Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 7

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IV. _Kerman_, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt, und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer _Borrak_, zum Islam bekehrt, vom Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem Ehrentitel _Kotlogh Sultan_, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward. Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige und langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in der _welteröffnenden Geschichte_ Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan's _Rukneddin_ erhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's, vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman, Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt, durch den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das Diplom der Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte mit der Botschaft der Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, [RN: 650/1252] der, als er beim Atabegen von Fars Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler um den Thron Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre später erfolgten Tode behielt. [RN: 658/1258] Fast noch weniger als die Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen Geschichtschreibern bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom Dilemiten _Ebu Dschaafer Mohammed Kakuje_ ab, dessen Namen die Araber in _Kakeweih_, so wie den der _Buje_ in _Boweih_, und den der _Fasluje_ in _Fasleweih_ verstümmeln; er war der Oheim _Side Chatun's_, der Mutter Medschdeddewlets des Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein Sohn _Ebu Manssur Firamurs_ hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft von Jesd erhalten; [RN: 443/1052] ihm war in derselben sein Sohn _Emir Ali Ben Firamurs_ gefolgt, [RN: 536/1142] welcher im Kriege wider die Karachitanen fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken, verlieh die Herrschaft von Jesd dem _Sam Ben Wirdan_, [RN: 515/1122] einem Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam Ben Wirdan umfing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und verherrlichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die Herrschaft seinem Bruder _Iseddin Beschker_, [RN: 590/1194] welcher, ein tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft von Schiras und Issfahan betraut worden, zu Anfang des Jahrhunderts starb; [RN: 604/1208] ihm folgte sein Bruder _Wirdansor_ durch zwölf Jahre, und dann dessen Bruder _Ebu Manssur_, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, [RN: gest. 616/1219] nach ihm dessen Sohn _Mahmud_ durch dreizehn Jahre, und nach diesem dessen Sohn _Salghurschah_, [RN: 621/1231] der Erbauer der nach ihm genannten Stadt _Salghurabad_, und dann dessen Sohn _Toghanschah_, der neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's[125], welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach zwei späteren Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder _Jusufschah_), zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den Einkünften des Diwans einverleibt ward.

[Randnote: Die Dynastien in Fars.]

In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras, insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare[126] aus der Familie _Fasluje_. VI. Die Vorfahren _Fasl Ben Emir Fasluje's_ waren ursprünglich die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare, welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein _Fasluje Ben Hasuje_ genannt, Isfehsalar d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, _Tasch Ferrasch Schebankjare_, das Land mit einem Heere, [RN: 430/1038] und zu dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig Millionen Dirhem; da er sich wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli der _Chuansalar_, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der Residenz zu Darabscherd, dessen langer Namen _Nisameddin Mahmud Ben Jahja Ben Hasuje_. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm folgte sein Sohn _Mobariseddin_, dann dessen Sohn _Nisameddin II._, dann der Bruder _Mosaffer Mohammed_, [RN: 624/1227] welcher, ein weiser und gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle den Vornamen _Mosaffereddin_, d. i. _die mit dem Siege der Religion Betheilten_, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des letzten _Ebubekr Ben Saad's_ schon durch _Saadi's Gülistan_ allein unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren _Sonkar Ben Mewdud_ in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der Seldschuken, verwaltet worden. Der erste _Fasluje Schebankjare_, dessen schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem die Dichter, auf dessen Namen _Fasl_, d. i. Trefflichkeit, Verdienst, Wohlthat und Huld anspielend, gesagt:

Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück, Den Uebermuth des Aufruhrs hielt _Faslui_ zurück.

Der zweite _Rokneddewlet_, d. i. die Reichssäule _Chumar Tegin_, ertrank; der dritte _Dschelaleddin Dschanli_ verheerte das Gebiet der Dynastie Schebankjare; der vierte _Karadschu_ baute eine Medrese zu Schiras und ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte _Mengubers_ baute eine Medrese, an der er begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin _Sahide_ die Medrese _Issmeti_ zu Schiras; der sechste _Bosabe_ ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsam getödtet, [RN: 543/1148] und der siebente _Melekschah_ hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem _Sonkar Ben Mewdud_, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.

[Randnote: Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.]

Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare herrschte, sind die sogenannten _grossen Fasluje_ nicht zu vermengen, welche in Gross-Luristan unter dem Namen der grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. Die beiden Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, _Lor_ oder _Lur_, welche dort Statthalter im dritten Jahrhunderte der Hidschret, später über die Stämme herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens eingewandert, sich unter Anführung Chorschid's in Klein-Luristan niederliessen; von ihrer westlichen Abstammung heissen sie die Könige des Westens[127]. VIII. In Gross-Luristan dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme _Ali_ und dessen Sohn _Mohammed_ den Atabegen Salghuren, und _Abu Tahir_, der Sohn Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar, der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; Abu Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum unabhängigen Fürsten und Atabegen. [RN: 550/1155] Bei dieser Gelegenheit siedelten sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und vertrieben die _Scholen_ oder _Schulen_, welche die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir hatte fünf Söhne, deren ältester _Hesarsif_ in beständigem Kriege mit _Tikle_ dem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein Enkel desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan, siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus. Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog. Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der kleinen Atabege in Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als die der Atabege von Gross-Luristan. _Schudschaaeddin Chorschid_, d. i. _der Tapfere der Religion, die Sonne_, eroberte das Land, nahm, der erste, den Titel _Atabeg_ an, und starb nach vierzigjähriger Regierung über hundert Jahre alt; [RN: 580/1184] ihm folgte sein Neffe _Rustem_, ein gerechter aber strenger Fürst, den sein Bruder _Scherefeddin Ebubekr_ ermordete; dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein Bruder _Iseddin Kerschasif_ nahm den Thron ein und die Frau _Melike_, seines Bruders Gemahlin, die Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg mit Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit demselben Frieden, ward aber von ihm erschlagen. [RN: 640/1242] Die Wittwe Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (_Schudschaaeddin Chorschid_, _Ssafeddin Rustem_ und _Nureddin Mohammed_) zu ihrem Bruder _Suleimanschah_, der mit Hosameddin den Krieg so erbittert führte, dass sie sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen unterstützt ward, während das Heer Hosameddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm den Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele Wortspiele:

Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst, Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128]; Ein _Diw_, begehrte er das Reich von Suleiman, Zuletzt im _Diwan_ Salomoni's abgethan.

Die Herrschaft kam an den obengenannten _Bedreddin Mesud_, den Bruder Iseddin Kerschasif's.

[Randnote: Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.]

Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu Bagdad, in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei Dynastien, deren Fürsten den Titel von Atabegen, das ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter diesem Namen berühmt, waren die von _Damaskus_, _Haleb_, _Aserbeidschan_ und _Irbil_ bereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon erwähnten persischen der Atabege von _Jesd_, _Darabscherd_, _Schiras_, _Gross- und Klein-Luristan_, und die nun zu erwähnenden von _Mossul_, _Dschesire_ und _Sindschar_. XI. Zu Mossul herrschten seit einem Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren Thron vom Chalifen Bagdad's dem _Bedreddin Lulu_, Obersthofmeister der beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege von _Sindschar_, deren Herrschaft vor einem Jahrhunderte[129] begonnen, hatte nur durch ein halbes Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben, Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen worden; eben so war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig Jahren[130] XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre Stelle _Modschahid_, ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu _Mardin_ herrschte ein Zweig der _Beni Ortok_, deren Hauptlinie von Diarbekr seit zwanzig Jahren[131] erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin schon seit hundert sechs und achtzig Jahren[132] Fürsten, deren Dynastie erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung erlosch.[133] _Ilghasi_, der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's bemächtigt; ihm war sein Sohn _Hosameddin Timurtasch_ und sein Sohn _Nedschmeddin_, diesen die beiden Söhne _Hosameddin II._ und _Nassireddin_ und diesem der Sohn _Melik Said_ gefolgt, welcher der sechste Herrscher dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit Hulagu's war diese Stadt im Besitze _Kjamil's_ des Ejubiden. XV. Miafarakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen mächtigen Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun anderen, die von _Kairo_, _Damaskus_, _Haleb_, _Hama_, _Himss_, _Kerek_, _Baalbek_, _Hossnkeif_ und _Jemen_); von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von _Miafarakain_ und _Hossnkeif_, und in Syrien die vier von _Haleb_, _Hama_, _Himss_ und _Kerek_. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu Miafarakain; seine Vorfahren _Melikol-aadil_, der Bruder Ssalaheddin's, dann _Melik el-eschref_, _Melik el-ewhad_, _Melik el-mosaffer_, die drei Söhne _Melik el-aadil's_; der Sohn des letzten war _Melik Kjamil_, der Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu widerstehen, mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte. XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren begonnen[134], indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil die Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von Amid und Hossnkeif seinem Sohne _Melik Mowahid_, der wie sein Vetter von Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu _Hama_ Melik Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete. Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn Schehinschah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt, sein Sohn Nachfolger _Melik Manssur I._ ob seiner wider die Kreuzfahrer erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen Begleiter auf allen Feldzügen _Melik Nassireddin Mohammed_ des Vaters Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode verlieh er die Herrschaft zwar dem Sohne desselben _Melik Modschahid Schirkuh_, zog aber das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen Neffen citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte sein Sohn _Manssur Ibrahim_, der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet, und nach ihm sein Sohn _Melik Eschref Mosafereddin Musa_, der Zeitgenosse Hulagu's, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter _Melik Aadil Seifeddin Ebubekr_, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen, übergab er Kerek seinem Sohne _Melik Moaasem Isa_, welchem der Sohn Melik Nassir Daud und diesem _Melik Moghis Fetheddin Omar_ folgte, der Zeitgenosse Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig mit der persischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine Nebenbuhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI. Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien der _Beni Ochaissar_, _Musa sani_ und _Beni Haschim_ seit einem halben Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte Herrscher _Ebu Nemi Mohammed_ durch sieben und vierzig Jahre gefüllt.

