Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Part 21

Chapter 213,466 wordsPublic domain

Gegen Ende Mai trafen die Indier Vorkehrungen, dem Feinde den Rückzug abzuschneiden, sie versenkten Schiffe in dem unteren Theile des Canals, der zur See führte, und ließen brennende Flöße den Fluß hinabtreiben, um die portugiesischen Fahrzeuge in Brand zu setzen. Bei dieser drohender werdenden Gefahr mußte sich Albuquerque entschließen, vorläufig das Errungene wieder aufzugeben. Aber auch der Rückzug war mit bedeutenden Schwierigkeiten verknüpft. Einzeln mußten seine Schiffe zwischen den versenkten Fahrzeugen hindurch geführt werden und waren dabei unausgesetzt dem Feuer der Feinde preisgegeben, welche an beiden Seiten Schanzen aufgeworfen hatten. Diese mußten also erst erstürmt werden, um das Feuer der Gegner zum Schweigen zu bringen. Und selbst als dieses gelungen war, hemmte noch das seichte Wasser über der Barre das Auslaufen der Flotte in die See eine längere Zeit. Von allen Hilfsmitteln des Landes abgeschnitten, trat Mangel an Lebensmitteln und Wasser ein, der Mann bekam täglich nur noch vier Unzen Zwieback, und auf einigen Schiffen sah man sich sogar gezwungen, Jagd auf Ratten zu machen. Jeder Tropfen Wasser mußte mit Blut erkauft werden. Antonio de Noronha wurde durch einen Pfeilschuß verwundet und starb am dritten Tage, ein herber Verlust für Albuquerque, welcher seinen heldenmüthigen Verwandten sehr hoch schätzte. Zwar verrichteten noch manche Wunder der Tapferkeit und gewannen dadurch die Bewunderung ihrer Feinde; aber bei vielen griff Mißmuth und Verzagtheit dergestalt um sich, daß sie in ihrer Verzweiflung und von Durst und Hunger gequält, desertirten. Albuquerque bewies auch in dieser Noth seine Seelenstärke, feuerte seine Schaar durch Trostesworte immer von neuem an und theilte mit ihnen alle Entbehrungen und Gefahren. Erst im August gelang es ihm, über die Barre hinwegzukommen und die See zu gewinnen. Es war die zweite Niederlage, die er erlitten; aber sein Muth war nicht gebrochen und seine Absichten auf Goa behielt er im Auge. Vorläufig allerdings mußte er seinen Truppen Ruhe gönnen und wandte sich daher mit seiner Flotte südwärts zu dem befreundeten Hafen nach Kananor. Auf dem Wege dahin stießen vier Schiffe des Diogo Mendes de Vascogoncellos zu ihm, die von Portugal aus den Auftrag erhalten hatten, einen Streifzug nach dem berühmten Markte von Malaka zu unternehmen, weil man damals im Mutterlande noch nicht erfahren hatte, daß, wie wir später sehen werden, Lopez de Sequeira bereits jener Handelsstadt einen Besuch abgestattet hatte. In Kananor stieß dann noch ein zweites Geschwader zu ihm, welches unter der Führung des Capitän Gonçalo de Sequeira mit sieben Handelsschiffen und frischen Truppen im März von Lissabon ausgelaufen, aber ein Schiff an der afrikanischen Küste verloren hatte.

Dieser Zuwachs an Macht bestärkte den Generalcapitän, einen neuen Angriff auf Goa zu machen. Vascogoncellos erklärte sich bereit, an diesem Zuge theilzunehmen, da der ihm gewordene Auftrag bereits erledigt sei. Gonçalo de Sequeira dagegen glaubte die Theilnahme ablehnen zu müssen, weil einerseits die meisten Schiffe Privatrhedern gehörten, welche nur, um Handel zu treiben, gekommen wären, und anderseits ihre nächste Hilfe dem Fürsten von Kotschin gehöre, welcher von einem Nebenbuhler, den der Samudrin mit Truppen unterstützte, hart bedrängt werde. Um diesen zweiten Grund sofort zu erledigen, ging Albuquerque mit einigen Schiffen und Mannschaften nach Kotschin und stellte die Ruhe und gesetzmäßige Regierung in kurzer Frist wieder her. Dann berief er in dieselbe Stadt einen Kriegsrath sämmtlicher Hauptleute, um sie für seinen Plan zu gewinnen.

