Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 24
Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und kleine][504], _Meraghul_ und _Dschelertai_[505]. Mit diesem Heere eroberte Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch) bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom Vater die Herrschaft über das Gebiet von _Badghis_, östlich von Herat, eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. _Badghis_, was nur verderbte Aussprache von _Badchis_, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde rege, hiess vormals _Pasin_ und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten; die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das unbezwingliche Schloss _Nertku_[506], das _Aornos_ Chorasan's, auf einem tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault, der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach trägt[507]. Nach der Felsenburg _Nertku_ ist _Kiasis_ ein geschichtlich merkwürdiger Ort des Gebietes von _Badghis_, weil es die Grabstätte _Mokannaa's_, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem Brunnen von _Nachscheb_ einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich von bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen. Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinem _Aka_, d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen, die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen, nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der Tausender Namens _Sidschektu_, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: »Hat je ein Karadschu, d. i. ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.« -- »Wenn ich ein Hund bin«, antwortete Dschelartai, »bin ich der Hund Borrak's und nicht der deine.« -- »Ich werde dich entzwei hauen,« rief Kipdschak, »ohne dass mein _Aka_ es mir verarge.« -- »Und ich,« entgegnete Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, »wenn du nahest, dir den Bauch spalten.« Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab, verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen, Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich fortan _Ortak_, d. i. Genossen, hiessen.
[Randnote: Held Merghaul, Dschebat's Flucht.]
Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's, welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren, _Dschelartai_ der Dschelaire und _Merghaul_, jener ein Bogenschütze, wie _Aresch_, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul war vorzüglich in der Kunde des _Dschade_, d. i. des Wetter- und Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst: »Ich binde den Gaul zu _Konghus Alanik_ an und reite nicht faul den Falben[511] bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken werde.« _Purbaha Dschami_, der persische berühmte Dichter, welcher, ein Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin Dschuweini's verfassten Kassidet:
Die Trennung _Merghaul_ verheert Geduld mit Schwert, Wie jüngst _Borrak_ mit seinem Heer das Land verheert[513].
Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen, und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der beiden Prinzen _Kipdschak_ und _Dschebat_, welche er ihm zu Hilfe gesandt und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken (Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak, jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: »Könntest du,« fragte Begtimur den Tasikaka (den Emir der Tadschiken), »mit fünfhundert Reitern denselben nicht abwehren?« -- Tasik antwortete: »Ich bin _Karadschu_, d. i. Unterthan, und Dschebat ist _Urugh_, d. i. vom Herrscherhause, wie kann sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?« -- Da sass Begtimur selbst zur Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern rettete, nachdem er die Brücke von _Tschirameghan_ zerstört; dreissig Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan; Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat bestimmt. [RN: 6. Ramasan 668/30. April 1269] Da stellte ihm Kotlogh Timur vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse _Chaisar_ trafen sie zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung; er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts, als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das östlich von Herat gelegene Schloss _Chaisar_ zurück; hier erwartete er politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten voraussehend[514].
[Randnote: Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.]
Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf. [RN: 4. Ramasan 668/28. April 1269] Als er nach dem zwischen _Sendschan_ und _Ebher_ gelegenen Distrikt _Schirgis_[515] gekommen (wo später die Stadt _Sultanie_ erbaut ward), welchen die Mongolen _Kungurulang_ nennen, wartete ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte _Tekadschek_ auf, welcher von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, demselben entflohen war. Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu _Kumis_, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nach _Bachers_, dem zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der Literaturgeschichte durch _Bachersi_, den Verfasser der berühmten Blüthenlese, für immer geadelt. Gegen _Farab_, nicht zu verwechseln mit Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der Tonkunst, _Farabi_, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut übertrug er den Befehl des rechten Flügels, den _Obotai_ Nujan behielt er bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach _Beldschaghran_, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg, bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden, weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen; wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben. Borrak fragte den Astrologen _Dschelal_; dieser rieth, einen Monat zu warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse eines Berges eine grosse Ebene, vom Flusse _Karasu_ durchschnitten. Drei hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars, deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht, Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: »Heut' ist der Tag, uns dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.« Nach dreimaligem Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. Er sammelte die zerstreuten Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.
[Randnote: Ende Borrak's.]
Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: »Als ich,« sagte er, »vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis ein _Karawine_ (ein Naphtafeuerwerker), Namens _Sali_, vom Pferde stieg, mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm reichte.« Er sandte den Bruder Jesar[517] an Kaidu, um sich über den Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze, weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte _Nauldar_ den Prinzen _Ahmed Buri_ und _Balighu_ den Prinzen _Nikpei_ verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu, dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am folgenden Tage erschienen die Prinzen _Mubarekschah_ (der Enkel Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), _Kajan_ und _Dschobai_, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau _Tukai_, der Gemahlin Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: _Peik Timur_, _Tewaburi_, _Tehu_ und _Uladai_; mit ihnen vereinigten sich die Söhne Alghui's, die beiden obgenannten, _Dschobai_ und _Kijan_; des dem Kaidu gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend bis Bochara und bis jenseits des Oxus. [RN: 671/1272] Drei Jahre hernach kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; [RN: 7. Redscheb 671/20. Jan. 1273] sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen des Turkmanen _Okbal_[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.
[Randnote: Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.]
Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass, wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. [RN: 1. Rebiulewwel 669/18. Oct. 1270] Am achtzehnten October, dem in der Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage, stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu _Dschaghantu_ die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt, [RN: 20. Rebiulewwel/6. November] indem die Gesandtschaft des Kaan's mit der Bestätigung der Herrschaft als _Ilchan und Padischah in Iran_ mit dem Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm. Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor der Ankunft zu Meragha, [RN: 2. Ssafer 669/20. Sept.] war Abaka auf der Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der _Aidadschi_, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen; er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden Prinzen _Jaschmut_ und _Tekschin_, die Oheime und treuen Waffengefährten Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. [RN: 8. Silhidsche 669/18. Juli 1271] Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen ward[520]. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge, theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab sich endlich das Schloss der Assassinen _Girdkjuh_, [RN: 6. Rebiulachir 669/15. Dec. 1270] welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn Jahre[521] ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. _Girdkjuh_, das letzte blutige Nest der Assassinen, vielleicht das _Gilgerd_ der Byzantiner, das Schloss der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser Vermuthung Wahrscheinlichkeit.
[Randnote: Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.]