Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen
Part 13
Auch durch diesen abenteuerlichen Sendling erhielt der Infant wiederum Nachrichten von den reichen Negerländern. Die klareren Vorstellungen, welche der Leiter der Entdeckungen von der Natur der Tropenländer gewann, räumte auch bei seinen Seeleuten den Wust veralteter Theorien auf. Höchst beachtenswerth ist in dieser Beziehung eine Bemerkung des +Diogo Gomez+ über das Land der Dscholoffen am Cabo verde. Er sagt: „Das alles schreibe ich nur mit Verlaub Seiner Gnaden des Ptolemäus, welcher recht gute Sachen über die Eintheilung der Welt hat verlauten lassen, aber in einem Stücke sehr fehlerhaft dachte. Er zerlegt die ihm bekannte Welt in drei Theile, nämlich in den bewohnten mittleren, in den arktischen, welcher wegen seiner Kälte und in den tropischen, welcher wegen seiner Gluthhitze unbewohnbar ist. +Nun hat sich aber das Gegentheil bestätigt.+ Zahllos wohnen am Aequator schwarze Völkerschaften, und zu unglaublichem Wuchse erheben sich die Bäume, denn gerade im Süden steigert sich die Kraft und Fülle des Pflanzenwuchses, wenn auch die Formen fremdartig gestaltet sind.“[74]
Die Entdeckungen wurden nach solchen glänzenden Resultaten nun eifrig weiter gefördert. Schon im nächsten Jahre nach der Fahrt des Diniz Dias erreichte +Nuño Tristão+ den Gambia und gelangte +Alvaro Fernandez+ fast bis zur Sierra Leona. Aber der Verkehr mit den Völkern war schwierig. Zahlreicher, kühner, tapferer als die armen Wüstenstämme setzten sie, mit vergifteten Pfeilen bewaffnet, sich gegen die Landungen der Portugiesen häufig zur Wehr und tödteten ihnen manchen Mann. Wie schnell aber die Geschicklichkeit und das Vertrauen der Seeleute gewachsen war, lernen wir vor allem bei der Fahrt des +Nuño Tristão+ kennen. Dieser sah sich, als er in den kleinen Fluß Rio Nuñez, südlich vom Rio grande mit einem Boote eingedrungen war, plötzlich von bewaffneten Negerkähnen umringt. Fast die ganze Mannschaft erlag sammt dem tapferen Anführer den vergifteten Pfeilen, so daß nur der Notar und vier Schiffsjungen am Bord der Caravele übrig blieben. Aber sie steuerten getrost nach Norden durchs freie Meer und erreichten ihre Heimat glücklich nach zwei Monaten, ohne unterwegs Land gesehen zu haben. So machte man sich also bereits los von dem ängstlichen Anklammern an das Land und von den langsameren Küstenfahrten und vertraute sich dem unbegrenzten Ocean an. Von großer Bedeutung war auch die Wahrnehmung, daß die afrikanische Küste, die bis zum Cabo verde gegen Südwesten verlaufen war, von diesem Vorgebirge ab nach Südosten umlenkte.