[Randnote: Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u. Kleinasiens.]

Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst nach den nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und Masenderan, wo seit der Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des fünften die zwei Dynastien _Bawendije_, auf einander folgend, geherrscht; aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[135] erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein Zweig derselben in der Dynastie _Dschelawije_. Das Stillschweigen der Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte[136] beweiset, dass Taberistan während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan herrschten XXII. die Beni _Badusian_ schon seit dem vierzigsten Jahre der Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der Gründer _Badusian_[137] war ein Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.[138] Sie führten den besonderen Titel _Astandar_, welches in der bisher ganz unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend mit _Scheichol Dschebal_, d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess, welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von _Alamut_ und der von _Rustemdar_, bekriegten sich um die Hälfte des sechsten Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; aber nach dem Tode Keikawu's Ben Hesarsif's schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder _Isfendiar Kerkud_, nach ihm sein Neffe _Serin Kemer_, d. i. Goldgürtel, der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der Sohn Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[139] sein Sohn _Bisutun_, diesem nach zehnjähriger Regierung der Sohn _Fachreddewlet_, diesem nach zwanzigjähriger Regierung der Sohn _Hosameddewlet Ardeschir_ und diesem der Bruder _Iskender_ gefolgt. Sein Nachfolger _Isfendiar Schehrahim_, der jüngste Fürst der Beni Badusian, regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die Eroberung des Landes erst unter ihrem Nachfolger _Oldschaitu_, dem achten Ilchane Persiens, versucht. XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre, während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in die Geschichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter ist XXIV. die Königin von Georgien, _Russuldan_, die Tochter der _Tamar_, nach deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David Narin und ihrem Sohne _David Ssosslan_, getheilet ward. Dieser erhielt das obere Georgien, d. i. _Karthli_, _Kachethi_, _Achal-ziche_ und _Schewar_; der andere Niedergeorgien, d. i. _Imerethi_, _Mingrelien_, _Sswanethi_, _Dschikhethi_ und _Abchasethi_; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben, _Iseddin Keikawus II._, erst allein, dann mit seinen Brüdern _Rukneddin Kilidscharslan IV._ und _Alaeddin Keikobad II._, von welchen der vorletzte bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte XXVI. der griechische Kaiser Vataces, dessen drei und dreissigjährige Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und dessen Gesandte sich mit denen _Innocenz IV._ am Hofe Mengukaan's zusammenfanden.[140] Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien, welche die Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des mächtigsten Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und zwanzig besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen, so schlugen diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden, erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, gleichsam an der Pforte desselben die Heerpauke der Herrschaft.

Zweites Buch.