Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Part 17

Chapter 173,453 wordsPublic domain

Sechs Geißeln wurden zwar gestellt, allein portugiesischerseits hatte man dabei nicht an die Schwierigkeiten gedacht, welche die brahminischen Religionssatzungen einem längeren Aufenthalte auf den Schiffen entgegenstellte, wo die Indier keine von fremder Hand zubereiteten Speisen zu sich nehmen durften. Man mußte wenigstens gestatten, daß sie von Zeit zu Zeit durch ein Sambuk nach der Stadt geholt wurden, um dort zu essen. Cabral begab sich indessen, durch die Bürgen gedeckt, in prächtigem Aufzug ans Ufer und hatte am Strande mit dem Samudrin die erste Zusammenkunft. Noch war er aber nicht zurückgekehrt, als ein Fahrzeug bei der portugiesischen Flotte erschien, um die Geißeln abzuholen. Da man an Bord die Auslieferung verweigerte, sprangen die Geißeln ins Meer und retteten sich zum Theil auf das befreundete Boot. Geißeln aus vornehmer indischer Kaste erwiesen sich danach als untauglich. Cabral begnügte sich darum fernerhin mit der Stellung von angesehenen mohammedanischen Kaufherrn. So kam denn auch eine zweite Audienz beim Samudrin zu Stande, in welchem ein friedliches Abkommen getroffen und die Preise der Gewürze festgestellt wurden. Dem Factor Aires Correa wurden mehrere Häuser am Hafen für den Handel eingeräumt und diese Waarenlager mit sechzig Mann Besatzung zur Deckung belegt. Auch die Geistlichen versuchten von ihr aus ihr Bekehrungswerk zu beginnen, aber ohne Erfolg, da sie die Sprache des Volks, das Malabarische, nicht verstanden. Cabral scheint auch, klugerweise, diesem Zweige seiner Sendung wenig Aufmerksamkeit geschenkt zu haben. Mit Betrübniß mußte er aber bemerken, daß auch der Handel sich gar nicht beleben wollte. Die Verschleppungspolitik der Mauren steckte offenbar dahinter. Im Laufe von drei Monaten hatten erst zwei seiner Schiffe eine hinlängliche Fracht an Pfeffer eingenommen. Aergerlich darüber ließ Cabral auf Antrieb des Factors ein im Hafen liegendes Schiff, das einem mohammedanischen Händler gehörte und angeblich mit Gewürzen beladen war, gewaltsam untersuchen, fand aber nur Lebensmittel an Bord. Das Gerücht dieses Gewaltstreichs brachte die Stadt in Aufregung. Von den Mauren aufgestachelt, rottete sich das Hafenvolk zusammen und stürmte die fremden Magazine. Aires Correa und ein Theil seiner Leute wurde erschlagen; doch wurde der zwölfjährige Sohn des Factor, Antonio Correa, auf wunderbare Weise gerettet und hat sich später im indischen Dienst besonders hervorgethan. Cabral schritt sofort zu einer energischen Züchtigung: er ließ fünfzehn im Hafen liegende Schiffe in Brand stecken und beschoß einen Tag lang die Stadt. Damit war jeder weitere Verkehr abgeschnitten, man befand sich dem Samudrin gegenüber auf feindlichem Fuß. Cabral begab sich dann nach dem südlicher gelegenen Kotschin, dessen Radscha ihm bereits aus Eifersucht gegen Kalikut eine freundliche Einladung gesandt hatte. Binnen drei Wochen wurden hier und in Kranganor (Cotunglur, Kadungulur nahe bei Kotschin) alle Schiffe mit Gewürz befrachtet. Auch der Fürst von Kollam, südlich von Kotschin, erbot sich, zu mäßigen Preisen die gewünschten Waaren zu liefern. Endlich lief die Flotte noch in Kananor an, welches bereits von Gama besucht war. Hier vervollständigten sie die Ladung noch durch Ingwer und Zimmt; von diesen Artikeln wurden aber solche Mengen angeboten, daß man nicht alles mitnehmen konnte. Der Radscha, im Glauben, den Portugiesen seien die Mittel zum Einkauf ausgegangen, bot ihnen daher an, sie möchten die Waaren nur nehmen und das nächste Mal bezahlen. Ein solches Zutrauen bewies er den handelsbegierigen Fremden. Nachdem er dann noch Gesandte mit nach Europa abgeordnet hatte, ging die Flotte am 16. Januar 1501 wieder unter Segel, verlor aber kurz vor Melinde im Sturm das Schiff des Sancho de Toar; doch wurde die Mannschaft gerettet. Dann ging’s weiter nach Mosambik, wo die Schiffe noch einmal wieder kalfatert wurden, ehe sie in die Sturmregion am Caplande einträten. Toar bekam hier in Mosambik noch den Auftrag, in einem kleinen Schiffe Sofala zu besuchen, eine Aufgabe, welche eigentlich die Gebrüder Dias hatten lösen sollen. Toar ging mit dem indischen Juden Gaspar da India oder da Gama als Dolmetsch und einem Piloten von Melinde nach Sofala, fand dort eine günstige Aufnahme und kehrte von allen Capitänen, die an dieser zweiten indischen Expedition theilgenommen hatten, am spätesten zurück, denn er erreichte Lissabon erst im September 1501. Toar berichtete später von dem Goldreichthum Sofalas, und daß die Eingebornen, von denen die Araber das Gold eintauschten, vier Augen hätten, zwei vorn und zwei hinten am Kopfe. Jedenfalls ein arabisches Handelsmärchen, das der Portugiese ebenso treuherzig glaubte, als Herodot in alter Zeit die phönizischen Schifferlügen erzählte.