Daß der Prinz nun wirklich daran dachte, den Seeweg nach Indien zu öffnen, wird von dem Geschichtsschreiber Azurara bezeugt. Aber Indien umfaßte bekanntlich in jenen Tagen alle Länder am indischen Ocean, also auch die Ostküste Afrikas und das äthiopische Hochland, wohin man damals den Sitz des +Priesterkönigs Johann+ verlegte. Das war bestimmt ein christliches Land, dessen Volk mit den Arabern in Aegypten in beständiger Fehde lag, und dessen Bundesgenossenschaft gegen den gemeinsamen Glaubensfeind gewonnen werden konnte. Vielleicht konnte man sogar auf dem weitverzweigten Flußnetz, welches nach den damaligen hydrographischen Hypothesen alle bekannten großen afrikanischen Ströme verbinden sollte, dahin gelangen. Auch Fra Mauro huldigte in seinem Erdgemälde diesen Vorstellungen und noch de Barros bezeichnet den Issa (Niger) bei Timbuktu als den oberen Lauf des Senegal. Und doch hatte Diogo Gomez im Jahre 1457 auch in Erfahrung gebracht, daß im Innern Senegambiens große Ströme ihren Lauf nach Osten nähmen. Der Prinz hatte nämlich drei Caravelen ausgesandt unter +Gomez, João Gonsalvez Ribeiro+ und +Nuño Fernandez de Baya+ mit dem Auftrage, soweit als möglich vorzudringen. Am Rio grande vorbei kamen sie in eine starke Küstenströmung, in welcher kein Anker hielt, so daß die begleitenden Capitäne umzukehren wünschten. Die Expedition lief in den Gambia ein und fuhr den Strom bis zur großen Stadt Cantor hinauf. Hier erfuhr man, daß Karawanen aus Tunis und Cairo aus diesen Gegenden Gold holten, und daß jenseits der Gebirge der Sierra Leona große Ströme nach Osten liefen. Es befand sich auf dem einen Schiffe sogar ein Indier, d. h. ein Abessinier, welcher, wenn man nach Indien gelangte, als Dolmetscher dienen sollte.
Es war die letzte bedeutende Fahrt, welche auf Befehl des Infanten unternommen war. Prinz Heinrich der Seefahrer starb am 13. November 1460 in Sagres in seinem 67. Lebensjahre. In der eifrigen Verfolgung seines hohen Zieles hatte er seine Mittel vollständig erschöpft, ja er schuldete bereits 1449 seinem Verwandten Don Fernando von Braganza die enorme Summe von 19,394 Goldkronen. Aber diese Gelder waren nicht in der Jagd nach einem Phantom vergeudet. Portugal war dadurch zu einer Seemacht geworden, welche die Leitung der nautischen Entdeckungen in die Hand genommen hatte und welche zu glänzenden Erfolgen berechtigen mußte.
Noch im Todesjahre Heinrichs entdeckte +Diogo Gomez+ die Capverden in Gemeinschaft mit +Antonio de Noli+ oder Nolle, einem Genuesen. Gomez landete zuerst und zwar auf Santiago, aber Noli kam ihm auf der Rückfahrt zuvor und meldete zuerst die Entdeckung in Portugal. Irrthümlich hat man das Verdienst der Auffindung der Inseln des grünen Vorgebirges da Mosto zugeschrieben; allein sein Reisebericht, der angeblich in das Jahr 1457 fällt, wird durch die innern Widersprüche unglaubhaft, so daß man daraus schließen muß, da Mosto habe sich fremden Ruhm angeeignet. Nach seiner Angabe will er vom Cap Branco in westnordwestlicher Richtung auf die Capverden gerathen sein und zwar schon am Sanct Jakobstage (1. Mai), während er erst im Anfang Mai aussegelte. Dann will er auf der Insel Flüsse gefunden haben, in welche er mit dem Schiffe einlaufen konnte, während ein solcher Wasserreichthum dort nicht existirt.[75]
Ehe wir dem weiteren Gange der Entdeckungsfahrten folgen, müssen wir einen Blick auf die geographischen Auffassungen und die Karten aus jener Zeit werfen. Nach den Schwankungen des früheren Mittelalters war man seit dem 13. Jahrhundert allgemein zur Annahme der Kugelgestalt der Erde zurückgekehrt. Wenn trotzdem die Erdgemälde sich noch in Scheibenform präsentirten, als ob man noch an der Scheibengestalt der Erde festhielte, so hatte das seinen Grund in einer eigenthümlichen Theorie, welche von Dante’s Zeit bis in den Ausgang des 15. Jahrhunderts hinüberspielt. Man nahm nämlich an, daß die Centren der festen und flüssigen Erdsphäre verschieden seien und daß es außerdem noch ein Gravitationscentrum gebe.
