Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 3

Chapter 33,107 wordsPublic domain

Die _Taidschut_, deren Namen an die Deutschen erinnert, wie der der _Dschete_ an die Geten, und der der _Dschurmanen_ an die Germanen, stammten mit den ihnen nächstverwandten drei Stämmen, der _Erikian_, _Sidschiut_ und _Dschinis_, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's, dessen Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen, dem chinesischen Kaiser ausgeliefert, auf einem Esel paradirt und dann geschunden worden; gleiches Schicksal hatte ein anderer Urenkel desselben, _Ökin Berkan_, und die Blutrache dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der Folge, den wider die Dynastie der _Kin_ unternommenen Krieg zu rechtfertigen; aber früher hatte Temudschin eigene Unbild an diesem seinem Hause so nahe verwandten, aber feindlichen Stamme zu rächen; nach der Niederlage derselben zu _Baldschusch_ wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so berühmt, als die siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand von Ergenekun sprengten, als die siebzig Ringe[36] der Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien bestand. An der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der _Dschadscherat_ oder _Dschuirat_, deren Stammvater Odurbejan, der Bruder Kabulchan's, des Urgrossvaters Temudschin's, stand Dschamuka, beigenannt _Satschan_, d. i. der Listige, der gefährlichste und unversöhnlichste aller Feinde Tschengischan's, dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait, entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem Neffen Iltschidai zur Hinrichtung übergeben ward; doch theilten nicht alle Dschadscherat den unversöhnlichen Hass ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern _Kuschaul_ und _Dschusuk_, welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs seinen Jurt hüteten; und _Kalender_, welchen Tschengis in der Begleitung eines Uriangkuten mit erdichteter Botschaft im Namen seines Bruders _Dschudschi Kasar_ an Owangchan sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme der _Barin_, dem nächsten Verwandten der _Durban_, d. i. das Meer, die in den heutigen _Törbed_ fortleben, war _Sutukusu_ nach dem berühmten Feldherrn _Mokli Kajanik_ der zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis zur Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus mit Tschengischan gefeiert zu haben; dann _Bigi_, der Barine, welchen Tschengis als _Ungkun_, d. i. freien Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen wie die Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen Pferde in einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er sehr alt, befahl Tschengischan, dass ihm der Rücken eines _Sukanut_ beim Aufstehen zum Schemel diene, woher diesem Stamme der Name _Aktadschi Bigi_, d. i. die Stallmeister _Bigi's_, blieb, wider welchen sie protestirten. Die _Jisut_ endlich leiten ihren Ursprung von _Tschintai Utdschigin_, dem jüngsten Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's, ab. _Utdschigin_, d. i. der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen der jüngste Sohn, welcher während der Abwesenheit des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode dasselbe erbte, weil er besser als die Brüder im Felde sich mit der Wirthschaft bekannt zu machen Gelegenheit gehabt. Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter, nebst _Tschintai_ noch _Budan Utdschigin_, der jüngste Sohn _Burtan Behadir's_, des Grossvaters Tschengischan's; _Taratai Utdschigin_, der jüngste Sohn _Jisukai's_, des Vaters Tschengischan's, und endlich _Tuli_, des letzten jüngster obengenannter Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die grosse zahlreiche Familie _Dschebe Nujan's_, des Waffengefährten _Subatai Behadir's_, welcher mit demselben den dreijährigen Feldzug wider Persien und Russland vollbracht.

Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten Stämme des mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte seines Gründers kurz zu überblicken.

[Randnote: Perioden der Geschichte Tschengischan's.]

Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun und vierzigsten Jahrs der Hidschret, d. i. am 26. Jänner d. J. tausend hundert fünf und fünfzig der christlichen Zeitrechnung, im letzten Jahre des alttürkischen Thiercyclus, nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei und siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624, d. i. am 18. August 1227, nach dem sechsmal durchlaufenen zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im Jahre des Schweines, ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der mongolischen schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass Temudschin ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand verschliessend zur Welt kam, die er mit Blut überschwemmen sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines Lebens, in dessen dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die Geschichte Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin von dem am Tage seiner Geburt besiegten und gefangen eingebrachten Fürsten gab; die übrigen sechzig Jahre seines Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte, welche sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten bis an sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche von seinem vierzigsten bis zu seinem Tode zwei und dreissig Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in welcher er den wiederholten Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur mühsam die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige Begebenheiten, aber desto gellender und ohrenzerreissender durchschmettert sein Namen in den folgenden zwei und dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in dessen drei und siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll in fünf Perioden, die erste von dreimal neun, die zweite von neun, die dritte und vierte von sieben, die fünfte abermal von neun Jahren eingetheilt.[37] In der ersten Periode tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig Kesseln gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen Feind, _Dschamuka_, den Fürsten der _Dschadscherat_, kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil ihm unterwirft, sowie die Stämme _Suldus_, _Jisut_ und _Barin_, deren Emire sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes führt einen Streit mit dem Vetter _Sedschebegi_, dem Fürsten des nahverwandten Stammes der _Kijat Burkin_, herbei, der nun Temudschin gegenüber als Bewerber um die oberste Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg über die _Tungkait_, einen Zweig eines wider seinen Fürsten Owangchan, welchem Temudschin Hilfe leistet, empörten keraitischen Stammes. In der zweiten Periode erscheint Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der _Naiman Merkit_ und _Tataren_; nach Besiegung derselben unterwirft sich der mächtige Stamm der _Konghurat_ der Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als Herr der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. Verschmähte Brautwerbung und Dschamuka's Ränke führen den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem Temudschin zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben, sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, worauf ihm die Uighuren, Kirgisen, huldigen, und er als Herrscher aller Mongolen die neungipflige Fahne mit neun weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin in _Tchengis_, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher, verwandelt. Die folgende Periode füllt der siebenjährige chinesische Krieg und die letzten neun Jahre seines Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über ganz Vorderasien verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan, Iran und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch seine Söhne und Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, wo er seinen Lauf als Eroberer beschliesst. Gibbon hat diese Eroberungen nach den vier Weltgegenden, im Norden, Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die Geschichte Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen aufzuzählen, hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die grosse historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, zuerst in seiner Familie als Menschen, dann gegenüber seinen Feinden als Sieger und Eroberer, hierauf als Staatsmann und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den _Gewaltigen_ im eigentlichsten Sinne des Worts.

[Randnote: Die Familie Tschengischan's.]

Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's: _Dschudschi_, _Dschaghatai_, _Ogotai_ und _Tuli_, die Stammväter der vier nach ihnen genannten Uluse aus der Konghuratin _Burte Fudschin_; aber Tschengis hatte noch vier andere Söhne: _Kulkan_ oder Gulgan[38] aus Kulan Chatun, der Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, die als Kinder gestorben[39]; seine sechs Töchter[40], von denen er vier an die Prinzen feindlicher Stämme vermählte, um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur zwei an befreundete Fürsten, nämlich: _Alakabegi_ an den Fürsten der Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer geöffnet, und Kalbi an Idikut, den Fürsten der Uighuren, der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht anders als seinen fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's war mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen bevölkert, aber von diesen fünfhundert hatten nur fünf den Titel von grossen Frauen, als die fünf Centurionen dieser fünf Weibercenturien, nämlich: 1. _Burte Fudschin_, die Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier Söhne, Gründer der vier Uluse; 2. _Kulan Chatun_, die Tochter Tairosun's, des Fürsten des feindlichen Stammes der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden Tatarinnen, Schwestern, _Jesulat_ und 4. _Jesulun_; 5. _Kundschu_, die Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder hatte und in deren Lager sich die durch ihre Schönheit berühmte _Hogutai_ befand; als die nächsten an diesen fünf grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte bezeichnet, nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen Fürsten von Tanghut, die Tochter _Tajangchan's_, des siebenmal besiegten Fürsten der Naiman, die Naimanin, Mutter des Sohnes _Dschurdschetai_, die Tatarin, Mutter des Sohnes _Urdschahan_, und endlich _Abika_, die Tochter Hakembu's, des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan durch ein Traumbild erschreckt, dem Vertrauten Kehti Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache hielt, mit allen ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von ihr nur den Becher, worin sie mit ihm _Kumis_, d. i. Stutenmilch, getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker zurückbehielt. Sollte den Barbaren vielleicht die Ahnung einer Neigung zwischen der Prinzessin und dem Leibwächter zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben? oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? selbst in diesem Falle ist das zurückbehaltene Andenken eine ganz unerwartete Spur menschlichen Gefühls in der Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der schon als Knabe, ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden vier Brüder Temudschin's sind _Belgutai_, sein Theilnehmer am Brudermord, _Kodschuiu_, dessen Sohn _Iltschidai_ einer der treuesten und eifrigsten Diener des Oheims, auf dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb; der jüngste, _Temengu Uldschigin_, d. i. der Feuer- oder Herdhüter (seine Mutter war die Olkunutin _Usedenu_, Verwandte der Mutter Tschengischan's), ein grosser Bauliebhaber, der überall, wo er hinkam, baute, und so viel es in seinen Kräften stand, -- wenigstens dem Willen nach gutmachte, was der Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers verheerte; endlich _Dschudschi Keser_, wegen seines athletischen Körperbaues und seiner Stärke der Löwe beigenannt; seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen, dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem Bauche durchlaufen konnte, seine Stärke so gross, dass er gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand nahm, indem er ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.[41] Er war der starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber auch ein Paarmal mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner Zufriedenheit und Unzufriedenheit, die erste ehrenvoll und die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen desselben vererbte. Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis allen Nachkommen des Oheims das Recht ein, wie die Prinzen Söhne auf der rechten Seite des Thrones zu sitzen, während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken Seite mit den Emiren[42]; aber als in dem Kriege wider die Kerait Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des Mahles auf sich warten liess, sagte Tschengischan: »So erscheinen Mücken, nur wenn sie die Sonne bescheint, und verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen zum Himmel steigen.« In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche Satzung, dass kein Glied der Familie Dschudschi Keser's je der Chanschaft würdig geachtet werde, und erniedrigte also alle Nachkommen desselben für alle künftige Zeiten zu blossen Emiren _Karadschu_, d. i. unterthänigen Fürsten.[43]