Die Rückfahrt Cabrals ging weiterhin ohne bedeutenden Unfall von statten. Doch wurde noch das Schiff des Pero de Taide von den übrigen getrennt, gelangte aber auch glücklich nach Portugal. Bei den Capverden stellte sich auch Diogo Dias wieder ein, der auf seiner einsamen Fahrt von Madagascar nach Magadoschu gerathen war und dort am afrikanischen Strande in einem Ueberfall, wahrscheinlich bei Barawa, seine ganze Mannschaft bis auf sieben Köpfe eingebüßt hatte und sich dadurch genöthigt sah, den Heimweg anzutreten, ohne Indien gesehen zu haben. Bei den Capverden fand noch eine zweite Begegnung statt, man fand nämlich die drei Schiffe, welche am 13. Mai von Lissabon abgegangen waren, um die Entdeckung Brasiliens weiter zu vervollständigen. An diesem Unternehmen betheiligte sich auch Amerigo Vespucci, welcher seine zweite Reise nach der neuen Welt antrat.

Cabral hatte zwar fünf Schiffe vollständig verloren, und eins von Brasilien zurückgeschickt, während ein siebentes, dasjenige des Pero de Taide, Indien gar nicht erreicht hatte, trotzdem wog die kostbare Fracht an Gewürzen, Perlen und Edelsteinen die Verluste vollständig auf. Darum entschloß man sich auch in Portugal, da die Handelsvortheile bedeutend überwogen, die Indienfahrten fortzusetzen und mit verstärkter Waffenmacht die mohammedanischen Händler aus den indischen Gewässern zu vertreiben.

Ehe Cabral zurückkam, schickte der König bereits am 5. März 1501 wieder ein kleines Geschwader von vier Schiffen unter Führung des Galiciers +João da Nova+ ab. Eins dieser Fahrzeuge, unter Diogo Barbosa, hatten portugiesische Kaufleute ausgerüstet, ein anderes hatte der Florentiner Bartolomeo Marchioni unter die Leitung des Francesco Vinetti gestellt; denn der portugiesische König gestattete den Kaufherren, welche auf ihre Kosten Schiffe ausrüsteten, auch den Capitän zu ernennen. Das vierte Schiff befehligte Francisco de Novaes.

