Geschichte der Ilchane, das ist der Mongolen in Persien

Chapter 2

Chapter 22,753 wordsPublic domain

Der zehngetheilte mächtigste Stamm der _Dschelairen_, welche in dem Stammgebiete des Hauses Tschengischan's am Onon, in siebzig Ringen, wie die _Avaren_, jeder Ring tausend Familien stark, sassen, ist einer von der ältesten bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars _Dschudschi Tumle_ und _Dschudschi Dschawerkai_, welche der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit den Taidschuten, haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und wichtige Aemter des Staats und Hofs bekleidet; _Kadan_, der Dschelaire vom Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, _Iluk_ und _Ildschikitai_, wovon jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des Sohnes und zweiten Nachfolgers Tschengischan's, Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber nicht, den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls zu Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's spielte Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem er die Rechte des Uluses Ogotai's auf den Thron wider die Ansprüche des Uluses Kubilai's vertheidigte; im Gegentheile leistete der Dschelaire _Mingkasar Nujan_, aus dem Zweige der Dschat, Grossfürst und Oberrichter _Miafarakain's_, dem _Kubilai_ bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, indem er über die widerspenstigen Prinzen der Uluse, Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil aussprach. Der Dschelaire _Dauldu_ war Vogt der vier grossen Lager Tschengischan's und befehligte eine _Ssade_, d. i. Centurie, in jedem _Hesare_, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das Brüderpaar _Olai Kalschu_ und _Karadschai_, die Schafhirten Jisukai's, des Vaters Tschengischan's, denen er sich immer sehr dankbar bewies, weil sie seine in die Gefangenschaft der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas sie vom Erstgebornen Tschengischan's, welchen dieser, weil die (von Verläumdern sogar als zu spät verdächtigte) Geburt des Sohnes unerwartet kam, _Dschudschi_, d. i. den unverhofften Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge das Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, in ihrem Stande zu bleiben und als Hirten seines Vertrauens zu geniessen; aus ihren Nachkommen ist _Sertak_, der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften der persischen Ilchane, und von _Katschar_, dem Sohne _Sertak's_, leiten die heutigen Schache Persiens ihre Dynastie als eine zweite des Stammes der Dschelaire ab; denn eine frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen Reichs der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der _Grosse_, zum Unterschiede von _Hasan Dschoban_, aus dem Stamme _Suldu's_, welcher Stifter der Dynastie _Dschoban_ der _Kleine_ beigenannt ward) in Persien gestiftet, welche von der geschwächten Macht der _Ilchane_ Nichts als den verstärkten Titel als _Ilkaane_ führten. Aus dem Stamme der _Sunit_, welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen Gränze sitzt,[10] war _Dschurmaghun_, welchen Ogotai, nachdem _Dschebe_ und _Subetai_ von ihrem persischen Feldzuge über Russland nach Hause gekehrt waren, als Befehlshaber Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder mächtig, als der Stamm der Dschelairen, war der der _Uirat_, deren Sitz zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere _Ankara_ ergiessen[11], wo noch heute ihre Nachkommen unter dem verwandten Namen der _Buirat_, von allen Stämmen der mit dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte, indem acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und sieben Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren. Die Grossmutter Tschengischan's, die Frau _Sunigil Futschin_, war aus dem Stamme der _Torghut_ oder _Torghod_, welcher noch heute ein Zweig der Kalmuken oder Oeluet (das nur die chinesische Aussprache für _Uirat_) und deren Andenken in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im Namen des Sandschaks _Torghud Ili_ fortlebt.

[Randnote: Der Stamm der Kerait, Bekrin, Naiman, Tonghut und Uighur.]