Die ~Margarita philosophica~ des Karthäuserpriors Gregorius Reisch, welche zuerst 1496 erschien und durch das 16. Jahrhundert hindurch in vielen Auflagen verbreitet war, trägt diese Lehre etwa in folgender Weise vor.[76] „Das Wasser umgab ursprünglich die ganze Erdoberfläche wie ein sehr feiner Nebel bis zu den höheren Regionen. Aber auf Geheiß des Schöpfers theilte das Firmament die oberen und unteren Wasser, welche letztere nun in den Vertiefungen der Erde sich an +einem+ Orte sammelten, wodurch Landraum geschaffen wurde für die lebenden Wesen. Aus der ganzen Substanz der Erde und des Wassers wurde +ein+ sphärischer Körper gebildet. Ihm schrieben die Gelehrten ein doppeltes Centrum der Schwere und der Größe zu. Es theilt nämlich das Centrum der Größe die Axe der ganzen Sphäre aus Erde und Wasser und das ist der Mittelpunkt der Welt. Aber das Centrum der Schwere liegt außerhalb, nämlich im Durchmesser der Erde, welcher nothwendigerweise größer ist als der halbe Durchmesser der aus Erde und Wasser gebildeten Sphäre, weil, wenn dies nicht der Fall wäre, der Mittelpunkt der Welt außerhalb der Erde fiele. Etwas abgeschmackteres als dieses könnte aber in Naturwissenschaft und Astronomie nicht behauptet werden.
Zur Annahme verschiedener Centren wird man aber genöthigt, weil die von Wasser entblößte Erdoberfläche leichter ist, als die mit Wasser umhüllte. Die trockene Erde ist leichter als die mit Wasser durchtränkte, darum kann das Centrum der Schwere nicht dasselbe sein mit dem Centrum der Größe, sondern strebt im Durchmesser der Erde mehr nach der Peripherie und dem mit Wasser bedeckten Theil. Hierher werden sich die Wasser der Erde mehr sammeln, weil sie dem Centrum der Welt näher rücken.“
Nach dieser Theorie sind also die Landmassen bei ~A~, die Wassermassen, das Weltmeer bei ~B~ vereinigt. Der Kugelabschnitt, welcher die Landmassen umfaßt, wird sich natürlich in Kreisform darstellen. Dieser Theil der Erdoberfläche verdiente allein, als Wohnstätte der Menschen, kartographisch gezeichnet zu werden. Daher bieten uns alle Weltkarten von Marino Sanudo (1320) bis auf Fra Mauro (1459) im Grunde dasselbe Weltbild: die von einem schmalen Ocean umfluteten Continente der alten Welt.
Eine Darstellung der Wasserseite der Erde, der Weltmeere hatte noch niemand versucht und schien alles Reizes zu entbehren, bis etwa ums Jahr 1474 Toscanelli von Florenz den ersten Versuch wagte. Das war aber zu einer Zeit, als ein anderer wichtiger Factor die bisherigen Methoden und Theorien zu reformiren begann: das Studium des Ptolemäus. Wir finden den Geographen von Alexandrien zuerst um 1410 in dem Werk des Cardinal Pierre d’Ailly (geb. 1350) Bischof von Cambray erwähnt. Es ist in dem vielgenannten Werke ~de Imagine Mundi~, welches auch Columbus mit besonderer Vorliebe als seine Rüstkammer benutzte, um seinen Plan einer Westfahrt nach Indien mit Aussagen classischer Autoren belegen zu können. Seit 1470 wurden die Werke des Ptolemäus durch +Nicolaus Donis+ in lateinischer Uebersetzung und mit Karten veröffentlicht, nachdem durch den Cardinal Bessarion das griechische Original in die Hände unseres größten Astronomen jener Zeit, des berühmten Regiomontan (1436-76), gelangt war.