Auf der Fahrt durch den atlantischen Ocean entdeckte João da Nova, unter 8° s. Br., eine Insel, der er den Namen Ilha da Conceizão (Concepçao, Insel der Empfängniß) beilegte. Wir sehen daraus, welchen Cours die Schiffe einschlugen. Albuquerque taufte zwei Jahre später, wahrscheinlich weil ihm die frühere Entdeckung unbekannt geblieben war, die Insel um und nannte sie Ilha da Ascensão (Himmelfahrtsinsel), wie sie auch heute noch heißt. Am 7. Juli erreichte das Geschwader den Wasserplatz von San Braz an der Mosselbai, östlich vom Vorgebirge der guten Hoffnung. Hier fanden sie einen Brief, den Pero de Taide auf seiner Heimfahrt zurückgelassen hatte; João da Nova ersah daraus, wie die indischen Angelegenheiten standen und was unter Cabral vorgefallen war. Im August erreichte man Mosambik und weiter Kiloa, wo sich ein von der früheren Expedition zurückgelassener Verbrecher, Antonio Fernandez, bei ihnen einfand und den Inhalt des in der Mosselbai gefundenen Briefes bestätigte. Auf dem gewöhnlichen Wege über Melinde gelangte da Nova ohne Fährlichkeit nach Kananor. Hier bot ihm der Fürst die gewünschte Gewürzfracht an, aber da der Flottenführer die Weisung erhalten hatte, sich zuerst in Kotschin mit Hilfe des dortigen portugiesischen Factors zu versorgen, so lehnte er vorläufig das freundliche Anerbieten ab und stach wieder in See, obwohl ihm bereits Warnungen zugegangen waren, daß eine größere Flotte des feindlichen Samudrin ihm den Weg verlegen sollte. João da Nova baute aber auf die größere Gewandtheit seiner Schiffe und die Ueberlegenheit seiner Waffen, und bahnte, während der Fahrt beständig wachsam, mit Gewalt seinen Weg durch mehr als hundert feindliche Schiffe. Mit seinen Geschützen bohrte er neun kleinere und fünf größere Schiffe seiner Gegner in den Grund, wobei 417 Indier sollen ums Leben gekommen sein. Nach dieser Niederlage bemühte sich zwar der Samudrin wiederum, die Schuld auf die Hetzereien der Mauren zu schieben und die Portugiesen mit Freundschaftsversprechen anzulocken; aber diese würdigten ihn keiner Antwort.

In Kotschin sah sich da Nova insofern getäuscht, als in der Factorei wenig Vorräthe hatten aufgespeichert werden können, da die Indier die gewünschten Waaren nur gegen Metall hatten liefern wollen. Der portugiesische Capitän hatte zwar unterwegs in Sofala Gold eintauschen wollen, hatte aber nicht landen können, und befand sich, gleichfalls ohne bedeutende Geldmittel, in einiger Verlegenheit. Indeß gelang es doch, theils hier, theils noch in Kananor, wohin er zurückging, seine Schiffsräume zu füllen. Auch wurden noch zwei maurische Gewürzschiffe unterwegs mit Gewalt ihrer Fracht beraubt. So mit Erfolg und Sieg gekrönt, sagt da Barros, hatte João da Nova auf der Heimfahrt noch das Glück eine Insel zu entdecken, der er den Namen St. Helena gab. Diese kleine Insel scheint Gott an dieser Stelle geschaffen zu haben, um allen, die von Indien kommen, neues Leben zu geben, denn man findet hier das vorzüglichste Trinkwasser und andere Erfrischungen in Fülle. Darum bestreben sich alle dieses Eiland zu erreichen und halten sich, hier angelangt, für gerettet und geborgen.