Drittens die Stämme der _Mogholmanen_, d. i. der Völker, welche weder Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden, auf den Namen derselben Anspruch machten. Die mächtigste dieser Völkerschaften, die von nestorianischen Priestern zum Christenthum bekehrte[12] der _Kerait_; ihres Fürsten chinesischer Ehrentitel _Owang Chan_ erhielt durch die Missionarien des Mittelalters als Priester _Joannes_ keine mindere Berühmtheit, als in früherer mythologischer Zeit der Fisch _Oannes_ als Gesetzgeber an der Küste des rothen Meeres; die Hauptstadt derselben war die Stadt _Thianto_ am Flusse _Hoangho_, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum[13] _Marco Polo's_; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders _Hakembo_[14] ist auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's verbunden, welcher erst der Verbündete Owang Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne stürzte. Vergebens hatte Tschengischan früher die beiden Nichten[15] Owang Chan's für sich und seinen ältesten Sohn Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm verweigert worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's aus dem Sohne _Sinkun_; aber die beiden Töchter _Ettiku's_, des Bruders _Sinkun's_, die Frauen _Tokus_ und _Tukini_, wurden beide die Gemahlinnen _Hulagu's_, und die dritte Nichte Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, war die berühmte _Sijurkukteni_[16], unstreitig die grösste aller mongolischen Frauen, welche durch ihre Staatsklugheit dem Uluse Kubilai's den Thron verschaffte; Mutter vier der grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der Kaane _Mengku_ und _Kubilai_, des Ilchan's _Hulagu_, Gründers der mongolischen Dynastie in Persien, und _Arikbuka's_, der als Nebenbuhler den Brüdern den Thron streitig machte. Auch _But Tengri_, der Stiefvater Tschengischan's, welcher um die Hand der Keraitin _Kadan_ geworben, erhielt einen Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte Owang Chan's. Die nächsten südlichen Nachbarn der _Kerait_ waren die _Unkut_, d. i. die Wächter der grossen chinesischen Mauer; ihr Fürst _Alakusch_, Verräther an seinem Herrn, dem chinesischen Kaiser _Altun Chan_, öffnete dem Heere Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand _Olakai Begi's_, der Tochter Tschengischan's, deren Sohn später mit der Tochter Tuli's vermählet ward; die Unkut waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die Stämme der _Uirat_ und _Kerait_, durch Verschwägerung eng verbunden. Wie die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen Mauer, so sassen diesen westlich die _Naiman_, deren berühmter Fürst _Kuschluk Chan_ einer der erbittertsten und mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider denselben, mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte, verbündete.[17] _Kuschluk's_ Tochter _Linkum_ ward die Gemahlin Tuli's, Mutter seines dritten Sohnes _Kutumku_; auch Tuli's Beischläferin[18], die Mutter seines achten Sohnes _Muke_, welche aber an desselben Statt den vierten Sohn Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die _Bekrin_ oder _Mekrin_, welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande der letzten (in der kleinen Bucharei). Tschengischan nahm _Murkai_, die Tochter ihres Fürsten, zur Frau, welche nach Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger _Ogotai_ vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder Dschagatai, welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert ward; auch die Gemahlin _Kaschin's_, des fünften Sohnes Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters von vierzig Söhnen, welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als Herrscher auftrat, war aus dem Stamme _Mekrin_. Zu den Mogholmanen zählt Reschideddin auch die _Kirgisen_ und _Kemdschiut_, welche, Türken[19] wie die _Ungut_, in Sibirien und an dem _Kem_ oder Jenisei sassen, von welchen sie ihren Namen haben. Die _Tanghut_ im Gebirgslande an der sinesischen Gränze, deren Hauptstadt _Ninghia_ am Ufer des gelben Flusses. Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben nicht zu unterjochen im Stande gewesen, starb auf dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei die _Uighuren_, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre aber auf tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, von welchem die Mongolen Schrift und Belehrung annahmen.

[Randnote: Die Dürlegin, deren Ausbruch aus Ergenekun.]

Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von _Tegus_ und _Kijan_ abzustammen, welche einige Jahrhunderte vor Tschengischan sich mittels eines Durchbruchs aus dem Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit ihrer Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend Jahre vor Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren die Mongolen von ihren Feinden, den Tataren, bis auf zwei Männer ausgerottet worden, deren einer _Tegus_, der andere _Kijan_, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein rundum von steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und Bergbaues endlich müde, den Ausgang aus demselben sich nur dadurch bahnten, dass sie mit siebzig Blasbälgen die Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus dem Gebirge gewährte, dessen Namen _Ergenekun_ als _festes Gewölbe_ oder auch als Gewölbe der _Kunen_ übersetzt werden kann; in der mongolischen Volkssage und in ihrem auf die Türken gepfropften Stammbaum scheint die geschichtliche Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der _Hiongnu_, d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am Altai, wo sie lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre Sieger Bergbau trieben, verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge _Ergenekun_ ist von europäischen Forschern mongolischer Geschichten theils am Kokonor[20], d. i. am blauen See, in Tangut im Süden der grossen Sandwüste _Schamo_ oder _Kobi_, theils im Nordosten derselben am See _Dalai_[21], d. i. am heiligen See, in welchen sich der Kerulon ergiesst, gesucht worden; dort, weil noch heute die steilen Ufer des Sees von den Mongolen _Gunergi_[20] genannt werden, hier, weil der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem Namen _Ergun_ ausfliesst[21], und weil die Berge am mittleren Unun metallreich, wie der Inschan, an welchem die Herrscher der Hiongnu oder Kunen ihre Waffenarbeiter unterhielten[22]; aber wahrscheinlicher ist dieses Erzgebirge weder hier noch dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an Gold wie an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im sechsten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der byzantinischen Geschichte auftauchen; dorten ist der Felsendamm von Gog und Magog, welchen die alte mongolische Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und Dichter den Bergkerker der Mongolen verlegen[23]; doch gleichviel, seyen die Mongolen ursprünglich vom Inschan oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai) ausgebrochen, seyen sie von den Ufern des _blauen_ oder heiligen Sees ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter aus der Bergsclaverei lebte von Geschlecht zu Geschlecht fort (bis auf den heutigen Tag); das Fest des Auszugs ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes Eisen wurde in Gegenwart des Herrschers gehämmert und Gott für den Auszug aus dem Erzgebirge gedankt; später machte die Volkssage den Tschengischan, den Gründer der Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede[24], und am Berge _Tarchan_, d. i. der _Schmied_, welcher auf sieben deutsche Meilen sichtbar, aus rothem Granite als Riese den Eingang der grossen Sandwüste bewacht, wird noch der Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste das Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge _Tono_, d. i. der Rauchfang, wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang der Jurte gezeigt, in welcher er geschmiedet[25] haben soll. Auch in der altpersischen Geschichte war der Befreier des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied _Gjawe_, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, und im Mongolischen ist _Tarchan_, d. i. der _Schmied_, gleichbedeutend mit Freiherr.

[Randnote: Die Stämme der Uirangkut und Konghirat.]

Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen, die aus dem Erzgebirge Ergenekun zogen, heissen _Dürlegin_, bis auf _Alankowa_, die neunte Ahnfrau Tschengischan's, deren Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom himmlischen Lichte empfangen, die _Nirunen_, d. i. die Reinen, heissen; von allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und den Geschichtschreiber des Aberglaubens der Völker merkwürdigster Stamm ist der der _Uirangkut_, die einzigen Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern den Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten den Wetterstrahl als einen feurigen Drachen, der, aus dem Meere steigend, die Luft durchzieht und die Erde mit feurigem Schweife schlägt[26]; sie glaubten, dass ausgegossener Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen den Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu trocknen verboten war; diese Meinung und dieses Verbot zeugt für die Fürchterlichkeit der Ungewitter in jenen Gebirgen und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass Feuchtigkeit der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme waren die meisten _Kamen_, d. i. Schamanen, Beschwörer von Ungewittern und Geistern; aus demselben waren _Jisun Taischi_ und _Jisun Köke_, Befehlshaber des linken und rechten Flügels im Heere Tschengischan's, _Subutai Behadir_, der berühmte Feldherr, welcher mit _Dschebe Nujan_ die siegreichen Waffen der Mongolen durch Persien nach Kipdschak trug, endlich _Udadschi_, der Zeitgenosse Tschengischan's, dessen Nachkommen im Gebirge _Burhan Kaldun_ die Grabwächter des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter der acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend _Jeke Utek_, zwischen der Schattenseite des westlichen Altai und der Sonnenseite des östlichen Kentei, aufgerichtet worden[27], nach aller Wahrscheinlichkeit die Ahnen des in der späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und noch heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen Stammes der _Ordu's_[28]. Wenn der Stamm der _Urianghut_ so merkwürdig für den Mythologen und Ethnographen, so ist der siebenzweigige[29] der _Konghirat_ noch weit bedeutender in der Geschichte Tschengischan's und seiner Nachfolger durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit dem Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des tschengischanischen Hauses aus diesem Stamme in alle vier Uluse vermählt waren. Die Mutter Tschengischan's war aus einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin, und Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so gab er dem _Schingku Gurgan_ seine Tochter Tumalin mit dem Befehle über viertausend Konghiraten, eine andere wollte er dem Konghiraten _Tuli Amul_ zur Frau geben, liess ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen Worte erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, die Frosch und Schildkröte (quackend und duckmäuserisch sicher). Von _Bestui_, dem Stammvater der Konghirat und der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich Alles, was in der mongolischen Hofsprache _golden_ heisst, her, wesshalb er auch _Bestui serin_, d. i. der goldene, beigenannt wird; daher das goldene Lager, das goldene Archiv, das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des Herrschers. Aus den _Kinkliut_, einem Zweige der Konghirat, war _Miser Uluk_, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin seltsame Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief er statt der Decke mit Muscheln zugedeckt, so dass Vögel auf seinen Rücken nisteten und Eier legten; sein Sohn war der Stammvater der _Kurulas_, aus welchen _Merchitai_ dem Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von der Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den erbitterten Feind _Dschamuka_ zum Gurchan, d. i. zum grossen Herrscher ausgerufen hatten, die früheste Kunde zu geben. Die Gemahlin _Miser Uluk's_ war eine Chinesin, deren Namen[30] die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der Sohn _Ildschigin_, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater des siebenten Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre Sitze an der chinesischen Gränze an den finsteren Wäldern des Gebirges _Hingan_[31], woher die unter dem Namen der _Karawinas_ berühmten Naphtafeuerwerker.

