Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Part 22
Um den Handel wieder zu beleben und das Vertrauen in die neuen Verhältnisse zu wecken, wurden eingeborene Schahbender (Hafenmeister) ernannt, welche die handeltreibenden Nationen zu vertreten hatten. Um den Marktverkehr zu ordnen, ließ Albuquerque goldene und silberne Münzen prägen, denn unter den früheren Herrschern hatte es nur zinnerne Münzen gegeben. Die großen Silbermünzen hießen Malaquezes, die Goldmünzen, zu 1000 Realen, Catholicos. Durch diese zweckmäßigen Einrichtungen wurde der Handel bald wieder gehoben, und fremde Handelsschiffe liefen wieder in den Hafen ein.
Mit den großen Staaten Ostasiens suchte Albuquerque in friedliche, freundschaftliche Beziehungen zu treten. Durch die Vertreibung des mohammedanischen Herrschers war er nur an die Stelle eines fremden Eindringlings getreten, welcher sich die Freundschaft der fürstlichen Nachbaren nicht erworben hatte; er hoffte also mit Recht, nicht als Feind der eingeborenen Dynastien betrachtet zu werden. Nach allen Seiten wurden Botschafter abgeordnet. Auf einer chinesischen Dschunke, welche nach Siam ging, segelte Duarte Fernandez, welcher mit Ruy Araujo gefangen gewesen war und in Malaka malayisch gelernt hatte, mit nach Siam. Er war der erste Portugiese, welcher diesen mächtigen hinter-indischen Staat betrat. Er sollte dem Könige von Siam die Eroberung von Malaka melden und zugleich die officielle Erklärung abgeben, daß die Kaufleute des Landes sich des besonderen Schutzes der Portugiesen erfreuen sollten und in Malaka’s Hafen willkommen sein würden. Fernandez wurde am siamesischen Fürstenhofe zu Ajuthia[108] wohlwollend aufgenommen, man zeigte ihm unter anderen Merkwürdigkeiten auch einen weißen Elephanten. Dann wurde er mit einem siamesischen Gesandten wieder zurückgeschickt, welcher außer Briefen an den König Manuel als Geschenke eine Krone, ein Schwert von Gold und einen kostbaren Rubinring überreichen sollte.
Zur Erwiderung gingen mit demselben Gesandten reiche Geschenke wieder an den König von Siam zurück. Die Ueberbringer derselben, Antonio de Miranda d’Azevedo und Duarte Coelho, reisten zu Lande über Tenasserim nach Siam. Eine andere Gesandtschaft ging unter Ruy da Cunha nach Pegu, um auch mit diesem Reiche einen Vertrag zu schließen. Malayische Fürsten von Sumatra und Java beeilten sich ihre freundschaftliche Gesinnung für die Portugiesen ebenfalls durch Geschenke zu bethätigen. Nur mit Arakan, dessen Hafenstadt von João da Silveira angegriffen war, und mit dem Königreiche Atschin in Nord-Sumatra blieb man auf feindlichem Fuße. Das letztere Reich, in nächster Nachbarschaft von Malaka gelegen, unterstützte in der Folgezeit mehrfach die immer wiederholten Angriffe der vertriebenen Mauren auf die Stadt und suchte Jahrzehnte lang den Handel zu beeinträchtigen.
Da die Chinesen schon bei dem ersten Besuche Sequeira’s in Malaka sich durchaus freundlichgesinnt bewiesen, so suchte Albuquerque auch mit China freundschaftliche Beziehungen anzuknüpfen. Doch unterblieb die Absendung einer Gesandtschaft noch in den nächsten Jahren. Dagegen ist gewiß, daß bereits 1515 das Reich der Mitte von portugiesischen Handelsschiffen aufgesucht wurde, welche zwar ihre Waaren absetzen durften, aber für ihre Mannschaft nicht die Erlaubniß erhielten, das Land zu betreten.