Dieser Rath trat am 12. October 1510 zusammen. Der Generalcapitän legte der Versammlung die Frage vor, ob sie nicht seinem Plane zustimmen wolle, während die Handelsschiffe in Kotschin ihre Gewürzfrucht einnähmen, alle verfügbare Mannschaft mit seinen Truppen zu vereinigen, um Goa von neuem zu erobern.

Diese Berathung ist in der späteren Zeit von außerordentlichen Folgen gewesen. Hier war es, wo +Fernão de Magalhães+ sich entschieden für die Ansicht Sequeira’s aussprach und Albuquerque dadurch auf das empfindlichste verletzte: +Vor+ dem 8. November werde man bei den augenblicklich herrschenden Gegenwinden schwerlich mit der Flotte vor Goa erscheinen können (-- Albuquerque kam in der That erst am 24. November dahin --); dann werde aber die Rückfahrt der Handelsschiffe dermaßen verzögert, daß man entweder der am Kriegszuge betheiligten Mannschaft später keine Zeit lassen könne, ihre eigenen Angelegenheiten zu betreiben, um sich zur beschleunigten Abreise einzurichten, oder es werde der günstige Monsun verpaßt.

Albuquerque erklärte dagegen aufs bestimmteste, er werde den nächsten Tag aufbrechen, er werde auch niemanden gegen seinen Wunsch zwingen mitzugehen, aber er wünsche deshalb diesen Zug so bald als möglich zu unternehmen, um mit der demnächst abzufertigenden Handelsflotte seinem Könige eine erfreuliche Botschaft aus Indien übersenden zu können.

So blieben die +Ansichten+ getheilt und der Generalcapitän gewann nur einen Theil der Stimmen für sich. Der Widerspruch Magalhães legte den Grund zu dem ungünstigen Urtheile, welches Albuquerque in einem Berichte an den König über jenen fällte, und welches wohl die Ursache war -- denn wir kennen keine andere -- daß Manuel späterhin, als Magalhães um eine bescheidene Erhöhung seiner wohlverdienten Pension nachsuchte, die Gewährung dieser Bitte verweigerte, wodurch der Bittsteller sich so sehr verletzt und zurückgesetzt fühlte, daß er seinem Vaterlande den Rücken kehrte und auf spanischen Schiffen seine berühmte, ja die berühmteste aller Weltreisen unternahm. Magalhães scheint bald nach dem Conflicte mit Albuquerque Indien verlassen zu haben, denn hier sah er von da an sich aller Gelegenheit beraubt, Aufzeichnung und Ruhm zu gewinnen.

Die portugiesische Flotte, 23 Segel stark, erschien mit 1600 Mann Soldaten am 20. November vor Goa. Gaspar de Paiva hatte, mit drei Schiffen vorausgesandt, schon einige Zeit vor dem Hafen gekreuzt und kein Schiff weder hinein, noch heraus gelassen. In der Stadt war man auf einen heißen Kampf gefaßt. Ohne Zeitverlust ging Albuquerque zum Angriff über, schon am 25. November wurde die Citadelle erstürmt und die Insel besetzt; aber gewarnt durch die schlimme Erfahrung von Kalikut duldete er nicht, daß die Soldaten sich zerstreuten. Dann wurde auch die Stadt selbst von zwei Seiten angegriffen und erobert. Viele Einwohner verließen die Stadt, aber bei ihrer hastigen Flucht sollen in den seichten Durchgängen der Canäle mehrere Tausende umgekommen sein. Alles was mohammedanisch war, wurde in dem eroberten Platze ohne Gnade niedergemacht: Männer, Weiber und Kinder. Eine Moschee, mit Gefangenen angefüllt, wurde den Flammen übergeben, so daß alle in dem Gotteshause Befindlichen ihren Tod fanden.