Am 11. November 1502 warf João da Nova in dem Hafen von Lissabon die Anker aus und wurde vom König huldvoll empfangen, weil er durch sein gewandtes und kühnes Benehmen, ohne Verlust an Schiffen, den ihm gewordenen Auftrag glänzend durchgeführt hatte.

Indeß war doch der materielle Gewinn, gegenüber den großen Gefahren, welchen die Indienfahrer unter einer feindlichen, zahlreichen Bevölkerung beständig ausgesetzt waren, nicht erheblich genug, um ohne sorgfältige Ueberlegung in gleicher Weise fortgeführt zu werden. Der afrikanische Handel mit den Negerstämmen an der Küste erschien dagegen weit bequemer, und wenn man auch sehnlichst wünschte, die bisherigen Erfolge möglichst auszubeuten, so machten sich doch gerechte Bedenken laut, woher die bedeutenden Mittel zu beschaffen sein würden. Denn ohne das Aufgebot einer großen imponirenden Seemacht, welche den indischen Handel erzwingen konnte, war an eine Fortführung der orientalischen Unternehmungen nicht zu denken. Der König berief daher mehrmals seine Räthe, um ihre Meinung zu hören. Trotz aller gegentheiligen Ansichten drang aber doch die Ueberzeugung durch, daß man mit Hilfe der in Indien schon gewonnenen Bundesgenossen und durch die überlegenen europäischen Schiffe und Waffen die Mohammedaner bezwingen werde und daß man im Gewürzlande festen Fuß fassen könne, um dann -- was als eine nicht geringe Pflicht angesehen wurde -- den Heiden das Christenthum zu bringen. So entschied sich der König zur Fortsetzung der Unternehmungen unter dem Aufgebot aller verfügbaren Mittel.

5. Vasco da Gama’s zweite Fahrt.

Ursprünglich war Cabral dazu ausersehen, diese große Expedition zu leiten, doch trat er noch vor ihrem Beginn zurück; sei es nun, daß, wie Correa erzählt, Gama beim König selbst Einwände dagegen erhoben und sich auf sein verbrieftes Recht berufen hatte, wonach ihm der König die Flottenführung zugesagt, um ihm Gelegenheit zu bieten, sich an dem Samudrin wegen seiner Gefangennahme zu rächen; sei es, daß Cabral, nach Barros’ Bericht, sich dadurch verletzt gefühlt, daß man dem Vicente Sodre eine fast selbständige Leitung der kleinen Schiffe zugesagt, welche zum Schutze der Factorei in Indien bleiben sollten, und daß er in Folge dessen das Obercommando abgelehnt habe.

Gama trat an die Spitze einer stattlichen Flotte von zwanzig Segeln, und unter ihm behielt Sodre den Befehl über die Kriegsabtheilung mit 800 Soldaten. Doch lief das ganze Geschwader nicht auf einmal aus, Gama brach mit fünfzehn Schiffen am 10. Februar 1502 auf, worauf sein Neffe, Estevão da Gama mit fünf Schiffen erst am 1. April nachfolgte. Beide Abtheilungen erreichten indeß ziemlich zu gleicher Zeit das Ziel. Vasco da Gama landete zuerst in Porto Dale bei C. Verde und verweilte dort sechs Tage, um Wasser einzunehmen. An der Guineaküste hatten sie unter Windstillen zu leiden und verloren in der ungesunden Gegend manchen Mann.

Nur Correa erwähnt, daß diese Flottenabtheilung die Küste von Brasilien berührt habe und bis zum C. Agostinho daran hingesegelt sei, ehe sie nach der Südspitze Afrikas hinübersteuerten. In jener Meeresgegend, wo Cabral durch Unwetter mehrere Schiffe verloren hatte, wurde auch Gama von einem Sturm überfallen, welcher sechs Tage währte und das Geschwader dermaßen zerstreute, daß nur zwei größere Schiffe und zwei Caravelen bei dem Admiral blieben. Am Cap Corrientes brach ein neuer Sturm los, welcher eins der Schiffe, die Sa. Elena auf die Sofalabank trieb, doch konnte die Mannschaft gerettet werden. Die meisten Schiffe fanden sich auf dem verabredeten Sammelplatz bei Mosambik wieder zusammen, wo aus dem baufertig mitgenommenen Material in zwölf Tagen eine Caravele zusammengesetzt wurde, welche den Namen Pomposa erhielt und in Mosambik zur Deckung der dort errichteten Factorei und zur Einleitung von Handelsverbindungen mit Sofala stationirt blieb.