Der Eindruck, den die Kunde von der Eroberung Malaka’s in Europa machte, war ein außerordentlicher. Derselbe wurde noch gesteigert durch eine pomphafte Gesandtschaft, welche König Manuel 1513 unter Tristão da Cunha mit großem Gefolge an den Papst Leo X. entsendete. Außer reichen mit Gold und Edelsteinen geschmückten kirchlichen Ornaten und schweren goldenen Gefäßen wurde bei dem prächtigen Einzuge der Gesandtschaft in Rom, am 12. März 1514, dem erstaunten Volke auch die gewaltige Thierwelt Indiens in Gestalt eines riesigen Elephanten, den man seit dem Alterthum in Italien nicht mehr gesehen hatte, eines Jagdleoparden, der auf einem reich aufgezäumten persischen Rosse saß -- es war ein Geschenk des Königs von Ormuz -- vorgeführt. Ein Herold mit den portugiesischen Abzeichen schritt in dem festlichen Zuge, der eine Huldigung des Orients vor dem Haupte der Christenheit vorstellen sollte, dem Gesandten voraus. Die Menschenmenge, welche um dieses Schauspiel zu sehen, herbeigeströmt war, hatte Kopf an Kopf alle Straßen dermaßen besetzt, daß der Zug kaum hindurchdringen konnte.
Als derselbe endlich die Engelsburg erreicht, wurde mit allen Kanonen geschossen, daß der Donner der Geschütze und dichter Pulverdampf weithin über die Stadt rollten. Dann erschien der Papst an einem Fenster und nahm den Zug in Augenschein. Der riesige Elephant mußte vor Seiner Heiligkeit dreimal die Knie beugen, zu nicht geringer Verwunderung der Zuschauer.[109] Am folgenden Tage wurden die Geschenke in feierlicher Audienz überreicht durch den portugiesischen Abgesandten Diogo Pacheco, welcher bei dieser Gelegenheit eine glänzende Rede über die Waffenthaten seiner Landsleute in Indien hielt und dabei einen Brief seines Königs überreichte, in welchem gleichfalls die Siege Albuquerque’s verherrlicht waren. Nach der deutschen Uebersetzung (Die New Welt der Landschafften u. s. w. Straßburg 1534. Fol. 57) lautet der Anfang dieses Briefes folgendermaßen:
Ein sendbrieff des mechtigsten vnd vnuberwintlichsten Emanuels des Königs jnn Portugal, vnd Algarbien von den sygen, die er gehabt hat jnn India vnd Malacha, zu dem Heyligsten jnn Gott vatter, vnd vnserm Herrn, Herrn Leoni dem zehenden des namens Babst zu Rom.
„Wie vast wir vns mit Gott dem Herrn vnd dir frewen sollen, Allerheyligster vatter das erscheynet aus der bottschaft, die vnser Indische schiffrüstung bracht hat. Dweyl vnder dir Römischem Bischoff, und presidenten der Römischen vnd Christlichen Kirchen so wunderbarliche Ding, zu lob vnd eher dem Allmechtigen nach wunsch ergangen seind, das man dir billich zum lob und eher rechnet. Darumb hat vns fur billich angesehen, was in India sich verloffen hat, mit der Hilff Gots, vnd vnsern waffen zu deiner Heyligkeyt als zu eym Haupt der gmeynen Christenheyt vnd richtschyt aller Christlichen Religion kurtz vnd summarien weys zubeschreyben, das alle Ding nach jhrem werd geschetzt werden, vnd Gott dem Herren darumb gedanckt. Auch dz wir hoffen mögen tägliche merung deines lobs sambt zunemung des Christlichen glaubens vnd leren.“
Es wurden also auch die indischen Siege als Glaubenssiege aufgefaßt; aber der Schauplatz dieser Kreuzzüge lag viel weiter im Osten, „am güldenen Chersoneso, in den auswendigsten Morgenländern“, wo durch die portugiesischen Waffen auch das Christenthum verbreitet werden sollte. Albuquerque’s Verdienst wurde mit höchster Anerkennung gepriesen. Der Generalcapitän Indiens stand damals auf der Höhe seines Ruhmes. In Asien und Afrika erscholl sein Name mit Schrecken, in Europa mit Bewunderung.
