Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen

Part 11

Chapter 113,443 wordsPublic domain

Hier werden kleine Menschen geboren, welche nur 5 Palmen hoch sind (und obwohl sie klein und unfähig sind, schwere Arbeit zu thun, so sind sie doch im Stande und fähig zu weben und Vieh zu hüten.) Und wisst, dass diese Menschen, wenn sie das 12. Jahr erreicht haben, heirathen und gewöhnlich bis zum 40. Jahr leben.... Und sie vertheidigen sich kräftig gegen die Kraniche und nehmen sie und essen sie. (Hier endigt das Land der Herren von China.)

Die Insel der nackten Menschen, in welcher Männer u. Frauen vorn und hinten ein Blatt tragen.

Der grosse Fürst von Gog oder Magog. Dieser wird zur Zeit des Antichrists mit grossem Volke kommen.

Der grosse und mächtige König Alexander hätte hier sterben müssen, wenn ihn Satanas nicht durch seine Kunst gerettet hätte.

Der grösste Fürst aller Tartaren heisst Ulu-beg, das bedeutet Gross-Chan. Dieser Kaiser ist viel reicher als alle anderen Kaiser der ganzen Welt. (Diesen Kaiser bewachen 12,000 Reiter.) Er hat 4 Hauptleute, welche jeder 12,000 Pferde unter ihrem Befehl haben. Jeder Hauptmann begiebt sich an den Hof des Herrschers mit seiner Compagnie auf 3 Monate im Jahr und dann die andern der Reihe nach.

In dem Meere von Indien sind 7548 Inseln, von denen wir hier nicht alle wunderbaren Reichthümer, die darin enthalten sind, von Gold, Silber und (kostbaren Steinen) aufzählen können.

Meer der Inseln von Indien, wo die Spezereien sind. In diesem Meere fahren zahlreiche Schiffe verschiedener Völker.

Man findet dort 2 Arten von Fischen, welche man Syrenen nennt, die eine ist halb Frau und halb Fisch, die andere halb Frau und halb Vogel.

Wisst, dass neben der grossen Stadt Cambalech ehemals die grosse Stadt Garibalu lag. Und der grosse Chan fand durch Astronomie, dass diese Stadt sich gegen ihn empören würde. Er liess sie daher zerstören und die Stadt Cambalech bauen. Diese Stadt hat 24 Meilen Umfang und ist mit sehr starken Mauern umgeben. Sie bildet ein Viereck, jede Seite hat 6 Meilen und die Mauern sind 20 Schritt hoch und 10 Schritt dick. Es gibt 12 Thore und einen grossen Thurm, auf dem eine grosse Glocke angebracht ist, welche nach und vor dem Schlaf ertönt. Wenn sie ertönt, darf niemand mehr durch die Stadt gehen. An jedem Thor halten 1000 Mann Wache; nicht aus Furcht, sondern zur Ehre des Herrschers.

Der Antichrist. Dieser wird in Corozaim in Galliläa aufwachsen. Und wenn er 30 Jahre alt ist, wird er in Jerusalem anfangen zu predigen, und gegen alle Wahrheit wird er sagen, er sei Christus, der Sohn Gottes, und man sagt, dass er den Tempel wieder aufbauen werde.

Diese Menschen sind wild und leben von rohen Fischen und trinken Seewasser und gehen nackt.

Die Insel Taprobana, diese wird von den Tataren Magno-Caulij genannt; es ist die letzte im Osten. (Auf dieser Insel gibts Menschen, welche von den andern ganz verschieden sind.) In einigen Gebirgen dieser Insel gibt es Menschen von grosser Gestalt, d. h. von 12 Ellen, wie Riesen, sehr schwarz und ohne Vernunft, sie fressen die fremden weissen Menschen, wenn sie dieselben fangen können. (Anklänge an Völker auf Sumatra und Neuguinea.)

