Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 36
Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch _Buraldschin Ikadschi_, den Günstling Kendschatu's, und _Scherefeddin Semnani_, welcher beim Emir Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und einen Toman von Truppen. [RN: 6. Silhidsche 691/19. Nov. 1292] Sein Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname _Ssadreddin_, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von _Ssadri dschihan_, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder _Kutbeddin_, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit der Veränderung seines Namens in _Kutbi dschihan_, d. i. Pol der Welt; ihr Oheim _Kawameddin_, d. i. die Feste der Religion, erhielt die Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von _Kawamolmülk_, d. i. Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter Hulagu den beiden Brüdern _Dschuweini_ und dem Sohne des Wesirs Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von _Schiras_. Die Sorge für die Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde dem _Fachreddin Aidadschi_ bestätigt[744]; dieser aber bat um Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd angedeihen liess. _Efrasiab_ von Lur, der Sohn des unter der Regierung Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen, floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern. Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der Stadt getödtet. [RN: 8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Kisil sandte seinen Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte auf den Namen Efrasiab's von _Lur_[746]; dann dehnte er seine Herrschaft von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen _Tekele_, und Melik Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's; auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd, gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden hingerichtet.
[Randnote: Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.]
Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats belagere. [RN: 8. Dschem. sani 691/27. Mai 1292] Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei geschleppt[749]. [RN: 1. Redscheb 691/26. Juni] Kalaaterrum, das Schloss der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines Vorfahrers und seines Bruders Arghun. _Tekia_ oder _Tetkaul_ starb in dem Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. [RN: 3. Dsch. ewwel 692/11. April 1293] Von Meragha begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit Versicherungen von Freiheit und Eintracht, [RN: 7. Schaaban 692/13. Juli 1293] und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen. Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus Diarbekr ein. [RN: 17. Schaaban 692/23. Juli 1293] Kerrai Aghul, der Sohn Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. [RN: 12. Ramasan 692/16. Aug. 1293] Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu Bire gefeiert. [RN: 5. Rebiulewwel 693/24. Jan. 1294] Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher der Prinz _Kalintai_. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen, [RN: 8. Rebiulachir/8. März 1294] nachdem sie noch Tags vorher der Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den Namen _Kotlogh Baligh_, d. i. der guten Balley, erhielt. [RN: 2. Dschem. ewwel 693/31. Mai 1294] Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, [RN: 7. Redscheb 693/3. Juni 1294] und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen; [RN: 16. Redscheb 693/12. Juni 1294] er ward ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch _Tschaw_ heisst. Vergebens stellte _Schiktur Nujan_ vor, dass diese Massregel der Ruin des Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort das Papiergeld einzuführen; [RN: 19. Schaaban 693/15. Juli 1294] sie kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe setzte. [RN: 10. Ramasan 693/12. Sept. 1294] Dieser den Bewohnern von Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als _gebenedeites Papiergeld_[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel: _Irdschin Turdschin_, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753]. _Iseddin Mosaffer_, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen Worten hieher.
[Randnote: Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.]
Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu, welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des Günstlings _Burekdschin Ikadschi_ vorgekommen, beklagte er sich über solche Behandlung bei den Emiren, und als von diesen _Tudadschu_, der Oberrichter _Dschidschek Gurgan Legsi_, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und _Iltimur_, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd, der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei verwaltete, zu tödten[754]. _Ghurantai Gurgan_, der Eidam Kendschatu's, Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die Emire _Doladai Ordadschi_, d. i. Kellermeister, _Kundschukbal_ (welchem Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed früher _Taghai_, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen), _Tukal_ (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's), _Ildschidai_ und _Bukdai_, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie gebunden nach Tebris[755]. _Hasan_ und _Taidschu_, die beiden mit der Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; aber _Taghadschar_, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, den _Tukal_ ausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach _Irbil_ gekommen, vernahmen sie, dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu berichten. [RN: 28. Rebiulachir 694/17. März 1295] Hierauf wurden die Emire Akbuka und Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt. _Taitak_ führte den Vortrab von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen. [RN: 3. Dschemasiulewwel 694/21. März 1295] Der Chan selbst brach mit einem Heere vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest. Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend. Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan, der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät, um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756].
[Randnote: Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.]
Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich dort _Taitak_ und _Toghruldsche_ mit _Baschmak Aghul_ und _Karadscha_, dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. [RN: 6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das Heer Baidu's geschlagen. [RN: 6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Von den Günstlingen Kendschatu's wurden _Itogthu_ und _Itpuki_ mit ihm zugleich hingerichtet[757]. _Itkuli_, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron zu Audschan[758]. [RN: 8. Dschem. ewwel 694/26. März 1295] Die Emire Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse _Heschtrud_ geschlagen ward, hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran, welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des _Dschaghantu_, d. i. des weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben, an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg denselben [RN: 19. Dschem. ewwel 694/6. April 1295] und erliess in alle Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: »Da Kendschatu sich von den Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt, so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen Willens.« Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron, wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und der Finanzen verliehen[760]. Die Emire _Kundschukbal_, _Tukal_, _Tudadschu_, _Legsi Gurgan_ wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad und die Umgegend dem _Tudadschu_; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen Distrikten dem _Taghadschar Nujan_; die Gebiete von _Irak_ und _Lur_ dem _Toladai Aidadschi_; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare verlieh er dem _Kundschukbal_; dem _Dschemaleddin_ wurden die Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin _Kurdudschin_ die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden Buche verwebt wird.
I. Beilage.
Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi.
Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band II. Blatt 601.
Kurz _Dschudschi_ starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's von den Brüdern getrennt, nach _Kipdschak_ gegangen, von dort aber wieder zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward, und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber _Hafis Ebru_ setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung Chuaresm's zwischen _Dschudschi_, _Ogotai_ und _Dschaghatai_ vorgefallenen Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen den _Irtisch_, wo sich dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte. Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen. Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen; er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm blos einige Säcke von Turteltauben[761], indem er sich mit seiner Krankheit entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein, wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein, und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre Dschudschi's war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen _Batu_ ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die folgenden: 1) _Orda_, 2) _Batu_, 3) _Berke_, 4) _Berketschiter_, 5) _Jetukami?_, 6) _Scheiban_, 7) _Tangkut_, 8) _Juden_ (Tuden?), 9) _Tschilaun_, 10) _Sikur_, 11) _Dschemi_, 12) _Udur_, 13) _Boka Timur_, 14) _Schikum_.