Noch von Malaka aus wurden drei Schiffe am Schluß des Jahres 1511 abgesendet, um das letzte Ziel der Portugiesen, die +Gewürzinseln oder Molukken aufzusuchen+. Das kleine Geschwader stand unter der Führung des +Antonio d’Abreu+. Derselbe hatte sich beim zweiten Sturm auf Malaka ausgezeichnet, war dabei durch einen Schuß in die Backe, welcher ihm mehrere Zähne und einen Theil der Zunge nahm, verwundet, hatte aber trotzdem nach Anlegung eines Verbandes sich am Kampfe wieder betheiligt. Wie diese erste Kundschaft nach den Molukken verlief, werden wir später im Zusammenhange mit den folgenden Vorfällen auf den Gewürzinseln zu schildern haben.
Die Angelegenheiten zu Malaka ordnete Albuquerque der Art, daß er Ruy d’Araujo zum Richter und Factor (~alcaide mór e feitor~), Ruy de Brito Patalim zum Commandanten der Festung einsetzte. Die Besatzung belief sich auf 300 Mann, ebenso stark war die Mannschaft auf der dort stationirten Flotte von zehn Segeln, welche unter dem Befehle des Fernão Peres d’Andrade zurückblieb. Diese beträchtliche Macht war erforderlich, um Malaka gegen Angriffe von der Land- und Seeseite vertheidigen zu können. Und solche Angriffe waren um so mehr zu erwarten, als die Macht des früheren Herrschers keineswegs gebrochen war; denn Mahmud hatte sich auf Bintang, südöstlich von der alten Residenz Singapur, und sein Sohn Alaeddin in Dschohor festgesetzt, so daß sie von da aus die Straße nach den Gewürzinseln und nach China nicht nur beherrschten, sondern die Portugiesen in Malaka beständig beunruhigen konnten.
Im Januar 1512 ging Albuquerque mit drei Schiffen nach Indien zurück. Auch nahm er eine Anzahl (gegen 60) javanischer Zimmerleute sammt ihren Familien mit, welche ihm beim Schiffbau dienlich sein sollten. An der gefährlichen Küste von Sumatra ging Albuquerque’s Schiff, Flor de la mar, auf einer Sandbank zu Grunde. Er selbst verlor alle Beute und Siegeszeichen in diesem Schiffbruche sammt den Manuscripten, in denen er seine Thaten aufgezeichnet hatte. Die Mannschaft rettete sich zwar auf das folgende portugiesische Schiff, aber die malayischen Zimmerleute benutzten die Gelegenheit zu einer Meuterei, bemächtigten sich des Fahrzeuges, auf dem sie segelten, mit Gewalt und gingen an der Küste von Sumatra ans Land. Albuquerque selbst erreichte in den ersten Tagen des Februar den Hafen von Kotschin.
In Goa waren unterdessen, während der Abwesenheit des Oberbefehlshabers, die Portugiesen belagert worden und arg bedrängt. Die verhältnißmäßig kleine Besatzung von 450 Portugiesen und 1250 indischen Hilfstruppen wurde fortwährend beunruhigt und durch kleine Gefechte ermüdet. Sie verlor sogar zwei ihrer besten Hauptleute und sah sich genöthigt, den noch gefangen gehaltenen Diogo Mendes de Vascogoncellos seiner Bande zu entledigen und an die Spitze zu stellen. Die Feinde hatten der Stadt gegenüber eine starke Burg in Benestarim errichtet und drohten von da aus, die Fremdlinge zu vertreiben. Zum Glück kamen im Sommer 1512 nacheinander mehrere Schiffe mit Mannschaft und Lebensmitteln zu Hilfe, und als im August sogar eine größere Flotte von dreizehn Schiffen mit 1800 Soldaten einlief, gewann man allen Muth wieder und ging selbst zum Angriff über. Albuquerque durfte es daher wagen, seine Ankunft zu verzögern, um vorher die Handelsflotte nach Europa abzufertigen, und ging erst am 16. September mit sechzehn Segeln nach Goa.