_Schutzblatt zur catalanischen Erdkarte mit der Uebersetzung der Legende des Originals. Die eingeklammerten Stellen des Textes sind des beschränkten Raumes wegen aus den Legenden der Karte weggelassen, werden aber hier der Vollständigkeit wegen in der Uebersetzung mitgetheilt. Eingeklammerte einzelne Worte dienen zur Erläuterung._

(~Diese Reproduction ist mit Ausnahme der Schriftcharaktere dem Originale, welches auf vier Pergamenttafeln gezeichnet ist, in ⅓ der Länge demselben facsimile nachgebildet.)~

Auf dieser Insel gibt es jedes Jahr 2 Sommer und 2 Winter. Die Bäume und Kräuter blühen hier jährlich zweimal (und es ist die letzte indische Insel und hat eine Fülle von Gold, Silber und kostbaren Steinen).]

Von der Küste wandte sich der Venetianer ins Binnenland, er war der erste Europäer, welcher quer durch die Halbinsel Vorder-Indien zog, und der erste, der später den Ganges hinabfuhr,[59] und besuchte die Stadt Bizenegalia (Bisnagar oder jetzt Widjajanagara, 15° 19′ n. B.) eine damals berühmte, jetzt in Trümmern liegende Residenz, welche später, im 16. Jahrhundert auch von dem Venetianer Cesare Federici erreicht und beschrieben ist. Nach dem Jahre 1567 verfiel die Stadt. Ueber Pelagonda (jetzt Pinakonda) und Cenderghiria (Tschandragiri) drang Conti dann quer durch das Plateau von Dekan vor und erreichte die Ostküste bei Pudifatania (Madras) und Malipuria (Milapur, unmittelbar südlich von Madras, auch St. Thoma genannt), wo der Leib des Apostels Thomas in einer prächtigen Basilica begraben lag. Die ganze Landschaft nennt er Malabar statt Maabar. Die letzte Stadt, welche er hier besuchte, war Cahila. M. Polo nennt sie Cael. Es ist das altindische Kayal und lag etwa zwei Kilometer oberhalb einer der Mündungen des Tamraparniflusses. Kayal war eine Tochterstadt des ptolomäischen Kolchoi, jetzt Kolka, ein Dorf, zwei bis drei engl. Meilen weiter landeinwärts auf der Höhe gelegen.[60] Die Stadt war berühmt durch ihre Perlenfischereien. Von da setzt der Reisende nach der Insel Seilana (Ceylon) über, welche durch ihre Edelsteine: Rubinen, Saphiren und Katzenaugen und durch den Zimmtbaum berühmt war. Mit günstigem Fahrwinde segelte er von da in 20 Tagen, wobei man die Andamanen (Andamaria) zur rechten Hand ließ, nach Sumatra (Sciamuthera bei Conti). Die wilden Bewohner tragen in ihren großen Ohren mit Edelsteinen besetzte Goldringe und kleiden sich in Seide und Leinen. Sie haben Pfeffer, Kampfer und Gold in Fülle. Conti erwähnt hier zuerst die merkwürdige Frucht des Durianbaumes (~fructum durianum~), welche grün von Farbe und so groß wie eine Gurke von verschiedenem Geschmack gleich geronnener Butter ist. Eine genaue Beschreibung dieser sehr geschätzten Frucht hat A. R. Wallace[61] gegeben. Die Verschiedenartigkeit des Geschmacks, welche Conti hervorhebt, definirt Wallace in folgender Weise: „Ein würziger, butteriger, stark nach Mandeln schmeckender Eierrahm gibt die beste allgemeine Idee davon, aber dazwischen kommen Duftwolken, die an Rahmkäse, Zwiebelsauce, braunen Jerezwein und anderes Unvergleichbare erinnern. Dann ist der Brei von einer würzigen, klebrigen Weichheit, die sonst keinem Dinge zukommt, die ihn aber noch delicater macht. Die Frucht ist weder sauer, noch süß, noch saftig und doch empfindet man nicht den Mangel einer dieser Eigenschaften.“ Auf Sumatra leben in der Landschaft Bathech Menschenfresser, welche die Köpfe der erschlagenen Feinde als Geld gebrauchen. Das Volk der Batta, welches gemeint ist, steht noch in dem übeln Rufe des Canibalismus.