Durch die Anwendung der Astronomie auf die Bestimmung geographischer Ortslagen, in den ersten Jahrhunderten allerdings nur der geographischen Breitenbestimmung, wurden für ein correctes Kartenbild die einzig sicheren Stützpunkte gewonnen. Regiomontan berechnete behufs dieser Fixirungen im Jahre 1473 die Ephemeriden auf 32 Jahre, so daß dieselben zunächst in der wichtigsten Zeit der Entdeckungen fast bis zum Todesjahr des Columbus genügten. Er erfand aber noch ein, auch auf Schiffen anwendbares, handliches Instrument, um die Polhöhe eines Sternes zu messen, den s. g. +Jakobstab+, welcher aus einem Stabe mit rechtwinklich daran befestigten, aber schiebbaren Querstabe bestand. Dieses Instrument wurde in der Folge durch seinen Schüler Martin Behaim in Portugal eingebürgert. Aber die Breitenmessungen der portugiesischen Seeleute ließen, gegenüber den Resultaten der Astronomen in Europa, noch viel zu wünschen, denn es steigerten sich die Beobachtungsfehler auf drei Grad. So lange man den nördlichen gestirnten Himmel über sich hatte, waren die Ephemeriden des Regiomontan stets anwendbar; aber als die portugiesischen Entdecker die äquatoriale Linie überschritten hatten und eine unerwartet andere Gruppirung der Sternbilder als auf der nördlichen Hemisphäre erblickten, war es nothwendig, andere astronomische Tafeln zu entwerfen. Zu dem Zwecke setzte König Johann IX. von Portugal (1481-95) eine +astronomische Commission+ (Junta) nieder, welche unter Leitung des Bischofs Diogo Ortiz und mit Hinzuziehung Behaims diese Lücke ausfüllen sollte und die Sonnenhöhe für südliche Breiten zu berechnen und in Tafeln zusammenzustellen hatte.
Aus der 1584 zu Antwerpen gedruckten ~Cosmographia Petri Apiani et Gemmae Frisii~.]
Von solchen Hilfsmitteln unterstützt, konnte man die von den Schiffern befahrenen Küstensäume immer bestimmter zeichnen, daß sie ein der Wahrheit sich annäherndes Bild boten, während man für die noch nicht wieder erreichten Küsten Asiens vorläufig das von Ptolemäus überlieferte Gemälde Südasiens beibehielt und erst bei fortschreitender Erforschung behutsam abänderte. Die Karten jener Epoche bieten darum die interessante Verschmelzung neuer wissenschaftlicher Bestimmungen mit der Erbschaft aus classischer Zeit.
Indien trat immer entschiedener als Ziel aller nautischen Unternehmungen hervor und was in den letzten Jahren des Prinzen noch ziemlich unklar den Wünschen vorgeschwebt hatte, ward immer bestimmter ins Auge gefaßt.
Da die Erde als eine Kugel angesehen wurde, auf deren Oberfläche allerdings das Verhältniß zwischen der Größe der Wasserbedeckung und der der auftauchenden Landmassen noch verschieden beurtheilt wurde, und da jedenfalls das Weltmeer sich nach verschiedenen Richtungen ausdehnte und im Zusammenhange stand, so mußten auch allmählich Projecte auftauchen, über diesen einen Ocean nach verschiedenen Richtungen den Weg einzuschlagen, um Indien zu erreichen.
Am einfachsten erschien das portugiesische Project, den altherkömmlichen Randocean, der die Feste der alten Welt umflutete, als Fahrbahn zu wählen und so gleichsam, wie es die Sicherheit mittelalterlicher Schifffahrt vorschrieb, in einer großen Küstenfahrt um Afrika herum zu dem gesegneten Osten zu gelangen. Eine Seefahrt quer über ein weites unbegrenztes Weltmeer blieb hierbei außerhalb des Planes.
