Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 28
Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan aufgebrochen, wohin er seinen Sohn _Arghun_ vorausgesandt, um die Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er belagerte und dann wieder zurückkehrte; [RN: 1. Moharrem 677/25. Mai 1278] er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; [RN: 14. Reb. II. 677/5. Aug. 1278] dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu _Karawin dscheidun_ haben. Bei seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters, Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. [RN: 2. Reb. II./23. August 1278] Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil Diarbekrs und _Dschiseretol-Omar_, der Gemahlin Dschumkur's, _Nulun Chatun_, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, _Dschuschkab_ und _Kunschu_, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen _Inaken_, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des Pelzschatzes (_Postin_[589], woher das _Postelnik_ der Russen und Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen, als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf _Kalaater Rum_, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten _Zeugma_ den Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir _Beiseri_, die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden; dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder nach Kerek verwiesen ward. [RN: 2. Redscheb 678/27. Nov. 1279] Kilawin Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und _Ssalihi_, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen Regierung erfüllet ward. Der Emir _Sonkar aschkar_, d. i. der Blonde, machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss _Sahiun_, eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. [RN: 18. Oct. 1280] Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie _Aintab_, _Derbesak_ und _Baghras_ besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem Namen _Melik ess-Ssalih_ als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt.
[Randnote: Schlacht von Himss; Abaka's Tod.]
Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler _Sonkar_ aus, der noch im festen Schlosse _Scheiser_ hielt. [RN: 19. Moharrem 680/10. Mai 1281] Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung von _Famia_ (Apamia), Antiochien, _Latakia_ (Laodicea) und der Schlösser _Sahiun_, _Belatonus_, _Bersijet_; auch die beiden letzten gehörten, wie Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches von ihnen den Namen des _Messers_ (_Sikin_) führt. Belatonus ist das alte Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines Schloss an dem westlichen Saume des Berges _Chait_, welcher auf der Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden, als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen war. [RN: 14. Redscheb 680/30. Oct. 1281] Die Schlacht blutete in der Ebene nicht ferne vom Grabmale _Chalid's_ (beigenannt das Schwert Gottes), des Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten, Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt, geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen; nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere, vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun, zurück. [RN: 9. Dschemm. sani/25. Sept.] Abaka war, während Mengu Timur in Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres. Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft werden sollten. [RN: 6. Silkide/13. Februar] In der Hälfte des Februars brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke, dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem Throne sitzend, den Geist auf[592]. [RN: 20. Silhidsche 680/1. April 1282] Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse _Teke_ am See von Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. »Abaka«, sagt der Mönch Haitho, »war ein staatskluger, sein Reich glücklich verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses Kipdschak verstärkte.«
[Randnote: Verhältniss gegen die Christen.]
Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon, dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; [RN: 1267] bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. [RN: 26. Jan. 1274] Sieben Jahre später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders wenigstens der Gesandte getauft ward. [RN: 1277] Drei Jahre hernach erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen, hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai, bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. »Die römische Mutterkirche«, schreibt Nikolaus an Abaka, »freut sich des Inhaltes des durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob _Vussali_, Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden. Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben, dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.« Der Papst bittet den Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen, sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen, Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen, was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598].
[Randnote: Literatur.]
Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar _Schemseddin_ und _Alaeddin Dschuweini_, welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe mystischer Philosophie und Poesie in den Werken _Ssadreddin's von Konia_ und _Dschelaleddin Rum's_ entfaltet. Zu Schiras lebte noch der hundertjährige _Saadi_ (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig _Medschdeddin Semeki_[599] hiess, mit _Imami_ aus Herat und mit Chodscha _Hemameddin_[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: _Purbeha Dschami_, welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601]; _Abulmadhi Raigani_, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe _Raigan_ beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602]. _Dschemaleddin von Kaschan_, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit gleicher entgegnete[603]. _Dschemaleddin Rastak ol kotu_, welcher seinen Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter _Behaeddin Sendschani_, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605]. _Rasijeddin Bela_ war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir Schemseddin den Viervers zuzusenden:
O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib, Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib; Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten, Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606].
Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und Armuth durch die folgenden Verse schilderte:
Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold; Das Leben wird dadurch nicht heller. Ich sitze immer zwischen Gold Und habe niemals einen Heller[607].
Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs Schemseddin:
Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen, Der sich mit der Cypresse zugetragen. Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth In hundert Zungen und in hundert Sagen; Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund, Willst du, warum ich zittere, mich fragen? Ich bin gerad' und stehe festen Fusses, Indess dich krumm die Spötter weiter tragen. Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen. Bald brausest du mit Heftigkeit einher, Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen. Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt, Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen: Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen; Du stets aufstrebend und empörerisch, Und weich und lind und mild ist mein Betragen. Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht, Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen; Du nährtest vormals dich in meinem Schooss, Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen, Du weihest nun sehr wenig Schatten mir, Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen; Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld, Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen; Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor, Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt; Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön, Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen; Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest, Indessen mich von dir die Winde jagen. So sprach der Bach und barg sich in den Staub, In Thränen fliessend hin und Weheklagen; Cypresse ward darob gar sehr verwirrt, Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen, Im Garten schlug die Hände sie zusammen; Der Vögel Chor begann, darob zu klagen, Da war die Zeit, den Vers von _Schemseddin_, Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen: _Der Garten haucht wie Aloe aus Hind, Auf Aloen die Turteltauben klagen_[609].
Fünftes Buch.
Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.
[Randnote: Parteiungen um die Thronfolge.]
Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur in diesem Einen die Regierungen von _Teguder_, _Arghun_ und _Kendschatu_, die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; _Abaka_, der zweite, dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen _Baidu_ und _Ghasan_ getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder _Suleiman_, _Musa_ und _Mohammed_ eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben, sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen vor dem _Ini_, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den Uebertritt zum Islam gewann.
[Randnote: Teguder's Thronbesteigung.]