Sein Erscheinen änderte die Lage vollständig. Aus den bisher Bedrängten wurden wieder Bedränger und siegesgewisse Angreifer. Benestarim wurde erobert. Den portugiesischen Ueberläufern in der Festung hatte Albuquerque das Leben gesichert, aber er ließ ihnen zur Strafe, anderen zur Warnung, Ohren und Nase abschneiden, die rechte Hand, sowie den linken Daumen abhauen und schickte die Verstümmelten nach Portugal zurück. Benestarim wurde noch stärker befestigt und Goa bei dem folgenden Friedensschlusse an Portugal abgetreten. Der verhältnißmäßig leichte Sieg ist zum Theil auch der steten Eifersucht der dekhanischen Fürsten untereinander zuzuschreiben, die einerseits nie gemeinschaftliche Sache gegen die Abendländer machten, andererseits sich im Geheimen um die Freundschaft der Portugiesen bewarben. Dann wurde durch eine an der Küste kreuzende Flotte der Hafen von Kalikut gesperrt und dadurch der Fürst auch zur Nachgiebigkeit gezwungen. Dagegen begann Goa als Handelsplatz aufzublühen. Albuquerque hatte dafür gesorgt, daß nur nach Goa die Pferde aus Persien eingeführt werden durften. Die einheimischen Kriege wurden damals in Indien aber hauptsächlich durch Reiterei entschieden. Die indischen Fürsten waren also dadurch, daß Goa allein der Einfuhrhafen für Pferde wurde, auf den guten Willen und die Freundschaft der Portugiesen angewiesen, wenn sie ihre Reiterei verstärken wollten.
In Portugal selbst erkannte man die Bedeutung Goa’s noch nicht, oder wurde durch falsche Berichte, die möglicherweise absichtlich von den Gegnern Albuquerque’s verbreitet wurden, über die wahre Sachlage getäuscht. Nur so erklärt es sich, daß Manuel in einem Schreiben an den Oberbefehlshaber anordnen konnte, Albuquerque möge mit seinen Hauptleuten wohl überlegen, ob Goa behauptet werden solle oder nicht. Goa sei ein ungesunder Ort und seine Behauptung koste unnützes Geld.[110] Man werde dadurch in immer erneute Kriege mit den nächsten Landesherren verwickelt und es werde sehr fraglich sein, ob jemals die Abgaben vom festen Lande eingezogen werden könnten, welche der Generalcapitän als nicht unbeträchtlich bezeichnet hatte. Albuquerque aber legte auf die Wiedereroberung Goa’s das größte Gewicht. Er schrieb dem Könige, daß dieser Sieg in Indien mehr gewirkt habe für die Macht des Königs, als alle Flotten, die seit fünfzehn Jahren dahin abgeschickt worden seien. Der Bund der feindlichen Fürsten sei dadurch gesprengt. Die Räthe des Königs wüßten die indischen Angelegenheiten nicht richtig zu beurtheilen. Ohne feste Stütze auf dem Lande sei in Indien die portugiesische Macht ohne Dauer. Alle Citadellen in Kotschin, Kananor und anderen Orten hielten in Werth und Bedeutung keinen Vergleich mit Goa aus. Er wisse wohl, daß er in Portugal Feinde habe; aber der König möge nicht auf sie hören; denn wenn Goa wieder aufgegeben würde, dürfte auch die portugiesische Herrschaft in Indien ihrem Ende nahe sein. Er verdiene mehr Dank vom Könige dafür, daß er Goa gegen Portugiesen vertheidige, als dafür, daß er es zweimal den Feinden abgenommen.[111]
