Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 22
Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln _Kais_ oder _Kisch_ (auf persisch Kosch) und _Bahrein_, wo die reichsten Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von _Siraf_, der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, den sie _Aferide_ nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's zu _Nabend_ (dem östlich von _Siraf_ gelegenen Dorfe) und mit den Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu _Siraf_ um den Vorzug buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan _Ibnol Melik Dschemschid_. So herrschten die _Beni Kaissar_, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni _Amare_ in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf _Kais_, als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber von _Germsir_, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste, wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. [RN: 12. Dchem. achir 626/17. Mai 1229] Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem _Abu Nadhr_ zum Sturze Melik _Sultans_ angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu _Chorschif_ gelandet hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. [RN: 4. Moharrem 628/12. Nov. 1230] Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel _Owal_, insgemein _Bahrein_ genannt, [RN: 3. Silhidsche 633/8. Aug. 1236] und sieben Jahre darnach die Insel _Katif_, auf welcher das Schloss _Tharut_, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem sieben und siebzigsten Jahre, [RN: 5. Dschem. achir 658/19. Mai 1260] von seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd, _Alaeddewlet's_, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur. Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, _Hemkjar Farsi_, beigenannt _Medschdeddin Semeki_, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den grossen Dichtern _Imami_ aus Herat, _Abdulkadr_ von Nain, _Said_ von Herat, _Nefieddin Lokmani_[469] und _Esireddin Omani_, dem Schüler Nassireddin's von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten, besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben aus Schiras, darunter den grossen Imam _Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi_, den berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren, die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.
[Randnote: Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche einverleibt.]
Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan zwar ihre Tochter _Selgham_ vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung. Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder _Seldschuk_ und setzten denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer Romane vorstellten, nämlich: _Koseir_ und _Osa_, _Amrol Kais_ und _Oneise_, _Irwet_ und _Aafra_, _Emher_ und _Wefa_, _Leila_ und _Medschnun_, _Weise_ und _Gilschad_, _Schirin_ und _Ferkad_, scheint den schon Trunkenen die Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben; auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte _Oghlobeg_ und _Kotlogh Bitekdschi_, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde, nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den anderen ermorden. _Miak_ war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale _Altadschu_ und _Timur_ nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein. Seldschuk flüchtete nach _Chorschif_. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht; geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der Atabegen, der Tochter Turkjan's, _Abisch_[472] (aus Saad Ebubekr), verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid _Scherefeddin_ neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe verurtheilt. [RN: 661/1262] Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und _Abisch_ blieb bei ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten (Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die Landschaft Fars.
Viertes Buch.
Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.
[Randnote: Abaka's Thronbesteigung.]
Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an _Abaka_, den durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter von Chorasan, abgefertigt, und zugleich _Arghun_, welcher bei Abaka die Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im Winterquartiere von _Arran_, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; [RN: 19. Dschem. ewwel 663/9. März 1265] Abaka aber stieg im Lager von _Tschaghantu_ (am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend entgegengingen und _Ilkai_, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben Viele gegenwärtig befanden[474]. _Sundschak_ Nujan, welchem Hulagu seinen letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und _Arghun_ bezeugten mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung _Abaka_ zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters. [RN: 3. Ramasan 663/19. Juni 1265] Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. »Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.« Mehrere Tage dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am _Tschaghan Nur_, d. i. am weissen See, im Distrikte _Ferahan_, statt; _Ferahan_ ist eine Stadt mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte _Dolfabad_, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs _Ebu Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris_; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.
[Randnote: Verleihung der Befehlshaberschaften.]
Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als _Chan_, _Ilchan_, _Schah_ und _Padischah_, d. i. als Herr, Landesfürst, König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne; dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder _Jaschmut_ wurde mit wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476], Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder _Tuktin_ die Huth der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus anvertraut. Der _Bitekdschi_ (Staatssekretär) _Tughu_, der Sohn Ilkai Nujan's, und _Tudan_, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs _Tschoban_), wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren _Semaghar_ und _Kehurkai_ abgelöset wurden. _Dutai_ Nujan wurde nach Diarbekr und _Dijar Rebiaa_ an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht Georgiens dem _Schiramun_, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem _Sundschak_ Nujan übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt _Baltadschu_ Aga und die der Pachten[477] _Arghunaga_. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und Herrn des Diwans zu Tebris wurde _Schemseddin Mohammed_ von Dschuwein und zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder _Alaeddin Atamülk_, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der Sohn des Wesirs Schemseddin, _Chodscha Behaeddin_, an der Spitze der Geschäfte. Die Verwaltung von _Chorasan_ wurde dem Chodscha _Iseddin Tahir_ und nach ihm seinem Sohne Chodscha _Wedschiheddin_ zugewandt; _Fars_ wurde im Namen der Atabegin _Abisch_ verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte dort _Tasiku_ auf sich. Die Herrschaft von _Kerman_ wurde der Prinzessin Turkjan Chatun, die von _Nimrus_ dem _Melik Schemseddin Mohammed Kert_ und von _Georgien_ dem _Abd_ und seinem Sohne _Ssadren_, die _Armeniens_ dem König _Hethum_ bestätigt. _Diarbekr_ wurde dem Dschelaleddin Tarsi, _Dijar Rebiaa_ dem _Mosaffer Fachreddin Kara Arslan_, _Kaswin_ und ein Theil Iraks dem _Iftichareddin Kaswini_, Tebris dem _Ssadreddin_ zur Verwaltung anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: in _Schirwan_ und _Chorasan_, in _Georgien_, _Kleinasien_, in _Fars_ und im arabischen _Irak_, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu _Tebris_, _Bagdad_ und _Issfahan_, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher der inneren Verwaltung: in _Chorasan_, _Diarbekr_, _Dijar Rebiaa_, zu _Kaswin_ und _Tebris_ und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von _Kerman_, _Nimrus_, _Georgien_, _Armenien_ und _Fars_; zählen wir hierzu noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von _Gross-_ und _Klein-Luristan_ und von _Jesd_, die noch zu _Mardin_ herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu _Hossnkeif_ aus der Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von _Himss_, _Hama_ und _Kerek_ gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter der Güter.
[Randnote: Schemseddin's Familie.]
Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache ausgezeichnete Männer hervor als »die vier Grossen unter ihren Zeitgenossen«; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph seiner Zeit, _Nassireddin_ von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha, der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir _Schemseddin Dschuweini_, der dritte der Tonkünstler _Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi_ und der vierte der Schönschreiber _Dschemaleddin Jakut_. Von den beiden letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse auf. »Unter seiner Regierung«, sagt Wassaf, »begehrten die Schafe von den Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner Glückesschrift aufgezeichnet.« Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war, hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung. Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten, einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte, packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte:
»Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen, Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].«
Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten, eingedenk des Spruchs:
»Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.«
und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:
»Wein, der unter'm Schleier[481] spricht, Durch die Rosen im Gesicht.«
Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder _Harun_, der es ihm an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig, Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg _Ssafijeddin_ anredete, entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu haben, indem er sagte: _Harun_, der den Namen des grössten der Chalifen trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders _Atamülk_, des Verfassers der _Welterobernden Geschichte_.
[Randnote: Abaka's Familie.]