Gama blieb vier Tage dort und schloß mit dem Scheich von Mosambik einen Freundschaftsvertrag. Auch erhielt er von demselben -- es war nicht mehr der nämliche Herrscher, wie bei der ersten Reise -- Briefe von J. da Nova, welche ihm über die Zustände in Indien Mittheilungen machten, und ließ wiederum für seinen nachfolgenden Neffen und die beiden im Sturm am Cap Corrientes abgetriebenen Schiffe Instructionen zurück.

Ueber den von Mosambik aus unternommenen Zug des Pero Affonso d’Aguiar nach Sofala unter Führung zweier einheimischer Lotsen gibt Correa interessante Einzelheiten, welche wegen ihrer originellen Färbung hier eingefügt werden mögen. Affonso hatte bei dem Scheich von Sofala, der über Mosambik bereits von den Portugiesen gehört hatte, eine Audienz und sagte ihm, er komme, um im Auftrage des portugiesischen Königs auf ewige Zeiten Friede und Freundschaft mit ihm zu schließen. Der schwarze Fürst erklärte darauf, er habe bereits früher den Portugiesen versichert, alle in friedlicher Absicht kommenden Kaufleute seien ihm willkommen. Als dann Pero Affonso noch einmal die Friedensliebe des portugiesischen Königs betont hatte, war der Negerkönig sichtlich davon befriedigt und schwur bei der Sonne und dem Himmel, bei seinem Haupte und seinem Bauche, daß er ihnen ihre Waare abkaufen wolle. Als ein Unterpfand seiner Treue zog er dann von seinem Daumen einen goldenen Ring, reichte ihn dem portugiesischen Capitän und verehrte ihm zugleich und dem Könige von Portugal mehre Schnüre von aufgereihten kleinen Goldperlen als Zeichen immerwährender Brüderschaft. Und zum Beweise seiner Aufrichtigkeit und Treue faßte er die Hände der Umstehenden, denn sie pflegten nicht zu schreiben. Pero Affonso aber ließ alles niederschreiben und unterzeichnete es mit sechs Leuten. Dann wurde das Schriftstück verlesen und von dem Dolmetscher erklärt, worüber der Scheich sammt seinem Volke höchlichst erstaunte, denn sie hatten noch nie schreiben sehen (!) und meinten, das Papier spräche durch Zauberkünste. Als dann der Portugiese zu seinem Schiffe zurückgekehrt war, sandte ihm der Herr des Landes Hühner, Eier, Yams und was es sonst an Nahrungsmitteln zu Lande gab.

Pero Affonso wandte sich dann nach Mosambik zurück, traf aber den Admiral nicht mehr an, da derselbe bereits nach Melinde weiter gesteuert war. Gama wandte sich zunächst nach Kiloa. Diese Stadt lag auf einer Insel an der Küste, doch war das Wasser auf der Landseite nur knietief. Mit Mauern und Thürmen umgeben, zählte der Ort 12,000 Einwohner und besaß gute Steinhäuser mit Terrassen und aufgesetztem Holzbau. Sie lag in einem Hain von Citronen-, Limonen- und Orangenbäumen. Zuckerrohr, Feigen und Granatäpfel gediehen in den Gärten. Hier herrschte ein Araber, dem aber nur das Weichbild der Stadt unterthänig war.