Dann ließ Albuquerque ein starkes steinernes Kastell erbauen und gab ihm, dem König zu Ehren, den Namen Manuel. Im Vertrauen auf die dadurch gebotene Sicherheit ließen sich bald, neben den befreundeten Indiern, welche nach dem Sturm zurückkehrten, auch Portugiesen dauernd an diesem Platze nieder, welcher von den Siegern zum Mittelpunkte der portugiesischen Macht in Indien erhoben wurde.

Der Fall Goa’s machte auf die Fürsten der Nachbarschaft einen bedeutenden Eindruck, weshalb sie sich beeilten, die Freundschaft der neuen Herren zu gewinnen. Der König von Kambaya gab den Neffen des Generalcapitäns Affonso de Noronha, der sich in seiner Gefangenschaft befand, nicht nur ohne Bedingung los, sondern erklärte sich auch bereit, den Bau einer Festung in Diu zu gestatten. Es erschienen Gesandtschaften von Gudjerat, von Kalikut, selbst aus dem Binnenlande von Bisnaga, alle bezeugten ihre Friedensliebe und wünschten bezüglich eines friedlichen Handelsverkehrs in Unterhandlung zu treten. Da indeß der Samudrin den geforderten Bau einer portugiesischen Citadelle nicht zugeben wollte, so zerschlug sich mit diesem Fürsten die Verhandlung. Emir Hussein, welcher damals in Kambaya sich befand, kehrte nach Kairo zurück, da er alle Hoffnung aufgegeben hatte, in Indien noch wieder zum Siege zu gelangen, und der Sultan von Aegypten ließ gleichfalls mit dem weiteren Bau einer Flotte innehalten.

So war die Wirkung der Eroberung Goa’s nach allen Seiten eine tiefgehende. Goa hatte nicht blos eine dauernde Besatzung von 400 Mann in der Burg, sondern wurde eine portugiesische Stadt, sie war Eigenthum ihres Königs, und die Fürsten Indiens mußten diesen staatlichen Besitz anerkennen. Und daß die Portugiesen die neuen Verhältnisse in Goa in ähnlicher Weise auffaßten, beweist die Thatsache, daß bald darauf eine Münzstätte in der Stadt errichtet wurde, wo nicht blos neues Geld geprägt, sondern auch alles indische Geld, wenn es allgemein gültig sein sollte im Verkehr, mit einem portugiesischen Stempel versehen wurde. Aber der portugiesische Feldherr war nicht gewillt, von Goa aus die friedliche Entwicklung seiner Macht zu leiten. Seine Blicke schweiften bereits über Vorder-Indien hinaus nach Malaka, welches als bedeutendster Gewürzmarkt Hinter-Indiens galt, und ohne dessen Besitz die Portugiesen nie das Monopol erwarben; denn von Malaka aus gingen die Handelsschiffe direct, mit Umgehung Vorder-Indiens, nach dem rothen Meere. Sollte also Goa gehoben und zum Mittelpunkte des Verkehrs in Vorder-Indien gemacht werden, dann konnte dies nur erreicht werden, wenn Malaka gleichfalls in portugiesischen Besitz übergegangen war.

Diogo Lopez de Sequeira war der erste gewesen, der jenen fernen Handelsplatz erreicht hatte. Er war 1508 von Portugal mit vier Schiffen abgegangen, hatte unterwegs Madagascar besucht und langte im Frühjahr 1509 in Kotschin an. Der Vicekönig Almeida gab ihm noch ein fünftes Schiff, auf welchem Francisco Serrão, dessen abenteuerliche Reise nach den Molukken uns später beschäftigen wird, und Fernão de Magelhães dienten. Am 8. September desselben Jahres war Sequeira wieder von Kotschin aufgebrochen, war an Ceylon und den Nikobaren vorüber nach Nordsumatra gesteuert, wo er die Landschaft Pedir besuchte, denn Sumatra lieferte schon damals am meisten Pfeffer, und war endlich glücklich in Malaka angelaufen. Die Mauren gaben sich auch hier sofort alle erdenkliche Mühe, die Ankömmlinge zu verdächtigen, trotzdem wurden die Portugiesen wohlwollend aufgenommen, wenn auch der Sultan Mahmud durch seine Grausamkeit berüchtigt war und nicht blos seinen Bruder, sondern sogar seine Gemahlin hatte hinrichten lassen.