Auf der Rückkehr von dort wurde Conti durch Sturm an die Küste von Tenasserim verschlagen, wo es viele Elephanten und Färbeholz gibt. Von da gelangte er zum Ganges und fuhr den Strom 15 Tage weit hinauf. Der Reisebericht wird von hier ab dunkeler, namentlich auch, weil sich manche der angeführten Ortsnamen nicht deuten lassen. Wahrscheinlich besuchte er noch Arracan (Rachani), stieg über das Gebirge gegen Osten ins Thal des Irawadi hinab und fuhr stromauf nach der alten Hauptstadt Ava des Königreichs Birma. Man scheint dieses Land damals zu Süd- oder Großchina gerechnet zu haben, dessen Namen Conti in der Form Macinum (Ma-tschin) kennt. Von Ava kehrte Conti nach Sittang zurück (Xeython), wandte sich nach Bangkok (Pancovia), wo er vier Monate blieb und fuhr von da nach den Sundainseln. Den ganzen Archipel bezeichnet er mit dem Namen Inner-Indien. Längeren Aufenthalt nahm er in Borneo und Java (Groß- und Klein-Java), deren Bewohner ihm die unmenschlichsten und grausamsten von allen zu sein schienen. Als Beispiel dafür erwähnt er das auf Java übliche Amoklaufen. Conti erzählt auch zuerst von den wundervollen Paradiesvögeln, deren Bälge als Kopfschmuck dienen. Das noch in späteren Jahrhunderten von den Portugiesen vorgetragene Märchen, wonach dieser Schmuckvogel keine Füße haben sollte, hat auch Conti bereits vernommen; doch irrt er darin, daß er den Vogel auf Borneo leben läßt, während derselbe auf den Molukken die Westgrenze seiner Verbreitung findet. Bis zum Jahre 1760 war noch kein vollständiges Exemplar nach Europa gelangt.[62]

Nach einer Fahrt von 14 Tagen erreichte unser Reisender mit seiner Familie, die ihn begleitete, die Gewürzinseln, wo die Muskatnüsse und Gewürznelken gedeihen. Conti nennt die beiden von ihm besuchten Inseln Sandai und Banda. Welche Eilande darunter zu verstehen sind, läßt sich nicht bestimmen; denn der Name Sandai ist jetzt völlig unbekannt und auf der heute Banda genannten Insel wuchsen die Gewürznelken damals nicht. Höchst wahrscheinlich verwechselte er den Gewürzmarkt mit dem Produktionsgebiet. Von da ging Conti nach dem oftbesuchten Tschampa (Ciampa), welches er als Seestadt bezeichnet, und kehrte nun nach Vorder-Indien, nach Kollam, zurück. Ueber Kotschin, Kalikut (Collicuthia) und Cambaya wandte er sich zur Heimkehr, landete unterwegs an der aloëreichen Insel Sokotra (Sochutera), berührte Aden und das an der afrikanischen Küste gegenüberliegende Berbera (Barbora), verweilte längere Zeit in Abessinien, schiffte darauf durchs rothe Meer nach Djidda und kam endlich nach Kairo (Carras), wo er außer sämmtlichen Dienern seine Frau und zwei Söhne an der Pest verlor.[63] Obwohl seiner Zeit die Erzählung Conti’s mehrfach auf Mißtrauen gestoßen ist, so wird doch eine gründliche Prüfung bestätigen müssen, daß ein großer Theil seiner Mittheilungen auf Autopsie beruht und daß sich manche Dunkelheiten aus der mangelhaften Beschaffenheit der erhaltenen Texte erklären lassen.