Da der Scheich sich bei der ersten Ankunft der Portugiesen verrätherisch benommen hatte, so rückte der Admiral mit seiner ganzen Flotte vor die Stadt, setzte dieselbe durch blinde Kanonensalven in Schrecken, umzingelte sie und erzwang so die Unterwerfung des Scheichs, der nach vielem Sträuben sich endlich darein ergeben mußte, einen jährlichen Tribut von 500 Mithikals in Gold (= 584 Cruzados) zu zahlen, wofür er dann ein Patent als Schutzbefohlener des Königs von Portugal zur Sicherheit für sich und die Kaufleute seiner Stadt erhielt. Auch mußte er zulassen, daß auf dem Thurme seines Palastes die portugiesische Flagge aufgehißt wurde. Später wurde zur Befestigung der portugiesischen Macht sogar eine Citadelle gebaut.

Dann brach das Geschwader nach Melinde auf. Es mußte dem Admiral daran gelegen sein, dem Fürsten dieser Stadt, der sich ihm auf der ersten Fahrt nach Kalikut allein freundlich und fördernd erwiesen hatte, seine stattliche Flotte zu zeigen und durch die Entfaltung seiner Macht in der Freundschaft zu befestigen. Es erscheint danach nicht recht glaubhaft, daß Gama sich, wie Osorio und Barros erzählen, von dem Besuch durch widrige Winde habe abhalten lassen und mehre Meilen von der Stadt vor Anker gegangen sei, um Lebensmittel einzunehmen. Correa dagegen schildert eingehend den Aufenthalt in Melinde und beschreibt mit allen Einzelheiten das große Fest, welches die Portugiesen dem Scheich auf ihren Schiffen gaben. Auch Castanheda bestätigt diesen Besuch.

Auf der Weiterfahrt trafen sie, im August, mit drei Schiffen Estevão da Gama’s zusammen, während die beiden übrigen sich erst an der Westküste Indiens bei den Andjediven wieder einfanden.

Bei Dabul (17° 43′ n. Br.) erreichten sie das Gestade des Gewürzlandes und gingen in eine Bai nahe bei Goa vor Anker. Die Küstenstädte sollten dort bald erfahren, daß Gama nicht in friedlicher Absicht erschien, daß ihm vielmehr daran lag, die auf der ersten Reise erlittenen Demüthigungen zu rächen. Zur Gewaltthat geneigt, unverrückt sein Ziel im Auge behaltend, den Gewürzhandel für die Portugiesen zu monopolisiren, sah er alle Schiffe, auf die er stieß, als gute Beute an.

Bei den Andjediven traf er dicht am Ufer drei Fusten. Diese flüchteten in den Fluß Onor (14° 13′ n. Br.). Estevão da Gama verfolgte sie bis ins Flußwasser hinein, stieß dort auf Verschanzungen, von denen aus er mit Kanonenkugeln und Pfeilen empfangen wurde, und steckte nun alle erreichbaren indischen Schiffe in Brand.

Dann rückte die ganze Flotte weiter nach Baticala (13° 59′ n. Br.), welches zum Königreiche von Bisnaga gehörte. Gama verlangte Unterwerfung, begnügte sich dann aber auch mit einer Abgabe von Reis für seine Mannschaften.

Auf dem weitern Wege nach Kananor fiel ihm ein großes Schiff in die Hände, das mit Waaren und Pilgern aus Mekka nach Indien zurückkehrte. Das Schiff wurde ohne Gegenwehr genommen, geplündert und in Brand gesteckt. Zu spät setzten sich die Asiaten zur Wehr, wurden dann aber bis auf wenige gerettete Frauen und Kinder niedergemetzelt. Noch im Wasser wurde an denen, die über Bord gesprungen waren, das Morden fortgesetzt. Wahrscheinlich gehörte das Schiff dem Sultan von Aegypten oder einem seiner Unterthanen, denn bald danach beschwerte sich jener beim Papst darüber, daß die Portugiesen in den indischen Meeren Seeraub trieben.

