Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 33

Chapter 333,294 wordsPublic domain

Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden, erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen der Völker binde! Zu _Minia_, in der Nähe von _Ebher_, der nördlich von Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: »Als ich den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: _Die da sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht, ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden._ Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den Mewlana _Mohijeddin_, den Mewlana _Efdhaleddin_, den Mewlana _Schemseddin_, den Mewlana _Hemameddin_ und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; _denn Gott verliert nicht die ihm anvertrauten Pfande_. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben. Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt, soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!« Dieses Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor; sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte dann: »_Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es Heilung_«; und das Todesurtheil ward vollstreckt. [RN: 4. Schaaban 683/16. Oct. 1284] Vier seiner Söhne: _Jahja_, _Ferruchschah_, _Mesud_ und _Atabeg_, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: _Edib_ und _Ahmed_, wovon der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen im Viertel _Dscherendab_, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:

O _Dscherendab_, wo zu Tebris sein Grab, Der erste Regen ström' auf dich herab! Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub, Der grössten Männer Wangen sind dein Raub. Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht, Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht. Es weinen über sie die sieben Sterne, In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne Die sieben Himmel und die Erden, sieben, Der Meere und der Wochentage Sieben. _Feredschullah_, _Jahja_, _Mesud_, _Harun_ (Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun) Den Vater Mohammed so hoch geehrt, Es frass dieselben all' das scharfe Schwert. Mich hat der Schmerz des _Atabegs_ verzehrt Wie Flamme, welche in die Höhe fährt; Und ob _Ataul Melik_ gekränket theils, Er, der _Ssahib_, der Herr der Stadt des Heils, Es saget über dieser Gräber Stätte, Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.

[Randnote: Statthalterschaft von Fars.]

Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, zurück. [RN: 11. Redscheb 683/23. Sept. 1284] Zwischen Serah und Erdebil und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach Tebris zurück; [RN: 20. Redscheb/2. October] dann wurde das Winterquartier in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft _Bulughan's_ (des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden. Um die Ruhe wieder herzustellen, war _Taschmenku_ zu seinem Nachfolger ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan. Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm erschienen, zusammen. _Taschmenku_ sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's, des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern _Kawameddin_ und _Seifeddin_ nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der hergebrachten Formel blos _Ahmedaga_ schrieb, was wider allen mongolischen Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die Statthalterschaft der Frau _Abisch_, der gebornen Atabegin, Fürstin des Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau _Oldschai_, der Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über die Rückkehr der Prinzessin _Abisch_, des letzten Zweiges des hochverehrten erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: _Ein gutes Land, ein gnädiger Herr_, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im Diwan ernannte sie ihren Verwandten _Dschelaleddin Arkan_[691] und die Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha _Nisameddin Ebubekr_, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.

[Randnote: Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von Fars.]

Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag, sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im verlangten Sinne. Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin, der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i. mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war »die Schliessung und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben, die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid anheimgestellt«. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der Finanz betraut worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten _Seid_, und als dieser von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald der _Seid_ zu Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien. [RN: 22. Ramasan 683/2. Dec. 1284] Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693]. Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause. Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten Streichen der Mamluken. [RN: 21. Schewwal/31. Dec. 1284] Der Kopf wurde abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung preisgegeben.

[Randnote: Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.]

Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren, Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin schrieb:

Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin, Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin; Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen, Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.

Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen einverleibt hat, dessen Beginn:

Eine Sonne ging im Staube unter, Die im Ost des Glückes aufging munter. Um zu stürzen diesen Bau, o Loos! Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.

Nach dem Tode des _Seid Imadeddin_ wurde sein Vetter, der _Seid Dschemaleddin Mohammed_, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher, als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe des Himmels für den Mord der beiden _Seide_ angesehen. Mehr als hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein. Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief. Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei Richtern[694] ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam, führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn. Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin, die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur Zahlung von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. [RN: 685/1286] Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern Prinzessinnen _Gardudschan_ und _Alghardschi_, der dritte ihren Mamluken und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen _Taidschu_, dem Sohne Mengu Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden.

[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh; Hochzeit Tudai's.]

Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem _Dschingsangtitel_ für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum zweitenmale gefeiert. [RN: 27. Silhidsche 684/6. März 1286] Zehn Tage darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem Vogelfänger, und vom Dschelairen _Nurinaga_ befehligte Reiter wider die Kurden _Hakari_ gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau _Bulghan_ starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge Sedschas übergeführt. [RN: 10. Ssafer 685/7. April 1286] Im Frühlinge kam Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. [RN: 23. Ssafer/20. April] Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk auf. [RN: 12. Rebiulachir 685/27. Mai 1286] Hier wartete ihm während des Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's, und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, welchem auch _Jesu Gurgan_ (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste, diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. [RN: 6. Schaaban 685/27. Sept. 1286] Zwei Monate hernach [RN: 28. Ramasan 685/17. Nov. 1286] kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen von gegebenem Gifte, und _Wedschih_, der Sohn Iseddin's, wurde der Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. [RN: 20. Silkide 685/7. Jan. 1287] Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau _Tudai Chatun_, der Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's, Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen (Baghtak) geschmücket ward[695]. [RN: 5. Silkidsche 685/22. Jan. 1287] Zwei Monate hernach im Frühling begab er sich nach _Pil Suwar_, [RN: 19. Ssafer 686/5. April 1287] nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh, [RN: 24. Reb. achir 686/18. Juni 1287] und im Herbste in's Winterquartier von Arran. [RN: 2. Ramasan/11. Oct. 1287] Im nächsten Frühjahr brachten Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass _Kinschu_ (der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. [RN: 15. Moharrem 687/20. Februar 1288] Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des jüngsten der Söhne Arghun's. [RN: 7. Ssafer 687/14. März 1288] Einen Monat hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie _Scharil_ nennen, nämlich ein verknöchertes Menschenherz. [RN: 7. Rebiulewwel 687/12. April 1288] Nach ihrer Ueberlieferung war _Schakamuni's_ Herz nicht Fleisch, sondern Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, [RN: 30. Rebiulewwel 687/5. Mai 1288] als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde abgezogen[696].

[Randnote: Buka, der strenge Wesir.]