Die Chinesen kamen den Portugiesen zuerst in freundlicher Weise entgegen. Es war das erstemal, daß man mit den Söhnen aus dem Reiche der Mitte zusammentraf. Die weiße Hautfarbe dieser Leute aus dem Osten, ihre unbefangene Art, sorglos zu den fremden Schiffen wie zu den asiatischen heranzurudern und den Kleinhandel zu eröffnen, selbst manche ihrer Sitten und ihre Tracht wollte mehr ans Abendland, als an den fernsten Osten gemahnen. Man darf nicht vergessen, daß die Chinesen damals noch keinen Zopf trugen. Damian de Goes (a. a. O. S. 300) fand eine Aehnlichkeit mit vlaamischen oder niederdeutschen Gewohnheiten, und ähnlich äußert sich auch Barros.[107] Man fand bei ihnen nicht den hemmenden Kastengeist, denn sie scheuten sich ja auch nicht, mit den Portugiesen aus +einer+ Schüssel zu essen. So war es natürlich, daß Europäer und Chinesen, beide in der Stadt Fremdlinge, sich einander freundschaftlich näherten, und daß diese ihren neuen Geschäftsfreunden die Warnung zukommen ließen, den Malayen nicht zu sehr zu trauen. Darum ging auch der portugiesische Capitän nicht selbst zur Audienz, sondern entsendete den Jeronimo Texeira, welcher indeß eine gute Aufnahme fand und vom Sultan ein Lagerhaus angewiesen erhielt, um von da aus den Handel mit den einheimischen Kaufleuten zu eröffnen. Die Portugiesen gingen dann ungehindert in der Stadt umher, waren aber leider unbedachtsam genug, sich auch nach der Kriegsflotte des Sultans umzusehen, was die Mohammedaner, und unter ihnen namentlich der abgefeimte Schatzmeister, sofort zu ihrem Vortheile ausbeuteten, um die Fremden als Spione zu verdächtigen. Mit Einverständniß des Sultans wurde ein Plan entworfen, die Portugiesen zu vernichten. Zuerst hoffte man den Anführer und einige der vornehmeren Offiziere bei einem Gastmahl überfallen und ermorden zu können, aber Sequeira lehnte die Einladung ab und entschuldigte sich mit Krankheit. Dann wollte man die portugiesische Mannschaft in der Stadt, an verschiedenen Orten, wohin man sie gelockt, um ihnen Lebensmittel zu verkaufen, einzeln überfallen, inzwischen aber auch eine Anzahl von kleineren Schiffen bereithalten, um das Geschwader der Fremden anzugreifen, wenn es von Mannschaft halb entblößt sei. Glücklicherweise gelang der Verrath nur zum Theil. Die Wache auf den Schiffen machte, als sie die Unruhe in der Stadt gewahrte, rechtzeitig Lärm, sodaß die Mannschaft an Bord augenblicklich zur Vertheidigung bereit war. Aber etwa 30 Portugiesen, die sich am Hafen und in der Stadt befanden, wurden theils getödtet, theils gefangen. Francisco Serrão, welcher sich in der Nähe des Landungsplatzes aufhielt, konnte sich nur mit einigen Matrosen retten, die übrigen mußte man vorläufig ihrem Schicksale überlassen, denn Sequeira fühlte sich keineswegs stark genug, die volkreiche Stadt anzugreifen; er begnügte sich damit, einige feindliche Schiffe in den Grund zu bohren und kehrte dann nach Vorder-Indien zurück. Als das Gerücht von der zweiten Eroberung Goa’s auch bis nach Malaka gedrungen war, ließ der Hafenmeister (Schahbender) den neunzehn noch am Leben befindlichen gefangenen Portugiesen eine bessere Behandlung zutheilwerden; ihre Freiheit erhielten sie aber erst wieder, nachdem Albuquerque die Stadt erobert hatte.