Osorio stellt bei dieser Gelegenheit folgenden interessanten Vergleich zwischen der Politik Almeida’s und Albuquerque’s an:[112] das Ziel beider Feldherrn ging auf die Verherrlichung und den Ruhm ihres Königs und der portugiesischen Waffen, sowie auf die Verbreitung des Christenthums in Indien; aber sie schlugen verschiedene Wege ein. Almeida wollte sich mit einem Stützpunkt am Lande begnügen und dagegen mit stets vereinigten Flotten die See beherrschen. Seine Truppen wollte er nicht in einzelnen Besatzungen zersplittern, welche von großen feindlichen Mächten leicht überwältigt werden könnten. Albuquerque aber strebte vor allem danach, Herr des Landes zu werden, in der festen Ueberzeugung, daß er dann auch über die See gebiete. Sein Blick ging dabei über das Nächstliegende hinaus. Er wollte nicht blos dafür sorgen, für die Gegenwart alljährlich kostbare Gewürzfrachten heimzusenden, er wollte diesen Handel auch für die Zukunft sichern. Dazu brauchte er eine imponirende Stellung auf dem Lande und damit verbunden eine vollkommene Beherrschung der wichtigsten Handelsplätze. Eine große Flotte, meinte er, könne in einem Sturme untergehen, eine feste Stellung auf indischem Boden sei sicherer. Ein solcher Platz sei aber nicht sicher, wenn er blos an sich fest sei, sondern erst dann, wenn man demselben auf verschiedenen Wegen Hilfe bringen könne. Solche Stützpunkte aber verminderten nicht, sondern stärkten auch die Machtstellung auf der See.
Wie richtig Albuquerque’s Urtheil in Bezug auf Goa war, erwies sich in der Folgezeit, als Soliman von Aegypten Diu angriff und durch eine von Goa kommende Flotte zum Rückzug genöthigt wurde; ebenso als der Beherrscher von Kambaya mit türkischer Hilfe noch einmal Diu bedrohte. Der damalige Befehlshaber in Goa, João Castre, konnte seine Gegner um so leichter bezwingen, als er in Goa sofort neue Truppen ausheben und auf den Werften konnte Schiffe bauen lassen, und als er mit allem Kriegsmaterial wohl versehen war. Der Ausgang des Kampfes wäre zweifelhaft gewesen oder wenigstens verzögert worden, wenn man auf die entfernte Hilfe vom Mutterlande her hätte warten müssen. Dazu hatte Albuquerque aus Goa eine portugiesische Stadt zu machen verstanden, in welcher die Soldaten Heiraten mit Hindumädchen eingingen.
Die große Bedeutung der Besetzung Goa’s hebt auch Barros[113] hervor. Dieses Jahr, sagt er, war eines der glücklichsten für die portugiesischen Angelegenheiten. Es kamen nicht blos reiche Flotten mit Spezereien nach Portugal, sondern auch die Nachrichten von der Eroberung Malaka’s und Goa’s, es kamen Gesandte vom Priester Johannes (dem Könige von Habesch), von Siam und Pegu, sogar der Samudrin bequemte sich in der Folgezeit endlich dazu, den Bau einer Citadelle in Kalikut zu gestatten. Viele andere malabarische Fürsten von Kambaya, von Narsinga u. a. wünschten Frieden und Freundschaft mit den Portugiesen zu schließen.