Dann ging die Flotte im befreundeten Hafen Kananor vor Anker. Gama hatte bei dem Fürsten mit großem Gefolge eine feierliche Audienz und erklärte ihm, er werde in Zukunft keinen Handelsverkehr nach dem rothen Meere dulden. Auch verlangte er, die Stadt solle ihre Handelsbeziehungen mit Kalikut abbrechen. Nur die Schiffe von Kananor, Kotschin und Kollam wollte er schonen und durchlassen. Auch der Preis der Waaren wurde festgestellt, desgleichen, wie hoch die mitgebrachten portugiesischen Artikel berechnet werden sollten. Auch dies setzte der Admiral durch, obwohl man die fremden abendländischen Erzeugnisse in Kananor eigentlich nicht verwerthen konnte.

Als sich darauf Gama gegen Kalikut bewegte, schickte ihm der Samudrin zu wiederholten Malen Botschafter entgegen, um ihm einen friedlichen Ausgleich anzutragen. Aber der portugiesische Befehlshaber stellte seine Forderungen derart, daß der indische Fürst nicht darauf eingehen konnte. Gama forderte nämlich erstens das Eigenthum zurück, das vom Stadtvolk bei dem Morde des portugiesischen Handelsfactoren geraubt worden war, und zweitens, daß allen Mauren, die vom rothen Meere kämen, der Hafen verboten würde. Gegen die erste Forderung bemerkt der Samudrin, daß durch die Plünderung des Mekkaschiffes der Schaden in der Factorei mehr als gedeckt sei. Zum andern aber könne er unmöglich mehr als viertausend Familien von Arabern aus Kairo und Mekka (man ersieht daraus, wie stark die arabische Colonie und wie groß ihr Einfluß in Kalikut war), die in der Stadt ansässig seien, vertreiben, zumal da Stadt und Land aus diesem Handel bedeutenden Vortheil zögen.

Gama hielt diese Gründe keiner Widerlegung werth. Er wollte die Antwort persönlich überbringen und rückte vor die Stadt. Den Versuch des Samudrin, sich wegen der Plünderung der Factorei durch eine bedeutende Geldsumme abzufinden, lehnte der Portugiese mit dem Bemerken ab: angethane Schmach lasse sich nicht mit Gold decken. In seiner Erbitterung scheute Gama keine Mittel, um seine Feinde einzuschüchtern. Wenn auch die Berichte über die einzelnen Acte einer barbarischen Kriegsführung von einander abweichen, so kehren doch die Angaben über die raffinirtesten Schlächtereien aufgegriffener malabarischer Schiffer, oder über scheußliche Verstümmlungen, die an den armen Opfern verübt wurden, immer wieder und müssen historisch begründet sein. Einen eigenthümlich sagenhaften Zug erwähnt Correa, und man erkennt daraus mit Befriedigung, daß diese ausgesuchten Grausamkeiten selbst unter den Portugiesen Bedenken erregten. Unter den unglücklichen Seeleuten, welche der Rache des Admirals zum Opfer fielen, befand sich eine Anzahl von der Coromandelküste, welche baten, man möge sie zu Thomaschristen machen, wie es solche in ihrem Lande gäbe. Gama erwiderte hart, taufen könnten sie sich lassen, aber gehängt würden sie doch. Sie fanden nur in sofern Gnade, als sie -- es waren ihrer drei -- nicht an den Beinen aufgehängt wurden, um dann den Bogenschützen zur Zielscheibe zu dienen, sondern am Halse gehängt wurden, so daß sie also die auf sie gerichteten Pfeilschüsse nicht mehr fühlten. Aber dabei geschah ein Wunder. Kein Schuß verletzte auch nur die Haut dieser Martyrer, welche durch die Taufe gefeiet waren. Gama ließ ihnen dann wenigstens noch ein christliches Begräbniß zu Theil werden und die eingesargten Leichen unter christlichen Gebeten ins Meer senken.