Die Beziehungen der römischen Kirche zum Orient dauerten auch noch unter Calixt III. (1447-1458) und Pius II. (1458-1464) fort, äthiopische Gesandte kamen nach Rom, von denen schon Poggio Erkundigungen über Aethiopien und die Region der Nilquellen einzog und aufzeichnete, andere Boten gingen nach Persien und Indien, so daß die Kenntniß von diesen Ländern sich immer klarer gestaltete. Auch Kaufleute wagten sich immer häufiger in das Reich der Gewürze, und so konnte Toscanelli in seinem Briefe an den Canonicus Martinez in Lissabon 1474 genaue Schilderungen selbst Chinas nach dem Berichte von Augenzeugen geben, mit denen er selbst verkehrt hatte.

Was die Mitte des 15. Jahrhunderts vom Osten Afrikas wußte, läßt sich, wenn auch in unbeholfener Gruppirung dargestellt, auf der in Venedig 1459 entworfenen +Weltkarte Fra Mauro’s+ erkennen. In Abessinien sind der Abai und Takazze als Tributäre des Nil verzeichnet, selbst der Djub (Hebe) findet sich in annähernd richtiger Lage. Vor allem wichtig muß es aber erscheinen, daß an der Ostküste, wo zwar die Insel Madagascar noch fehlt, doch die Erkundigungen über Makdischu (Mogodisco) und Sansibar (zweimal als Xengibar und Chancibar), vielleicht bis zu der Comoren-Insel Mohilla (Mahal) und nach Sofala (Soffala) reichen. Durch die sich weit nach Süden ziehenden afrikanischen Uferlinien wurden später die Hoffnungen, eine Umfahrt um Afrika zu ermöglichen, wesentlich bestärkt.

Zweites Capitel.

Die Abendseite der alten Welt.

Prinz Heinrich der Seefahrer.

Wenden wir uns wieder der Westseite Afrikas zu, so ist unsere nächste Aufgabe, nachzuweisen, wie die Kenntniß hier, nachdem um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Grenze des Wissens alter Zeit wieder erreicht worden war, unter besonders günstigen Umständen rasch und planmäßig vorwärts rückte.

Unter den damals bekannt gewordenen westafrikanischen Inselgruppen waren nur die Canarien bewohnt gefunden. Hier saß das Volk der Guanchen, wie die Spanier den Namen schreiben, ein starker kräftiger Menschenschlag von blondem Haar und heller Gesichtsfarbe, deren Nachkommen noch in jüngster Zeit einen deutschen Reisenden an den ächt sächsischen, westfälischen Typus erinnern konnten.[64] Und in der That hat Löher auch den Beweis angetreten, daß die Wandschen (Guanchen) germanischer Abkunft seien, und sich höchst wahrscheinlich ans den Trümmern der von Belisar niedergeworfenen Vandalen und durch Tarik bei Jerex besiegten Westgothen gebildet hätten. Unter den beigebrachten historischen Zeugnissen ist hier namentlich die Deutung hervorzuheben, welche die Sage von der Flucht eines Erzbischofs und mehrerer Bischöfe auf die Inseln des Westmeeres erhielt, von welcher oben (S. 21) berichtet ist. Danach ist dann der Name Wandschen identisch mit Vandalen. Aber auch in Bezug auf den Nationalcharakter, die Sitten und Anschauungen, die Art der Ansiedlungen und der staatlichen Verfassungen bieten sich so manche Analogien mit altgermanischem Wesen, daß wir uns der überraschenden Beweisführung Löhers nicht verschließen können. Unverkennbar, aber auch ganz erklärlich, war die Sprache der Wandschen mit berberischen Elementen durchsetzt. Im Jahre 1384 machten zuerst spanische Mönche den Versuch, die Bewohner auf Groß-Canaria zum Christenthum zu bekehren, fanden aber thätigen Widerstand und büßten endlich 1391 alle ihren Glaubenseifer mit dem Tode. Planmäßiger begann 1402 +Jean de Bethencourt+ aus Rochelle das Werk; er segelte von La Rochelle aus, landete auf Lanzarote mit einigen 50 Mann und baute eine kleine Citadelle. Aber sie vermochten sich bei ihrer geringen Anzahl doch nur mit Mühe zu halten. Daher suchte Bethencourt in Spanien Hilfe, welche ihm auch um den Preis der Lehnsabhängigkeit von Castilien gewährt ward. Nun begann ein mehrfach unterbrochener Kampf gegen die Selbständigkeit der einheimischen Dynasten, in welchem zunächst die Stämme auf Lanzarote, Fuertaventura und Ferro erlagen und das Christenthum annahmen. Die andern Inseln wurden erst gegen Ausgang des Jahrhunderts bezwungen. Gran-Canaria erlag nach 13jährigem Kampfe 1483, Palma beugte sich 1491 und erst 1496 wurde auch Teneriffa erobert. So kamen die Canarien unter spanische Botmäßigkeit und damit ging ein nicht unwichtiger Stützpunkt für die maritimen Unternehmungen den Portugiesen verloren, welche kurz nach dem Erscheinen Bethencourts ihre glänzende Entdeckerlaufbahn eröffneten, und zwar unter der Führung des +Prinzen Heinrich+, welcher am Cabo Vicente im südwestlichen Portugal seinen Sitz aufschlug und von hier aus die Seefahrten leitete, die den westlichen Saum Afrikas entschleiern sollten.