In Indien war Portugals Macht thatsächlich befestigt, die einheimischen Fürsten erkannten, wenn auch widerstrebend, die Herrschaft der neuen Seemacht an; aber sie wurden von Aegypten aus immer wieder von neuem aufgeregt und mit Schiffen und Mannschaft zu neuen Erhebungen aufgemuntert. Aegypten verlor durch die völlige Verdrängung vom indischen Markte zu viel an Einkünften, als daß es sich nicht immer wieder veranlaßt fühlen sollte, mit Hilfe indischer Bundesgenossen die verhaßten Christen zu befehden. König Manuel drängte darum mit Recht wiederholt auf einen Zug nach dem rothen Meere, um womöglich diese wichtigste Straße des mohammedanisch-indischen Handels zu schließen. So rüstete sich Albuquerque denn im Beginn des Jahres 1513 zu einem Feldzuge nach jenen arabischen Gewässern. Es klingt fast wie eine Entschuldigung oder Ablehnung der Verantwortlichkeit für die Folgen dieses Unternehmens, wenn Albuquerque seinen Capitänen erklärte, der König habe schon zu wiederholten Malen ihm diesen Zug geboten und habe nun in seinem letzten Briefe ausdrücklich befohlen, unverzüglich aufzubrechen.[114]
Am 18. Februar 1513 ging er mit 20 Schiffen, 1700 Portugiesen und 800 indischen Soldaten nach dem rothen Meere ab. Im Hafen von Soko auf Sokotra wurde Wasser eingenommen; die Festung daselbst war im vorhergehenden Jahre bereits aufgehoben. Von hier aus mußte die Fahrt mit äußerster Vorsicht geschehen, da man das Fahrwasser nicht kannte. Seit dem Alterthum war kein den Europäern gehöriges Schiff auf diesen Gewässern erschienen. Albuquerque war wieder der erste, welcher in dieses zwei Erdtheile scheidende Binnenmeer eindrang. Glücklicherweise wurde ein Schiff, das von Tschaul kam, aufgebracht, der Lotse desselben wurde gezwungen, den Führer zu machen. Die nächste Aufgabe war, sich Adens zu bemächtigen. Es war schon damals wie noch heute der Schlüssel des rothen Meeres. Die Stadt blühte rasch auf, weil es in Folge der neuen Verhältnisse zum Stapel für die Gewürze geworden war; denn die arabischen Händler wagten sich aus Furcht vor den Portugiesen nicht mehr ins indische Meer, sondern nahmen in Aden die Waaren in Empfang, welche auf malabarischen Schiffen ihnen zugeführt werden durften. Aden liegt auf einer landfest gewordenen Insel, also auf einer Halbinsel, auf durchaus vulkanischem Boden, eigentlich im Innern eines erloschenen Kraters, dessen nackte Wände die Stadt in einem Halbkreise umgeben. Wasser fehlte damals und mußte von weit hergeleitet werden. Jetzt versorgen gewaltige Cisternen die Bewohner mit dem nöthigen Wasser. Die an sich schon feste Lage war durch starke Mauern und Thürme noch mehr gesichert. Albuquerque forderte die Uebergabe der Stadt, welche im Besitz des Amir Ibn-abd-el-wahhab war; aber dieselbe wurde abgelehnt. So entschloß sich der portugiesische Befehlshaber rasch zum Sturm, setzte 1400 Portugiesen und 400 Indier ans Land, um auf Sturmleitern die Mauern zu erklimmen. Voll Ehrgeiz und Kampfbegier drängten sich die Angreifer auf die allzubreiten Leitern, so daß die Stufen unter dem Gewicht von mehr als zwanzig Menschen, die zu gleicher Zeit hinaufstrebten, zusammenbrachen. Vierzig Portugiesen befanden sich schon auf der Mauer. Garcia de Sousa bemächtigte sich sogar eines Thores. Da er aber von den Arabern gedrängt, sich nicht an einem Stricke von der Mauer herablassen wollte, so stürzte er lieber mitten unter die Feinde und opferte sich, tapfer kämpfend, auf, um seinen Gefährten Zeit zu verschaffen, sich zu retten.