An seinen Plan, gegen Malaka zu ziehen, wurde der Generalcapitän bald nach der Besitzergreifung von Goa in unangenehmer Weise erinnert, als der Capitän Mendes de Vascogoncellos, dessen kleines Geschwader ursprünglich nach Malaka bestimmt war, von dem Oberfeldherrn sich Urlaub erbat, um seinen Auftrag auszurichten. Albuquerque zögerte mit der Abfertigung, weil er entweder der Ueberzeugung war, daß ein so kleines Geschwader nicht die genügende Sicherheit auf Erfolg biete, oder weil er selbst erst noch mehr Mittel aufbieten wollte. Vascogoncellos wollte daher heimlich entweichen, ging bei Nacht mit seinen Schiffen über die Barre von Goa in See, wurde aber von einigen nachgesandten Böten eingeholt und sah sich genöthigt, dem strengen Befehl Albuquerque’s, zurückzukehren, Folge zu leisten. Er selbst blieb längere Zeit in Goa in Gefangenschaft, ein Steuermann aber und der Lotse wurden zur Strafe für diese Flucht an der Rae aufgeknüpft.

Der Generalcapitän wäre am liebsten selbst nach Malaka sofort aufgebrochen; allein dem stand ein Befehl Don Manuels entgegen, einen Zug nach dem rothen Meere zu unternehmen, um diesen Handelsweg endlich für die Mohammedaner zu schließen. Er lief auch wirklich mit 23 Schiffen aus, sah sich aber durch widrigen Monsun zuerst aufgehalten und dann ganz an die Küste zurückgetrieben, so daß er wieder in Goa einlaufen mußte. Derselbe Monsun aber, welcher die Fahrt nach NW. nicht gestattete, begünstigte eine Expedition nach SO. und so entschloß sich Albuquerque kurzer Hand mit der schlagfertigen Flotte vor Malaka zu ziehen und sie für ihren Verrath an Sequeira zu strafen. Es war noch im Frühjahr 1511, als die Flotte von neunzehn Segeln, mit 800 Portugiesen und 600 indischen Hilfstruppen von Kotschin nach Malaka abging. Den Feldherrn begleiteten Antonio d’Abreu und Francisco Serrão, die späteren Entdecker der Molukken und Fernão Peres d’Andrade, einer der ersten Chinafahrer.

Das Gebiet von Malaka war ursprünglich von Siam abhängig gewesen; die in früherer Zeit berühmte Hafenstadt Singapur war aber hinter Malaka zurückgetreten, seitdem sich im 15. Jahrhundert der Islam in diesem Gebiete verbreitet hatte, denn in Malaka herrschte der Glaube Mohammeds vor. Aber die ehemaligen Statthalter hatten sich seit fast 100 Jahren zu selbstständigen Herren aufgeworfen. Durch geschickte Begünstigung und Ausbeutung des Handels zu großem Reichthum gelangt, verwandte Mahmud seine bedeutenden Mittel auf die Gründung einer Kriegsflotte, welche ihm den Besitz des Hafens und die Herrschaft über die See sichern mußte. Nun dehnten sich die Handelsbeziehungen noch weiter aus, denn die Hauptnationen waren in freier Weise durch Berufsbeamte im Handel gedeckt. Diese Schahbender (Hafenmeister) vertraten China, Java, Kambaya und Bengalen. Die Handelsverbindungen reichten bis nach Japan, und der Platz wurde von allen umwohnenden Völkern besucht, nur nicht von den Siamesen, die sich immer noch mit dem Sultan auf Kriegsfuß befanden und ihren frühern Verlust nicht verschmerzen konnten. Das Königreich Malaka erstreckte sich etwa 100 Meilen an der Küste hin, reichte aber nirgends über 10 Meilen weit ins Binnenland.

