Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 32
Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen, ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein Gehör; _Legsi_, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich betheilte. Alinak war indessen vor Kelat angekommen und hatte den Arghun beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu folgen. [RN: 13. Rebiulsani 683/29. Juni 1284] Ahmed umarmte ihn, küsste ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte, sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen. Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, _Sischi Bachschi_, _Kadan_, _Buraligh_ fest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem Arghun ergeben, hinzurichten. [RN: 16. Rebiul. II./2. Juli] Er wollte eben aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's, des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr, die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak, den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten Nacht »sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem Morgen gebären, auf das glücklichste ausging«.
[Randnote: Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.]
_Buka_, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669] zu einer Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670] nahmen es auf sich, desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671] kamen, rief sie eine Wache an: Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward. [RN: 18. Rebiulachir 683/4. Juli 1284] In derselben Nacht wurden Boten an Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan; in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und den Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass alle seine Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. [RN: 19. Rebiul. II./5. Juli] Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter, machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire berathschlagten nun über die Wahl des Chans. [RN: 24. Rebiul. II./10. Juli] Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's, und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit, dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan, wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. [RN: 27. Rebiul. II./13. Juli] Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend entfliehen; aber _Schiktur_ und _Karabuka_ sandten Botschaft an Kutui Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten. Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte, streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die Hände aus und schrie: _Mordio!_[672]; er ward sogleich getödtet. Die von Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache. Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut Konghuratai's zu büssen; [RN: 26. Dschem. achir 683/10. August 1284] das Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten August vollzogen durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673].
[Randnote: Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.]
Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt, hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu _Kamsiun_, welches zwischen _Heschtrud_ und _Kurban schire_, statt. Drei Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet; allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe; die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: 1. Die Frau _Kotlogh_, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein doppelter _Gurgan_, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's Schwiegervater. 2. _Oldschatai_, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau _Uruk_, die Tochter Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau _Seldschuk_, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache seines Vaters nahm er 5. die Frau _Bulughan_, die Verwandte des Buka Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau _Bulughan_, die Tochter Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die Frau _Mertai_ die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. _Tudai Chatun_, die Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt, hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai, die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. _Kultak Ikadschi_, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder _Jesu Timur_, _Oldschaitu_ (beide aus der Frau Uruk) und _Chatai Aghul_ aus der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, _Oldschatai_, _Oldschai Timur_, _Kotlogh Timur_ (alle drei Töchter der Frau Uruk) und _Dilendschi_, Tochter der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten _Bulughai_.
[Randnote: Schemseddin Dschuweini zu Kum.]
Nach dem Herrscher _Arghun_ und seinem Wesire _Buka_[677], der ihn auf den Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt. Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner, sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen, wie von den früheren Herrschern Persiens, den _Seldschuken_ und _Bujiden_, wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie _Ssafewi_ und der regierenden der _Katscharen_, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt, haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend, ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die _heilige_ heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte Botschafter Mirsa Abul Hasan. »Die Stadt ist heute«, sagt Morier, »nur durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals, durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen«; denn der Umfang der Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr, als die von Kaswin[679]. _Kum_ ward im Beginn des achten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen _Kumasch_, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das benachbarte _Kaschan_ durch sein Fayence und seine Scorpionen und Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak, des _Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne_ (der Geschichte Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.
[Randnote: Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und angestellt.]
Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte. Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen; diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, »welcher«, sagt Wassaf, »wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der Sonne, nie ermattete«, um ihn nach Hof einzuladen, denn Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:
Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht, Der schirmt das Diadem der Majestät,
dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur, welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685], führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. [RN: 10. Redscheb 683/21. Sept. 1284] Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu _Kurban Schire_ ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande, tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka, lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.
[Randnote: Schemseddin's Hinrichtung.]