Albuquerque mußte erkennen, daß seine Macht zu schwach sei und brach daher nach vier Stunden den Kampf ab. Einen späteren Angriff behielt er zwar im Auge, wollte aber vorher einige wichtige Inseln im rothen Meere besetzen. Mit äußerster Vorsicht mußte vorgegangen werden, weil überall Klippen und Korallenbänke ungeahnte Gefahr drohten. Dazu traute Albuquerque dem gezwungenen Lotsen nicht, suchte mit dem Senkblei in der Hand das Fahrwasser auf und ließ alle Abende beilegen. So gelangte er bis zur flachen, felsigen Insel +Kamaran+ (15° 51′ n. Br. 42° 32′ ö. L. v. Greenwich). Dieselbe liegt hart an der arabischen Küste, in der Nähe der Stadt Lohaja. Obwohl sich die Höhen nur 16 Meter über den Meeresspiegel erheben, ist die Insel doch reich an Brunnen und besitzt einen sehr guten Hafen auf der Ostseite. Sie war den Küstenfahrern längst als guter Ankerplatz bekannt, wo man sich auch mit Wasser und Früchten, namentlich Datteln versorgen könnte. So erhielten denn auch die Europäer frühzeitig davon Kunde und lernten den Platz schätzen. Carsten Niebuhr hebt hervor: Fast alle Nachrichten der Europäer von dem arabischen Meerbusen erwähnen dieser Insel.[115] Ihrer wichtigen Lage wegen ist sie gegenwärtig im Besitze der britischen Macht, welche von der Insel Perim aus auch den Ausgang des rothen Meeres beherrscht. Es zeugt aber sicher von dem Scharfblicke Albuquerque’s, daß er sofort beim ersten Betreten dieses Meeres die Bedeutung jener wasserreichen Insel erkannte. Aber viel weiter sollte er nicht gelangen. Mehrere Versuche nordwärts zu dringen, wurden durch Unwetter abgeschlagen. Er sah sich längere Zeit an die Insel gefesselt, da die günstigen Monsune zur Rückfahrt nach Indien noch nicht eingesetzt hatten, er verlor in dem verrufenen heißen Klima viele Leute und konnte erst am 15. Juli nach Aden zurückkehren. Ohne diese Stadt noch einmal zu bedrohen, segelte er weiter und langte schon am 4. August wieder in Diu an. Hier zeigte sich nun Melek Eias so weit nachgiebig, daß er die Errichtung einer Factorei den Portugiesen gestattete, und als auch Kalikut sich endlich zu einem ähnlichen Zugeständniß bereit erklärte, wurden den mohammedanischen Schiffen Pässe ertheilt, und das Aufbringen der im Gewürzhandel beschäftigten Kauffahrteischiffe hörte an den Küsten Indiens auf. Der Handel begann sich wieder zu beleben und zu befestigen.
Im nächsten Jahre wurde Pero d’Albuquerque, der Neffe des Generalcapitäns, mit einem Geschwader nach Ormuz entsandt, um den fälligen Tribut einzuziehen, während Jorge d’Albuquerque mit frischen Truppen nach Malaka steuerte, um hier die Vertheidigung der viel umstrittenen Stellung zu übernehmen.
Die nächste Zeit war Albuquerque selbst mit den indischen Angelegenheiten: mit der Befestigung der Citadellen in den Handelsstädten und Abfertigung der Transportflotten beschäftigt, außerdem plante er einen neuen Zug gegen Aden. Während der Vorbereitung dazu erhielt er aber die königliche Weisung, zunächst womöglich nach Ormuz zu gehen. Albuquerque konnte um so mehr diesem Befehle zustimmen, als er inzwischen in Erfahrung gebracht, daß der Sultan von Aegypten nicht weiter rüste, daß also von Seiten dieses Gegners keine Gefahr drohe und das rothe Meer ruhig bleiben werde. Am 21. Februar 1515 ging der Generalcapitän von Goa aus mit 27 Schiffen (14 großen Schiffen, 7 Karavelen und 6 Ruderschiffen) in See. Es sollte sein letzter Zug sein. Die Besatzung bestand aus 1500 Portugiesen und 700 Indiern (Kanaresen und Malabaren). In Ormuz führte damals Rais Ahmed, ein ehrgeiziger Perser, im Namen seines alten und schwachen Oheims das Regiment. Die Portugiesen hatten über ihn gehört, daß er mit dem Plane umgehe, sich unter die Oberhoheit des persischen Schah zu stellen, um sich der Verpflichtungen des lästigen Tributs an Portugal zu entledigen.