Dort am Cabo de São Vicente, zugleich dem südwestlichsten Vorsprunge Europas, ist ihm auch in unserem Jahrhundert zum Ehrengedächtnisse ein Marmordenkmal über dem Hauptthore der kleinen Festung Sagres errichtet, welches in der Mitte das portugiesische Wappen, links ein Seeschiff mit vollen Segeln, rechts eine Armillarsphäre zeigt. Darunter ist folgende Inschrift in lateinischer und portugiesischer Sprache angebracht: „~Aeternum sacrum!~ An dieser Stelle hat der große Prinz Heinrich, Sohn Johanns I., Königs von Portugal unternommen, die vorher unbekannten Regionen von Westafrika zu erforschen und so durch Umschiffung Afrikas einen Weg bis zu den entlegenen Theilen des Ostens zu bahnen und hat auf eigne Kosten sein königliches Schloß, die berühmte Schule der Kosmographie, das astronomische Observatorium und das See-Arsenal errichtet und hat dasselbe bis an sein Lebensende mit bewunderungswürdiger Thatkraft und Ausdauer erhalten, gefördert und erweitert zum größten Segen für das Reich, für die Wissenschaft, für die Religion und für das ganze Menschengeschlecht. Als seine Expeditionen den 8. Grad nördlicher Breite erreicht hatten, als manche Insel im Ocean entdeckt und mit portugiesischen Colonien besetzt war, starb dieser große Prinz am 13. November 1460.“[65]

Der Infant Dom Enrique, der später den Beinamen des Seefahrers erhielt, war das fünfte Kind des Königs Johann und am Aschermittwoch, am 4. März 1394 in Oporto geboren. Im Kampfe gegen die Mauren vor Ceuta gewann er 1415 die Rittersporen. Er hatte sich dabei in persönlicher Tapferkeit so hervorgethan, daß der Pabst, der deutsche Kaiser Sigismund, die Könige von Castilien und von England ihn zu gewinnen suchten und seinem Arm die Führung ihrer Truppen anvertrauen wollten. Der Pabst Martin V. wünschte das Schwert des Infanten gegen die Türken zu richten, der Kaiser ließ auf dem Concil zu Constanz durch den portugiesischen Gesandten dem tapferen Prinzen ähnliche Anträge stellen.

