Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 8

Chapter 83,106 wordsPublic domain

Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross- und Klein-Armenien's.

[Randnote: Hulagu.]

_Hulagu_ oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen, _Chulagu_ war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne, geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode) Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, durch Jagden gefeierte _Kurultai_ der Familie zu halten, bei welchem alle Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch der _Fetteinschmierung_[141], welcher darin besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan, zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142] aus dem Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau _Tokus_, und vier aus dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine _Kutui_ Chatun, ein Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle gefällig zu sein, als für ihren guten Geschmack, sich mit schönen Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck _Baghtak_, dessen Namen die europäischen Reisenden in _Botta_, die Venezianer in _Baiuta_ verstümmelt haben.[143]

[Randnote: Die Gemahlinnen Hulagu's.]

Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], war _Tokus Chatun_, d. i. die Frau _Neun_, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt, sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, der staatsklugen _Sijurkukteni_, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester _Tukini_ zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die Töchter _Ettiko's_, des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der _Uirat_, nämlich _Kubak_ oder _Kojuk Chatun_, die Mutter seines zweiten Sohnes _Dschumkur_, und ihre Stiefschwester _Oldschai_, die Mutter seines eilften Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes _Kutuke's_, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine Tochter _Dschidschegan_ zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn _Buka Timur_ geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter _Kubak_ und _Oldschai_, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen waren zwei Konghuratinnen: _Kutui Chatun_, aus deren Lager Hulagu sieben Beischläferinnen genommen, die Mutter _Tekschin's_, seines vierten, und _Ahmed Tekudar's_, seines siebenten Sohnes; und _Mertai Chatun_, welche kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich die Frau _Jisut_ oder _Jisuntschin_, aus dem Stamme Suldus, die Mutter des Kronprinzen _Abaka_. Wir mussten in diese Umständlichkeiten eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte, nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die _Kerait_ und die _Uirat_, sowie der der _Konghurat_, aus welchem die zwei anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.

[Randnote: Die Söhne und Töchter Hulagu's.]

Der Erstgeborene _Abaka_ war als der Aelteste schon bei des Vaters Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben, sowie seiner beiden Söhne _Dschuschkub_ und _Kunkuschu_, wird im Verlaufe dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. _Jaschmut_, der dritte Sohn Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die Mutter des vierten Sohnes, _Tekschin_, welcher an einem Blasenübel gestorben, und dessen Gemahlin _Nulun_, die Tochter Buka Timur's, des Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn, _Tarakai_, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin _Borkdschin_, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; merkwürdiger durch seinen Sohn _Baidu_, welcher einige Monate lang der sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach _Ahmed Tekudar_, dem siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden ward _Tusin_, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut, geboren. _Adschai_, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. Die Beischläferin _Dschudsche Ikadschi_, die Mutter des neunten Sohnes, _Kuikurtai_, war eine Sklavin aus dem Lager der Frau _Tokus_; er war Vater von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter _Jisudar's_, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut, dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku Timur's[145] erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb; Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste, _Kordotschin_, aus der Atabegin _Abisch_, in der Geschichte nicht minder oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den Emir _Satilmisch_ und endlich an ihren Vetter _Taghai_; die Atabegin _Abisch_, ihre Mutter _Turkan Chatun_ und _Kordotschin_, die obgenannte Tochter der Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's, welche eng mit der der Ilchane Persiens verflochten. _Huladschu_, der zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavin _Ilkadschi_, aus dem Lager der Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke _Baghtak_ zur Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter _Scheibawedschi's_, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten, _Taghai Timur's_, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau _Kutui_, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die erste _Bulughan Aka_, aus der Frau _Kobak_; sie wurde mit ihrem Oheim _Dschume Gurgan_, dem Sohne des Tataren _Dschudschi_, vermählt, dessen Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige _Dschidschegan_, die Tochter _Utdschigin's_, des jüngsten Bruders Tschengischan's; _Dschume Gurgan_ erhielt nach dem Tode _Bulughan Aka's_ auch die Hand der Nichte _Dschemi_, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau _Oldschai_; die dritte Tochter, _Mengelugan_, ebenfalls aus der Frau _Oldschai_, ward an _Dschakir Gurgan_, den Sohn _Buka Timur's_ den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, _Tutukasch_, aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an den Uiraten _Tengkir Gurgan_, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn _Sulamisch_ und endlich an dessen Sohn _Dschidschek Gurgan_ vermählt, so dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146] die fünfte, _Tarakai_, deren Mutter die Beischläferin _Irtikan Ikadschi_, ward dem Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, _Kutlukan_, aus der Beischläferin _Minklikadsch_, wurde zuerst dem _Jisubuka_, aus dem Stamme _Durban_, dann nach dessen Tode seinem Sohne _Tokel_ angetraut; die Hand der siebenten, _Baba_, aus der Frau _Oldschai_, erhielt _Legsi Gurgan_, der Sohn Emir _Arghun's_, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als Hulagu nach Persien gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an Oheime und Vettern vermählt.

[Randnote: Hulagu's Aufbruch.]

Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, _Abaka_, und den dritten, _Juschmut_, mit sich, trug dem zweiten, _Dschumkur_, im Lager des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder _Temkjan_[147] in seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten ihn noch sein jüngster Bruder _Suntai_, der neunte Sohn Tuli's, dann aus dem Uluse Dschagatai _Tekuder_[148], der Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel _Bulghai_[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, der Sohn seines Erstgeborenen _Orda_, und der Urenkel _Kotur_, der Sohn Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes _Tewel_; endlich _Buka Timur_, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der Stiefbruder von _Kubak Chatun_ und _Oldschai Chatun_, der zwei Gemahlinnen Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse Frau _Tokus Chatun_, dann _Jisut Chatun_, die Mutter des erstgeborenen Abaka und _Oldschai_, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich: _Hulagu_, seine Söhne _Abaka_ und _Juschmut_, sein Bruder _Suntai_, sein Stiefschwager _Buka Timur_, der Neffe _Tekuder_; die Vettern: _Bulghai_, _Kuli_ und _Kotar_. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche schon früher unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren, wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen Gränze, erst von _Dür Nujan_ und hernach vom Tataren _Sali Nujan_ gegen Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl, von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen, alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn; Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane _Keitbuka_, vormals Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres 1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige Tagreisen später über den _Arungu_, der in den See _Kisilbasch_, d. i. Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über diesen Marsch abgestattete Bericht[150] _Pfuhle_ nennt, liegt ein Berg, von welchem der Wind oft mit solcher Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende in den See weht;[151] durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden Brücke, öffnet sich der Weg nach _Almaligh_, einer Stadt voll fliessender Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai, welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm _Mesud_, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von _Kjanigül_, d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert.

[Randnote: Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.]

Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod des Prinzen _Suntai_, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der Stadt _Kesch_[152] vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von _Schehr Sebs_, d. i. der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat, und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat, _Schemseddin Mohammed Kert_, der Gründer der seinen Namen führenden und unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden Dynastie _Kert_, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der Dschelaire _Iluke_, dessen Vater _Kadan_, aus dem Gefolge Tschengischan's, hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155] Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war _Arghun_. Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte _Iltschidai_, welcher vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo ihn die Missionäre als _Ergutai_ kennen, und der, nachdem sein Sohn in die Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. _Arghun_, durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's Thronbesteigung zum _Baskaken_, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward. Vater zahlreicher Söhne[156], von denen _Newrus_ und _Legsi_ in der Folge die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder _Iseddin_ und _Rokneddin_, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der Atabeg von Fars, _Saad_, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran, Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres 1256 unserer Zeitrechnung.

[Randnote: Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.]