Die Stadt liegt sehr günstig an der Grenze verschiedener Monsune, denn in den chinesischen Gewässern herrschen andere Winde als im bengalischen Meere, daher sich hier ein natürlicher Sammelplatz für Araber, Inder und Chinesen bot. Die Häuser des Handelsplatzes dehnten sich eine Meile am Wasser hin, -- es ist der Canal, welcher die hinter-indische Halbinsel von Sumatra scheidet. Ein Fluß trennte die Häusermenge in zwei Theile, aber eine Brücke verband wiederum beide Hälften. Albuquerque, welcher denselben Weg eingeschlagen hatte wie Sequeira, langte am 1. Juli vor Malaka an, bereits in Pedir auf Sumatra waren acht Portugiesen, die noch in Malaka gefangen gewesen waren und die Flucht ergriffen hatten, zu ihm aufs Schiff gekommen. Von ihnen erfuhr er auch, daß der Hauptanstifter des Verrathes, der javanische Hafenmeister, eine Intrigue gegen den Fürsten angesponnen und seine Verschwörung mit dem Leben bezahlt hatte; er erfuhr ferner, daß Sultan Mahmud 8000 Geschütze besitze, um die lange, dem Meere zugekehrte Seite kräftig vertheidigen zu können, daß er 30,000 Mann Soldaten und selbst Kriegselephanten zu seiner Verfügung habe. Albuquerque ließ sich durch die großen Zahlen nicht schrecken, sondern forderte ohne Umschweife die Auslieferung der noch zurückbehaltenen Gefangenen. Eine sofortige Erledigung würde im Orient als Feigheit angesehen sein; der Sultan weigerte sich also, ohne weiteres darauf einzugehen. Als Antwort darauf ließ der portugiesische Admiral die Häuser am Strande und die Schiffe im Hafen in Brand stecken. Dann gab man die Gefangenen frei und unter ihnen auch den Handelsfactor Ruy d’Araujo, einen Freund Albuquerque’s.

Man war in der Stadt zu einem friedlichen Abkommen geneigt, aber die allzuhohen Forderungen der Portugiesen trieben zum Widerstande. Albuquerque verlangte nicht blos Schadenersatz für Sequeira, sondern auch noch 300,000 Cruzados Kriegskosten und überdies die Einwilligung in den Bau eines Kastelles.