[Randnote: Die Feinde Temudschin's bis zu seiner ersten Thronbesteigung.]

Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei den Stämmen Erwähnung geschehen; seine Feinde können in vier Klassen getheilt werden, erstens die persönlichen unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile, wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens die sich Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, und viertens, nachdem Tschengischan denselben bestiegen, die reichsgefährlichen feindlichen Mächte. Der erbittertste seiner persönlichen Feinde ist _Dschamuka Sasan_, d. i. der Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung herbeiführte, welche dann der nächste Anlass des Krieges zwischen Owangchan und Tschengischan. Er machte gemeinsame Sache mit Taidschuten, welchen alsbald nach dem Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte Tschengischan die grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden, die Sklaverei, aus der ihn _Schurkan[44] Schire_, der Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge von zwölf ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr die Freunde _Burghudschi_ und _Burghul_ abgewendet; solche Unbill und Schmach büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten. Nach den Taidschuten waren die unerbittlichsten der Feinde die _Tataren_ und _Merkiten_, wider welche Tschengis, sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen und Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm oder den Söhnen überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi zürnte er unversöhnlich, weil dieser dem jüngsten Sohne _Tuktabeg_ des Fürsten der Merkit als einem trefflichen Pfeilschützen das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden Schwestern Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur dreissig Familien das Leben gerettet, und vom Tataren Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind das Leben erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.[45] Die Taidschuten waren das erstemal zu _Baldschusch_ in der Niederlage der siebzig Kessel, [RN: I. J. 1198.] zum zweitenmale von Temudschin und Owangchan zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, geschlagen worden; mit ihnen verbündeten sich aus den Naimanen, den nächsten Stammverwandten Temudschin's, die Stämme _Katagin_, _Saldschiut_, _Durbin_ und _Konghurat_, ihr Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers, Widders, Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten, welche mit Tschengischan um die Oberherrschaft der Mongolen buhlten, waren _Dschamuka_, der Fürst der Dschadscherat, _Olak Odur_, der Fürst der Merkiten, _Sidschebeg_, der Fürst der Kijat, _Burkin_, der nächste Verwandte Temudschin's, und _Dschudschi Kasar_, der Oheim desselben. In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit Temudschin's mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege über die Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter _Ulun Ike_, seinen Brüdern Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein Fest, bei welchem sich auch Sidschebeg, das Haupt des Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und kleinen Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; die Mutter fand sich beleidigt, weil _Sijudscher_, der erste Tafeldecker Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der ersten vorgesetzt; sie schlug ihn desshalb, und als auch bald hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es zwischen den Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge, die beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben, aber Sidschebeg trennte sich mit seinem ganzen Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider ihn mit gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. [RN: I. J. 1201.] Die obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum Oberherrn mit dem Titel _Gurchan_, d. i. des grossen Herrschers, aus. Sie verschworen sich abermal am Ufer der Tula, indem sie mit ihren Füssen die Erde des Ufers in den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch abhieben: »dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, wie dieses Gesträuch niedergehauen sei!« Temudschin schlug die sieben Stämme zu _Jedi Gurgan_, d. i. bei den _sieben Grabmalen_, was ein als ihre Grabstätte, Unglück vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und Naimanen geschlagen, [RN: I. J. 1201.] unterwarfen sich die _Konghurat_, der nächste der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg als grosser Herrscher derselben den Thron.