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Da der wichtigste Abschnitt der Geschichte der großen Entdeckungen die Versuche umfaßt, welche die europäischen See-Nationen in directe Verbindung mit den Gewürzländern und China setzen sollten, so werden wir zur Erleichterung der Uebersicht die einzelnen Richtungen der Fahrten im Zusammenhange darstellen und beginnen mit den Unternehmungen der Portugiesen, welche zuerst auf dem Schauplatze erschienen waren, und zuerst nach Indien gelangten.
Drittes Buch.
Die Seewege nach Indien.
Erstes Capitel.
Die Bahn der Portugiesen nach Südosten.
1. Diogo Cão und seine Vorläufer.
Nach dem Hinscheiden des großen Prinzen, seines Oheims, nahm König Affonso V. in den ersten Jahren noch ein lebhaftes Interesse an den weitern Fahrten. Pedro de Cintra befuhr von Rio Grande aus die Küste im Jahre 1461 oder 1462, erreichte zuerst das Cap Verga (10° 12′ n. Br.) und benannte weiterhin ein kühn vorspringendes Vorgebirge, wie man es von solcher Höhe an der Küste bisher noch nicht angetroffen hatte, zu Ehren des Infanten und der Stätte seines Wirkens das Cap Sagres. Die schwarzen Strandbewohner zeigten in ihrem Ohren- und Nasenschmuck einen Reichthum an Goldringen, schienen aber kein Eisen zu besitzen.
Die Küste wurde felsig, hoch, bot aber geeignete Ankerplätze. Hier erhob sich ein Berg, in dessen Wolkengipfel beständige Gewitter zu zürnen schienen. Nach dem grollenden Donner erhielt derselbe den Namen Sierra Leona. Dahinter öffnete sich ein von Sandbänken erfüllter Golf, in welchem das Meer gewaltig brandete. Den jenseitigen Abschluß der Bucht bildete das Vorgebirge der heiligen Anna (Cabo de Sa. Anna), (7° 34′ n. Br.), am 26. Juli, als am Tage der Heiligen benannt. Dann folgte das Cap Mesurado[78] (6° 19′ n. Br.), wo die Bewohner das Nahen des Schiffes durch eine große Anzahl Feuer signalisirten, in ähnlicher Weise, wie es in dieser Gegend fast 2000 Jahre früher der carthaginiensische Admiral Hanno mochte gesehen haben.
Wenige Meilen jenseit dieses Küstenvorsprungs, in der Nähe des heutigen Monrovia endigte die Fahrt. In der Folgezeit wurde der König von den Seeunternehmungen abgezogen durch die politischen Angelegenheiten des Heimatlandes und dadurch, daß er sich in den castilischen Erbschaftsstreit mischte. Indessen wurde, um den immer schwunghafter betriebenen Handel mit Sklaven und Gold zu decken, in Arguim ein Castell gebaut und das Handelsmonopol einem Portugiesen für den jährlichen Preis von 250 Ducaten (100,000 Realen) verliehen. Im Jahre 1469 wurde auch das Monopol des Handels an der Guineaküste für die doppelte Summe jährlich an +Fernão Gomez+ vergeben, und zwar auf fünf Jahre; doch mußte derselbe sich auch noch verpflichten, auf seine Kosten die Fahrten fortzusetzen zu weiteren Entdeckungen, und von der Sierra Leona an gerechnet, jährlich 100 Leguas weiter vordringen, sowie dem Könige alles Elfenbein für eine festgesetzte Summe, 1500 Realen für den Centner, überlassen.
So konnte das Jahr 1471 einen bedeutenden Fortschritt verzeichnen, indem +João de Santarem+ und +Pedro de Escovar+ unter Beihilfe des damals ausgezeichnetsten aller portugiesischen Piloten +Alvaro Esteves+ nicht nur die Goldküste entdeckten, an welcher später zur Ausbeutung des Edelmetalls König Johann im Jahre 1482 bei dem Dorfe Aldea das duas Partes eine Festung unter dem Namen S. Jorge da Mina anlegen ließ, sondern sie drangen über die Nigermündungen und den Aequator hinaus nach Süden bis zum Cap Sa. Catarina (1° 51′ s. Br.) vor.
