Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 20

Chapter 203,224 wordsPublic domain

Der Umschwung der Verhältnisse zwischen _Berke_ und _Hulagu_ hatte natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die innere auf die Bekehrung _Berke's_ vom mongolischen Heidenthume zum Islam. Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter waren Emir _Dschelaleddin_, Sohn des Richters, und der Scheich _Nureddin Ali_, von grossem Gefolge begleitet; [RN: 1. Redscheb 661/11. Mai 1262] sie waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten Beglaubigungsschreibens, in welchem _Berke_ seine Annahme des Islams kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen Kaisers _Lascaris_ erschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt. [RN: 28. Schaab. 661/5. Aug. 1262] Am letzten Freitage des Monats Schaaban, welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses Abbas, _Hakimbiemrillah_, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des Sultans _Beibars_, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf den _Berke's_, des Herrschers Kipdschak's[426]. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der Investitur des Ritterthums für den Chalifen _Hakimbiemrillah_ statt. _Futuwwet_[427] bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch _Scherf_ heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und Handlungen. Das bekannte Wort _La Feta illa Ali_ kann nur mit den Worten: _Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali_, übersetzt werden, und nicht als: _Es ist kein Adeliger als Ali_. Das Symbol des Heldenthums oder vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert, Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums, sondern in einem Paar von -- Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter _Berke's_ im Bergschlosse durch den _Atabeg_ (Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, _Mohijeddin Abdes-sahir_, las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir _Fariseddin Akusch Mesudi_ und dem Scherif _Imadeddin Haschimi_, übergeben. Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet. Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer Emire[428] ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück. _Hosameddin_, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; [RN: 5. Silhidsche 661/9. Nov. 1262] drei Tage hernach wurden die Botschafter mit Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam[429]. Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde, die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten, wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein.

[Randnote: Feldzug gegen Kipdschak.]

Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig von _Alatagh_ aus in Bewegung. [RN: 2. Schewwal 660/14. Mai 1262] Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens, befehligte den Vortrab. Die Nujanen _Basmaghan_ und _Abatai_ standen Anfangs Novembers vor Schamachi. [RN: 26. Silkide 660/11. Nov. 1262] Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei _Schaburan_ den _Nokai_ in die Flucht. [RN: 6. Moharrem 661/20. Nov. 1262] Hulagu brach hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin, der Chodscha _Asis_ der Georgier und Chodscha _Medschdeddin_ von Tebris ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin hingerichtet. _Melik Ssadreddin_ von Tebris und _Ali Melik_, die Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; [RN: 21. Moharr. 661/7. Dec. 1262] am siebenten December stand das Heer Hulagu's vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben anderen Nujanen[430] den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den Schneegefilden der Steppe auf sie los; [RN: 7. Rebiulewwel 661/16. Jan. 1263] einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan; Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris zurück[431]. [RN: 11. Dschemasiulachir/9. Mai 1263] Hulagu rächte sich für die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen[432]. Berke, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak, morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann. Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten fünf dem Batu, drei der Frau _Sijurkukteni_, der Mutter Hulagu's, die übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's liess Hulagu ausrücken und niederhauen[433]. Im folgenden Jahre erscholl abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte den Scheich Scherif Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? -- Der Scheich entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte, was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte mit der Nachricht angekommen, dass _Aiktokt_, welcher dem Bruder Kubilai den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als _Ilchan_ und _Padischah_ und obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich.

[Randnote: Arikbugha.]

Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder Hulagu zur Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die im Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan ausgerufen, hundert Gesandte an _Arikbugha_, dessen Bruder und Nebenbuhler um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch einstimmigen Beschluss der Prinzen _Kubilai_ den Thron als grosser Chan bestiegen und _Apuschkan_, der Urenkel Dschagatai's[434], dem Uluse seines Grossvaters vorgesetzt, mit seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet worden sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha, der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne Hulagu's, dem Prinzen _Dschumkur_, und _Karatschar_, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer gegen Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha liess die hundert Gesandten hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen zurück. Er wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich für ihn ein Heer zu Kaschghar, das bald über hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre wider Kubilai. Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem _Jeke Kadak_ und _Karadschu_, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut ward. Die Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, der flüchtig und halb verhungert (denn Kubilai hatte ihm die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager der Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's (des fünften Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem Bekenntniss seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, dass seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass, wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach _Karawin Dschidun_, wo er die zu Karakorum aufgehobenen Lager Arikbugha's und Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen _Kubilai_ mit seinem Bruder Hulagu und seinem Vetter _Berke_, dem Herrn des Uluses _Dschudschi_, und _Alghui_, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das Land vom Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge, während er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische Meer hüten wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde sich wieder erholt hatten, wieder als Rebelle gegen die Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen _Jesunke_, den Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte, und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's[435] schlugen sich zu _Indschije Kutku_ am Hügel _Chodscha Buldak_. Das Heer der Rebellen wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. _Suntai_, der Sohn des letzten Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der _Olt_ genannten Gegend, zu _Schirghan Taghun_ am Hügel _Schilklik_. Der rechte Flügel Arikbugha's war geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus, welche die beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben. Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, seine Streitkräfte mit denen Kubilai's zu messen, ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider _Alghui_, welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne dieselbe zu erhalten[436].

[Randnote: Alghui.]

_Alghui_, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen, ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz _Nikpei Aghul_ (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich _Seifeddin Bachersi_. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze _Schadi_, der Sohn _Jaschmut's_ des _Arkaun_, d. i. des nestorianischen Priesters, forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter, welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte; Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu _Sutgol_, d. i. am Milchsee[437], geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's Ufer des _Hile Muran_; von dem Prinzen _Suntai_, welcher das Heer Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von _Timurkahalka_ und den _Hile Muran_ nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am _Hile Muran_ und zu Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte. [RN: Rebiulewwel 662/Januar 1263] Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen. Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war _Uriktasch_, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder _Suntai_, mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am _Altai_[438] und die Truppen schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern, und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's, welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er sandte sie mit ihrem Minister _Mesud_, dem Sohne von Jelwadsch, zurück. Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's der Prinz _Kaidu_, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden[439]. Bald hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt.

[Randnote: Kaidu.]

Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit Filz bekleidet[440]. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig aufgenommen; aber _Dschingkum_, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig, rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch _Dschikar_, der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen, warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit den Prinzen in's Gericht[441]. Auf die wider sie vorgebrachte Klage schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben; nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: _Bulgha Nujan_, der erste Hebel des Aufruhrs, _Ildschetai_, welcher Gurundschi, den Sohn Kadan's, verschwärzt, und _Tokus_, welcher das meiste Blut der Truppen des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt[442]; nur um das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden _Berke_, _Hulagu_ und _Alghui_ um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte, dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus. Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem _Beirak_, dem Sohne _Jesun Tewa's_, des zweiten Sohnes _Muwatukjan's_, welcher den _Mubarekschah_ zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden, hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen _Numughan_ und _Kukistu_ befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne Ogotai's[443] und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und _Schiregi_ (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch _Sarban_, der achte Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und die beiden letzten entflohen nach der Landschaft _Narin_, wo sie am Ufer des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu _Kaidu_, der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane eingreifend erscheinen wird.

[Randnote: Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.]