Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien
Chapter 21
Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider Kipdschak mit dem Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene von _Alatak_, das andere zu _Chui_, und begab sich dann von Tebris an den Goldfluss[444], welchen die Mongolen _Tschaghatuwunghatu_ nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und verschwendete grosse Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die ihnen zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die Verwaltung des durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan; seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von Jaschmut eroberten Landschaften Mesopotamiens: _Diari Bekr_ und _Rebiaa_, von dem Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, dem Emir _Tudan_, und die der Länder Rum's dem Emir _Moineddin Perwane_; die Verwaltung von Tebris vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der Frau Turkjan Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von Kipdschak vollzogenen, oben erwähnten Hinrichtung des Staatskanzlers _Seifeddin Bitekdschi_ ward dieses höchste Staatsamt dem _Schemseddin Mohammed Dschuweini_, als Herrn und Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad seinem Bruder Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte er dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin; dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater das des letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn Hulagu hierzu den Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab im nächsten Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und unumschränkte Vollmacht über alle Truppen und Waffen der Landschaft Bagdad's. Er warb die Kipdschaken und Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute auf die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle. Nachdem er sie aus den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den Statthalter Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes _Chafadsche_, das er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe längs des Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit hingerafft[445]. [RN: 9. Rebiulachir 668/8. Febr. 1265] Er ward auf dem Gipfel des Berges _Schahu_[446], gegenüber von _Destchawakan_, bestattet. Nach mongolischem Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben und die schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet[447], um ihm die Einsamkeit des Grabes zu versüssen. Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen folgten ihm bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes _Adschai_, schon am neunten Tage nach dem Tode ihres Gemahls, [RN: 3. Ramasan/17. Febr.] und vier Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung Abaka's, die Frau _Tokus Chatun_, die Christin, die grosse Beschützerin ihrer Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung des Papstes, dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde, wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der Papst in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut[448]. Eine grosse Frau, deren Wirken stiller und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen persischer Geschichte, nämlich der Frau _Turkjan_ und der Atabegin _Abisch_ aus der Dynastie der Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren Geschichte in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches besonders erzählt werden soll.
[Randnote: Fars.]
Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. _Iran_, das _Ariene_ der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem _Digloth_ (Tigris), _Frat_ (Euphrat), _Gihon_ (Dschihun) und _Phischon_ (Sihun), östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im engsten Sinne, d. i. _Fars_, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom persischen _Irak_, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher das paradiesische Thal _Schaab Bewwan_, von den asiatischen Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die Naturfeste _Kalaaisefid_, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname als der Sitz des weissen _Diwe's_ bekannt, die Ruinen der vierzig Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten, Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und das vielfarbige Salzgebirge von _Darabdscherd_ sich erheben, wo zu Schiras die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft der Beni _Saman_ und _Chorasan_ auf und erhielt sich dort noch mit der Herrschaft der _Seldschuken_ in bedeutendem Flore; denn _Fars_ wetteiferte hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom nördlichen Persien, wo die Residenz _Tebris_ aufblühte, streitig gemacht, in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der _Beni Mosaffer_ und _Sseffi_ wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward, wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen Herrschaft Hulagu's einschliesst.
[Randnote: Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.]
In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie der Beni _Dschelendi_, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten, einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni _Amare_ oder _Imare_, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort _Amr_ oder _Omr_ bezeichnet _Leben_ und _Kultur_, indem die Kultur belebt und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit _Omer_, d. i. _Homeros_, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient aus belebter Kultur[456]. _Aammar_ heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung, wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni _Ammer_, die, welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche, angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet, unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni _Amare_ in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der Beni _Ssaffer_ trotzten, indem _Omer Ben Leis_, der Fürst der letzten, zwei Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, _Faslui Schebankjare_, von dem ein Dichter gesagt:
Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück, Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt _Faslu_ zurück.
Der zweite, _Rokneddin Chumar Tekin_, ertrank; der dritte, _Dschelaleddin Dschanli_, zerstörte Schebankjare; der vierte, _Rokneddin Dschanli_, welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte, _Mengubers_, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, desgleichen seine Gemahlin _Sahide_, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr _Issmeti_, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, _Besabe_, ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet, und der siebente, _Melekschah_, hielt, der letzte, das Ansehen der Seldschuken aufrecht. [RN: i. J. 543/1048] Wider diesen stand in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen Zeitrechnung, _Sonkar Ben Mewdud_, der Salghure, vormaliger Sklave Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse des Berges _Giluje_ angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee, Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461].
[Randnote: Die fünf ersten Atabegen Salghuren.]
Der Atabeg _Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed_, der Bruder des Gründers, vom Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi, zerstöret ward. [RN: 570/1174] Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun, zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend, die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte Verwaltung zu heilen; [RN: 590/1194] kaum vernarbt, wurden dieselben während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers _Toghrul Ben Sonkor_[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der fünfte Atabeg, _Ebu Schudschaa_, d. i. der Vater der Tapferen, _Saad Ben Sengi_, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch schrecklichere Pest. [RN: 600/1203] Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter _Melike Chatun_ dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen _Dschelaleddin Mankburni_ (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von _Ischnekwan_ von Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris, welches _Schehrallah_, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war _Amideddin Abu Nassir Esaad Abrisi_, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's:
In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs, Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464].
Der Wesir _Amideddin_ stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller Humanitätswissenschaften, _Omer Er-Rasi_, über die Schwierigkeiten des mystischen Epos _Selaman_ und _Absal_, welches unter der Hülle einer Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465] aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt; er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:
Wer bringt meinen Geist zu _Batha's_ freien Tauben? Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.
[Randnote: Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.]
Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht und zwanzigjähriger Regierung den Thron. [RN: 623/1226] Sein Vater, Saad, hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen Meerbusens _Kisch_ und _Bahrein_ und das arabische Gebiet von _Katif_ und _Lahsa_ erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu _Ebrkuh_, _Beidha_, _Karun_, im Passe _Adhadi_ und an der Küste von _Dschaaber_, die schönste Juwele aber der Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:
Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist; Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist; Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist, Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.
Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel _Kotloghschah_ erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt _Karandank Chan_, war ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten, welche _Ssubuhabad_, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing; seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba, Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie Wassaf sagt:
»Morgentrunk und dann des Weines Gluglu, Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu, Traute Sänger, die gebunden und betrunken, Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.
Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht erwachten von dessen Schall und Widerhall.« Bei solcher Lebensart vertiefte er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages improvisirte Salghurschah:
Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre; So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln, An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.
Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien[467].
[Randnote: Eroberung von Kisch; und Literatur.]