In dem nämlichen oder dem folgenden Jahre entdeckt Fernão do Po die Insel, welche jetzt seinen Namen trägt, von ihm aber Formosa getauft war. Auch die südlichen Guinea-Inseln wurden bald darauf gefunden. Martin Behaim verlegt dies Ereigniß ins Jahr 1484 und bemerkt auf seinem Globus, daß „eitel wildnus und keine Menschen“ dort gefunden seien und daß der König von Portugal jährlich Volk dahin sende, das sonst den Tod verschuldet habe, Männer und Frauen, und daß er ihnen gebe, damit sie das Feld bauen und sich nähren und damit dies Land von den Portugalesern bewohnt werde.
Auf Alfons V. folgte 1481 sein Sohn Johann II. Auf ihn schien der Geist des Prinzen Heinrich übergegangen zu sein, er nahm regern Antheil an der weiteren Ausdehnung der afrikanischen Fahrten; aber er hatte auch ein unmittelbares Interesse daran. Denn seit 1473 war ihm bereits als Einkommen ein Theil der Erträgnisse des Guineahandels zugewiesen. Er wußte, welche Reichthümer Fernão Gomez sich durch das fünfjährige Monopol erworben hatte. Dazu kam noch ein neuer Impuls, als Pabst Sixtus IV. durch die Bulle vom 21. Juli 1481 Portugal den Besitz aller afrikanischen Entdeckungen bestätigte. Nachdem er im Mittelpunkte der Goldwäschereien von Mina seine Macht befestigt hatte, nahm er den Titel +Herr von Guinea+ an und führte auch die Sitte ein, statt der bis dahin üblichen vergänglichen Holzkreuze, welche die Entdecker an den hervorragendsten Küstenpunkten errichteten, um ihr Vorrecht zu dokumentiren, steinerne Wappenpfeiler, s. g. ~padrãos~, mit lateinischer und portugiesischer Inschrift zu setzen. Der erste, welcher solche Steinpfeiler mit an Bord nahm, war +Diogo Cão+ oder Cam, welcher 1484 mit seinen zwei Schiffen auslief. An Bord befand sich in der Function eines Kosmographen +Martin Behaim+, welcher um 1459 geboren war und sich rühmen durfte, in der Zeit zwischen 1471 und 1475, in welchen Jahren Regiomontan in Nürnberg weilte, dessen Schüler gewesen zu sein. Bald darauf hatte er sich als Kaufmann zuerst nach den Niederlanden und von da nach Portugal gewendet. Zwischen beiden Ländern bestand ein lebhafter Verkehr. Flandrische Colonisten gingen nach den Açoren. Unter ihnen hatte sich auch ein Edelmann aus Brügge, Jobst von Hurter befunden, welcher durch seine Verbindung mit einer vornehmen Portugiesin, einer Palastdame der Königin, als Statthalter in den erblichen Besitz der Inseln Fayal und Pico gelangte, von denen die erste vlaamische, die andere portugiesische Ansiedler erhalten hatte. Mit der Tochter dieses Hurter verheiratete sich Behaim nach seiner Heimkehr im Jahre 1486.