[Randnote: Die Feinde und Freunde Temudschin's bis zu seiner zweiten Thronbesteigung als Tschengischan.]

Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene Bündniss wurde durch die Einstreuungen Dschamuka's getrübt, welcher den Owangchan bestimmte, dem Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. Temudschin warb nämlich für sich um _Abika_, die Tochter Hakembu's, des Bruders Owangchan's, und um ihre Schwester _Begtutmisch_ für seinen ältesten Sohn Dschudschi, während er dem _Singun_, dem Sohne Owangchan's, seine älteste Tochter _Fudschin_ antrug; die ehemals Verbündeten waren nun offene Feinde; Temudschin, der so oft mit den Kerait wider ihre gemeinschaftlichen Feinde, die Tataren, Merkit und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die Getreuesten folgten. Diese waren in der Folge als die Waffengefährten von Baldschuna ausgezeichnet, wie vor sechs Jahrhunderten von Mohammed die Waffengefährten von Bedr und Ohod, er ernannte sie später alle zu _Tarchanen_, d. i. Freiherren, sowie die beiden Lebensretter, _Bughurdschin_ den Erlaten, und _Burghul_ den Huschinen, dann _Surgan Schire_[46] den Suldusen, die beiden Dschelaire _Olai Kalgha_ und _Karadschu_[47], den Taidschuten Jisukai, welcher vormals die mit Dschudschi schwangere _Burte Fudschin_ sicher zu Owangchan geleitet hatte; Burghul diente von der Pike, oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom Pfeile auf; denn Anfangs Tafeldecker, ward er _Gesiktu_, d. i. vom Vortrabe der Pfeilschützen, dann _Emir Gesik_, Befehlshaber derselben, hierauf _Emir Toman_, d. i. Befehlshaber eines Corps von zehntausend Mann, und endlich Grossfürst. Von Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und _Karadschu_ (Unterthanen). Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren und sagte von sich selbst: »Wann das Geschrei der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht; wann den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf und Gehirn frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel steigt und der Rauch des Himmels zur Erde sinkt, verfehle ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man mich den Unfehlbaren.« Als Tschengischan den _Burghul_ und _Bughurdschin_ zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte er sie über alle Diplome erhaben. _Bughurdschin_ war der erste der neun _Örlök_[48], d. i. die neun Mannen oder Helden, die andern acht: 2. _Burghul_ der Huschine, 3. _Schurkan Schire_[49] der Sulduse, der Lebensretter, wie die beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. _Mokli_ der Dschelaire[50], der Eroberer China's; 5. _Dschebe_ der Jisute; 6. _Subutai Behadir_[51], der Feldherr wider Persien und Kipdschak; 7. _Dschelme Oho_, d. i. der tapfere Räuber[52], der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's, dessen Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der Leibwachen; 8. _Schiki Kuttu_, der von Tschengischan, noch ehe ihm seine Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt angenommene Pflegsohn, dessen Wahlspruch als Richter: Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der Uirate _Kara Karaghu_[53]. Diese neun Helden waren die innigsten Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider seine Feinde: »Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und ihr dreihundert und neun Leibwachen, umgebt das Haus!«[54] und als er sieben Jahre nach der ersten Thronbesteigung den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen, nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste und mächtigste seiner Feinde, in der Niederlage gefallen, als er in der Gegenwart von hundert versammelten Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater _Buttangri_ (Ebenbild Gottes) ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen und die neungipflige Fahne mit den neun weissen Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines Hauses aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen[55] zu Einem Volke vereint, denselben den Namen der _blauen Mongolen_[56] oder _einzigen_[57] beigelegt und seine Staatseinrichtungen begann, redete er seinen Wesir Bughurdschin und die neun Helden Waffengefährten an: »Du mein Bughurdschin, dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr neun _Örlök_, ihr meine Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen und du ganzes grosses Volk, dass Keiner ihn neide! Er soll die oberste Verwaltung der inneren Reichsangelegenheiten führen und über die fünf Farben meines Volkes befehlen; er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete bewahren und als Oberbefehlshaber über die neun Gebiete den Titel _Kuluk Bugudschi_ führen;« er ward zum Oberhaupte der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt den Titel _Butschin Taibutsan_[58].

[Randnote: Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.]