Aber Heinrich hatte nach der Eroberung Ceutas seine Aufmerksamkeit auf das weiter südlich gelegene Afrika gerichtet, er wollte Guinea zu erreichen suchen. Allein Guanaja oder Ganaja war ein nur durch dunkle Gerüchte erkundetes Land; keines Europäers Auge hatte es bis dahin gesehen. Aber von dem Reichthum dieses Gebietes berichtet schon die catalanische Karte von 1375. Wir sehen hier im Lande ~GINVIA~ bei Tenbuch (Timbuktu) einen Negerfürsten mit Scepter und Reichsapfel thronen, neben welchem sich die Inschrift befindet: ~Aquest Senyor Negre es appellat Mussemelly, senyor de les Negres de Gineua, aquest rey es lo pus rich e pus noble senyor de tota esta partida per l’abundancia de l’or qual se recull en sua terra.~ (Dieser Negerherr ist Mussemelly [König von Melli] genannt, Herr der Neger von Guinea, dieser König ist der reichste und vornehmste Herr dieser ganzen Gegend durch die Fülle von Gold, welche man in seinem Lande sammelt.) Die Landstriche jenseits Cap Bojador hatte noch niemand besucht.[66] Es mußte für Portugal vortheilhaft erscheinen, +allein+ unter allen Europäern Handelsbeziehungen mit den Völkern Guineas anzuknüpfen, bei denen kein Mitbewerb drohte.

Prinz Heinrich hatte dabei noch einen andern Zweck im Auge. Er wollte die Ausdehnung der Macht seiner Landesfeinde, der Mauren kennen lernen. Man hatte nämlich in allen Berührungen und Conflicten mit diesem Gegner nie gesehen, daß ihnen aus weiter südlich gelegenen Gebieten ein Fürst zu Hilfe gekommen war. Er wollte darum erforschen, ob in diesen Ländern nicht christliche Mächte, vielleicht Nachbarn des bekannten Priesterkönigs Johann, säßen, welcher bereits nach der Vorstellung der catalanischen Karte ~Emperador de Etiopia~ war. Er wollte versuchen, ob man nicht von Süden her den Krieg gegen die Mauren erregen könne, um sie von zwei Seiten zu fassen; denn es schien ihm nicht unwahrscheinlich, den Beistand jener Fürsten um des Glaubens willen und aus Liebe zu Christo gewinnen zu können. Auch stand das Verlangen des Prinzen dahin, das Licht des Christenthums selbst in die dunkeln Erdstriche zu tragen. Und endlich trat noch ein wichtiges, in jenen Zeiten nicht angezweifeltes astrologisches Moment hinzu. Sein Horoskop wies den Infanten bestimmt auf die Entdeckungen hin. Azurara hat dasselbe mitgetheilt, es lautet danach: „Da sein Ascendent (d. h. das bei seiner Geburt aufsteigende Haus) der Widder war, welcher das Haus des Mars ist, wo die Sonne sich in Exaltation befindet (d. h. den größten Einfluß übt), und da sein Herr (Mars) im eilften Hause (d. h. nahe bei der Sonne) und im Wassermann steht, welcher das Haus des Saturns ist, so bedeutet es, daß er zu großen Eroberungen berufen war und ganz besonders zur Aufsuchung von Dingen, die andern Menschen verborgen waren, denn Saturn ist der Hüter der Geheimnisse. Und da sein Stern von der Sonne begleitet ist, die Sonne aber im Hause des Jupiter steht, so wird damit angedeutet, daß alle seine Thaten und Eroberungen durchaus loyal und zur Zufriedenheit seines königlichen Herrn geschehen sollten.“[67] (~Azurara, Chron. cap. VIII p. 48. 49.~)