Die Expedition des Diogo Cão war für 3 Jahre verproviantirt, hatte allerlei Handelswaaren mitgenommen und außerdem als Geschenke an die Mohrenkönige 18 köstlich aufgezäumte Rosse an Bord. Südlich vom Cap der heiligen Catharina begannen die neuen Entdeckungen. Zuerst wurde der gewaltigste aller afrikanischen Ströme, der Congo, erreicht, an dessen Mündung der erste Wappenpfeiler,[79] und zwar auf der Südküste errichtet wurde. Danach hieß man anfänglich den Fluß Rio de padrão (bei Behaim Rio de patron). Die Pfeilerspitze liegt unter 6° 8′ s. Br., auf dem Globus Behaims ward aber die Mündung des Flusses bereits vom südlichen Wendekreise durchschnitten. Später nannte man den Strom nach dem gleichnamigen Königreiche Congo, obwohl man von den Eingebornen den Namen Zaire gehört hatte. Den Entdeckern fiel bereits die Mächtigkeit des Stromes auf, der vor seiner Mündung meilenweit das Meer mit süßem Wasser bedeckte. Diogo Cão fuhr eine Strecke in den Unterlauf hinein und fand allenthalben viel schwarzes Volk. Von der ganzen Küste wurde im Namen des Königs von Portugal Besitz ergriffen. Hie und da wurden auch Eingeborene mitgenommen, um, nachdem sie etwas Portugiesisch gelernt hätten, als Dolmetscher zu dienen. Der König von Congo, mit dem Cão Verkehr anknüpfte, bat sogar um christliche Lehren, und sein Abgesandter, Kassuta, ließ sich in Portugal taufen. Man war erfreut über die Menge neuer Gewürze. Behaim wähnte sogar die echte Zimmtrinde gefunden zu haben. Vom Congo drang Cão noch über 200 Leguas nach Süden, errichtete den zweiten Wappenstein am Cap Agostinho nördlich von Cap Negro unter 13° 27′ s. Br. und den dritten am Cap Negro selbst unter 15° 40′ s. Br.[80] Dieser Berg ist auf Behaims Globus besonders ausgezeichnet als ein eigenthümlich schroffer Fels, der in seiner Form von der conventionellen Bergzeichnung abweicht und in rother Schrift den Namen Monte nigro trägt. Daneben lesen wir die Inschrift: „Hie wurden gesetzt die säulen des konigs von portugal anno domini 1485 d. 18. jan.“ Irrthümlich hielt Behaim diese Spitze aber später für das Cap der guten Hoffnung, welches Dias im nächstfolgenden Jahre entdeckte. Das Datum des 18. Januar scheint zu gleicher Zeit den Zeitpunkt anzugeben, wo man auf dieser Reise den südlichsten Punkt erreichte. Die Dauer der ganzen Fahrt betrug 19 Monate.
Man muß die Verdienste Behaims bei dieser Entdeckungsfahrt sehr hoch angerechnet haben, da er nach seiner Rückkehr vom Könige selbst zum Ritter des Christusordens, welcher aus dem Tempelherrnorden hervorgegangen war, geschlagen wurde, und zwar in Gegenwart des ganzen Hofes.
Schon im nächsten Jahre ging ein neues Geschwader aus, aber nach den Maximen der Regierung unter einem andern Commando: man wollte nicht +einem+ Manne zu sehr verpflichtet sein. Es war ein staatskluger Grundsatz, dessen Vortheile erst recht ins Licht traten, als die spanische Regierung in Folge zu weitgehender Zugeständnisse gegen Columbus in mancherlei Verlegenheiten gerieth.
2. Bartolomeu Dias.
Im August 1486 segelte Bartolomeu Dias mit zwei kleinen Fahrzeugen von 50 Tons Gehalt, von denen das eine unter dem Befehl des João Infante stand, und einem Proviantschiff unter dem Befehl seines Bruders Pero Dias aus, um die Küstenforschung Diogo +Cão’s+ fortzusetzen. Die Familie der Dias hatte sich seit dem Anfange der Unternehmungen des Infanten Don Enrique im Seedienst ausgezeichnet. João Dias, der Ahne des Geschlechts, war zuerst mit ums gefürchtete Cap Bojador gesegelt; Diniz Dias erreichte zuerst das grüne Vorgebirge.
Bartolomeu sollte die rühmlichen Thaten der Vorfahren noch verdunkeln; und seinen Namen volksthümlich machen.