nach der Eroberung von Ormuz, Goa und Malaka, und nach der Besetzung der Haupthäfen auf der Westküste Vorder-Indiens durch Albuquerque, nahmen die arabischen Kauffahrer einen anderen Weg, um von den Gewürzinseln in ihre Heimat zurückzukehren. Sie vermieden das früher besuchte malabarische Küstenland, legten dafür in Ceylon, namentlich in Kolombo, an und steuerten dann über die Malediven nach Aden. Um ihnen nun diesen Weg gleichfalls zu verlegen, hatte Manuel den Befehl gesandt, in Kolombo sich festzusetzen. Der dortige Fürst bequemte sich erst nach einer Niederlage dazu, den Bau einer portugiesischen Citadelle zu gestatten, und mußte, indem er vollständig zinsbar wurde, jährlich 300 Bahar Zimmt (~à~ 4 Centner), 12 Ringe mit Rubinen und Saphiren, und 6 Elephanten als Tribut in die Factorei von Kotschin liefern.
Nachdem dieser Zug geglückt war, übergab Soarez den Oberbefehl seinem Nachfolger und ging am 20. Januar 1519 mit neun beladenen Schiffen nach Portugal ab. „Sein ganzes Glück scheint darin bestanden zu haben, daß er seine Flotten und seine Ladungen wohlbehalten nach Hause brachte.“[123]
Indem wir vorläufig die weiter östlich ausgeführten Entdeckungsfahrten übergehen, um sie später im Zusammenhange übersichtlich darzustellen, verweilen wir noch bei den Angelegenheiten, welche sich in Vorder-Indien und im westlichen Theile des indischen Oceans abspielen. Aber auch diese Ereignisse sollen nur summarisch geschildert werden, da wenige bedeutende Erfolge im nächsten Jahrzehnt zu verzeichnen sind. Auf Soarez folgte als Generalgouverneur +Diogo Lopez de Sequeira+ von 1519-1521. Derselbe ist uns bereits bekannt durch seinen ersten Besuch in Malaka 1509. Er kam als oberster Befehlshaber wieder mit einer ansehnlichen Flotte und 1500 Mann im September 1518 nach Indien, und unternahm auch, auf königlichen Befehl, 1520 einen erfolglosen Zug nach dem rothen Meere, weil man in Portugal in Erfahrung gebracht, daß die Türken in Aegypten einen Zug nach Indien vorbereiteten. In der Nähe der Meerenge von Babelmandeb litt Sequeira selbst Schiffbruch; er rettete sich mit seinen Leuten auf ein anderes Fahrzeug, gelangte aber nicht einmal bis Dschidda, suchte dann den Hafen Massaua an der Küste von Habesch auf -- er war der erste Portugiese, der hier anlief -- und brachte endlich den habessinischen Gesandten, den schon Soarez bei seinem Zuge an Bord gehabt, wieder in sein Vaterland. Dann begab er sich von da nach Ormuz und wurde mit neuen Befehlen von Portugal aus förmlich überschüttet, so daß er nicht wußte, was er zuerst vornehmen sollte. Danach sollte er auf den Molukken, auf Sumatra, auf den Malediven, in Tschaul (Vorder-Indien) Festungen anlegen, dann wieder nach dem rothen Meere gehen, Diu erobern, Schiffe nach China senden u. s. w. Aber von alledem hat er nur eins, die Anlegung eines Forts in Tschaul, ausgeführt. Denn sein großer Zug gegen Diu mit mehr als vierzig Schiffen mißlang und zu einem zweiten Zuge gegen Aegypten fehlte ihm die Zeit. Seine Amtszeit war abgelaufen. Bis an das nördliche Ende des rothen Meeres, bis nach Sues vorzudringen, war erst 1541 dem Sohne Vasco’s, Estevan da Gama vergönnt.
Schon ehe Sequeira vom Oberbefehl zurücktrat, starb König Manuel am 13. Januar 1521. Sein Sohn und Nachfolger Johann III. schickte 1522 den +Duarte de Menezes+ als Obergeneral nach Indien. Derselbe hatte sich im afrikanischen Kriege vor Tanger ausgezeichnet und galt als einer der vorzüglichsten Männer Portugals; aber auf indischem Boden grünte ihm kein Lorbeer, denn um diese Zeit wäre beinahe die wichtige Position von Ormuz verloren gegangen. Dort war nämlich gegen Ende des Jahres 1521 ein Aufstand ausgebrochen, weil Portugiesen als Hafenmeister angestellt waren, welche die Hafeneinkünfte controlliren sollten. Darüber bildete sich eine Verschwörung, welche die Fremden vernichten sollte. In einer Nacht wurden 125 Portugiesen, welche sorglos in der Stadt wohnten, überfallen und niedergemacht. Glücklicherweise aber hielt sich die Festung. Der König von Ormuz begab sich daher, da der verrätherische Plan nicht vollständig geglückt war, mit allem Volk nach der weiter nördlich gelegenen Insel Kishm, nachdem er die Stadt den Flammen preisgegeben hatte. Der Bruder des Generalcapitäns, Luis de Menezes, welcher auf die Kunde von diesem Vorfall sofort dorthin gesendet wurde, stellte indeß den Frieden wieder her. Das Handelsvolk kehrte in die Stadt zurück und der König mußte sich zu einem jährlichen Tribut von 20,000 Scherafinen verpflichten. Dann erschien auch Duarte de Menezes in Ormuz, ordnete die Verhältnisse wieder und befestigte die portugiesische Stellung.