Im Rathe des Fürsten von Malaka, des alten Mohammed, waren, als diese Forderungen bekannt wurden, die Meinungen getheilt. Diejenigen, welche besonders den Handel nicht geschädigt sehen wollten, empfahlen Frieden und Geldzahlung, die andern, welche fürchteten, durch Zugeständnisse das Ansehen des Fürsten zu erniedrigen, forderten bewaffneten Widerstand. Mahmud überließ die Leitung seinem Sohne, und dieser hoffte, gestützt auf eine Heeresmacht von 30,000 Mann, auf das zahlreiche Geschütz und seine Kriegselephanten, den Angriff abschlagen zu können. Aber auf die fremden Kaufleute in der Stadt war kein Verlaß, selbst der javanischen Truppen war man nicht ganz sicher. Es war vorauszusehen, daß der feindliche Admiral, sobald er die Lage der Stadt und ihre Gruppirung richtig erkannt habe, seine Angriffe auf den gefährlichsten Punkt, auf die Brücke richten werde, welche die beiden Stadttheile mit einander verbindet. Denn wer sich der Brücke bemeisterte, war leicht auch Herr in der Stadt. Diese Verbindungsbrücke wurde darum verschanzt und stark mit Kanonen besetzt; aber trotzdem richtete, nach dem Rathe des Ruy d’Araujo, welcher bei seinem längeren unfreiwilligen Aufenthalt die Wichtigkeit dieses Punktes erkannt hatte, Albuquerque grade hieher seine ersten Angriffe. In der Morgendämmerung des St. Jacobstages, 25. Juli, gingen die Portugiesen in zwei Abtheilungen gegen die Stadt vor. Albuquerque mit seiner Schaar stieg in der Nähe der Brücke ans Land, João de Lima mit der zweiten Truppe weiter östlich bei einer steinernen Moschee, welche nicht fern vom fürstlichen Palaste lag. Wenn ihm der Angriff gelänge, sollte er sich auch gegen die Brücke wenden. An beiden Orten ward mit großer Hartnäckigkeit gekämpft. Die Malayen bewiesen sich tapfer, schossen vergiftete Pfeile und brauchten im Nahkampf den Kries. Sie fochten in einzelnen Haufen unter Anführung eines Hauptmannes. Albuquerque stürmte die Brücke und trieb die Malayen mit gefällten Lanzen nach der Vorstadt zu. João de Lima hatte einen schweren Stand und konnte nicht so rasch vordringen, er sah sich sogar genöthigt, persönlich am Kampfe gegen die Kriegselephanten theilzunehmen, welche dann auch, durch Lanzenstiche verwundet, auf die eigenen Truppen zurückgetrieben wurden. Dann erst erreichte er die Brücke und vereinigte sich mit dem Oberfeldherrn. Von den Dächern der nächsten Häuser wurde aber der Kampf noch fortgesetzt, bis man die umliegenden Gebäude in Brand gesteckt hatte und so die Feinde vertrieb. Allein von der Waffenarbeit erschöpft und fortwährend, bei dem Versuch, die Brücke durch Vertheidigungswerke zu sichern, durch erneute Angriffe der Malayen beunruhigt, sah Albuquerque bald die Unmöglichkeit, diesen wichtigen Platz auf die Dauer zu behaupten. Er gab also den Befehl zum Rückzug und zog sich auf die Flotte zurück. Einige seiner Hauptleute meinten nun zwar, nachdem der Sultan für die erste Verrätherei genügend gestraft sei, solle man mit günstigen Fahrwinden nach Vorder-Indien zurückkehren, denn an eine dauernde Besetzung dieses entfernten Platzes sei doch wohl nicht zu denken; allein sie wurden von der Mehrzahl überstimmt, welche sich für eine Fortsetzung des Kampfes entschied.

Während der Vorbereitungen zum zweiten Angriffe hatte Mahmud allerorten neue Verschanzungen aufwerfen und mit Kanonen besetzen lassen, in den Straßen waren Minen und Fußangeln gelegt, um die Feinde bei ihrem Einbruche in die Stadt aufzuhalten oder zu vernichten. Am 10. August griff Albuquerque die Brücke zum zweitenmale an und obwohl man dieselbe hartnäckig vertheidigte, wurde sie doch endlich erobert und die malayischen Truppen gegen die steinerne Moschee hin vertrieben, wo sich in Gegenwart des Sultans das letzte verzweifelte Handgemenge entspann. Das Quartier der Kaufleute, darunter zuerst die Peguaner, begab sich alsbald unter den Schutz des Eroberers, aber die östliche, höher gelegene Stadt wurde nur langsam von den Malayen geräumt. Neun Tage dauerte der kleine Kampf in den Straßen noch fort, bis diese endlich von den eingeborenen Truppen aufgegeben wurden. Den Mauren wurde kein Pardon gegeben, denn die Mohammedaner waren auch hier die erbittertsten Gegner gewesen. Als Lohn für ihre Arbeit gestattete Albuquerque seinen Leuten, die Stadt drei Tage lang zu plündern. Dreitausend Kanonen fielen dem Sieger in die Hände. Zum Bau einer steinernen Burg wurden die Steine der im Kampf theilweise zerstörten Moschee verwendet, und weiteres Baumaterial aus den in der Nähe gelegenen alten Fürstengräbern genommen. In der Burg erhob sich ein fünf Stockwerke hoher, mit Blei gedeckter Thurm. Albuquerque gab ihr den Namen Famosa. Auch eine Kirche wurde errichtet und das Dach dazu von einem königlichen Grabmal genommen.