Und so legte er mit Genehmigung des Königs am Vorgebirge von Sagres in Algarve, dessen lebenslänglicher Gouverneur er war, das erste astronomische Observatorium in Portugal, das See-Arsenal, die Kosmographenschule und seine Residenz an, in welcher er alle wissenschaftlichen Kräfte seines Landes zu vereinigen strebte, während der nahgelegene Hafen von Lagos seine Flotten barg. Die Klippe von Sagres bildet eine etwa 200 Fuß hohe, kolbig in den Ocean vorspringende Felsenplatte, von der Länge einer Viertelmeile. Diese Felsenbank, von dem Salzschaum des Oceans übersprüht, bietet nur die spärlichste Vegetation, aber sie war wohl geeignet, den Blick von dem Festlande ab ganz allein aufs Meer hinauszulenken und von hier die Befehle zu ertheilen, wie der Schleier, der die Geheimnisse des Saturn bedeckte, sollte gelüftet werden. Zwar hat das furchtbare Erdbeben, welches im Jahre 1755 Lissabon zerstörte, auch die meisten damals noch existirenden Gebäude aus alter Zeit über den Haufen geworfen; allein es lassen sich doch die Umrisse und die wahrscheinliche Lage der wichtigsten Baulichkeiten aus den Zeiten des Seefahrers angeben. An der nördlichen schmalen Einschnürung der kleinen Halbinsel, gegenwärtig durch Befestigungen gedeckt, lag die Kirche, weiter südwärts erhebt sich über dem fundamentalen Rundbau des ehemaligen Observatoriums das Pulvermagazin der Citadelle. Auf der Nordostseite lag der Hafen.

So erscheint uns noch in allgemeinen Zügen der ehemalige Sitz des Prinzen, die Villa do Iffante, wie sie genannt wurde. Hier herrschte der Mann, der eine neue Zeit für die wissenschaftliche Beherrschung der Erde heraufführen sollte, der ein Bahnbrecher wurde durch das pfadlose Weltmeer.

Zeitgenossen haben uns sein Bild getreulich bewahrt. Man beschreibt ihn als einen Mann von hoher Gestalt, kräftigem und starkem Körperbau. Seine Miene war ruhig, seine Rede fest. Sein erster Blick hatte etwas Zurückschreckendes für diejenigen, welche ihn nicht kannten, und etwas Wildes, wenn er in Zorn gerieth, was ihm aber höchst selten widerfuhr. Ehrbarkeit herrschte in seinen Reden und Handlungen, Einfachheit in seiner Kleidung und Hofhaltung. Der Grund davon lag in der Reinheit seines Herzens und seiner Sitten. Asketisch streng enthielt er sich des Weines und des Umgangs mit Frauen. Er besaß viel Beharrlichkeit und Gewalt über seine Leidenschaften; im Glück wie im Unglück war er bescheiden und so geneigt, Fehler zu verzeihen, daß man ihn darüber nicht selten getadelt hat. Aber in wichtigen Unternehmungen zeigte er die größte Entschlossenheit und ein zähes Ausharren.

Er fand großes Vergnügen daran, junge Leute für seine Zwecke heranzubilden und so wurde sein Hof eine Pflanzschule des jungen Adels. Gastfrei gegen Einheimische und Fremde, zog er tüchtige Männer aller Nationen heran und keiner nahm Abschied, ohne Beweise von dem Edelsinn des Prinzen empfangen zu haben. In strengen Anforderungen an sich selbst gab er allen ein leuchtendes Vorbild. Jeder Tag gehörte angestrengter Arbeit, unzählige Male hat er sich sogar den Schlaf geraubt. Die Mittel zu den jahrelang wiederholten Fahrten flossen ihm aus den Einkünften des Christusordens, dessen Großmeister er war. Der Zweck dieses reichen Ordens war die Bekehrung der Heiden, und so ließ er zunächst die Länder der Ungläubigen aufsuchen und zog Erkundigungen ein über das Sudan, erhielt Nachricht von den Karawanen, welche bis zum Senegal oder nach Timbuktu zogen und sendete so seine Schiffe hin, den großen Strom zu finden, den die Eingeborenen Owedesch, die Portugiesen nach dem Volksstamm der Sanaga, oder Azanaghen Sanaga, d. i. Senegal nannten.