[Randnote: Die Stämme Kungtan, Erlat, Huschin, Kelkenut, Bajaut, Suldus.]

Der Namen des Stammes _Kungtan_ heisst die Grossnasichten, was sowohl physisch als moralisch für stolz und anmassend verstanden werden kann.[32] Aus diesen und den folgenden Stämmen der _Erlat_, _Huschin_ und _Suldus_ waren die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters. _Menglik Itschke_, der Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode den dreizehnjährigen _Temudschin_ gepflegt, sein Sohn aus einer früheren Ehe, _But tanri_, d. i. Gottes Ebenbild, trat als begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung in _Tschengis_, als gleichbedeutend mit Gewaltiger, grosser Chan; der diesem gewogenste Stamm waren die _Erlat_ oder _Arulad_, d. i. die Guten, als deren Chakan Tschengischan den Thron bestieg[33]; aus diesem Stamme war _Bughurdschin Nujan_, welcher mit _Burghul Nujan_, aus dem Stamme der _Huschin_, der Lebensretter Temudschin's, als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben Gefahr lief, wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als die Waffengenossen, die ihm am Quell _Baldschuna_ treu geblieben waren, zu _Tarchanen_, d. i. Freiherren, geadelt, dieselbe Würde ohne Diplom erhielten und über Diplome erhaben erklärt wurden; auch den ganzen freundlichen Stamm der _Kelkenut_ adelte Tschengis als Freiherren, wie Kaiser Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu Conti erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten Stamme der Bajaut, welcher in zwei Abtheilungen an der Selinga sass, war _Böke Gurgan_, einer der Eidame Tschengischan's, dann _Ongkus Keisat_, d. i. der Truchsess[34], ob der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan Chan in der Folge verungnadet, und _Surkan_, der betraute Rath Tschengischan's, der, als die Fürsten der Tataren und _Dschadscherat_ um die oberste Herrschaft der Mongolen stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich der Stamm _Suldus_, verherrlicht durch die Familie _Surghan Schire's_, des Retters Temudschin's, als dieser von seinen Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit dem Blocke am Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau _Baidschu Ikadschi_ hatte sich seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger war der Dienst, den ihm _Surghan Schire_ erwies, indem er, des Verborgenen gewahr, die ihn aufsuchenden Taidschuten vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog und in seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in den Wollsack; als sie ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider, Waffen, Mundvorrath und eine weisse Stute, auf welcher er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte schon mehrere Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt auf weisser Stute; und desselben Ankunft bestätigte des Knaben zweites Gesicht[35]. Viele der Nachkommen Surghan Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben stammt der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter Ghasan, Oldschaitu und Ebu Said, der in des letzten Regierung so wichtige Rolle spielt, und dessen Sohn Hasan der Gründer der Dynastie _Tschoban_, welche, wie die der Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in Iran erhob. Tschengischan zählte unter den Stämmen der Durlegin mehrere Freunde als unter den achtzehn der ihm nächstverwandten, von den lichtempfangenen Söhnen von der neunten Ahnfrau abstammenden _Nirunen_, d. i. die Reinen. Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn _Kabulchan_ nur das der _Kutat_ oder _Kitad_ und von seinem Vater _Jisukai_ das der _Kutat Burdschugin_, d. i. die rothbräunlichten Augen. Von diesen achtzehn Stämmen der _Nirunen_ wollen wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche, die _Taidschut_ und _Dschadscherat_, und zwei feindliche, die _Barin_ und _Jisut_, zur näheren Kenntniss einführen.

[Randnote: Die Stämme der Taidschut, Dschadscherat, Barin und Jisut.]